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Deutscher Reichstag.

Berlin, 12. Marz. Dor Eintritt in die Tagesordnung fordert der Abg. Koehnen (Kom.) wiederum die sofortige Behandlung des Eisenbahner st reiks, der sich auherord.nt- lich stark verschärft habe. ®ie Abgeordneten stän­den vor der Gefahr, in Berlin sitzen blei­ben zu müssen.

Abg. Schumann (Soz.) stellt demgegen­über fest, Daß gerade das Gegenteil rich­tig sei. Es sei eine Verständigung darüber zustande gekommen, die Differenzen einem Schiedsgericht zu unterbreiten, das bereits am Freitag beim Arbeitsministerium zusanunen- treten werde. (Beifall.)

Auf der Tagesordnung steht der Gesetzent­wurf über die Volks-, Berufs - und Be­triebszählung. die im Juni stattfinden soll. Der Ausschuß hat beschlossen, die Hand­werksbetriebe besonders festzustellen. F.r- ner wird die Regierung aufgefordert, eine En­quete vorzunehmen, durch dre die Bildung von Konzernen und I n t e r e s s e n g e - gemeinschaften in der deutschen Wirtschaft fest gestellt wird. Die Vorlage wird in zweiter und dritter Beratung angenommen.

Es folgt die zweite Beratung des Gesetzent­wurfs über

die Zusatzsteigerung der Reuten auS der Inbal.de nversicherung,

die der Ausschuß für soziale Angelegenheiten unter Erhöhung der Vorlage der Regierung angenommen hat.

Reichssinanzminister v. Schlieben erklärt, dah die Regierung trotz erheblicher finanzieller Bedenken der Reueinstellung von 115 Millionen Mark für die Aufwertung der Invalidenrenten zugestimmt habe. Darüber noch erheblich hinauszugchen, Halle die Regierung alter für unmöglich. Es entstände sonst die große Gefahr, daß die Ausgaben des Reiches nicht mehr durch die Einnahmen gedeckt werden können, und daß bas Reich ferne öffentlichen Aufgaben nicht mehr erfüllen könne. Der Minister bittet daher dringend, den Haus-- hall nicht weiter zu belasten. Auch nah der neuen Steuerreform und dem neuen Finanzaus­gleich entstehe schon jetzt ein Fehlbetrag von mehreren hundert Millionen für 1926 uni# die spateren Jahre. Eine Erhöhung des Reichs- zuschusses zur Invalidenrente um 50 Prozent sei das Alleräußerste, das eine vorsichtige Finanzpolitik noch verantworten könne. Der Mi­nister bi.tet dringend, es bei den Beschlüssen des Ausschusses zu belassen.

216g. Esser (Z.) warnt vor agitatorischen Phrasen in dieser ernsten Sache. Man habe er­reicht. was möglich war. Eine End- lösung sei die jetzige Lösung natürlich nicht.

Abg. Ziegler (Dem.) gibt zu, daß die finanzielle Lage des Reiches außerordentlich schwierig sei, man solle aber mit diesem Ein­wand nicht immer tonunen, wenn es sich um Sozialpolitik handele. Das Reich müsse endlich mehr für die Invalidenrentner tun.

Unter Ablehnung aller Abänderungsantrage wird darauf die Vorlage in der Ausschußfassung angenommen.

Es folgt nun die dritte Beratung des Ge­setzentwurfes über

die technischen Vorbereitungen der Wahl des Reichspräsidenten.

Abg. v. Kardorff (Dtfchnl.) beantragt, um eine Zersplitterung zu vermeiden, die Be­stimmung zu streichen, daß der Wähler seine Stimme auch für eine nicht vorgeschlagene Person rabgebert dürfe.

Abg. Dittmann (Soz.) und Broda uf ^Dem.) halten die Bestimmung für notwendig, damit man nicht behaupten könne, die Parteien 'wollten die Volksmeinung vergewaltigen.

Der Antrag v. Kardorff wird a b g e l e h n t und der Gesetzentwurf einstimmig ange­nommen.

