Ausgabe 
11.11.1925
 
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Nr. 265 Erstes Blatt <d

(75. Jahrgang

Mittwoch, (V November (925

Erscheint täglich,auher Sonntags und Feiertage.

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Dr. Fricdr. Wilh. Lange.

Verantwortlich: für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Lange: für den übrigen Test Ernst Blumschein: für den An­zeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen.

Hindenburg in Hessen.

Bon unserer Darmstädter Redaktion.

Bon Donnerstag abend bis Freitag mittag wird Reichspräsident v. Hindenburg in der hessischen Landeshauptstadt weilen: 'die Stadt Darmstadt und die hessische Regierung haben große Vorbereitungen zum Empfang getroffen. Im Mittelpunkte des Be­suches wird der offizielle Empfang am Freitag stehen, der in den neu hergerichteten Räumen des Alten Palais stattfindet, wo allein in Darmstadt Reprä entationsräume größe­ren Umfangs sind. Die Bevölkerung wird mehr­fach Gelegenheit haben den Reichspräsidenten zu sehen. Bom Bahnhof bis zum Hotel zur Traube, das im Mittelpunkte der Stadt und dicht bei dem Alten Palais liegt, werden die Bereine Spalier bilden. Bei dieser Gelegenheit offen­bart die Darmstädter Bevölkerung eine Ge­schlossenheit, die man bei anderen Gelegenheiten vergeblich sucht. An der Spalierbildung werden sich Bereine beteiligen, die auf politisch gegen­sätzlichem Boden stehen, wie die Vaterländischen Verbände und das Reichsbanner Schwarz-Rot- Gold. Die alten und die neuen Reichsfarben werden das Stadtbild beherrschen.

Es ist erst wenige Monate her, da wogte in Hessen der Wahlkampf um den Mann, der heute ohne Unterschied der Parteien gefeiert wird.Der beste Deutsche, dessen Rame den hellsten Klang in unserem Volke hat, ist bereit, uns zu führen." Diese Worte Dr. Jarres', damals als Ostcrbotschaft an die Wähler ge­richtet, haben im Verlauf der schwerwiegenden politischen Ereignisse, die sich seit der Präsident­schaft Hindenburgs ereignet haben, noch an Be­deutung gewonnen. Die Wahl Hindenburgs fiel in eine -Zeit argen Parteigezänks und leiden­schaftlichen ParteikampseL: wie hat sich seitdem, nicht ohne das ruhige, zielsichere Auftreten des Reichspräsidenten, auch in Hessen eine f e st e r e Zuversicht zu der Reichspolitik durchgescht. Hindenburg hat bewiesen, daß er kein Partei­mann ist: er verkörpert die Treue zu Volk und Staat, er ist gleichsam das Svmbol des Ver­antwortungsgefühls gegenüber der Gesamtheit. Gerade seine üoerparteiliche Staatsgesinnung hat es bewirkt, daß Hinden­burg überall, wo er in den Ländorn des Reiches seine offiziellen Besuche abstattete, von der Be­völkerung mit lebhafter Sympathie begrüßt wor­den ist. Dasselbe wird auch in Hessen der Fall sein. Gewiß gelten diese Huldigungen auch Hindenburg, dem großen Feldherrn, dem Be­freier Ostpreußens, aber jetzt ist es doch wohl mehr ein Ausdruck der Anerkennung der großen st a a t s m ä n n i s ch e n Führereigenschaften des Mannes, der für uns Deutsche die nationale Einheit des Reiches verkörpert und das Sinn­bild reinsten va erländischen Pflichtbewußt- fein s ist.

