Ausgabe 
11.6.1925
 
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Vorrednerin und beantragt ilebertoeifung des Abkommens an den Auswärtigen Ausschuß. Ein Vertreter des Auswärtigen Amtes betont, daß dos Abkommen gerade die mit Recht gerügten Tiebelstände beseitigen solle. Das Abkommen geht an den Auswärtigen Ausschuß.

Das Gesetz über die Weltpostvereins­verträge wird in allen drei Lesungen ohne Aussprache angenommen.

Zur Besprechung kommen dann die Anträge verschiedener Parteien, die der Rot der Jung­lehrer steuern sollen. Abg. Mumm (Dn.) em­pfiehlt im Ramen des Dildungsausschusses einen von allen Parteien mit Ausnahme der Kommu­nisten unterstützten Antrag, im Haushalt für 1925 ausreichende Mittel zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz des Jung­lehrer und zu ihrer wissenschaftlichen, prakti­schen und pädagogischen Fortbildung einzustellrn. Qn>g. Rcubauec (Komm.) beantragt, für die­sen Zweck 40 Millionen Mark in den Etat einzu­stellen. Die Junglehrer könnten durch den Aus­bau des Schulwesens und durch Verminderung der Klassenstärke Beschäftigung finden!. Abg. Seiffert (Völk.) empfiehlt die Heranziehung der jetzt stellungslosen Junglehrer zur Jugend­pflege und zum Ersatz für viele erkrankte Lehrkräfte in Berlin. Der Ausschuhontrag wird angenommen.

Abg. Helling-Weser (So.;.) begründet einen Antrag des Ausschusses für Wohnungs­wesen, wonach die Pachtverordnung vom 19. Juli 1920 bis zum Jahre 192? verlängert und in einigen Punkten geändert werden soll. Abg. Becker-Arnsberg (Ztr.! beantragt die Ver­tagung der Angelegenheit, bis die Beschlüsse Preußens in derselben Frage vorliegen. Abg. Külz (Dem.) wandte sich gegen die Vertagung. Mit 184 gegen 104 Stimmen wird die Ver­tagung beschlossen.

Damit ist die Tagesordnung erledigt. Gegen 4 Tlhr schlägt Präsident Lobe vor, die nächste Sitzung am Freitag, nachmittags 2 Uhr abzu­halten mit der TagesordnungHaushalt des Reichsminister des Innern und Gehalt des Mini­sters" In der Abstimmung wird der Vorschlag des Präsidenten angenommen.

Preußischer Landtag.

Berlin, 10. Juni. Nach Erledigung von Ein­gaben wird eine Novelle zum Gesetzentwurf betr. die Erhaltung des B a u m b e st a n d e s und die Erhaltung und Freigabe von Uferdämmen im In­teresse der Volksgesundheit erster und zweiter Bera­tung ohne Aussprache erledigt und unverändert a n- genommen.

Zur weiteren Förderung des Baues von Kleinbahnen wird ein Kredit von 2 Millionen angefordert. Die Vorlage wird dem Hauptausschuß überwiesen.

Das Haus wendet sich zu den Nooellen betr. die Erhebung einer vorläufigen Steuer vom Grund­vermögen. Der Hauptausschuß empfiehlt die Ge­nehmigung der Vorlage, nach der die Geltungsdauer des Gesetzes vom 28.2.1924 bis Ende März 1926 verlängert werden soll. Abg. Dr. W i e m e r (D. Vp.) erklärt namens seiner Partei, daß eine Re­form notwendig sei. Es seien zahlreiche Härten und Ungerechtigkeiten vorhanden. Deshalb sind wir für einen möglichst kurzen Termin und schnelle Arbeit. Wir schlagen den 30. September für die Geltungs- . dauer der jetzigen Steuer vor. Abg. Schulz- Sta- lpen (Dschn.): Wir lehnen die Vorlage ab und for- F-dern die Regierung auf, sofort andere Vorschläge an den Landtag zu bringen, damit diese ungerech- 1 teste aller Steuern endlich verschwindet.

Finanzmiuifter Dr. Höpker-Aschoff.

