Ausgabe 
12.11.1925
 
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Kämpfen Friedrichs II. und Maria Theresias geben befer das deutsche Interesse am Rhein preis, um fljÄ SrroTtfrftAS Unterstützung zu sichern. Die fran- rvMche Rrvsluttsn ließ unter dem Gewände des demokratischen Freiheitsgedankens ein neues natio- mlkes Mochigefühl tn Frankreich aufwallen, das zum Zusammenprall mit den legitimen Gewalten Europas unter Oesterreichs und Preußens FÜH- i'lmg steuern mußte. Die Niederlage der in sich selbst eifersüchtigen und uneinigen Ostmächte in den Koalitionslneacn hatte neue schwere Verluste am Rhein zur Folge. 3m Zeitalter Napoleons geht der Rhein Deutschland verloren. Der ReichsdeputationS' haupischluß und der navoleonische Rheinbund sind traurige Wahrzeichen für die Ohnmacht Deutsch­lands und Frankreichs Triumph am Rhein.

'Aber schon um die Jahrhundertwende setzt eine Rückeroberung des Rheins ein, zunächst zwar nur auf literarisch-ethischem -Gebiet. Der Rhein als der deutsche Strom, die Rheinlande als Hüter edelsten deutschen Kulturgutes tauchen wieder vor dem gel­ingen Auge des deutschen Dichters und Denkers auf. Man sucht uüd findet wieder ein Verhältnis zum Rhein. Und diese geistige Rückeroberung fördert un­gewollt die französische Kulturpropaganba die französischen Separattftenumtriebe, die damals so wie heute mit skrupelloser Zähigkeit sich um eine Ablösung der Rheinlande aus dem deutschen Staatskörper mühten. Gorres und Arndt waren es, die den Deutschen die Erkenntnis von der Not­wendigkeit des Rheins für ein freies Deutschland eixhammerten, die mit der Rückeroberung des Rheins der deutschen Jugend das langersehnte Pro­gramm wiesen. In den Befreiungskämpfen wurde Preußen an Stelle des sich auf den Osten zurück- ziehenden Habsburgs der Wächter der rheinischen Mark, damit aber auch das leidenschaftlichste Ziel französischer Machtpolitik. Aus den böhmischen Schlachtfeldern von 1866 wurde Frankreich mit dem unerwarteten Siege Preußens die Vorherrschaft über Europa genommen. Das ist der Sinn des Rachegeschrei, für Sadowa. Napoleons III. Kom° penfationrfor-erungen lehnte Bismarck ab, er er­füllte damir Preußens historische Aufgabe als Wäch­ter des Rheins und schuf aber auch die seelischen Grundlagen für die Bündnisse mit den südoeutichen Staaten, für die Gründung des Reiches.