Aus dec A o t heraus ist Hindenburg seiner­zeit zu seiner militärischen Aufgabe berufen wor­den: die Rot berief ihn auch aus den Posten eines Vertrauensmannes des deutschen Volkes. Alle, die je mit ihm zusammenkamen, erzählen von der über egenen Ruhe, dem unendlichen Frieden den feine Persönlichkeit ausstrohlt. So berichtet von Hindenburg ein Besucher:Wo er ist, da umgibt er sich mit einer Atmosphäre der Ruhe und der Stille: aber es ist nicht die Ruhe der Untätigkeit und die Stille der Erholung, sondern es "ist die äußerste seelische Anspannung, es ist die g e i st i g e Kraft, die sich selbst immer in der Gewalt hat. Und gerade dieses Gespanntsein der ganzen Persönlichkeit macht es ihm möglich, nach außen hin diese Ruhe zu be­wahren, sich so ganz natürlich und ungezwungen zu geben in so manchem schlichten Wort und in so manchem harmlosen Scherz, wie er dem deutschen Gemüte eigen ist."

Der Besuch des Reichspräsidenten geht in Hessen unmittelbar den Provinzial- und Kommu- ualwahlen vorauf. Sein Kommen lenkt die Auf- merk'samleit eine Weile ab von den Partei­fehden. Es tr erden sich in der Landeshauptstadt die Vertreter der politischen Parteien dec ver­schiedensten Terufsgruppen und Schichten der Bevölkerung vor dem Reichspräsidenten vereinen und so äußerlich ein Bild des Ausgleichs und der Ver,öhnung widerstreitender innerpolitischer Inte.e sen bieten. Möge diese Stimmung zurück­strahlen auf unter ganzes Hessenland und fort» wirken auch über die kommenden Wahltage hinaus.

Abreise des Reichspräsidenten nach Süddeutschland.

Berlin, 10. Rov. (WB.) Der Reichs­präsident ist heute abend 8.54 Uhr nach Süddeutschland abgereist, um den Regierungen von Württemberg. Baden, Hessen einen Besuch abzustatten und anschließend auch die Stadt Frankfurt a. M. besuchen. In der Begleitung des Reichspräsidenten besinden sich Staatssekretär Dr. Meißner und der per­sönliche Adjutant Major v. Hindenburg.

Vorbereitungen in Darmstadt.

D a r m st a d t, 10. Rov. An d:r Spa­lierbildung beim Einzug Hindenburgs wer­den sich etwa 7000 Mann beteiligen; das Spalier steht zweigliedrig. Die Vereine werden Fackeln tragen. An der Aufstellung nehmen teil: die Regimentsvereine, die Turnerschaft, die Krieger­vereine, die Vaterländischen Verbände, die Stu­dentenschaft und das Reichsbanner Schwarz-Rot- Gold. Der S t u d e n s ch a f t werden sich auch einige studentische Abordnungen aus Gießen anschließen. An dem Empfang im

Kreditpolitik und Wirtschaft.

Eine Erklärung des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht zu seiner Amerikareie.

Reuyork, 11. Rov. (Kabeldienst der TU.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht gab im Beisein des Gouverneurs Strong vor der Presse Erklä­rungen ab, in denen er besonders darauf hinwies, daß alle Gerüchte, die seinen Besuch in Amerika mit der Errichtung eines Weltfinanzpaktes in Zusammenhang bringen wollten, vollkommen falsch seien. Er habe lediglich den Wunsch, das harmonische Zusammenarbeiien mit den Amerika­nern bei der Durchführung des Daroes- planes festzuslellen, wie es zwischen Parker Gilbert und den Deutschen durchgeführl werde. Dr. Schacht begrüßte es, daß er während seines Besuches Gelegenheit gehabt habe, sich mit vielen Bankiers auszusprechen. Deutschland müsse an den amerikanischen Finanzverhällnissen starkes Interesse nehmen, weil Amerika Deutschland durch Anleihen unterstütze. Die Reichsbank sei gegen alle Stadtanleihen, die keine produktive Verwendung fänden. Deshalb würden sie auch von einem besonderen Ausschuß überprüft. Anders lägen die Dinge bei der I n d u st r i e und bei der Landwirtschaft. Wenn diese Anleihen aus­nehmen, werde Deutschlands Produktivi­tät erhöht. Deutschland befinde sich besonders deshalb in einer schwierigen Lage, weil es neue Absatzmärkte suchen müsse, zumal sie teil­weise durch die neuen Zollgrenzen der n e u g e g r ü n d e t e n europäischen Staa­ten verschlossen seien. Deutschland brauche Zeil, um die Absatzmärkte zurückzuerobern oder neue zu gewinnen, lasse sich aber dadurch nicht ent­mutigen, denn es habe zwar sein Geld, aber nicht seinen 2U u f verloren.

