Ausgabe 
11.8.1925
 
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gewälzt hätten und bei der Zollpolitik dasselbe Ziel verfolgten. Die Gesetzgebung sei zu einem Diktat der Mehrheit geworden. Das sei die Folge der Rechtsschwenkung der deutschen Wäh­ler. die die Quittung durch eine Verteuerung aller Lebens- und Dedarssmittel erhalten wür­den. Unter dem Beifall der Sozialdemokraten wendet sich die Rednerin gegen den Ermächti­gungsparagraphen. 2lenderungen könnten im Wege der Öffentlichen einfacheren Gesetzgebung erfolgen. Die in der Dorlage vorgesehene Ver­wendung von 50 Millionen Mark Zolleinnahmen für die Invalidenversicherung und kirchliche Ein­richtungen lehnt die Rednerin ab, weil sie nur der Vorlage ein soziales Mäntelchen umhängen wollten.

Abg. Meyer-Berlin (Dem.) teilt die rechtlichen Bedenken gegen den Ermächtigungs- Paragraphen und lehnt ihn ab. Ruch wirtschaft­lich bestünden ernste Einwendungen gegen diese Ermächtigung, die im Effekt nichts anderes als die Einführung von Dereitschaftszöllen bedeute, obwohl die Rechtsparteien Dereitschaftszölle ab­gelehnt hätten. Der Redner begründet dann einen demokratischen Antrag, der die Gül­tigkeit der Vorlage auf ein Jahr bis zum 3 1. Juli 1 926 beschränken will, während die Vorlage eine Gültigkeit bis zum 31. Juli 1927 vorsieht.

Präsident Lobe macht unter lebhaften Ent­rüstungskundgebungen der Linken Mitteilung von zwei Anträgen der Regierungsparteien. Der erste verlangt den Uebergang zur Tagesordnung über sämtliche Aenderungonträge zu den Paragraphen 1 bis 7.

Der zweite Antrag will die gesamte ZoUtaris- vorlage in einer Abstimmung vornehmen lassen.

Präsident Lobe erklärt dazu unter lebhaften Ent- entsprechenden Bestimmungen der Geschäftsord­nung, daß er immer die Geschäftsordnungsbe­stimmungen so ausgelegt Hobe, daß unmöglich ein großer Gesetzentwurf in einer einzigen Abstimmung erledigt werden könne. Diese Auslegung Hobe auch Abg. Emminger der Geschäftsordnung im Aeltesten- rat gegeben, ohne bei irgendeiner Partei Wider- spruch zu finden. (Hört! Hört! links.) Ein Streit über die Auslegung werde aber heute durch eine juristische Rechtsbelehrung wahrscheinlich nicht ent­schieden werden, und es werde wohl zum Mehr­heitsbeschluß kommen.

Abg. Leicht (Dayr. Vpt.) legt die vom Präsidenten zitierten Geschäftsordnungsbestim­mungen dahin aus, daß nach den Anträgen der Regierungsparteien verfahren werden könne. In ähnlichem Sinne sei auch bei dem Zolltarif von 1902 verfahren worden. (Ruf: Der Geist Kar» dorffs geht um!) Praktisch fei dieses Gebühren auch geboten, weil die Abstimmung über sämtliche vorliegenden Anträge noch eine halbe Woche in Anspruch nehmen würde. Der Reichstag befinde sich in einer Rot- lage. (Unruhe links.)

Präsident Löbe erklärt, 1902 sei die Sach­lage anders gewesen. Da sei nicht über das Gesetz im ganzen, sondern nur über die An­lage im ganzen abgestimmt worden. Gegen diese Gesamtabstimmung habe aber der damalige Präsident Dallestrem sehr ernste Be­denken geäußert.

Abg. Müller-Franken (Soz.) bezeichnet .die Anträge der Regierungsparteien als einen schnöden Mißbrauch der Mehrheit, als eine Ver­letzung aller parlamentarischen Grundsätze, wie sie nooj niemals dagewesen sei. Liebergang zur Tagesordnung werde nur beantragt über die An­träge der Opposition, nicht über die der Re­gierungsparteien. (Rufe bei den Kommunisten: Was sagt Reichsbannerkamerad Marx dazu?)

