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Deutschlands <ckwas mit der Bildung Der augenblicklichen Regierung zu tun hatten. Die Rlchrbesetzung habe zwei Milliarden eingebracht und es crnwglicht, den Dawesplan zu schaffen. Das augenblickliche Ministerium sei nicht das erste, das für den Frieden gearbeitet habe. Dor ihm habe man den Dawesplan angenommen. DiegSßlrtif des Kabinetts Herriot sei nicht ge­eignet gewesen, die finanzielle Sanierung herbei­zuführen.

Nach einer kurzen Erwiderung des Minister- päsidenten verliest der Senatspräsident den Wort­laut der Tagesordnung Vien venu Martin, die Herriot das Vertrauen ausspricht und den Wort­laut der Tagesordnung der demokratischen Linken, sowie den Wortlaut der vom Vorsitzen­den derFraktionPoincarä eingebrachten Ta­gesordnung C a e r o n , die folgendermaßen lautet: Der Senat, überzeugt, daß die Lösung des Finanz­problems eng verknüpft ist mit der allgemeinen Po­litik, ist entschlossen, das Vertrauen nur einer Negierung zu gewähren, die durch die Ei­nigkeit der Republikaner den inneren Frieden und die nationale Eintracht durch die Vereinigung aller Republikaner wieder Her­st e 'l l t. Ministerpräsident Herriot fordert die Priorität für die Tagesordnung Bienvenu Martin und stellt die Vertrauensfrage. Die Abstimmung ergibt, wie bereits gemeldet, dia A b - ehnungder verlangten Priorität mit 156 gegen 132 Stimmen. Die Regieung ist also mit 2 4 S t i in- men in der Minderheit geblieben.

Hierauf wurde über die Tagesordnung E a e - von abgestimmt, die 160 gegen 0 Stimmen erzielte, da die demokratische Linke fid) der Abstimmung ent­hielt. Aus Vorschlag des Senatspräsidenten hat sich hierauf der Senat auf unbestimmte Zeit vertagt.

Nach Beendigung der Sitzung haben mehr als hundert Senatoren Ministerpräsident H e r r i o t, als er den Sitzungssaal verließ, um sich nach seinem Wagen zu begeben, eine Huldigung dargebracht. Sie begleiteten ihn. unterstützt von vielen Abgeord­neten, die der Senatssitzung beigewohnt hatten, bis an den Wagen und riefen:Es lebe Herriot! Es lebe die Republik!" Auch einige Rufe wieNieder mit dem Senat!" wurden ausgestohen.

Um Herriots Nachfolge.

Paris, 11. April. (TU.) Aach dem Sturz Herriots im «Senat begaben sich die Pr.äsi- denten der Kammer und des Senats um 1/210 Uhr abends ins Elhsee. Die Führer des Linkskartells sind am Abend zu einer dringenden Sitzung zusammengetreten. Die Pa­riser (Blätter teilten in Sonderausgaben den Sturz des Kabinetts mit. Es sind eine große Reihe von Gerüchten in Umlauf, die die Reu- bildung der Regierung betreffen. Die einen spre­chen von einem Kabinett Painleve-Lou- cheur, die anderen von einem Kabinett d e M o n z i e. die dritten von einem Kabinett Bri - and und andere wieder wollen wissen, daß die Bildung eines anderen Kabinetts unwahrschein­lich sei. Alle diese Gerüchte können nur mit dem größten Vorbehalt wiedergegeben werden, doch spricht viel dafür, daß an Driand die Auf­forderung zur Kabinettsbildung ergehen wird. Paris Soir" stellt ausdrücklich den Willen der Mchüheitsparteien fest, nur ein linksge­richtetes Kabinett zu unterstützen. Aus­führliche Kommentare liegen zur Stunde noch nickst vor. Die Presse faßt die Befriedigung der Gegner Herriots über seinen Sturz in den Wor­ten zusammen, ganz Frankreich werde jetzt einen Seufzer der Erleichterung aussto^n.

Marin" glaubt ziu wissen, daß Dou- Lwergue noch im Laufe des Tages eine Persön­lichkeit mit ber Bildung des Kabinetts beauf- f tragen werde. Augenscheinlich hat der Mehrheits- . block Herriot und Painleve als Kandi- * buten für das neue Kabinett in Aussicht ge- irvmmen. Es ist aber recht unwahrscheinlich, daß der Senat dem neuen Kabinett Herriot das Ver­trauen aussprechen wird, selbst wenn der unmög­lich gewordene ilnterrichtsminister Francois Al­bert fallen gelassen werde. Die Möglichkeit eines Konfliktes zwischen Kammer und Senat wird damit in gefährliche Röhe gerückt. Dem Senat allein steht das Recht zu. die Aus­losung der Kamnrer vorzuschlagen. Da aber bad Budget noch nicht verabschiedet ist, wird der Senat kaum von diesem Dorrecht Gebrauch machen.