Eine Preis-Enquete der Reichswirtschaft rates.

Berlin, 11. 9lou. Wie dieTägliche Rund­schau" meldet, beabsichtigt der Reichsroirtschaftsrat eine umfassende Erhebung über die Gründe der Preisbewegung anznstellen. Ein besonderer Ausschuß hat bereits einen Plan für diese Enquete aufgestellt, der im wesentlichen folgende Hauptpunkte enthält: Als allgemeine Faktoren bei der Preisbil­dung sollen untersucht werden die sozialpoliti­schen Momente: Lohnhöhe, Lebenshaltungs­kosten gegenüber den Vorkriegslöhnen, Lohnoerhält- niffe des Auslandes, Arbeitszeit. Anteil der Löhne an den Produktionskosten, Zusammenhang zwischen Lohn und Leist-ung sowie zwischen Arbeits­zeit und L e i st u n g.

Der zweite Hauptpunkt der Erhebung soll beson­ders aufschlußreiches Material ergeben. Es soll dis Rolle der steuerlichen Belastung in dec Preisentwicklung feftgestellt und dabei auch die Mög­lichkeit der Verminderung der Steuerlasten unter­sucht werden, sowie die Verteilung der Steuer­lasten auf die Wirtschaftszweige.

Der dritte Hauptpunkt ist der Anteil der Eisenbahnfracht und der sonstigen Unkosten des Güterverkehrs an der Preisgestaltung unter be­sonderer Berücksichtigung der Reparationsleistungen.

2(uf dem Gebiete der Wohnungs- und Bauwirt- schast werden die Kosten des Wohnungs­baues, die Finanzierungsbedingungen und die Entwicklung der freien Mieten im Ver­hältnis zur Vorkriegszeit untersucht. Ferner sind Erh'bungen über die Kredit- und Währungs­lage vorgesehen, darunter über die Währungs- und Kreditpolitik der Reichsregierung, über das Transfer­problem und die Kreditgebarung der öffentlichen und privaten Institute. Spezielle Untersuchungen sollen über die Preisverhältnisse bei der landwirtschaftlichen Produktion ange­stellt werden, so besonders die Frage der Steige­rungsmöglichkeiten der landwirtschaftlichen Erzeu­gung, der Ausbreitung der modernen technischen Verfahren, des Ausbaus und dec Möglichkeiten des Genossenschaftswesens und der Verschuldung der Landwirtschaft. Die Industrie - u n d Gewerbe-Enquete soll auch Material über die technischen Bedingungen der industriellen Produktion und ihren Einfluß auf die Preisverhält- nisse bei der industriellen Erzeugung ergeben. Der technische Zustand und die Verbesserungsmög- lichkeiten der Betriebe und die Organisation und Ar- beiisleistung sollen hierbei eingehend untersucht wer­den. Besonders geprüft wird auch der Stand der Rationalisierung und der Standardisierung in einzelnen Industriezweigen und die Frage der vertikalen und horizontalen Vertrustung.

Das Handwerk zur Preissenkungsaktwn.

Berlin, 10. Rov. (Tstl.) Der Reichs­kanzler empfing heute in Gegenwart des Reichsministcrs für Ernährung und Landwirt-

Alt:n Palais nehmen als Ve.treter der Landes- universitär der Rektor und der Cxrektor teil.