Den Vorrednern gegenüber möchte ich doch darauf Hinweisen, daß die Grundvermögenssteuer bei der Landwirtschaft allerhöchstens 250 Millionen erbringt (Hört! hört! links), während das übrige von den anderen Bevölkerungskreisen getragen wird, und daß daneben die Bevölkerung noch mit 650 Millionen Hauszinssteuer belastet ist. Gewiß ist diele Steuer schwer jju tragen. Aber das ist doch nicyt etwa das eigentümliche für die Landwirtschaft, sondern alle Stände haben unter der Steuerlast zu leiden. Es ist eine Ungerechtigkeit, wenn immer wieder hervorgehoben wird, daß nur die Landwirt­schaft leide. (Große Unruhe und lärmende Zurufe rechts.) Wir können unmöglich in drei Monaten und ohne Rücksicht auf das Reichsbewertungsgefetz eine Reform zustande bringen. Wir brauchen also die F r i ft bis Ende März 1926, um die Reform auf der neuen Grundlage aufzubauen. Unser ursprünglicher Gesetzentwurf decht sich in die­sem Punkte wörtlich mit einem Antrag der Deutsch- nationalen Partei. (Hört! hört! links.) Auch der Staatsrat hat unsere Vorlage gebilligt. Nach un­serer Voraussicht müßte am 1. Oktober eine neue Verlängerung von drei Monaten beschlossen wer­den. Alle Statsnotwendigkeiten sprechen für den von uns gewünschten Termin. Ich kann also nur nochmals bitten, den Antrag Meiner abzulehnen.

Abg. Dr. Wäntig (Soz.): Wir halten die Grundsteuer auch heute noch für unhaltbar, aber eine grundlegende Reform in Preußen jetzt oor- zunehmen, scheint uns unmöglich.

Abg. Thiele (Soz.): Wenn man dem g e - werblichen Mittelstand zur Hilfe kommen will, darf man diese Frage nicht noch mit der land­wirtschaftlichen Kreditfrage bepacken. Wir sind durch­aus bereit, auch dem gewerblichen Mittelstand zur Hilfe zu kommen und halten den Zentrumsantrag auf Bewilligung von 20 Millionen Mark für den richtigen Weg. Abg. K ö l g e s (Zentr.) weift auf die Leere des Saales hin, als ein beredtes Zeichen von dem Grad der Teilnahme, den der gewerbliche Mittelstand findet. Dem Handwerk und dem Ge­werbe muß endlich geholfen werden. Abg. Bayer- Waldenburg (D. Vp.) beantragt, in dem Antrag die Worteund die Konsumgenossenschaften" zu streichen.

Das Haus nimmt bann die namentliche Ab- ftimmung vor über die Notverordnung, die die Geltungsdauer der Grundsteuer bis zum 30. Juni festlegt. Zunächst wird mit 160 gegen 104 Stimmen der Notverordnung die Genehmigung er­teilt. Vom Zentrum ist ein Kompromißan- trag eingebracht worden, dem die anderen Regie­rungsparteien beitraten und der das Grundsteuer- gcfetz bis zum 31. Dezember 1925 verlängern will, lieber diesen Antrag wird wiederum namentlich abgestimmt. Er wird mit 182 gegen 109 Stirnen angenommen. Die übrigen Anträge sind da­durch erledigt.

Es folgt die Beratung der Anträge über die Kreditnot des Mittelstandes und der Landwirt­schaft usw.

Abg. Dr. Leidig (D. Vp.) berichtete über die Ausschußverhandlungen. Der Ausschuß hat die Be­reitstellung eines Betrages von 50 Millionen für Handwerk, Einzelhandel und Konsumgenossenschaf­

ten empfohlen und schlägt außerdem eine Reihe von weiteren Maßnahmen zur Behebung der Kre­ditnot vor. Abg. v. Rohr (Dschnl.): Auch die Kon- umenten haben ein unmittelbares Interesse an der Behebung der Kreditnot der Produzenten, des Handwerks und der Detaillisten.

Die Landwirtschaft ist mit tiefster Besorgnis über ihre neuerliche ungeheure Verschuldung erfüllt. Zu­dem stellt die furchtbare Dürre bereits die Ernte des Sommerkorns in Frage.

