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12.12.1925
 
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dem Ausmaße eines Schnaase, Kugler oder Grimm, die ein weites Gebiet zu durchdringen vermochten und in unendlich mühsamer, zäher Arbeit die großen Linien ein-eichneten. Ein tiefer Ernst und große Sicherheit ist diesen Werken eigen, und die Geschichte der deutschen Kunst ist, obwohl sie einsam in dem ganzen wissenschaftlichen Forschen von heute steht, doch das bedeutendste Werk deutscher Kunstfvrschung der letzten Jahre.

In Bodes schriftstellerischem Schaffen ist die typische wissenschaftliche Haltung der Gründer­zeit offenbar: Detailuntersuchung Doch wäre es falsch, dies als Urteil zu nehmen. Vor allem steht Bode mit Beruf und Neigung auf einer ganz anderen Ebene wie Dehio. Er ist Mu­seumsmann, Sammler. Kenner, nicht eigentlich Forscher, älnd diese Eigenart des Sammlers und Kunstkenners ist in Bode so zielsicher und fest, wie in Dehio sein Forschertum. Man möchte vom Heute her sagen: problemlos. Den jungen Iuristen treibt Interesse zu Kunststudien, er be­arbeitet in Mußestunden niederländische Gemälde der Braunschweiger Galerie und wird dann 1872 Assistent am König!. Museum in Berlin. Seitdem, über fünfzig Iahre hinweg ein Leben lang, steht feine Arbeit im Dienste dieses Museums. Es erweitert sich in dieser Zeit zu einem Museumskompler. Die Situation ist für einen Mann wie Bode günstig. Der all­gemeine Aufschwung von 1870 ließ Mittel in nie geahnter Fülle für Museumszwecke flüssig ma­chen. Dazu kam der Ehrgeiz der neuen Reichs­hauptstadt. es den alten Hauptstädten des Abend­landes an kultureller Fülle gleich zu tun. Dafür mußte vor allem der Besitz an alter Kunst wesentlich erhöht werden. Die maßgebenden In­stanzen bezweifelten allerdings, daß man noch in größerem Maße alter Kunstwerke habhaft wer­ben könnte und trugen sich mit dem Gedanken, eine große Sammlung von Kopien und Gips­abgüssen aller berühmter Werke anzulegen. Mit dem Auftrag, die Gipssammlung vorzubereiten, wurde der junge Bode nach Italien gesandt und er brachte Originalwerke nach Hause.

In dieser Findigkeit liegt Bodes eigentliche Stärke. In immer einflußreicheren Stellungen,

schließlich als Generaldirektor der Berliner Mu­seen, gelang es ihm, für gar nicht übermäßig große Summen einen Großteil der Hauptwerke, die heute in dem Berliner Museum stehen, zu erwerben. Die Sammlung von Plastiken der italienischen Aenaissan:e tjat er aus altem ita­lienischen Fürstenbesitz zusammengeholt. Wert­volle Holländer und frühe deutsche Bilder wur­den auf englischen Versteigerungen erworben. Unter der Sammlerwelt erwarb sich Bode so einen großen Ruf, und im internationalen Anti- quitätägetriebe ist er einer der meist geschätzten Kenner.

ile&er viele Kunstwerke, die Bode auf seinen weiten Reisen begegneten, hat er denn auch ge­schrieben. Die Fülle seiner Aufsätze ist unüber­sehbar. Besonderer Bevorzugung erfreuten sich die Holländer Maler des 17. Jahrhunderts und die italienische Renaissanceplastik. Auf beiden Gebieten hat er viel geklärt, Künstlernamen und Werke ans Licht gezogen, Gruppen abge­grenzt und einzelne Bilder eingeordnet. Bei dem ganz auf Kennertum, auf Einordnung und Stilbesti'i.men gerichteten Blick Bodes der innere Siilkriterien ihm oft unkenntlich machte bei dem temperamentvollen Aussprechen jeder gefaßten Meinung mußten natürlich manche Fehlbestimi'.iungen unterlaufen, und manches nicht echte Stück wanderte auch in die Museen.

