Ausgabe 
11.8.1925
 
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Ä. 186 Stiles Blatt

Dienstag, U- August 1925

IZ5. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Drud und Verlag: vrühl'sche Universtlätr Buch und Steinörudcrei R. Lange in Sietzen. 5chriftleitnng und Seschäflrftelle: 8chulftratze 7.

(ranffurt a. M. 11686.

Kommunistenterror im Reichstag

..Herr Präsident? Tic haben die Unwahrheit ge

Diek^ nimmt längere Zeil in Anspruch, da

an.

t,

den ftom* den Saal

munisten mit wieder und er!

..Lügner!' Tribünen

einige Abgeordnete noch verspätet Eintreffen, die unter dem Beifall der Mehrheit zur Tribüne

sagt!" Andere Kommunisten rufen:

Aach etwa 5 Minuten werden die besucher wieder eingelassen

Vizepräsident Gräf betritt, von

Annahme von Anzeigen für die lagesnummctois zum Nachmittag vorher ohne jeüeVerbindlichNeit. preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichS, auswärts 10 Goldpfennig; für Re­klame-Anzeigen ü.70mm Brette 35 (Bolbpfennig, Platzvorschrist 20e/e Auf­schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: 1 )r. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein, für den An zeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen

F L:scheütt täglich, anher oDnni und Feiertag».

Beilagen:

Liehe nerFamttiendlötter Heimat im Bild.

ironati-Bezugsprets:

I i Boldmark u. 20 Gold« | sennig für Trägerlohn, | < id) bei Nichterscheinen | i m einzelnen Nummern »folge höherer Gewalt, zernsprech-Anschlüsse: 2d)riftkttiing 112, Der» n Viq undBe^häfts stelle 51.

«nschrist für Drahtnad)-

griedensunterhandlungen mit Abd el Krim?

Pa ris, 11. Aug. (TU.) Amtlich wird mitge» teilt, daß Pain leve gestern abend ein Tele­gramm von Primo de Rivera erhalten hat, daß ein Unterhändler Abd el Krims den General aufgesucht und erklärt habe, Abd el Ärtm

Pfuirufen empfangen klärt, er habe in der Zwischenzeit

eilen und ihre Karten abgeben. Große Heiter­keit erregt es, als eine 'Abgeordnete mit Hut, Mantel und Aeisetasche zur Tribüne eilt, um ihre Karte abzugeben. Während die Stimmkarten auSgezählt werden, richtet sich Vize­präsident Gräf an die Kommunisten und fragt den Abg. Schutz: Oft es richtig, daß Sie hinaus- gerufen haben:Sie alter Schiebe r?" Wit Zwischenrufen weist Abg. Dittmann (Soz.) darauf hin, daß vor der Feststellung der De- fchluhfähigkcit die Sitzung formell stattfinde. Das Ergebnis der Auszählung ist die Anwesenheit von 238 Abgeordneten. Das Haus ist also be­schlußunfähig, da neun Wgeordnete an der Mehrheit fehlen.

Vizepräsident Gräf beraumt darauf hin eine neue Sitzung auf 11 Tlhr an.

Aach Wiedereröffnung der Sitzung fragt Vizepräsident Gräf, ob der Abg. Schütz (Komm.) sich zu dem Vorwurf äußern wolle. Es stellt sich heraus, daß Abg. Schütz nicht im Saale ist. Vizepräsident Gräf erklärt, die vom Abg. Schütz gegen den Präsidenten gerichtete Bc- schimpsung sei so grob, daß ein Ordnung s- ruf nicht eine ausreichende Sühne sei. Er schließe darum den Abg. Schütz für den Rest der Sitzung aus

Abg. Schmidt (6.) wendet sich gegen die Agrarzölle, die den kleinen und mittleren Landwirten angesichts der durch den Zoll verteuer­ten Produktionsmittel keine Vorteile bringen könn­ten. Der Redner betonte dann zum Schluß, die Sozialdemokratie sei keineswegs landwirtschafts­feindlich.

