Ausgabe 
11.7.1925
 
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! feiner politlschen Einstellung (Kommu- aift) soviel Feinde, daß ihn ein anderer bei seiner Mutter vielleicht anschwärzen wollte.

Der Deminaroberlehrer Holweiner aus Dillenburg erklärt, der Angeklagte sei auf der Schicke ein mittelbegabter Schüler gewesen, der zuverlässig war und nie Anlaß zum Strafen gab. nur sei er auch etwas träumerisch veranlagt ge­wesen.

Der Vater der ermordeten Stoll, Polizei­wachtmeister a. D. Stoll aus Haiger, erklärte, seine Tochter sei bei Angerstein zur Zeit der Ermordung neun Monate in Stellung gewesen. Von ihrer Herrschaft sprach sie nur lobend und meinte, Angerstem trage seine Frau auf Händen und erfülle ihr jeden Wmrsch- Einmal hat seine Tochter an einem Samstage gehört, wie Frau Angerstein äußerte, das Mädchen sei unzuver­lässig. Seine Tochter bezog diese Aeußerung auf sich, schrieb einen Zettel, legte ihn aus den (Futter­kasten und kehrte nach Hause zurück. Am anderen Morgen war Frau Angerstern schon in aller Frühe bei dem Zeugen und bat weinend seine Tochter, doch wieder zurückzukehren, was diese auch tat. Am Lage der Lat ist Zeuge zum Tat­orte gelaufen. Unterttxgd hörte er von dem Staub* überfall erzählen. Auf dem Brandplah habe Zeuge die Leiche seiner Tochter nicht u^gen sehen. Da er annahm, daß seine Tochter vielleicht zur ärztlichen Behandlung nach Dillenburg ge­fahren war, fragte er telephonisch bei dem de- tresferchen Arzte an, ob seine Tochter am Rach- mittag bei ihm gewesen sei. Der Arzt oernetnte dies. Als Zeuge weder auf den Brandplah kam, hatte man die Leiche seiner Tochter bereits aus der brennenden Billa geholt.

Auch drei weitere Zeugen bekunden von dem Leiden der Frau und von ihrer religiösen Veran­lagung.

Der Prediger Huxoll aus Heidelberg war 1914 Prediger in der Methodistengemeinde in Dillenburg. Die Frau Angerstein war Mitglied dieser Gemeinde: Frau Barth und Tochter Ella traten später auch bei, Angerstein stand abseits der Gemeinde. Frau Angerstein war sehr freund­lich und hilfsbereit, war leidend und neigte dieser- halb zur Melancholie. Der Angeklagte war um seine Frau äußerst besorgt. Frau Angerstein be­tonte öfters, daß ihr Ehemann auch für ihre Mut­ter und Schwester treu sorge. Die Frau Anger- ftein war von der Wahnidee befallen, ihr Ehe­mann werde innerhalb eines Jahres sterben und litt seelisch schwer unter diesem Wahn, ihr Zustand besserte sich aber wieder, als das Jahr herum war und Angerstein immer noch lebte. Dor ber lieber* siedelung nach Haiger hatte Frau Angerstein eine gewisse Furcht Doch auch von hier aus hat sie stets lobend über ihren Ehemann sich ausgelassen. Im Oktober 1924 hielt sich Zeuge einmal eine Nacht in Haiger auf und logierte bei Angerstein. Hier lud Frau Angerstein die Ehefrau des Zeugen zum Be­such ein und erzählte, ihr Ehemann habe ihr eine Kuh gekauft. Der Angeklagte selbst gab einmal bei der Ausführung eines Baues von zwei Kapellen für die Methodistengemeinde leihweise 50 000 Mk. her. Da inzwischen Geldentwertung eintrat ver­langte Angerstein das Geld nicht mehr zurück

Der Kaufmann Birk aus Dillenburg bekun­det, seine Frau sei vor 3 Jahren an Darm tuber­kulöse verstorben. Ob der Zeuge das Leiden seiner Fron dem ^(ngeflagten, dellen Ehefrau angeblich dasselbe Leiden hatte, geschildert hat, weiß er heute nicht mehr, halte dies aber für möglich. Etwa 3 Wochen vor der Tat hat der Zeuge dem An­geklagten noch eine Jagdausrustung verkauft