Das Frankfurter Besuchs- programrn.

Frankfurt a. M., 10. Rov. (WSR.) Reichspräsident von Hindenburg wird bei seiner Ankunft am Freitag, dem 13. Rovember um 12 Uhr 51 Min.. durch den Oberbürgermeister Dr. Landmann und die Spitzen dec Behörden feierlich be­grüßt werden. Anschließend an den Empfang erfolgt eine Fahrt über die Kaiserstraße zum Römer, wo die offizielle Begrüßung des

schäft Grasen Kanitz und des Staatssekre­tärs im Rcichswirtschaftsministerium Dr. Tren- delenburg Vertreter des Reichsverbandes des deutschen Handwerks und des Deutschen Hand­werks-- und Gewerbe-Kammertages zu einer Aus­sprache über die Preissenkungsattion. Die Ver­treter deö Handwerkes berichteten über die Maß­nahmen, die insbesondere von den Handwerks­und Gewerbekammern und den Fachverbänden des Handwerkes bisher eingeleitet worden seien. Ein abschließender Bericht werde der Reichsregie­rung in ganz kurzer Zeit zugehen. Bei der Be­sprechung kam erneut zum Ausdruck, daß eine wirksame 'Bekämpfung der Teuerung nur durch das Zusammenarbeiten aller an der Wirt­schaft beteiligten Kreise erreicht werden könne. Der Reichskanzler betonte, daß die Reichsregie­rung nicht beabsichtige, Sondermahnahmen gegen irgendeinen Berufsstand zu ergreifen. Die Preissenkungsaktion erstrecke sich vielmehr a u f alle Berufs st ände und habe die Beseiti­gung aller Hemmungen zum Ziel, die einer gesunden Preisbildung vorläufig noch entgegen« stehen.

Der europäische Zollverein.

Die SchriüzolLpoUt.k

der weltwirtschaftlichen (Großmächte.

Berlin, 10. Rov. (LU.) Der deutsch­nationale Reichstagsabgeordnete Dr. Lejeune- Iung siihrte in einer Rede überDie Handels­politik der weltwirtschaftlichen Großmächte und der europäische Zollverein" u. a. folgendes aus: Die Vereinigten Staaten von Ame­rika halten auch heute noch an ihrem alten System des Hochschuhzolles fest, obwohl sie aus einem Schuldnerland zum größten Gläubigerland der Welt geworden sind. Sie bringen dadurch Europa in eine immer größere Abhängigkeit von Amerika, ohne sich die Frage vorzulegen, welche Folgen sich für die Wirtschaft der europäischen Schuldnerstaaten ergeben müssen, wenn diese durch die amerika­nische Zollgesetzgebung dauernd daran gehin­dert werden, ihre Schulden an die Vereinigten Staaten durch Warenlieferungen zu verzinsen und abzutragen.

Auch England hat sich neuerdings vom alten Freihandelsprinzip tatsächlich abgewandt. Cs sucht eine Selbständigkeit gegenüber d:r großen amerikanischen Wirtschaftsmacht wieder zu er­ringen, richtet seine Zollmauer aber vor allem auch gegen das kontinentale Europa atff. Bezeichnend ist, daß selbst die Gewerk­schaften der englischen E:sen° und Stahlerzeugnisse eintreten.

Das Gleiche gilt von der Handelspolitik Frankreichs. Die französische Handelspolitik, die sich zum System der Reziprozität im Gegensatz zum System der Meistbegünstigung bekennt, sucht den französischen Markt möglichst gegen jede ausländische Koickurrenz zu sichern.