Größere Werke haben sich aus solchen Ar­beiten konzentriert. Dor allem zwei mächtige Publikationen, das beschreibende Verzeichnis der Gemälde Rembrandls (18871905), 12 mächtige Foliobände, darin alle (an 800) Werke Rem­brandts abgebildet sind und die Denkmäler der Renaissanceskulptur in Toskana" (1892 bis 1905) 10 Follobände Mit der holländischen Ma- lerei beschäftigen sich noch: Rembrandt und seine Zeitgenossen (1906) Franz Hals, sein Leben und seine Werke (1914). Die Meister der holllän- bischen und vlämischen Malerschulcn (1917) Adriaen Brower (1924). Mit der italienischen Renaissancekunst: Florentiner Bildhauer der Re­naissance (1902), Italienische Brcnzestatuetten (I. II. 1902 HI. 1912), Anfänge der Wajolikakunft in Toscana (1911), Gandro Botticelli (1921).

Wer von den Titeln verführt, nach den Büchern greift, wird sie bald enttäuscht beiseite legen. Sie enthalten zwar eine Fülle stilistischer Bemerkungen, lind dem Fachmann weithin nicht zu missende Hilfen, aber daß der Künstler, seine Persönlichkeit, seine Zeit in e nem tieferen Sinne gestaltet wird, daß einem lebendige, deutende Werte aus diesen Büchern entgegcnlommen, doS wird man vergeblich suchen.

Bodes schriftstellerisches Schaffen ist, ob­wohl viel reicher und mannigfaltiger oder auch weil viel reicher und mannigfaltiger als das Dehios, doch nur Rebenproduft: ist das Sprachrohr des Kenners, aber nicht die For­mung der Erkenntnisse des Forschers. BodeS Lebensarbeit ruht in den Berliner Museen. Er hat sie bereichert und ihnen ein Gepräge ge­geben, was nicht so leicht zu verwischen sein wird. Er hat den öffentlichen Besitz an wert­vollen Werken alter Kunst vermehrt, hat vieles allgemein zugänglich gemacht, was vorher in verschlossener Privatsammlung ruhte. Das wird ihm immer zu danken fein.

Allerdings quält uns Iunge die Frage, was mit diesem Besitz anzufangen sei. Bode hat die Frage nach dem Sinne eines Museums wohl nie ernst beschäftigt. Er sammelte und stellte ans, Besucher tarnen, Freunde und Burger beschauten die Werke, Gelehrte diskutierten sie und Maler kopierten eifrig nach ihnen. DoS Museum war eine öffentliche Angelegenheit der Bürger. Das war eben so und kann nie­mand zu Vorwurf gemacht werden. Rur ist diese Sicherheit des Besitzes uns heute ge­schwunden, wir gehen durch die Säle, wir ver­tiefen uns in die ausgestellten Werke, und da steigt immer heimlich die Frage auf, tote diese Bilder denn wirklich öffentlich werden, wie die in ihnen liegenden Werte Volksgut werden können. Da liegt wohl die Ausgabe der Kunstforscher von heute, an diesem Problem vor allem zu bauen, wie es die Aufgabe der Romantiker-Gelehrten war. große, durchgreifende Linien zu ziehen, und. wie es die Ausgabe der Gründerzeit war, zu sammeln. L. R.

Nr. 291 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesstn) TTWMT n. - - - l j» ei M|M| ,lr

Samstag, 12. Dezember 1925

Außenpolitische Umschau. |

Von

Professor 2)r. Otto Hoetzsch, M. d. R.

Der Londoner Pakt ist am 1. Dezember in London unterzeichnet. Wie vorauszusehen, haben die deutschen Staatsmänner von dort Wesentliches in Sachen der Rückwirkungen und dergleichen für Deutschland nicht mitgebrocht. Was hat es eigentlich für einen Sinn, solche Hoffnungen zu erwecken, da man sich sagen mußte, daß weder der mit seiner Krise beschäftigte Briand, noch die englischen Staats­männer geneigt sein würden, in den paar Tagen, ja Stunden große fachliche Verhandlungen zu 1 f Aamit ist der Vertrag unter Dach und Deutsch­land wird dem Völkerbund beitreten, lieber dasD a ß" besteht ja kein Zweifel. Dagegen ist dasW a n n" in das Ermessen der deutschen Re­gierung gesetzt und die Frist bis dahin (frühestens vis nächsten März kommt der Beitritt in Frage), ist in scharfer politischer Arbeit von feiten Deutsch­lands im Hinblick auf die bekannten Forderungen, die wir nicht wieder aufzählen, zu benutzen. Dazu aber ist Voraussetzung, daß in Deutschland bald eine attionsfähige Regierung zustande kommt!