Es werden hieraus die tpfwier Otto Theiß und Koch von Z>?* Landesheilanstalt in Mar­burg a. b L. vernommen. Diese Sengen hatten den Angeklagten während seines Aufenthalts in der Heilanstalt in Marburg zu bewachen. . Theiß bekundet, der Angeklagte habe einmal zu ihm geäußert, er (Angerstein) sei nicht wert, l daß er so gut behandelt werde, da er nicht einmal Empfindungen Über die Tat habe, jetzt < fei die Tat geschehen und er werde sich benehmen wie ein Mann. 3n der Rächt horten die Zeugen * den Angeklagten in abgebrochenen Sätzen oft im Traume sprechen. Er stammelte u. a.: Frau soll zur Mutter gehen, bo-t bill-ger leben, im Sch-reiblFch liegen noch 2000 M?, Fehlgeburt usw." Die Zs'.'aen hatten be'de den Eindruck, daß der Angeklagte tatsächlich im Schlafe ge­sprochen und nicht simuliert habe.

Es wird nurnnehr das Protokoll über die Vernehmung des Dr. Lübben- Haiger h~rTefen, der durch den Berichterstatter des Gerichts, Landgerichtsrat Jung, gestern in Haigen in Gegenwart der Vertreter der Staatsanwaltschaft und deS einen Verteidigers des Angeklagten vernommen worden ist. Aus der verlegenen Aus­sage deS Arztes, der damals den Angeklagten operiert hatte, geht u. a. hervor, daß der Arzt der Ansicht ist, daß der Angeklagte sich den Stich in den Magen in der Weise beigebracht hat, daß er gegen den feftgelegten Hirschfänger seinen Körper gestemmt bat, mchernfalls mußte der Angeklagte den Hirschfänger mit voller Ge­walt in seinen Leib hineingestvßen haben, um sich eine derartig schwere Verletzung beizubrin- gen. Der Arzt hält es auch nicht für ausge­schlossen. daß der Angeklagte mit dieser Ver­wundung über den Gartenzaun kriechen konnte. Als dem Qlngcflagten die Tat auf den Kopf zu- gefaat wurde, rief er ohne Rührung:Oh, welcher Verdacht!" Er sagte noch, er forme ruhig sterben, nur könne er seinen RachibarSsöhnen nicht verzeihen, die durch Schießerei in der Aacht seine Frau erschreckt haben.

Hierauf wird der Unioersttötspröfesior Dr. S o e t» beer aus Gießen als Sachverständiger vernommen. Ec hat Frau Angerstein im Mai 1922 behandelt. Sie litt an einem chronischen nervösen Darmkatarrh, war sehr abgemagert und schwach. Die Erkrankung war keine organische. Es traten immer wieder Ver­schlimmerungen ein, ohne daß eine-Erklärung dafür zu finden war. Frau Angerstein kam nunmehr zur Behandlung in die Klinik. Die Beobachtung ergab, daß auch noch andere Krankheiten vorhanden waren. Der Sachverständige berichtet nun über einige Fra­gen, die er an die Eheleute Angerstein aus ihrem sexuellen Leben gerichtet hatte. Die eine Antwort, die er von dem Angeklagten hierauf erhielt, er­regte in dem Sachverständigen plötzlich den Verdacht, daß der Angeklagte mit feiner bisher geübten Sorge um feine Frau und der Liebe zu dieser nut der Marke eines Heuchlers versehen war. Der Sachver­ständige gibt auch heute noch als seine rein private Meinung zu, daß er das h,er verhandelte Verbre­chen für das Werk eines Geisteskranken hält.

Der Angeklagte gibt die Erklärung ab, d«ß er früher, vor seiner Verhaftung, wenn er erst einmal nachts aus dem Schlafe geweckt worden war, nicht wieder einschlafen konnte. Seit seiner Verhaftung kann er nicht genug Schlaf finden. Er habe einen regen Appetit.

