Nr. 136 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)5amrtag, 5 Znni (925
Außenpolitische Umschau.
Don Prof. Dr. Otto Hoetzjch, M. d. %
Die am 4. Juni übergebene fiontrollnote ist, wie der englische Botschafter bei der Ueberreidjung gefügt hat, auf die Voraussetzungen zur Räumung non Soin abgestimmt. Die andere Seite fühlt, daß sie im Unrecht ist, sie will darum der Welt beweisen, daß sie mit Recht Deutschland um seine Vertrags- ansvrüche gebracht hat, und geht in diesem Streberf noch über da- Bisherige hinaus, indem sie mit der Rote ausdrücklich anerkennt, daß die Besatzung»- fristen zu laufen begonnen haben und die Räumung am 10. Januar 1925 für die erste Jone das Recht Deutschlands war. Freilich behält man sich auch sehr die eigene Entscheidung und Willkür immer noch vor. 3n der Rote sind genügenb Haken und Fußangeln, Möglichkeiten, zu verschleppen und zu sabotieren. Eine Sicherheit für Deutschland, daß die anderen wirklich hinausgehen, ist nicht gegeben. Ein Termin ist nicht gesetzt, und immer unb immer bleibt, daß die andere Seite entscheidet in einem Prozeß, in dem sie zugleich Ankläger, Richter und Straf- Vollzieher ist.
Sechs Jahre ift der Krieg zu Ende, und noch immer wird mit dieser Brutalität dem Besiegten klargemacht, daß er der Besiegte ist. Der Welt aber macht dieses Sammelsurium von teilweise ganz lächerlichen Dorwürfen keinen Eindruck. Sie sicht selbst, in welch ungeheurem Umfang Deutschland abgerüftet hat, unb sie sieht mit Recht in biefen kleinen Vorwürfen ben Willen zur Schikane, zur Quälerei unb zur Ausnutzung ber Kontrollfragen für anbere politische Absichten, bie nicht näher bezeichnet zu werben brauchen. Selbst wenn alles richtig wäre, was man Deutfchlanb vorwirft, ber Riescnabftanb bleibt boch zwischen bem kleinen Heer Deutschlanbs unb ber ungeheuren Rüstung auf ber anberen Seite. Der Abstand bleibt zwilchen biefen Lappalien unb bet Fortbauer ber Besatzung mit allen ihren Qualen unb Lasten. So zeigt die Rote nur, wie schwach das Fundament ist, auf dem die Gegner bauen.
Manches in ber Rote ist schlechthin unerfüllbar. Manches ist aus anberen Grünben, ber Ehre unb Staatsnotwenbigkeit glatt abzulehnen. Manches ist direkt unoerstänblich. Ucber manches läßt sich reden. So wird also über die Rote des längeren zu verhandeln fein. Dabei muß bie Regierung streben, in m ü n b 11 d) e n Gedankenaustausch mit ber anberen Seite zu kommen, statt eines Rotenwechfels, der sich ewig hinzleht. Sie muß babei, was wichtiger ift, banach streben, Nordamerika in bie Ausein- anberfefjung hineinzuxlehen. Da» ist nicht leicht, weil sich Rorbamerika biefen Fragen grundsätzlich fernhält. Aber ber Zusammenhang zwischen ben Forbe- rungerf ttfr Rote unb bem Dawesplan liegt auf ber Hanb. Roch haben wir keine Vorstellung, wie hoch ber Wert besten ist, was an deutschen Wirtschasts- Instrumenten zerstört werben soll. Aber unzweifelhaft cerminbctt biefe sinnnlos uns angefonnene Zerstörung ber Wirtschastswerte bie Leistungsfähigkeit, bie man von uns für ben Dawesplan verlangt. Das Rorbamerika klar zu machen, ift eine wichtige Aufgabe ber beutschen Politik.