Die große Koalition von 1914 rückt wiederum den Rhein in den Mittelpunkt. Die Rückgewinnung Elssß-Lothringens ist der Kaufpreis, für den Frank­reich feinen Degen den Alliierten zur Verfügung stellt, lieber dis Wege und Ziele, die zu Versailles als dem Ergebnis dieses Kampfes fuhren, sind mir auch ohne Die Oeffnung der französischen Archive gut unterrichtet. Einmal durch die Preisgabe der russischen Dokumentrnsammlungen durch die bolsche- wWchen Machtheber, zum anderen durch die un­geschminkte Publikation einer der Hauptakteure beim Versailler Fricdensdiktat, des Präsidenten Wilson, der durch seinen Privatiekretär Baker alle wesent­lichen Aktenstücke, Entwürfe und Konferenzprotokolle der Friedensverhandlungen der Oefientlichkeit . übergah. Daraus ergibt sich ein fast lückenloses Bild von dem Kampf zwischen dem bösen und dem guten Prinzip, zwischen Wilson, dem Weltbeglücker, dem Manne reinen Herzens und besten Wollens, und Elemenceau, dem Vertreter der rücksichtslosen Kriegs- geroinnler. Wilson glaubte als echter anglikanischer Rationalist an ein absolutes, objektives Recht, Gegen­wart und Geschichte hätten ihn lehren sollen, daß jedes Volk, lebe Zeit ihre eigenen Begriffe von Recht und Unrecht haben. Wilson war überzeugt, daß die Wiedergewinnung Elsaß-Loihringens 1871 ein histo­risches Unrecht cm Frankreich war, dos wieder gut­gemacht werden mutzte, er dachte aber nicht daran, die historische Gerechtigkeit weiter in die Jahrhun­derts hinein zu verfolgen. Es wurde ihm bnlb die Unmöglichkeit eingeieuchtet haben, die Weltgeschichte nach einem Prinzip rückwärts aufzurollen. Durch feinen Kriegsbefchluß gegen Deutschland hat er fein .eigenstes Friedenswerk vergiftet. Schließlich kam er mach Versailles ohne die geringste Kenntnis von ^europäischen Dingen, ohne eine Ahnung von der Vorgeschichte des Krieges, ohne eine Ahnung von -den Zielen, um deretwillen seine Alliierten den Krieg geführt hatten. Bald wußte er, daß er sich mit poli­tischen Gaunern auf eine Ban? niedergelassen hatte. Trotzdem war er ehrlich entschlossen, to make the bcst of it. Der Völkerbund sollte ihm das Mittel fein zur Befriedung der Welt. Aber die allgemeine Abrüstung wurde durch eine geschickte Reduktion der Wilsonschen Entwürfe zu einem Schemen, das Selbsibesirmmungsrecht der Völker, der Schutz der nationalen Minderheiten zu leeren Phrasen. Trotz­dem unterschrieb Wilson das mühsam zustinde- gedrachte Kompromiß, weil er durch die enge Ver­bindung zwischen dem Versailler Friedensvertrag und dem BSlkerbundsstatut dir Möglichkeit einer Revision der Verträge durchgesetzt hatte. Diesem amerikanischen Idealisten trat die andere Seite in Versailles mit einem Maxrmalprogrmnm höchst realer Forderungen zur Sicherung der französischen Kontinentalherrschaft entgegen. Wilson ist es zu ver­danken, wenn sie nur ein Minimum durchzusetzen vermochte, das die Franzosen nun auf dem Wege der Sanktionen in den folgenden Jahren zu dem schon in Derfailler angestrebten Maximum auszu­bauen £d) muhten.

Locarno bedeutet nun, wenn der vielbespro­cheneneue Geist" Wahrheit werden soll, vor allen Dingen das Ende dieser französischen Hegemonie- positik, die den Rhein als Basis für ihre Vorherr­schaft in Europa braucht. Wenn der Slcherheitspakt von Locarno den Verzicht auf eine kriegerische Rück­eroberung Elsaß-Lothringens von uns verlangt, so werden wir ans in aller Nüchternheit darüber klar werden müsien, ob unsere Generation, ein entwaff­netes, auch seelisch entmilitarisiertes Volk in abseh­barer Zeit überhaupt in die Lage kommt, mit den ®affen in der Hand zur Wiedererlangung der Reichrlanbe den Rhein zu überschreiten. Eine Revi- fron der Versailler Vertrages mit den Massen der Gewalt ist für unsere Generation undenkbar. Für ein entwaffnete«, innerlich geschwächtes Volk wird eine identische, heroische Politik zur leeren Geste. Uns ziemt Die gleiche Politik, die ein Talleyrcmd nps dem Wiener Kongreß 1814/13 den verbündeten Siegern »efdtüber für angebracht hielt. Die idealen Ziele, für die die Sieger gekämpft hatten, die sie im Angenblick des Gieße, als unbequeme Requisiten in die kcke gestelt hatten, das Prinzip der Leai- tiMität griff er auf und erreichte damit ein selbstän­diges Frankreich m den alten Grenzen von 1792. Heute ist es das Schlagwort des Gelbstbestrmmungs- rachis der Völker, das, geschickt verfochten, uns Deut­sche lu Führern einer Welt von Entrechteten, Unter­drückten, Gemaßregelten machen kann. Dazu albt Kocyrno den Weg frei, es bietet auch die Möglichkeit, ans die Zulatznote Wilsons zum Bersailler Vertrag zurückzugreifen, die (wie beiläufig hier m den letzten Wochen schon mehrfach unterstrichen wurde) eine Abkürzung der Desetzungsfristen ober eine Räumung der besetzten Zone norsieht, sobald Deutschland Be­weise seines guten Willens zur Erfüllung des Ver­trages ablegt, was ja mit einer Räumung der Köl-

Der Reichspräsident in Stuttgart.