Die Ausfchußanträge haben ja erfreulicherweise zum größten Teil unseren Anregungen Rechnung getragen. Die Zinssätze für Neubauten müssen auf ein wirtschaftlich tragbares Maß herabgesetzt wer­den. Die Postscheckeinnahmen sollten der Wirtschaft mehr zugute kommen. Mindestens sollte ihr ein Be­trag von mindestens 100 Millionen Mark langfristig unter billigen Zinssätzen wieder zur Verfügung ge­teilt werden.

Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff: Es oll hier eine Sonderaktion aus Staatsmitteln für den gewerblichen Mittelstand in die Wege geleitet werden. Es fragt sich, woher die Mittel genommen werden sollen, um die 50 Millionen flüssig zu machen. Es kann nur auf die verfügbaren Ueber- chüsse und auf eine andere Verteilung zurückge­griffen werden. Eine Erklärung, die 50 Millionen zur Verfügung zu stellen, kann ich nicht ohne wei­teres abgeben. Wenn es aber der Mindestantrag ist, daß wir umdisponieren können, so bin ich da­mit vollkommen einverstanden.

Hierauf wird die Weiterberatung auf Freitag 12 Uhr vertagt.

PamlLVss Marok oreise

Zusammenkunft mit Primo de Nrvera.

Paris. 10. Juni. (WB.) Havas meldet aus 'Barcelona: Das Flugzeug, das den franzö- isfchen Ministerpräsidenten, der sich nach Marokko begibt, um sich an Ort und Stelle über die Lage zu informieren, an Bord hat, ist um 7.45 älhr in Barcelona gelandet und um 8 Tlhr in Richtung Alicante weitergeflogen, wo es um 9.25 TIhr spanischer Zeit gesichtet wurde. Das Flugzeug ist um 6.30 Uhr abends in Rabat eingetroffen. General Primo de Rivera will Freitag in Rabat eintreffen, um mit Pain-- lev« über die Frage der französisch-spanischen Zusammenarbeit in Marokko zu verhandeln. Painleve hat in Barcelona Journalisten gegen­über erklärt, er glaube, daß man bezüglich der Marokkofrage zu einem französisch-spa­nischen Einverständnis und zu einer Po­litik der Zusammenarbeit kommen werde, die die Unterwerfung der Rifleute erleichtern würde. Dieses Zusammenarbeiten könne sich für den Augenblick auf den Waffen- »anbei gemäß den Abmachungen des Völker­bundes erstrecken. Die Verhandlungen in Madrid könnten zu einer Zusammenarbeit zu Dreien mit den treirgebliebenen Rifleuten führen. Man müsse es den Rifleuten begreiflich machen, daß es in ihrem eigenen Interesse liege, Bedingungen an­zunehmen, damit ein dauerhaft.. Friede erzielt werde.

Auf der Tagesordnung der am Montag be­ginnenden Konferenz stehen folgende Punkte:

1. Tlnterbindung des Waffenschmuggels. 2. Prüfung der Grenzberichtigung bei­der Zonen entsprechend den Bestimmungen des Vertrages von 1912.

3. Ausweisung verdächtiger Personen.

4. Rachrichten-Austaufch zwischen bei­den Lagern.

5. Förderung der französisch-spanischen Zu­sammenarbeit in Marokko.

Erbitterte Kämpfe in China.

Hebet 200 Tote. Versenkung von Dampfern.

R e u y o r k, 10. 3unl (I. U.) Rach den letzten Meldungen aus Kanton hat sich aus den bisherigen Kämpfen in der Stadt eine förmliche Schlachl entwickelt. Bisher hak es auf beiden Seiten über 2 0 0 Tote gegeben. Die chinesischen Söldner haben die Besatzung des größten Kanonenbootes der Re­gierung durch Bestechung zu veranlassen gewußt, im Hafen eine Reihe von Handelsschiffen zu versenken.

Mehrere Tausend Studenten zogen vor das Auswärtige Amt. Eine Abordnung verlangte u. a. die Entsendung russischer Truppen nach Schanghai, um das Fremdenviertel zu besetzen. Da die Antwort des Außenministers die Menge nicht befriedigte, zertrümmerte sie das Mobiliar, Spiegel und Fensterscheiben.

