Ausgabe 
12.5.1925
 
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Nr. NO Erstes Blatt

175. Jahrgang

Dienstag. 12. Mai 1925

Erscheint täglid), außer Sonn- und Feiertags.

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SietzenerAnzeiger

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Das deutsch-polnische Schiedsgericht.

Dl> Untersuchung des Stargarder Unglücks.

Da »ki g, 11. Mai. (I. U.) Das deutsch-pol- nisch-Danziger Schiedsgericht für den Durchgangs­verkehr im Korridor ist zlisammengetreten, um zu der Eifenbahnkatastrophe bei Stargard etellunc zu tiehmcn. Den Vorfis-, führte der dänische Gene­ralkonsul Koch, Deutschland war durch den (Bcneralkonsul o. Dirck sen vom Auswärtigen Amt und Oberregierungsrat S ch a u ch Dcrtretcii, 'Bolen durch Ministerialdirektor Moskea und Baron U n. Daitziger Vertreter waren an den Beratungen l icht beteiligt. Die Verhandluitgen, die auf Grund eines deutschen Antrages geführt wur­den, dauerten bis nach 3 Uhr. Das ^chicds.ericht dal vorläufig beschlossen, die Unfall stelle bei Stargard morgen zu besichtigen. An der Be- sichligunfl nehmen die Sachwalter und je zwei Sach­verständige von jeder Partei teil. »

Polnische Anmaßungen.

'Beilin, 12. Mai. (SU.) Halbamtlich. Ser Antrag der Reick sregicrung an das Dan­ziger Korridor-Schiedsgericht, den Z u st a n d der Durchgang öst recke im Äorriöor. auf der sich das Eisenbahn-Unglück vom 1. Mai er­eignete. zu untersuchen, hat ein: maßlose Gr- v <: fl u n fl in der polnischen Presse zur Folg: gehabt Deutschland wird nicht nur vor- qctooifcn. daß es dieses llnglüi politisch aus- ruhe, sondern es wird sogar beispielsweise in öffGazetta Poranny" und im Äurjer Pollki" iie nCfui 'öennutung auchestcll. daß dieses Mnglü.t von deutscher Seite au politi- s ch e n ;; to c d c n heivoraerusen worden )fi. Diese Realtion der polnischen öffentlichen Meinung aus einen rein sachlichen Antrag der Aei6)Hregierung muß aufs äußerste be­ste m d e n.

(Sine fol<fc Rotineird'g'eit, die Urfatc des An» gtüd3 objektiv sestzuß'llen, lag für die Rekchs- regicrun - schon b.-rin, daß fall nur Reichs, deutsche verunglück« sind und überwiegend Reichs» eeutsche täglich bk Hitgiuddftrcde durchfahren. Wenn man in Boten io fest überzeugt ift. toi: i'tfÄ auch von amt lieber Stelle zum Ausdruck gebracht worden i 1. daß das 'Unglück im 5Cor- ndor nur durch ein Attentat hervorgerufen wurde und an dem Juitniiö der (Sifcnbabnftrcrt: nichts auszufetzen fei. io könnte es auch vorn polnischen Standpunkt a u S nur b c« grüßt werden, trenn ei.e : nparteiische und hierzu rechtlich berufene Stelle den tatsäch­lichen Sachverhalt nachprust. Wenn end­lich die . Reczpospolita' die bezeichncnde An- regung gibt, daß Polen, selb,, wenn das Dan­ziger Schiedsgericht seine ck utschädigungspslicht feststellen würde, an Deutschland doch leinen Pfennig bezahlen soll, so ist demgegm- i'ber auf Artikel 21 des deutsch-pr.. . ... Danziger Abkommen > über den itorriöortxrtchr hinzu- wcisen. nach dem sich die vert ^agschließenden "-eile verpflichten, i i- Entscheidungen und Urteile des Schiedsgerichts loyal auSzuführen.

Der preußische tzaushastspian.

Höpker-Aschoffs (^tatsrcdc im ^andtnq.

Berlin. 11 Mai Das Haus tritt in die erste Beratung des Haushaltsplans für 1925 ein.

