Ausgabe 
13.5.1925
 
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Ur. m Erstes Blatt

175. Jahrgang

Mittwoch, 15. Mai <925

Erschein täglich, außer Sonn- und Feiertags.

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GießenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Die Vereidigung des Reichspräsidenten.

Des Reichspräsidenten Fahrt zum Reichstag.

Berlin, 12. Mai. (XU.) Schon in den frühen Morgenstunden waren graste Massen von Zuschauern in den Strasten um das Palais des Reichspräsidenten und das Reichstags- gebÜudc versammelt. Die Schutzpolizei hatte um­fassende Absperrungs m astnah m en getroffen. Dor dem Haupteingange zum Reichs- tagSgebäude flatterten auf grasten Mafien die schwarzrotgoldenen Fahnen. Schon um zehn Uhr vormittags waren sämtliche Tribünen des Hanfes vollbesetzt. Die Präsidententri­büne, wo die feierliche Vereidigung vor sich gehen sollte, war reich geschmückt und mit der Standarte des Reichspräsidenten versehen. Dor dem Palais des Reichskanzlers war eine dichte Schupokette angetreten. Die Stra­ffen sind dicht besetzt. Dor dem Palais hielt e i n Auto mit der Standarte des Reichs- vräsidenten, ferner ein Auto, in der der Führer her Schutzpolizei, Überft Kaupifch, und Offiziere des Polizeipräsidiums Platz genommen hatten. Um 11.45 Uhr erscheint Reichspräsi­dent von Hindenburg in Begleitung des Reichskanzlers Dr. Luther und nimmt im Auto Platz.

Während die Schupo salutiert, fährt das Auto in langsamer Fahrt ab, begleitet von stür- riischen Deisalls- und Hurra-Rusen der Menge. Der Reichspräsident dankt, indem er den Zylinder tibnimml. Das Auto fährt dann in langsamer Fahrt an dem Gebäude der britischen Dolschast, auf dem die englische Flagge weht, nach dem Brandenburger Tor. Auf der französischen Bot- I schäft flattert die Trikolore. Um 11.50 Uhr pas­siert der Wagen des Reichspräsidenten das Brandenburger Lor Don weitem ertönen fl ü r m l f <b c Hurrarufe der Massen und lebhaftes Tücherfchwenken. Immer wieder dankt der Reichspräsident. Kaum hatte der Zug das Brandenburger Tor passiert, als schon die Men­schenmenge nach dem Reichstagsgebäude eilt, um den Reichspräsidenten beim Aussteigen roch einmal zu sehen Dor dem Reichstagsgebäude ist ein dichter Kordon der Schutzpolizei ausgestellt.

Die Zuschauer drängen sich dicht heran und mehreren gelang es, sich durch die Postkette durch» zufchlängeln. Eine Reihe von Kino-Operateuren hat an dem Konigsdentmal Aufstellung genom­men. Als der Wagen sich bem Gebäude nähert, bricht das Spiel der Mufik ab. Die Ehren- lompagnie nimmt Ausstellung in Front zum Reichstage, und während sich die Erregung der Menge immer mehr steigert, seht die Militär- ' Lapelle mit dem Spiel ein.

Der Akt der Vereidigung.

Punkt 12 Uhr betritt der Reichspräsident den Sitzungssaal. 3m Hintergründe der Reichspräsi- -ententribüne ist öie Standarte des Reichspräsi­denten angebracht. Auf dem Tisch- liegt eine schwarze, in Leder gebundene Mappe, in der die in der Verfassung vorgeschriebene Eidesfor­mel auf einem Pergamentblatt in künstlerischer Schrift verzeichnet ist. Diese Mappe hat der Reichstagspräsident anfertigen la fen, fie lall jedesmal bei der Vereidigung der Reichsprä­sidenten benutzt werden. Als der Reichspräsident Ben Saal betritt, erheben sich sämtliche Aiwcsrir- len von den Plätzen Die K o m m u n i st e n rufen:Rieder mit den Monarchisten. Es lebe die Eowjet-Revublik!" und verlassen dann bis cuf sechs Abgeordnete geschlossen den Saal. Der Präsident des Reichstags,

Löbe,

Iveicht bann folgende Worte

Herr Feldmarfchalli

Das deutsche Volk hat bei feiner Abstim­mung am 2K. April 1925 Sie zum Präsidenten Btt Republik gewählt und Sie damit auf den höchsten und ehrenvollsten Platz der deutschen Republik berufen. Der Artikel 42 der Reichs- berfoffung von Weimar ordnet an, baß Sie vor der versammelten Dollsvertretung den Eid auf Die Verfassung leisten. Zu dieser feierlichen Hand- c,ng habe ich den Reichstag zusammengerufen und überreiche Ihnen hiermit die Eidesformel »nd bittre Sie, den vorgeschriebenen Eid abzu- Fgen.