Nach der Rede erklärte Vizepräsident Gräf, er habe bemerkt, daß der ausgewiefene Abg. Schütz den Saal wieder betreten habe Er fov dert Schütz zum Verlassen des Saales auf. Abg. Schütz kommt dieser Aufforderung nicht nach. Vizepräsident Gräf unterbricht daraufhin die Sitzung aus 10 Minuten. Nach Wiedereröffnung der Sitzung stellt Vizepräsident Gräf fest, daß der Abg. Schütz durch seine Weigerung, den Saal zu verlassen, sich automatisch auf acht Sitzungs­tage ausgeschlossen habe. Von den Kom­munisten wird laut gerufen: Sie haben nicht einmal den Aeltestenrctt einberufen. Diese Rufe steigern sich, als Vizepräsident Gräf den Abg. Schütz auf« fordert, nunmehr den Saal zu verlassen. Er erklärte daraufhin, der Zeitpunkt für die Einberufeung des Aeltestenrats fei in das pflichtmäßige Ermessen des Präsidenten gestellt. Da Abg. Schütz wiederum der zweiten Aufforderung nicht Folge leistet, erklärt der Vizepräsident, er habe sich damit automatisch auf 20 Sitzungstage ausgeschlossen. Wir werden jetzt den Abg. Schütz gewaltsam aus dem Saal entfernen lassen.

Nachdem auf Veranlassung des Präsidenten die Publlkumstribünen geräumt sind und die meisten Abgeordneten den Saal verlassen haben, betreten acht Polizeibeamte in Zivil den Saal, von den Kommunisten mit. Lärm empfangen. Sie treten auf den Abg. Schütz zu, der aus seinem Platze sitzt. Der Führer der Beamten redet auf ihn ein. Man be­obachtet einen kurzen Wortwechsel, dann packen die Beamten den Abg. Schütz am Genick und zerren den sich Sträubenden aus dem Saal. (Ein anderer Beamte gerät ins Handgemenge mit anderen Kom­munisten. Die Kommunisten begleiten diese Szene mit Pfuirufen. Als vizipräsident Gräf den Saal wieder betritt, rufen einige Kommunisten: Da kommt der Hausknecht?

Abg. Stöcker (Komm.) protestiert in einer ge- schästsordnungsmäßigen Bemerkung gegen das Aus­treten der Beamten, die dem Abg. Schütz, der sich ihrer Aufforderung widersetzte, brutal und viehisch behandelt hätten. Offenbar hätten sie entsprechende Instruktionen erhalten. Die Kommunisten begleiten diese Ausführungen mit Entrüstungskundgebungen.

Vizepräsident Gräf erteilt dem nächsten Redner zur Sache, dem Abg. Puh (Komm.), das Wort. Die Kommunisten weisen alsdann durch erregte Zwischenrufe darauf hin, daß die Tribünen noch immer geräumt sind. Der Vize­präsident erklärt, die Oessentlichkeit sei wicderherge stellt. Die Kommunisten be- ft retten dies mit lärmenden Zwischenrufen. Ein Kommunist ruft:Schämen Sie sich Herr Präsi­dent."

Daraufhin weist der Präsident den Abg. Weber aus dem Saal und unterbricht, als Weber seiner Aufforderung nicht Folge leistet, die Sitzung. Als in der Pause der Vizepräsident auf einen Moment den Saal be­tritt, weist Abg. Reubauer (Komm.) auf die noch immer geschlossenen Tribünentüren hin und ruft:

politisches Komplott im Saargebiet.

Saarbrüden, 10. Aug (WTD.) Die Po- .jebireftion teilt mit. daß sic einem politischen tvmplott auf die Spur gekommen ist. Durch ?tnrat war ihr bekannt geworden, daß am letzten <c>rntagabend die Entführung des Her - <u jgebers beö (im Dienste Frankreichs stehen-

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ib Recht.

>r. Robert: Dom en. Unkrfudjungtz ilionefragen und h -- und Mhwut- !. Braun. Halb!. deutsche wissenschait' nMöllingen in Ifren stlichen Zusommen- lche Folgen die bi- rgen durch die em- i müssen, und zwar dern auch in den Mage feiner Theo- linqt es 'M Lies- bedintzuntzslofer Er- migen. 61

von den PoMern, i- und Drganllatior*

die dretzehnie. U Jaturqeschichre o« er deutschm Soz>°l' IandeS -D-e Za nerlag W fcral® uns damit neu ge*

