Das Abendessen beim Reichskanzler.
Berlin. 12. Mat. (TBolff.) Gestern abciu) «peiste der Reichspräsident beim Reichskanzler Dr. Luther, in dessen Palais er Mahnung genommen hat. An dem Essen nahmen noch teil die Reichsminister S t r e s e m a n n, Schiele und Gehler, der Reichstagspräsident Lobe, die Chefs des Reichs Heeres und der M a ° r i n e, die Staatssekretäre M e i h n c r und Kempner. Deni Essen ging eine Besprechung in der Reichskanzlei vorauf, an der Reichspräsident h. Hindenburg, der Stellvertreter des Reichspräsidenten. Dr. Simons, der Reichskanzler Dr. Luther, der Reichsminister des Innern Schiele und Reichswehrminister Dr. Gehler teilgenommen haben. Offizieller Besuch Hindenburgs in München.
München. 12. Mai. Wie verlautet, beabsichtigt Reichspräsident von Hindenburg, der bayrischen Regierung und der Stadt München gelegentlich der Eröffnung der Deutschen V c r k e h r s a u s st e l l u n g am 31. Mai einen offiziellen Besuch abzustattcn.
Badens Grutz.
Karlsruhe. 11. Mai. (TU.) Derbadiche Staatspräsident hat nachstehendes Telegramm abgesandt: „Reichspräsident o. Hindenburg, Berlin. Zum heutigen Tag, an dem Sie. Herr Reichspräsident Ihr hohes Ami übernehmen, entbiete ich namens der badischen Staats- rcgicrung bei b e ft e n Wünsche für eine segensreiche Tätigkeit im Dienste des dent- schen Volkes und Reiches.
Staatspräsident Dr. H e l l p a ch.
Tschechische Unverschämtheit.
Prag. 12. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Prager Postdircktian hat mit Erlaß an die Tele- graphenämter die Beförderung von Begrü- h u n g s t e l e g r a m in e n an den Re i ch s Präsidenten v. Hindenburg, soweit diese eine Kundgebung besonderer Ehrung und Ergebenheit enthalten, verboten. Die Postdirektion beruft sich dabei auf einen Paragraphen des Telegraphenge- setzes, der Telegramme, deren Inhalt gegen d i e Sicherheit des Staates oder gegen die Wirtschaftsinieressen gerichtet ist oder den Gesehen der öffentlichen Ordnung widersprechen, von der Beförderung auszuschließen.
Deutsch-Oesterreichische
Derkehrsfragen.
Für die Aufhebung des Bisazwangs.
Berlin. 12. Mai. (SU) Halbamtlich. In Deutschland und in Oesterreich bestand in drn beteiligten Kreisen der Wunsch, den gegenseitigen Verkehr von den Fesseln des Sichtvcrmerk- zwanges zu befreien. Dem neuerdings von österreichischer Seite gegenüber geäußerten Wunsch war die deutsche Regierung zunächst der Auffassung, daß eine möglichst allgemeine Abschaffung des Sichtvermerks angestrebt werde. Sie ging aber schließlich darauf ein. den Gedanken zuerst im Verhältnis zu Oesterreich zu verwirklichen. Technische 'Beden- -ken. die sich in Deutschland dem entaegenzu- ftdien schienen, wurden überwunden, so vast wir uns bereit erklären konnten, den Visazwang gegen Oesterreich völlig zu beseitigen. Bei den Verhandlungen in München, bei denen die endgültige Vereinbarung getroffen werden sollte, stellte sich jedoch heraus, daß in Orster-- reich inzwischen Bedenken entstanden waren, ob am die mit dem Visum verbundenen Gebüh- reneinnahmen verzichtet werden könne. Daß solche Bedenken auftauchten, ist bei der Lage der österreichischen Finanzen gewiß verständlich. Die Verhandlungen sotten aber in absehbarer Zeit fortgesetzt werden und werden dann hoffentlich zu dem Ziele führen, den Verkehr zwischen Deutschland und Oesterreich völlig fvü zu gestalten. Inzwischen wird schon insofern eine Erleichterung eintveten, als bereits jetzt eine wesentliche Herabsetzung der Gebühren erfolgen sott.