9n Frankreich ist ein Kabinett Briand gebil­det. Briand hat seine ganze Autorität, seinen Ruhm aus Locarno dafür eingesetzt, daß nicht auch fein Kabinett beim ersten Ansturm der Finanzkrise er­legen ist. Daß das damit Erreichte nur Flickwerk ist, darüber wird er sich keinem Zweifel hingeben. Unter ihm arbeitet Loucheur, der auch gleich das Schuldenproblem angefaßt hat. Er will da­für zugleich in London und Washington verhandeln lassen, was zweckmäßig und praktisch ist, und er hat diesen Vorstoß begleitet ober will das wenig­stens tun, mit einer Darlegung der steuerlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse Frankreichs, für die er das Vorbild aus dem Verfahren des Dawes» planes genommen hat. (!) Die Dinge gehen also in bezug auf Frankreich langsam und sicher den Gang, der vorauszusehen war. Aus absehbare Zeit wird es aber aus innerpolitischen Krisenoerhältnissen nicht herauskommen, was aber die durch den Lon­doner Pakt geschaffene Lage nicht berührt ober ver­ändert.

In Krisen sind weiter die Tschechoslowakei und Polen. In ersterer waren wohl am 15. No­vember Neuwahlen. Das Ergebnis steht jetzt fest: Auf tschechischer Seite eine Niederlage ber bishe­rigen Regierungsparteien, ein beträchtliches An­schwellen ber Kommunisten und eine Erschwernis für die Tschechen, in ber bisherigen Weise schlechtweg gegen die vergewaltigten Deutschen zu regieren. Die Mehrheit, bie bie tschechischen Parteien haben, ist so unsicher unb brüchig, daß man schon an Neu­wahlen denkt ober andere Kombinationen heran­ziehen muß, die bisher außer allem Bereiche lagen. Auch Benesch Hal es schon angebcutet, die Heran­ziehung der Deutschen nämlich zur Regierung. Die Deutschen sind nicht in einheitlicher Front durch den Wahlkampf gegangen, sechs oder sieben Parteien haben miteinander gekämpft. Auf ihrer Seite haben stark zugenomen die sog. aktivistischen Parteien, die Christlich-Sozialen und ber Bunb der Landwirte, aktivistisch deshalb, well sie zur aktiven Mitarbeit am Staate bereit sind, während die Negattoisten diese ablehnen. Deren Führer, Dr. Sobgemann, ist im Wahlkampf unterlegen, genauer gesagt, er hat auf eine im zweiten Wahlgang ihm sichere Wahl ver- zichtet, weil er ber Ueberzeugung war, baß seine Politik vom beutschen Volk in ber Tschechoslowakei nicht mehr gebilligt werde. Damit scheidet ein aus- gezeichneter Mann, ein reiner Charakter und hoch- begabter Politiker aus dem politischen Leben aus. Das Sudetendeutschtum verliert einen bedeutenden Führer, während es deren recht wenige hat.

Die aus den Wahlen sich ergebende Regierungs­krise ist nach vielen Schwierigkeiten gerade erst überwunden. Vor dem Londoner Abschluß war die Stellung von Benesch recht unbehaglich geworden. Den Abschluß mit Deutschland und Frankreich aber bucht er als einen Sieg, und so bleibt er in einem Kabinett, dessen Zusammensetzung soeben bekannt gegeben worden ist. Noch weniger ist abzusehen, ob unb wie bie Deutschen an einer Regierung teil- nehmen könnten. Wir glauben nicht, daß es damit so schnell geht. Aber wir bedauern, daß in einer solchen Entscheidungsstunde die Deutschen in den Wahlen nicht einig waren unb baß anbererfeits in der gleichen Entscheidungsstunde das Deutsche Reich nicht durch seine Locarno-Delegation bie Gelegenheit

wahrnehme, für bie beutschen Minberheitcn, also hier bie Subetenbeutfchen, im Vertrag mit der Tschechoslowakei bas seine zu tun unb für den Schutz seiner Minderheiten erfolgreich cinzutrelen.

