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Stadttheater

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Nr. 259 Zweites Blatt

Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag. f2. Gttober (925

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Kriegswolken im Orient.

Ciientfrieg und Weltkrieg.

Don unserem I-Korrespondenten.

Konstantinopel, 3. Ott.

Die in der ausländischen Presse in letzter Zeit mit einer gewissen Hartnäckigkeit auftau­chenden Nachrichten über Kriegsvorberei­tungen der Türkei wurden von der türki­schen Presse bisher immer kategorisch dementiert.

Hmfo interessanter ist es, dah jetzt der Dschumhurriet", das offizielle Organ der kerna- listischen Regierungspartei in einem Artikel, wel­cher sich mit diesen Meldungen befahl, deren Richtigkeit ziemlich deutlich zugibt. Es schreibt nämlich:Die Türkei bereitet sich nicht auf einen geplanten, unwiderruflichen und vorsätzlichen Krieg vor. Aber sie bereitet die Ver­teidigung ihres Bodens vor. Denn für die Völker, welche ihre Rechte verteidigen wol­len, gibt es als letztes nur, zu den Waffen zu greifen. Da dec Völkerbund zum gefügi­gen Instrument der englischen Dik­tatur herabsank, da die englische Regierung es wagt, mit Hilfe einer kleinen Kolonialpartei trotz der öffentlichen Meinung ihres Landes eins phantastische Abenteuerpolitik zu verfolgen, muh sich die Türkei in gewissenhafter Pflichterfüllung der Situation entsprechend vorbcreiten. Wir er­warten nichts vom Völkerbund: dieser wird nie­mals den ZNut haben, sich gegen England zu wen­den. Aber wir erhoffen sehr viel vom eng­lischen Volk, bei welchem die Stimme der Vernunft nicht erstickt ist. Alle Hoffnung ist also noch nicht verloren. Aber wenn unsere Hoffnun­gen auch schwach sind, unser Friedenswunsch ist sehr groß. Die Türkei wird nur dann Krieg füh­ren, wenn sie dazu genötigt sein wird."

Die Vorwürfe des keinalistischen Organes gegen den Völkerbund entbehren nicht der Be­rechtigung. Schon der Umstand, daß die Völker - hundkommission als wichtigstes Ergebnis ihrer Reise ins Mossulgebiet eine Verlängerung des englischen Mandats über Mesopotamien empfahl, um mit der daraus resultierenden Stabilität der mesopotamischen Verhältnisse eine Einverleibung der Mossulprovinz ins britische Mandatsgebiet motivieren zu können, ist vielsagend. Ein Richter, der seine Aufgabe darin sieht, nach Mitteln zu suchen, welche einem Prc^ehpartner Vorteil über den anderen verschaffen können, ist nicht als un­befangen anzusprechen. Die Verzögerung der Döl- kerbundentscheidung stber die Einholung eines juridischen Gutachtens des Haager Tribunals wird hier auf englische Initiative, der man mindestens das Ziel einer dauernden Ver­schleppung der Angelegenheit zuschreibt, zu­rückgeführt. Man ist in Angora davon überzeugt, daß England angesichts der Weigerung der Tür­kei, in dem an der Theinse verlangten Maße nach- zugeben, bestenfalls überhaupt keine for­melle Lösung der Frage wünscht. Da das Mossulgebiet tatsächlich von irakischen, be­ziehungsweise englischen Truppen besetzt ist, hat England eine solche Lösung ebensowenig nötig, wie seinerzeit in Aegypten, welches bis zum Lausanner Frieden einen Teil des türkischen Rei­ches darstellte und welches England jahrzehnte­lang besetzt hielt, ohne sich um die Ansicht deS Landesherrn zu kümmern.

Die Kemalisten wollen dieses Spiel nicht wiederholen lassen, denn sie fühlen sich befreit von den Fesseln einer europäischen Kolonial­politik, welche die Großmächte gegenüber dem Sultanat allzulange in Anwendung brachten. Diese Mentalität der Kemalisten wird eine De­mütigung in der Mossulfrage niemals ertragen.

