Ausgabe 
11.7.1925
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

Samstag, U. Juli 1925

Ur. 160 Dritter Blatt

Vie Llettrizitätrversorgung der Staöt Gießen

3n der jüngsten Sitzung des Gießener Stadtparlaments gab Beigeordneter Dr.

i b im Namen der Stadtverwaltung die nachstehende Erklärung zu den im Provinzial- tag kürzlich gegen die Stadt Gießen erhobe­nen Vorwürfe ab. D. Red.

Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer Sitzung vom 13. Mai 1925 einstimmig beschlossen, den Stromlieferungoertrag mit den Kraftwerken Oberweser abzuschliehen. Dieser Beschluß hat in der letzten Sitzung des Prooinzialtags eine Kritik er- fahren, die als ungewöhnlich bezeichnet werden muß, und die um so befremdlicher erscheint, als die Der- Handlungen mit der Provinz sich stets in konzilian­ten Formen bewegten.

Das städtische Elektrizitätswerk hat vor dem Kriege den von ihm benötigten Strom selbst erzeugt. Infolge des steigenden Bedarfs wurde es 1919 not- wendig, sich nach einer Verstärkung der Stromerzeu­gung umzutun. Es bestand die Absicht, eine Dampf­turbine aufzustellen. Man kam jedoch hiervon ab, da Verhandlungen mit der Provinz Oberhessen auf deren Wunsch eingeleitet wurden, die zu einer Versorgung durch diese führten. Der am 19. Nov. 1919 abgeschlossene Vertrag lief am 1. April 1921 ab; er wurde von der Provinz bis zum 1.April 1922 verlängert. Eine weitere Verlängerung wurde jedoch nicht zugestanden. Die Bemühungen der Stadt, einen neuen Vertrag zu erhalten, führten zu kei­nem Ergebnis. Es wurde von der Provinz entgegen­gehalten, daß die gewünschte Strommenge im Ein­blick auf die Leistungsfähigkeit von Wölfersheim nicht zur Verfügung stünde und daß deswegen keine Verpflichtungen zur Stromlieferung übernommen werden könnten. Die Stadt ging sogar so weit, die Erbauung einer Leitung von Wölfersheim nach Gießen auf ihre Kosten in Vorschlag zu bringen. Die Provinz lehnte dies Anerbieten jedoch ab, da man keinen Fremdkörper im eigenen Gebiet haben wolle. Die Stadt Gießen erhielt von 1922 an ohne Vertrag gleichwohl von der Provinz Strom gelie­fert. Gleichzeitig bezog die Stadt noch Strom von den Buderusschen Eisenwerken in Wetzlar, da die Strommenge, die von der Provinz Oberhessen ab­genommen werden konnte, unzureichend war. Die Entwicklung des Stromabsatzes und der dringende Ersatz der veralteten Maschinen und Einrichtungen des Elektrizitätswerks führten notwendig dazu, die Stromversorgung auf eine ausreichende Grund­lage zu stellen. Es wurde zunächst die Frage der Eigenerzeugung eingehend geprüft. Wenn auch nach den Gutachten Sachverständiger die Eigenerzeu- gung durch Aufstellen neuer Maschinen bei der Gröhe des Absatzes als wirtschaftlich anzusehen ist und vielleicht günstigere Strompreise gebracht hätte als der Fremdbezug, so waren die zuständigen Aus­schüsse doch der Auffassung, daß die Rücksicht auf die hierzu erforderlichen erheblichen Kapitalien sowie die rasch voranschreitende Entwicklung der (Strom« erzeugungsmaschinen es rätlich erscheinen ließe, hier­von jetzt abzusehcn. Man beschloß vielmehr, sich ausschließlich auf Fremdstrombezug einzustellen. Als Lieferant hierfür kam zunächst die Provinz Oberhessen in Frage, mit der seit dem Jahre 1922 hierüber verhandelt wurde. Anfang 1924 traten die Kraftwerke Oberweser mit der Absicht auf den Plan, eine 100 000-Volt-Leitung von »orten nach der Stadt Frankfurt auf Grund eines mit dieser träge» schlossenen Vertrags zu führen. Die Kraftwerke traten an die Stadt Gießen wegen einer Strom­abnahme heran; es mag dazu bemerkt werden, daß schon 1912 Verhandlungen mit diesen geführt wor­den waren, die nur deswegen zu keinem Ergebnis führten, weil sie damals nicht über genügende Strommengen für die Versorgung der Stadt ver­fügten. Daraufhin wurde in gleicher Weise tind gleichzeitig mit der Provinz Oberhessen und mit den Kraftwerken Oberweser wegen eines Stromliefe­rungsoertrages verhandelt; dies war auch beiden Teilen bekannt. Es wäre nicht zu verantworten ge­wesen, wenn die Stadt die Berücksichtigung dieses Angebots von vornherein abgelehnt hätte, weil es Fremdlinge" waren.