Abg. Koch-Weser (Dem.) hält gleichfalls die Anträge der Regierungsparteien für ganz unvereinbar mit der Geschäftsordnung. Es sei doch nicht zu viel verlangt, wenn über die Aende- rungsanträge ordnungsmäßig abgestimmt werde.

Abg. Wels (Soz.) erklärt, das Verhalten der Regierungsparteien sei die vollkommene Ver­leugnung ter Demokratie und des Parlamentaris­mus. Die Bevölkerung werde es verstehen, wenn unter diesen Umständen die Sozialdemokraten sich an der Fertigstellung des Gesetzes nicht weiter beteiligten, sondern die Regierungs­parteien vor aller Welt die Verantwortung allein tragen ließen.

Rach dieser Erklärung verlassen sämtliche sozialdemokratische Abgeordnete, soweit sie nicht dem Bureau angehören, den Saal.

Abg. Fehrenbach (Ztr.) sucht nachzu­weisen, daß die Geschäftsordnung doch das Ver­fahren der Regierungsparteien zulasse. Das soll­ten auch die Demokraten einsehen und im Saale bleiben.

Abg. Koch-Weser (Dem.) bleibt dabei, daß dos Vorgehen der Regierungsparteien schon bei den Steuervorlagen und noch mehr bei der Zollvorlage mit wahrem Parlamentarismus nichts zu tun habe. Die Demokraten würden sich an der Abstimmung nicht beteiligen.

Bei der Abstimmung über die Anträge er­heben sich die Mitglieder der Regierungsparteien mit Ausnahme mehrerer Zentrumsabgeord- neten. Die gesamte Zollvorlage wird in der Gefamtabstimmung in zweiter Beratung angenommen.

Hm V112 Uhr vertagt sich das Haus auf Mittwoch. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung der Zollvorlage, die zweite und dritte Beratung der Amnestie - Vorlage und die Beratung verschiedener Handelsverträge.

Der Aeltestenrat billigt Graess Geschäftsführung.

Berlin, 10. Aug. (WTB.) In einer mehr als zweistündigen Sitzung beschäftigte sich der Aeltestenrat des Reichstags mit den Vorkomm­nissen zu Beginn der heutigen Montagssitzung. Die Mehrheit des Aeltestenrates vertrat den Standpunkt, daß der Vizepräsident Gräf korrekt aufgetreten sei. Er hätte bei der Haltung der Kommunisten nichtandershan- dein können. Es sei ihm allerdings bei einem Abgeordneten ein Irrtum unterlaufen, der aber angesichts des großen Lärms als ver­ständlich b^eichnet wurde.

Dank des Reichspräsidenten an die Reichsbeamtenfchaft.

Berlin, 11. Aug. (TU.) Halbamtlich. Reichspräsident von Hindenburg empfing gestern auS Anlaß der Verabschiedung des Aufwertungs- und der Steuergesetze den Reichskanzler Dr. Luther, die Reichs­

minister Dr. von Schlieben und Dr. F r e n- k e n und die an der Vorbereitung und Durch­führung dieser Gesetze beteiligten leitenden Beamten der Reichsressorts. Der Reichsprä­sident sprach den erschienenen Herren namens des Reichs Anerkennung und Dank aus für die große Arbeitsleistung pnd besondere Mühewaltung, mit der sie diese schwierigen und wichtigen Gesche bearbeitet hät­ten. Er betonte, daß diese umstrittenen Gesetze zwar nicht alle an sie geknüpften Wünsche er­füllen könnten, er sei aber überzeugt, daß sie einen Fortschritt für Reich und Volk darstellten. Der Reichskanzler dankte dem Reichspräsidenten und gab die Versicherung ab, daß die Beamtenschaft des Reichs stets i m alten Geiste vollster Pflichttreue und restloser Hingabe dem Wohle der Allgemeinheit zu dienen bestrebt sein werde.

Der Reichspräsident hat ferner an den Reichsminister von Schlieben und an den Staatssekretär Pvpih persönliche Handschrei­ben gerichtet.