Der preußische Finanzministcr Dr. Höpler» Aschosf bringt den Haushalt ein und weist zunächst daraus hin. daß schwere Feiten hinter der preußischen Finanz >ertva11u>ig liegen Die 3cit der Inflation habe die Dinge so gestaltet, daß die Ausgaben nur zu einem Pro­zent durch eigene Einnahme n gedeckt werden -konnten. Preußen fei aus Fuschüsse angewiesen. Die Schaffung wertbeständiger An­leihen hab-: auch leine durchgreifende H.lse ge­bracht. Die Besolduiigszufchüsse deS Reiches hätten im April 1921 ausqehöit. Es wären dauernd: Einnah uea notwendig. Die Ab:nachuu- flen der Regierung hätten Erfolg gehabt. Eine Io große Staatsverwaltung wie di: preußische Müsse über einen genügenden Betriebs­fonds verfügen. Dcr gegenwärtige von fünfzig ^lillionen reiche nicht au**. Die Äolstandsaktion für die Landwirtschaft erfordert: erheb­liche Mittel, 6? Mill-.oncn stelle Pre :ßm al(:in ?ut Verfügung. Für weitere Mittel habe Preußen die Garantie übernommen, besonders der Staats» kin! gegenüber. Auch hi? Rotftandsaklic-n für den gewerblichen Ak i 11 e l st a n d erforderte ztroße Mittel. Das Reich habe bisher noch nicht das Erforderliche und Fugesagt: getan. (Härt! Hört!! Aamentlich den Heinen Unternehmern d:s gewerblichen Mittclstandes müsse geholfen wer­den. Der preußisch: Staat tonne nur aus den Mitteln des rechnungsmäßigen Hebcrschusses sowie aus anderen außerordentlichen Einnahmen Mittel für den gewerblichen Mittelstaird zur Der- j Fügung stellen. Reue Mittel lönnten dafür nicht geschaffen werden. Die Bcsoldungs- -rhöhung in Preußen erforderte allein einen ! Mehrbedarf von 170 Millionen und Preußen fei hier ja an das Reich gebunben .

Das tatsächliche Aufkommen des Jahres 1924 fei gegenüber dem Voranschläge um 14 Millionen znrückgeblieben. Großen Schaden habe besonders der Raubbau im besetzten Gebiet gebracht.

Der Borwurf der Thesaurierungspolitik sei völlig ungerecht. 15 Millionen Reichs entschäd ig,mg für Kriegsfolgen müßten baldigst verausgabt werden:

Der Einzug des Reichspräsidenten.

Hindenburgs Abreise aus Hannover.

Hannover, 11. Mai. (T. U.) Unter großer Aitleilnahmc der gesamten Bevölkerung Hannovers erfolgte heute nachmittag die Ab reife Gene- ralfeld marfchalls von Hindenburg, des neuen Reichspräsidenten. Die Straßen zeigten reichen Flaggenschmuck. Vor dem Bahnhof, beim Verlassen des Wagens, wurde der Reichspräsident ft ü r m i f d) begrüßt und bejubelt. O b e r Prä­sident 91 o 5 f c hielt auf dem Bahnsteig eine kurze Abfchiedsrede, auf die der Reichspräsident bewegt dankte. 9lad)bcm der Reichspräsident mit seiner Begleitung, in der man u. a. seinen Sohn, den Major von Hindenburg, und Gat- t i n bemerkte, in den Salonwagen gestiegen war, wurde dieser in den fahrplanmäßigen v-Zug ein­gestellt. Pünktlid) um 1.38 Uhr verließ der Fug den Bahnhof. Die Hurrarufe von einer großen Menschenmenge aus allen Kreisen der Bevölkerung Durdjbratifte die weite Halle.

Die NeichshauptstM rüstet.

Berlin in (^rwartnn^ des Reichs­präsidenten.