Der Reichspräsident übernimmt die Mappe mit der Eidesformel und Itiftet den Eid mit folgenden Worten:

schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwifsenden, daß ich meine ganze Kraft bem Wohle des deutschen Dolles widmen, seinen Ruhen mehren, Schaden von ihm wen den, die Verfassung und Gesetze des Reiches wahren, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde, so wahr mir Gott Helse?"

Rach der feierlichen Vereidigung, die das Haus ftefani) in atemloser Stille anhörte, durch­brauste stürmischer Beifall die Hallen. §er Reichstagspräsident richtete hier- mf an den Reichspräsidenten folgende Ansprache:

»Herr Reichspräsident! Durch die Leistung des Eides sind Sie dem deutschen Volke verpflichtet worden. Ich begrüße Sie na- inens der Volksvertretung und gebe der Hofkn'.mg

Ausdruck, es möge unter Zhrem Amtsantritt ge­lingen. den in den letzten Jahren der Amts- zett Ihres Vorgängers begonnenen wirtschaft­lichen Ausstieg unseres Vaterlandes sortzuseyen. die mit Erfolg angebahnte außen» politische Befriedung Deutschlands zu sichern und die Rachwirkungen der K r i e g S f o l g e n, unter denen noch heute uir» zähligc unserer Landsleute leiden, allmählich zu beseitigen. Vielerlei Hosfnungen verbinden sich mit Ihnen. Herr Reichspräsident. Möge es dein Zusammenwirken der berufenen Parteien und Körperschaften gelingen, die erfüll­baren Wünsche ihrer Verwirklichung näher zu bringen und auch nach austen hin das Deut­sche Reich als friedliches und gleich- bercchtigteLGlied in die europäische Völkerfamilie einzureihen. Don diesen Wünschen begleitet, übernehmen Sie, Herr Reichs­präsident, Ihr hohes Amt."

Der Reichspräsident antwortete:

Sehr geehrter Herr Reichstagspräfidertt! Rehmen Sie meinen h e r z l i ch st e n Dank für die warmen Worte der Vegrühung entgegen, die Sie mir soeben im Rainen der deutschen Dollsvertretung gesprochen haben, nachdem ich gernäst der republikanischen Verfassung vom 11. August 1919 den vorgeschriebenen Eid als Reichspräsident geleistet habe. Reichstag und Reichspräsident gehören zusam­men. denn sie sind beide unmittelbar aus den Wahlen des deutschen Volkes hervor­gegangen. Aus d iefer gemeinsamen Grund­lage allein leiten sie ihre Machtvollkom­menheit her, beide zusammen aber erst bilden die Volkssouveränität, wie sie die Grundlage un­seres gesamten heutigen Verfassungslebens bilbet Das ist der tiefe Sim, der Verfassung, auf die ich mich soeben durch meinen Manneseid feierlich st verpflichtet habe. Wahrend aber der Reichstag die Stätte ist. wo die gegenseitigen Weltanschauungen und die politi­schen ilcb<T5cugimgcn miteinander ringen, soll der Reichspräsident der überpartei­lichen Zusammenfassung aller ar­beitswilligen und aufbauenden Kräfte des Volkes bienen. Auch an dieser Stelle spreche ich es daher noch einmal ausdrück­lich aus. daß ich mich dieser Aufgabe, der Eini­gung u , d Sammlung unseres Volkes widmen will. Diese große Aufgabe wird mir wesentlich erleichtert werden, wenn auch in diesem hohen Hause der Streit der Parteien nicht zum Dorteil einer Partei oder eines Berufes sich aus­wirkt, sondern vielmehr dem A u f st i e g unseres schwergeprüften Volkes dient. Ich hoffe zuver­sichtlich, daß der cblc Wettstreit treuester Pflicht- crfüUung die sicherste Grundlage bildet, auf der wir uns immer nach dem Streite der Geister und Meinungen zu vertrauensvoller Arbeit finden werden."