Neue Verschleppungsmanöver.
Vertagung der Botschafter-Konferenz.
Paris, 12. Mai. (WTB. Funkspruch.) Rach dem „Echo de Paris" scheint die Botschafter- Konferenz am Mittwoch nicht zusammenzutreten. Sie werde wahrscheinlich erst am kommenden Freitag den Bericht dec Kontrollkommissron einer Prüfung unterziehen. Für die Festlegung des Entwurfes der der deutschen Regierung zu übermittelnden Rote und für deren Billigung durch die Kabinette in London, Brüssel. Rom und Tokio seien noch einige Tage erforderlich. Zwischen London und Paris bestünden noch Meinungsverschiedenheiten. Der „Petit Parisien" fügt hinzu, daß erst gestern die französischen Vorschläge als Antwort auf das von dem englischen Botschafter überreichte Memorandum nach London abgegangen seien. Sie werden von der britischen Regierung geprüft und erst dann könne die Botschafterkonferenz zusammen treten, um den Text der Rote über die Entwaffnung zu entwerfen, die der Reichsregierung zugehen soll.
In offiziellen englischen Kreisen wird dagegen erklärt, eine so wichtige Frage wie die der Ab- rüftung und der Räumung Kölns könne nicht Gegenstand einer endgültigen Entscheidung durch die Botschafterkonferenz fein. Sie werde ledig- l i ch von dieser begutachtet und dann den alliierten Mächten zu weiteren Berhandlun- gen überlasten. Die Alliierten würden ihren Stand, punkt nach reiflicher Behandlung des Problems und des Gutachtens der Botschafterkonferenz durch ihre Botschafter in Berlin bekanntgebe». Es fei anzunehmen, daß noch einige Zeit bis zur Ueberreichung dec Rote der Alliierten an Deutschland verstreichen werde.
Keine Einführung der einjährigen Dienstpflicht in
Frankreich.
Paris, 12. Mai. (SU.) „Petit Parisien" erhielt auf eine Anfrage im Kriegsministerium, wann die Einführung der einjährigen Militär- dienstpflicht erfolge, eine ausweichende Antwort. Die Regierung habe den Wunsch, die einjährige Dienstpflicht einzuführen, könne
aber lein b e st i m mtcs Datum angeben. Vom sozialen Standpunkte aus wäre crichtig, der Industrie und 2anbkMi.ua) im ine gr ütniön* liche Zahl von Arbeitslrästen an Hand zu geben, politische Erwägungen aber, die mit der Sicherheit des Landes eng zusammcn- hängen, bildeten den ausschlaggebenden Faktor, hinter dem alle anderen R u ck s i ch - len z u r ü cl t r e t e n müßten
Die Lage in Marokko.
Abd d Krim proklamiert den heiligen Krieg.
Paris, 12. Mai. (WTB. Funkspruch.) .Ueber die Lage in Französisch-Marokko wird aus Rabat gemeldet, die Abteilungen des Rordens haben die Verproviantierung von Posten und die Verstärkung ihrer Stellungen fortgesetzt. Es wird berichtet, daß die Rifleute sich im Gebirge fest- seben. Abd el Krim hat den heiligen Krieg ausgerufen und seinen Bruder nachTetschuan gesandt mit dem Auftrage, bei den Iebala-Stäm- men Truppen auszuhebcn. Die int Zentrum operierende französische Gruppe hat nach heftigen Kämpfen ebenfalls ehren Posten mit Lebensmitteln versorgt.
In den nächsten Tagen werden noch weitere: acht Infanterie-Bataillone und Batterien nach Marokko zur Verstärkung abgehen. Auf beiden Seiten werden dauernd neue Verstärkungen herangezogen. Das französische Oberkommando wartet noch auf schwere Artillerie, um die Gegen-Offensive fortzusehen. Fünf neue Flugzeug-Geschwader wurden eingesetzt. Die fcanzö- fifdym Flugzeuge haben bererts mit Erfolg d i c feindlichen S tellungen bombardiert und die Rifsoldaten in ihren Laufgräben mit Maschinengewehren beschossen. Auf französischer Seite hat es beträchtliche D c r l u st e gegeben. In Fez, Mekine und Rabat wurden Mtti-- tär-Hofpttäler eingerichtet.