Es tritt hierauf eine eineinhalbstündige Pause ein. Nach Wiedereröffnung der Sitzung wird mit der Vernehmung der medizinischen Sachverständigen begonnen , . ,, ,

" fZ erster Sachverständiger berichtet Kreis­arzt Medizinalrat Dr. Tenbaum aus Lim­burg. zweiter Sachverständiger ist Umversitats- professor Dr. Fahrmärker, Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Marburg, der letzte medizinische Sachverständige ist der Prof. Dr. Raecke aus Frankfurt a. M. Dr. Ten­baum bekundet, er habe den Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersucht und den An­geklagten zu diesem Zwecke öfters im Gefängnis besucht. Der Sachverständige erstattet fein Gut­achten in drei einzelnen Abschnitten. Der erste Abschnitt behandelt das Leben des Angellagten bis zur Tat, der zweite Abschmtt die Vor- bereitung zur Tat und die Tat selbst, der dritte Abschnitt das Verhalten des Angellagten nach der Tat. In allen drei Abschnitten, zu denen der Sachverständige längere Ausführungen macht, lommt er zu der Schlußfolgerung, daß der An­geklagte ein kluger Mensch sei, und von einer Unzurechnungsfähigkeit gar keine Aede ist: auch kann man nicht vom Vorliegen von Sadismus sprechen. Zu demselben Gutachten kommt Prof. Zahrmärker, der den Angeklagten in der Heilanstalt mehrere Wochen beobachtet hat. Auch der dritte Sachverständige Dr. Aaecke kommt zu dem Schluß, daß dem Angeklagten der Schuh des § 51 des Strafgesetzbuches nicht zuzubil­ligen ist. Unter allgemeiner Spannung wird nun der Universitätsprofessor Dr. Herberts vernommen. Dieser Sachverständige erklärt, daß er ein alles umfassendes Gutachten nicht ab­geben könne, da ihm das Gericht nicht die Mög­lichkeit gegeben habe, den Angellagten in seiner Zelle zu beobachten. Es stehe ihm daher nur das Ergebnis der bisherigen Verhandlung für das Gutachten zur Verfügung. Der Sachverständige erstattet nun ein Gutachten in psychologischer Be­leuchtung und stellt dem Gerichtshof die Frage anheim, zu prüfen, ob nicht der Angeklagte die Tat doch in einem Dämmerzustand begangen hat. Aach Abgabe dieses Gutachtens kommt es noch zu einer Auseinandersetzung zwischen den psychiatrischen und den psychologischen Gutachtern.

Staatsanwalt, Verteidiger und der Ange­klagte erklären, daß sie weitere Beweisanträge nicht mehr zu stellen hätten. Der Vorsitzende schließt hiermit die Beweisaufnahme und will die Fortsetzung der Verhandlung auf morgen vertagen. Rechtsanwalt Dr. H e r z f e l d pro­testiert dagegen, da er erst gestern bis nachts zwölf Uhr in Haiger war und ihm die Zeit bis morgen zur Zusammenstellung des umfangreichen Materials für feine Verteidigung zu furx fet Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück und verkündet ien Gerichtsbeschluß, daß d.e Fortsetzung der Verhandlung am Montag, vormittags 9^ Uhr, ftattfinbe.

Der Waldsporlplatz des Vereins für Bewegungsspiele.

Man schreibt uns: Wenn der Gießener Bürger bei seinem Spaziergang durch den Stadtwald die Schneise, die vom Anneröder Weg durch die Scktcß- tände zum Trieb führt, durchschreitet, so ervlickt t inmitten herrlicher Waldbeftände die neu er« tanbene Sportplatzanlage des D. f. B. Gießen. Als im Mai v. I. die Sportplatzanlage auf dem Trieb dem Militärfiskus zurückgegeben werden mußte, gelang es durch Entgegenkommen der Stadt, dieses für eine Sportplatzanlage vorziig- lid) geeignete Gelände zu pachten. Nach über ein« ayriger Tätigkeit find die Arbeiten unter größten monziellen Opfern der Mitglieder und Gönner des Vereins soweit fortgeschritten, daß die Ein­weihung des Platzes auf den 9. August festgelegt werden konnte. Hierbei soll nickt vergessen werden, daß die Gießener Stadtverwaltung durch Gewäh­rung eines Darlehens und unter persönlicher Mit­arbeit des Beigeordneten Dr. S e i b und des Stadt- baudirektors Braubach das fast unmöglich er- chsinendeWerk unterstützten und dadurch msthalfen, eine Anlage zu schaffen, die in bezug auf landschaft­liche Schönheit und Zweckdienlichkeit in weitester Umgebung ihresgleichen suchen dürfte.