Darauf brachte der Reichstagspräsldent ein Hoch auf das deutsche Reich und das in der Republik geeinte deutsche Volk aus. das von der Versammlung begeistert ausgenommen wurde. Reichspräsident von Hin­denburg hatte mit heller kraftvoller Stimme ge­sprochen, wobei er einige Satze besonders unter­strich, so die Ausgabe der Sammlung und Eini­gung. der er sich mit besonderer Hingabe wid­men werde. Brausender Veisall herrschte im Hause, als er zu vertrauensvoller Zusammen­arbeit ausforderte. Die Feier nahm einen äußerst würdevollen Verlauf. Die kleine Störung der Kommunisten vor der Eidesabnahme blieb fast unbeachtet.

Sämtliche Staatssekretäre sind anwesend, fer­ner der Ehef der Marine. Admiral Zenker, der preußisle Ministerprä'ident Vraun, neben ihm der bayrische Gesandte v. P r e g e r , der sächsische Gesandte ©rabnaucr, die übrigen Gefandlen der Länder in der Diplomatenloge. Runtius P a c e l l i, der cnglifd)c Botschafter mit Gattin, der französische Botschafter, der ita­lienische Botschafter, der österrcichifchc Gesandte, der japanische und der chinesische Gesandte sowie Herren sämtlicher Gesandtschaften.

Vor bem Reichstag.

Der Reichspräsident begab sich bann durch d i e Wandelhalle auf die Rampe des Reichstages.

Der Rcichspräs deut tritt aus dem Portal. rechts neben ihm Reichstagspräsident Lobe, links Reichs­kanzler Dr. Luther, dahinter die Spitzen von Arnree und Marine. Langsam schreitet der Reichspräsident die Treppe hinab, während der Reichskanzler ruft: linier neuer Reichs­präsident hoch! Der Reichspräsident drüctt dem Kanzler und den übrigen Ministern die Hand. Die Kapelle spielt das Deutschlandlied, das die Menschenmenge laut mitsingt. Dann be­grüßt der Reichspräsident den Führer der Ehren­kompagnie und schreitet die Front ab. Die Be­geisterung der Menge steigert sich.

Der Reichspräfident begibt sich dann an den Wagen, den die Präfidentenstandarie ziert, unter nicht enden wollenden Hochrufen fährt er lang­sam in Richtung ^Brandenburger Tor ab. eskor­tiert von einer Schwadron Reichswehr-Ulanen: die Ehrenkompagnie marschiert mit klingendem Sviele ab. Unter unermüdlichen Zurufen der Menge fährt der Wagen zurück über den Pa­riser Platz zur Wllhelmftraße. Voran der Reichs­präsident mi! dem Reichskanzler, im zweiten Wa­gen die Staatssekretäre Dr. Meißner und

Dr. Kempnei und der Sohn Hindenburgs, sein neuer Adjutant. Flugzeuge in großer Anzahl kreisen in der Lust. Immer wieder Tücherfchwcn- fen, begeisterte Zurufe und das Deutschlandlied.

Kurz nach > _>2 Uhr fuhren die Wagen i n den Vorgarten des Palais ein. Dec feierliche Akt der Vereidigung ist zu Ende.

Die Amtsübernahme des Reichspräflbenten.

Berlin. 12. Mai (£11.) Wittlich Der Reichspräsident von Hindenburg traf, vom Reichstage kommend, um 2.45 Uhr im Hause des Reichspräsidenten ein. Er wurde dort von dem bisherigen Stellvertreter des Reichspräsidenten, Reichsgerichtspräsident Dr. Simons, einpfangen. Dieser geleitete ihn in das Arbeitszimmer des Reichspräsidenten und übergab ihm dort die Geschäfte. Um y»2 Ilhr fand int Hause des Reichspräsidenten ein Frühstück statt, zu dem der bisherige Stellvertreter des Reichspräsidenten, Dr. Si- m o n s , den Reichspräsidenten, den Major von Hindenburg und Frau Ge­mahlin, den Reichskanzler und die Reichs Minister, den Präsidenten des Reichstags, den Chefpräsidenten des Rechnungshofes, die Chefs der Heeres- und der Marineleitung sowie die Staatssekretäre des Bureaus des Reichs­präsidenten und der Reichskanzlei eingeladen hatte Während des Frühstücks hielt der bis­herige

Stellvertreter des Reichs­präsidenten Dr. Simons.

ente Ansprache, in der er ausführte

Herr Reichspräsident!

