und daß auch Japan eine Lügenpolitik treibe. Bei dieser Sachlage kann es nicht weiter verwundern, daß die Agenten der Moskauer Internationale sich jetzt in China keine Gelegenheit entgehen lassen, u mdie nationalistischen Leidenschaften des chinesischen Volkes weiter emsig zu schüren.
Der Siebener Haushalts-Voranschlag für <925 I.
Mit besonderem Interesse haben die kommunalpolitisch tätigen bzw. interessierten Kreise dem städtischen Haushaltsvoranschlag für 19 2 5 entgegengesehen. Einmal war man gespannt auf die stark veränderten Ziffern, besonders in den Haupttiteln, zum anderen interessierten sehr lebhaft die neuen Pläne, die man im Nahmen dieses Vor- anschlags von der Stadtverwaltung erwartete. Nach beiden Richtungen hin ist recht Bemerkenswertes zu verzeichnen. Insbesondere trifft das zu auf die kommunale Ausbauarbeit, der sich die Stadtverwaltung im neuen Wirtschaftsjahre in erheblich weiterem Umfange als in den Jahren vorher widmen will, und was auf diesem Gebiete heute noch vermißt wird oder als zu knapp dotiert anzufehcn ist, kann ja aus dem Ausgleichstitel geholt werden, sofern es nicht eben Projekte sind, deren Kosten stark in die Hundcrttausende gehen. Im ganzen beurteilt, ist jedenfalls zu sagen, daß der Voranschlag weitgehendste Vorsicht bei der Ausstellung verrät, daneben aber auch den Willen zum Voranschreiten, das man allerdings in mancher Beziehung noch weitgreifender gesehen hätte, zum Ausdruck bringt.
In Einnahme und Ausgabe schließt der Gesamthaushaltsplan 1 9 2 5 mit 6 038 436,68 Mark gegen 3 007 074,74 Mark im Jahre 1924 ab. Das ist gegenüber dem Vorjahre diesmal ein Mehr von 3 031361,94 Mark, also mehr, als für 1924 insgesamt vorgesehen war. Auf die Betriebs- r e ch n u n g entfallen an Ausgaben und veranschlagten Einnahmen 3 986 670,68 Mk. gegen 2 365 818,74 Mark im Vorjahre, mithin ein Mehr von 1 620 851,94 Mark: in der Vermögensrechnung stehen diesmal 2 051766,00 Mark Einnahmen und Ausgaben der Summe von 641 256,00 Mark gegenüber, mithin ein Anwachsen um 1 410 510,00 Mark. Das find Summen, die zum Nachdenken zwingen und die eine Erklärung heischen. Es ist selbstverständlich, daß in diesem Hinaufschnellen der Ziffern vor allem die seit längerer Zeit zu beobachtende Preissteigerung auf den verschiedensten Wirtschaftsgebieten mit all ihren Folgeerscheinungen zum Ausdruck kommt. Aber mit dieser allgemeinen Erklärung ist der gewaltige Sprung nach ob-n doch wohl noch nicht ausreichend erlautcu. Man kann sich beim Studium des Vor- anichlags vielmehr des Eindrucks nicht erwehren, daß im vorjährigen Voranschlag vielfach zu knapp veranschlagt worden ist, aus anerkennenswerten, aber schließlich doch nicht ganz richtigem Svarsamkeits- drang, und daß aus diesen niedrigen Ansätzen jetzt unbedingt herausgegangen werden mußte, wenn die Sache nicht notleiden sollte. Wobei übrigens noch abzuwarten ist, ob die vorjährigen Ansätze nicht ganz wesentlich überschritten mürben. Wenn unsere Vermutung hinsichtlich der zu knappen Veranschlagung für 1924 in den Tatsachen Bestätigung findet — wofür außerordentlich viele Umstände sprechen! — so sollte man daraus für die Zukunft die Lehre ziehen, bei der Voranschlags-Ausgabenberechnung zwar vorsichtig, nber nicht übertrieben gering zu etatisieren. Denn besser ist es auf alle Fälle, man sieht sich von vornherein der ganzen Schwere der Lage, dem Gesamtumsang der Erfordernisse gegenüber und kann sich gleich dementsprechend einstellen, als daß man zuerst ein Auge zuorückt und hinterher doch das dicke Ende unaufhaltsam auf sich zukommen sehen muß. Die Stadtverwaltung hat diesen Grundsatz bei der Rechnungsaufstellung für 1925 angewandt — in verschiedenen Punkten aber leider auch nicht in vollem Umfange; z. B. beim Titel Straßenunterhaltung und -erneuerung und beikü Titel Kapitalzinsen —, hoffentlich wird das Stadtparlament denselben Weg gehen und den anerkennenswerten Tatwillen der Verwaltung stärken, auch wenn dann hier und da die steuerliche Opferkraft der Bürger im Interesse einer guten Wegbereitung für die Zukunst unseres Ge- meinweseNs noch etwas angespannt werden mühte.
