Ausgabe 
12.10.1925
 
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Montag, 12. Oktober 1925

115. Jahrgang

Ir. 239 Erstes Blatt <d

voneinander

Ein

Aus dem

geführt werden.

Artikel 16.

Vcrmittlungsvorschlag der Alliierten.

Polnischer Viehraub an der deutschen Grenze.

Marienwerder. 11. Ott. (TU.) Dem Besitzer Jantz in Oberfeld (Kreis Marien­werder) wurden 56 Stück Vieh, die auf den Wcichsclseldern weideten, von polnischen Po st en widerrechtlich über dieGrenze nach Polen getrieben. Die Posten zwan­gen den Oberschweizer, mit seiner Herde über die

_____ _____ französischen Lager erhalt der Sonderberichterstatter dec Telunion eine Darstellung

Münsterwalder Brücke auf polnisches Gebiet zu gehen. Äebcr das Schicksal des Schweizers und der Herde ist bis zur Stunde nichts bekannt Die Regierungsstellen sind benachrichtigt worden.

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Frankreichs amerikanische Schulden.

Caillaux' Bericht über die Verhandlungen ,n Washington.

Paris, 11. Ott. (WTB.) Wie Haoas berichtet, herrscht unter den Mitgliedern der französischen Finanzkommission, die heute aus Washington zurückgekehrt ist, trotz der Unmöglichkeit, zu einem Abkommen zu gelangen, der Eindruck, daß die Reise nicht unnütz gewesen sei. Auf amen- konischer Seite habe sich ebenso wie auf französischer Seite der Wunsch gezeigt, zu einem Ergebnis zu kommen. Aber die Amerikaner, die die französischen Vorschläge als unannehmbar bezeichnet hätten, und namentlich Senator B o r a h hätten Ansichten ge- äußert, die von dem Gefühl beherrscht gewesen seien, daß sie Wahlversprechungen hal- t e n müßten in der Richtung, daß man zu einer be­friedigenden Regelung der Kriegsschuldenfrage ge­langen müsse, durch die die amerikanischen Bürger soweit wie möglich entlastet würden.

Heute vormittag hat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik ein M i« n i ft e r r a t stattgesunden. Der bisherig« Justiz­minister Steeg wurde zum Generalresi­denten von Marokko, der bisherige Unter­richtsminister de M o n z i e an seine Stelle zum Justizminister und der bisherige Unterstaotcsekretär von D e l b o s zum Unterrichtsminister ernannt Dann erstattete Finanzminister E a i l l a u x aus­führlich Bericht über den Verlauf der Washingtoner Verhandlungen. Caillaux erklärte nach Schluß der Sitzung den anwesenden Journalisten, daß die Frage des provisorischen Schuldenabkommens mit Amerika in einer späteren Beratung zur Sprache kommen werde. In Abwesenheit des französischen Außenministers Briand könnten zudem keine posi­tiven Beschlüsse gesoßt werden.

Der Verkehrsstreik in Paris.

Paris. 12. Ott. (W. T. D. Funkspruch.) Di« kommunistischeHumauit6" behauptet, baß im ganzen 10 000 Angestellte der Straßenbahnen und Autobusse in Paris streiken und bis zur Erfül­lung ihrer Forderungen durc^uhalten gewlllt sind. Der Marine-Minister und der Kriegs- Minister hätten Matrosen und Soldaten für die Aufrechterhaltung des Verkehrs zur Verfügung gestellt. Rach den in der Polizeipräfektur ein­gelaufenen Rachrichten hat der Verkehrsstreik bis jetzt nur einen recht mittelmäßigen Verlauf gehabt. Sn den meisten Depots fei davon überhaupt nichts zu spüren. Sn einigen hätten nur ganz wenige Angestellte die Arbeit niedergelegt. Einige Autobusse seien in ihre Depots zurückgekehrt. Das streikende Personal sei aber sofort ersetzt worden. Auch nach den beim Snnenministerium eingetragnen Rachrich­ten tritt der Derkehrsstreik wenig in die Erschei­nung. Rur etwa 100 Wagenführer und Schaff­ner fallen die Arbeit niedergelegt haben. Sieben Wagen sind auf offener Straße stehen gebliejeiL Man nimmt an, daß das von den kommunistischen Organisationen für den politischen Ge­neral st reik ursprünglich vorgesehene Datum angesichts dieser Tatsache verschoben werden dürfte. Richtsdestoweniger seien alle Vorsichts­maßnahmen getroffen.