Das Schreiben an den Reichsminister der Fi­nalen hat folgenden Wortlaut:

Hochgeehrter Herr Reichsminister! Nachdem die große Gesetzgebungsarbeit zur Reform un­seres Steuerwesens, zur Regelung der viel- umstrittenen Aufwertungsfrage, zur Durchfüh­rung eines geordneten Reichshaushalts und zur Aenderung der Zolltarife im wesentlichen durch­geführt ist, ist es mir ein lebhaftes Bedürfnis, in erster Linie Ihnen, Herr Reichsminister für die schwere Arbeit, die Sie bewältigt, und den großen Dienst, den Sie damit unserem Dater- fanbe geleistet haben, namens des Reichs den herzlich st en Dank und aufrich­tige Anerkennung auszusprechen. Ich ver­binde damit den Wunsch, daß das Reich noch recht lange auf Ihre hingebende Arbeit und Ihre wertvollen Dienste möge rechnen können.

Mit freundlichem Gruß Ihr ergebenster gez. v. Hindenburg.

Auch den übrigen an diesem Gesetzgebungs­werk beteiligten leitenden Beamten des Reichs» ftnanzministeriums hat der Reichspräsident in einem anerkennenden Schreiben den Dank des Reiches ausgesprochen.

Deutsch-polnischer Notenwechsel

zur Optantenfrage. Deutschland schlägt beiderseitigen Verzicht auf die Ausweisung vor.

Danzig, 10. Aug. (TU.) Der polnische Ge­sandte in Berlin, Olszowski, hat dem deutschen Außenminister Dr. Stresemann im Auftrag der pol­nischen Regierung folgende Erklärung übergeben:

Ein Teil der deutschen Optanten, die im Sinne des Wiener Abkommens ihren Wohnort aus Polen nach Deutschland spätestens am 1. August 1925 hät­ten verlegen müssen, hat sich nicht an die Bestim­mungen gehalten und bis zu diesem Augenblick die Grenzen der Republik Polen noch nicht verlassen, während die polnischen Optanten in dem für sie gestellten Termin aus Deutschland entsprechend den ihnen von deutscher Seite erteilten Weisungen abgewandert sind. Die polnische Regierung wünscht mit allem Nachdruck festzustellen, daß die deutschen Optanten mit dem 1. August 1925 zu Auslän­dern geworden sind, deren Aufenthalt auf pol­nischem Gebiet n i ch t l o y a l ist und somit den pol­nischen Anordnungen unterworfen sind. Die Maß­nahmen werden nach den internationalen Ge­pflogenheiten gegenüber den Personen angewandt, die sich in dem Gebiet eines anderen Staates wider­rechtlich aufhalten.

Die polnische Regierung macht die deutsche Regierung gleichzeitig auf den § 4 des Artikels 12 der Wiener Konvention aufmerksam, der besagt, daß die vertragsschließenden Parteien sich damit einverstanden erklären, daß die Optanten, die sich der Verpflichtung, ihren bisherigen Wohn- sih in der festgelegten Zeit zu verlassen, nicht anpaffen wollen, an d ie Grenze abg escho- ben und den deutschen Behörden übergeben werden. Der Zutritt nach Polen kann diesen Personen für immer verboten werden. Die pol­nische Regierung muh jede Verantwortung für Konsequenzen, die sich für die deutschen Optanten aus diesem Rechtszustand ergeben, von sich wei­sen. Nichtsdestoweniger ist die polnische Regie­rung bereit, tote bereits einmal festgestellt ist, weiterhin den deutschen Behörden jegliche Hilfe und Unterstützung zu gewähren, damit sich die Abreise der Personen, die in kürzester Zeit er­folgen muß, in den Formen vollzieht, die den Optanten bei der Abwanderung möglichst alle Unbequemlichkeiten ersparen.

Der Relchsauhenminister hat der polnischen Gesandtschaft folgende Antwort zugehen lassen.