Die Generäle Tschang-Tso-Lin und Feng-Vu-Hsiang haben wegen der Schanghai-Angelegenheit an den Präsidenten Tuan-Schi-Jui ein Telegramm gesandt. Tschang-Tso-Lin gibt eine Darstellung der Vor­fälle in Schanghai und fordert den Präsidenten auf, das Volk zu schützen und die ganze Ange­legenheit mit Festigkeit zu behandeln. Er und feine Mitarbeiter glaubten, so schließt das Tele­gramm, protestieren und in dieser Zeit eine Ein­heitsfront mit Tuan-Schi-Jui zeigen zu sollen. Das Telegramm ist von Tschang-Tso-Lin und seinen wichtigen Generälen unterzeichnet. Das Telegramm Feng-Vu-Hsiangs lautet ähnlich und ist ebenfalls von ihm und seinen Untergebenen unterzeichnet.

In London werden die Verhältnisse in China nach wie vor als b e s o r g n i s e r r e g e n d angesehen. Doch sind für die nächste Zeit keinerlei diplomatische Schritte zu erwarten. Die im Herbst stattfindenden Verhandlungen über die Erhöhung der chinesischen Zölle sollen nach Auffassung maß­gebender Kreise die Gelegenheit geben, die Be­schwerden und Sorgen Chinas zu erörtern. Das Maß des Entgegenkommens der Dertragsmächte wird sich indessen nach der weiteren Entwicklung der Dinge richten. Man wird Garantien dafür verlangen, daß die Vermehrung des chinesischen Staatseinkommens in Zukunft nicht lediglich der Finanzierung des Bürgerkriegs und Unruhen dient.

Kleine politische Nachrichten«

Der preußische Ministerpräsident Braun hatte für Mittwoch zu einem politischen Bier­abend eingeladen. Es waren u. a. erschienen: Reichspräsident von Hindenburg in Beglei­tung des Staatssekretärs Dr. Meißner, der Reichskanzler Dr. Luther mit den Reichs­ministern Dr. G e ß l e r und Dr. Freuten sowie Dr. (5 t in g I. Ferner waren anwesend die zur Zeit in Berlin weilenden preußischen Minister Professor Dr. Becker, Steiger, Dr. Höpker-

Aschoff und Dr. Schreiber sowie die Vor­stände der Fraktionen des preußischen Landtags. Ferner sah man den Reichstagspräsidenten Loebe, den Landtagspräsidenten Bartels und die beiden Vizepräsidenten des Landtags. Weiter waren anwesend sämtliche P r e u h ischen Staatssekretäre, der Polizeipräsident von Berlin, Oberbürgermeister Dr. Böß, Stadtver­ordnetenvorsteher Haß, Direktoren der Berliner Hochschulen, sämtliche Gesandten der deutschen Länder, die preußischen Bevollmächtigten zum ReichSrat. der Präsident der Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft von H a r n a ck, eine große Anzahl von parlamentarischen führenden Persönlichkeiten, der Wirtschaft und der Gewerkschaften und zahl­reiche Vertreter der großen Berliner und auswär­tigen deutschen Presse.

Die Besatzungsbehörde hat das Verbot der drahtlosen Telegraphie zugunsten der Schulen, der Sanft-, und der Presse teilweise auf­gehoben. Der Besitz und der Gebrauch der drahtlosen Telegraphie ist in jedem Einzelfalle von der Genehmigung der Besatzung abhängig.

Die Lage der Zeche General Blumenthal I/II hat sich in den letzten Monaten derartig verschlech­tert, daß die Verwaltung beim Demobilmachungs­kommissar Entlassungen großen U m - a n g 5 beantragt hat. In der gestrigen Verhand­lung vor dem Demobilmachungskommissar wurden die zum 15. Juni angekündigtcn Entlassungen g e- nehmigt. Weiter wurde die Entlassung von 850 Belegschaftsmitgliedern einschließlich Beamten zum 1. Juli bewilligt.