Daß Sie meiner Frau und mir die Ehre erwiesen haben, vor unserem Abschied aus diesen Räumen mit dem Reichskanzler und der Reichs­regierung unser werter Gast zu fein, dafür dan­ken wir Ihnen von Herzen. Sie zu bewirten, ist mein letztes Recht unb meine letzte Pflicht in diesem Hause. Amtshand­lungen habe ich hier nicht mehr vorzunehmen. Tie Geschäfte der obersten Vertretung des deut­schen Volles habe ich in Ihre Hände gelegt. Aber ich weiß, daß ich den ganz überwiegenden Teil des deutschen Volkes und auch den Dolks- teil, der Sie, Herr Reichspräsident, nicht gewühlt hat, noch jetzt vertrete, wenn ich Ihnen für Ihre Präsidentschaft die wärmstenGlückwünsche ausspreche. Richt leicht ist es Ihnen geworden, dieses Amt zu übernehmen. Ein langes Leben voll Pflichttreue. Hingabe, voll ruhmreicher Siege und schwerer Selbstüberwindung gab Ihnen den gerechtesten Anspruch auf einen ru­higen Lebensabend. Dennoch haben Sic sich dem deutschen Volke auch diesmal wieder selbstlos zur Verfügung gestellt, dem Volke, nicht der Partei.

Daß diese Stelle bem Dolle ge ör unb nicht ber Partei, ist ja zu unseren Glück schon 2rabit0n g worben.

Möge das deutsche Volk Ihnen danken und der Segen Gottes auf Ihrer Präsidentschaft ruhen, damit unter ihr das deutsche Volk i n friedlicher Arbeit seinen angemessenen Platz unter den Völkern der Erde wieder ein» nehmen kann. Möchten Sie stets tüchtige und willige Berater finden, die Sie bei Ihrem Streben zu diesem Ziel erfolgte ch unter­stützen. so daß die Zusammenarbeit sich so ver­trauensvoll und ersprießlich gestalte, wie ich es aus meiner kurzen Amtszeit all den verehrten Mannern gegcnü cr bekunden darf, die ich heute an unfernt Tische versammelt sehe. Wir aber, hochverehrte Anwesende, wollen unfern Dani und unsere Wünsche mit dem Rufe zum Ausdruck bringen: Unser neuer Reichspräsident, G e n e r a l f c l d m a r s ch a l l von Hinden­burg, er lebe hoch! ,

Reichsvräsident v. Hindenburg

erwiderte hierauf folgendes:

e Sehr geehrter Herr Präsident!

Es ist mir ein herzliches Bedürfnis, in diesem Hanse, öas nunmehr die Stätte meiner verantwor­tungsvollen Arbeit werben soll, unb in bem ich heute noch Ihre unb Ihrer 5rau Gemahlin Gastfreund­schaft genieße. Ihnen meinen wärm st en Dank zu sagen für die Aufnahme, die Sie mir bereiter haben, und für die Worte, die Sic soeben an mich zu richten die Güte hatten. Mit mir io bin ich überzeugt dankt Ihnen bas ganze deutsche Lolk für die hingehende Treue, mit der Sie sich dem Rufe der Volksvertretung zur Verfügung ge­stellt haben, als her plötzliche Tod des ersten Reichs­präsidenten die vorübergehende Stellverttetung des Staatsoberhaupres notwendig machte. Während dieser Wochen haben Sie dem deutschen Volke mit dem gleichen Eifer unb der gleichen Treue gebient, die Sie an vielen hohen und verantwortungsvollen Posten bewiesen haben.

Es ist nicht meines Amtes, bas Wirken meines durch einen unerwarteten Tob aus seiner Arbeit gerissenen Amtsoorgängers zu kennzeichnen unb zu werten. Diese Aufgabe hat Reichskanzler Dr. Luther an ber Bahre des Heimgegangenen er­füllt.

Unbestritten ist fein «verdienst um die Wiederher­stellung von Ruhe unb Orbnung in Deutschland nach

bem Zusammenbruch unseres Volkes Da» wirb jederzeit dankbar im deutschen Volke, auch von seinen politischen Gegnern, anerkannt werben. Sein Streben war immer daraus gerichtet, bem beutschen Volke treu zu bienen.

An anbercr Stelle habe ich wiederholt -um Ausdruck gebracht, von welchen Ueberzeugungen und Anschauungen ich mich bei meiner Amts­führung leiten lassen will. Unser heutiges ge­selliges Zusammensein ist am wenigsten der rechte Ort, um politische Programme zu entwickeln. Mein langes, arbeitsreiches Leben liegt offen vor aller Augen. Ich werbe mich auch in meinem neuen verantwortungsvollen Amte nur v on einem Gedanken leiten lassen. In treuester Pflichterfüllung unb unter Einsatz mei­ner besten Kräfte dem Volke und bem Dakcrlande zu dienen. Die Anschauungen, wie ich sie in der großen Schule ber Pslichl-- crfüllung im deutschen Heere gewonnen habe, sollen auch für meine Friedensarbeit von Ruhen fein. Sie gipfeln in dein Satze, daß Pflicht vor Recht geht, und daß jcDen zeit, besonders aber in den Tagen ber Rot. einer f ü r alle und alle s ü r einen stehen müssen. Das deutsche Voll hat in Zeiten schwer­ster Prüfung sein Schicksal in die eigene Hand genommen. Möge beweisen, daß cs dieser Selb st Verantwortung gewachsen ist. Wir aber, meine Heroen, wollen uns i i bem heißen Bestreben zusammenfinden, treue Diener des Vaterlandes zu sein. In diesem Sinne: Vorwärts mit Gott!