Berlin, 11. Mai. (TU.) Die Vorbereitun­gen zum Empfang des neuen Reichspräsidenten sind im Laus: d s h:utigrn Vormittags zu Ende geführt worden. Dcr:tts in den frühen Moraen- stunden erschienen in allen Stadtteilen Flaggen in den Farben des alten Reiches und der Republik, während auf den amtlichen Gebärd:,, erst morgen die Zahn n gehißt werden. Bereits heute früh zeigten die Zrgangsstrasi * zuin Kaiserdamm lebhaften Ber- Ichr. Uclereil sah man Ordner teils in Uniform, teils in schwarzem Anzug, die im Verein mit der Schutzpolizei d'e Abschnitte markieren, inner­halb derer sich die einzelne-' 'Verbände aufzu­stellen haben. Der Plan für die Aufstellung der ausinarfchicrendc., Organ-fatio ien ist von der Lei­tung der Schutzpolizei Berlin bis ins Kleinste geregelt worden DaS A ifgebot der Polizei war schon feit den frühesten Morgenstunden sehr groß, damit alle Störungen b:i dem AnmaZch her Abordnungen vermieden werden können. Dem Wunsche des Generalfeldmarschalls entsprechend, den Empfang so einfach wie möglich zu gestalten, hat man sich darauf beschränkt, auf dem Bahnßos Heerstraße nur Girlanden an.zu­bringen und den Trepvenüufgang mit b'ühenden Blattpflanzen und Lorbeerbäumen zu dekorieren.

In den ersten Ülachmittagsstunden entwickelte Jtd) in den Zugangsstraßen pnd auf dem ganzen Wege den der neue Reichspräsident heute abend nehmen wird, vom Bahnhof Heerstraße über den Rcichskanzlerplatz durch den Tiergarten bis zur Wilhelmstraße, ein lebhaftes Bild.

Am fiärlften tritt die Organisation des Sicher» heltsdrensteS in Erscheinung. Dcr ganze Weg, den der Reichspräsident nehmen wird, ist mit einer Kette von Schutzpolizisten umsäumt.

Alle zehn Meter steht ein Schupobeamier. Hun­dertschaften ziehen in geschlossenen Kolonnen zu ihren Standorten. An den wichtigeren Plätzen sind große Abteilungen in zwei Gliedern aus­gestellt. 'Alle Beamten tragen die neue, dunkel- Dlaue Uniform, Vic grüne ist ganz aus dem Strahcnbildc verschwunden. Berittene Patrouillen sieht man namentlich im Tiergarten, dazwischen Bereitschaften mit Kraftwagen. Radfahrerabtci- lungen und auch Sani'ätswachcn. Im Tiergarten hat eine Anzahl von Verbänden, Bereinen und siudentis'en Korporaüoncn bereits Ausstellung genommen. Wo die Plätze noch frei sind, zeigen Schilder die Standorte an. Das Publikum, das neben den Organisationen den Weg säumt, steht 3um Teil schon seit mehreren Stunden, um sich einen guten Platz zu sichern. Die meisten Leute tragen schwarz'.reihrole Zähnchen, die man über­all bei fliegenden Händlern laufen kann. Don den Aäufcgi wehen die Farben des alten Reichs. In Eharlottenburg und in der Rähe des Bahn­hofs Heerstraße sieht man auch schwarzrot­goldenen Fahnenschmuck. Unter den Linden haben viele Häuser Schwarzweiß geflaggt. Auch die fremden Vertretungen haben geflaggt. Die französische Botschaft hatte bereits in den BormittagSstunden die Flagge geiMt. Die Wil- helmstrahe ift von der Leipzige^ Straße ab gesperrt.

Aus dem Bahnhof Heerstraße.

Berlin, 1L Mai. (I.U.) Kurz »or 5 Uhr beginnt am Bahnhof Heerstraße die A u s s a hr t der Persönlichkeiten, die zum (Empfange des Reichspräsidenten auf dem Bahnhof erschienen sind. Das Spalier um den Reichskanzlerplatz ist sehr dicht. Der Lahnhoi Heerstraße ist um diese Zeit noch ver-

hättmsmäßig dünn besetzt. Der Bahnhof ixerfirofoc selbst, dessen Gleise in einem Geländeeinschnitt liegen, ist in weitem Umfange abgefperrt, im Osten auf etwa 150 Dieter von dem Bahnhofsaus­gang ab, im Westen etwa 100 Meter über die Bahnbrücke hinweg ift das Publikum zurückgedrängt. Der Bahnhof selbst trägt die Reichsdienst. flagge. Auf dem Bahnhof find große Aufgebote von «anitätskolonnen, Schutzpolizei und Bahn- polizei zu sehen. Die Zugänge für die geladenen Gäste sind aus allen Seiten frei gemacht. Em Heer von Photographen und Filmopera- teuren hat sich am Bahnhof aufgebaut, um den Präsidenten beim Betreten des Berliner Bodens zu photographieren. Etwa zehn Flugzeuge kreisen über dem Bahnhof. Aus bem Bahnsteig haben sich die offiziellen Persönlichkeiten zur Begrüßung ein- gesunden

Des Reichspräsidenten Ankunft.