Da der bezogene Strom im freien Wettbewerb weiterverkauft werden muß, bedarf es wohl kei­ner besonderen Begründung, daß ein Stromliefe- rungsverlrag zunächst nach wirtschaftlichen Gesichts- punkten geprüft werden muß. Die Stadtverwaltung hat im Einvernehmen mit den zuständigen ftädti-

fchen Ausschüssen jedoch immer den Standpunkt Der* treten, daß bei etwa gleichen Bedingungen der Pro­vinz Oberhesien der Vorzug gebühre mit Rück- sicht auf die Zugehörigkeit der Stadt Gießen zur Provinz. Beiden Teilen, sowohl der Provinz Ober- Hessen wie Oberweser, wurde dieser Standpunkt wie­derholt mitgeteilt. Er wird auch von keinem Gerecht- denkenden beanstandet werden können. Die Erlan­gung günstiger Stromlieferungspreise von dem Lie­ferer ist von grundlegender Bedeutung für die Gtri­ftens jedes Elektrizitätswerkes. Es ist bekannt, daß gerade in den letzten Jahren die Dieselmotoren eine ernste Konkurenz für die Elektrizitätswerke gewor­ben sind, die nur durch niedrige Strompreise be­kämpft werden kann. Ebenso gewiß ist es, daß indu- ftrieUe Anlagen bei der Entscheidung der Frage, ob sie Strom von dem Elektrizitätswerk beziehen ober eigene Kraftanlagen auffteUen, lebiglidj nach bem Preis ber bezogenen Kilowattstunden urteilen.

Wenn das Elektrizitätswerk sich daher eine Stei­gerung feines Absatzes, die im Interesse größerer Wirtschaftlichkeit unbedingt erfolgen muß, nicht un­möglich machen will, muß es in der Lage sein, den (Strom zu konkurrenzfähigen Preisen zu liefern. Dies setzt aber notwendig voraus, daß seine Bezugspreise dies gestatten.

Die Stadt hat mit den beiden Dertragskontra- henten in durchaus gleicher Weise verhandelt. Der (taoii|d)e Betriebsausschuß hat sowohl die Kraft­anlage derOberweser"-Kraftwerke wie die Kraft­werke Wölfersheim und Lißberg besichtigt, um sich durch Augenschein über ihre ßeiftungsfätjigfeit zu vergewissern.

Ferner war bei diesen Besichtigungen sowohl den Vertretern der Provinz Oberhessen wie von Ober- wefer Gelegenheit geboten, ihre Auffassung und die Vorteile des mit ihnen abzuschließenden Vertrags den Mitgliedern des Betriebsausschusses vorzutra- gen; dies ist auch geschehen. Der Ausschuß hat die Vertragsangebote der beiden Teile auf Grund er­statteter Gutachten nach folgenden Gesichtspunkten geprüft:

1. Preis der Kilowattstunde;

2. Sicherheit der Belieferung;

3. Möglichkeit der Leistungssteigerung.

Das Ergebnis war folgendes: Zu 1. Der Preis für die Kilowattstunde stellt sich nach den Bedingun­gen von Oberweser g ü n ft i g e r als bei Ober- Hessen. Nach einer Mitteilung im Provinzialtag steht eine Erhöhung der Strompreise von Wölfersheim bevor; nach dem Vertragsentwurf war die Provinz berechtigt, höhere Preise von der Stadt zu fordern, wenn die von ihr an den Staat $u zahlenden Preise sich erhöhten. Es wäre also bei einem Ver­tragsabschluß mit der Provinz u. U. eine Preiser­höhung eingetreten, bevor eine Lieferung begonnen hätte. Zu 2. Für die Sicherheit der Belieferung kommt neben einer ausreichenden Kraftanlage auch eine zuverlässige und genügend starke Leitung in Frage. Hierzu ist zu bemerken, daß die Oberweser- Kraftwerke über insgesamt rund 77 000 Kilowatt verfügen, von denen 54 000 durch Dampf und 23 000 durch Wasserkraft erzeugt werden. Auf die Ober- roeferleitung arbeiten u. a. das neuerbaute Kraft­werk Borken und das Loffewerk bei Kassel. Don den Wasserkraftwerken sind besonders die allgemein bekannte Edertalsperre und die Main-Wasserkraftan- lagen zwischen Frankfurt und Hanau anzuführen. Das staatliche Kraftwerk Wölfersheim besitzt eine Leistungsfähigkeit von 9000 Kilo matt; es liegt dem Landtage eine Vorlage vor, wonach eine wei­tere Turbine von 5000 Kilowatt ausgestellt werden soll. Das Spitzenwerk Lißberg besitzt zwei Tur­binen von 900 und 1200 Kilowatt. Hinsichtlich der Leitung ist zu bemerken, daß die Provinz eine 20 000-Volt-Leitung zur Versorgung der Stadt an­legen wollte, während Oberweser mit einer 100 000- Bolt-Leitung unmittelbar an den Toren der Stadt vorbeigeht. Zu 3. Für die Möglichkeit der Leistungs­steigerung gilt folgendes: Nach bem Vertrag ber Provinz wäre mit einer Höchstleistung von 1500 Kilowatt bei 100 Prozent Reserve zu rechnen; eine barüber hinausgehende Steigerung erfordert neue Aufwendungen. Daneben sollte bas allgemeine Ver­teilungsnetz so ausgebaut werben, baß bie Möglich­keit zur Abnahme von 1000 Kilowatt besteht. Dieses kann aber mit Rücksicht auf bie burch bie zahlreichen Zwischenabnehmer möglichen Span­nungsschwankungen und Störungen nicht als eine

Fräulein Fob.

Roman von Anders E j e.

18. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

»Aber solange die Ehe der Mehrheit der sich nach den gesellschaftsmoralischen Gesehen richtenden Leuten als die Pforte zur Liebe er­scheint, wird Fräulein Thorben immer Gefahr laufen, daß ihre Propaganda mißverstanden Wird," meinte Doktor Burelli bescheiden.

Kann ich dafür, daß es Idioten gibt?" sagte Fräulein Thorben.

Frau Repins honigsüße Stimme war tote Oet auf schäumendem Meer:

Habe ich die Sache recht verstanden," sagte sie,so will Fräulein Thorben auf tne Leute nach der Abschreckungsmethode einwirken. Aber das Unglück ist nur, daß es eine Menge von Menschen gibt, die durch die sogenannten ab­schreckenden Beispiele erst recht angeregt werden. Denken Sie an die Hinrichtungen."

»Und an die Theaterstücke."

Das war Zräu.em Fob. Tante Karoline blickte ihre Richte an.

»Wie meinst du das?"

Fräulein Fob lächelte Herrn Fellips an, der plötzlich Gabel und Messer weggelegt hatte.

2ch denke mir, erklärte Fob,daß ein Film auf die Leute ebenso abschreckend wirkt wie ein Theaterstück. Das Publikum geht mit Be­geisterung mit und kennt gerne seine Tugenden und Laster wieder, solange dies seiner Eitel­keit schmeichelt. Ich sah einmal" jetzt sprach Fräulein Fob langsamerein Stück im Siwestertheater. Es hieß .Fräulein Lisette meine Frau', und da gab es einen ersten Lieb­haber, vor dessen Eigenschaften und Talenten man hätte erschrecken können. Tante Karoline wäre entzückt gewesen, bis zu welchem Grade ab­schreckend er war, als Heiratskandidat betrachtet. Er war roh und rachsüchtig unter anderem und doch ....."

Herr Fellips beugte sich vor.

Und doch?"

Und doch ging es wie eine Enttäuschung durch den Saal, als das süße junge Mädchen sich weigerte, sich ihm m die Arme zu werfen.

Und alle die jungen Herren im Parkett hielten sicher das Mädchen für dumm, nicht so sehr deshalb, weil der Liebhaber schön und reich war, sondern viel mehr, weil er jene Eigen»' schäften verkörperte, die sie bei sich selbst wiedererkannten."

Doktor Burelli hüstelte hinter seiner Serviette.

Fräulein Fob ist eine Psychologin," sagte er.

Fob liest zuviel Romane," entschied das alte Fräulein Thorben.

Für meinen Teil," sagte Herr Fellips, glaube ich, daß es sehr interessant wäre, die eigene Meinung des Fräulein Fob über die Handlungsweise der jungen Dame zu hören."

..Wenn ich nicht irre, fiel Fräulein Fob rasch ein,haben wie die Sache schon frühen einmal besprochen. Sie und ich."

Unter dem etwas graumelierten Haar an Herrn Fellips' Schläfen wurden zwei schwach gerötete Flecken sichtbar.

»Ganz richtig. Sie waren der Ansicht, daß ein solcher Herr, wie dieser Bilette Sie fehen, baß ich mich sogar an den Namen erinnere alles Recht auf die Liebe junger, unschuldiger Mädchen verwirkt habe. Aber Sie fügten einen Sah hinzu, an den ich mich gleichfalls erinnere."

Wirklich?"

Sie Tagten: Aber man soll einen Menschen nie nach seinen Fehlern, sondern nach seinen Borzügen beurteilen. Vielleicht würde ich meine Meinung ändern, wenn ich Monsieur de Dilette näher kennen lernen würde."

Fräulein Fob schien auf einmal das Interesse am Gespräch verloren zu haben. Es wurden Erd­beeren aufgetragen und Fräulein Fob bot ihre ganze Energie auf, um Leutnant Carlton zu über­zeugen, daß die kleinen dunkelroten den länglichen mi den cemegefben Spitzen weiaus vozuziehen seien.

Es ist genau derselbe Unterschied wie zwi­schen einer wildwachsenden und einer Gartenrose. Man wäre ein Plebejer, wenn man nicht jene vorziehen würde."

Rach dem Kaffee auf der Veranda draußen konnte Fellips zwei Worte mit Fräulein Fob fprechen.

Rätsel-Ecke.

Magisches Fignrenrätsel.

o

m

Figur

Die neun Wörter in vorstehender

bringe man in eine andere Reihenfolge und streiche alsdann in jedem Wort Öre; Buchstaben, die nun verbleibenden neun Buchstaben ziehe man zusammen; das so entstandene Wort ist eine von DergnügungSreisenden gern gesehene Der- kehrseinrichtung.

Silbenrätsel.

Aus den 28 Silben: be bul de de del e eich eichs er selb grab ha tat la ma Phi rat ri rit sta ftätt stun ter u vas trald wer Win sind 14 zweisilbige Wörter zu bilden mit folgenden Bedeutungen ; 1. grie­chische Orakelstätte, 2. Stadt in Mittelfranken, 3. Zeiteinteilung, 4. Geograph, 5. Schweizer Kan­ton, 6. bekanntes Nachrtchlenbureau, 7. französi­scher Revolutionär, 8. männlicher Personenname, 9. Stadt in Hannover, 10. englischer Roman­dichter, 11. berühmter Baumeister, 12. deutscher Dichter, 13. herrschaftlicher Diener, 14. Hochfläche in Thüringen. <5inö die Wörter richtig gebildet, so ergeben die Anfangs- und Endbuchstaben von vorn nach hinten gelesen und miteinander ver­bunden, ein Zitat von Cornelius Nepos.

Gegensätze.

Für jedes der nachstehenden 16 Wörter soll ein im Gegensatz zu ihm stehendes Wort gesucht werden. Die Anfangsbuchstaben ergeben alsdann einen Wunsch für unsere Leser. 1. Verlust, 2. Weinen, 3. Ende, 4. Flut, 5. Militär, 6. Bo- .den, 7. Fachmann, 8. Realist, 9. Debet, 10. Fremde, 11. Saat, 12. Lärm, 13. Zögling, 14. Fest­land, 15. Wahrheit, 16. Gewinn.

Kreuzworträtsel.

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6

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nea BQB

Es bedeuten:

Von links nach rechts: 1. Hauseingang, 4. Handlung, 6. Kampfplatz, 7. Senkblei, 9. Anti­lopenart, 11. englisches Bier, 13. griechische« Held aus der Ilias, 14. altgermanischer Gott, 15. Vorname der Königin von Spanien, 17. Fett­art, 19. Waffe, 20. Charaktereigenschaft, 21. tie­rische Wohnung.

Von oben nach unten: 1. Bodensenkung, 2. Titel, 3. Reisesack, 4. Zeitabschnitt, 5. Natur­erscheinung, 8. zum Leben notwendiges Werk­zeug, 10. Name aus der Mythologie, 11. kleinerer Derwaltungskreis, 12. Laufvogel, 15. Vorgebirge des Harzes, 16. Teil deS Baumes, 17. Bad in Hessen, 18. Raubtier.

Auslösungen.

Rätsel.

Probe Robe.

MebermuL

Rabe, Rübe, Rebe, Raube.

Silbenrätsel.

Wer stets will, was er kann, der fängt nichts vergeblich an."

1. Wartburg, 2. Elfe, 3. Rhapsodie. 4 Sper­ber. 5. Tannin, 6. Eugen. 7. Titanic, 8. Sonne, 9. Weintraube, 10. Ischias, 11. Laterne, 12. Lasso, 13. Wavre, 14. Agent, 15. Sardine, 16. egge. 17. Riesling, 18. Kobold, 19. Allotria, 20. Reihe, 21. Rachen, 22. Dragoner, 23. Ein­stein.

Kreuzworträtsel.

3QQOB BBQ nmratn bööb 0BB0 0BÖB BBQ BO Q ö BBBBB d b an böb

QBBn ranraa HBnd 00EO äoa BSBQQ

Kreuz-Scharade.

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Roman Chester Rochester Manchester.

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RedakttonSttsch

Das Zauberwort.

Herr A (verzweifelt);Ich habe meiner Frau etwas gesagt, was ihr nicht gefiel, und nun hat sie schon zwei Tage lang kein Wort mit mir gesprochen."

Herr B (sehr interessiert):Tatsächlich! Können Sie sich vielleicht noch erinnern, was Sie ihr da gesagt haben?"

Schnette Hilfe.

Der wolkenverhängte Himmel eines tüblen, trüben Maitages spannt sich über der Reichs- Hauptstadt aus. An einer Straßenecke steht ein Wagen, auf dem ein letztes Häuflein golden leuchtender Apfelsinen des Verkaufes harrt. Der Eigentümer müht sich, mit schattender Stimme seine Ware preisend, Käufer für diesen Rest heranzulocken. Kommt ein halbwüchsiger Junge vorbei und ruft ihm zu:Sie, schenken Sie mir die Appelsinen, denn brauchen Sie sie nich mehr auszuschreien."

ausreichend sichere Versorgung eines Großabneh­mers wie der Stadt Gießen angesehen werden. Die Oberweser-Kraftwerke haben sich zur sofortigen Leistung von 5000 Kilowatt und zu jeder dar­über hinausgehenden Steigerung nach 18 Monate vorher zu erfolgender Ankündigung der Stadt ver­pflichtet. Ihre Leitung ist bei 100 Prozent Reserve ohne Mehraufwendung in der Lage, diese Leistun­gen zu bewirken. Die vorstehenden Erwägungen be­stimmten wohl im wesentlichen die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung; auf weitere Ein­zelheiten soll nicht eingegangen werden. Es ist be­kannt geworden, daß vor zwei Jahren die Stadt

Ich reife heute abend."

Das ist schade," meinte Fräulein Fob,aber ich vermute, daß Sie unaufschiebbare Geschäfte haben."

Wenn Sie nur verstehen würden, wie wich­tig sie sind."

Warum?"

Die Situation würde viel einfacher werden, wenn Sie sich für sie interessieren würden."

Fettips hatte diese Worte kaum gesprochen, als hinter den grünen Glasfenstern der Veranda­tür Hauptmann Kassels munteres Gesicht auf­tauchte. Der Freier war llug genug, das Zweck­lose seines Angriffes einzusehen.

Darf ich Sie um sieben Ahr vor dem fleinen Pavillon treffen? fragte er hastig.

Aber da war der Hauptmann schon bei ihnen.

Wollen Fräulein Fob mit zum Mühlen­damm kommen?" fragte er.

Fellips hob beide Hände, wie ein Stations­vorstand, wenn er das Haltsignal gibt:

Ich bitte, Herr Hauptmann. Meine Frage kommt vor der Ihren. Run, Fräulein Fob, was antworten Sie?"

Ratürlich ja. Sie kennen meinen Grundsatz: niemals nein zu sagen, wenn man ja sagen kann. And da es noch nicht mehr als sechs ist. brauche ich auch wegen des Mühlendammes nicht nein zu sagen. Kommen Sie, Hauptmann."