Der Verkehr wird, wenn auch mit Einschrän­kungen, auf der Straßenbahn und den Autobullen weiter durchgeführt. Der Sanenm.nister Schrä­met hat im Ministerrat über den Stand des Verkehrsstreiks einerseits und über die Rlbglich- keit des für Montag, 12. Oktober, angekünd.g en 24stündigen Proteststreikes andererse ts 'Bericht erstattet. Rach derGiberte sollen d e leb.ms- wicht gen Fabriken und die städtischen Betriebe militärisch beseht werden. DerParis Soir" glaubt, daß in kommunistischen Kreisen i'er Gedanke erwogen wurde, den politischen Demonstrationsstre.k abzusagen, weil der Ver­kehrsstreik bis jetzt als Fiasko beirachtet we.den könne.

Die Lage in Marokko.

Fez, 11. Oft. (Havas.) Die Lage Abd el Krims scheint jetzt sehr schwierig zu werden. Trotz seiner starken Propaganda nimmt sein Prestige weiter ab. Snfotge der fortwährenden Lust- bombardements durch Flugzeuge und des Man­gels an Lebensmitteln zeigen sich viele Stämme geneigt, sich ganz von ihm zurückzuziehen. Sm Westen entwickelt der Feind im Raume von Ajdir, Gessare und Bibane einige Tätigkeit. Sm mittleren Frontabschnitt behalien die Fran­zosen weiterhin die Oberhand. Heber Senhabja unternahm französische Kavallerie einen Streif- zug zum Wed Ruali. Eine andere Gruppe hat mit Unterstützung von Artillerie den Ge­birgszug zwischen Kulat und Kudjida Sedrada in der Gegend von Bab Taza durchstreift und Hadjer Haled Cheta erreicht. Die Rifabteilun­gen, die in der Gegend von Kubda gemeldet sind, ziehen sich zum Dschebel Brinkel zurück.

Sm größten Teil des Kampfgeb etes herrscht schlechtes Wetter. Die eigentliche Regenzeit steht unmittelbar bevor. Rach Rachrichten aus eingeborener Quelle seien in der Gegend von Targist Europäer in Begleitung einei Ver­treters Abd el Krims gesehen worden. Sm Frontabschnitt des 19. Korps sind Kavallerie­patrouillen bis Sidi ben Rur, vier Kilometer

Der Sonntag in Locarno.

Ausflüge der Detegationschcfs. Bencsch bei Stresemann.

Locarno, 12. Ott. (Xil) Am Sonntag suchten die Delegationschefs Erholung in Aus­flügen in öie Umgebung. Dc. Strefe- mann hatte sich im Auto nach Palanza be­geben und auf dem Rückweg eine Panne erlitten. Dadurch wurde die Zusammenkunft zwischen Dr. Stresemann und dem polnischen Außenminister Grafen S k r z h n f k i unmöglich gemacht und mußte auf Montagmorgen verschoben werden. Reichskanzler Dr. Luther machte im Laufe des Sonntags eine längere Bergtour zu Fuß. Der englische Außenminister Chamberlain fuhr mit feiner Gattin und feiner Sekretärin im Auto nach Lugano, von wo er um 1 Uhr nach Locarno zurückkehrte. Abends besuchte Dc. Be­ne s ch den deutschen Außenminister Dr. Strefe- m a n n und verweilte etwa eine Stunde bei ihm.