Stuttgart, 11. Rov. (Sil.) Reichs- pr äsiDeick ix Hindenburg ist heute vor­mittag mit dem fahrplanmäßigen O-Zug zum Besuch der württembergischen Regierung hier eingetrosfen. Zu feinem Empfang am Hcmpt- bahnhos hatten sich Staatspräsident 'Sa- Hille und Minister Bolz, Ser Kommandeur LeS 5. Wehrkreises. Generalleutnant Hasse, O5er- burgermeister Dr. Lautenschlager. Polizei- Präsidnit Dr. Kleiber und der Präsident der ReichSbahnDirektivn Stuttgart Dr. Sigel ein­gefunden. Reim Verlassen deS Salonwagens wurde Reichspräsident v. Hindenburg vom Staatspräsidenten Drille namens der wurttem- bergifchen Regicrurmtz erzlichbewillkornm- net, woran fder Reichspräsident die anderen zum Empfang erschienenen Herren begrüßte. Reim Verlassen des HauptbahnhoieZ tourte dem Reichs- Präsidenten von einer nach vielen Lausrnd-en zählenden Menge herzliche Kundgebun­gen dargebracht. Reichswehr hatte den Dahn- ycfsplah in weitem IhnErcife abgesperrt. Rach Verlassen des Bahnhofsgebäudes schritt der Reichspräsident die vor dem Bahnhof ausgestellte ReichSwehrkompagnie ab, während die Musife kapelle teS württembergischen 3itf anterteregim?n- teS 13 daS Deutschlandlied spielte. Rachdem der Reichspräsident die in der Rähe ausgestellten Generäle des alten Heeres begrüßt hatte, er­folgte der Vorbeimarsch der Ehrenkom­pagnie, worauf er in Begleitung deS Staats­präsidenten Bazille in einem mit der Flagge deS Reichspräsidenten geschmückten Auto nach dem neuen Schloß fuhr. Vor und hinter dem Auto ritt je eine halbe Schwadron deS Reiter­regimentes 18. Die Straßen waren von einer ungeheuren Menschenmenge belebt, die den Reichs­präsident cn lebhaft begrüßte. Eine große Zahl von Vereinen, der württembergische Kriegcrbund, der Frontkämpfer 5 und. die Offtyrri* und Dür- gerdereme, sowie die vaterländischen Verbände, ferner die Vereinigten Innungen, dir Studie­renden der Hochschule, die Schüler und Schülerin­nen Stuttgarts bildeten auf dem Wege zum Schloß Spalier. v

Im Hofe des neuen Schlosses hatte sich vor dem Eingang zum Mittelbau eine Ehrenwache der Staatlichen Polizei ausgestellt. In weitem Viereck umsäumten den großen Hof die Studentenverbindungen der Universität Lu- bingen, der Technischen Hochschule und der Land­wirtschaftlichen Hochschule Hoheheim. die den Reichspräsidenten mit lebhaften Hochrufen 5e- grüßten, worauf die Musikkapelle daS Deutsch­landlied spiele. daS von den Studierenden m.t- gesungrn wurde. Der Reichspräsident schritt die Front der Ehrenwache und die ausgestellten Stu­dentenreihen ab und begrüßte insbesondere auch die zum Empfang erschienenen Kriegsbeschädig­ten. Rach einem ttrrzen Aufenthalt im Südflügel des Schlosses, das dem Reichspräsidenten als Wohnung dient, fuhr der Reich-Präsident zu dem etwa hundert Meter über der Stadt gelegenen Gebäude des Staatsministeriums, wo sämtliche Staatsmunster, das Landtagspräsidium, sowie die Frattionsführer. die Stadträte Rau und Hegelmaier und der württembergische Gesandte in Berlin, Staatsrat Dr. Dosler, zum Empfang versammelt waren. Hier begrüßte der Staats­

präsident den hohen Gast. Der Reichspräsident erwiderte auf die Rede DazilleS:

Mit Ihnen empfinde auch ich täglich mit Sorgen die S paltung und Zerrissen­heit, die sich immer wieder in allen politischen Fragen trennend und hemmend in unserem Volke auf tut

Mehr Geschlossenheit in den großen lebens- Wichten Entsche dUM-ur, megr g-eftuseitigeö Vertrauen der ver-schiedc-ner. Schichten un- sereL Volkes zueinander ist uns bitter nötig. Richt Klassen unD Stände, nicht Vaeieicn und E-ru-ven in g-genseiL'tger AÄHließung und Deschvung, s-Ltecn Gew.einsHaftZsefühl und der Geist ölcnenSer und opfernder DaterlanSSllehe. sind der Boden, auf den allein wir eine bessere Zukunft aufbauen können.