Der versammelte Gesamtoorstand des Reichs- b u n ö e 5 deutscher M ieter e. V. hat Ent» chließungen angenommen, in denen u. a. gefor­dert wird, daß die bestehenden Bestimmungen des Mieterschutzgesetzes in jeder Beziehung nicht nur ür die Wohnräume, sondern auch für die ge­werblichen Räume a u f r e ch t e r h a 11 e n bleiben. Eine weitere Entschließung wendet sich gegen die Behandlung der Sparguthaben in der Regierungsvorlage und fordert den höchstmöglichen Aufwerfungssatz für diese Guthaben mit Hilfe der Wegsteuerung eines Teiles der Jnflationsgewinne.

Die siebente Tagung der deutschen Wohnungsämter in Stuttgart, die aus allen Teilen des Reiches stark besucht war, faßte fol­gende Entschließung: Die Vereinigung deutscher Wohnungsämter hält es für zweckmäßig zu prü- en, ob ein reichsgesetzlicher Sparzwang für Ledige zur Beschaffung von Hypotheken für den Wohnungsbau einzuführen sei. Sie ersucht b* = halb 1. den Deutschen Städtetag und den Reichs­tädtebund, die Angelegenheit baldmöglichst zu be­arbeiten, 2. den Deutschen Sparkassenverband, eben» alls zu dieser Angelegenheit Stellung zu nehmen.

Das preußische Staatsministerium hat be­schlossen, die Verleihung der Rettungs­medaille wieder aufzunehmen, da hierin kein Verstoß gegen die Reichsverfassung erblickt wrrd, und nachdem die Reichsregierung vor erniger Zeit sich auf den gleichen versasfungsrechtltchen Standpunkt gestellt hat.

Aus aller Welt.

Brand einer Zuckerfabrik.

Berlin, 10. Juni. (WTB.) Heute früh gegen Uhr bemerkte der Fabrikwächter der Aktien» Zuckerfabrik in (Brächen auf seinem Rundgange durch die Fabrikräume in der abseits liegenden Futtermittelmischstation einen Brand, der vermut­lich durch Selbstentzündung entstanden ist. Die im ersten Stockwerke lagernden 200 Zentner Futtermittel verschiedener Art, Halmkern- schrot, Malzkeime und Roggenschnitzel verbrann­ten, ebenso tausend leere Zuckersäcke, die über die­sem Stockwerk lagerten. Das Hauptfabrikgebäude war durch eine massive Mauer von dem brennen­den Gebäude getrennt, so daß für die Fabrik keine besondere Gefahr bestand. Der durch Versicherung gedeckte Schaden wird auf 7080 000 Mark ge­schätzt.

Das Bellheimer Fährhaus abgebrannt

Das Beltheimer Fährhaus, wo sich am 31. März das große Pontonunglück der Reichswehr ereignet hatte, ist durch Brand völlig zerstört worden. Von dem Hausrat des Fährmanns Huck, der an jenem Tage durch feine mutige Hilfeleistung mehreren Soldaten das Leben gerettet hatte, konnte nichts geborgen werden.

Kesselexplosion auf einem Dampfer.

Im Hafen von Aberdeen ereignete sich auf dem deutschen FischdampferSthame r" aus Cuxhaven eine Kesselexplosion, durch die Oberingenieur Linnemann getötet wurde.

Russischer Demonstrationsflug nach China.

Wir hören aus Moskau: Mittwoch früh ist ein Luftgeschwader, bestehend aus 6 Luft­schiffen mit 20 Personen Besatzung, nach der Mon­golei und Peking abgeflogen. Diese 7000 Kilo­meter lange Rekordstrecke führt durch das Uralge» birge, Sibirien, über den Baikalsee und die Wüste Gobi. Beim 2kuschied betonte Rykow die große kulturelle, politische und wirtschaftliche Bedeutung des Luftverkehrs mit China und die Wichtigkeit eines solchen Sympathieaktes während des erbit­terten Kampfes des chinesischen Volkes für feine Befreiung.

Paul Vetter Intendant in Kassel.

Der Musikschriftsteller Paul Bekker aus Frankfurt wurde durch den preußischen Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung end­gültig zum Intendanten des Kasseler Staatstheaters ernannt. Herr Bekker wird sein Amt Anfang August mit dem Beginn der neuen Spielzeit antreten. Der Magistrat und die städtische Kunstkommission in Kassel wurden bet der Ernennung Bekkers vom Minister über­gangen. Dieser erklärte, daß die Befürchtungen für das Schauspielhaus unbegründet seien. Die Regierung sorge für die künstlerische Hohe des Hauses durch die Berufung geeigneter Kräfte.