3m übrigen lehnen wir bie Derbinbung zwischen bem Entwaffnungsplan unb bem bekannten großen Zusammenhang ber Fragen ber Sicherheit, ber Vol> keröunbskontrolle, dos Eintritts in den Dölkerbunb durchaus ab. Die Antwort auf bie beutschen Sicherheitsanregungen, auf bie sich Brianb unb Chamberlain in Genf geeinigt haben, steht in Aussicht. Ist sie so, wie bie Zeitungen der Entente es antünbigen, so ist feine Aussicht bafür, baß sie für Deutfchlanb annehmbar fein wirb. Dann geht bie Erörterung um ben Garantiepakt aus wie bas Hornberger Schießen. Aber durcheinander rühren wollen wir uns biefe Dinge nicht lasten. Die anbere Seite, befonbers C n g l a n b hat ein Interesse bar- an, bas alles auf eine internationale Konferenz herauslaufen zu lasten, auf ber vielleicht bann überhaupt neben biefen Fragen auch anbere Angelegenheiten, wie bie Marokkofrage, bas Tangerstatut unb begleichen mehr erörtert würben. Schließlich ergeben sich ja auch bie Möglichkeiten einer Konserenz über ben fernen Often, in bem allmählich bie Dinge zu großen Gefahren sich auswachsen, in bem eine Neuauflage ber Boxerbewegung aufzu- ffeigen scheint unb für ben bie Idee ber Intervention zwischen Amerika, Englanb, Frankreich wenigstens erörtert wird. Alles bas sind wichtige Fragen, uns gehen sie, in Afrika wie in Asien, zunächst fo gut wie nichts an! Wir haben kein Interesse an Konferenzen, in benen bas zusammengerührt würbe unb bie ins Uferlose gingen unb sich womöglich auf Deutschlanbs Rücken einigten.
Wir wollen zunächst, baß in ber (kntwafs - nungsfrage aufrechterhalten unb burchgesetzt
Sonderliches (Erlebnis.
Von Eatherine G o b to i n.
SS geschah, daß der Herr Kasimir, als er nach Hause ging, einem Mädchen begegnete, das irgendwie sein Gefühl bewegte. Vicht war es ihr Antlitz, rnxb ihre Gestalt, beim ihr Gesicht hatte er nicht gesehen und ihre Erscheinung war von einem langen Mantel gürtellos umhüllt — nein, es war etwas anderes, das ihn anzog, unb daS er nicht zu deuten vermochte.
Er drehte sich dreimal um. dann entschloß er sich, ihr zu folgen. Er sah jetzt, daß ihre Absätze ein wenig schief getreten waren und Herr Kasimir, der Pedant war, weil er_ mit Gründlichkeit allen Gingen im Leben gegenüber* stand, er fühlte beim Anblick dieser schief getretenen Absätze sich verstimmt. Diese Absätze waren wie eine Opposition gegen ihn, eine Auflehnung und ein Mangel an Gehorsam, mithin .eine Nichtachtung feiner Perlon. Er sah auch, daß sie keinen Schirm bei sich trug, dabei mutete es stark nach Regen an, — er glaubte, ber erste Tropfen habe ihn bereits getroffen und er hatte keinerlei Lust, daS Schirmfutteral, das seinen Schirm sehr eng und sehr korrekt umspannte, herunterzuziehen. 3a, um eS zu gestehen, es war der Schirm, den er eigentlich nur bann mitnahm, wenn er in feinem Tiefsten überzeugt war, daß es nicht regnen würbe. Er besaß noch einen anderen Schirm, für ben Regen bestimmt.
Herr Kasimir war nicht neugierig, ihr Gesicht au sehen. Sr war niemals neugierig, denn Neugierde hielt er für Verschwendung bcS eigenen Interesses an andere unb er war ökonomisch mit feiner Person und nicht geneigt, sich zu verschwenden.