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sei zu Friedensverhandlungen bereit, wenn die Unabhängigkeit des Rifgebiets im voraus garantiert werde. 3m Widerspruch hiermit bringen die Pariser Blätter eine andere, arischem nend ebenfalls offiziös beeinflußte Meldung, nach der es keine Möglichkeit mehr gebe, mit Abd el Krim in Friedensoerhandlungen einzutreten. Der Führer der R ute habe sich ständig geweigert, auf der Grundlage des fpanifch-französifchen Frie- densvorschlags zu verhandeln. Die französische Re­gierung habe daher Befehl erteilt, alle Maßnahmen zur Durchführung einer großen Offen­sive zu treffen, um den Marokkokrieg möglichst bald zu beendigen. Auch Abd el Krim hat umfang­reiche Maßnahmen getroffen. Meldungen aus Casa­blanca besagen, daß der Führer der Rifleute durch Abgesandte große Massenaushebungen bei verichiedenen Stammen habe vornehmen lassen, be­sonders an der spanischen Zone. Alle nur irgend- wie verfügbaren Arbeitskräftc sind zum Bau von Stellungen herangezogen worden.

feftgcftcllt, daß nicht Abg Weder, sondern der Abg. Tor gier (Komm., die Zurufe macht«.

Mehrere Kommunisten rufen: ..Das habest Sie ja auch nicht einwandfrei sestgestelli

Abg. Torgler (Komm.) ruft:Sic Haden gelogen, als sie behaupteten, die Oessentlichkeit sei wieder hergestellt."

Abg. Torgler bleibt im Saal und die Sitzung wird noch einmal unterbrochen. Rach Wiedereröffnung der Sitzung durch den Vize­präsidenten rufen die KommunistenSic ver­letzen ja andauernd die Geschäftsordnung

Vizepräsident Graf ruft:Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß ich, wenn Sie jetzt nicht Ruhe geben, nicht davor zurückschrcckcn werd,, unter Umständen d i e ganze kommunisti- schc Fraktion auszufchließcnl" Darauf antworteten die Kommunisten mit lebhaften Pro­testrufen. Der Vizepräsident weist die kommu- nistischen Abg. Münzenberg, Gcschkc, Reddermeyer und Creuhburg au« dem Saal. Die Abgeordneten bleiben im Saale. Die Kommunisten rufen Ereuhburg ist ja in Holland!".

Rach der Antcrbrechung und Wiedereröff­nung der Sitzung stellt Dizepräsidet Gras fest, daß die Abgeordneten Torgler, Münzenberg, Geschke und Reddermeyer noch im Saale sind und unterbricht noch einmal die Sitzung und läßt die Tribünen und die AuSgewieseneu ge­waltsam auS dem Saale entfernen. Etwa 17 Polizeibeamte dollziehen den Ausschluß, ohne zu einer Gewaltanwendung genötigt zu sein.

Die Kommunisten rufen: ..Wir weichen der Gewall! Das ist tue Zollpolitik der ßutfjer- regierung. Vizepräsident Gräf beobachtet diese Szene. Die Kommunisten rufen:Der lacht noch dazu, der Henker?"

Rach Wiedereröffnung der Sitzung teilMsize- präsident Gräf mit, daß er nunmehr den Aeltestenrat auf 3 Uhr einberufen habe unter der Voraussetzung, daß bis dahin die Zwischen­fälle auf gehört haben.

Rach Wi^ereröffnung der Sitzung betont zunächst Abg. v. Richthvfen (Dem.), daß die im Interesse der Landwirtschaft dringend erforderliche Bildung landwirtschaftlicher Pro­duktionsmittel durch die in der Vorlage ent­haltenen Futtermittelzölle geradezu unmöglich ge­macht würde. Auch in ihren übrigen Teilen sei die Zollvorlage unannehmbar

Abg. Frau Riebur (Soz.) bekämpft die Agrarzölle, deren Wirkung nicht eine Intensivie­rung der landwirtschaftlichen Produktion fei, son­dern den Schuh der technisch zurückgebliebenen Betriebe bedeute. Die Römerin fordert die freie Einfuhr für Gefrierfleisch und lehnt die Kontin­gentierung ab.

Abg. Wissell (Soz.) bekämpft die Pro- duttionszölle der Vorlage. Die Regierungspar­teien hätten in ihrer Erklärung mit erfreulicher Offenheit zugegeben, daß sie selbst die Annahme der ^>llvorlage als einen Schritt ins Angewisse ansähen. Gewiß fei aber, daß die Zölle auf alle Waren verteuernd wirken und den inneren deut­schen Markt noch mehr beschränken würden zum Schaden der deutschen Wirtschaft.