Betrachtet man die 82 Titel des Haushalts- Voranschlags im einzelnen, so fällt vor allem das Kapitel Wohlfahrtspflege auf. Der Voranschlag des Wohlfahrtsamtes schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1 231 220 Mk. ab gegen 509 273,92 Mark im Vorjahre. Aus verschiedenen Einnahmequellen, unter denen ein Posten von 105 000 Mk. seitens des Landes für die Rentnerfürsorge die bedeutendste Rolle spielt, während die Reichskasse nur mit einem Verwaltungskostenzuschuß von 1500 Mk. vertreten ist, erwartet das Wohlfahrtsamt 272 220 Mk., dagegen muh die Stadtkasse mit einem Zuschuß in Höhe von 959 000 Mk. (im Vor- jahre 330 000 Mk.) zur Bestreitung der Kosten beisteuern. Rechnet man zu dieser Summe noch einige kleinere Beträge hinzu, die mehr verwaltungsmäßiger Art sind, so ergibt sich ein städtischer Gesamtzuschuß zu den Wohlfahrtskosten in Höhe von 961 400 Mk., wobei sich die reine Mehrausgabe gegenüber 1924 schließlich mit 624 041 Mk. heraus- stellt. Diese außerordentlich starke Mehranspannung der Stadt nötigt zu einigen Bemerkungen. Zunächst ist festzustellen, daß die Ziffern des vorjährigen Voranschlags heute nur eine bedingte Geltung haben können, denn im vorigen Haushalt konnten die finanziellen Wirkungen der neuen Wöhlfahrts- geser->gebung noch nicht voll zur Geltung kommen, während sie diesmal in ganzem geldlichen Aus- maß in Erscheinung treten. Aber trotz der hohen Lasten wenden wir uns nicht gegen dis Wohlfahrtspflege an sich, denn diese ist sehr gut und unbedingt notwendig. Aber Widerspruch muß dagegen erhoben werden, daß von reichswegen die Lasten bei Wohlfahrtsfürsorge, die doch in erster Linie Sache des Reiches, dann allenfalls der Länder und erst ganz zuletzt Angelegenheit der Gemeinden ist, glatt auf die Gemeinden abgewälzt werden, ohne ihnen zugleich auch die entsprechend umfangreichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Städte sollten gegen diese Gepflogenheit des Reiches immer wie- II»ui n»ii™wrnTT-:-—r—’—m' tii» i»im mi »JII» 11, i
der Einspruch erheben und das Reich an die Erfüllung seiner Pflicht erinnern, denn der weitaus überwiegende Teil der Fürsorgebetreuten besteht doch aus solchen Mitbürgern, die in der Hauptsache nur durch das Verschulden des Reiches in Not geraten sind. Wir würden es begrüßen, wenn das Stadtparlament bei der Voranschlagsberatung gegen diese Unhaltbarkeit ausdrücklich Stellung nehmen und beim Hess. Städtetag anregen würde, einen solchen Widerspruch zu dem (einigen zu machen und an der maßgebenden Stelle mit Energie zu vertreten.