Da nach der Besttmmung des Lausanner Vertrages, welche sich auf die Mossulangelegen- heit bezieht, diese für den Fall einer mangelnden englisch-türkischen Einigung innerhalb einer be­stimmten Frist, dem Völkerbundvorzutragen" war, erklärte der türkische Außenminister Tew- fi k RuschdH Dey, dah der Sinn dieses Aus­druckes nur der einer Vermittlerrolle des Völkerbundes sei. er lehne eineschieds­richterliche" Entscheidung des Völkerbundes von vornherein ab.

Dieser türkische Standpunkt wird in der tür­kischen Presse mit der Voreingenommenheit und besonders gern mit der notorischen 11 n fähig-

Fernheizwerke.

Don Hans Bourquin, Berlin.

Bei einer Dampfmaschinenanlage werden von der Wärme, die die verbrennende Kohle liefert, nur wenige Prozente in nutzbare Arbeit umgeseht. Sechzig Prozent und mehr gehen auf Wegen ver­loren und die restlichen Beträge entschlüpfen, um dies gleich hier zu bemerken, durch versiche- dene Türchen, die ihnen leider geöffnet sind, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.

Wenn man eine anfahrende Lokomotive beob­achtet, so bemerkt man, dah aus ihrem Schorn­stein mächtige Wolken von Dampf ausgestohen werden. Dieser ist natürlich heih: er stellt einen Wärmeträger dar. So geht denn beim Auspuff ein erheblicher Betrag von Wärme verloren. Auch bei einer ortsfesten Dampfmaschine ist ein solcher Verlust oft zu beklagen. Wenn man nun den verbrauchten Dampf zur Kondensation bringt, das heißt flüssig machen will, so benötigt man dazu Kühlwasser. Dieses nimmt dem Dampf Wärme ab, und wenn dann das Wasser wieder auf niedrigere Temperatur gebracht wird, um von neuem abkühlend wirken zu können, so wird eben­falls Wärme nutzlos in die Luft gejagt. Bei Kesselanlagen strömen ferner überaus heiße Gase durch den sogenannten Fuchs in den Schornstein, die wiederum Wärme entführen. Allerdings sind diese Gase nötig, um in der Esse den gehörigen Zug zu erzeugen: aber es würde auch genügen, wenn man weniger heiße Abgase in den Fuchs schickte.

DciDerbrennungskraftmaschinen oderWarme- motoren" tritt vor allem eine besondere Erhitzung verschiedener Teile ein, die eine Wasserkühlung notwendig macht, bei der sich ähnliche wirtschaft­liche Hebelstände zeigen, wie bei dem zur Kon- benjation benutzten Wasser bei Dampfmaschinen.

Man hat sich nun schon vor dem Kriege, als man noch nicht so zu sparen brauchte, wie heute, bestrebt, dieAbwärme" bei Dampfmaschinen und bei anderen Anlagen, wo Wärme die trei­bende Kraft bildet, nutzbar xu verwerten, und so die Verluste zu verme den, die beim Auspuff, bei der Kühlung, sowie beim Abgang der Heiz­gase entstehen. Es ist dies auch in weitem Mähe

keit des Völkerbundes begründet. So schreibt das türkische BlattAlschim" unter der Ueber- schrift.Jene, welch: uns richten":Während einer der letzten Sitzungen des Völkerbundes er­klärte anläßlich der Debatte über Frauen- und Kinderschuh ein australischer Delegierter Fol­gendes:Wir wissen, daß die Türken, welch: alles, was sie als ihr Eigentum ansehen, mit besonderen Merkzeichen zu versehen lieben, wes­halb sie Gesichter ihrer Frauen zu tätowieren pflegen, damit man sich bei jenen, welchen es gelungen ist, den Harems zu entfliehen. sofort über deren Herkunft und Vergangenheit unter­richten kann." DieAgence d'Anatolie" über­mittelt diese Depesche ihres Genfer Korrespon­denten. um die öffentliche türkische Meinung zu unterrichten, welche intellektuelle Höhe und wel­cher Grad von Kenntnissen die Mitglieder deS Völkerbundes, welche sich anmaßen, das Schick­sal der Welt zu bestimmen, auSzeichnet."