Nach den Feststellungen des deutschen Ge­neralkonsulats in Polen haben von den etwa 20 000 Personen, die als Optanten Polen am 1. August verlassen sollten, tatsächlich un­gefähr 17 000 d i e Grenze über­schritten. Den Rest von 3000 Personen bil­den zum weitaus größten Teil solche, denen auf Grund der zwischen der deutschen Gesandt­schaft in Warschau und dem polnischen Mini­sterium des Aeußern auf der Grundlage der gegenseitig getroffenen Vereinbarungen e i n Aufschub zugebilligt worden ist. Dagegen haben von den polnischen Optanten in Deutschland, deren Zahl zu Beginn des Jahres noch 14 000 bis 15 000 betrug, nur etwa 3500 das Reichsgebiet verlassen. An dieser zahlenmäßig geringen Abwanderung der polnischen Optanten aus Deutschland trifft die polnische Regierung insofern ein Verschulden, als die Aufstellung der Optantenlisten durch die polnischen Behörden den Bestimmungen des Wiener -Abkommens zum größten Teil nicht entsprochen hat. Dies hat nun zur Folge gehabt, daß den polnischen Optanten in Deutsch­land in vielen Fällen die Abwanderungsauf­forderung nur mit Verspätung zugestellt wer­den kann.

Die Rechtsgrundlage für die Abschiebung der zurückgebliebenen Optanten ist der deutschen Re­gierung bekannt und von ihr nicht bestritten wor­den. Das Auswärtige Amt weist jedoch darauf hin. daß die deutsche Gesandtschaft in Warschau wiederholt und bis in die letzte Zeit versucht hat, mit der polnischen Regierung zu einer

Verständigung über einen beiderseitigen Verzicht auf die Ausweisung der Optanten zu gelangen, und daß die Reichsregierung alle Zwangsmaßnahmen gegen die polnischen

Optanten in Deutschland nur angewandt hat und weiterhin nur anwenden wird, weil und insoweit die polnische Regierung mit ent­sprechenden Maßnahmen gegen die deutschen Optanten in Polen borge- gangen ist. Auch jetzt noch hat es in der Hand der polnischen Regierung gelegen, auf die Aus­übung des ihr nach Artikel 12 § 4 des Wiener Abkommens zustehenden Rechts zu verzichten und die noch in Polen verbliebenen Optanten' dort zu belassen. Tatsächlich hat Polen jedoch am 5. August dem Rest der dortigen deutschen Optan­ten die Aufforderung zugestellt, binnen 48 Stunden das Land zu verlassen und dadurch die deutsche Regierung zu den entsprechen­den Gegenmaßnahmen gezwungen. Es liegt nur in der Hand der polnischen Regierung, der früheren deutschen Anregung auf einen beider­seitigen Verzicht der Ausweisung der Op­tanten noch für diejenigen Optanten stattzugeben, die am 1. November d. I. und am 1. Juli nächsten Jahres abzuwandern haben und damit der Welt das beschämende Schauspiel noch zweimal si chwiederholenderMassen - ausweisungen zu ersparen. Die moralische Verantwortung für die Folgen aller derartigen Zwangsmaßnahmen fällt daher lediglich der pol­nischen Regierung zu.

Kleine politische Nachrichten.

Wie verlautet, werden die Familiender Besatzung voraussichtlich zwischen dem 18. und 20. August Düsseldorf verlassen. Vom 21. August ab Beginnt die Räumung durch die Truppen, so daß am 28. August die Räumung beendet sein wird.

Im Auswärtigen Amt wurde durch den Reichsauhenminister und den esthmschen Außen­minister der deutsch-esthnische Schieds­gerichts- und Vergleichsvertrag un­terzeichnet. Der Vertrag entspricht sowohl in seinem Aufbau als auch in allen wesentlichen Einzelbestimmungen den Schiedsverträgen, die von Deutschland in den letzten Jahren bereits mit anderen Staaten abgeschlossen wurden. Er sieht also für Konflikte rechtlicher Art ein Schieds­gerichtsverfahren, dagegen für Konflikte poli­tischer Art ein Vergleichsverfahren vor.