Betritt man durch einen der beiden Eingänge die Anlage, so fällt das Auge auf das frische Grün des jungen Rasens, dessen weitere Erhaltung durch eine etwa 20 Zentimeter hohe aufgetragene Schicht guter Muttererde gewährleistet ist, ein Wertfaktor, der mancherlei Vorzüge, wie Vermeidung von Staub, Abgabe sauerstoffreicher Luft und Verhü­tung von Unfällen bietet. Die gesamte Anlage wirb zweimal von einer fachmännisch angnlegten Drai­nage durchschnitten, die den ursprünglich feuckten Platz trocken hält und deren tadelloses Funktio­nieren Zeugnis gibt von der ausgezeichneten Arbeit ihres Erbauers, des Kulturinspektors Breit- wieser, der in liebenswürdiger Weise seine freie Zeit dafür opferte. Die beiden nach neuester Er­fahrung gebauten Tore erhöhen durcy ihren weißen Anstrich den hübschen Anblick des Spielfeldes. Die­ses ist von einer breiten Laufbahn umgeben, die den größten und verwöhntesten Ansprüchen großer leichtathletischer Wettkänwfe voll und ganz gerecht wird. Einen besonderen Vorzug bietet sie darin, daß sie infolge ihrer geschützten Lage die Teilnehmer keinerlei widrigen Windverhältnissen aussetzt. In der nach den Schreßständen zuneigenden Seite ist eine gärtnerische Anlage geschaffen worden, in deren Mitte ein Gedenkstein für die im Weltkrieg gefal­lenen Mitglieder errichtet ist. Auf der entgegen­gesetzten Seite, die an die städtischen Tennisplätze grenzt, befinden sich die Sportanlagen für Wurf- und Sprungkonkurrenzen. In der äußersten Ecke ist ein Sandbad angelegt, das den Mitgliedern die beste Gelegenheit bietet, die Allmacht Natur in mannigfaltiger Art auf sich einwirken zu [offen. In der Erkenntnis, daß der Sport oder die Benutzung des Sandbades ohne nachfolgende Waschung wert­los und unästhetisch ist, hat man bereits ein Planschbecken angelegt, das mit einer Tusche ver­sehen ist. Späterhin werden hier noch Umkleide­räume errichtet, die ebenfalls mit allen oesundheits- technischen Einrichtungen versehen weroen.

Für die Zuschauer ist weitestgehend Sorge ge­tragen. Auf der einen Seite bietet die vierfach überhöhte Terrasse gut 2000 Zuschauer die beste Sicht auf das ganze Spielfeld. Der gegenüberlie­gende Zusckauerraum liegt im Schatten hoher Bäume, und ist wie ersterer mit einer Schicht Fein- schocke gedeckt, ein vorbeugendes Mittel gegen kalte und nasse Füße. Im ganzen dürfte der Platz be­quem 5000 Zuschauer fassen, so daß späterhin auch größere Veranstaltungen abgehalten werden kön­nen. Schließlich wäre noch zu erwähnen, daß die Anlage infolge ihrer günftigen Sage keinerlei »ih­rigen Einflüßen, wie Staubentwicklung durch oor- betfahrenbe Autos oder Fuhrwerke, ausgesetzt ist 1 und somit auch den Zuschauern eine Stätte Oer Er­

holung bietet, zumal der Platz von der Endstation der elektrischen Straßenbahn (rote Linie) in zwei Minuten bequem zu erreichen ist.

Zum Schluß ist es Ehrenpflicht, auch hier der rührigen Tätigkeit des Platzausschusies unter Lei­tung feines Obmanns, des Telegraphenfekretärs Karl P l o ch , zu gedenken.

Möge der Zweck der hier geschaffenen Anlagen, eine gesunde, durch Kamps und Spiel gestählte Jugend heranzuziehen, voll erfüllt und damit zur Erstarkung unseres Vaterlandes beigetragen werden.

Aus der Provinz.

Landkreis C'i' ücit.