SS ist schon zu erkennen, bah er nicht kleinlich war, fonbem ein Mensch, ben bas Kleinere von gröberen Aspekten aus bewegte. Er freute sich am gemeinsamen Takt ihrer Schritte. Unb bah sie sich nicht umtoanbte, unberührt ihren eige-
rairb. wa- bie StoatsnoüDenbigfciten unb Lebensinteressen unserer Wehrmacht ertorbcrn. Dir wollen, baß ernsthaft von unserer Sette babei verhcmbelt werbe, oder wir lehnen jede Unterstützung durchaus ab. Wir sagen bar ausbrücklich auch im Hinblick auf bas Rheinland Cs liegt nahe unb ist verstäub- lieh, zu jagen, baß jebes Zugeständnis verschwaube >m Hinblick auf bie Aussicht, bas Rheinianb befreit zu fehen. Das ift wahrhaftig richtig, unb raemanb kann die Lasten unb Qualen, unter denen das Rheinland leibet, ernster unb fchwerer nehmen al» w>r. Aber auch ber barunter leibenbe Rheinlänber wird einfehen, daß darüber Lebensintereffen der Gefamtheu bes Reiches unb feiner Wehrmacht nicht preisgegeben werben bürfen. Wir können eine Frage
wie bie, ob bie uns angefonnene Beränberung in ber Heeresleitung für uns erträglich fei (yach unserer Uederzeugung ist sie unerträglich unb unmöglich) nicht bamit oerbinben, baß vielleicht, vielleicht — sicher finb wir ja auch nicht — bie Truppen von Köln abrücken.
Ihr Weg ist ber beutschen Regierung unseres Erachtens beutlich vorgezeichnet. Es ist Verhältnis- mäßig leid# zu erkennen, was hier für uns möglich ist unb was nicht möglich ist. Wir müsten baran fest- halten, baß diese Fragen allein unb für sich be- Honbelt unk zu Enbe gebracht werben. Und wir müssen durchaus ablehnen, vorher etwas auf eine englisch-französische Rote in ber Sicherheitsfrage zu antworten ober gar ben Anschluß an ben Völker- bunb zu ventilieren. Hält sich ber beutsche Außen- Minister an bie gegebene Reihenfolge ber Fragen, fo finbet er selbst den richtigen Weg. Unb es ist eine Hauptaufgabe ber beutschen Regierung, bem Gegner in biefen Derhanblungen, bie sie burchaus loyal führen soll, zuzusichern, Verstöße, wo sie als berechtigt nachgewiesen werben, zu beseitigen, unb es ist eine Hauptaufgabe ber beutschen Regierung, ber anberen Seite keinen Zweifel in zweierlei zu lassen: Es wirb alles zurückgewiesen, was über Inhalt unb Wortlaut des Versailler Vertrages herausgeht, keine Forderung ist annehmbar, bie ihre Stütze nicht in bem Dertragsrecht finbet. Sobann: Wenn bie Entente mit biefer Methode ber Militärkontrolle, bie in ber Rote roicber ihre Triumphe feiert, mit ber Methobe ber Schikane, ber Hinterhältigkeit, bie sich alles Vorbehalt, unb ber Willkür nicht halb unb voll- ftänbig Schluß macht, fo ist schlechterdings keine Aussicht bafür, Deutfchlanb auch nur für Die Diskussion internationaler Garantien ober für ben 23öl- ferbunb zu gewinnen!
Hinter den chinesischen Kulissen.
Die Unruhen in Schanghai nehmen jetzt einen ernsteren Charakter an, als es die ersten Meldungen erwarten ließen. Die antijapani- I schen Demonstrationen der chinesischen ©tu
nen Weg ging, unbesorgt um fremdes Echo, schien ihm eine erfreuliche Konstatierung und eine seltene weibliche Geschlossenheit.
AUmählich gewohnte er sich auch an die schief getretenen Absätze. 3e länger er hinsah, um fo deutlicher schien er daraus einen eigenen wiegenden Rhythmus zu erkennen, und er beschloß in seinem Innern, daß sie musikalisch sei. Ihm fiel eine Melodie ein, die Melodie einer Sonate, und daß es gerade eine Sonate war, die ihm bei ihrem Anblick einfiel und nicht eine leichte Melodie, ließ in ihm den Verdacht reifen, daß er es hier mit einer Verfolgung ernsterer Art zu tun haben müsse.
