Ausgabe 
11.11.1925
 
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hat. gemeinsame Lieder dec Versammlung, Te- dict'te und eine schöne Aufführung, die von Mit­gliedern der Mnrlus-Mädchenvereinigung gebo­ten wurden, wechselten miteinander ab und boten mancherlei Unterhaltsames und Besinnliches als Rahmen für den außerordentlich interessanten Lichtbildervortrag von Pfarrer D l i e d n e r - Wittenberg. Die Worte und Bilder gaben einen guten Einblick in das Leben unserer deutschen Änsiedlerfamilien im fernen Brasilien, und waren zugleich eine ernste Mahnung zur treuen Pflege unserer evangelischen und deutschen Geistesgaöen auck in der Heimat, im Sinne weltoffener Dienst- bereitsck-aft. Der Verkauf, der schon vor­mittags begonnen hatte, fand sehr regen Zuspruch und brachte dem Frauenverein einen schönen Erlös, der eine Weihnachtsbescherung für die Bedürftigen der Gemeinde wiederum ermöglicht. Mit Ernst und Humor dankte Kreisschulcat Fischer im Schlußwort allen, die zu diesem Tag mitgeholfen und mitgewirkt hatten, ins- besondere der treuen eifrigen Hilfe des Markus- scauenvereins, der unter Leitung seiner Vor­sitzenden Frau Happel durch monatelange Ar­beit diesen Tag vorbereitet hatte und auch bet der Feier selbst in Handhabung des Verkaufs und in freundlicher Bedienung mit vorzüglichem Kaffee und Kuchen die Hauptarbeitslast trug. Ruc durch die selbstlose Zusammenarbeit der Einzelnen, durch die vielen Gaben an Materia­lien für die Handarbeiten insbesondere von un­seren Geschäftsleuten und die großen Spenden an Küchen von den Gemeindemitgliedern war diese Gemcindefeier in dieser schönen Weise mög­lich. die die Zusammengehörigkeit als eine eng verbundene Gemeinschaft auch in dem äußeren Bild der Familienfeier hier zum Ausdruck brachte.

*' D i e ,.V ü r g e r g e s e l l s ch a ft Gie­ßen" beging im Katholischen Vereinshaus bei sehr gutem Besuch die Feier ihres 61jährigen Bestehens. Man berichtet uns hieriiber: Rau/ einleitenden Musikstücken ergriff der erste Vor­sitzende Fr. Hirsch das Wort zur Begrüßung. Der Abend wurde durch die Aufführung einer Operette in drei Akten ..D i e Ratsmädel" ausgesüllt. Die tief angelegte Handlung zeigte die Gegensätze der alten und der neuen Zeit. Die glückliche Besetzung der einzelnen Rollen ermög­lichte eine erstaunliche Wiedergabe des Stückes. Zeder dec Milwirkenden gab sein Bestes. Ein­zelne Ramen hier anzuführen, würde zu weit gehen. Der Dank des beifallsfreudigen Publi­kums kam zum Ausdruck in der Ueberreichung von zahlreichen Blumenspenden und sonstigen Angebinden. Richt unerwähnt sollen bleiben Herr A. Wickert, der die Orchesterleitung über­nommen hacke, und Herr M. Büttner, der für die Regie zeichnete. Beide haben durch ihre auf­opfernde Tätigkeit das Stück meisterhaft zur Vollendung gebracht. Anschließend überreichte der zweite Vorsitzende, Gg. Haubach, ein großes Bild sämtlicher Ehrenmitglieder. Den Schluß des Abends bilde.e ein Ball, der die Teilnehmer noch lange zusammenhielt. Wie uns ferner mitgeteilt wird, soll eine nochmalige Aufführung der Operette in Öen nächsten Tagen stattfinden.