In Warschau verlautet, daß der polnische Botschafter in Washington. Wro­blewski, von seinem Posten abberufen worden ist. Er soll namentlich bei den Verhand­lungen über die polnische Anleihe in Amerika bestochen worden sein und sich dadurch ein großes Vermögen erworben haben. So hat er sich, wie die polnischen Blätter melden, in Biar­ritz eine palastartige Villa gekauft, ohne vorher ein Vermögen besessen zu haben.

Aus aller Welt.

Verleihung des Georg-Büchner-Preises.

Die diesjährigen Preisträger des Georg-Büchner- Preises sind der Schriftsteller Wilhelm Michel in Darmstadt und der Schriftkünstler Rudolf Koch in Offenbach. Die Preisurkunden haben folgenden Text:Das hessische Volk verleiht dem Schriftsteller Wilhelm Michel, dem feinsinnigen Denker und Mehrer deutschen Sprachguts, dem warmherzigen Künder deutschen Wesens den Georg- Büchner-Preis 1925."Der Schreiber Rudolf Koch hat in meisterlicher Weise die deutsche Schriftkunst erneuert und durch seine Schöpfungen bereichert, hierfür verleiht ihm das hessische Volk den Georg-Büchner-Preis 1925."

Schwere Unwetterschäden in Nordwestdentschland.

Ain Montagabend hat ein starkes Gewitter in Bremen und Umgegend großen schaden ange- richtet. Ein heftiger Sturm deckte zahlreiche Dächer ab und rief verschiedene kleine Brände hervor. Viele Starkstromleitungen sind zerrissen . Der Straßen­bahnverkehr mußte einige Stunden eingestellt wer­den. Aus der Umgegend von Bremen wurden meh­rere große Brände gemeldet. Schweres Unwetter wird auch aus Schleswig-Holstein gemeldet. Die Stadt Ueterf en nordwestlich Hamburgs wurde am Montagabend gegen 7 Uhr von einem schweren Zyklon heimgesucht, der mit Wol­kenbruch und Hagelschlag verbunden war. Da« Un- roetter dauerte eine Viertelstunde. Viele Dächer wur­den abqedeckt, tausende von Fensterscheiben zertrüm­mert. Zahlreiche Fabrikschornsteine stürzten ein. Die Fuhrwerke auf den Landstraßen wurden in die Wassergräben geworfen. Im benachbar­ten N e u e n d e i ch wurde von dem Wirbelsturm ein großes Bauernhaus zerstört. Nur der Schornstein steht noch. Das Wasser drang durch die zerfetzten Dächer in die Häuser der Stadt ein und richtete großen Schaden an. Die Stadt ist in Dunkel g e - h ü l l t, da die elektrischen Leitungen der Ueber- landzentrale zerstört sind. Verschiedene Personen "wurden durch die einstürzenden Schornsteine ver­letzt und dem Krankenhaus zugeführt. Der Schaden ist noch nicht zu übersehen.

Die neue hihwelle.

Der gestrige Montag brachte Berlin mit der Höchsttemperatur von 35 Grad den heißesten Tag des Jahres. In Magdeburg waren gestern so­gar 36 Grad im Schatten zu verzeichnen. In han­no v e r maß man 33, in Hamburg 31, in Aachen 30 Grad. In Ostdeutschland waren die Temperaturen niedriger. In Berlin forderte die Hitze zwei Todesopfer. Der Chauffeur Bol­lenrath, der mit seinem Auto vor einem Hause der Großbeerenstraße hielt, wurde vom hihschlag ge­troffen und verstarb, ehe ihm ärztliche Hilfe gebracht werden konnte. In den Abendstunden erlag der 43jährige Arbeiter Witte kurz nach seiner Rückkehr von der Arbeit bei der Abendmahlzeit.

Wettervoraussage.

Bei wechselnder Bewölkung zeitweise heiter, etwas wärmer, vorwiegend trocken.

Durch den Vorübergang einer Randbildung der nördlichen Störung ist das warme, trockene Som­merwetter von kühlerer Witterung abgelöst worden, und in unserem Bezirk gewitterhafter Regen nieder­gegangen. Zwar steigt das Barometer wieder an und ist zeitweise Aufbesserung zu erwarten, jedoch bleiben wir im allgemeinen unter westlicher bis nördlicher Luftzufuhr, so daß der Witterungscharak­ter veränderlich ist.