Fräulein Hedwig — sagte er in seinem Innern — Fräulein Hedwig, ich bin bewegt von ihrem Anblick und o|nc Grund. Ich vermute Sie auf einer Stufe, wo Cie schon begreifen können, daß die Gefühle ohne Grund die wahren Motive unseres Fühlens enthalten. Sie sind doch wahrhaft primär, hingegen alles, was begründet. was RefuUat ist, ist sekundär.
Allmählich hatte er auch seine Gangart geändert. er hatte sich in den Gedanken emgelebt, feine Absätze seien ein wenig abgetreten und er wäre in einen neuen, wiegenden Rhythmus seiner Gangart verfallen.
Sie ging immer weiter und weiter. — So. als hätte sie gar kein Ziel, so, als wären alle Straßen gerade und menschenleer. Fräulein Hedwig — sprach er weiter in sich — Sie sind einsam: einsam nicht in der Art der Bemitleidenswerten, sondern der Bewundernswerten, denn Sie sind ganz in sich abgeschlossen. Sie fühlen nicht fremde Gedanken, Sie hören nicht fremden Schritt..... Ich könnte an Ihre Seite
treten, könnte den Schirm aufspannen und Ihnen den nahenden Regen verkünden. Auch wenn Sie den Regen ablehnen solllen, wäre Ihr Antlitz von meinen Blicken gefordert ..... Ich lasse
Ihnen die Einsamkeit Ihres Gesichts. Tragen Ste eS als Geheimnis mit sich fort.__
denken unb die Ausstände in verschiedenen japanischen Unternehmungen haben sich zu einem allgemeinen Streik und zu einer feindseligen Stimmung ausgewachsen, die deutlich erkennen läßt, daß es hier nicht mehr allein gegen die Japaner geht, sondern gegen alle Ausländer überhaupt. Es ist nur natürlich, daß die ganze Bewegung durch die besondere Lage Schanghais gefördert wird, dessen Europäerviertel eine ...Konzession^ darstellt, die von den ausländischen Mächten mit Hilfe einer eigenen Polizei verwaltet wird.
Derartige Bewegungen sind in China
nicht gerade neu. Sie sind bereits seit mehreren Jahrzehnten eine ständige Begleiterscheinung des politischen Lebens und gehören zu den schwerstwiegenden Elementen der chinesischen Frage. Die chinesische Revolution und die ihr folgende Periode zügelloser Anarchie, die auch heute noch nicht zum Abschluß gekommen ist, sowie die zahllosen Versuche des Auslandes, diese politische Lage auszunützen, tragen in hohem Maße dazu bei, daß die nationalistische Bewegung sich in China dauernd verschärft. Dabei hat der chinesische Nationalismus in zwei Richtungen eine Umwandlung durchgemacht. Es gab eine Zeit, da das Wachstum und die Siege Japans über die europäischen Mächte den jungen chinesischen Nationalismus in Helle Begeisterung versetzte. Damals sah man in Japan gewissermaßen einen Rassenverbündeten und den kommenden Befreier von der weihen Knechtschaft. Seit dem Augenblick aber, da Japan tatsächlich zur Großmacht wurde, mußte man sich davon überzeugen, daß diese optimistischen Hoffnungen trügerisch waren. Der politische und wirtschaftliche Einfluß Japans, der sich mit rein imperialistischen Mitteln durchgesetzt hat, ist in China ungeheuer erstarkt. Von der ursprünglichen Popularität dagegen ist nur äußerst wenig übrig geblieben Und jetzt richtet sich die nationalistische Bewegung gegen die ausländische Bedrückung sogar mit in erster Linie gegen Japan.