Lieber die Besprechung wird dem Bericht­erstatter der Telunion von tschechischer Seite folgende Erklärung abgegeben: Dr. Be- nesch fei mit dem Verlauf der Aussprache außer­ordentlich zufrieden. Es seien alle wichtigen po­litischen Probleme berührt worden, vor allem die Frage des Abschlusses eines Sicherheits­paktes zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei. Man sei überein» gekommen, mit der Lleberpvüfung der vorliegen­den Vorschläge und der Ausarbeitung eines Pattenentwurss die beiderseitigen Sachverständi­gen, Minisle ia di.ek or Dr. G a u ß und Pro'e sor Dr. Kretschmar.zu leauft.aze-r. Auf tft'echi- scher Seite gebe man sich der Hoffnung hin, daß die Verhandlungen mit der deutschen Delegation auf keine besonderen Schwierigkeiten flößen wer­den. Wie sich die Verhandlungen zwischen der deutschen und der polnischen Delegation ge­stalten werden, steht zur Zeit noch nicht fest. Man darf annehmen, daß in der ilnfctrcöung Stre'emanns mit Skrzynski heute vormittag der Beschluß gefaßt werden wird, ob die Verhand­lungen über den Ostpakt gemeinsam mit Polen unfr der Tschechoslowakei oder getrennt

über den Vermittlungsvorschlag, dec am Samstag dem Reichskanzler und Dr. Stresemann von Briand und Chamberlain gemacht sein soll. Wir geben die Darstellung unter dem ausdrücklichen Vorbehalt wieder, daß sie aus französischer Quelle stammt, und daß sich die Angaben wegen der vorgerückten Zeit nicht nachprüfen ließen. Rach der französischen Darstellung soll die deutsche Dele­gation auf eine Abänderung des Artikels 16 und auf eine neue Interpretation durch den Völker­bundsrat verzichtet haben, weil hierzu weder die in Locarno versammelten Mächte noch eine zu diesem Zweck einzuberufende Sitzung des Völker­bundsrats bevollmächtigt gewesen wäre, von fran­zösischer und englischer Seite sei der deutschen Dele­gation ein neuer Vorschlag gemacht worden, der dahin geht, daß die vier alliierten Staa­ten, die an der Locarno-Konferenz teilnehmen, und außerdem die Polen und Tschechen sich verpflichten, den § 16 Deutschland gegenüber nicht anwenden, das beißt, daß sie ein Versprechen abgeben werden, weder ihre Truppen durch deut­sches Gebiet marschieren zu lassen, noch Deutschland zur Teilnahme an den MMäraklionen der völler- bundsmitglleder zu zwingen, noch Deutschlands Teilnahme an wirtschaftlichen oder finanziellen Sanktionen des Völkerbundes zu veranlasien. Dieser Vorschlag sei am Samstagabend während der Motorbootfahrt Herrn Luther und Dr. Stresemann gemacht worden. Der Erfolg der Konferenz hänge nun davon ab, welche Antwort die deutsche Delegation geben werde. Sie hätte sich zu diesem Zweck mit den Parteiführern und den in Berlin verbliebenen Kabinettsmitgliedern telegraphisch In Verbindung gesetzt. Der ganze Sonntag sei dem Austausch der Meinung en zwischen Locarno und Berlin gewidmet worden, '(m Montagvormittag erwartet man die endgültige Antwort der Reichsregierung.

Neue AnKömmUnge in Lecarno.

Paris, 12. Oft (W. T. D. Funksp uch) Der Berichterstatter desEcho dr Paris" in Locarno will wissen, daß die schweizerische Bundesregie­rung bereits offiziell unterrichtet worden fei, daß Mussolini am Mittwoch in Locarno eintreffe. Der deutsche Gesandte in Bern, D r. Adolf Müller, ist in Locarno eingetroffen und im Hotel ^Espanade" dem Sitz der deutschen Delegation, abgestiegen. 2luch der tscheckw - slowakische Gesandte in Berlin, Dr. Ärofta, ist nach Locarno abgercist.

der Fall, so würde Herr Mussolini auf die Präambel verwiesen und gesagt haben, daß erber einzige Prophet gewesen sei, der die Sage richtig erkannt und Italien von vornherein nur rem theoretisch an der Konferenz beteiligt habe. Offen* bar hat man den Italienern aber doch so zugesetzt, daß sie den Wechsel der Konferenz mit ihrem Namen decken. Dazu kommt aber wohl auch, daß sie den Eindruck haben, man könne dieses Risiko jetzt ein- gehen. Das wäre ein weiteres Zeichen dafür, daß die Konferenz sich stimmungsmäßig am Wochen­ende etwas gebessert hat, ohne natürlich, daß die Hauptschwierigkeiten, die man sich wohl für die nächste Woche aufgegoben hat, dadurch beseitigt worden wären.