Temperaturen: Maximum 29,2, Minimum 18,5. Niederschläge 1,6. Morgentemperatur 19,1.

Aus Stadt und Lani).

Gießen, Ben 11. Aug.I 1225.

Gießener Wochenmarktprcise.

Es kostete das Pfund: Butter 210 bis 222, Matte 35 bis 40, Käse 65, Wirsing 25, Weiß­kraut 15, Rotkraut 30, Roterüben 20. Gclbrriibe.i 20 bis 30, Erbsen 30 bis 35, Zwiebeln 20, To- maten 30, RömiscUohl 15 bis 20, Dohnen 20 bis 30, Spinat 40 bis 50, Rhabarber 30, Brom- beeren 80, Himbeeren 70, Johannisbeeren 40, Pfirsiche 130, Mirabellen 60 bis 90, Reineklauden 50 bis 60, Zivetschen 60. Pflaumen 40, Birnen 5 Obis 60. Frühäpfel 30 bis 50. Falläpfel 7 bis 8, Weintrauben 80; das Stück: Salatgurken 30 bis 60, Einmachgurren 3 bis 6, Blumenkohl 10 bis 120, Ober-Kohlrabi 15 bis 20, Salat 5 bis 15, Erer 14 bis 15; das Pack Radieschen 20 Pf.

* Die Hihwelle, die seit Samstag über Mitteleuropa lag, ist einer kühleren Witterung gewichen. In den drei Tagen hat die Arbeit auf den Feldern tüchtige Fortschritte gemacht, und ein nicht unbeträchtlicher Teil der Ernte ist heimgebracht. Leider ist die erfolgte Ab- kühlung mit starken Niederschlägen verbunden gewesen, so daß die Körnerfrüchte wieder meh­rere Tage lang draußen bleiben müssen, sehr zum Schaden unserer schwer'kämpfenden Land­wirtschaft.

** Sonderzug zur Leipziger Herbst, messe. Anläßlich der Leipziger Herbstmesse wird auch ein Sonderzug mit 33z Prozent Fahr- Preisermäßigung von KoblenzMainz nach Leip. : zig verkehren, und zwar am 29. August. Ab. f a h r t z e i t des Zuges von Gießen 12.29 mit. tags, Ankunftzeit in Leipzig 7.58 Uhr abends. Aus­kunft, Meßabzeichen und Fahrkarten vermitteln der ehrenamtliche Vertreter des Meßamts für den Han« delskammerbezirk Gießen, Hermann Fuhr, i. Fa. I. h. Fuhr, Gießen, «onnenftraße 25, Fernsprecher Nr. 632, und das Derkehrsbureau des N. D. L., Th. Loos, Gießen, Am Kirchenplatz 13.

** Eine Krawatten-Aus ft elluno veranstaltet gegenwärtig die Firma Hermann; & Froitzheim in der Bahnhofstraße. Es ist hochinteressant zu sehen, wie die Mode, in der Aus druckssorm wechselnd, sachlich im Lause der Jahre doch immer die gleiche geblieben ist. Auch die Ära. matte wechselt mit den Kragenformen ihre Gestalt. So können wir über Schiller und Goethe zur Re­volution im Jahre 1848 und von da über die Gründerjahre bis zum heutigen Tage mit offenen Tagean den Kragen entlanggehend" ein Stück Kulturgeschichte schauen.

e*ünfere Fortbildungsschulen". In dem gleichnamigen Artikel unserer letzten Frauenbeilage muh es im letzten Satz der ersten Spalte richtig heißen: Die Tatsache, daß in diesem Jahre in manchen Landgemeinden der Unterricht während der Ernte nicht ge­schlossen wurde, beweist, daß die Mädchenfort­bildungsschule auf dem Lande Fortschritte macht.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 8.15 Uhr Verfafsungsfeier. Bauer» scher Gesangverein E. V.: 8.30 Uhr Postkeller, Ver­sammlung. Bund deutscher Militäranwärter: 9 Uhr Stadt Lieh, Monatsversammlung. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße: Der Glöckner von Rotte Dame.