* Lichtspielhaus B a h n h o f st r a ß e. Der amerikanische GrohfilmSie_ Karawane" zeigt in eindrucksvoller Weise die mühe- und ge­fahrvolle Reise eines riesigen Auswandererzuges durch unbekanntes Gebiet nach unbekanntem Land. Das Werk bringt Massenszenen von hervorragen­der Wirkung (Lagerleben, Flußübergang, In­dianer. Lieberfall, Präriebrand, Büfseljagd), die eine sehr geschickte Regie beweisen. Hervorzu­heben sind ferner die guten Leistungen der Haupt­darsteller; im ganzen ein Filmwerk, das in jeder Weise Beachtung verdient.z.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 71 -> UhrKönig Ricolo" (Ende nach 10 Ufa). Reichszentrale für Heimat­dienst: 7.30 Uhr, Reue Aula der Universität, Vortrag. Mittelstands-Vereinigung: 8 Uhr, Turnhalle. Wahlversammlung. Bund deutscher Militäranwärter. 8.30 Uhr, Vereinslokal, Mo­natsversammlung. Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Die Karawane".

Der Mieterverein beruft in un­serem heutigen Anzeigenteil eine öffentliche Mieterversammlung auf morgen abend in den Saalbau Sauer ein. Thema: Stadtverordneten­wahlen. Räheres in der Anzeige.

Die Vortragsvereinigung veran­staltet am morgigen Donnerstag einen Lichtbilder­vortrag über das Thema:Erfindung und Entwicklung des Buchdruck s". Bei der An­setzung dieses Vortragsabends ging die Vortragsver­einigung, wie man uns schreibt, von dem Gedanken aus, daß weiten Streifen unseres Volkes immer wieder Einblick in die für das Geistesleben aller Völker so wichtigen Kulturerrungenschaften, wie es doch die Schrift und das Buch darstellen, gegeben werden soll. 9n Wort und Bild wird der Besucher des Vortrags die Bedeutung des Buchdrucks und feinen raschen Entwicklungsgang kennen lernen.

Camera-Club Gießen 1920.

Am Freitag, 13. Rov., abends 81/, Uhr, hält der 2. Vorsitzende des Camera-Clubs Gießen im Hörsaale des Physikalischen Instituts an Hand von ca. 60 naturfarbigen Lichtbildern einen Vor­trag überDie Farbenphotographie in der

Praxis'- Hierzu teilt man uns mit: Rach einer kurzen Einführung in die praktische Anwendung der Farben-Photographie wird der Redner Auf­nahmen von farbenprächtigen Stilleben, von Per­sonen, von Landschaften und, was bisher wohl noch nirgends gezeigt wurde, von künstlerischen Ausnahmen aus unseren heimatlichen Wäldern Vorfahren. Gerade die Farbenphotographie ver­mag es. die Poesie des deutschen Waldes in stimmungsvoller Weise wiederzugeben, so das Erwachen des Frühlings im Walde, das Leben und Weben in den Sommermonaten und be­sonders den Farbenzauber des Laubwaldes im Herbst. Selbst die Farbenaufnahmen im Winter zeigen uns noch die vorhandenen Reize des Waldes, an denen viele Wanderer achtlos vor­übergehen. Der Besuch des Vortrages kann allen Raturfreunden und Liebhabern der Lichtbildkunst aufs wärmste empfohlen werden.

Der Geflügel- und Vogelzucht­verein Gießen hält am 28. und 29. November gemeinsam mit dem Brieftaubenklub G i e = ß c n eine Lokalausstellung auf der Liebigshöhe ab. Damit ist, wie man uns mitteilt, ein Preisschießen nebst Tombola verbunden, wobei sich Gelegenheit bietet, schöne Tiere und Gebrauchsgegenstände zu gewinnen. Die Ausstellung wird mit erstklassigen Tieren, die teilweise auf den letzten größeren Schauen, wie Hannover und Frankfurt a.M., höchst- prämiiert wurden, beschickt. >

Ein Presse-Prozetz in Gießen.