Wenn man die Vorfälle in Schanghai näher betrachtet, läßt sich unschwer auch noch eine andere Möglichkeit feststellen, die wahrscheinlich auch mit dem ursprünglichen antijapanischen Charakter der Zusammenstöße im Zusammenhang steht. Aus einer ganzen Reihe von Meldungen über die Vorfälle in China geht deutlich hervor, daß bei der gan-
Der Gedanke kam ihm, daß sie draußen wohne, draußen als vager Begriff, irgendwo, wo die Häuser aufhören, und öde Bauplätze sich in kahle Wiesen verlieren. Gr dachte, daß sie jeden Abend zu gleicher Stunde hier schreiten würde, immer von dem gleichen, wiegenden Tempo voranbewegt.
Fräulein Hedwig — sprach er wiederum im Geiste — es wird nicht regnen. Da, wo Sie schreiten, drohen Wollen, do^> fällt kein Wetter. Ihr Leben ist grau, doch fchicksalsloS. Daß sie kein Schicksal habe, wußte er plötzlich mit Sicherheit, daß ihre Tage einförmig waren, ohne Regen und ohne Sonne, und daß ihre Seele ohne Sehnsucht sei.
Fräulein Hedwig — fuhr er in sich fort — ich fühle, das Leben steht in Ihnen still. Leben lebt an Ihnen vorbei. Spricht eine Seele zu Ihnen, Sie wissen nicht, Sie hören nicht, Sie wissen nicht einmal sich selbst.
Er war kein Schürzenjäger und die Frau in seinem Leben nahm nur den Platz ein, der ihr gebührte. Kein Llebermah, ein ordentliches Fügen der weibllchen Gestalt in seines Lebens gemessenen Raum. Gr hatte eine Braut, die hieß Frieda, sie war nicht schön, nicht reich und nicht von ihm geliebt. Doch war sie seine Braut. Das war ihm Bindung und zweifellos war sie im Herbst schon seine Frau. Daß er der Fremden hier im Dämmern folgte, das lag auf einem anderen Gebiete. Er folgte ihr, wie die Trambahn dem Geleise, er folgte von unsichtbarem Strom bewegt.
An einer Straßenecke geschah es, daß Fräulein Hedwig entgegen feiner inneren Weisung um die Ecke bog. Als er befremdet die gleiche Dcke selbst umbog — war sie verschwunden, und verblüfft maß er,die Leere.
Wenn er in jedes Haus ging, das sein Blick erreichte, in jedem Stock fragend sie beschrieb — — dann zweifellos war sie gefunden. Es konnte
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zen Affäre auch Sowjetagenten ihre Hände im Spiel hoben. Die Prapagandaarbeit der Komintern Hal in China bereits eine ziemlich umfangreiche Geschichte. In neuerer Zeit scheint diese Politik nun aber wegen ber veränderten Beziehungen der Sowjets zu den einzelnen Machthabern in China eine Neuorientierung erfahren zu haben. Der verstör- bene Sun yat Sen, der F iht .
Dan-Partei — bie noch bolschewistischer Auffassung „kleinbürgerlich" ist, in Wirklichkeit jedoch extrem nationalistisch bezeichnet weiden muß — war ein treuer Freund der Sowjetmacht. Nun darf man aber nicht vergessen, daß Sun Aat Sen auch zugleich Verbündeter des Machthabers in der Mandschurei. Tschon Tso Lin war, der wieder mit Japan eng verbunden ift. Während der gemeinsamen Operationen Tschan Tso Lin- und Sun Aal Sens gegen die damalige Pekinger Regierung, die von Wu Pei Fu verteidigt wurde, eröffnete bie sowjelrussische Presse unb sämtliche kommunistischen Organisationen eine energische Kampagne für das Selbstbestimmungsrecht Chinas, d. h. der Generale der Mandschurei und Kantons gegen die Pekinger Partei, die nach der bolschewistischen Version vom angloamerikanischen „Imperialismus" am Ruder gehalten wurde.