Ministerpräsident Painlevä hat gestern nachmittag mit Marschall Petain und General Debency über die Lage beratschlagt. Ein langes Havastelegramm enthält beachtenswerte Aufschlüsse über die Ausrüstung und den Kampfes mut der Rifsoldatten. Insgesamt verfüge Abd el Krim über 15 000 Mann regulärer Truppen, die angeblich von deutschen (!) und russischen Offizieren kommandiert werden. Die Rifarmee sei mit den modernsten Waffen ausgerüstet, verfüge über Feldbatterien und ein Kampfgeschwader von 1 Flugzeugen.
Das Urteil im bulgarischen Attentatsprozeh.
Sofia, 11. Mai. (WTB.) 9m Prozeß wegen der Attentate auf den König und die Kathedrale wurde heute vom Kriegsgericht das Urteil verkündet. Der Küster Zadgarski und die Angeklagten Friedmann, Abadjeff, Stanke. Dimitroff, Grantscharoff, Vetrini, Kofsowski und Koeff wurden zum Tode, Daskaloff zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Verurteilung der Angeklagten Abadjeff, Dimitroff, Petrini und Kossowski erfolgte in Abwesenheit.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 11. Mai. Bei der Fortsetzung der Deraturrg des Haushalts des Reichswirtschafts- ministeriunrs ersucht Abg. Limbertz (Soz.) um bessere Aufklärung der Landwirtschaft durch Wanderlehrer usw. über die Pro -- duktionsmöglichkeit, wie dies hervorragender Weise in Amerika geschehen. Zum Schluß weist er darauf hin, daß Deutschlcurd nicht zu einer wirtschaftlichen Gesundung Jommen könne, wenn nicht der arbeitende Mensch entsprechend seinen Werten im Produktionsprozeß gelvürdigt werde.
Abg. Brüning (Z.) meint, daß der Kohlenbergbau im Vordergrund des Wirtschafts° interesses stehen müsse. Die Gefahr der Stilllegung von Bergwerken, die durch den Syndikatsvertrag gegeben sei, bedeute nichts wie eine schwere Schädigung der Arbeiter und dos Anlagekapitals.
Bei den Ausgaben für das S t a t i st ) > ch e Reichs amt bemängelt Abg. S i m o n-Franlen (Soz.) das Fehlen einer umfassenden und zuverlässigen Produrtionsstatistit. Dte jetztge Statistik sei höchst mrzillänglich. Rotwendig fet auch eine bessere Statistik über Vermögen. Einkommen und Sleuerleistungen. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Lebenshaltungsinder entspreche nicht der Wirklichkeit. Auch nach der letzten Reform sei die Fehlerquelle nicht ganz beseitigt worden.
Abg. Frau Dr. D e h m (bntL) wünscht möglichst sorgfältige Erhebungen über die Zahl und
Lage der Heimarbeiterinnen.
Die deutsche Heimarbeit habe sich in ihrer Qualität wesentlich gehoben. Die Heimarbeit solle nicht bekämpft werden, sie solle nur in ihren Löhnen und Lei st un gen gesteigert werden. Das Wirtschaftsministerium sollte die Destrebungeit zur Verbesserung der Qualität der Heimarbeit fördern. Dazu fei aber in erster Linie eine Erhöhung der Löhne notwendig. die jetzt noch immer in manchen Zweigen nur 4 Pf. in der Stunde betragen habe
Abg. Simon- Franken (Soz.) erklärt, auch die diesjährige Heimarbeitsausstellung zeige noch schlimme Elends bild er. Für die Heimarbeit in der Papierindustrie gebe es noch Stundenlöhne von 2’/3 Pf.