Zur Verhandlung gelangt dann der Gesetz­entwurf über Zusatz st eigerung der Ren­ten in der An g e ste l l ten v er sich e r u n g. Der Steigerungsbetrag beträgt in der Gehalts­klasse F tont, in G 2am, in H 3am und in L 4 OKI Der Ausschuß fordert einen Gesetzent­wurf, der neben einer Erhöhung der Versiche­rungsgrenze auch eine Erhöhung der Lei­stungen vorsieht.

Ministerialdirektor ©tiefer vom Arbeits­ministerium sagt für den April die Einbringung) einer Vorlage zur Erhöhung der Derslcherungs- Pflichtgrenze zu.

2lbg. Aufhäuser (Soz.) wirft der Re- : gierung vor, sie habe für die Angestellten nichts übrig. Die Vorlage könne an Dürftigkeit ntcht überboten werden. Es sei geradezu eine Der- höhnung der Angestellten.

2Ifcg. Torgler (Komm.) beantragt eine Erhöhung der Dersicherungspslichtgrenze auf 9000 am

2lbg. Schneider- Berlin (Dem.) fordert eine bessere Berücksichtigung der unteren Klas­sen. Mit so niedrigen Rentenbetragen könnten selbst Hungerlünstler nicht auskvmmen.

Abg. Thiel (D. Vp.) erklärt für seine Frak­tion, für die Deutschnationalen, für die Bayerische Dolkspartei und für die Wirtschaftspartei, daß Über die Verbesserungen der neuen Vorlage nicht hinausgegangen werdeir könne.

Der Vorlage wird zugestimmt. Angenom­men wird der Antrag des 2lusschusses für die besetzten Gebiete, die Reichsreg'erUng zu ersuchen, bei der bevorstehenden Wiederaufnahme der Pa­riser Verhandlungen über die Anrechnung der Besahungskrsten auf die Annuität mit allen Kräf­ten darauf Hinzuwirkei,, daß eine feste Be­grenzung der Besahungsstätke und damit auch eine Begrenzung der Beschlag­nahme von Wohnungen und öffentlichen Gebäuden, insbesondere von Schulen, erreicht wird.

Das Haus vertagt sich auf Dienstag.

Aus demAufwerlunys-Ausschuh des Reichstages.

Berlin, 12. März. ($. M.) Im Auf­wertungs-Ausschuß des Reichstages erklärte Reichsfinanzminister v. Schlieben, daß die Reichsregierung die begründete Hoffnung hege, in allernächster Zeit das Aufwertungs- ge s e h vorzulegen. Es sei nicht richtig, daß das Kabinett sich mit einem solchen Entwurf noch nicht befaßt habe, vielmehr habe es sich in Wiederhollen Beratungen mit neuen Entwürfen des Aufwertungsgesetzes beschäftig! Der Ab­schuß lehnte den sozialdemokratischen Antrag auf Auf h ebung der 3. Steuemotverordnung ab,

nahm dagegen den Antrag Best (Dn.) an, Der zu einstweiliger Regelung der Auswertung for­dert, daß Artikel 1 und 2 der 3. Steuernotver­ordnung bis zur gesetzlichen Reuregelung der Auswertung außer Kraft treten, und daß spätestens am 31- Mai 1925 dasselbe gelte von den zur Durchführung, Ergänzung und Aende- rung der vorangeführten Regelung erlaffenen Vorschriften. Zum gleichen Zeitpunll soll die Verordnung des Reichspräsidenten zur einst- welligen Regelung der Aufwertung aufgehoben werden.

Preußischer Landtag.

Berlin, 12. März. Das Haus berät in zweiter Lesung den Gesetzesvorschlag der So- ?ialdemvkraten, des Zentrums und der Demo­raten über die Reuregelung der Wah­len für die Provinziallandtage und die Kreistage. Der Ausschuß hat vor- geschlagen, den auf 1. Juli als Endzeitpunkt feft- gestelllen Termin noch weiter zu verlängern, und zwar auf den 1. Rovember 1925.