Ein weiterer Grund, warum die Türkei in der Mossulfrage den Rücken steif hält, ist deren innerpolitische Lage. Zweifellos ist die Position der Kemalisten im Lande eine außer­ordentlich starke. Die Armee ist fest in den Händen der Regierung. Eine sich bis in das letzte anatolische Dorf verzweigende Organisation der keinalistischen Partei stellt eine wertvolle Ergänzung dar. Dennoch hat die kemalistische Diktatur eine Achillesferse, die nicht zu leug­nende Unzufriedenheit der breiten Masse mit der allzu westlich orientierten Kulturpolitik Mustafa Kemals, welche mit den eingewurzelten Sitten und Gebräuchen des Volkes in einer oft erstaunlich radikalen Weise umspringen zu müssen glaubt. Dieser Unzu­friedenheit gegenüber, welche im Laufe der Ent­wicklung gefährlich werden könnte, bedürfen die Kemalisten starke Erfolge nach außen. Wer würde eS wagen, einer Regierung entgegen- zutreten, welche der größten Kolonialmacht der Welt die Spitze bietet. Eine gewisse antikema- listische Agitation, welche lehauptet, die Erfolge der Kemalisten in Lausanne seien nicht auf deren Stärke sondern nur ein Zusammentreffen von Zufällen der internationalen Politik und der Mächtegruppierung zurückzuführen, würde in sich zusammenbrechen.

Der letzte und wichtigste Grund der türkischen Haltung aber ist die lleberzeugung, daß ein Nachgeben die Türkei wieder in das einstige Helotenverhältnis zu Europa bringen würde.

Wenn England die Unmöglichkeit Angoras, in dec Mossulfrage nachzugeben, dazu benützen würde, dieses zum Kriege zu zwingen, be­deutet dies, daß die englische Politik nach tolie vor keine unabhängige und starke Türkei zu dulden willens ist. In diesem Falle hält An­gora den gegenwärtigen Augenblick für günstig, zu zeigen, daß die neue Türkei stark genug ist, die Wege des englischen Imperialismus zu durch­kreuzen, günstiger als dies möglicherweise ein späterer sein dürfte.

Schon deshalb, weil hinter Angora heute Moskau steht. Was allerdings für Groß­britannien andererseits eine Gelegenheit wäre, nicht nur die Türkei, die ftärffte islamische Macht, vielleicht für immer matt zu sehen, sondern sich auch von dem unerträglich gewordenen Druck der Sowjetpolitik in Asien zu befreien. Diese- doppelte Ziel würde England mit einem Schlage durch eine Eroberung Konstantinopels und der Meerengen erreichen. Man darf aber nicht ver­gessen, daß, wenn eine Besetzung des schwach verteidigten Mossulgebietes durch die Türken mit welcber man ernstlich rechnen muß zu einen Kriege, in welchen auch Rußland hinein- gezogen werden mühte, führte, dies zweifellos Rückwirkungen in Europa auslösen würde, deren Konsequenzen sich nicht absehen lassen. Wie vor elf Jahren die Schüsse von Decajewo den Beginn einer Periode namen­losen Unglückes für die Welt bedeuteten, würde möglicherweise der Einmarsch türkischer Truppen ins Mossulgebiet, welcher zunächst nur die Schaf­fung einesfait accompli" dienen soll, einen neuen Weltkrieg entfesseln, der an Furcht­barkeit hinter dem ersten kaum zurückstehen würde. Das ist eS, weshalb man in der nächsten Zeit der Entwicklung der Dinge mit besorgter Spannung entgegensehen muß.

gelungen, und die Technik ist unentwegt bestrebt, die von der schwarzen Kohle und von den Brenn­stoffen der Motoren gelieferte Wärme in immer weiterem Umfang in Dienst zu stellen. Vollständig wird deren Verwertung allerdings nie gelingen, weil sie, wie schon angedeutet, an zu vielen Stellen Gelegenheit findet, sich zu zerstreuen.

Bereits vor einigen Jahren haben einige deutsch Firmen GroßgaSmaschinen und Höchst- druckdampfanlagen konstruiert, bei denen die Ab­wärme zu Heizzwecken Verwendung fand.