Abg. Krätzig (Soz.) tritt für die schleunige Einrichtung eines K a r t e l l a m t s ein. Ein Antrag Krätzig auf Erhöhung der Mittel zur men. Der Etat des Reichswirtfchaftsministeriums Durchführung der Kartellenquete wird angenom- und der des vorläufigen Reichswirtschastsrats werden bann in zweiter Lesung verabschiedet.
Zur zweiten und dritten Beratung kommt dann der Gesetzentwurf über den Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamts in Verbindung mit den Entwürfen zum Washingtoner ilcbereintommen über d i e Arbeitslosigkeit, zum G e - nuaer Lebereinkommen über die Stellenvermittlung für Seeleute und zum Genfer Ueberelnfommen über das Koalitionsrecht der landwirtschaftlichen Arbeiter und die Entschädigung der Landarbeiter bei Arbeitsunfätten.
In der Aussprache führte
Abg. Auf hä u ser <Soz.) aus. die vorliegenden internationalen ilebercinfommen seien ein Anfang für die zu erstrebende internationale Abwehr der Arbeiter gegen die internationalen
Unl:i n:bm: i i>e r b mi:mgen. Der Redner verlangt die schleunige Ratifihcrung des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag. Er wendet sich gegen eine Ausschußentschließung. in der verlangt wird, daß in den Organen des Inter- nationalen Arbeitsamtes die Minderheiten der christlich-nationalen (Server lichastsrichtung ent- sprechend l eUickiichtigt werden.
Aus aller Welt.
DaS Baden-Badener Schachturnier.
Mieses (Deutschland) gewann in der 18. Runde r.iuc italienische Partie gegen Thomas «England) in 37 Zügen. Carl (Deutschland) verlor eine englische Partie gegen Dr. Trejbal (Tschechoslowakei) in 36 Zügen. Marshall äl.S.A.) gewann feine Partie gegen Te Kolste (Holland) in 25 Zügen. Dr. Tartakower (Oesterreich) gewann seine englische Partie gegen QJateß (England) in 48 Zügen. Grünfeld (Oesterreich) gewann sein Damengambit gegen Dr. Tarrasch (Deutschland) in 41 Zügen. Die Partie Roselli (Italien) gegen Reti (Oesterreich) endete nach dem 44. Zuge mit Remis. Remis wurde die sizilanische Partie Torre (Mexiko) gegen Gottes (Belgien) mit dem 37. Zuge. Die Partie Rubinstein (Polen) gegen Riemzowitsch (Dänemart) endete nach dem 30. Zuge mit Remis. Ebenfalls wurde die französische Partie Bogoljubow (Likraine) gegen Aljechin (Frankreich) mit dem 43. Zuge Remis. Schließlich endete die Partie Rabinowitsch (Rußland) gegen Saemisch (Deutschland) nach dem 26. Zuge mit Remis. Spielmann (Oesterreich) war spielfrei.
Ergebnis der 19. Runde des internationalen Schachturniers: Saemisch-Deutzchland gewann eine französische Partie gegen Mieses-Deutschland mit dem 18. Zuge; Te Kolste-Holland verlor eine sizilia- uische Partie gegen Bogoljubow-Ukrainc mit dem 20. Zuge, Riemzowitsch-DÜnemark verlor gegen Tartakower-Oesterrcich mit dem 41. Zuge, Pates- England gewann eine sizilianische Partie gegen Grün- feld-Oesterreich mit dem 31. Zuge; ThomasEngland verlor eine Partie gegen Karl-Deutschland in 35 Zügen. Reti-Oesterreich gewann eine englische Partie gegen Marshall-Amerika mit dem 52. Zuge. Das Damengambit Aljechin-Frnnkreich gegen Rubinstein-Polen wurde mit dem 30. Zuge remis. Ebenfalls remis wurden die Partien Tarrasch-Deutsch- land gegen Torre-Mexiko und Trejbal-Tschechoslo- wakei gegen Roselli-Jtalien. Abgebrochen wurde die Partie Spielmann-Oesterreich gegen Rabinowitsch- in Gewinnstellung für Rabinowitsch. Colle-Belgien war spielfrei.