Wie bekannt ist, wurde Wu Pei Fu später vom General Fin Du Siang gestürzt und zwischen den einzelnen chinesischen Diktatoren ein gewisser Ausgleich herbeigeführt. Im Januar d. Js. erfolgte dann der Abschluß des russisch-japanischen Abkommens, mit dem nicht nur weitreichende asiatische, sondern auch europäische Pläne verquickt wurden. Das währte ober nicht lange. In der Mandschurei entstand ein Konflikt wegen des Baues einer neuen Eisenbahnlinie von Tcononsu nach Churkura (im Gebiet von Zizikar), die von einer chinesischen Gesellschaft mit Unterstützung der japanischen südmandschurischen Eisenbahngesellschaft errichtet werden sollte, was wieder den Sowjets ganz und gar nicht behagte. Aus diesem Grunde, wahrscheinlich aber auch wegen der propagandistischen Tätigkeit ber Sowjetvertreter in der Mandschurei, haben die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Tschang Tso Lin einen bösen Riß erhalten. Gegenwärtig ist die sowjetrussische Presse voller .Klagen über die Maßnahmen der chinesischen Polizei, die die lokalen kommunistischen Jugendverbände an der Terrorisierung der in der Mandschurei lebenden russischen Flüchtlinge hindert Den Vogel schossen die Chinesen jedoch mit der Annullierung eines Zirkulars des fowjetrufsischen Aufsichtsrates der Bahnlinie, Iwanow, ab, nach dem die an der Bahn beschäftigten russischen Emigranten entlassen werden sollten. Die gesamte Sowjetpresse macht jetzt Tschan Tso Lin wie auf Kommando darauf aufmerksam, daß er in ber Person des Generals Fyn Du Siang einen gefährlichen Gegner hätte
Klubsessel
Asphaltstraße.
:nau so leicht wie Dir die Wahl ischen diesen beiden wird, genau leicht solltest Du Dich auch für den überaus elastischen
lange bauern, stundenlang, jedoch was waren Stunden dem, der eine Lösung suchte!
Gin Balkon dunkelte vordringlich in die Gasse, dahinter schimmerte verhülltes Licht, er stand im Schatten — sah hinauf und war sich bewußt, daß sie ein Zimmer nur nach rückwärts bewohnte, auf einen Hof hinaus, sie schaute auf freudlose Mauern und auf verrostete Küchenbalkone. Er überlegte sich, daß sie wohl nicht geliebt sei, nicht schön, nicht reich — und daß sie vielleicht an einen ungeliebten Mann gebunden sei.
Da er noch sann, den Blick emporgewandt, faßte ihn von rückwärts jemand, er schaute um, sah Frieda, seine Braut, die freundllch ihm entgegennickte.
„Ich sah Dich stehen", sagte sie, „sah dich an allen Fenstern forschen, als suchtest du etwaS oder habest etwas verloren —“
Gr blickte verwirrt auf sie, sah sie genau und prüfend an, sah sie zum ersten Male.-
Er überlegte sich, daß sie Wohl nie geliebt sei, nicht reich, nicht schön, und daß sie vielleicht an einen ungeliebten Mann gebunden sei.
GS fiel ihm plötzlich ein, sie wohnte ja auch nach hinten hinaus' das Zimmer wieS nach dem Hose, nach freudlos rostigen Küchen- balfonen.
Gr überlegte, daß sie abends wohl zuweilen so allein wie heute durch die Straße gehe, und daß vielleicht von irgendwo ohne tiefere Veranlassung ein Mann folgen könne — Unb daß sie ohne Rückwärtswendung weiterschritte, und daß sie ohne Wunsch und ohne Schicksal sei.
Er überlegte, daß im gleichen Takte der Schritte, doch getrennt, er mit ihr schreiten würde, nicht wissend ihr Gesicht — und daß drin in der guten Stube, auf einem Simse, unerfüllt von ihm, wie eine leere Schale — ihre Seele stünde.....