Journal" kommt auf Grund von Erkundi­gungen in politischen Kreisen zu dem Schluß, daß der Senat em Konzentrationskabinett unter hauptsächlichster Mitarbeit der Radikalen wünscht, selbst wenn es die Unterstützung der So­zialisten nicht systematisch habe. Das Blatt ver­weist auf die Gerüchte, nach denen 314 Abgeord­nete des Mehrheitsblocks eine Kundgebung vor­bereiten wollen, um das Verbleiben Her­riots an der Spitze des Kabinetts zu er­zwingen.

Das Echo der Berliner presse.

Berlin, 11. April. (Wolff.) Zum Sturz Her­riots bemerkt derB e r l. Lokalanz.": Im Grunde handelt es sich wohl bei den gegenwärtigen Vorgängen in Kammer und Senat nicht bloß um Frankreichs Finanzpolitik, sondern um eine G e - samtabrechnung mit Herriot und seinem poli­tischen Programm. Der Zufall will es, daß un­mittelbar vor Herriots Sturz M i l l e r a n d wieder in den Senat zurückgekehrt ist, dem ja auch Poin - c a r £ als sehr aktives Mitglied angehört. Die näch- ften Tage werden erkennen lassen, ob die Zeit dieser beiden Staatsmänner für Frankreich wieder gekom­men ist.

DieZeit" schreibt: An zwei Fragen ist Herriot gescheitert, an der Opposition, die er fid) in den kirchlichen Kreisen und den religiös ein­gestellten Bevölkerungsschichten im Lande selbst geschaffen hat, und an der verhängnisvollen Entwicklung des Franken, an der er nichtschuld ist. Die allgemeine Verbitterung über die Verteuerung der Lebenshaltung und die A n g ft vor der drohenden Inflation gaben den Anlaß, den die Opposition brauchte, um den ver­haßten Mann zu stürzen.

Der Pariser Berichterftatter desB e rl i n e r Tageblatts" sagt zu dem Abgang Herriots: Dem scheidenden Herriot wird in der ganzen Welt niemand, außer den Freunden der Poincare und Millerand, das Zeugnis versagen, daß er mit auf­richtigem Eifer nach der Beruhigung Europas ge­strebt hat. Herriot hat Fehler gemacht, aber er war zu jeher Zeit absolut ehrlich. Weder die In­trigen seiner politischen Feinde, nod; eine lange Krankheit konnten seinen Willen und seine Kraft lähmen. Niemand in der Welt kann es gleichgültig sein, daß dieser Kämpfer für den Frieden den Kampfplatz verlasien will, lieber die Männer, die dazu bereit sind, nach Herriot das Amt her Regie­rung zu übernehmen, wird erst zu reden sein, nach­

dem der yrapoent Doumergue gesprochen hat. Nur ein Politiker großen Stils könnte Rettung bringen. Dieser Mann wäre C a i l l a u x. Da aber seine Zeit noch nicht gekommen ist, wird wohl ein Uebergang gesucht werden, viel­leicht eine Regierung Briand-Loucheur- Painlcv «, von der schon seit langem gespro­chen wird.

DieVoss. Zeitung" erklärt: Die Abstim­mung gegen Herriot bedeutet zugleich eine K a m p f- a n sag e gegen hie Kammer, in der am Gründonnerstag Herriot ein klares Vertrauensvo­tum habe erzielen können. Es dürfe erwartet wer­den, daß die Kammer sich jetzt erst recht hinter die Politik Herriots stelle.

Der Sicherheitspakt.

Die Initiative der deutschen Außenpolitik.

Hamburg, 9. April. (Wolfs.) Unter der UeberschriftDie Initiative der deutschen Außen­politik geht demHamburger Fremdenblatt" aus diplomatischen Kreisen ein Aussatz zu, der sich mit den Erörterungen über das deutsche Sicher­heitsangebot besaht und im Anschluß an _ die Klagen, daß die bisherige Information über Inhalt und Ziel des deutschen Angebots unge­nügend gewesen sei, bemerkenswerte Mitteilungen enthält. Aach dem Verfasser wollte die deutsche Regierung die begmnenSe neue Entente gegen Deutschland, die in dem Mächtepakt Frankreich-Cngland-Delgien unter Chamberlains Führung zur Ausführung kommen sollte, ver­hindern. Dies sei ihr gelungen. Dabei habe sie in England wie in Italien volles Derständms gefunden. Richt gelungen sei es ihr allerdings, die französischen Besorg­nisse vollkommen zu zerstreiten. Auch stehe noch nicht fest, ob die Initiative schließlich zu einem Ergebnis führe. Vorurteilslos betrachtet, sei sie aber nicht eine Politik des Verzichts, sondern eine zielbewutzte Politik zur Förderung wohlverstan­dener deutschen Reichsinteressen. Die Entente des Iahr-es 1914 sei tatsächlich 1925 zu Grabe getragen worden. Der An­spruch Deutschlands, seine Grenze im Osten zu revidieren und das Bedürfnis hierzu sei von Chamberlain wie von Baldwin ohne Einspruch anerkannt worden.