7 Grünberg, 10. Juli. Die Entwicklung der hiesigen Bezirksfparkasse hat im abgelaufe­nen ersten Halbjahr 1925 weiter recht gute Fort­schritte gemacht. Die Spareinlagen, die Ende 1924 126 246 Rrn. betrugen, haben sich auf 222 898 Rm. erhöht, also fast verdoppelt, die Scheckeinlagen sind von 40 702 Rrn. Ende 1924 auf 143 123 Rrn. ge­stiegen und haben sich verdreieinhalbfacht. Die Zahl der Spar- und Sckeckeinlagen ist von 770 auf 1034 gewachsen. Diese Ziffern sind ein recht erfreuliches Zeichen dafür, daß die Spartätigkeit allgemein wie­der eingesetzt hat, und damit ein Grundstein zum Wiederaufbau unserer Wirtschaft gelegt wirb. Daß ber Sparsinn auch in der Jugend auflebt, beweist bie günstige Entwicklung der Anfang d. I. mit Un­terstützung der Lehrerschaft eingerichteten Schulspar-

Kreis Friedberg.

4 Dad ° Aauheim. 10. Juli. Die Zeit der Schulausflüge führt jetzt täglich tvieder Schulllassen in unsere Badestadt, wo infolge des Entgegenkommens der Bade- und Kurverwaltung die Anlagen und wenn die zeitige Anmel­dung erfolgt auch die technischen Betriebe, vor allem die Saline, besichtigt werden können. Aicht nur aus Hessen, auch aus benachbarten und entfernteren preußischen Landesteilen kommen die Schülerbesuche Besonders gern gesehen und von den Kurgästen bewundert werden die Schulllassen, die in ihrer schönen hessischen Tracht hier er­scheinen.. So weilte dieser Tage eine Schule aus der Marburger Gegend hier, die in ihrer schmucken Landestracht die besondere Aufmerksam­keit der Kurgäste auf sich zog. Einige Ausländer fanden soviel Gefallen an den Hessenländern, daß sie mehrere photographische Aufnahmen von ihnen herstellten und sie außerdem im Caf6 an der Trinkkuranlage hochher.ig bewirten ließen. In einer sehr engen Straße der Altstadt, die trotz wiederholten Einsp-ua-s oer Anwohner be­sonders häufig von Kraftfahrzeugen durchfahren wird, oft sogar in unerlaubt rasendem Tempo, ereignete sich heute nachmittag ein s ch were r U n g l ü ck s f a l l-. Wieder durchfuhr ein aus­wärtiges Lastauto die Straße. Ein 1 0 jäh -- rtger Zunge kam mit einem Handwagen von der entgegengesetzten Richtung. Zum Aus­weichen tft in der engen Straße kein Platz. Als der Zunge versuchte, sein Handgefährl in Sicher­heit zu bringen, wurde er zwischen Lastauto und Handwagen geklemmt und dabei an den Dei­nen s o schwer verletzt, daß er sofort ins Krankenhaus überführt werben mußte. Der Vor­fall beweist wieder, wie nötig es ist, die engen Straßen der Altstadt für den Autoverkehr zu sperren.

: : Kirch-Göns, 9. Zuli. Bei der letzten Volkszählung wurden in unserem Orte 789 Personen (gegen 735 in 1914) gezählt .davon 376 männliche und 413 weibliche [gegen 352 resp. 384 in 1914). Es sind 146 Wohnhäuser rwrhanden, sieben davon unbewohnt (Reubauten).

Reichelsheim, 10. Juli. Der von der Landwirtschaftskammer veranstaltete Fohlen­markt war von Interessenten gut besucht, die Preise sehr gebrückt. Etwa 60 Fohlen, meist unter einem Jahre, ftanben zum Verkauf. Es wurde nur j, vornehmlich Stutenfohlen, verkauft.

Aus ber südlichen ffietterau, 10. Juli. Zur Zeit werben hier die ersten Früh­kartoffeln geerntet und auf den verschiedenen Bahnstationen zum Versand gebracht. Die Erträge sind zufriedenstellend. Die von Händlern gezahlten Preise bewegen sich zwischen 6 und 7 Mk. pro Zentner.