Daß bei dem Titel Allgemeine Verwaltung die Ausgabenseite von 224 219,35 Mk. auf 398 784,15 Mk., also um 174 564,80 Mk. angewachsen ist, kann nicht etwa nur auf Gehaltssteige- rungen zurückgeführt werden. Der Hauptgrund dieser Aufwärtsbewegung der Titel-Schlußziffer ist vielmehr darin zu sehen, daß im neuen Voranschlag eine etattechnische Verschiebung von Berechnungsposi- tionen derart vorliegt, daß jetzt die Gehälter u. Löhne an der entsprechenden Titelstelle in Erscheinung treten, während sie im vorjährigen Etat in Bausch und Bogen im Titel Reservefonds zu bemerken waren. Steht man also hier beim Titel Allgemeine Verwaltung einer starken Erhöhung gegenüber, so findet man auf der anderen Seite Den Reservefonds von 382 280 Mk. im Vorjahre auf 162 264,99 Mark für das Jahr 1925 abgestrichen. •
Für die istraßen Unterhaltung sind im neuen Haushaltsplan 132 631,50 Mk. mehr vorgesehen (für 1925 nämlich 199 544 Mk. gegen 66 912,50 Mark im Jahre 1924). Diese reichlichere Zumes- sung von Mitteln für die Strahenunterhaltung bzw. -erneuerung ist natürlich zu begrüßen, man muß aber im gleichen Augenblick betonen, daß sie, gemessen an der großen Dringlichkeit aller in unserer Stadt vorliegenden Erfordernisse, doch eigentlich geringfügig ist. Wenn man sich vergegenwärtigt, in welch reparaturbedürftigem Zustand zahlreiche Straßen und Plätze sind (Bahnhofstraße, Westanlage, Neustadt, Asterweg, Gartenstraße, Frankfurter Straße usw.), so wird man zugeben müssen, daß 500 000 Mk. für die erste Erneuerung nicht zu hoch gegriffen wären. Wir möchten den Wunsch äußern, daß für dieses Jahr noch ein recht erheblicher Betrag aus dem mit 300 000 Mk. vorgesehenen Titel Ausgleichsmittel zu der Straßenherstellung herübergenommen wird und daß man bei der Doranschlagsberechnung für 1926 schon von vornherein für diese außerordentlich wichtige und drängende Aufgabe weit größere Mittel als jetzt vorsieht. Hierbei handelt es sich in hervorragendem Maße um die Visitenkarte der Stadt den Fremden gegenüber, und dafür muß nun endlich etwas ganz Durchgreifendes getan werden, auch wenn es erhebliche Opfer kostet.
Moderne Methoden kommunaler wirtfchasts- und verkehrrwerbung.
Von Dr. Fritz Erbsen, Berlin.
In unserer Artikelfolge „Gießener Zukunftsfragen" haben wir im Aufsatz IV in 7tr. 102, 2. Blatt, die Schaffung einer städtischen Verkehrswerbe st eile empfohlen. Einen bemerkenswerten Beitrag zu dieser Angelegenheit bringt heute der nachstehende Aufsatz. — D. Red.