Der Gedanke der Zusammengehörigkeit aller Deutschen, der Wunsch nach einem einheitlichen Reich hat gerade in Württemberg von je her feste Wurzeln gehabt. Das Schwabenland hat in polittscher, wirtschaftlicher und kultureller Hin­sicht viel dazu beigetragen, daß aus den träu­men und Hoffnungen vor nunmehr bald 55 Jahren Wirklichkeit wurde und das Reich er­stand. das zu erhalten und wieder aufzubauen unsere und der künfttgen Generation Pflicht und Aufgabe sein muß. AuS der Vergangenheit darf ich die feste Gewißheit entnehmen, daß Würt­temberg auch in Zukunft ein Hort des Reichsged ankenL sein wird, beseelt von der llebergeugung, daß nur in einem star­ken Reich das Schwabenland seiner geschichtlich gegebenen Eigenart leben kann.

Kurz vor 5 Uhr begab sich der Reichs- Präsident von Hindenburg vom neuen Schloß zum Kommandeur deS 5. Wehrkreises, General­leutnant Hasse. Dort nahm ec im Kreise der Offiziere des Divisionsstabes, der Kommandeure der Truppenteile von Stuttgart und Umgegend sowie einer Anzahl von Offizieren der alten Armee den Tee ein. Um 6 Uhr folgte er einer Einladung der württembergischen Regierung in DaS neue Schloß. Dort wurde zu Ehren des Gastes ein Essen im kleinen Kreise gegeben. Unter der jubelnden Anteilnahme der weitesten VolkSkreise fand dann um 3\8 Uhr im Schloß­hof ein großer Zapfenstreich statt. Rach seiner Beendigung brachte Staatspräsident Ba­zille ein von der großen Zuschauermenge stür­misch aufgenommenes Hoch aus den Reichs­präsidenten auS. Den Schluß deS Tage- bildete eine Veranstaltung der württembergi­schen Regierung in den Sälen deS -neuen Schlos­ser, zu der die Vertreter aller Berufsschichten und Stände eingeladen waren. Zu Beginn Dc3 Abends begrüßte eine Gruppe von Mädchen in schwäbischer Tracht den Reichspräsidenten und überreichte ihm einen Strauß Chrysanthemen. Der Herr Reichspräsident ließ sich im Verlauf des Abends eine größere Zahl von Damen und Herren vorstellen und weilte bis gegen 11 Uhr in angeregter Unterhaltung in diesem Kreise.

Am Donnerstag morgen 9.10 Uhr reifte der Reichspräsident mit dem fahrplanmäßigen O-Zug nach Karlsruhe weiter, wo er 11.07 Uhr vormittags eintraf.

ner Zone und einer Annahme bes Sicherheitspaktes geschehen wäre.

Des Reichskanzlers große programmatische Rebe über bas Ergebnis von Locarno war insofern ein außerordentlich geschickter Schachzug, als sie bis Franzosen auf ihrs in Locarno münblich gemachten Versprechungen festlegte. Volk unb Regierung sinb sich in bem zu Erreichenden einig, sind auch darin einig, baß Rückwirkungen unb Pakt ein untrennbares Ganze hüben. Nun heißt es für uns, bie Nerven behalten unb abwarten, wieviel man uns bietet. Man muß uns kommen, bie Dinge haben sich ge­wandelt seit jenen Tagen von Versailler. Der Geist der Verständigung kam, weil die Interessen sich ver­schoben, überall gärt es in der Welt Syrien, Ma­rokko, Mossul, Indien, China, der wirtschaftliche Druck lastet auf allen Völkern. In Frankreich ist die hrrrfchenbe Strömung einer 33erftänbigunaspoli= tif günstig. Das Kleinbürgertum, selbst schwer leidend unter den Folgen bes Krieges, eine wirtschaftliche Katastrophe non ungeheuren Ausmaßen vor Augen, ist eher bereit, auf nationalistische Ziele zu verzichten als ftüher Königtum, Abel unb Spießbürgertum. Wenn es uns gelingt, mit den neuen Methoden von Locarno die Franzosen vom Rhein sartzubekammen, bann soll es uns recht sein. Deshalb müssen wir unseren verantwortlichen Staatsmännern ihren schweren Weg erleichtern, ihnen helfen, bas durch- zufetzen, was wir alle als Ergebnis von Locarno erstreben.