Zwei Minuten vor der vorgesehenen Zeit traf Der fahrplanmäßige V-Zug HannoverBerlin aus dem festlich geschmückten Bahnhof H^rstraße in Berlin ein. Der er ft: Wagen nach dem Gepäck­wagen war der Salonwagen. Sofort nach Ankunft entstieg der Reichspräsident General­feld m a r s ch a 11 v. Hindenburg dem D- Zug, zuerst begrüßt vom Reichskanzler Dr. Luther. Zu seiner Linkei, stand das weißge- lleidcte zehnjähr'g? Töchterchen des Re'.chslanz- lerS und überreich'e mit einem kleinen Gedicht dem neuen Reichspräs deuten einen Blume : strauh. v. Hindenburg begrüßte dann den Reichsinnen- miiuster Schiele, Den Reichswehrminister Dr. Gehler. General v. E e e ck t und den Staats­sekretär Dr.'Meißner. Dann zog er Ober­bürgermeister Dr. Boß in ein Gespräch und ließ sich Admiral v. Zenker, den Stadtkom- mandante n von Berlin und den Dertreter des Wehrkreis Kommandos vorstc'l n Dann be­grüßte er den stellvertretenden Polizeipräsidenten Dr. F r i e d e n s d u r g Aus dem Bahnsteig waren außerdem noch anwesend der Präsident der Eisenbahn Direktion Berlin, der stellvertretende Stadtverordnetanvorstehe'' 3r E a I p a r tz. eine große Anzahl von Ehesredak­te, tren führender Blätter unb Rachrichl -nbureaus, ebensoVertreter Der ausländischen Presse unt> der Kommandant der Berliner Schutzpolizei, Oberst K a u ptz s ch.

Mit dem Reichspräsidenten waren seine Toch­ter und sein Schwiegersohn v. Brockhusen und sein Sohu. Major v. Hindenburg, gekommen. Gcneralfeldmarschall v. Hindenburg tiägt einen schwarzen Mantel, hohen Hut und Stock. Aach wenigen Minuten setzte sich der fahrplanmäßige Zug wieder in Bewegung. Generalfeldmarschall v. Hindp.rburg ging über den breiten Bahnsteig, begleitet vom Reichs­kanzler Dr. Luther auf der linken und dem Rcichsminister des Innern Dr. Schiele auf der rechten Seite nach der Bahnsteiglreppc von den Fahrgästen des Zuges u h von den zum Empfang anwZendeu Herren i t Hoch- und Hurra-Rufen begrüßt. Auf der großen breiten Fläche vor bem Bahnhof hatte sich eine große Zahl von Kindern eingesunden, die eben­falls Hock) und Hurra riefen. Beim Ausgang aus D?m Bahnsteig wurde den, Feldmarschall noch ein Flieders!rauh mit gelber Schleife überreicht.

Die Fahrt in die Stadt.

Als der Reichspräsident vor dem Bahnhof erschien und im Wagen Platz genommen hotte, sprach er einen de: wachthabenden Schutzpolizei- olfiziere an und fragte lhn, ob er ihn nicht schon irgendwo fcnncngclemt habe. Der Offi­zier bestätigte die Annahme des Generalfcld- marschalls und wurde von diesem mit freund­lichen Worten verabschiedet. Vom Jubel Der Menge begrüßt, setzte sich Der Kraftwagen des Reichspräsidenten langsam in Bewegung. Punkt 6 älhr fuhr Reichspräsident von Hindenburg über den

Neichskanzlerplah,

wo er von den aufgestellten Verbänden und der großen Volksmenge mit großem Jubel be­grüßt wurde. An der Spitze fuhren vier Polizeibeamte auf Motorrädern. In einem offe­nen Qlyto folgten bann der Polizeipräsident von Berlin. Dr. Friedensburg, und der Kom­mandeur der Berliner Schutzpolizei Oberff Kau« p i s ch. In einem zweiten offenen Auto sah neben dem Reichskanzler D r. Luther der Reichspräsident v. Hindenburg in Zivil und Zylinder, den er fortwährend zum Dank für die ihm gespendeten Beifallskund­gebungen vom Haupte nahm. In dem folgenden Wagen saßen dcr Sohn des Reichspräsidmtcn und dessen Gemahlin. Darauf folgten dm Ver­treter der Reichsregierung und des Reichspra-

50 Millionen Reichseirtfchädigung für verlorenes Staatseigentum mühten als Staatsvermögen wie­der angelegt werden: 25 Millionen ®cmctnbc» anteile seien den Gemeinden zur Verfügung zu steilem Der Haushalt für 1925 fei im Gleich­gewicht mit 2830 Millionen. Diefes Gleich­gewicht sei künstlich h e r g e st e 1 l t, da ein Einnahmeposten von 417 Millionen an erhöhten HcbmDeifungcn und erhöhten Steuereinnahmen eingestellt sei. In Wahrheit sei also ein Fehlbetrag in dicker Höhe vorhanden. Der Fehlbetrag von 417 Millionen würde auf 248,6 Millionen zurückgchen, wenn als Reichssteuer­aufkommen die Beträge eingestellt werden, die

der Staatssekretär Popitz jüngst im Aus schuh des Reichstages als vorausfichtllar^s Aufkommen des Jahres 1925 bezeichnet hab^ Bei den preußischen Einnahmen könne mit aewisfen Reserven ge­rechnet werden, allerhöchstens aber mit 50 Mil­lionen. Es bleibe* fobann ein Fehlbetrag von 202 Millionen, der nur durch eine bessere Ge­staltung des Finanzausgleichs besei­tigt werden könne. Das R^.ch überschätze Die Heber-» schüsse dcr preuß. Betriebsverwaltungen und die Erträge der Gewerbesteuer und der Hauszins- steuer. Das Reich gehe von falschen Borausfetzun- gen aus. und der Finanzausgleich mülle anders gestaltet werden. Insbesondere müfso das Reich

sidcnten-Durcaus. Während der ganzen Zeit wurde der Rcichskanzlerplatz von 12 Flug­zeugen überflogen . aus denen B l u n, e n- krünze zur Erde nieder geworfen wur­den. Sofort nach der Borbeisahrt des Reichs­präsidenten wurde der Kaiserdamm t>on einer Kette Schupoleuten geschlossen und die Verbände formierten sich zum Abmarsch. Alles vollzog sich in vollkommenster Ruhe und Ordnung

Bis ,6 älhr hatte das Spalier zu beiden Seiten des Kaiserdammes über den Sophie-Eha, - lotteplah bis zur Bsmarckstraße ein: 10» bis 15sache Stärke angenommen. Fenster und Bal.one der anliegenden Häuser toaren dicht gefüllt. Kurz vor sechs Hhr ertönten aus weiter Ferne die ersten Hochrufe, die das Rah?,, Reichspräsi­denten v. Hindenburg kündeten. Rachdeni > er Reichspräsident die Strecke passiert hatte faib' die Menge bei gesenkten Fahnen das 'Seutich- la nolieb. In geordneten Zügen zog^i bann die vaterländischen Verbände ab.

Einen impofanten Anblick boten öic Char­gierten von über 202 Korporationen und . Spalier. In der Ausstellung sah man u a An­gehörige der Forst-Akademie Eberswalde in ihrer kleidsamen grünen Uniform Auch einzeln dem Kartell republikanisd>?r Studenten ang.'hörende Korporationen hatten sich zum Empsana Hinden­burgs eingefunbciL Dahinter hatten aus der Frei­treppe der Technischen Hochschule die Präses- sorenschast aller Hochschule,, ml n Rektoren und Prorektoren an der Spitze Aus­stellung genommen.