Eine politische Bootfahrt.

Die Sensation des Tages war ein Ausflug auf dem Wasser, den ein engerer Kreis von Mi­nistern und Suriften in der luxuriösen Motor­jachtFlora d'Oranica" auf dem Lago Maggiore unternahm. Es nahmen teil C h a m - bevlain, Briand, Luther und Strese­mann, Sir Cecil Hurst.Berthelot, Fro- mageot, Gaus, ferner Frau Chamber­lain. Die Fahrt, die gegen 3 Uhr nachmittags angetreten wurde, war ursprünglich auf zwei Stunden berechnet, denn sowohl Briand als auch der Reichskanzler Dr. Luther hatten ihre Autos auf 5 Uhr an den Landungsplatz von Locarno bestellt. Sndessen kam es anders. Den ganzen Rachmittag hindurch erwarteten die Pressever­treter in fieberhafter Spannung die Rückkehr den Schiffes, da kein Zweifel darüber bestand, daß es sich nicht um einen harmlosen Ausflug, sondern am Ende der ersten Konferenzwoche mitten in dem kritischen Stadium der ungelösten Fragen um eine wichtige, vielleicht ent­scheidende Unterredung handelte. Einige Sournallsten waren in kleinen Motorbooten nach­gefahren, verloren aber bald das schwimmende Konferenzgebäude aus den Augen. Andere irrten stundenlang an der Anlegestelle der Schiffe des Lago Maggiore umher in der Hoffnung, daß die Rückkehr vor der Schlußzeit der ersten Morgen­blätter erfolgen werde. Bon 61/;, Ähr an wurde Hie Zahl der Wartenden immer großer. Die ''Photographen probierten ihr Blitzlicht aus, alle Blicke richteten sich auf den dunkelblauen Dee, in den die Rächt immer tiefer hineinfiel. Sobald auf dem Wasser irgendein Licht auftauchte, bemäch­tigte sich der Wartenden lebhafteste Bewegung.

Gegen 7 Ähr fuhr langsam um die Heine Küstenausbuchtung, die die Breite des Sees ver­deckt, ein hellerleuchtetes Schiff hervor, das sich bis an die Mitte zwischen den Äsern vorschob und dann langsam auf den Landungssteg zu­steuerte. Die Aufregung der Wartenden wuchs mit jeder Sekunde. Plötzlich sah man, wie das Schiff sich wandte und, nachdem es schon in aller-nächster Rähe des Landungsstegs gehalten hatte, kehrt machte, auf das andere Äser zusteuerte und in der Rächt verschwand. Fast oreiviertel Stunden lang stand alles von neuem in Ängewißheit an dem jetzt völlig dunkeln Äser. Aber die Anwesenheit des Polizeidirektors, der auf seinem Posten blieb, der Kraftwagen der deutschen Abordnung, der unweit der Landungs­brücke friedlich neben dem Kraftwagen Briands stand, alles das beruhigte allmählich die auf­geregten Rerven der Wartenden. Wieder spähte man nach Lichtem, die die Rückkehr der Ver­schwundenen von Locarno anlündigen würden. Plötzlich tauchten die Lichter, die man vor drei­viertel Stunden erblickt hatte, wieder auf. Seht sah man das Schiff in seiner vollen Breite, eine schmucke, breite Motorjacht, herannahen. Run er­blickte man in der kleinen, hell erleuchteten Ka­bine, zunächst noch sitzend und miteinander plau­dernd, dann ausstehend und Abschied nehmend Herrn und Frau Chamberlain.