Hauptversammlung des hausabundes.
In Dresden fand nm Montagvormittag in Gegenwart überaus zahlreicher Vertreter aus dem Reiche und vieler Ehrengäste die diesjährige Ha upt- verfammlung des Hansabundes für Gewerbe, Handel und Industrie statt, nachdem bereits eine Sitzung des Bundespräsidiums abgehalten worden war. Im Anschluß an die Hauptversammlung wurde im Hause der Kaufmanschaft eine handelspolitische Kundgebung veranstaltet. Der Präsident des Hansabundes, Reichstagsabgeordneter Fischer, begrüßte die Erschienenen. Unter lebhaftem Beifall wurde die Absendung eines Hul- digungstelegramms an Hindenburg beschlossen. Anschließend sprach der Präsident des Landesfinanzamts Dresden Dr K ohne der Tagung die besten Wünsche der Reichsregieruna aus. Finanzminister Dr. /sJi einhold begrüßte die Versammlung namens der sächsischen Regierung und hielt einen Dortrag über das Thema: „Steuerreform und Wirtschaftsfragen", worauf Geh. Legationsrat Professor W i e d e n f e l d t über die Ausgaben der deutschen Außenpolitik sprach.
Hundertjahrfeier des Börsenvereists deukfcher Buch- hündler.
Der Montag brachte einen großen Fe stakt des Buchhändler-Hanfes. Als Vertreter des Reiches war Staatssekretär Schulz erschienen. Der Stellvertreter des Neichspräsidenten Simons hatte ein Glückwunschtelegramm gesandt. Aus Anlaß seiner Hundertjahrfeier sandte der Vorstand des Bör- senvsreins der deutschen Buchhändler zu Leipzig eine Begrüßungsdepesche an den Reichspräsidenten von Hindenburg.
Frankfurter Sänger in Wien.
Bei dem Empfang des Reebschen Sängerchors im Wiener Rathause verwies der Vizebürgermeister Emmerling in einer Begrüßungsansprache auf die innigen Beziehungen Oesterreichs zu dem stammver- wandten Deutschland und erklärte, es sei klar, daß auch Oesterreich sich in den Dienst der Völkeroer - einigung zu stellen habe. Es sei zu hoffen, daß das Selostbestimmungsrecht auch für Oesterreich komme. Ein Vertreter des Frankfurter Stadtrats überreichte als Geschenk eine Radierung vom Frankfurter Rathaus und der Reebsche Sängerchor ein Gemälde, das die P a u l s k i r ch e in Frankfurt a. M. darstellt.
Der Luftverkehr.
Im Rahmen des vom Deutschen 'Aerolloyd und des Imperial Air Ways regelmäßig betriebenen Luftverkehrs landete am Montag auf dem Tempel- Hofer Flugplatz mit Fracht und Gästen der bekannte Flugzeugführer Cobh a m. Die landende Maschine war dieselbe, mit der Cobham den gewaltigen Flug London—Indien und zurück vollführte. Er durchflog die 1000 Kilometer lange Strecke ohne Aufenthalt in 6 stunden.
Abitur mit Revolver und Bomben.
In dem polnischen Gymnasium in W i l n a , wo zwei Schüler Revolver und B o m b e n a n sch l ä g e auf das Lehrerkollegium bei der Abiturientenprüfung verübt hatten, wurde bei der genauen Durchsuchung des Prüfungsraumes eine Höllenmaschine gefunden, durch die das Gebäude in die Luft gesprengt werden sollte.
Lin Frauenmord.
Im Lehmtzer Forst wurde nm Samstagabend eine Frau tot a u f g e f u nd e n. Es handelt sich wahrscheinlich um die Tochter des Berliner Hotelbesitzers N i st e r c f. Die Eltern, die die Tochter vec- mißten, sind nach Oranienburg gefahren, um die Tote zu identifizieren. Als Täter kommt der 58 Iahre alte Friseur Wilhelm Schutz, der in demselben Hause wohnt, in Frage. Schutz wurde von der Kriminalpolizei feftgenommen. Er gibt die Ta t zu, behauptet aber, das Mädchen auf seinen eigenen Wunsch umgebracht zu haben.