Rach kurzer Behandlung der spanischen und italienischen Zollgesetzgebung ging der Vortragende näher auf die russische Han­delspolitik ein: ..Der Wir.ung nach unterschei­det sich das russische Außenhandelsmono­pol nicht wesentlich von den Abfperrungsmaß- nahmen der westlichen Staaten einschließlich Ame­rikas. Die Meiftbegünstigungsvewräge, wie sie von Deutschland angestrebt werden, durchbrechen ebensowenig die Schranken eines Handelsmono­pols. wie sie die gesetzlich festgelegten unüber» steigbaren Minimalzölle der westeuropäischen Staaten abbauen können. Es ist aber zu be­grüßen, daß auch Rußland nunmehr Deutschland das Recht der meistbegünstigten Ration aner­kannt habe.

Trotz der Wandlungen, die gegenüber der Vorkriegszeit fast überall in dec Welt hinsicht- der ha.delspolitischen Einstellung der weltwirt­schaftlichen Großmächte festzustellen sind, hat Deutfchland an seiner 1878 eingeleiteten und durch den Zolltarif von 1902 abgeschlossenen. Zollpolitik festgehalten. Die deutschen Zolls he sind im allgemeinen wesentlich niedr ger als die Zollsätze in den ausländischen Zolltae.fen. Außerdem hat Deutschland bisher am Prinzip der M e i st b eg ü n st i g u n g festgehalten. Cs liegt also nicht in der deutschen Zoll- und Han­delspolitik begründet, wenn wir heute von der Verwirklichung des Gedankens eines europäi­schen Zollvereins ferner zu sein scheinen, beim je. Die Ausf uhr Deutschlands nach den Weststaaten Europas ist um mehr als d i e Hälfte zurückgegangen, während diese ihre Einfuhr nach Deutschland wesentlich ft eigen: tonnten.

Reichspräsidenten erfolgen wird, auf die der Reichspräsident wahrscheinlich antoorten wird. Dann findet im Kursürsten-immer des Römer ein Frühstück statt im Kreise geladener Gäste. Zwischen 3 und 5 Uhr wird der Reichspräsident eine Rundfahrt durch die Siadt unternehmen, vecschiebene öffentliche Gebäude sowie das S t a» dion besichtigen. Im Stadion weroen die Sportverbände dem Reichspräsidenten eine Huldigung barbringen. Abends ist eine Fest- vorstellung im Opernhause, Webei Mo­zartsFigaros Hochzeit" zur Aufführung gelangen wird. Rach der Vorstellung reift der Reichspräsident wieder nach Berlin zurück.

Freiheit für die deutsche Luftfahrt!

Zu Pressemeldungen über eine bevorstehende Rote der Dotschafterkonferenz, die sich auf die sogenannten Begriffsbestimmungen für die deut­sche Luftfahrt beziehen werde, bemerkt dieTäg­liche Rundschau", daß sich die Botschafterkon­ferenz in der vorigen Woche wohl mit dieser Materie beschäftigt habe, daß jedoch eine Rote bisher in Berlin nicht ein gegangen sei. Eine Entschließung der Botschafterkonferenz im Sinne einer Beseitigung der von ihr geschaffenen Beschränkungen der deutschen Luft­fahrt würde, so heißt es in dem Blatt weiter, schon deshalb natürlich angebracht erscheinen, Weik der fetzige Zustand in direktem Wi­der spruch zu dem Wortlaut des Ver­sailler Vertrages steht und auch über denjenigen des späteren Londoner Ultimatums hinausgeht, gang abgesehen davon, daß er

dem Geist von Locarno aufs schroffste zu- widerläust.