Abg. v. Mirbach (Dtfchnl.) begründet den mit der Deutschen Volkspartei gemeinsam ge­stellten Urantrag, die Reuwahlen auf Grund des bestehenden Wahlrechts anzuordnen Offen­bar erschiene es dem gegenwärtigen geschäfts- fuhrenden Ministerium des Innern aus durch­sichtigen Gründen erwünscht, daß der gegen­wärtige Zu st and möglich st lange er­halten bleibe. (Sehr richtigI rechts.)

2Ibg. von Eynern (D. Vp.) schließt sich diesen Erklärungen an. Die Regierung treffe eine erhebliche Schuto an der Verzögerung. Mit voller Absicht scheine sie auf eine möglichst weite Hinausschiebung dieser Wahlen hingcar- beitet zu haben. Ein nur geschäftsführen­des Ministerium müsse sich zumindest mit Der Opposition in Verbindung setzen, wenn es Allionen von größerer politischer Bedeutung unternehme wolle, sonst verletze es in gröblicher Weise feine Pflichten. Offenbar passe den Ein- bringern des Gesetzentwurfes der gegenwärtige Zellpunkt nicht, da eine Reihe uner­wünschter Ereignisse dieses unerwünscht scheinen lasse, und der Innenminister, der nicht einmal das Vertrauen des Land­tages besitze, lasse sich offenbar auch ganz von politischen Gesichtspunkten leiten.

Ministerialdirektor Mulert: Die Staats- regierung habe Mühe aufgewendet, um dem Landtag eine Vorlage zu machen. Im Staats­rat sei diese Vorlage in der Ianuartagung nicht verabschiedet worden: daß das erst im Februar ges ' ehen sei, könne man der Regierung nicht zum Vorwurf machen. In der Vorlade sei ein neues Wahlgesetz für die in Frage stehenden Körperscha.en vorgesehen. Die Reuwahl derselben solle erst nach Verabschie­dung dieses Gesetzes erfolgen. Der Staatsrat habe sich dieser Stellung: ahme angeschlossen. Heber die Zulässigkeit der Verschiebung des Wahltermins könne kein Zweifel bestehen.

Abg. Schulin g (Z ): Die Parteien der Rechten haben früher selbst in dieser Materie Derfchleppungspolllll betrieben. Aus rein prak­tischen, nicht aus politischen Gründen haben wir mll Den Sozialdemokraten und den Demokraten Die Verschiebung des Wahltermins beantragt. Wir empfehlen dringend Die Annahme des Aus- schuhantrags.

In der Abstimmung wird Der gemeins me Antrag Der Deutschnation llen u id Der Deutschen Dolkspartei au, sofortige Anordnung De Reu- wc-hlen gegen Die Antragsteller sowie g gen Die FreiheitLpartei und die Kommunisten abge- wiesen.

Es folgt Die Abstimmung über Den Aus­schutzantrag, wonach Die Wahlzeit Der Abgeord­neten bis zum 1. Rovember 1925 verlängert wird. Bei Der Abstimmung stellt sich die Beschluß- un fähig! eit des Hauses heraus.

Vizepräsident Garnisch schließt die Sitzung und beruft auf sofort die neue Sitzung ein.

Als erster Punkt Der neuen Sitzung steht auf Der Tagesordnung die erste Beratung Der Rovelle zu dem Gesetz für Die vorläufige Grund vermögens st euer. D rch den Sn- Wurf sollen die begehenden Gesetzesbestimmungen dahin geändert werden, daß ihre Geltungsdauer auf Den 31. März 1926 verlängert wird.

Abg. Höcker (Dntl.) bekämpft die Vorlage. Seine Fraktion sehe in Der Reichsver­mögenssteuer eine bessere © unblagc als in Der preußischen G undvermögensst -uer. Deine Fraktion fordere ferner stärkere Schonung der Siedlungen und Befreiung der Kaufplätze von Der Grundsteuer. Jedenfalls sei die heutige Grundsteuer für den Grundbesitz, für Den Haus- besitz und auch für den landwirtsch Etlichen und gärtnerischen Besitz nicht mehr tragbar.