Verkehrswerbung und Wirtschaftspropaganda größerer Städte erfordert gut durchgebildete Organisation und Einstellung auf moderne werbekundliche Gesichtspunkte. Von der Beherrschung des Werbefachs seitens der Propadandaleiter hängt nicht zum wenigsten die angestrebte Belebung der Wirtschaft, die gewünschte Hebung des Verkehrs ab. Das Rückgrat der gesamten kommunalen Werbearbeit bildet eine intensive, richtig aufgezogene, literarische und bildliche Propaganda. Es gilt vor allem, die wirtschaftlichen Vorzüge und kulturellen Reize einer Stadt durch Lancierung in die auswärtige Tages- presse und die einschlägigen Wirtschafts- und Ver- kehrszeitschriften zu repräsentativer Geltung zu bringen. Lebendige Sprache, fesselnde Stilistik, ausgesuchtes Jllustrationsmaterial bilden ein gewichtiges Moment zur Erzielung des gewaltigen Eindrucks. Kurz gefaßte, alles überflüssige Beiwerk vermeidende Werbeplakate, Stadtbilder in eindrucksvoller Farbengebung, Poststempel mit schlagwortartigen Werbungszusätzen sorgen dafür, daß sich dieser Eindruck nicht so leicht wieder verwischen kann. Einen weiteren Schritt vorwärts in Der Lösung handlungsauslösender Beeinflussung stellt die Herausgabe selbständiger, mit reichem Bildmaterial ausgestatteter Werbebroschüren dar, bei deren lückenloser, gediegener Ausgestaltung und weitester Verbreitung die Mithilfe der lokalen Wirtschaftskreise nicht zu entbehren ist. In der Kombination von Wort und Bild in Form von Lichtbildervorträgen steckt ebenfalls ein erprobtes Werbemoment, das im Rahmen von Reisebeschreibungen und Wanderschilderungen durch Demonstration der topographischen und städtebaulichen Vorzüge, der kulturellen und wirtschaftlichen Anziehungsreize stadtwerbend zu wirken vermag. Abermals einen Schritt weiter, und als modernster Vertreter technischer Propagandaformen tritt der Film auf den Plan. Als Städtefilm entfaltet er in feinen verschiedenen verkehrstechnischen und verkehrswirtschaftlichen Erscheinungsformen neuartige und ausgiebige Darstellungsmöglichkeiten der lokalen Wirtschaftsbedeutung und Wirtschaftsstruktur.
Kunst und Wissenschaft. Tagung der Kantgesellschaft in Halle a. 5.
Die Mitgliederversammlungen der Kant- gefellschaft sind in den letzten Jahren zu Philosophenkongressen geworden, deren Niveau der tatsächlichen wissenschaftlichen Zeitlage wirklich entspricht.
Gin Thema beherrschte die gesamte Tagung am 5. und 6. Juni, das aktuellste der Philosophie unserer Zeit: die wiedererwachende Metaphysik.
Liebert, Berlin, gab die Einleitung. Menzer, Halle, zeigte an den einzelnen historisch vorliegen- de-a Typen die logischen Formen des metaphysischen Denkens. Bei beiden Rednern überwog der Eindruck, daß sie von einem im Grunde anders orientierten Standpunkte aus zu der metaphysischen Zeitströmung Stellung zu nehmen suchten. Ganz anders und in betontem Gegensatz zu ihnen der dritte Redner: der mit Spannung erwartete Rico la i Hartmann, Marburg. Durch eine historische Rückschau werden wir der Metaphysik nicht gerecht. Unsere Zeit ist philosophisch desorientiert. Wir haben den Begriff der Philosophie verschoben. Metaphysik gehört wesentlich zu aller Philosophie. Das wußte noch Kant. Erst bei Neukantianismus wollte es nicht mehr wissen. Wogegen Kant sich wandte, war die Metaphysik der Spekulation, nicht aber die naturgewachsene Metaphysik der Probleme. Es ist der Grundfehler der heutigen Philosophie, nur lösbare Probleme für wissenschaftliche Probleme zu halten und weiterhin dann zu behaupten, daß unlösbare Probleme nicht zu behandeln seien. Die Metaphysik ist die Domäne der unlösbaren Probleme der Irrationalen. 3n allen philosophischen Gebie.en finden wir Metaphysisches, am ausgesprochensten in der Erkenntnistheorie. Denn Erkennen heißt stets eine Ansicht erfassen — und damit metaphysisch Tin- giertes. 2m bloßen „intciitiona.cn“ Gegenstand,
Sind die bisher gestreiften Werbemethoden in der Hauptsache auf die Heranziehung des Fremdenverkehrs und Hebung der Fremdenindustrie zugeschnitten, so darf die Betonung der Wichtigkeit einer parallel damit gehenden ausschließlichen Wirt- fchaftspropaganda darüber nicht vergessen werden. Diese stellt sich speziell die Aufgabe der Förderung und Ausgestaltung rein wirtschaftlicher kommunaler Anlagen und Schöpfungen und wendet sich dementsprechend an geeignet erscheinende Industrie- und Handelskreise, die sie an diesen Wirtschaftseinrichtungen zu interessieren sucht. Auch hier in Schrift und Bild, Situationsplänen und Berechnungen werbend, bemüht sie sich um die Heranziehung und Beteiligung solcher Interessenten z. B. bei der Verwertung und Besiedelung von In- buftriegelänbe, ber rationellen Ausnutzung und Rentabilisierung von Hafenanlagen, Lagerhäusern und dergleichen.