Wettervoraussage.

Wenig Aenderung der herrschenden Wetterlage.

Aus Skandinavien wird überall Barometerfall gemeldet. Während das Hochdruckgebiet weiter west- wärts wandert, bringt das Tief von Norden und Osten her ein. Morgen dürfte unsere Wetterlage abgesehen von der Möglichkeit örtlicher Gewitter­störungen noch wenig verändert sein, während in den nächsten Tagen im Falle eines weiteren Vor­dringens des Tiefs eine Aenderung des Witterungs- 1 charakters möglich ist.

Aus Stabt und Land.

Donnerstag, den 11. Sv<. "225.

Ist die Lahn Derzeitcy. ?

Der Kreis-Medizinalrat Dr. Walger tc.it uns mit:

In Gießen und Umgegend sind Gerüchte im Umlauf, daß in Marburg eine Ty phus- epidemie herrsche, und daß die L a h n v er» eucht und das Baden in der Lahn gefährlich ei. Abgesehen davon, daß, wenn wirklich ein« nat Typhusbazillen in die Lahn hineingerat n ein sollten, der Fluß auf feinem 30 Kilometer langen Laufe von Marburg bis Gießen längst die natürliche Selbstreinigung vollzogen haben würde, so daß eine Gefahr bei uns nicht mehr bestünde, so haben meine Erkundigun­gen beim Kreisarzt in Marburg er­geben, daß von einer Typh.nsepi.de- mic in Marburg keine Rede if?T"

Die Veranlassung zu diesen Gerüchten gab wohl das Vorkommnis, daß in einem in der Rähe der Lahn gelegenen Hause in Marburg vor einiger Zeit vier zugereiste Personen an Unterleibstyphus erkrankt sind. Die Jnsektions- quelle war Einschleppung von auswärts und die Erkrankten wurden sofort in die Universitäts­klinik überführt und die erforderlichen Desinfek- tionsmahnahmen veranlaßt. Weitere Erkrankun­gen haben sich auch nicht ereignet und die ge- amte Einwohnerschaft Marburgs einschließlich Professoren und Studenten freut sich beim fröh­lichen Baden in der Lahn des sonnigen Sommer­wetters. Möge die Einwohnerschaft Gießens und Umgegend unbesorgt hier das Gleiche tun.

. " Voraussichtlich weitere Stun­

dung der am 15. Juni fälligen Ver­mögenssteuer rate. Die ursprünglich am 15. Mai fällige Vermögenssteuervorauszahlung wurde durch ein besonderes Gesetz vom 27. Mai bis zum 15. Juni ausgesetzt. Der Reichstag ging dabei von der Annahme aus, daß bis zu diesem Tage das dem Reichstag vorliegende neue Vermögenssteuergesetz, das die Vorauszah­lungen neu regelt, angenommen fei. Da aber nach dem augenblicklichen Stand der Beratungen bis zum 15. Juni mit der Annahme des Gesetzes nicht gerechnet werden kann, hat der Hansabund beim Steuerausschuh des Reichstages angeregt, rechtzeitig durch ein neues Gesetz die am 15. Juni fällige Vermögenssteuervorauszahlung bis zur endgültigen Verabschiedung des neuen Der- mögensfteuergesetzes auszusetzen. Der Hansabund empfiehlt, die Vermögenssteuer nicht vor Ablauf der gesetzlichen Schonfrist, somit nicht vor dem 22. Juni, zu zahlen, da bis dahin mit einer weiteren Hinausschiebung der Zahlung zu rech­nen ist.