Abg. fiemmer (Dem.) wendet sich vor allem gegen die Zölle auf Rohstoffe für die Fertig­warenindustrie. Mit den Eisenzöllen habe die Schwerindustrie einen Sieg über die für Deutsch­land besonders wichtige verarbeitende Industrie errungen und damit die deutsche Wirtschaft schwer geschädigt.

Abg. Weber (Ztr.) betont, man dürfe den Zoll­tarif nicht allein vom Äonfumentenftanbpunlt aus betrachten, sondern müsse das Interesse der Gesamtwirtschafl im Auge behalten. Die Zollvorlage sei mit Ernst, Gerechtigkeit und Sach­lichkeit so aufgebaut worden, daß auch die Der- draucher nicht übermäßig belastet werden.

Dann wendet sich das Haus der Besprechung der Uebergangsvorfchristen des Ermächtigungs­paragraphen

und der sozialen Bestimmungen der Vorlage zu

Abg. Frau Sender iSoz.» hält d.n Re­gierungsparteien vor, daß sie bei ihrer Steuer­politik 80 Prozent der Lasten auf die Massen

Oie Londoner dujammentunft.

London, 11. Aug Briand und feine Bc- Lleiter trafen gestern mit halbstündiger Verspätung 'M dem Viktoriabahnhose ein. Die heutigen Be echungen im Foreign Office werden nur den ^nzofischen Antwortentwurf auf die letzte deutsche ii te zum Gegenstand haben. Vorher wird Brianb i m Honig in feierlicher Audienz ipsangen werden. Daß der Verlauf der Ver­edlungen streng geheim gehalten wird, uh in Londoner politischen Kreisen lebhaft he­uert. Driand, der von Bertdelot, Froma- . o t und seinem Kabinettschef Leger begleitet I zeigte die beste Laune und war hinsichtlich des

> c, seines kurzen Londoner Besuches recht ,-imislisch. Briand gewährte kein eigenlliches In- oicm, aber Reuter kann doch melden, es bestehe i -mnlassung zu der Hoffnung, daß ein bedeutender I attschritt durch eine ein- bis zweistündige Aus- I mache erzielt werden könne. Ein Beamter aus Umgebung erklärte es für widersinnig, davon sprechen, daß die Meinungsverschiedenheiten zwi- i hm Frankreich und England ernstlicher Art seien, pr.anb sei nicht nach London gekommen, weil etwa flmbeinc Stockung bei den Verhandlungen ein- relen sei. 'N ichts d e r g l e i d) e n liege vor. tusache sei, daß sich nicht nur die beiden Minister, i nöcrn auch die beiden Regierungen in Ueber- | niimmuna befänden über die Grundlinien, aber c Franzosen hofften durch ihren Besuch Zeit zu . iren. Sie müßten sehr gut, wie leicht sich durch ,v»iönliche Fühlungnahme zweier Staatsmänner t Schwierigkeiten aus dem Wege räumen ließen, icntreid) halte cs für wünschenswert, daß bezüg- *1 Deutschlands eine rasche befriedigende Regelung ihre weiteren Aufschub erzielt werde. Auch die Lon-

ter Sonderberichterstatter der Pariser Blätter i ben diese optimistische Stimmung der französi- )«i Unterhändler hervor. Der Berichterstatter des lAatin", bcr Briand im Zuge begleitet, ist der ".t derzeuguW, daß einige Stunden genügen wer- !" i um eine endgültige Einigung zu erzielen. In i-riffem Gegensatz zu diesem voreiligen Optimis- steht die sachliche Darstellung der meisten Hatter, in der die noch vorhandenen englisch-fran-

i ifchen Widersprüche zusammengestellt werden. <re r Sonderberichterstatter desJournal" stellt die Hgenben Punkte auf:

1. England stimmt mit Frankreich darin über­ein, bah Deutschland ohne Vor­zug s b e h a n d 1 u n g dem Völker­bünde beitreten müsse. Briand habe bei feiner Ankunft ausdrücklich erklärt, bah er in diesem Punkte nicht nachgeben werbe.

2. 3n der Frage der Garantie der deut- schen Schiedsgerichtsverträge mit der Tschechoslowakei und Polen durch Frank­reich sei man in London geneigt, dem deutschen Standpunkte beizutreten, ba' Frankreich nicht gleichzeitig als oertragschliehender Teil und als Schiedsrichter auftreten könne. 3n Londoner Kreisen herrsche die Auffassung, dah diese Frage vielleicht in direkter Aussprache zwischen Deutschland und Frankreich geklärt werden könne, wozu England beiden Län­dern freie Hand lassen werde.