Auch hiermit sind jedoch die kommunalen Werbemöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Es verbleiben vielmehr noch starke Reserven zu einer „Propaganda der Tat", nämlich in Gestalt der Pflege und Organisation des Ausstellungswesens und verwandter Veranstaltungen. Bietet doch die Beschickung von Ausstellungen, Meßen u. dgl. der kommunalen Wirtschaft willkommenste Repräsen- tations- und Werbegelegenheiten, während die Selbstveranstaltungen dieser Art darüber hinaus noch den Vorteil einer unmittelbaren Befruchtung von Wirtschaft und Verkehr im Gefolge haben. Hier eröffnet sich also den angriffsfreuDigen propagandistischen Ehrgeiz einer Kommune ein äußerst fruchtbares Feld zur Deackerung. Unter denselben Gesichtswinkel der Förderung von Wirtschaft und Verkehr und damit zugleich des allgemeinen Wohlstandes fällt kommunale Werbearbeit, wenn sie sich tatkräftig dafür einsetzt, daß in den Mauern ihrer Stadt recht zahlreiche Tagungen und Kongresse abgehalten werden, und ihr Gemeinwesen immer mehr zum Mittelpunkt von Massenveranstaltungen, wie Festspielen, Festaufführungen und sportlichen Sensationsereignissen wird.
Feststeht jedenfalls das Eine: Kommunale Werbearbeit ist von kommunaler Wirtschaft nicht gut mehr zu trennen. Umsomehr ist das größte Gewicht darauf zu legen, daß in die städtischen Aem- ter soweit sie sich mit Nackrichtengebung, Wirt- schäft und Verkehr zu befassen haben, moderne, werbekundliche Methoden iyren Einzug halten.
den die PhLnomenologen allein anerkennen, haben wir noch keinerlei Erkenntnisobjekt.
v. Aster, Gießen, entwickelte in überau- geistvoller Weise den (heute freilich im Absterben begriffenen) positivistischen Standpunkt und trat, indem er die Metaphysik nur beschränkt anerkannte, seinem Vorredner zum Teil scharf entgegen. Schmalenbach, Döttingen, verteidigte -- etwas aphoristisch — die Phänomenologie und Plessner, Köln, entwickelte das metaphysische Problem im Anschluß an eine Analyse der Frage.
Eine zweite und dritte Gruppe von Rednern behandelte die Beziehungen der Metaphysik zu den Natur- und Geisteswissenschaften. Driesch entwickelte in neuer, anziehender Form und oft in bewußtem Anschluß an N. Hartmann seine bekannte Lehre vom Naturwirklichen, während Decher, München, mit großer Klarheit die Anschauung zur Geltung vrachte, nach der Metaphysik die Lehre vom Ganzen der Wirklichkeit und ihre Methode die empirisch-induktive ist. Von den übrigen Rednern seien noch Reichenbach, Stuttgart, Kunhe, Berlin, und Dinger, München, genannt, die sämtlich die modernen Theorien der exakten Wissenschaften in ihrer Beziehung zu möglicher metaphysischer Problematik behandelten, sowie W Stern, Breslau, und 3. Outt- mann, Berlin, welche dem Fragenkreis der Metaphysik in den Geisteswissenschaften beachtenswerte originelle Gedanken abzugewinnen vermochten.