Wegen Beleidigung durch die Presse hatten sich gestern in einer Prioatklage vor dem Amtsgericht in Gießen die Redakteure Dr. David von denDeut­schen Hotel-Nachrichten" in Hamburg, Schild- meier von der ZeitungDas Gasthaus" in Berlin und Dr. Kirmse von derTageszeitung für Brauerei" in Berlin zu verantworten. Privatkläger war Prof. D. Hans Schmidt von hier. Die Privatbeklagten hatten in ihren Fachzeitungen einen Artikel des Generals von Kuhl abgedruckt, in dem zu der bekannten Schrift von Professor D. Hans SchmidtWarum haben wir den Krieg ver­loren?" kritisch Stellung genommen wurde. In dieser Schrift wird bekanntlich gegen den Alkohol­mißbrauch im Kriege scharf Front gemacht. Dem Abdruck des Kuhlschen Aufsatzes hatten die Privat- beklagten ein Einleitungswort vorangestellt, das schwere Beleidigungen für den Privatkläger enthielt, durch die sich dieser in seiner Ehre und in seinem öffentlichen Ansehen gekränkt fühlen mußte.

Auf die Privatklage von Prof. D. H. Schmidt kam es gestern vor dem hiesigen Amtsgericht zur Verhandlung, zu der beide Parteien persönlich er­schienen waren. Die Beklagten betonten, daß es sich auch in diesem Falle lediglich um einen Kampf zwischen der Abstinenzbewegung und ihren Gegnern gehandelt habe, daß sie bei der Niederschrift ihrer Zeilen den Prioatkläger gar nicht gekannt hätten, und daß sie bei der Stellungnahme gegen die Schmidtsche Schrift nur für ihre Uebcrzeugung ein- getreten seien; zugegeben wurde weiter, daß man allerdings in der Form dec Abwehr zu weit ge­gangen sei. Von der Seite des P r i v a t k l ä g e r s wurde heroorgehoben, daß sich die Klage lediglich gegen die ehrverletzende Form der Abwehr richte, den sachlichen Standpunkt der Beklagten aber völlig unangetastet lasse. Nach längerer Verhandlung boten die Beklagten durch ihren Rechtsbeistand einen Vergleich an in der Abgabe einer Erklärung, in der gesagt wird: Die Beklagten haben Prof. D. Hans Schmidt nicht beleidigen wollen, ins­besondere wollen sie ihm nicht den guten Glauben absprechen, sie geben zu, daß sie bei ihrer Kritik in der Form zu weit gegangen sind, und deshalb nehmen sie die ausgesprochenen Beleidigungen zu­rück, während sie andererseits erklären, daß sie auch heute noch den Standpunkt vertreten, daß die Folge­rungen des Privatklägers aus einzelnen Vorkomm­nissen von Alkoholmißbrauch an der Front zu weit gehen. Der Privat klüger erklärte nach Beratung mit seinem Rechtsbeistand, mit der Erklärung dec Beklagten zufriedengestellt zu sein. Die Erklärung bringen die Beklagten in ihren Zeitungen zum Ab­druck, außerdem übernehmen sie die Kosten des Verfahrens einfchl. der Kosten des Anwalts des Privatklägers. Nach Erfüllung dieser Abmachungen gilt die Privatklage als zurückgezogen.

Turnen. Sport und Spiel.

Dom 5. Bezirk im Turngau Hessen.

<£ Bad-Nauheim, 9. Noo. Unter Leitung der Bezirksturnwarte F. Hartmann (Bad-Nau­heim) und W. Lang (Langgöns) fand gestern hier die erste L e z i r t s o o r t u r n e r ft u n ö e des 5. Bezirks im Gau Hessen im Arbeitsjahce 1925/26 statt. 46 Turnwarte und Vorturner nahmen daran teil Durchgeturnt und eingehend besprochen wur­den die Freiübungen für die nächstjährigen Gau­oeranstaltungen, ferner die an den Geräten vor­geschriebenen Hebungen. Daneben stand die Turn­stunde in erster Linie im Dienste der Vorturneraus- bilbung. Die wichtigsten Grundübungen wurden in bezug auf Turnsprache und technische Ausführung behandelt, daneben waren der Aufbau der Hebungs- gruppen und des Riegenturnens der Vereine Gegen­stand gründlicher Belehrung. In der sich an die sehr anregend verlaufene Turnstunde anschließenden Besprechung erstattete der Bezirksturnwart Bericht