Abg. Röing (Z.) spricht sich gegen den Regierungsvorschlag aus. Die Grrnbvermigens- steuer müsse gerechter gestaltet werden. Die Ver- anlagungebeh! r>en hätten die landwirtschaftlichen Sachverständigen lediglich als Statisten benu:)t. Ihre Sachkunde müsse eine andere Wertung und Ausmerisamkeit finden. Sehr angreifbar sei Die Zusammensetzung kes Veranlagung s- ausschusses. Aich hier mühten mehrSach- ver ständige hinein.

Abg. Dr. Wertig (S.) erkennt Die starke Belastung Der Landwirtschist, besanders für Die allerletzte Zell. an. Dafür habe sie aber in Der Kriegszeit und in Den Rachkriegsjahren sehr wenig Steuern zu zahlen gehabt. Auch seine Freunde hielten Die heutige Grundsteuer in Preußen für schwer tragbar.

Der Entwurf wurde nach längerer Debatte dem Hauptausschuß überwiesen. Darauf begrün­dete Abg. Pieck (Komm.) den Urantrag seiner Fraktion, Der Den Rücktritt des Land-- tagspräs identen Barthels wegen be­wußten Bruchs der Geschäftsordnung fordert. Der Antrag wird gegen die Kommunisten und die Rationalsozialisten abgelehnt. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch. Entgegennahme der Regierungserklärung oder, wenn es nicht dazu kommt. Wahl des Minister- Präsidenten, wird auf die Tagesordnung ge­setzt. Ein kommunistischer Antrag, die Auf­lösung des Landtages als ersten Punkt Der nächsten Sitzung zu verhandeln, verfällt g gen Die Kommunisten, Deutschnationalen, Wirtschaft­liche Vereinigung und Rationalsozialisten der Ab­lehnung.

Rothardt-Prozeh.

Magdeburg, 12. März. DaS Interesse am Prozeß wird von Tag zu Tag stärker. Der Zuhörerraum ist langst vor Beginn gefüllt. AlS erster Zeuge wird GeschäftSfühner Bro lat ver­nommen. AnS feinen Aussagen ist besonders

yeroorzuheben, daß nach seiner Ansicht die Be­teiligung am Streik, den Richard Müller am Sonntag, 21. Januar vormittags an kündigte, sehr stark war, besonders die Fvauen und Mädchen waren sämtlich für den Streik. Es wäre damals für den Zeugen zwecklos gewesen, gegen den Streik zu sprechen, denn 9 5 Prozent Der Dreher gehörten damals zur 11. S. P. Am Montag wurde im Betrieb die Stimmung so erregt, daß mittags beim Schichtwechsel der Streik begann.

Zeuge Drolat schildert dann die Versamm­lung der ULP. und des Spartakusbundes, in her Streikforderungen ausgestellt und die Strell- leitung gewählt wurde. In der ötrcifleitiuig waren auch Ledebour und Haase. Don Wuschick wurde der Antrag gestellt, Mehr- heitssozialdemvkraten in die Streck- leitung zu wählen, toogegen sich insbesondere Ledebour wandte, weshalb der Antrag auch ab­gelehnt wurde. Rachher ging der Zeuge zu Der Sihrmg des Parteivorstandes, wo Die Situation besprochen wurde. Wir wünschten, daß unser Parte ivorstand in b i e Streikleitung tarne. Ebert sträubte sich mit Händen und Füßen gegen eine Beteiligung an der Streik­leitung. Rach Schluß der Sitzung blieb Drolat noch mit dem Parteivorstand zusammen. Hier sagte Ebert, es müsse versucht werden, den Streik so schnell wie möglich zu beenden.

Unserer Partei'fe niemals in der Ge­schichte Der Vorwurf gern cht werden, daß sie in der Stunde Der größten Gefahr Land uad Volk im Stich gelassen habe. Zur Frage her GestellurgLae eh'e sagte Ebert, Die Leute, die Den Streit in Szene gesetzt hatten, mühten wissen. Dah so ort Gestellungsbefehle h . raus ommen wür­den. Wir werben nxtü. lich ia unserer Eigcnschift als Reichstars bgeorö. ete ver.uhm, die größten Härten zu mil ern: aber selb ^verständlich muss n die Gestellungsbefehle befolgt wer. en

Als nächster Zeuge wiro der Berliner Ve- zirkssetretär der SPD- Adolf Wuschik vernommeir. Wustßick berichtet ausführlich über die dem Ein­tritt Der SPD. in die S.reiLeitung vorhergehen­den Verhandlungen. Auch er betont, daß er geglaubt habe, durch die bisherige Führung des Streikes sei die Landesverteidigung bedroht und durch den Eintritt Des Parteivorstandes könne die Beilegung des Streiks beschleunigt werden. Ledebour habe ihn wütend bekämpft, Doch sei er mit seinem entscheidenden Antrag durch­gedrungen. Der Parteivorstand bestimmte Ebe r t, Scheidemann und Braun als Delegierte in die Streikleitung.

SchUchtungsausschutz im EissndahnerftreiK.

Berlin. 12. März. (Wolfs) 3m Reichs­arbeitsministerium sanden heute Ver­handlungen über den Eisenbahnerstreik statt. Die zur Einsetzung eines Schlichtungsausschusses führ­ten. Der vom Reichsarbeitsministerium eingesetzte Schlichtungsausschuh wird morgen vormittag unter dem Vorsitz des Ministerialrats Dr. Me- ves zusammentreten. Das Reichsarbeitsministe­rium sprach die bestimmte Erwartung aus, dah während der Dauer der Schlichtungsverhandlun­gen jede Verschärfung der Situation unterbleibt Die Parteien sagten zu, ihr möglichstes in dieser Hinsicht zu tun.

Hochschulnachrichten.

(Kesnttdhejtsftirsorge aus den deutschen Hochschulen.

Auf der Tagung derW irtschaftshilfe der Deutschen Studen schäft" in München wurde folgende für die Gesundheits­pflege an den Hochschulen wichtige Entschliehunz gefaßt:

Rach Entgegennahme Der Berichte über die schwersten Gefahren, die der Gesundheit Der Deutschen Studentenschaft durch Rot. Entbehrun­gen und Krankheit insbesondere die Tuberkulose drohen, wenden sich die zur Wirtschaftstagung in München Dem 5. bis 9. März 1925 versammelten Vertreter sämtlicher deutscher Hochschulen, Do­zenten. Freunde und Studenten an die Ministe­rien der' einzelnen Länder mit der dringenden Bitte, sie in ihrer Arbeit für die Durchführung allgemeiner ärztlicher Gesundheitsuntersuchungen in der Studentenschaft sowie bei Unterbrin­gung lungenkranker Studenten und Dozenten in Sanatorien nachhaltigst materiell und ideell zu unterstützen.

Tagung

Der Deutschen Studentenschaft in München.

Der dritte Verhandlungstag der Tagung der Deutschen Studentenschast wurde eingeleitet durch ein Referat des Leiters des Vereins-Studenten- hauses München, Dr. Beck, über die Gedanken des Studentenhauses, in der er betonte, daß öle Studentenschaft der Hochschule in dem Studenten- haus Den Mittelpunkt und eine Heimstätte ge­geben werden müsse. 3m Anschluß hieran gab Dr. Schairer einen Ueberblicf über die prak­tische Ausgestaltung des Studentenhausgedankens. In verschiedenen Gruppen wurden dann einzelne Arbeitsgebiete eingehender besprochen.

Aus aller Welt.

Wiederaufnahme des Lufld'.ensteS LondonBerlin.

London. 12. März. (WTD. Funkspruch.) Der General-Postmeister teilt mit. daß die Luft­post von London nach Hannover und Berlin morgen wieder ausgenommen toirtx

Gastod zweier Arbeiter

Beim Legen von Gas röhren ereignete sich in Rom ein Unglücksfall. 3n der Arbcits- grube öffnete sich plötzlich ein Erdloch. in bad zwei Arbeiter hinabgerissen wurden. Der eine wurde schwerverletzt geborgen, der andere ist durch Erstickung ums Leben gekommen Vor kurzer Zeit sind zwei Arbeiter aus der gleichen Ursache verunglückt.