7Nil Knüppeln totgeschlagen.
Rach einer Meldung aus Rendsburg wurde der Oberschweizer M o l d e n h a u e r auf dem Gut Wiedenborstel von zwei Unterschweizern des Guts, denen gekündigt worden war, überfallen und mit Knüppeln totgeschlagen. Die Mörder wurde verhaftet. Die vier unversorgten Kinder Moldenhauers hatten vor Jahresfrist ihre Mutter bitrd) Blitzschlag verloren.
> (Ein Riefenbrand in Rordböhmeu. ""V
Rach einer Meldung aus Reichenberg brach tit der dortigen Porzellanfabrik Feuer au^ das sich infolge des starken Windes mit ungeheurer Schnelligkeit auf die umliegenden Werke ausbreitete. Die Feuerwehr konnte sich wegen der riesigen Hitze nur darauf beschränken, die weitere Umgebung des Brandherdes zu schützen. Der Schaden beträgt etwa 2 Millionen Kronen.
Den Tod auf den Schienen.
Wir hören aus Kottbus: Zwischen Sellgast und Poley warf sich ein Liebespaar vor einen von Finsterwalde kommenden Zug. Dem etwa 25- jährigen Mann wurde der K o p f vom Rumpfe getrennt, seine 22jährige Braut erlitt schwere Schädelverletzungen. Es handelt sich um den Sohn eines Arbeiters aus Poley und ein Mädchen aus Senftenberg.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 12. Mai 1925.
Der StudentenhilfsLag in Gießen
Man schreibt uns: Schwerste Jahre der Ent- behrung hat unsere akademische Jugend hinter sich: daß ses ihr überhaupt möglich war, diese Zeiten zu überwinden, trotz bitterer Rot, Hunger und Kälte, zu arbeiten und das Studiium ordnungsmäßig zum Abschluß zu bringen, verdankt sie vornehmlich den vorbildlichen Einrichtungen unserer Studentenhilfe: ihre Fürsorgetätigkeit im einzelnen ist so bekannt, daß sich weitere Ausführungen hierüber erübrigen.
Mit der Stabilisierung der Währung unb der langsam, aber sicher fortschreitenden Verhältnisse ist zwar manch drückende Sorge von jungen und alten Herzen genommen worden; aber wer da glaubt, es seien hier schon wieder die sorglosen Zustande der Vorkriegszeit eingetreten, die Studentenhilfe habe ihre Aufgabe im wesentlichen erfüllt, der hat keinen tieferen Blick in das tägliche Leben unserer studentischen Jugend getan. Rur ein ganz kurzer Besuch im Burggraben oder im Egerheim, ein Einblick in die Tätigkeit der Krankenfürsorge, des Arbeitsoer mitttungsamtes und des Wohnungsamtes, der Schuhmacherei, Wäscherei, Druckerei usw. wird ihn eines anderen belehren. Kein Zweifel — manchem geht es besser als vor einigen Semestern, aber die große, übergroße Mehrheit unserer akademischen Jugend würde ihr Studium nicht durchführen können, wenn nicht die segensreiche Studentenhilfe sie •tnrncr wieder stützte und förderte. ,
Wenn auch jugendliche Sorglosigkeit und studentische Romantik über manche Schwere Hinweg- Hilst oder doch hinwegtäuscht, hart ist doch die Zeit und bitter ost die Rot des einzelnen, viel gibt es zu sorgen, viel zu tun, um hier Abhilfe zu schaffen. Wenn für solche Zwecke der Studentenhilfe auch ständig Mittel aus allen Kreisen zufließen, so ge nügen diese laufenden Einnahmen doch bei weitem nicht, um all die großen Aufgaben, die hier der Erfüllung harren, zu erledigen. Außerordentliche Mittel müssen von Zeit zu Zeit beschafft werden, und so soll auch der nächste Sonntag, der 17. Mai. ein Studenten Hilfstag sein, bei dem auf die Mitwirkung aller Gießener Bürger und vieler sonstiger Kreise unseres Hessenlandes gerechnet wird. Wenn jeder sein Scherflein gibt, kann dem Unternehmen der Erfolg nicht versagt bleiben, zumal doch von früheren Gelegenheiten her die Darbietungen bei Wohltätigkeitsveranstaltungen der Studentenhilfe, an denen sich diesmal auch die Gießener Hochschulgesellschast beteiligt, rühmlichst bekannt sind. Dabei werden am nächsten Sonntag die künsllerischen Genüsse wie nud) die zur Verlosung bereitftebenben höchst wertvollen Gewinne eine besondere Anziehungskraft ausüben.