über die in Bezirk, Gau und Kreis im abgelaufe­nen Jahre stattgefundenen Veranstaltungen, dabei an manchen oteUen auch mit berechtigter Kritik nicht zurückhaltend. Am Gauturnfest in Fried­berg war der Bezirk mit 16 Musterriegen beteiligt, zum Hermannslauf stellte der Bezirk 308 Läufer und 22 Begleitmannschaften. Zu den T u r n« feste n führte der Bezirksturnwart aus, daß sie immer noch mehr von besonderer Weihe getragen fein müßten. Das dahingehende Bestreben der D. T. müsse die Unterstützung aller Vereine finden; auch die Abendunterhaltungen mancher Vereine bedürfen vielfach einer Veredelung. Zum Gauturnfest 1926 in Nidda, das voraussichtlich am zweiten Sonn­tag im Juli stattfindet, will der Bezirk eine B e - zirksriege stellen, die Massenübungen vorführen wird. Bedauert wurde, daß sich von den 25 Be­zirksvereinen bis jetzt nur vier an den Prüfungen für das Turn- und Sportabzeichen be­teiligt haben. Es wird erwartet, daß sich zum näch­sten Prüfungstermin, der nm kommenden Sonntag in Friedberg stattfindet, auch aus den Landvereinen mehr Bewerber einstellen. Die nächste Bezirks­vorturnerstunde findet am 6. Dezember in Butzbach statt. Beschlossen wurde, außer den plan­mäßigen Bezirksvorturnerstunden weitere Turn­stunden einzulegen, die dem besonderen Zweck der Vorturnerausbildung dienen sollen, ist un Vorturnerausbildung dienen sollen, ist und bleibt die Dorturnerschaft doch das Gerüst der Turnerschaft.

Handball int Gau Hessen.

Vaö-Rccuheim, 8. Rov. Das heute hier fällig gewesene Verbanösvorspiel zwischen Verein für Leibesübungen Marburg und Turnverein 1 860 Daö-Rauheim war das erste Spiel, das nach den neuen Regeln der D. T. für Handball durchgeführt wurde. Das Spiel nahm einen ruhigen, würdigen Verlauf. Aus beiden Seiten konnte sich jedoch infolge des schlechten Platzes und ungünstigen Witterung gute Arbeit im Sturm als auch in den übrigen Stellungen nicht entwickeln. Die Halbzeit endigte mit dem Ergebnis 3:1 für Dad-Rauheim. In der zweiten Halbzeit konnte Turnverein 1860 seinen Erfolg auf 4:1 erhöhen. Durch diesen Sieg rückt Tv. 1860 Dad-Rauheim mit 6 Punk­ten an die 2. Stelle im Gau Hessen. Hoffentlich gelingt es dem Verein, diesen Platz auch in den weiteren Spielen zu behaupten.

Gerichtssaal.

' Darmft t, 10. Rov. Das Dezirks- schöffengericht verurteilte den Kaufmann Georg Kammeratb aus Berlin wegen Ver­rats militärischer Geheimnisse zu 4 Monaten Gefängnis. K. war mit einem französischen Offizier in Mainz in Verbindung getreten, der ihn mit viel Geld bestach, daß er in die Reichswehr eintreten sollte, um darin zu spionieren. Die Verhandlung fand unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit statt.

Büchertisch.