3. Frankreich stehe nach dem Versailler Vertrag für den Fall deutscher Verfehlungen das Recht zu, sofort Sanktionen zu ergrei­fen. Al» Verfehlungen würden alle verstöhe gegen ben Artikel 41 betrachtet. Deutsch­land stelle sich auf den Standpunkt, bah nach der Unterzeichnung des Garantiepaktes kein Grund mehr bestehe, die seine nationale würde und seine Ehre verletzenden Bestim- mungen des Artikels 44 beizubehalten. England sei in seiner Haltung, wie es bei der Ruhrbcsetzung bewiesen habe, stets gegen das Prinzip der Sank­tionen gewesen. Als enbgültige Entschei­dung wäre die Tatsache ausschlaggebend, dah Belgien und Frankreich in dieser Frage überein ft immen.

Nach einer Londoner Meldung desEcho be rari6" werden Briand und Chamberlain schon it >» 1 e sich über das Datum und ben T a - iiangsort bcr Konferenz verständigen, zu 1 cdie Deutschen eingelaben werben sollen, tiefe Konferenz, bic noch im Laufe dieses Monats f>f-mmentritt, wirb nur von für ter Dauer fein, da ' ib über den Eintritt Deutschlands in den Völker- 'mb verhonbelt werden wirb. Auf bcr Konferenz Im auherbem bic Probleme der deutschen A b - lii ftung besprochen werden

Danderveldes

Reise-Disposttionen.

vrussel, 11. Aug. (TU.) Der belgische Außen- i'iiftcr Vandervelde kehrt am Mittwoch aus tp»ia zurück, um den französischen Ant - rcr tentmurf zu prüfen. Ende bcr Woche be­t' I sich der Außenminister zum Sozialistenkongreß ad Marseille und bann nach Lonbon, um n September mit Brianb unb Cham - trlain in Genfzusammenzutreffen. Ij rberoclbe hat ausdrücklich erklärt, daß er vor der bneife nach Marseille den Pressevertretern eine n ;erc Erklärung über seinen Standpunkt zur irierheitsfrage abgeben werde.

Die Kommunisten haben sich anscheinend gemein- fam mit den Sozialdemokraten das Ziel gesteckt, das Reichstagsplenum nach allen Regelii der Kunst zu terrorisieren. 'Noch am Samstag herrschte großer Spektakel am Königsplatz, am Montag mußte wie­der einmal die Polizei einschreiten, um die wild gewordenen Kommunisten zur Ruhe zu brin­gen. Ne Parteien des Reichstages sollten sich an­gesichts der fortgesetzten beschämenden Zwischenfälle, wie sie von den Kommunister hervorgerufen werden, endlich einmal darüber klar werden, daß eine gründliche Wahlreform nötig ist, um die Berufung von Leuten in die Volksvertretung ein für allemal unmöglich zu machen, die mit anderen nicht anders als in dem Tone verkehren können, der in den Kaschemmen üblich ist.

Auch die Montagssitzung des Reichstages lieferte wieder etliche Proben kommunistischer Zügellosig­keit, wie wir sie seit der Hereinnahme der Kommu- nisten in das Parlament in immer stärkerem Maße erleben müssen. Don dem kommunistischen Abg. «ch ü tz wurde das Stichwort für die unerhörten Zwischenfälle und das spätere Eingreifen der Po­lizei gegeben. Auf die Aufforderung des Vizepräsi­denten an den Abg. Schütz, den Saal zu verlassen, reagierte dieser nicht, er tat so, als fei er schwer- hörig, so daß sich schließlich Herr G r a e f veranlaßt sah, die Sitzung schon wieder zu unterbrechen. Auch in der dritten Sitzung blieb Herr Schütt im Saal, jo daß jetzt der Vizepräsident die Polizei auf- marschieren lassen mußte. Die Tri­bünen wurden geräumt, ebenso verließen die Abgeordneten den SihuargSsaal. 3m nächsten Augenblick erschienen etwa zehn Kriminalbeamte, die kurzerhand den Abgeordneten Schütz aus dem Haufen feiner sich wie die Wilden gebärdenden Fraltionskollegen herausholteit und an die frische Luft setzten. Er wird also für die nächsten zwanzig Sitzungstage sich das Reichstagsgebäude von außen ansehen dürfen. 'Der Höhepunkt des Tu­mults trat aber erst ein, als sich Herr Graes schließlich gezwungen sah, den Ausschluß .der ganzen kommunistischen Fraktion anzudrohen, wenn diese ihren Lärm rncht exnftelle. Diese Drohung übte aber auf die Jünger Moskaus nicht den geringsten Einfluß aus, sie steigerten viel­mehr ihre Schimpfkanonade zu tosendem Lärm, so daß die Abgeordneten Münzenberg. Red- dermayer und Geschke zunächst für die Sitzung, bann, als sie im Saat blieben, auf acht Tage und fchliehlich auf zwanzig Tage ausge­schlossen wurden. Wieder mußten die Tribünen geräumt werden, wieder rückte eine Kolonne Kri­minalbeamter an, die ebenso, wie bie erste, von den Kommunisten angepöbelt wurde. Aber auch jetzt gelang es, die in Frage kommenden vier Abgeordneten aus dem Saal zu entfernen.