Das Blatt zitiert dann einen Artikel derDeut­schen Diplomatisch-politischen Korrespondenz", in dem ausgeführt wird, daß im Artikel 198 des Versailler Vertrages lediglich festgesetzt wird, daß die bewaffnete Macht Deutschlands keine Land- oder Marineluft st reitkräfte umfassen darf. Aach der allgemeinen Begriffs­bestimmung gilt als Militärflugzeug ein solches, das durch eine hierzu fommanbierte Militär Person befehligt wird. Ledig­lich gegenüber Deutschland hat man andere immer mehr komplizierte Begriffsbestimmun­gen angewandt. Vom Versailler Vertrag über das Londoner Ultimatum bis zur Rote der Bot­schafterkonferenz vom 24. Juni dieses Jahres läuft eine ununterbrochene Kette von verschär­fenden und trennenden Maßnahmen. Im Geist und im Sinne der in Locarno gemachten Ver­sprechungen muh erwartet werden, daß die will­kürlichen und auch mit dem Versailler Vertrag in Widerspruch stehenden Einschränkungen der deut­schen Zivilluftfahrt nunmehr beseitigt wer­den.

Die Antwort auf die Entrvaffnungsnote.

Reich und Länder Über die Polizeiftagen einig.

Berlin, 10. Roo. (TU.) Am 10. Rovember fand in der Reichskanzlei eine Besprechung über P o l i; e i f r a ge n mit den Innenministern der Länder statt, zu der auch einige Ministerpräsidenten erschienen waren. Es wurde völlige Einigkeit der Auffassung zwischen der Reichsregierung und den Ländern feftgestellt. wahrscheinlich ist die de u l s ch e Antwort auf die Rote der Votschasler- konseren; auf Grund dieser Aussprache noch heute nacht nach Paris abgegangen.

Don der Rheinlandkommisfion wieder zugelassen.

Koblenz, 10. Rov. Die Rheinlandkom- mission verfügte seinerzeit ohne Angab' Der Gründe, daß der Vizepräsident Geheimrat Schneider und der Reichsbe.hnarntmann W i r» bela uer von der Rcichsbahndirek.ion Mainz, die während des passiven Widerstandes ausge­wiesen worden waren, zurückkehren, aber ihre Dienstgescchäfte nicht wieder aufnehmen dürf­ten. Runmehr genehmigte die Rheinlandkom­mission, daß die Beamten die Arbeiten bei den alten Dienststellen wieder aufnehmen dür­fen.

Neue französische Kontumazurtei e.

Paris, 10. Rov. (TU.) Das Kriegsgericht in Amiens hat heute den deutschen Obersten W e i ck c vom 56. Infanterieregiment und Leutnant Schulz vom 17. Artillerieregiment in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Der Oberst soll 1914 in einem Gut bei Bcthencourt 12 Einwohner der Ortschaft zur Deckung feiner Truppen benutzt haben. Mehrere wurden dabei durch französische Kugeln ge­tötet. Bethencourt und das in der Nähe gelegene Dorf Alaincourt sollen auf Befehl des Obersten nie­dergebrannt worden fein. Die gegen Leutnant Schulz erhobene Anklage lautet dahin, daß er im September 1914 einen französischen Pächter er« schossen und dessen Gut feinen Mannschaften zur Plünderung überlassen habe.

Locarnodebatje im britischen Unterhaus.

London, 11. Rov. (W. T. B. Funkspruch.) Der Parl.'.m'ntsberichterstatter desDaily Tele­graph" berichtet, es fei bereits vereinbart wor­ben, daß die .Unter hau ssitzung am nächsten Mittwoch vollkomm n der Debatte über den Si- cherhcitsp. kr von Locarno gewimet werden soll. Es verlautet, daß keine formelle Ent­schließung eingebracht werden wird, sondern bah das stlntechaus diese Frage anläßlich eines Bertagunasantrages erörtern wird. Baldwin, Chamberlain, Macdonald und Lloyd George werben sich an der Debatte beteiligen.

Optimismus in England.

London, 10. Noo. (Wolfs.) Wie Reuter er» fahrt, wird der König von England voraus­sichtlich am 1. Dezember, an dem für die Unterzeich­nung der Locarnoverträge vorgesehenen Tage, den Unterzeichnern ein Bankett im Buckinahampalast □eben. Es werden im ganzen etwa 36 Persönlich-