Alfred Dreßler: Zwei Wege. Sonne­mann Verlag, Halle a. d. S. 621

Hessen-Rassauische Dücherei Bd. 13^ Gold- buft und blaue Berge. Ausgewählte Ge­dichte von Leo Sternberg (Heimatschollen-Verlag A. Bernecker, Melsungen). Preis 0,50 Mk. Eine volkstümliche Schulausgabe der Dersdichtu ng Sternbergs, der Stückrath einen wertvollen Bei­trag zu dec schwierigen Frage der Poesieerklä­rung als Cinfahrung voranstellt. Die Sammlung erstreckt sich vom Kindergedicht bis zur Lyrik und Ballade hohen Stils, was sie zum ausgiebigsten Schulgebrauch geeignet macht. Das billige und mit Federzeichnungen von Dahlen geschmackvoll als Taschenformat ausgestattete Bändchen wird aber darüber hinaus allen Freunden zeitgenössischer Dichtung willkommen sein. 675

Die japanische Pest". Roman von Ludwig A n t o n. Verlag Ernst Keil's Rachf. (August Scherl) G. m. b. H. Leipzig, König­straße 33. Preis: Ganzleinen Mk- 5.. Ein Roman dessen exotische, unheimliche Phantastik sich in allen Mysterien und seelischen Abgründen des östlichen Menschen bewegt und an Faszina­tionskraft nur mit den Erscheinungen jener Kul­tur selb stvergleichen werden faim, aus der er seine unergründlichen und seltsamen Motive schöpft. Die Jllusionskraft dieses Werkes gibt mehr als die bloße Vermittlung eines Racher- lebnisses. Man durchlebt es mit der ganzen Reizbarkeit und Empfindungsfähigkeit einer Hyp­nose, man sieht seine Ereignisse mit der Ueber- deutlichkeit einer Vision. 626

Einen neuen Almanachtyp haben Delha - gen & Klasings Monatshefte mit ihrem Almanach für 1 926 geschaffen. Während sonst die Jahrbücher dieser Art Erzählungen, Bilder und Alifjätze in möglichster Mannigfaltigkeit aus allen erdenklichen Gebieten zusammenfugten, h..den die Herausgeber dem neuen Almanach den Charakter eines bestimmten Stils ausgeprägt. Es ist ein Ro- kckojahrbuch geworden, in dem sich die gesellschafi- sich glänzendste Höhe unserer Kultur auf unge­wöhnlich reizvolle Weise spiegelt. Die Novellen von Hans Wolfram Geißler, Friedrich Freksa, Vicki Baum, Friede H. Kraze beschwören Gestalten und Stimmungen des 18. Jahrhunderts zu gegenwär­

tigem Leben, in künstlerisch geschliffenen Essay» schildern unsere besten Kulturhistoriker so bezeich­nende Erscheinungen rote Rokokogenerale, Hof­maler und Hofpoeten, gehen dem Geist der Zeit in Park- und Gattenskulpturen, in höfischen Festen, in Musikinstrumenten, selbst in Schönheitspfläster­chen nach. Professor Edmund Schaefer verdankt der Almanach den reichen farbigen Bilderschmuck. 670

Hans Leip: Godekes Knecht (bei Grechlein & Co. in Leipzig).' Von Seeräubern, Non- nen und Hanseaten wird erzählt. Hinter wildem Freiheitsdrang und erfahrener Besonnenheit erhebt sich der Schatten Störtebekers, dessen Name noch heute die Herzen erbeben läßt. Und mitten in die Handlung hineingestellt ist die machtvolle Gestalt des noch bedeutenderen Seeräuberhauptmanns Go bete Michels. Es sind die großen Erlebnisse und Taten des Magisters Wikbold, des urkundlich be­glaubigten Unterführers, dessen ungestilltes Dasein gleichsam über die Zeiten hinweg lebendig geblieben ist. Die wilde Handlung aus ferner Zeit wird ge­radezu ein Mantel für unsere Gegenwart, für den deutschen Menschen in seinen Besonderheiten und Zielen, die in nichts geändert sind seit damals. 579

Das wahre Gesicht der Hohenzol- lern. Aus fünf Jahrhunderten ihrer Familien­geschichte. Von Dr. Graßhoff. Verlag Gust. Ziemfen, Berlin-Lankwik. 192 S. Oktav, steif broschiert 3 Mk.