Kreis Schotten.

n*sa Schotten. 9. Zuli. Aus der G e - meinderatssihung. Vor Eintritt in die Tagesordnung dankten Bürgermeister und Beigeordneter für das ihnen bei den Wiederwahlen von der Bürgerschaft in so reichem Maß erwiesene starke Vertrauen und geben das Versprechen ab, auch weiterhin mit allen Kräften für das Wohl der Stadt zu wirken. Von der Einladung zum Oberhesf. Feuerwehrtag vom 18. bis 20. Zuli wird Kenntnis gegeben: der Gemeinderat wird sich geschlossen beteiligen. Einstimmig wird der sofortige Dau eines Dier- familienwohnhauses in der Vogelsberg- straße beschlossen. Architekt von der Schmitt soll die ^Bauleitung erhalten. Weitere Bauprojekte werden noch besprochen, verschiedenem Gelänbe- austausch zugestinmrt. Mehreren Bauherren, die an der neuen Straße Bauten errichtet haben, werden 1000 Mark Zuschuß gewährt unter der Bedi igung, daß sie eine Mietwohnung in ihren neuen Häusern Herstellen und vermieten. Als wirksamstes Mittel zur Verminderung der Staubplage hält der (Semeinberat die Her­stellung von Kleinpflaster. Die G^ah- lungen, die andere Gemeinden mit Sprengwagen und Vialit (Teer-Asphaltmischung) gemacht fjaben, sollen gesammelt werden. Ein Teil der Stadtbach soll ausbetoniert werden, um Schmutzansamm- lung zu verhindern. Drei Morgen Land werden mit Kirschbäumen bepflanzt. Die diesjährige Kirschenernte hatte für die Stadt ein gutes Ergebnis. Auch die Aepfel- und Zwetschenemte fällt gut aus. Virnen sind we­niger vorhanden.

A G onterSkirchen. 10. Zuli. Heute ber» Stellt Pfarrer Hohgräfe aus unferer Ge­meinde nach seinem neuen Wirkungskreise, nach Assenheim. Er hat hier zwei Jahrzehnte segensreich gewirkt und sich die allgemeine Liebe und Verehrung erworben. Unsere besten Wünsche begleit en den treuen Seelsorger in die neue Heimat.

Kreis Alsfeld.

m. Fl ensungen, 9. Zuli. Aus der hie­sigen Deigeordnetenwahl am vergangenen Sonntag, an der sich die Wähler nur schwach beteiligten, ging der von den Arbeitern auf gefrönte Grubenarbeiter Wilhelm Eckhardt mit 126 Stimmen als Sieger hervor, während sein bürger­licher Gegenkandidat, der Land- und Gastwirt Otto Decker nut 41 Stimmen erhielt. Der hiesige Musikveroin ehrte sowohl den seitherigen

Beigeordneten Dräuntng. als auch den neu« Beigeordneten Eckhardt abends durch ein Ständchen. Bürgerineisterwahl fand hier in diesem Zahr nicht statt, weil der frühere Bürgermeister Dräuning im vorigen Zahr sein Amt auS Ge­sundheitsrücksichten niedergelegt hatte und bamald Landwirt und Metzger Erb zum Bürgermeister gewählt wurde.

m. Rieder-Ohmen, 10. Zuli. Rächst« Mittwoch beginnt im hiesigen SchulhauS ein Lehrgang für Handarbeitslehre­rinnen i n Fortbildungsschulen, um diese mit dem neuen Lehrplan vertraut zu machen, der beianntlich u. a. auch Maschinen- und Weiß­zeugnähen, Anfertigen von Tisch-, Bett-, Leib- und Kinderwäsche, Wäschezeichnen, Kleider­anfertigen, Umarbeitung gebrauchter Wäsche- und Kleidungsstücke vorschreibt, den Fortbildungs- schülerinncm also Gelegenheit geboten wird, diese Handarbeiten in Zukunft unentgeltlich zu lernen. Aus diesem Grunde wird wohl unsere Land­bevölkerung der Mädchenfortbildungsschule mit der Zeit mehr Sympathie entgegenbringen, als seither.

Kreis Lauterbach.

A Lauterbach, 10. Juli. Die am 16. Juni ftaitgefunbene Volkszählung hat für Lauter­bach eine endgültige Einwohnerzahl von 4787 ergeben, und zwar 2249 männliche und 2538 weibliche Personen. Selbständig?- Haushal­tungen sind 1185, bewohnte Häuser 768 vorhanden. Die GesamteinwohnerznhI im Jahre 1919 betrug 4418, so daß Lauterbach seit diesem Zeitpunkt um 369 Personen zugenommen hat.

Kreis We^^.r.