Das gleiche gilt für Polen, wo auch Regie­rungskrise ist. Nach zwei Jahren Bestand ist das Kabinett Grabski, bas bie Währung saniert hatte, zusammengebrochen, eben an ber Krise dieser Wäh­rung, die nur der äußere Ausdruck für eine außer­ordentlich kritische Lage im allgemeinen ist. An Stelle Grabskis ist der bisherige Außenminister Gras Skrzynfki getreten, der den Locarnovertrag und den neuen Vertrag mit Frankreich abgeschlossen hat. Deshalb hat man ihn genommen, und er versucht, auf möglichst breiter Plattform zu regieren. Schon das ist reichlich schwer, weil die Gegensätze unter den Parteien sehr groß sind, und noch' viel schwerer ist, den Staat aus dieser wirtschaftlichen Krise heraus­zubringen, in die er durch seine eigene Sch ild ge­raten ist. Polen hätte doch alle Veranlassung, mit seinem Nachbar eine Verständigung au suchen. Statt dessen brach es den Zollkrieg vom Zaune, der ihm tiefe Wunden schlägt. Statt dessen vergewaltigt cs seine deutschen Bürger, statt dessen gibt es viel Geld für sein Heer aus. Und so ist es in die innere Krise und dazu in eine außenpolitische Isolierung gekommen, die sich von Monat zu Monat bemerk­barer macht.

Unsichere Stellen genug in ber Innenpolitik Kon­tinentaleuropas: Dcutschlanb, Frankreich, Polen, Tschechoslowakei. Währenddem sucht ber Völkcrbunb in Genf bie großen Aufgaben weiterzutreiben. Neben ben übrigen Gegenstänben, die nun schon zum eifer­nen Bestand gehören, wie Oes reich, Ungarn, Mosstil u. bgl., behandelt er die A U r ü ft u n g unb die Vorbereitung ber Weltwirtschaftskon- fercnz. Das sind beibes Themen, bie nicht nur theoretisch zu bchanbeln sinb, sondern in denen dringend praktische Erfolge erzielt werden müssen, soll nicht Europa zusammeubrcchen. Es sind zugleich Aufgaben, an denen Deutschland lebhaft mitzuarbeiten hat, sobald es im Völkerbund ist, und es sind Aufgaben, für die sich auch Amerika interessiert.

Für bie Gesundung Europas kommt cs in den nächsten Monaten noch mehr als bisher darauf an, daß Nordamerika bereit ist, wirtschaftliche Hilfe zu gewähren. In dieses Kapitel gehört nicht nur, daß Nordamerika Kredite zur Verfügung stellt, sondern daß die Schuldenabmachungen mit den übrigen Staaten auf der Seite ber Sieger, also namentlich mit Frankreich, endlich zustandekommen, unb daß ferner die Revision des auf die Dauer ja undurchführbaren Dawes-Planes begonnen wird.

Für diese Hilfe aber will Nordamerika, daß Eu­ropa in Abrüftungsfragen nun auch das Seine tue. Das ist also Aufgabe des Völkerbundes, der nun zeigen muß, ob er etwas schaffen kann, und hierin laufen die Interessen Deutschlands und Amerikas durchaus nebeneinander in einer Linie. Von der Gleichberechtigung ist solange keine Rede, als im Völkerbund selbst waffenstarrende Mili- tärftaakn unb völlig entwaffnete Besiegte nebenein­ander stehen, ober gar letztere von ersteren noch mit unroürbiger Militärkontrolle niedergehalten werben.

Parlamentarisches aus Hessen.

Darmstadt, 8. Dez. Der Gau Main- Weser des Deutfchnationalen Hand­lung«« ehilfen-Verbandes hat an den Hessischen Landtag eine Eingabe gerichtet, bn der er bittet: der Landtag möge die Hessische Dtaats- regierung ersuchen, aut Milderung der großen Rot in den Kreisen der KcrufmannSqehilfen aus­reichende Barmittel zur Unterstützung stel­lenloser und verkü rzt arbeitender» KaufmannSgehilfen und ihrer Familien zur Verfügung zu stellen und durch geeignete Maßnahmen bei anderen Wirtschaftsbeteiligten und Behörden dahin zu wirken, daß überstürzte und wirtschaftlich nicht unbedingt gebotene Ent­lassungen und Gehaltskürzungen unterbleiben. Schließlich bei der Reichsregierunq für die Ein­beziehung aller Angestellten im Sinne des An- gestelltenversicherungsgesehes in die künftige Ar­beitslosenversicherung einzutreten.