Die großzügigste Ausnutzung der Abwärme findet aber statt, wenn man sie den Zwecken der Fernheizungen dienstbar macht. DaS wird sowohl möglich, wenn Wasser ihren Träger bildet, als auch, wenn sie an Dampf gebunden ist. Im erste­ren Fall erhält man eine Heißwasserheizung, im zweiten eine Dampfheizung.

Schon seit längerer Zeit besteht in Schwerin ein Elektrizitätswerk, das zur Erzeugung des Stromes Dieselmotoren benutzt. Hier verlieh früher das Kühlwasser, da- einer zu großen Er­hitzung dec Maschinenteile wehren sollte, diese mit einer Temperatur von noch nicht 50 Grad, und floß barm in einen Teich, wo es seine Wärme ausstrahlte. Nun wurde dec Gedanke erwogen, das angewärmte Wasser im Sinne einer Fern­erhitzung in Rohre zu schicken. Aber die angege­bene Temperatur war dafür zu niedrig: Wasser von 50 Grad trägt zu wenig Wärme mit sich. Nun brauchte man ja nur das Wasser geraume Zeit der Berührung mit den Maschinen auszu­sehen, die ja eine fäjr hohe Temperatur besitzen. Aber man hielt eine Steigerung der Hitze des Kühlmittels aus technischen Gründen für unstatt­haft. Denn dann konnten sich Dampfblasen in ihm bilden und die Berührung zwischen ihm imb den abzukühlenden Körpern stellenweise aufheben, so daß diese immer heißer werden mußten.

So schien dec schöne Plan unausführbar zu sein. Denn wenn man darauf eingehen wollte, dem Wasser durch besondere Heizeinrichtungen die noch fehlende Wärme zu liefern, konnte man wohl kaum auf eine gute Oekonomie der Anlage vchnen. Da bewies denn Professor Dr. Nägel, daß da- Kühlwasfec sehr wohl bis 90 Grad heiß werden dürfe, und die Masch-nenfabrik Anas- burg-Nürnberg übernahm die Garantie für ihre

Oesterreichische Sorgen.

Aus Wien wird uns geschrieben: Die österreichi­sche Politik hat bei der Völkerbundsberatung in Genf keinen vollen Erfolg erzielt, die Finanzkon­trolle bleibt vorläufig bestehen, offenbar weil die hohen Herren im Völkerbund dem Frieden in Wien noch nicht recht trauen. Sie wollen nach außen hin zeigen, daß ihnen das Kunststück gelungen ist, einen lebensunfähigen Staat lebensfähig zu halten. Um aber den Nachweis zu erbringen, müssen sie mit allerlei drakonischen Mitteln den Etat zusam­mendrücken, was wieder zur Folge hat, daß der Steuerdruck ziemlich hoch ist, daß also die Wirtschaft schwer belastet ist und infolgedessen die Wünsche der Arbeiter nicht befriedigen kann. So steht heute der kleine deutschösterreichische Staat vor s o - zialen Erschütterungen, wie er sie feit Jahren nicht mehr erlebt hat. Bei der Alpinen M o n t a n g e s e l l s ch a s t streiken 4000 Arbeiter, hei der Waffenfabrik in Steyr sind ungefähr eben­soviel ausgesperrt. Auch bei der Siemens & Halske-Fabrik in Wien feiern 2500 Arbeiter, und jetzt kommt zu all diesen Schwierigkeiten noch das Problem der Beamtenbefoldung.