Der deutsch-rtattemsche Handelsvertrag.

Berlin, 11 .Rov. (TU.) Heber den am 31. Oktober ds. Is. in Rom unterzeichneten deutsch-italienischen Handels- und SchiffahrtS- bertrag erfährt die Telunion von gut unterrich­teter Seite folgendes: Ende des, vorigen IahreS erfolgte von italienischer Seite an Deutschland die Anregung in Berhcmdlunaen zum Abschluß des deutsch»Italien!fchen Handelsvertrages einzu- treten. Es tret in Anbetracht der vielfach schwierig zu lösenden Fragen von vorrcherein zutage, daß die Verhandlungen sich- auf wen längeren Zrit- Mim cmSbchnen würden. Infolgedessen sah man

genötigt, möglichst schnell zum Abschluß etned Provisoriums zu gelangen. MeseS Provi- f«rtum tarn am 10. Ienuar. IS. zustande. Rach diesem Provisorium vernichten sich beide Teile, im Handelsverkehr lückenlose Meist- begunstiguns einzuräumen. Dieses Provi- svrium wurde erstmals für einige Monate und darauf bis zum 31. Oktober verstÜHect. worauf dann an iXtftm Tage bie Unterzeichnung des endgültigen Handels- und SchiftahrtSver- trage erfolgte.

Deutschland ist in dem Vertrag die volle Meistbegünstigung zugesagt und hat fer­ner die Gleichstellung der Deutschen in der Be­handlung mit den Inländern erreicht. Auch die Regelung der Eisenbahnsrachten spielt in bem Vertrag eine Rolle. Italien verlangte anfangs bindende Versprechungen in bezug auf den Eisenbahnverkehr zu seinen Adria-Häftn. Ziffernmäßig hatte Italien nut wenige Posi­tionen für feine landwirtschaftlichen Produkte und für einige besonders wichtige Exportinbustrien zu berücksichtigen. Hierin mußten von deutscher Seite einige Konzessionen,

so für die Kunstseide, für die Automobil* und für die Steinindustrie gemacht werden, da an­dernfalls ein Scheitern oer ganzen Dertragsver- handlungcn zu befürchten war. Keine Kon- Zessionen sind Italien für Weine, auch nicht für Verschnittwetne gemacht worden, dagegen sind für die deutsche Maschinenindu- st r i e einige Vergünstigungen erzielt worden.

Bayern.

Anrtliche Erklärung zu den Putsch- gcrüchtcu.

München, 11. Rov. (Korrespondenz Hoff­mann) amtlich: Mit Rücksicht auf die in letzter Zeit durch die Presse gegangenen Mittei­lungen übst einen beabsichtigten monarchi­stischen Putsch in Bayern wird amtlich fest- gestellt:

1. Richtig ist. daß Graf Soden vor etwa Drei Wochen gelegentlich eines Besuches beim Ministerpräsidenten diesem Kenntnis ge­geben hat von Der Zusammcnfafsung der monar­chistisch gesinnten Orgamfattenen im Verein D a h e r n t r e u e" sowie von Den Zielen dieses Vereins.

2. Unrichtig ist, daß dabei General M ö h l sich in Begleitung des Grafen Soden befand. Möhl ist seit Monaten nicht beim Ministerpräsidenten gewesen.

3. 11 n r i ch t i g ist, daß gelegentlich dieses Besuches Graf Soden an den Ministerpräsiden- ten Die Frage gerichtet hat, wie die Regie­rung sich verhalten werde, wenn Kron­prinz Rupprecht in naher Zeit sich veranlaßt sehe, die Gewalt zu übernehmen.