Als erster verließ Chamberlain mit seiner Frau das Schiff. Er war sehr ernst, sprach kern Wort und schritt schnell auf d'.e breite Alkes zu, die das Grand-Hotel von der Landungsbrücke trennt. Inzwischen sah man auf dem Verdeck Herrn Gaus und Cecil H u r st noch e.nmal in einem kurzen angeregten Gespräch. Derthelot mit einem großen Aktenkoffer führte auch noch schnell eine kurze Unterredung. Aus der Kab ne Tarnen bann der Reichskanzler und Dr. Stresemann hervor und gingen langsam d e Landungstreppe hinauf. E.n kurzer Ausenihalt vor dem Photographen, der den Weg versperrte und die beiden Staatsmänner hell beleuchtete, bann begaben sich d e Herren allein zu ihrem Kraftwagen. D r i a nd , der kurz nach den Deut­schen das Schiff verlieh und den sofort die Presse itmringte, blieb bei den W hworten, mit d.nen er seit Konferenzbeginn verschw mder sch dir Presse beschenkt. Er behauptete, daß er die F fd)e im Lago Maggiore fhtb ert habe. Auf d e Frage, warum man vor der Landung nochmals umge­kehrt und eine neue geheimnisvolle dre'v.ertel- stündige Fahrt unternommen habe, me nie er lächelnd, es sei den Herren noch e ne neue Fisch- forte eingefallen, d e man nod> nicht gekannt und die man habe erforschen wollen.

Sm Anschluß an die Bootsahri sand innerhalb der deutschen Delegation eine interne Bes prechung statt, bevor der Bierabend begann, den der Kanzler und der Außenminister den Journalisten gab. Der Kanz- l er wiederholte auf d e Frage unseres Vertreters nach feinem Eindruck die orakelhafte Antwort von demFortschritt der Besprechungen auf der Ebene". Sicher scheint, daß sich die Situation weiter versteift hat.

Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne icdeVerbindlichkeit.

Preis für 1 mm hohe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 (Bolbpfennig; für Re­klame-Anzeigen v 70nm Breite 35 (bolbpfennig, Platzvorschrist 20" , Auf­schlag - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friebr. Will) Lange; für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein; für beit Anzeigenteil HansBeck, sämtlich in Gießen.

Schon vor her Konferenz hat man die Lo- fcig der zur Tagesordnung stehenden Fragen Q» Quadratur des Zirkels genannt und t ker Tat zeigt denn auch der ganze bisherige Erlauf der Konferenz, wie ungeheuer schwer eS Hf, einen Ausweg zu finden, ben man Lösung timten könnte. Das gilt auch am Montay- ncrgcn trotz bes heftigen Optimismus, der in Hiiem Teil be? deutschen Presse zum Ausdruck Qcnmt. Man kann sich vorstellen, wie grotesk Qil* Schilderungen in ben deutschen Zeitungen 6>r8en, wenn man hört, daß man in Locarno ittitz? ein neues Bonmot »Tausend Worte -Ootsch" prägt. Es ist darauf hinzuweisen, bah Bd den verschiedenen rheinischen Fragen rzich keineswegs eine Bereinigung et- ;ffcgM ist. Dazu kommen bie beiden Fragen, die T' Achse bet Konferenz bilden, öie Frage '^französischen Garantie im Osten $ii) die des Artikels 16. Beide sind gar Tdjl voneinander zu trennen.

Die in Aussicht genommene Lösuna her (Saran» idriige in der Form, daß Frankreich und Polen m.fge r f) a l b des Vertrags eine Erklärung unter» Reiben, die die Satzungen des Völkerbundes als f chchchnur hinstellt, bedarf jedoch einer äußerst vor» W gen juristischen Formulierung. Sie muß unter rt.it Umständen die Möglichkeit ausschließen, daß Me Erklärung sich wie ein eiserner Vorhang vor Bi Westpakt schiebt oder ihn gar gewissermaßen «uk^bt, denn nach der Völkerbundssatzung könnte th solche Erklärung von Frankreich und Polen, Bi< <ilfo doch eine Vereinbarung zwischen diesen falten Staaten darstellen würde, immer noch eie Garantie Frankreichs bedeuten mit der Ein- fitanfung, daß sie erst nach drei Monaten ür. Wirksamkeit tritt, dann könnte Frankreich also ^marschieren. Hier spielt das Problem zu Ar» äilil 16 hinüber, auch schon darum, weil das f r a n- iisisch-polnische Bündnis dem Sicher» ilspatt im Wege steht.