Die Staatsbeamten hatten eine Erhöhung ihrer Bezüge verlangt, die Regierung hatte daraufhin er­klärt, daß sie gegenwärtig, solange die Finanzkon­trolle dauert, eine Erhöhung der Beamtenbesoldung nicht vornehmen könnte, da ohnehin schon Drei« viertel aller Staatsausgaben von den Besoldungen und Pensionen auf« gezehrt werden. Den österreichischen Beamten, die noch bei weitem weder der Höhe noch der Kauf­kraft nach die Lebenshaltung des Friedens wieder erreicht haben, ist mit solchen staatswissenschaftlichen Vorlesungen nicht gedient, sie beharren auf dem Standpunkt, daß sie, um überhaupt leben zu können, mehr Geld brauchen, und ihre Organisation droht mit dem General st reik. Sie hat vor eini­gen Tagen eine Urabstimmung der Staatsbeamten vornehmen lassen etwas, was wir selbst während der Revolution nicht erlebt haben, mit dem ver­blüffenden Ergebnis, daß mehr als neun Zehntel aller Beamten sich f ü r den Streik ausgesprochen haben. Damit ist allerdings keines­wegs gesagt, daß es auch wirklich soweit kommt. Die Beamtenorganlsationen werden diese Abstim- mung zunächst nur benutzen, um sie als Trumpf gegen die Regierung auszuspielen und ihre Forde­rung durchzudrücken. Fraglich aber bleibt, ob ihnen das getagt, eben weil bft Völkerbundskom m i f f a r den Daumen auf den Deutel hält. Und wenn es ihnen nicht gelingt? Dann besteht die Ge­fahr, daß die Bewegung über die Führer hinweg­geht und die Beamtenschaft tatsächlich in den Gene­ralstreik tritt. Eine Groteske, würdig des ganzen grotesken Staatsgebildes, das der Völkerbund sich zusammenkonstruiert hat. Früher oder später muß

Motoren, auch wenn das Kühlwasser eine Tem­peratur von 80 Grad erreichte. Daraufhin konnte man denn die von der David Grove A.-G in Berlin ausgearbeiteten Pläne eines Fernheiz­werkes ausführen.

Man läßt jetzt in Schwerin bei der angewen­detenHeizkühlung" daS Wasser 80 Grad warm werden, und d adiese Temperatur noch nicht ganz befriedigen kann, erhitzt man es weiter auf 87 Grad, wozu heiße Maschinenabgase benutzt werden. Das Wasser strömt dann zu den Ver­brauchern, kühlt sich dort ab und kehrt mit einer Temperatur von rund 60 Grad zurück, um wieder zur Kühlung zu dienen. Die in Zementkanälen geführten Rohre sind beweglich auf Kugel- schlitten gelagert und haben Schleifen, so daß die durch die Wärme bewirkte Ausdehnung un­schädlich bleibt. Nachts wird überschüssiges Heiß- wasser in zwei Kesseln gesammelt, und e'S dienen als Reserve zwei andere mit Koks befeuerte Be­hälter. DaS Werk kann stündlich 1,2 Millionen Wärmeeinheiten liefern, die genügen würden, um 12 000 Liter eiskalten Wassers zum Sieden zu bringen. Bei Kraftwerken, die mit Kohlenheizung arbeiten, wird man die Abwärme dadurch auszu­nutzen suchen, daß man Dampf in Fernheizleitun­gen treibt. Hier ist Hamburg bahnbrechend vor­gegangen, wo vor einigen Jahren die Elektrizi­tätswerke und die Firma Rud. Otto Metzer eine Fernheizwerk-G. m b. H." gründeten. Ein kom­biniertes Elettrizitäts- und Heizwerk lieferte dort in der letzten Periode 1,4 Millionen Kilowatt­stunden für Stromverbraucher und 21 Milliarden Wärmeeinheitsstunden für die Leute, die an das FernheizungSnetz angeschlossen waren. Dabei konnten die letzteren billig beliefert werden. Auch andere Städte, wie Kiel, Barmen, Braunschweig und nicht zum wenigsten Berlin haben verschiede­nen Elektrizitätswerken die Lieferung von Wärme gleichsam im Nebenamt aufgetragen oder doch Pläne in diesem Sinne entworfen.

Die gewöhnlichen Sammelheizungen werden oft von der Hand Hnkundiqer bed'ent. Sie ar­beiten dann nicht wirtschaftlich. Der Wärme­techniker versichert jedoch, daß bei solchen Heizun­gen an sich weniger Kohle nötig ist, als wenn die Einwohner des HauseS ihre eigenen Oefen be­feuern. Es empfiehl sich daher, derartige Anlagen

sich eben die Erkenntnis durchsetzen, daß Deutsch- Oesterreich in dem Zustand, wie es aus dem Frie- bensoertrag hervorgegangen ist, aus Eigenem nichtexi stieren kann, daß cs wieder hochlommen wird nur im Anschluß an Deutschland. Vorläufig aber verschließt sich Frankreich mit aller Gewalt dieser Erkenntnis, und deswegen wird wohl die Tragödie Deutsch-Oesterreichs noch um einige Akte weiter gespielt werden müssen.