** Ausgabe neuer Rentenbank­scheine über 50 Rentenmark. An Stelle der bisherigen wird ein neuer Rentenbankschein über 50 Rentenmark in den Verkehr gebracht. Der neue Rentenbankschein ist 85 mal 155 Millimeter' groß und auf weißem, mit einer gemusterten Riffelung versehenem Papier gedruckt. Das rechtsseitig im Pa­pier eingeformte Wasserzeichen stellt Eichenlaub und Kreuzdorn in ornamentaler Verarbeitung dar. Die Wirkung dieses Wasserzeichens wird durch die lachs- rosa Färbung des Papierstreifens, der kupferbraune und grüne Fasern enthält, erhöht. Auf der Vorder- feite befindet sich rechts ein etwa 40 Millimeter breiter Schaurand, der in seinem oberen Teil die Bezeichnung50 Rentenmark" enthält. Im Druck­bild des Scheines befindet sich rechts ein von einer schmalen Zierleiste umgebenes, braun getöntes, recht­eckig eingerahmtes Kopsbildnis eines Landarbeiters. Darüber und darunter find Guillochenmuster an­gebracht, von denen das untere die Wertzahl50" enthält. Der durch eine breite Zierleiste umgebene, in den Farben grün, braun und blau spielende Zahlenuntergrund trägt die in deutschen Buchstaben und schwarzer Farbe aufgedruckte Beschriftung. In der Zierleiste stehen oben links mb unten rechts die Reihenbezeichnung und Nummer in roter Farbe. In der linken unteren Ecke der Vorderseite befindet sich in einem ausgesparten, von einer feinen Zier­leiste umgebenen runden Feld der Trockenstcmpel mit einem Aehrenbündel und Umschrift:Deutsche Rentenbank Berlin". Die Rückseite zeigt links einen etwa 40 Millimeter breiten unbedruckten Rand. Das in den Farben braun, gelb und grün spielende Druck­bild besteht aus reichverzierten Guillochen in ver­schiedenartigen Formen. In einer runden Guilloche in der Mitte des Bildes befindet sich ein Aehren­bündel. Darüber und darunter steht wellenförmig gebogen die InschriftDeutsche Rentenbank", rechts und links die Wertzahl50" und unten der Straf­satz. Die Beschriftung ist in brauner Farbe auf- gedruckt.

** Verwaltungsoberinspektor Otto Koch T. In der Nacht zum Mittwoch ist der Amts­vorstand des städtischen Versicherungsamtes und der Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte und Krie­gerhinterbliebene, Derwaltungsoberinspektor Otto Koch, im Alter von 42 Jahren verstorben. In Leihgestern als Sohn des dortigen Lehrers Koch geboren, kam der nun Entschlafene schon früh mit unserer Stadt in Berührung; er besuchte hier die Schule, diente bei den U6ern als Einjährig-Frei­williger, und nachdem er in verschiedenen auswär­tigen Verwaltungen tätig gewesen, darunter in Offenbach, den Feldzug mitgemacht hatte, trat er am 1. Dezember 1918 bei der hiesigen Stadtverwaltung ein. Hier gelang es ihm bald, sich die Wertschätzung seiner Vorgesetzten, Kollegen und weiter Kreise der Bürgerschaft zu erringen. Man wird das Andenken des pflichteifrigen, allezeit hilfsbereiten und liebens­würdigen Mannes stets in bester Erinnerung be­halten.

** Gefaßte Diebe. Die am 9. I. Mts. be- tamügegebenen und beschlagnahmten Schaf- und Ziegenfelle wurden nach den angestellten Erhebun­gen in der Nacht zum 4. d. M. aus dem verschlos­senen Güterbahnhof in Friedrichsdorf i. T. gestohlen. Es kommen die am 8. hier festgenom­menen zwei Personen als Täter in Frage. Eine derselben wird noch von der Staatsanwaltschaft Oldenburg steckbrieflich verfolgt. Die vor einigen Tagen bekanntgegebene gestohlene goldene Damen» uhr mit abgebrochenen Zeiger, wurde hier ermittelt und konnte der Eigentümerin zurückgegeben werden.

" F r a u e n g r u pp> e der D. V. P. Man berichtet uns: Bei herrlichem Wetter vereinigte sich sebr zahlreich die Frauengruppe der D. V. P. zum Ka* ee imPhilosophenwald". Geschäfts­führer Weißer lieh in begeisternden Worten die durch Sage und Geschichte geweihten Stätten des Rheins an unferm innern Auge vorüber­ziehen. Ör gab in gedrängter Form einen Heber- blick über fast 2000 Jahre rheinisch-deutscher Ge­schichte und zeigte, wie die Völkerschicksale Euro­pas letzten Endes immer am Rhein entschieden