Rach dem Eindruck, der in bet deutschen De- Itgriivn besteht, hat man auch auf bet anbecn durchaus den Willen, eine Losung zu [jähen. Aber es handelt sich um eine einfache Lai fachen frage, sozusagen um eine politisch-tech- A'chic Schwierigkeit von ungeheurer Schwere. Dgcnblicklich ist man dabei, die Lösung von der 6dte des § 16 (Durchmarschrecht) her zu suchen, kt jetzt als das wohl am meisten geförderte ^Etem anzusehen ist, nachdem sich in der Ga- Knti:frage durch eine plötzliche Wendung, die itimtanb vorausssah, wieder eine Verdunke­lung ergeben hat. Die für Montagvormittag ^gesetzte Vollsitzung, an der durchaus fest- ^halten wird, wird sich mit dem § 16 beschäs- tifcri Es dürfte in dieser Sitzung wieder scharf lhngchen, da die Gegensätze leider durch die »stirnistischen Darstellungen eines Tells der deut»

Presse allein nicht beseitigt werden können.

Die letzte Vollsitzung.

Italiens Beitritt zu den Vertrags­

parteien.

Locarno, 11. Oft. (T.U.) Die Samstags- «listzung der Konferenz begann kurz nach in Uhr, 6hlfc daß ein solches Ereignis, das zu Anfang der SLnftrena immer eine große Anzahl Neugieriger in t»ie Via della Palme versammelte, jetzt noch eitl Aufsehen macht. Die hohen Persönlichkeiten, die tyr in Locarno versammelt sind, sind inzwischen lgwi ssermaßen alltägliche Erscyeinungen geworden. 'Sam kennt schon den blanken, mehr strotzenden als M-h nackvollen Wagen Chamberlains, den wunder» odlen, nagelneuen Wagen des Kanzlers und den Utgrauen, leicht erkennbaren Stresemanns, die leis von Mercedes zur Verfügung gestellt worden ßiid. Das über die Sitzung ausgegebene amtliche Bhmmun i q u£ hat folgenden Wortlaut:

Ls wurden auf Grund der von den 3uriflen ^gearbeiteten Abänderungsvorschläge die Ar- liftl des Paktenlwurses in zweiter Lesung durch- bt taten. 3n der Präambel wurde der Reihe der »rrfragschließenden Staaten der Karne Italien . hlvzugefügt, der in dem Londoner Textentwurf ü«ht enthalten war. Diese Hinzufügung bestätigt Ile Erklärungen des italienischen Delegierten hin- fchtlich der Absicht Italiens, aa dem Sicherheits- patt als Garant unter den gleichen B tbingungen sich zu beteiligen wie Groh- .'titann len.

Die (Erörterung ergab die endgültige Jotmu- lletüng der Mehrzahl der Artikel des Entwurfs. Die übrigen Artikel wurden einer späteren Er- irterung Vorbehalten. Die nächste Zusammen- funft findet Montag, 13. Oktober, 10.30 Uhr oor- tiiitags, statt.

Dem Sonderberichterstatter der Telegraphen- inri»n erklärte Außenminister Dr. Stresemann iihr seinen Eindruck, es sei wie mit dem heutigen Stüter gewesen, zuerst nebelia und von Wolken de- l*oigen, aber bann habe es sich immerhin etwas '». geheitert. Als ein gutes Zeichen wird die iim Sammuniquö verzeichnete Tatsache gewertet, daß Italien seinen Namen in die Präambel hat ein» 1üpn lassen. Natürlich haben die Italiener a.ich oor- Ive skbr wohl gewußt, daß sie unter den abschließen- ivk» Mächten nicht aufgezählt waren. Es lag aber im *äi[l«m ihrer wenig freundlichen Konferenzyolitik, ix^jber kein Wort zu verlieren, wahrscheinlich nicht jiiuctz! auch deshalb, weil sie erst sehen wollten, ob itt-rhaupt Aussicht für einen positiven lühsg a n g der Konferenz besteht. Wäre das nicht

fttytnt täglich, äuget Siitiu und Feiertags

Beilagen: (:etener5amilienblättex cheimat im Bild nonat$iBe$ngfDtel$: J3elbmarh u 20 Gold» prtntg für Trägerlohn, <id) bei Nichterscheinen tn einzelnen Nummern fjtilge höherer Gewalt. ktinsprech'Anschlüsse: Ehiiftleitung 112, Ver- SLndGeschäftsstellcbl.

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Das Wochenende in Locarno