Neue Zerstückelung des Banats.

Durch das Friedensdiklat von Trianon war das Banat, öicc natürliche, historische, geo­graphische, wirtschaftliche und kulturel.e Einheit in zweiTeile zerschnitten und auf Süd- slawien und Rumänien aufgetziit worden. Die Banaler Schwaben und insbesondere die Temesvarer Deutschen haben damals vergebens gecen die'e Zerreißung protestiert. Hmsonst sind öiefe Proteste verhallt und heute bereits ver­gessen. Denn nach den letzten Meldungen aus Bukarest beabsichtigt die rumänische Regierung eine neuerliche Zerreißung des Ba ats. Man hat die Zerstückelung des Temesch-Torontaler Komitates beschlossen, und es sollen drei neue Komitate errichtet werden: Lugolch, Orawitza und Karansebesch. An diese Komttate muß das Temesch-Toronta'er Komitat 14 Gemeinden und außerdem an das Arader Komitat 11 Gemeinden abtreten. Die Absicht, d e die Regierung damit verfolgt, kann nur die sein, das zerstückelte Ba­nater Deutschtum noch mehr auseinander zu reißen und zu schwächen.

Ein deursches Kulturhaus in Siebenbürgen.

Wie dasSiebenbürgisch-Teutsche Tageblatt" mitteilt, will die sächsische Jugend in B i st r i tz ein deutsches Kulturhaus bauen. Holz und Ziegeln will die Jugend vom Lande be­schaffen bezw. Herstellen, Schotter und Sand wollen die Wagenbeslher vom Lande kostenlos herbeiführen, die Bauarbeiten werden, unter Lei­tung von Facharbeitern, von Hochschülern, Gym­nasiasten und Ackerbauschülern durchgeführt, die auch den Garten um das Haus herum anlegen. Die handwerklichen Facharbeiten besorgen außer­halb ihrer gewöhnlichen Arbeitszeit die Ge­sellen und Lehrlinge der Handwerker. Das nötige bare Geld will die Jugend durch Theatevauf- führungen und musikalische Veranstaltungen auf­bringen, wozu auch die Vereine mithelfen. Auch sollen LlnierhaltungSa'ende veranstaltet, Schüler­arbeiten verkauft und vorhandene Altertümer ausgestellt und gegen Entgelt der Besichtigung zugänglich gemacht werden. Der Bau soll nach seiner Fertigstellung in das Eigentum der evan­gelischen Kirchengemeinde übergehen.

in großem Ausmaße zu schaffen. Man gelangt dabei zur Errichtung von Fernheizwerken, die wesentlich anders eingerichtet und abgezweckt sind, als die oben geschilderten Heizeinrichtungen. Denn bei ihnen handelt es sich nicht um die Abgabe überschüssiger Wärme, sondern allein um die Er­zeugung von Wärme zu Heizzwecken.

Die größte Fernheizanlage der Welt besteht In Neukölln. Früher ein Elektrizitätswerk, ist sie jetzt nichts anderes als ein riesiger Ofen zur Bereitung heißen Wassers. In drei großen Wasserkesseln mit zahlreichen Siederohren wird zunächst Dampf bereitet. Dabei müssen täglich 7,5 Tonnen Kohle durch ein Becherwerk heran- geschafft werden. Der gewonnene Dampf _ hat anfangs eine Spannung von 15 Atmosphären, ist also etwa 200 Grad warm. Nachdem er dann getrocknet worden ist, wird er durch Heberhihung in besonderen Leitungen auf eine Temperatur von 320 Grad gebracht.