596

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden QLu.vi übernimmt die Redaktion dem Publikum ' 'norfung )

Bei der Kritik der Ausführung derBraut von Messina" hat das Publikum schlecht abge­schnitten, weil es durch Abwesenheit glänzte. Der Rüffel war gewiß berechtigt, aber man darf fragen, ob der Herr Referent sich auch die Gründe für den mangelhaften Besuch ausreichend klar gemacht hat. Hat er bedacht, daß das theaterliebende Publikum an vier Abenden in der Woche bereits in Anspruch genommen wird, daß man also annehmen darf, daß jeder, der am Theater Interesse nimmt, schon für einen Abend festgelegt ist? Kann man da Wittlich er- harten, daß sich außerhalb des Abonnements noch genügend Schaulustige finden, um den Raum zu füllen oder auch nur gähnende Leere zu ver­hindern? Wenn die Aufführung derBraut" mit soviel Liebe und Verständnis vorbereitet und durchgeführt war, wie der Sachverständige rühmt, warum, so darf man fragen, wird sie dann nicht in den Spielplan ausgenommen? Weil die Leute das Stückkennen"? Ach, du lieber Gott, wer kennt" denn heute dieBraut von Messina"? Es hätte keinem Abonnenten geschadet, wenn er sich an Schillers Pathos und Ethos hätte er­heben dürfen, auch auf die Gefahr hin, daß mancher Besucher, der eines andersartigen Reizes bedarf, sich dabei streckenweise gelangweilt hätte. Eine Sonderausführung wie die am Montag aber ist ein Schlag ins Wasser.

Einer, der auch nicht da war.

Anmerkung der Redaktion: Wenn wir recht unterrichtet sind, hat die Intendanz in srühren Iahren wohl Klassiker im Rahmen des Abonnements zur Aufführung gebracht, leider nur mit dem Ergebnis, daß zahlreiche Abonnenten ihre für den Klassikerabend gültigen Karten in Gutscheine für andere Aufführungen umtauschen, und auf diese Weise das Haus nicht einmal, sondern viermal leer stand. Es scheint uns also doch das pessimistische Urteil des Referenten nicht ganz unberechtigt zu sein!

Rundfunk-Programm

des frankfurter Senders.

(Aus derRadio-Umschau".) Donnerstag, 12. November.

3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Iugend: Herzige Geschichten von heiligen Pflichten, vor­getragen von Mittelschullehrer W. Klöppel. Gute Kameradschaft: Bruderzwist (für Kinder vom siebenten Iahre ab). 4.30 bis 6 Uhr: Rach» mittagskonzert des Hausorchesters: Alexander Borodin. 6 bis 6.30 Uhr: Die Lefestunde: Aus dem Buch: Unter Indianern Südamerikas, von Prof. Dr. Max Schmidt-Berlin. 6.30 bis 7 Uhr: Vortragszyklus der Industrie- und Handels­kammer Frankfurt a. M.-Hanau:Die neue Straßenverkehrsordnung". Vortrag von Syn­dikus Dr. Schmalz. 7 bis 7.30 Uhr: Uebertragung von Kassel: Intendant Paul Bekker spricht zur bevorstehenden Aufführung im Staatstheater über GlucksArmida". 7.30 bis 8 Uhr: Funkhoch­schule Frankfurt.Goethes Weltanschauungs­gedichte". Vortrag von Dozent Pfarrer Taesler. Fünfter Abend: Goethes weltanschauliche Spruchweisheit (Parabcfa, Epirrhema, Ante- pirrhema, Allerdings, Ultimatum; Aus den Spruchreihen). 8.30 bis 9.30 Uhr: Übertragung von Kassel: Gluck-Feier. 10 bis 11 Uhr: Reu- Oesterreichische Opern.

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