4. 11 n r i ch t i g ist, was teils offen, teils versteckt behauptet wurde, daß gelegentlich dieses Besuches überhaupt davon die Rede gewesen ist. daß die Wieberaufrichtung Der bayerischen Monarchie eventuell i m Wege eines Patsches oder einer anderen Gewalttat erfolgen solle. ES wurde vielmehr mitgeteilt, daß auch heute Der Verein ein illegales Vorgehen durchaus abkehne.

Aus Dem PreuMchen Landtag.

'Berlin, 12. Nov. Der Preußische Landtag hat bie Novelle zum preußischen Ausführungsgesetz zum Finanzausaleichsgesetz in brttter Lesung enbgültig verabschiedet. Das Haus trat den Beschlüssen zweiter Lesung burchweg bei. Auch der Gesetzentwurf, der bie Aushebung ber Paragraphen 9 unb 10 bes Preßgefetzev von 1851 (pslizei- liche Genehmigung für bie Verteilung von Druck- schriften, Anheftung von Anschlägen unb Plakaten) ausspricht, würbe in zweittr unb brifter Lesung gege den Widerspruch der Deutschnationalen ge­nehmigt. Sobann begann das Haus bie zweite Beratung bes Hiu§halts ber Preutzi sehen Staatsbank (Seehanblung) mit einer Sonber- befprechung bes Berichts bes Unterfuchungssus- susschusses über die Barmataffäre. Die Feststellun- gen des Unterausschusses über bie Ergebnisse ber Untersuchung würben von ben Kommunisten wie von ben Deutschnationaien angefochten. Donnerstag wirb bie Besprechung fortgesetzt.

Wettervoraussage.

Rachks Temperaturen noü) um Den Gefrier­punkt, aber ansteigend und Winde zurückdrehend, allmaplicf) stärkere Bewölkung, noch meist trocken.

Don Skandinavien ist kalte Luft nach Süden gewandert und hat zup Verstärkung des von den Azoren ostwärts verlagerten Hochdruckgebietes beigetragen, so daß über Mitteleuropa starker Druckanstiea erfolgt ist. Die damit einströmende nördllche bis öMche Lust hält die Morgen- tempen^ttlren in Deutschland mit Ausnahme DeS SüdenL und Südostens um den Gefrierpunkt. Die Hochdruckwetter^age ist jedoch tm Rordwesten gefährdet, da hier der erste Wirbel einer Zy- klonen-Familie angreift, belfert warme Luft dn der kontinentalen fallen Luft aufgleitet.

Gestrige TageSlcmperaturen: Marimum 4,6, Minimum 1.4 Grad Celsius. Heutige Morgen­temperatur 6,0 Grad Celsius.

WaffenstMstandsseiern.

Die WaffenfiillstandSfeier ist überall in den Vereinigten Staaten durch ein Zwei­minutenschweigen gefeiert worden. Am Grabe des Unbekannten Soldaten in Arlington fand eine^ Feier statt, an der die Regierung teilnahm. Präsident Coolidge legte am -^Krabdenk- mal einen Krmiz nieder. Auch in England ist der 7. Jahrestag des Waffenstillstandes feier­lich begangen worden. Hm 11 Uhr setzte überall ein 2 Minuten währendes Schweigen ein. In allen Städten sand an den Kriegerdenkmälern Gottesdienst und Kranzniederlegun­gen statt. In London versammelten sich am Grabdenkmal in Wsiitehall der König, die Mitglieder deS königlichen Hauses, die Kabi- nettSmitglieder, Vertreter der Dominions, der Kolonien, der Geistlichkeit. Armee und Flotte. Der König legte einen Kranz am Grabmal nieder. Rach dem Schweigen hielt der V i - schof von London eine kurze Ansprache.

Kieme politische Nachrichten.

Generalleutnant von Pawelß, Chef deS Stabes des Truppeickommcmdos 1, ist als Rach- folger deS vncftorbrnan Generalleutnants Mül­ler zum Kommandeur Der 4. Division und De- fehlshabe rdes Wehrkreises 4 ernannt worden.

Die des Mordes an dem sozialistischen Ab­geordneten Matteotti Angellagten Rossi, Filipe lli und Marinelli sind vom Ge­richtshof freigesprochcn worden. Ihre Ent­lassung au3 der Hast wird unverzüguch an- geordnet werden.

In der Holländischen Zwecken Kammer wurdeein Antrag gegen die Beibehaltung der niederländsichen Gesandten Beim Vatikan ange­nommen. Daraufhin haben der AiSeckSminister, Der KriegSminister, Der Kolonialminister und der Minister für öffentliche Arbeiten istce Demis­sion eingweicht. Dine Klärung wird vielleicht m dem für Herde abend anberaumten äußere rdent- llchen Mirnsterrat erfolgen.

Reue AufstcmdSgesahr wird aus Syrien gemeldet. In Hama werde der Fanatismus der nruselnranischen Bevölkerung unb die drohende Haltung der Beduinen immer stärker. Man treffe Maßnahmen, um Die Eisenbahn DamaS - kus-Beirut durch Stachsldrahtverhaue und Schanzen zu schützen. Der Regen habe bereits eingesetzt.

Die militärische Revolte gegen das spanische Direktorium nimmt gro­ßen llm'aug an. Reue Derhastunaen stehen sowohl in Der Provinz wie auch in Mabrid bevor. Man hat den Eindruck, daß eS sich nicht um ver­einzelte Hnternehmungeri von Teilen der Offi­ziere Der Garnison von Madrid, sondern um eine politische Bewegung handelt.

In einem mehrtägigen Gefecht, das au' büßen Seiten beträchtlicheDerluste brachte, find die Man­dschureitruppen geschlagen worden. Im Süden hat die Kantonre-ierung alle Angriffe Der mit Hongkong verbündeten Truppen abge­schlagen imf> nach der Einnahme von Swaiau «uch dort den antibritischen Boykott! wieder eiimesührt. Auf der Zollkonferenz in Peking ist der russische Einfluß im Wachsen be­griffen. Die Besorgnis vor einem Ausbruch der Feindseligkeiten ia der Rähe Der Hauptstadt wächst.

Kunst und Wissenschaft.

Maximi.Ian Slabek f.

Im Alter von 51 Jahren ist im FranziskuS- KranLenhauS zu Bsrlin der Direktor des Berliner Theaters Maximilian Sladek einem Herzleiden erlegen. Sladek stammte aus Oberschleften, sollte ur^prungkich katholischer Geistlicher werben, wech­selte aber bald Da5 Konvikt mit dem Dankkontor und spielte^ als junger Kaufmann nebenbei an Liebhaberbühnen DenRomeo". Rach einigen Abstechern an Provinzbühnen kehrte er nach Ber­lin zurück und war am KönigstädlIschen Thccuer tätig. Unter Reinhardt f)at Sladek dann in Der Direktion DeS Deutschen Theaters gesessen. 1915 bis 16 leitete er für Reinhardt die Volksbühne, Die er dann für mehrere Sommer in eigene Reaie übernahm. Sladek war überhaupt der Mann oer Svmmersaissn. 1820 hatte er in Dem von ihm gegründeten Kleinen Schauspielhaufe mit der Reigen"-Ausführung Den bekannten Ser?satlons- erfolg. Rachdem er 1920 BIS 22 daS Wallner- Theater geleitet hatte, übernahm er DaS Große Schauspielhaus, in Dem er erst klassische Operet­ten, später Revuen spielte. Auch im Berliner Theater stand unter SladekS Leitung Die Operette im Mittelpunkt DeS RepertoirS. Zuletzt gastierle hier DaS Moskauer Künstlertheater. Slcchek. Det­in den DerufSorganifati»nen der-nenlckker verschiebenr Bert?auenSftellungen einnebm, war kein reformatorischer Bühnenleiter, aber ein so insiinktslcherer Direktor, baß er oft mit glück­lichem Griff DaS Zugstück packte. So hatte er mit LengyelSTänzerin" mit Der Konstantin, unb mit derFamilie Schimek" mit PallenVerg große Erfolge.

2Ius aller Wett.

EHneefall in Dahern.

München 12. Rov. (WTD. Funkspruch.) Der merkliche Temperalur-Ruckgang Der letzten Tage hat über daS bayerische Oberland und über München eine leichte Schneedecke gefegt.