Dem Hessischen Landtag sind folgende An­träge der Deutschen Volkspartei zugtgangen:

I. Die Sonder st euer vom bebauten Grundbesitz ist schon in ihrer heutigen Höhe

für weite Kreise der Devölkeruna kaum trag­bar. Sie wirkt besonders drückend, da bei der Veranlagung zu wenig Rücksicht auf den Er­trag der Gebäude genommen wird. Sicherem Vernehmen nach soll sogar eine weitere Er­höh u nx g der Steuer zur Deckung des allgemei­nen Finanzbedarfs des Staates geplant sein. Wir beantragen: Der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, die Sondersteuer vorn bebauten Grundbesitz zur Deckung des allgemei­nen Fincnnbedarss nicht zu erhöhen, sie da­gegen in Ausführung des 8 11 Ziffer 5 ff. deS Gesetzes über Aend-rangen des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden vom 10. August 1925 (R. G. Dl S. 254 ff ) für Eigen­heime und am 31. Dezember 1918 unbelastete oder gering belastete Grundstücke zu ermäßigen.

II. Es ist unverkennbar, daß die allgemeine Wirtschaftsnot durch bie hohen Zinssätze außerordentlich verschärft wird. Wir beantra­gen: Der Landtag wolle beschließen, die Re­gierung zu ersuchen,

1. Alle verfügbaren Gelder des Staates und der staatlichen Anstalten werden aus­schließlich bei öffentlich rechtlichen Bankanstal­ten angelegt zu einem Zinssatz, der höch­st en s den Reichsbankdiskont er­reicht. Den Banken ist die Auflage zu machen, diese Gelder mit einem Aufschlag von höchstens 1 Prozent bis zum letzten Kreditneh- auSzuleihen.

2. Auf die Gemeinde n und Gemeindeverbände einzuwirken, ebenso zu verfahren.

Folgende Anfrage über die Sparsamkeit In den höheren Verwaltungsstellen wurde ebenfalls von D. V. P. gestellt:

1. Ist es richtig, daß der Ministerialdirek- tor Alrflabt seit etwa vier Iahren Auf­wandsentschädigung für doppel­ten Haushalt neben feinem hohen Gehalt aus der Sondergruppe B III empfängt, ob­wohl

a) ihm in dieser Zeit in Darmstadt ng st eine angemessene Wohnung hätte zugewieien werden können:

b) anderen Beamten die Aufwandsentschä­digung entzogen wird, sobald ihnen eine amh nur notdürftig ausreichende Wohnung nachgewiesen werden kann.

2. Ist es richtig, daß der Ministerialdirektor Arstadt neben feinem hohen Gehalt bis vor kurzem auch noch die Tagegelder eines Abgeordneten für diejenigen Sitzungen liquidiert hat, denen anzuwohnen er als be­amteter Vertreter der Regierung verpflichtet war?

3. Was gedenkt die Regierung zu tun, um ihren eigenen Spa verlassen durch das gute Bei­spiel der höchsten Beamten den nö­tigen Nachdruck zu verleihen?

Oderhessen.

Landkreis Gießen.

s. Trohe, 11. Dez. Im hiesigen Schul­saal hielt ein junger Mediziner einen Vor­trag über das Tchema:Wie erhalte i<h mir meine Gesundheit?" Die Ausführungen, die sich durch Klarheit und Sachkenntnis auszeichneten, fanden starken Anklang bei der Versammlung Die anschließende Aussprache beschäftigte sich besonders mit dem Gegensatz von Allopathie und Homöopathie. Auch das Wesen der Augen­diagnose, als eines Wegweiser- bei der ärztlichen Diagnose, fand eine faßliche Klärung. Von dem Vorsitzenden wurde die Gründung eines Bade- und Schwimmvereins an­geregt; denn unsere Gemeinde ist leider nicht in der Lage, eine solche segensreiche und wich­tige Anlage zu schaffen. Dagegen hat sie sich bereit erklärt, das Gelände z u stellen. In einer Bürgerversammlung nach Reujahr soll über diese Angelegenheiten näher gesprochen werden.