Dieser Dampf wird aber nicht etwa in daS Heizungsneh geschickt, sondern er wird benutzt, um wieder Wasser heiß zu machen. Dazu dienen mehrere eigentliche Gegenstromapparate. DaS sind ebenfalls Kessel, die von Rohren durchzogen werden. Durch letztere strömt nun der heiße Dampf, während das Wasser sie umspült, und dabei den Behälter so durchffteßt, dah die Wasser- bewegung derjenigen des Dampfes entgegen­gesetzt ist. Mit 135 Grad Wärme wird darauf das Walser in das Netz gepumpt, dessen Rohre durch Kieselgurschlamm e'nen vorzüglichenWärme- schutz erhalten haben, um nach getaner Arbeit in den Heizkörpern mit einer Temperatur von 70 Grad zum Werke zurückzukehren, wo es von neuem in die Gegenstromapparate gelangt. Die'e Anlage liefert stündlich 15 Millionen Wärme­einheiten. und sie versorgt alle Bauten der Be­hörde in Neukölln, die Reichsbank und noch 25 Privat häuf er

Es besteht kein Zweifel, dah die Femhmz- anlagen einen immer größeren Anklang finden werden, sofern sie b'llige Wärme liefern. Privat- häufer mit gewöhn? cher Sammelheizung toer&et» den öffentlichen Gebäuden mehr und mehr in ihrer Benutzung folgen, und be! Neubaut-n w'rd man dafür sorgen, daß die für den Anschluß» nötigen inneren Anlagen geschaffen werden.

Turnen, Sport und Spiel.

Städtewettkanipf im Turnen.

Turnderein von 1846 Gießen entscheidet den Städtewettkampf EisenachFuldaGießen mit

381 Punkten zu feinen Gunsten.

Den dritten und letzten Städtewettkampf EisenachFuldaGießen konnte Gießen (Tv. von 1846) mit 2 Punkten Dorsprung vor Eisenach gewinnen. Gegen 3.20 marschierten die einzelnen Mannschaften zur Bühne. Der erste Sprecher des Tv. von 1846, Universitäts-Ober-Inspektor W. Erle, begrüßte die Turner aus Eisenach und Fulda und wies in einigen kernigen Worten auf die Bedeutung solcher Städtewettkämpfe hin. Mit einem Gut Heil auf die deutsche Tumsache schloß der Redneer und der Kampf begann.

Schon beim ersten Gerät (Pferd) gelang es Gießen mit 92 Punkten in Führung zu gehen: alsdann folgte Eisenach mit 91 und Fulda mit 76 Punkten. Reuter und D ö ck l e i n - Gießen, sowie L i n ß - Eisenach, waren die besten, welche je 18 Punkte für ihre Mannschaft buchten. Bei der 2. Hebung (Fr eiübun g) sah man Fulda in Form. Breuer-Fulda errang 19 Punkte Bei Gießen war es Hofmann, der ebenfalls . 19 Punkte herausholte: auch Reuter und Strack zeigten mit je 18 Punkten eine gut ge* I

schulte Hebung . Stand: Gießen 194, Eisenach 188, Fulda 180 Punkte. Das dritte Gerät (B a r r e n) brachte für Gießen einen Versager: Kreiling- Giehen konnte infolge eines unfreiwilligen Ab­ganges nur 8 Punkte erzielen Dadurch mußte Gießen feinen Vorsprung an Eisenach ab­geben. Reuter - Gießen nahm dem nun­mehrigen Spitzenturner Eisenach die Führung roieder, indem er für seine Mannschaft 20 Punkte (die Höchstleistung des Kampfes) buchte. Böck- lein, der Schlußmann Gießens, muhte sich mit 14 Punkte begnügen, Eisenach errang dadurch abermals die Führung. Auch Fulda holte gegen­über Gießen 5 Punkte auf. Stand: Eisenach 287. Gießen 286, Fulda 277 Punkte. Nun folgte daS Reckturnen. Alles martete mit fieberhafter Spannung dem Ausgang dieser letzten Hebung. Eisenach mußte die Führung sofort wieder an Gießen a6treten. Gießen konnte seinen Vorsprung bis zum Schluß behaupten und somit den Kampf für sich entscheiden. Am Reck zeigten Hofmann- Gießen und Vierröther - Fulda mit je 19 Punkten, sowie Reuter- Gießen und Ruch - Eisenach mit je 18 Punkten die Bestleistungen. Fulda hatte auch hierbei abermals 5 Punkte auf- gehvlt, mußte sich jedoch mit 2 Punkten hinter Eisenach mit dem 3. Platz begnügen. Stand: