Die rote naschgar.
Roman von Fedor von Zvbeltitz
65 Fortsetzung (Rachdruck verboten.)
Graf Austien war auch wieder da — 6^ batte Derr eines Tages gehört, und er hätte ihn gern begrübt. Durch die Luft und das Waldesrauschen flog ihm auch die Nachricht au. da» i^retic ertrankt sei und sich der Aufenthalt AustienS infolgedessen verlängerte. Aber eine seltsame innere Scheu hielt ihn ab. gelegentltch nach Kappietsch zu reiten und sicy nach ihr zu erkundigen Er schob die Arbeitslast vor. die er zu bewältigen hatte - Austien konnte ja auch einmal bei ihm vorsprechen, der Weg war nicht weit dis zum Forftvorwerk - er fand leicht aller- band Ausflüchte, doch er gestand sich n'cht. Latz ihm der armselige Mut zu jener Totalsttmmung fehlte, die jede Peinlichkeit der Erinnerung über- brücken konnte. , _
Natürlich war das lächerlich. Freye war verlobt wie er mit einem lustigen Glückwunsch hätte man vielleicht alles Bedeutsame aus der Vergangenheit für immer in den Winkel schieben können Aber cS war so. daß Gert eine ganz heimliche Furcht vor dem Auge Freyes hatte. Alexe war seine künftige Frau, und gerade über sie hatte er sich ihr in den Sagen seiner Maien- sreude des öfteren recht herbe ausgesprochen.
Während man auf der Wosenburg ameilen- hast durcheinanderfuhr, unruhevoll betend, klagend und jammernd, weil man nicht wußte, waS werden sollte, wenn Alere nun daS Drustkreuz der Domina ablegte, rüstete man in Groß-Ponar zur Heber)tcblung nach Schwichelde An einem Herbstabend wollte man zum letztenmal im Schlosse gemeinsam speisen, rmd am Dormittag war Gert zu Fuß hinübergegangen. um mit dem alten Friedrich noch einiges über die Einrichtung seiner Zimmer zu besprechen. Theda und Hellmut waren schon in aller F'-ühe nach Schwi- chelde gefahren, auf dem Schlohhofe hielt ein grober Gepäckwagen mit dem Mobilar HellmutS. und in seiner Arbeitsstube herrschte noch eine «chaotische Unordnung. Er wollte seine kostbare Briefmarkensammlung eigenhändig verpacken. Kisten standen bereit, die Schränke waren geöff
net. auf Stühlen und auf dem Wittelnsche lagen Packen aufgeschichteter Äartonblätter. auf denen Die Marken febr sauber nach den Ländern und Jahrgängen. Fehlfarben. Varianten und besonderen Merkmalen ausgeklebt waren.
Gert warf einen flüchtigen Blick durch das Zimmer, das er als Konferenzraum für die Verhandlungen mit seinen Beamten bestimmt hatte, trat an das Fenster, schaute in den herbstlich Lunten Park hinaus und wollte das Gemach wieder verlassen, als er. am Mitteltische vorüberschreitend. unwillkürlich stutzte. Da schob sich zwischen den übereinander gehäuften Kartons ein Blatt vor. das seine Aufmerksamkeit erregte. Es hatte den Aufdruck , Freimarken für die russischen Postämter auberhald deS Reichs" und war in den ersten Reihen mit russischen Marken auS der Levante gefüllt. Heber jeder Marke stand in feinem Kleindruck das Erscheinungsjahr und die Beschreibung, darunter der Wert. Doch das interessierte Gert nicht. Er setzte sich an den Tisch. Er hatte am Seitenrande des BlaNeS ein paar Marken gesehen, die schon dadurch auffallend waren, bab sie nicht in die Reihen der Vordrucke pabten. sondern mit Tinte umzingelt waren und die Beschreibung in Handschrift auswiefen. Gert zog das Blatt vollends hervor, und da fühlte er. wie fein Herzschlag ungestüm wurde. Er starrte auf den Karton, er starrte auf die Marken am Rande Herrgott, das waren ja die beiden Eremplare der „roten Kaschgar". das gestempelte und bas ungestempelte, bic er burch Vermittlung des rusfifchen Generalkonsuls in Kaschgar erhalten und damals an Hellmut gesandt hatteI Natürlich waren sie es. die Marken mit dem weißen Adler in Hochprägung auf rotgenehtem Grunde, mit dem russischen Aufdruck und den drei chinesischen Schriftzeichen — und zum Heberslub stand auch noch darunter in der kleinen, feinen Handschrift Hellmuts: „2 Rubel Kaschgar. nur einen Tag im Handel, bann eingezvgen".
Mit mechanischer Bewegung schob Gert das Kartenblatt wieder auf seinen Platz zurück. Aber er erhob sich noch nicht. Wie eine Dleilast lag es ihm in den Gliedern. Er sammelte die Gedanken. War ein Irrtum möglich? Ganz unmöglich? Hellmut mußte unbedingt jenen Dries
aus Kaschgar erhalten haben, bat er adstrltt: Die Marken waren der Beweis! Hnb warum bestritt er den Empfang? Weil der Brief Zeugnis dafür ablegte, daß der Verschollene noch am Leben war. und weil die Todeserklärung aufrechterhalten werden mußte, damit die Heirat ThedaS ftattfinden konnte. Alles griff logisch ineinander.
Es war eine schmutzige Geschichte. Es war ein erbärmlicher Betrug. Wußte Alere darum? Gert fuhr in die Höhe. Ab ja. das war die Hauptsache, Hellmut. dem ewig Korrekten, dem Ehrenwann. konnte man den Schurkenstreich allenfalls verzeihen. Ein Schurkenstreich blieb es. Natürlich! Immerhin - und Gert grübelte wieder, dieser Betrug hatte seine Ehe lösen helfen. Aber steckte auch Ollere dahinter, so verbreiterte sich die Ehrlosigkeit der Gesinnung und vereinte sich zu einer hundsgemeinen Intrige, in der allerhand schändliche Motive zusarnmenslossen. Hnb hinter die wollte er kommen — er wollte sich Klarheit schaffen! —
Bei biefem letzten gemeinsamen Essen im Schlosse ging es sehr heiter zu. Qllcfc war in strahlender Laune und entwarf eine mutwillige Schilderung von der Verzweiflung ihrer alten StistSjungfern. von denen sich keine getraute. die Führerschaft zu übernehmen, weil dazu mehr Derwaltungstalent gehörte, als in ihre armen kleinen Dogelhirnchen bineinginq. Außerdem war die eine eifersüchtig auf die andere, man gönnte sich gegenseitig nicht das Aebtissinnenkreuz. und schließlich richtete sich der gemeinsame Zorn gegen Ollere, die es gewagt hatte, das Gesetz Der Ehelosigkeit zu durchbrechen. Man hatte im Äon- ventikel der Alten auch schon daran gedacht, den LandeSherrn um eine Abänderung des Fidei- kommißkoberes zu bitten, um es zu ermöglichen, »auch weitläufigere Verwandte der Horas und Meydings. nicht nur die weiblichen NamenS- träger, für stiftsfähig zu erklären.
..Olber dagegen habe ich von vornherein Einspruch erhoben," fuhr Alrxe fort, ..weil es eine Schmälerung der Reservatrechte unserer beiden Familien wäre. Es sind zudem auch kaum noch sogenannte weitläufigere Verwandte vorhanden, die in Frage kommen könnten. Freye wäre
scyliestt,« Die einzig«, und sie rennte au^ ctm. würdige Nachfolgerin werden, aber sie heiratet ja gleichfalls"
' Wann?- fragte Gert. Weißt du Näheres? Ich hätte sie gern einmal ausgesucht und Austien die Hand gedrückt, es fehlte mir nur bisher an Der Zeit."
,,6ic nehmen auch keine Besuche an, Gert." erwiderte Ollere hastig mir ist da etwas merkwürdiges passiert. Gestern erst — ich wollte es dir sowieso erzählen. Mein Oberförster hatte mich daraus ausmerksam gemacht, daß sich im Wiefenbufch an den Seen ein Schwarm Wildgänse zusammenaezogen habe, und da hatte ich Lust, sie auszuitöberu. weil sie gern in die junge Wintersaat einsallen und die jungen Spitzen abäsen. Unterwegs treffe ich auf einen einsamen Spaziergänger, dessen Erscheinung mir auffällt. und da flüstert mir mein Jäger denn auch schon zu: ..Das ist der fremde Herr aus Kap- pietsch, der das qnäbige Fräulein von Elstern heiraten will, es foll ein Gras aus dem Bbhmi' schen sein ..." I, denke ich. den muht du kennen lernen, lasse also halten und rede ihn fieunMid) an: stelle mich vor, freue mich, als Kusine F:*ycS seine Belannlschast zu machen, frage nach ihrem Befinden, kurzun'. bin artig und liebenswürdig, wie sich daS von selbst versteht. Er aber bleibt stest wie ein Pfahl, freilich den Hut in beu Hand und immerhin respektvoll, aber eiskalt, müt bewegungsloser Miene, und als ich ihm schließlich sage: ..Hoffentlich steht man Freye noch vor ihrer Abfile, vielleicht komme ich auch noch einmal zu ihr heran" — da antwortete er:
Ich bitte, davon abzusthen. gnädige Frau. Freye ist noch zu leidend, um Besuche empfangen zu können, sie muß sich deshalb auch die üblichen OlbschiedSvisiten ersparen ..Ein etwas wunderlicher Herr, dein Freund Austien, lieber Gert."
Gert überhörte anscheinend die letzte Wendung und fragte: .Hat er gesagt, zu wann er die Abreise festgesetzt hat?"
„Olein. Ich weiß auch gar nicht, ob er sich vorher hier trauen lassen wird, nehme eS aber -an. Er kann die Freye doch nicht als sein Feinsliebchen mit in die böhmischen Wälder nehmen."
(Fortsetzung folgt.)
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MmMhhSlMsWMIg
Freitag, den 20. Februar 1925, vormittags von 9 . Mbr ab, werden in der Hörleschen Wirtschaft in Merlau ^Bahnstation Mücke) auS den Forstorten Ahenboden. Linnenstruth, Hoheroth 1. Burgwald 1. 2, 8 9, Haag 1, 2. Eich- heege 1, 3, 5, und Eselskopf der Försterei Merlau, sowie Krahberg 1. 3, Sinnes 2, 3. 4, 5. 7, 9. 10, 11, und Kammerwald 11 berFörsterei Lehnheim versteigert. Schn itt- holz: 2 Eichen 2. Kl. = 2 Fstm.. 3 Eichen 3. Kl. — 3 Fstm., 5 Kiefern 2. Kl. — 8 Fstm.. 23 Kiefern 3. Kl. = 24 Fstm. Eichen-Stämme: 1 Stück 3. Kl. 1 Fstm., 17 Stück 4. Kl. 10 Fstm., 7 Stück 5. Kl. — 3 Fstm, 18 Stück 6. Kl. ; 4 Fstm., 4 Ahorn 4.-6. Kl. 2 Fstm., 6 Lärchen 3. Kl. 11 Fstm., 6 Lärchen 4. Kl. = 6 Fstm. Fichten: 2 Stück 2. Kl. - 7 Fstm., 24 Stück 3 Kl. 45 Fstm.. 45 Stück 4. Kl - 51 Fstm., 50 Stück 5,-Kl. = 33 Fstm., 172 Stück 5b-Kl. - 48 Fstm. 1 Weißtanne5a-Kl.—O,72Fstm. Kiefern: 8 Stück 2. Kl. -- 8 Fstm., 53 Stück 3. Kl. --- 150 Fstm., 56 Stück 4. Kl. = 39 Fstm^ 25 Stück 5 ÄL = 11 Fstm. 233 Stück Fichtenderbstangen — 17 Fstm. Nutz- scheiter: Rm.: 3 Kiefern (3 Mir. lang), 6 Lärchen (3 Mtr. lang), 7 Fichten 3 und 4 Mtr. lang). 16,5 Rm. Fichtennutz- knüppel (3 Mtr. lang). 12 Rm. Fichten- nuhrcisknüppel (Schichte). 306 Rm. Ftchtennuhrelstg (Latten- und Stangenholz in Schichten.
Das in Ahenboden, Hoheroth 1, Sin- arenstruth 1, Burgwald 1, 8, 9. Eichheege *1, 3, 5, Haag 1, SselSkops 2, und LinneS 3, 5, 7 und 11 zum AuSgebot kommende Holz ist rot gestrichen. Auskunft erteilen die Herren Forster Müller zu Mücke unb •Beintann zu Merlau (Post Mücke), sowie unterzeichnete Stelle.
Grünberg, den 10. Februar 1925.
Hessisches Fvrstamt Dieder-Ohmen.
Schneider- 1474V
Nutzholz-Submission
Das nachverzeichnete, imWinterl924 25 gefällte, mit Rinde gemeßene Holz, soll auf dem Wege der Submission verkauft werden. Angebote sind spätestens bis zum Donnerstag, dem 19. Februar 1925, vormittags 11 Ahr, bei uns einzureichen, woselbst auch die Verkaufsbe- bingunaen, benen sich bie Käufer mit der Einreichung ihrer Gebote unterwerfen, offenliegen.
Wegen Vorzeigung des Holzes wolle man sich an Forstwart BommerSheim, Dillingen, wenden.
Gichen-Schnittholz 0,77 Fstm. 3. Kl. Kiefern-Schnittholz 0.72 Fstm. 3 Kl. Duchen-Etämme 4,31 Fstm. 1. Kl., 3,51
Fstm. 2. Kl-, 1,97 Fstm. 3. Kl. 0,69 Fstm- 4. Kl.
Hainbuchen-Stämme 1,83 Fstm. 4. Kl., 5,00 Fstm. 5. Kl., 5,60 Fstm. 6. Kl.
Eichen-Stämme 1,47 Fstm. 2. Kl., 9,52 Fstm. 3. Kl., 52,34 Fstm. 4. Kl., 43,72 Fstm. 5. Kl., 74,48 Fstm. 6 Kl.
Kiefern-Stämme 4,15 Fstm. 2. Kl., 13,37 Fstm. 3. Kl., 17,26 Fstm. 4. Kl., 17,84 Fstm. 5. Kl.
Fichten-Stämme, Los 1 3,14 Fstm. 2. Kl., 9,27 Fstm. 3. Kl., 24,02 Fstm. 4. Kl., 36,28 Fstm. 5a- Kl., 14,29 Fstm. 5b- Kl. Los 2 1,96 Fstm. 4. Kl., 19,05 Fstm. 5a- Kl., 93,70 Fstm. 5b- Kl.
Fichten-Derbstangen 49,26 Fstm. 1. Kl., 8,60 Fstm. 2. Kl.
Hungen, den 10. Februar 1925. Bürgermeisterei Hungen.
Fendi. 1473V
Holzversteigerung.
Montag, den 16. Februar 1925, vormittags 8'i Hhr anfangenb, werden in den Waldungen der Gemeinde Allen- borf a. d. Lda., Distrikt Wand (1. Schuh- bezirk» folgende Holzsortimente versteigert:
1 Eichen-Stamm 2. Kl. mit 0,59 Fstm.
3 Eichen-Stämme 3. „ „ 1,76 „
24 „ 4. „ „ 10,91 „
32 „ 5. w . 11,91 „
20 „ 6. „ „ 5,53 .,
38 Rm. Eichen-Duhscheit, teils gespalten, teils rund
249 „ Buchen-, 22 Rm. Eichen-Scheit 230,5 „ „ 95,5 . Eichen, 2 Rm.
Kirschen-Knüppel 361 „ „ 81Rm. Eichen-Reißholz
29 „ 31 . „ Stockholz.
Zusammenkunft im Distritt Wand bei Brennholz Nr. 1.
Allendorf a. d. Lda., 10. Februar. 1925. Hess. Bürgermeisterei Allendorf a. b. 2ba.
Rein. 1442V
5ubmission§-holzverkaus.
Aus dem Walb bet Gemeinde Lehn- Heim soll das Kiefern» und Fichtenholz auf Bern Submissionswege verkauft werden:
Kiefern-Stämme:
3. Kl. 5 Fstm.
Fichten-Stämme: 1. Kl. 22 Fstm.
2. „ 62 .
3. „ HO „
4. „ 46 „
5a- „ 47 „
5b- B 3 .
Kieferngrubenholz zirka 10 Festm.
Angebote, bie von außen als solche kenntlich zu machen sind, müßen bis zum 23. Februar 1925, nachmittags 1 Llhr, bei ber Bürgermeisterei Lehnheim verschlossen nnd portofrei vorliegen. Die Gebote können nach Klaffen oder nach Durchschnittsangebote abgegeben werden. Das Holz ist ohne Rinde gemeßen und nicht geschält. Vorherige Einsichtnahme des Holzes wird einpfohlen, da spätere Einwendungen bezüglich Güte und Meffung des HolzeS keine Berücksichtigung sinden können. Wegen Einsichtnahme des Holzes wende man sich an Herrn Förster Edelmann, Merlau, auch erteilt jede weitere Auskunst unterzeichnete Stelle. Zahlungsbedingungen ein Drittel am Tage nach der Heberweisung, zweites Drittel 1. Mai, Rest 1. Juli 1925. Nach dem Fälligkeitstermin werden Bankzinsen berechnet. Verspätete Angebote finden keine Berücksichtigung. Zuschlagsfrist 8 Tage.
Lehnheim, den 9. Februar 1925. Hessische Bürgermeisterei Lehnheim.
Dickhardt. 1425V
Abbitte!
Die von mir am Donnerstag, den 5. Februar lsd. Is. gegen den Herrn Bürgermeister Müssig ausgesprochene Beleidigungen, nehme ich hiermit durch Abbitte und bereuend zurück und bedauere solcheWorte gebraucht zu haben
Heinrich Fahrt V. uöi d z. Beglg. Rüddingshausen, 9. Februar
Bürgermeisterei Rüddiugshausen
I. D.: Theis, Beigeordneter
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