Hindenburg

und die deutsche Iuaend.

Bei seiner Ankunft aus dein Berliner Bohnhos Hecrstrahe wurde, wie schon kurz gemeldet, bei Reichspräsident von Traute Luther, dem 7och terdjen des Reichskanzlers, mit einem von ihrem Vater gereimten Gedichtchen begrüßt, das folgenden Wortlaut hatte:

Die vielen deutschen Dirn' unb Jungen, Die ost des Helden Lob gesungen. Sie bitten dich aus Herzensgrund Durch eines deutschen Mädels Mund: Führ' uns aus sriedensvoller Bahn, Zu neuem Glücke nun bergan!

Wir sind die Zukunft, find die vaat. Wir wollen wachsen stark unb grab, Sei uns ein guter Gärtnersmann! Dir helfe Gott, ber helfen kann!

An bas beutfche Volk!

Berlin, 13. Mai. (TU.) Der Reichsprä­sident hat an das deutsche Volk eine Kund­gebung gerichtet, die wir in ihrem ersten Teil be­reits in einem Teil ber gestrigen Auflage mitteilen konnten. Die Kundgebung hat folgenden Wortlaut:

Am 26. Apill 1925 hat mich das deutsche Voll zu seinem Reichspräsidenten gewählt. Am heutigen Tage habe ich das bedeutungsvolle Amt angetreten. Getreu dem von mir gelei­steten Cid will ich alle meine Kräfte daran sehen, dem Wohle deS Volkes zu bienen, die Verfassung unb die Gesetze des Reiches zu wahren unb gegen jedermann Gerechtigkeit zu üben. In dieser feierlich-ernsten Stunde ru'e ich bas ganze beutfche Volk zur Mitarbeit auf.

Mein Amt unb mein Streben gehört nicht einem einzelnen Stanbe, nicht einer Kon­fession, nicht einer Partei, fonbern be i ge­samten, burch harte Schicksalsschläge ver­bundenen beutschen Dolle mit allen feinen Gliedern.

Ich vertraue auf den Beistand des ewigen Gottes, der uns auch durch die schwere Rotzeit unserer Tage hinburchführen wirb, ich vertraue auf die glänzenden ruhmreich bewährten unsterb­lichen Lebenskräfte der deutschen Ration, ich vertraue auf den gerade in schwersten: Zeit immer wieder gezeigten Opferbereiten Lebenswillen un­seres DolkcS und

ich vertraue endlich auf den g ohen gnädigen und grechten (Sott, auf baß das d-utjcye Volk wieder einen toütbgzn Platz in der Welt ein iehmen wird.

Mein erster Gruß gilt allen denen, bic unter­bot Rot unserer Zeit besonders leiden im harten Ringen unrs Dasein, er gilt dem ganzen arbei­tenden deutschen Dolle, von dem die schwere Lage unserer Tage und unserer Wirtschaft de- sondere Leistungen fordert, er gilt allen Volks­genossen außerhalb des Deutschen Reiches. Die mit uns durch die große deutsche Kulturgemein­schaft unlöslich üerounben sind. Er gilt beson­ders den Alten und Kranken, bic voll Sorge einem trüben Lebensabend entgegensehen und er gilt endlich unserer Hoffnung: unserer deutschen Jugend!

Dir wollen auch weiterhin gemeinsam streben, durch ehrliche friedliche Leistung unserem berechtigten Anspruch aus Achtung unb Anerkennung bei den an­deren Völkern Geltung zu verschaffen unb ben deut­schen Namen vor dem ungerechten Makel zu be­freien, der heute noch auf ihm lastet.

Durch eelbftcdjiung zur Achtung der Well! Durch Selbstvertrauen zum Vertrauen der anderen!

Wir wollen danach trachren, in der Entwicklung der deutschen W i r t s ch a ' r unb des deutschen Ge­meinschaftslebens jedem einzelnen Stande und Volksgenossen sein tägliches Brot, seinen Anteil