Darmstädter Sommer.
Im Rahmen der Veranstaltungen de- „Darmstädter Sommers“ widmete das Hess. Landestheater einen Abend dem Gedächtnis Rudi Stephans, des im Weltkrieg im Alter von 2Z Jahren gefallenen Wormser Komponisten. Die Feier wurde eingeleitet mit der Wiedergabe seiner „Musik für Orchester", die außerordentlich eindrucksvoll war. Der Musikschriftsteiler Dr. Karl Holl aus Frankfurt hielt dann einen Ginführungsvortrag über den Tondichter, in Dem er dessen Schaffen charakterisierte und ihn als
einen Führer bezeichnete, auf dem Wege einer Zusammenfassung moderner Stilrichtungen, einen neuen klassischen Eigenstil zu schaffen. Den Abschluß der Feier bildete die Aufführung der zweiaktigen Oper „Die ersten Menschen" unter Der musikalischen Leitung von Josef R o s e n st o ck und der szenischen Leitung von Intendant Legal. Das Werk, das weniger stofflich als musikalisch interessierte, fand bei dem vollbesetzten Hause eine sehr günstige Aufnahme.
Wirtschaft.
Börse und Geldmarkt.
Wenn man behauptet, die Börse erlebe zur Zeit schwarze Tage, so ist dieses nur bedingt richtig, namentlich nur dann, wenn man unter Börse die Gesamtheit der Besitzer von Effekten und sonstigen Börsengängigen Wertpapieren auffaßt. Wenn man dagegen die Börse im engeren Sinne, d. h. die berufsmäßige Spekulation, betrachtet, so darf man eher behaupten, daß sie recht gute Tage erlebt. Die berufsmäßige Spekulation hat sich die gan^e Sachlage zu Nutze und einen scharfen Vorstoß durch Leerverkäufe gemacht, die in erster 21 nie die jüngsten Kursstürze veranlaßt haben. Dieses Spiel war um so leichter, als man wußte, daß der erstrebte Effekt mangels jeglicher Käuferschaft schon bei verhältnismäßig geringen Verkäufen erzielt werden konnte. Wie immer zu solcher Zeit wurden alarmierende Gerüchte über die verschiedensten Konzerne in die Welt gesetzt, die nach den Vorgängen im Stinnes- Konzern allzu leicht Gläubige fanden. Dis zu dem Zeitpunkt, wo Dementis der betroffenen Konzerne Vorlagen, war das Geschäft gemacht, und es war bereits am Mittwoch vorauSzusehen. daß die Stimmung am Donnerstag besser werden wurde, weil bei dem unerwarteten Erfolg man schnell bestrebt war, den erzielten Gewinn einzuheimsen. Der Verlauf der letzten Tage hat wieder schlagend bewiesen, wie unumgänglich notwendig die schnellste Wiedereinfichrung des Terminhandels ist, der dank seiner Technik nn eminenten Maße befähigt ist, ausgleichend zu wirken, und wenn die Bestimmungen des Terminhandels in seinen Einzelheiten dazu beitragen, daß in den Dörsenelementen eine Säuberung vorgenommen wird, so ist das sicherlich kein Fehler, nicht zum weniasten im Interesse des Ansehens der Börse und der Befähigung, ihre volkswirtschaftlichen Aufgaben zu erfüllen.