Am Brandenburger Tor.

ließ ein Flieger bei der Ankunft des Reichs­präsidenten einen großen Lorbcertranz mit c icr Schleife in den Landcsfarben niebcrfalicn .:n 6.15 llhr paffierte unter überwältigenden .bei der Menge der Zug das Tor, voraus n e halbe Schwadron berittener S - n p o, dann das erste Auto mit dem Dolizeipräside c>, und dem Kommandeur der Schutzpolizei und dann Reichspräsident von Hindenburg mit cm Reichskanzler Dr. Luther Hinter dem Auto und auf der Seite Motorradfahrer und Die zweite Hälfte dec berittenen Schuposchwadron. Der iug bog dann langsam sahrcnd in das Re- gicrungsviertel ein. Kurz nach v ülhr wird die Wilhelmstraße am Ende iic» Reichskanzlergebäudes abgeriegelt. Rur noch Pu­blikum mit Ausweisen darf die Postenkette pas­sieren. Hm 6.20 Hhr Bewegung. Lebhaftes Tu- ^erschwenken kündet das Ankommen des Reiä s- präsidenten. Eine Abteilung Schupo sprengt im Galopp heran, dahinter Die Kraftwagen. Der Reichspräsident zieht grüßend Öen Hut ernst und würdig. In wenigen Augenblicken bicgi Der Zug i »c den Vorgarten des Reichs- lazier Palais ein. Mehrere Flug . ugc kreisen in niedriger Höhe über dem Gebäu.e.

Ein roter Relkenstrauß fällt in den Vor­garten. Eine Abteilung berittener Schupo be­schließt Den Zug und nimmt dann zusammen mit der Spihen-Abteilung Aufstellung vor Dem Rcichskanzlergebäude. Man sieht den Reichs- Präsidenten und den Reichskanzler das Auto verlassen. Der Reichspräsident begibt sich grü jenb und händeschüttelnd auf die Rwnpe. Sein greiseS ehrwürdiges Haupt sieht man über alle hinaus- ragen. Die gegen die Postenkette anftüinicnt'C Menge brich! in lauic Hochrufe aus. Das Deutsch­landlied wird mehrfach mit entblößtem Haupte gesungen. Hochrufe werden auf den neuen Reick)s- präsidcntcn und das Vaterland ausgebrach'. Sie berittene Schupo rückt um 6.30 Hhr ab. Ein starkes Polizeiaufgebot bleibt zurück, um die immer noch begeisterte und nicht zu beruhig?.ide Menge abzuhalten. Minister kommen und wahren zurück. So Reichsinnen Minister Schiele und der Staatssekretär des ReichSpräsid'n' ' Dr. Meißner. Hohe Mll tärs und andere Würd?: träger begeben sich ins Palais. Erst na..) er?r halben Stunde verteilt sich die Meng: allmählich.

Hindenburgs Dank an Berlin

Berlin, 12. Mai. (XU.) Wie die Morgen» blätter melden, hat der Reichspräsident nach (Ein­treffen im Reichskanzlerhaufe den, Reichskanzler Dr. Luther feine lebhafte Befriedigung übet den überaus herzlichen Empfang ausgedrückt, den die Bevölkerung der Reichshaupl- ftabt, Alt und Jung, ihm bereitet hat. Er fei befon- fonbers erfreut darüber gewesen, daß sich unter den spalierbildenden Vereinen und Korporationen in großer Zahl auch Vertreter gewerblicher Organisationen befunden hätten. Auch die Be­teiligung zahlreicher Vertreter aus allen Kreisen der deutschen Studentenschaft habe ihm eine be­sondere Freude bereitet.

auf 10 Prozent dcr Einkommen- und dcr KorPer- schaftsstcuer beschränkt werden.

Die Reichsfinanzverwaltung dürfe nicht alles in die Hand nehmen, nicht auch den letzten Rest der Selbstverwaltung von Ländern und Gemein­den vernichten. Würde diesem Bedenken Rech­nung getragen, so würde Preußen sich den Plä­nen des Reiches fügen. An Stelle der Vielheit von Steuern brauche Preußen weniger große Steuern. Erhaltung der Währung und Gesundung der Wirtschaft müsse die Pa­role fein. (Beifall.)

Die Aussprache über das Expose des Fi» nanzministers wird erst am Dienstag beginnen. ,