Tollwutepidemie in Südtirol

Wie aus Dozen gemeldet wird, sind in Südtirol innerhalb eines Monats 23 Fälle von Tollwut vorgefallen. Die Opfer wurden in die Pasteurinstitute in Wien bzw. Padua eingeliefert. Die Bevöllerung befindet sich in großer Erregung über das Ueberhandnehmen Der Seuche.

Peinlich für die Patienten!

Da der Direktor deö Serum-Insti- tuts von Reapel irrsinnig geworden ist, haben, wie Die "r'stuna" berichtet, die Be­hörden die Beschlagnahm- Der Präparate, Die unter seiner Leitung sfe -?? warben, in den Apotheken verfügt

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 13. März 1925.

Pünktlichkeit.

Pünktlichkeit ist eine Tugend der Könige". Alle andern dürfen sich erlauben, unpünkllich zu sein je weiter vom König weg, um so mehr.

Man lächelt über das Ungereimte des Sprich­worts. Als wenn unpünktlich Könige nicht viel leichter entschuldigt wurden als jeder andere Sterbliche! Wer jeden Morgen um sieben oder acht Uhr an seine Arbeitsstätte geht, weiß ganz genaü, daß er nicht später kommen darf, wenn er nicht die unwillige Miene des Chefs herausfor- Dem wlll. Er ist doch einfach zur Pünktlichkeit gezwungen: Pünktlichkeit ist ein Stück seines Brotes. Wie tann man Da behaupten: sie wäre eine Tugend der Königes

Gewiß in der Tretmühle des Tagewerks von acht bis zehn Stunden ist Die Pünktlichkeit zu Hause: aber wie sieht es in unserem Privatleben aus? Rächen wir uns nicht gleichsam häufig Dafür, daß wir immer pünktlich sein mußten, und leben nun einer Willkür nach, die alles andere als Pünktlichkeit ist? Wie wenige Verab­redungen werden pünktlrch cingebatten; man ist manchmal beinahe überrascht, wenn sich jemand auf die Minute einstellt. Bei Gesellschaften gibt es sogar gelegentlich Rachzügler, die noch dann eintreffen, wenn andere wieder ans Gehen denken 3a, mancher hält es für fein, wenn er zu spä kommt.

Unpünktliche Menschen werden eS nie im Loben zu etwas bringen. Wenn sie nur pünktlich sind, so lange man sie dazu zwingt, muffen sie sofort versagen, wenn sie sich selbst überlassen b( eiben. Manche kommen eben immer zu spät nicht aus Trägheit, nicht weil man sie unterwegs aufhielt, auch nicht, weil sie sich verlaufen hatten, sie haben einfach das Dauerpech, nicht pünttlich zur Stelle sein zu können, auch toeitn sie es wollen.

Wer sich den Spaß machen will, braucht nur einmal bei einem abfahrenden Zuge aufzupassen, ob da nicht jedesmal jemand zurückbleibt, der nodj gerade mitwvllte Er erreichte fein Ziel nicht, weil Der Zug nicht auf ihn wartete. Der Zug fuhr Davon und mit ihm vielleicht ein Stuck Lebensglück und Erfolg. So kehrt er um und wartet, bis die nächste Gelegenheit kommt. Ob er sie wieder verpaßt?

Es ist eine Wohltat, mll pünktlichen Men- schen umzugehen. Pünttlichkeit ist fast eine Art feiner Schmeichelei, und cs kommt mir immer so vor, als wenn man damll sagen wollte: Ich achte deine Zeit, weil sie wertvoll ist: bitte, halte mich nicht zu lange auf, Denn auch meine Zeit ist gemessen.

Pünktliche Leute haben einen klaren Kops: sie wissen, was es heißt. Zellauszukaufen". Sie sind große Lebenskünstler, weil sie sich Daraus verstehen, Das Kostbarste, was wir haben, richtig zu benutzen: Jede Minute, jede Viertelstunde, jede Stunde unseres Lebens. Zeit ist nicht nur Geld, sie ist ein Stück von und und unwieder- dringlich.