Gretzcner WochemrrarLtpreisc.
am 12. Mai (Händlerpreise).
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte Butter 210, Matte 40, Käse 60—70, Weißkraut 30, Rotkraut 45, gelbe Rüben das Päckchen 50, rote Rüden 10, Spinat 20—25, Römischkohl 10, Spargel 130, Unterkohlrabi 6, Tomaten 120, Zwiebeln 25, Meerrettich 40—100, Rhabarber 20—25, Kartoffeln 5, Aepfel 35, Honig 40, junge Hahnen 100, Suppen Hühner 120 Pf. je Pfund, Blumenkohl 50—150, Salat 20—35, Salatgurken 120, Lauch 5—10, Rettich 30, Sellerie 50—70 Pf. je Stück,Radieschen Bund 20 Ps.
kornotizcn.
— Tcrgeska-lenber für Dienstag Gießener Theologenschast: 8.30 Uhr Hörsaal 44 Vortrag. — Literarischer Abend Dr. Muckermann: 8.30 Ufjr Katholisches Vereins Haus. — Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur. 8.15 Ahr: Großer Hörsaal der Llniversität öffentliche Frauenvcrsammlung. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: Turf und Liebe. — Astöria- Lichtspiele: Die Bestie.
-Settcrvoraussagc.
Zunächst wenig Aenderung, später geringe Trübung.
Der von Frankreich her nach Mitteleuropa vor- gedrungene hohe Druck hat sich noch oerstärkl, wäh> rend die im Nordmeer erschienene Depression nordöstliche Zugri^tung anzunehmen scheint.
•• Zum Gießener LustverkehrS- Hasen-Projett. Die als Flugplatz für den Gießener Luftverkehrshafen in Aussicht genommene Ochsenwiese ist dieser Tage von dem amtlichen Sachverständigen Prof. Eberhardt- Darmstadt besichtigt und nach jeder Richtung hin als sehr gut geeignet für einen Lustverkehrshafen erster und zweiter Klasse befunden worden.
* * Ein militärischer Zapfenstreich des 1. Bataillons 15. Infanterie-RegimentS zu Ehren des scheidenden Regimentskommandeurs, Oberst Fett, dessen Dienststelle vom 15. Mai ab nach Kassel verlegt ist, findet morgen abend, gegen 9 Uhr beginnend, statt. Der Zapfenstreich wird von der Reuen Kaserne bis zur Zeughaus- kaserne ntarschieren. Lieber die Marschstraßen werden wir morgen berichten.
”* Personalien. Ernannt wurde der Regierungsbaurat Otto Derth zu Gießen vom 1. April an zum Oberbaurat. In den Ruhestand verseht wurde der Amtsrichter bei dem Antts- gcricht Friedberg, Aintsgerichtsrat Karl P ü ck e I, auf Rachsuchen mit Wirkung vom 1. Iuli ab.
• * D i e Ausübung der Leseholznutzung in den Domanlal- und Gemeindewaldungen ttt auf Grund ministerieller Anordnung in den Monaten Mai und Juni nicht mehr gestattet.
* *' Die Goldene Medaille für hervorragende Leistungen in der Musikinstrumentenbranche wurde der Firma R. Schönau in Gießen, Seltersweg, auf der in Offenbach veranstalteten