V Wetzlar, 10. Juli. Auf der Sophien- Hütte ist Streik ausgebrochen. Die Ursache ist darin zu suchen, daß der Betriebsrat Schü - f e r fristlos entlassen worden ist. Da die Sophien- hütte Wetzlar und feine nähere Umgebung mit elektrischem Strom versorgt, so haben versch-iedene Betriebe ganz ober teilweise ihre Arbeiten ein» stellen müssen. Der Strom zur Aufrechterhaltung ber lebenswichtigen Betriebe wirb von ben Kraft­werken der Umgegend bezogen. Die Verhand­lungen ber maßgebenden Körperschaften haben bis jetzt noch nicht zu einem einigenden Ergebnis führen können.

Hessrrr-Nafsau.

bl. Dillenburg, 10. Zuli. Zm nahen Uckersdorf entstand am Freitagvormittag ein Brand, der in kurzer Zeit ein Wohn­haus, zwei Scheunen und zwei Stalle in Schutt und Asche legte. Immobilien wie Vieh konnten gerettet werden: nur ein Teil des Heuvorrates wurde ein Raub der Flammen. Zum Teil ist der Schaden durch Versicherung gedeckt. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt.

fpd. Frankfurt a. M.. 10. Zuli. Zm Köln- Frankfurter O-Zug stahl während des Aufent­haltes auf dem Wiesbadener Bahnhof einer der vielgesuchten internationalen O-Zug- diebe einem Herrn bie Brieftasche mit einem erheblichen Geldbeträge. Der Dieb hatte, wie üblich, ein künstliches Gedränge ver­ursacht unb babei die Tat ausgeführt. Der Be­stohlene merkte ben Diebstahl während der Fahrt nach Frankfurt unb ließ sofort unauffällig Rach- f orschungen an stellen. Es gelang nun tatsächlich, ben Dieb auf dem Höch ster B ahn h o f zu ermitteln un^ f e IM " " r> - ** ^>er Bursche, ein Pole unb Mitglie. einer interna io a'en Barke, hatte das gestohlene i_> bei sich in der Tasche trotzdem leugnete er Stein und Dein. Wenige Tage vorher hatte man schon auf dem Wiesoadener Bahnhof zwei wsitere O-Zugdiebe verhaftet. Obwohl die Kontrolle der and dem unbesetzten Gebiet einreisenden Personen an den Grenzstationen des besetzten Gebietes wesentliche Verschärfung erfuhr und die Reisen­den täglich durch die Veröffentlichung ber Ab- fchreckenSurteile gewitzigt fein sollten, konnten bie Franzosen biefer Tage doch abermals mit einem Schlage sechsundneunzig Perso­nen ohne Ausweis ermitteln. Die Leute wurden ausnahmslos zu empfindlichen Geldstrafen verurteilt.

Falschgeld in Frankfurt.

fpd. Gefälschte 50» unb 100-Markscheine tauchen seit einigen Tagen in Frankfurt a. M. im Verkehr auf. Bei ben 50°Markscßeinen han- belt es sich um ursprünglich echte 50 000-Mark- noien. Durch entspre ' ende Hnterdebung wurden die Roten in Falschnoten zu 50 Mark umge­wandelt. Bei den 100-Markscheinen handelt es sich um ursprünglich echte 100-Markscheine der Badischen Bank in Mannheim. Durch ent­sprechendes Untergeben wurden auch diese Scheine gefälscht. Größte Vorsicht ist geboten, da bie Täuschung sehr geschickt gemacht ist.

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Sonntag, 12. Zuli: Die große Unbekannte. Montag, 13.: Die große Un­bekannte. Dienstag, 14. ms Donnerstag, 16.: Auf Befehl der Kaiserin. Freitag, 17.: Die große Unbekannte. SamStag, 18. und Sonntag, 19.: Auf Befehl der Kaiserin. Schauspiel­haus. Sonntag, 12. Zuli, nachm. 4 Uhr: Toten­tanz: abends 7VZ Uhr: Einer von unsere Leut. Montag, 13.: Ernst. Dienstag, 14.: Der goldene Schnitt. Mittwoch, 15.: Die drei Zwillinge. Donnerstag, 16.: Ernst. Freitag, 17.: Der Kreide- kreiL. Samstag, 18.: Bürger Schippel. Sonntag, 19.: AU-FrcmHurt.

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