Es bleibt schon dabei: Wer pünktlich ist ist ein König in feiner Art!

Vornotizeife

Tageskalender für Freitag Saldttheater: 63/t il^rDer Bettelstudent". V. H. E.: 8 Ahr Sinasaal des Realgymnasiums (Eingang Ludwigstraße) musiralischer Llnterhal- tungsabend.

Republikanischer Sehr erb unb, Gießen. Man schreibt unS: Wie im letzten Jahre, so veranstaltet der Republikanische Lehrer- bund auch jetzt wieder eine Vortragsreihe. Ober« studienrat Prof. Hüter wird in zwei Vorträgen überFürst und Volk" sprechen. An Die Ausführungen des Referenten wird sich jedeSma! eine Aussprache anschliehen, Die es ermög­lichen soll, Fragen zu stellen, um das interessante Thema auszuwellen und zu vertiefen. Die Vor-- träge sind nicht nur für Lehrer gedacht, alte, denen es mit der Vervollkommnung ihrer politischen Bildung ernst ist, sind freund­lichst eingeladen. (Siehe Anzeige in heutiger Rümmer.)

Ein Handballwettspiel zwischen dem Polizeisportve ein Wetzlar und dem Gieße­ner Sportclub v. 1900 findet am Somrtagnach- mittag auf dem Sportplatz an der Hardt statt. (Siehe Anzeige.)

"LiZettervoraussa^e,

Zunehmend milder, nachts noch leichter Frost, westliche Winde, mit erneuten Riederschlägen ist zu rechnen.

Das Einströmen nördlicher Luft brachte wei­tere Verstärkung des Frostes, so daß das Mini­mum der letzten Rächt für unseren Bezirk um ca. 2 Grad tiefer lag. als am Vortage. Inzwischen haben die Riederschläge nachgelassen und der Luftdruck ist inzwischen stark gestiegen, da wir in den Bereich eines westlichen Zwischenhochs gekommen siird, das aber von dem schnell gegen den Kontinent vorrückenden Rordmeerwirbel stark angegriffen wird und zurückweicht. Das dadurch bedingte Einströmen westlicher Luft totuö die Temperaturen wieder ansteigen lassen.

O D i eSonder st euer vom bebauten Grundbes itz für 19 25 in der gesetz­lichen Miete. Wie uns mitgeteiÜ wird, finden die Vorschriften der Verordnung vom 24. März 1924 betreffend die Erhebung einer Son­dersteuer vom bebauten G r u n d besitz für das Rechnungsjahr 1924 vorläufig auch Anwendung für das Jahr 1925 mll der Maßgabe, dah das bisherige Umlegungsver­fahren brselligt und die Sondersteuer bei Fest­setzung der gesetzlichen Miete darin ein­begriffen wird. Das Steuerumlegungsver- fahren, tote es in Art. 5 der Verordnung vom 24. März 1924 vorgesehen war, hat zu großen Mißhelligkeiten geführt, die in der Hauptsache dadurch entstanden, daß an sich zahlungsfähige Mieter sich toeigerten, dem Vermieter Die Steuer­anteile zu ersetzen.

*' Der CB t n t er. Dom Hoherodskvpf wer­den heute früh 10 Grad Kälte gemeldet. Gestern nachmittag traten weitere Schneefälle ein. Dic Skibahn ist ausgezeichnet, das LandschoftSbilL natürlich prachtvoll. In Gießen hatten wir gestern gegen Abend gleichfalls wieder Schnee­fall zu verzeichnen. Die Rächt brachte erheblichen Frost. Heute morgen zeiat" das Thermometer in freien Lagen 10 Grad Kälte an.

* Kein Mieters chuh be i Plätzen. Das Reichsmietengeseh und daS Mieterschuhgeseh gilt nur für Mietverträge über Gebäude und Ge­bäudeteile. Mietverträge über Plätze unterliegen feit Dem 1. Oktober 1923 feiner Anordnung Der Zwangswirtschaft mehr, sondern allein Den Be­stimmungen des bürgerlichen Rechts. Dies gilt auch Dann, wenn vom Mieter zum Gebrauche