Damit war dann der Höhepunkt des Kommu- nistenkrawalls überschritten, es konnte endlich in der nächsten Sitzung in die Weiterberatung der Zollvorlage eingetreten werden, zu der natürlich nur die Vertreter der Opposition sprachen. Die Debatte wurde schließlich geschlossen. Mit starker Spannung sah man bcr weiteren Entwicklung der Dinge entgegen, ba man wußte, daß die Mehrheit entschlossen war, den Obstruktionsversu- chen der Linken entschieden entgegenzutreten. Sie brachte auch sogleich einen Antrag ein, wonach über alle Abänderungsanträge zur Tagesordnung übergegangen und die Ausschußbeschlüsse angenommen werden sollten. Damit war das Urteil über die 50 kommunisti­schen Abänderungsanträge gesprochen. Die Linke erhob stürmischen Protest. Kommunisten und Sozialdemokraten verliehen den Saal. Die Re­gierungsparteien erklärten dann den Antrag auf gemeinsame Abstimmung für zulässig und nahmen ihn darauf an. Damit war die zweite Lesung der Zollvorlage erledigt, die Abstimmungen in wenigen Minuten vorgenommen, die sonst meh­rere Tage gedauert hätten, ohne ein anderes Ergebnis gehabt zu haben.

. Sitzungsbericht.

Berlin, 10. Aug. Vizepräsident Gräf eröffnet die Sitzung um 10.20 illjr. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der 2. Be­ratung der Zollvorlage.

Abg. Stöcker (Komm.) beantragt Verta­gung um zwei Stunden und bezweifelt die Beschlußfähigkeit des Haufe s. Die Sozialdemokraten und Kommunisten verlassen den Saal. Vizepräsident Gräf ordnet Auszählung

sieben Verhafteten zum Teil dem Wehrwolf, zum Teil dem Bund Oberland und der 3ugenbg ruppe der D^utschnativna- len Dolkspartei an. Das meiste Belastungs­material ist bei Haussuchungen in St. Johann beschlagnahmt worden. Die Verhafteten geben an, im Auftrag eines Hauptmanns a. D Rudolf Oesterreicher aus München gehandelt und die Aufgabe gehabt zu haben, Dr. Schöttler nach München zu entführen, wo er vor ein Fehmegerichl gestellt werden sollte.

den) neuen Saarkuriers. Dr. Schött - l e r. ftattfinben sollte. Daraufhin wurde an dem fraglichen Abend die Wohnung Dr. Schöttlers durch Kriminalbeamte überwacht. Um Ö1/» Uhr abends drangen fünf junge Leute in das Haus ein, unter dem Vorwand, ben Wohnungs­inhaber in einer wichtigen Angelegenheit sprechen zu wollen. In dem Augenblick, als einer ber Männer gegen Dr. Schöttler tätlich vorgehen wollte, griffen die in der Wohnung Postierten Beamten ein und verhafteten bie Täter. Man fand bei ihnen verschiedene Handgranaten, zwei Bomben, eine Parabellumpistole unb Zün­der: außerdem Lebensrnittel für bie Reife nach München. Die Entführung nach Mün­chen sollte in dem Privatauto Dr. Schöttlers ftattfinben. Außer ben bereits verhafteten fünf jungen Leuten sind heute zwei weitere Der- haftungen Dorgenommen worden. Die Der haf­teten stehen im Aller von 16 bis 24 Jahren. Rach den oorgeftrnbenen Papieren gehören bie