Die Vorgänge der letzten Tage sollten Veranlassung sein, Die Frage aufzuwerfen, ob es richtig ist, daß der Börsenvorstand und der Dvr- senkommissar den Dingen ihren Lauf lassen. Wenn auch zuzugeben ist, daß künstliche Eingriffe stets unerfreulich find, so muß man doch erwägen, auf welcher Seite der größere Schaden liegt. Wenn z. D. ein Papier bei einem Verkaufsangebot von wenigen taufend Mark um 10 Prozent und mehr heruntergesetzt wird, so leidet hierunter die Gesamtheit der Besitzer dieses PapiereS. Wenn dagegen in solchen Fällen infolge Einschreitens der Börsenaussicht der Kurs gestrichen wird, so kann unter Umständen nur der betreffende Verkäufer eventuell leiden, weil er nicht zu seinem, vielleicht dringend benötigten Gelde kommt. Begreiflich ist, daß unter den gegebenen Timständen das Interventions-Konsortium scheinbar versagt, denn man kann den Großbanken nicht zumuten, sich unbegrenzt mit Gffektenpakelen dollzupacken und ihre anderen wichtigen Aufgaben zu vernachlässigen. Die Jn- terventionstätigkeit der Großbanken kann immer nur relativer Natur sein, und in diesem Sinne hat sie nie aufgehört zu funftionieren.
Die Lage des Geldmarktes spiegelt deutlich die allgemeine Börsenlage wieder. Die Versteifung zum Ultimo hat schnell wieder einer größeren Flüssigkeit des kurzfristigen Geldmarktes Platz gemacht, da für Dörsenzwecke, da nahezu die gesamte Spekulation nach unten liegt, kaum MittZl benötigt werden. Die Geldgeber, in erster Linie sind eS die amtlichen Stellen, die zufolge unserer immer noch andauernden radikalen Steuer- und Tarifvolitik kurzfristige Anlagen ihrer kurzfristigen Mittel suchen, haben sich neuerdings mehr dem Privatdiskontmarkt zugewandt, und die Folge hiervon ist, daß einem Uebermah von Nachfrage kein genügendes Material aegen- übersteht, so daß der Sah für Privatdiskonten eine weitere Ermäßigung erfahren hat. Unter normalen Umständen würde jetzt die Frage der Ermäßigung des Reichkbankdislonts naheliegen. Daß hieran aber tatsächlich nicht gedacht werden kann, bedarf keiner weiteren Ausführung. Qte- gesichtS der Zurückhaltung des Auslandes, die ft4b naturgemäß infolge der letzten Vorgänge noch verstärkt hat, während auf der anderen Seite die deutsche Wirtschaft darauf eingestellt war, daß der AuSlandkredit wieder zu fließen beginnt, sind die weiteren Folgen unserer Kapitalnot nicht auSzudenken. Das Hin und Her in der Frage der Aufwertung ist auch nicht geeignet, das Vertrauen des Auslandes in eine stabile Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens zu Heden.
* Untersagte lOOprozentige QIvJ- Wertung von Girogeldern. Aus Dresden wird dem D. H. D. gemeldet: Die Gemeinde Klein-Olbersdorf bei Chemnitz beschloß, die Giro- kassengelder mit 100 Prozent aufzuwerten. Die Giroverbände sächsischer Gemeinden hatten gegen diese volle Aufwertung Beschwerde erhoben mit der Begründung, daß dadurch Unruhen in den anderen Girokassengemeinden her- vorgerusen werden könnten. Das Ministerium wies daraufhin die Amtshauptmannschaft an. einen Beschluß des Bezirksausschusses herbeizuführen. Dieser versagte nunmehr dem Vorgehen der Gemeinde Klein-Olbersdorf die Genehmigung.
* Reue Arbeiterentlassungen im R uhrgebiet. Die Lage der Zechen General Blumenthal I und II hat sich in den letzten Monaten derart verschlechtert, daß die Verwaltung beim Demobilmachungskommissar Ent-
mit knusprigen Makronen
Der reine Mandelduft und der zarte Marzipangeschmack machen diesen Pudding zum Liebling aller Feinschmecker und zu einem wirklichen
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