Es war noch nicht halb acht Ahr, als Fräu­lein Jobs vom Spaziergang rosig angehauchtes Gesicht hinter den stacheligen Berberitzenbüschen bei Herrn Fellips' Heinern Pavillon sichtbar wurde. Der Bankier war wütend. Er war nicht gewohnt, daß man ihn warten ließ, und außer­dem war feine Laune gerade durch eine Unter» reöung, die er mit Kehler, diesem Schafskopf, hatte, sehr herabgestimmt worden. In einem Ton, dessen Vertraulichkeit dem Grade ihrer Bekannt­schaft sehr widersprach, hatte Kehler einige vage Andeutungen darüber gemacht, daß es nicht zum Schaden fei, zusammenzuhalten. Man hätte viel­leicht gemeinsame Interessen zu wahren, der eine für den anderen, oder einer für beide, oder beide für einen, das Praktische dieses Gedanken- ganges könnte dem Bankdirektor nicht unbelannt sein. Sin vernünftiger Mensch könnte sich kaum einer unangenehmeren Situation ausfetzen, als

Offenbach ernstlich mit bem Gedanken eines Zu­sammenschlusses mit Wölfersheim umging; sie sah jedoch mit Rücksicht aus die nicht ausreichend er- scheinende Zuverlässigkeit der Stromlieferung davon ab. Schließlich sei noch erwähnt, daß nach Zeitungs- nachrichten der Finanzausschuß des Hessischen Land­tags die Regierung ersucht hat, den Stromliefe- rungsoertrag zwischen dem hessischen Staate und der Provinz möglichst bald zu lösen; über die Grund­lagen, auf denen etwa ein neuer Vertrag geschloffen werden soll, ist nichts verlautbart worden.

Soweit bekannt, darf nach dem z. Z. geltenden Vertrag der Staat ausschließlich an die Provinz

wenn er sich einbildete, daß er mit seinen ®e' heimnissen und Absichten allein stände. Aber vielleicht interessiere ihn das Thema nicht, in einem solchen Falle bitte er tausendmal um Ent­schuldigung.

Rein, erklärte Fellips hochmüttg, die An­nahme sei richtig, der Gegenstand interessiere ihn nicht.

Unter solchen Amständen bliebe nichts an­deres übrig, als die Sache auf sich beruhen zu lassen, bis auf weiteres. Würde aber die Erinnerung an eine gewisse Herbstnacht im Hotel Savoh und eine damit im Zusammenhang stehende Begegnung auf diese oder jene Weise für den Bankier unangenehm werden, so wäre es nicht ausgeschlossen, daß er, James Kehler, mit Rat oder Tat beistehen könne. Guten Wend.

Herr Fettips liebte es nicht, Rüsse zu knacken. Er wollte Kehler schon zurückrufen, aber da fiel ihm ein, daß dies vielleicht mißdeutet werden könnte. Auf Herren von Kehlers Typ reagierte man am besten mit einem Achselzucken. Außer­dem, es war sieben, Fräulein Fob konnte jeden Augenblick kommen.

Sie haben doch nicht gewartet?" war des Mädchens erste, ganz lächerliche Frage.

Ich habe meiner Ahr die Schuld gegeben," antwortete Fellips diplomatisch.

Das war nett von Ihnen," sagte sie,Sie sehen, wie heiß mir ist, Ihretwegen. DaS ganze Anglück war, daß Hauptmann Kassel und ich in Streit darüber gerieten, wie man am besten Hechte angelt. Sagen Sie mir, Herr Fellips, haben Sie jemals eine anständige Angel­rute gesehen, die nicht mindestens sechs Meter lang ist?"

Riemals," antwortete Fellips bestimmt. Sr hatte nicht die leiseste Ahnung davon, tote eine Angelrute beschaffen sein sollte, sah es aber nicht als llug an, in Fräulein Fobs Augen ge­rade jetzt etwas von seiner Autorität zu verlieren.

Ganz dasselbe sagte ich Hauptmann Kasseü" Sie beriefen sich auf mich?" fragte FettipS etwas beunruhigt.

Das tat ich. Aber können Sie sich eine solche Gemeinheit denken! Wissen Sie, was Kassel tagte? (

Rein-* l Fortsetzung folgt)