Lollar. 12. Dez. Vorletzte Nacht wur­den hier zwei breifte Einbruchsdieb­stähle verübt. In dem einen Falle wurde bei dem Bäckermeister rner eine größere SummeGeld entwendet, während in der Metz­gerei und Wirtschaft von Volkmann sich die Diebe anscheinend nur mit Kleidungs­stücken begnügen mußten. Den vorgefundenen Merkmalen nach müssen es in beiden Fällen

dieselben Angehörigen der Zunft der Langfinger gewesen fein.

7 Grünberg, 11. Dez. Die Zahl der Ar­beitslosen hat sich bis jetzt hier in recht mäßigen Grenzen gehalten. Ein Teil der Leute hat Beschäftigung beim Holzschlagen gesunden, ein anderer Teil fand bis jetzt Verwendung beim Eismachen. Die Viehzählung in Grünberg einschließlich der Gehöfte Warthof. Reumühle, Obere und Untere Ziegclhütte, hatte folgendes Ergebnis: 104 Pferde, 560 Stück Rind­vieh, 217 Schafe, 456 Schweine, 280 Ziegen, 2842 Stück Federvieh, 110 Kaninchen und 46 Bienen­völker.

wn. Weickartshain, 11. Pez. Im Saale d^s Gastwirts Hock fand die von Frl. Mutsch- l e r aus Gießen abgchaftene sieben- wöchige Ausbildung von 23 Mädchen der HauSwirtfchaftsschule ihren Abschluß. Die Besichtigung sand statt durch Ober-Reg.-Rat Dr. Heß vom Kreisamt Gießen, der sich sehr lobend über die von den Schülerinnen angefer­tigten Arbeiten aussprach. An die Besichtigung schloß sich eine kleine Feier an, welche die An­wesenden noch einige Stunden in bester Stimmung beisammenhielt.

:: Lich, 10. Dez. Zu der 60jährigen Grün­dungsfeier desReebschen Männerchores in Frankfurt a. M." hatte auch der hiesige Man­nergesangvereinCacilia" eine Depu­tation von 10 Mitgliedern entsandt. Diese nahmen teil an dem Konzert der .Reeder" im großen Saal des Saalbaues und an dem BegrüßungS- abend hn Gesellschaft^saal des Zoologischen Gar­tens. Hier überbrachte der Vertreter der Cacilia, Altbürgermeister Fuhr, die Grüße der Geburts- stadt Rebs, des großen Komponisten unJ ver­dienstvollen Dirigenten, und die Grüße des Ge­sangvereins .Cäcilia". Er überreichte dem Frank­furter Bruderverein ein B i l d, welches das G e- burtshaus Reebs zeigt. Tausendstimmige Heilrufe der großen Versammlung, zu der Ver­treter aus ganz Deutschland, ja sogar aus Wien, Innsbruck, Zürich und Genf gekommen waren, folgten den vortrefflichen Ausführungen des Ver­treters der Geburtsstätte Reebs.

> Holzheim, 11. Dez. Hier sorach im großen Ratbaussaale auf Einladung der hiesigen Bruder­schaft des Jungdeutschen Ordens der Kom­tur der Ballei Oberhessen, Major a. D. Wichert- Büdinqen, über das Ziel des jungdeutschen Gedan­kens. Die Worte lösten bei den zahlreich Erschienenen reichen Beifall aus. Der Redner gab einen lieber» blick über die Ursachen der gegenwärtigen wirtschaft­lichen und sittlichen Not, betonte dann, daß nicht allein eine Hilfe von außen in Form von Krediten, sondern ähnlich 1806 eine innere Wiedergeburt die Rettung unseres Volkes bedeute. Er forderte vor allen Dingen größeres Verantwortungsgefühl und gesteigertes Pflichtbewußtsein. Treue, Glauben, Zu­verlässigkeit, Nächstenlieve und freudige Opferwillig­keit müßten wieder Einkehr halten in unserem Volke, bann wäre der Anfang zum Aufstieg ge­geben. Auf seine Anregung werden zum Zwecke der Volksbildung im Laufe des Winters Lichtbil ° dervorträge stattsinden, vor allen Dingen Vor­träge, die die Schönheit der deutschen Heimat ver­herrlichen unb bas Heimatgefühl stärken sollen. Um bie Iugenb abenbs von der Straße fern zuhalten, hat ber hiesige Iungdeutsche Drben sog. Spiel- ad e n d e eingerichtet. Die männliche Iugenb ver­sammelt sich dazu in dem Rathause, wo alle mög­lichen Unterhaltungsspiele Kartenspiele ausge­nommengepflegt werden.