Landkreis Gießen.

!*! Klein-Linden, 10. Aug. Bei der gestri­gen Beigeordnetenwahl wurde der Gärtner Friedrich Germer mit 241 Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat Wilhelm Rinn erhielt 156 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war sehr gering. Während bei der Bürgermeisterwahl 1072 Personen an die Wahlurne traten, waren es gestern kaum 400.

!*! Allendo rf a. d. Lahn, 10. Aug. Der seit­herige Beigeordnete Ludwig Binz II. wurde gestern mit 2-56 Stimmen wiedergewählt. Der außer­dem aufgestellte Ludwig Wagner erhielt 96 Stimmen.

> ®rüningen, 10. Aug. Gestern sand tn unserem Dorfe die BeigeordnetenwaU statt. Wie bei der Bürgermeisterwahl, so war auch diesmal die Wahlbeteiligung außerordentlich ftarf. Ungefähr 95 Prozent der Wahlberechtigten machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch: bei der Bürger meisterwahl waren es über 98 Prozent. Von 438 abgegebenen gültigen Stimmen entfielen auf Golk- fried'Engel 233, während Heinrich Hoffmann nur 205 auf sich vereinigen konnte. Gottfried En­gel ist somit zum Beigeordneten gewählt.

> Dorf-Gill, 10. Aug. Die gestrige B c i- geordnetenwahl verlief wie die letzte M- germeisterwahl ziemlich harmlos. Unser seitheriger Beigeordneter, Georg Kn öppe r. wurde ein stimmig wiedergewählt. Damit bleibt die Seitmtj unseres Dorfes in den alten Händen.

> 'Holzheirn, 10. Aug. Nachdem unser Bnv qermeifter wiedergewählt worden war, war es hier allgemeiner Wunsch, daß auch unser seitheriger Beigeordneter Heinrich Martin Kuhl im Anid bliebe. Dieser lehnte aber eine Wiederwahl entschie den ab. Es kam deshalb zur Aufstellung zweier neuer Kandidaten, der Landwirte .Heinrich Grieb 1 und Wilh. Konr. Georg Ohly. Bei der Mbftynmu^ entfielen von 544 abgegebenen gültigen Stimm« auf öen ersteren 347, auf den letzteren 197 Stil?' inen. Heinrich Grieb I. ist demnach für die näto ten 6 Jahre zum Beigeordneten gewählt.

> Oberhörgern, 10. Aug. Bei der geftr» gen Beigeordnetenwahl wurde unser seitheriger Bei.' 'geordneter Wilhelm Matthäus einstimmig w» dergewählt. Ungefähr 60 Proz. der Stimmderech tigten schritten zur Urne.

v. Londorf, 9. Aug. Heute fand im gerschen Saale ein Liedertag der unter Lo­tung des Musikers Schomber aus Beuern stehen I den Gesangvereine Arbeiter-Gesangverc'' ,.Union"»Londorf, _Teutonia"-Nordeck,Polhyk nia"-Beuern und Gesangverein Bersrod fa1- wozu als Gastvereine Gesangverein Kesselbau undFrohsinn"-Londorf erschienen waren. Veranstaltung nahm einen schönen, anregend« Verlauf und waren die Gesangsleistungen d« Vereine sehr gut. Man konnte sehen, daß de Gesang in den Vereinen gute Fortschritte maw Bei der heutigen Beigeordnetenwahl touö- der seitherige Beigeordnete SchuhmachermeiM Heinrich Wilhelm Hasse Ibach mit 199 Steffl; men einstimmig wiedergewählt, ein Beweis, d»'' sich derselbe allgemeiner Achtung und Belle» heit erfreut. . .

!'! Harbach, 10. Aua. Bee der gestM hier stattgefundenen Beigeordnetenwahl entnehm von den 258 Stimmen 132 auf den Landwa Georg Bi eh. Der Gegenkandidat Hering Scheid erhielt 126 Stimmen. Wahlberech^ waren 261 Personen.

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