= Lang-Göns, 11. Dez. In unserer Ge­meinde wurde In den letzten Iahren eine ungemein rege Bautätigkeit entfaltet. Neben verschie­denen An- unb Umbauten innerhalb des Dorfes hat sich jenseits der Eisenbahn an der Holzheimer Straße in dem GemarkungsteilFauerbach" ein ganz neues Dorfolertel gebildet. Außer einer An­zahl Arbeiter- unb Beamtenwohnungen hat auch die Oemeinbe ein neues Haus bauen lassen, um we­nigstens den unbemittelten Familien eine Wohnung zu verschaffen, so baß ber Wohnungsnot immer mehr gesteuert wird. Pfarrer Weder, der lange Jahre hier als Ortsgeistlicher gewirkt und nach feiner Versetzung in den Ruhestand noch einige Jahre im Pfarrhause gewohnt hat, mußte nun, da ihm die Gemeinde keine entsprechende Wohnung zur Verfügung stellen konnte, nach dem benachbarten Holzheim ziehen. Das Pfarrhaus wird zur Zeit einer gründlichen Renovierung unterzogen und neu­zeitlicher ausgeftattet. Vor Jähren mußte bereits

Wilhelm von Bode.

Zu feinem 80. Geburtstag.

In diesen Tagen begingen zwei der bekann­testen deutschen Kunstforscher hohe Gedenktage. Georg Dehio hat am 22. Rovember seinen 75. Geburtstag gefeiert, W i 1 helm v. Bode am 10. Dezember seinen achtzigsten.

Es ist natürlich, an solchen Tagen auf das Lebenswerk eines Mannes zurückzuschauen und den Ort zu bestimmen, aus dem er ins Leben deS Volkes gewirkt hat.

Das lct.lere sollte man wenigstens versuchen. Der Rachfolgende sieht ja nie klar die Stelle, an der sein Meister stand, er überschätzt ihn. ober glaubt, sein Erbe leugnen zu müssen. Der die- schreibt, ist zwar schon aus der übernächsten Generation und sieht somit manches wieder an­ders, als die älteren vor ihm. Ein Versuch bleibt es aber trotzdem.

In weiteren Kreisen bekannter ist sicher zumal nach dem Erscheinen seinerGeschichte der deutschen Kunst" Georg Dehio. Er ist auf weitere Sicht auch sicher der von beiden, dem ein tiefes Wirken vergönnt ist. Dehios Schaf­fen ist begrenzt. Vier große Werke sind es im wesentlichen, die neben seiner Lehrtätigkeit an der Universität seinen Ruf ausmachen:Die kirchliche Baukunst des Abendlandes" in Zu­sammenarbeit mit dem Architekten v. Bezold, 1887 bis 1901 erschienen. 5 Foliobändc Bau­risse und 2 Bände Text: dieDenkmäler deut­scher Bildhauerkunst", eine große Publikation von Bildtafeln. 1905 mit Bezold begonnen, durch den Krieg unterbrochen und heute seiner Vollen­dung entgegengehend: dasHandbuch der deut­schen Kunstdenkmaler", eine stichwortartige Zu­sammenstellung aller Bauten: schließlich dieGe­schichte der deutschen Kunst", deren letzter Teil jetzt abgeschlossen vorliegt.

An ein Werk von der Ämfasscnheit der Kirchlichen Baukunst des Abendlandes" hat sich seitdem nicht wieder jemand gewagt, und o, wie heute die Dinge liegen, wird es auch so bald keiner tun. In Dehio ist noch 6er Mut der romantischen Gelehrten lebendig von