Die Ankündigung der angestrebten Revision des Vertrages von Versailles sei von der öffent­lichen Meinung der Welt, mit Ausnahme der französischen nationalistischen Presse, nicht nur mit Ruhe hingenommen worden, sondern habe auch Billigung gefunden.

Das Sicherheitsangebot verzichtet auf eine aggres­sive kriegerische Politik zur Wiedergewinnung Elsaß-Lothringens. Eine friedliche Ver- ständigung über die Wiedergewinnung von Eu­pen und Malmedy sei durch einen solchen Sicherheitspatt natürlich nidjt ausgeschlossen. Aber auch die elsässische Frage sei durch das Sicherheitsangebot nicht aus der Diskussion Eu­ropas verschwunden. Wollen die ElsÄfer die Autonomie erstreben, so stehe ihnen der Weg dazu innerhalb der eigenen Kräfte offen. Auf der anderen Seite bedeute der vorgeschlagene Sicherheitspakt für Frankreich den Verzicht auf alle Pläne, das linke Rheinufer durch militärische Gewalt zu nehmen. England würde dcüwrch gezwungen werden, bei seinem Angriff auf das deutsche Rheinlaick mit Deutsch­land Schulter an Schulter zu kämpfen.

Die Dinge im O st e n seien nicht abgeschlossen. In dem Augenblick, in dem die russische Ent­scheidung darüber falle, ob Rußland sich dauernd innerhalb seiner jetzigen Grenzen be­wegen will oder ob es die Randstaaten- und die polnische Frage auftolle, beginne, auch wenn man nicht an einen Austrag mit der Waffe denkt, sondern vielleicht an eine Erörte­rung der großen internationalen Konferenz, ein neuer Abschnitt der europäischen Geschichte. Das deutsche Memorandum an zehn Völkerbundrats­mächte habe mit Entschiedenheit alle deut­schen Proteste aufrecht erhalten, die jemals beim Abschluß internationaler Verträge erhoben worden seien, so hinsichtlich der' Kolo- n i a [ f r age und der Kriegsschuldfrage.

Weitere Verschleppung der französischen Antwortnote.

Paris, 11. April. (T. U.) Nach demPetit Journal" wurde der französische Antwortentwurf auf das deutsche Garantieangebot vorn 24. Januar im Verlaufe des letzten Ministerrates einer Aen­de r u n g unterzogen. Die Antwortnote konnte also nicht unterzeichnet werden.

Reichspräsidentenwahl und Außenpolitik.

Berlin, 9. April. (T. U.) Unter der Heber- schrift:Reichspräsidentenwahl und Außenpolitik" schreibt dieZeit" u.a.:Die Außenpolitik der Reichsregierung ist international f c ft ge­legt, und es ist ganz selbstverständlich, daß diese Außenpolitik f o r tg e f ü h r t werden wird und fort­geführt werden muß. Das Reichskabinett kann in dieser Politik vorn Reichstag desavouiert werden, dem die letzte Entscheidung über die Ver­träge zufteht, die sich aus der Außenpolitik ergeben können, sofern die eingeleiteten Verhandlungen zum Ziele führen und nicht von irgendeiner Entente­macht in Betracht kommen wohl nur gewisse französische Bestrebungen durchkreuzt werden. Inwiefern Hindenburg im Falle einer Wahl diese Politik durchkreuzen sollte, ist nicht erfindlich. Wer sich das Leben des Generalfeldmarschalls von Hindenburg vor Augen hält, wird finden, daß Hin­denburg es peinlich vermieden hat, die große Stellung, die er im öffentlichen Leben Deutschlands cinnimmt, zur Beeinflussung außenpolitischer Fra­gen jemals auszunutzen. Wer unserer Außenpolitik nützen will, wird gut daran tun, gerade auf diese CharaktereigenschaftenHinden- b u r g s hinzuweisen, anstatt Mißtrauen im Aus­lande in einem Augenblick zu nähren, der der d e n k- bar ungeeignetste ist, um diesem Mißtrauen Nah­rung zu geben.

Ein Ausruf des Volksblocks.

Berlin, 9. April. (WTB.) Der Volks- block hat für den zweiten Wahlgang einen Auf­ruf erlaffen, in dem die Parteien des Volks­blocks und die republikanischen Organisationen im ganzen Reiche aufgefordert werden, sich zu­sammenzuschließen und den Kampf für die Kan­didatur Marx gemeinsam zu führen für das vom Volksblock verfolgte Ziel: Für Vaterland, Volks- flaat und Republik.

Der Deutsch-spanische Handelsvertrag

Berlin, 9. April. (WB.) Die dLutsche Handelskammer in Barcelona hat an die Reichsregierung anläßlich der Ablehnung des deutsch-spanischen Handelsab- ko mmens durch den Handelspolitischen Aus­schuß des Reichstages folgendes Telegramm ge­richtet: Das Abstimmungsergebnis des Handels­politischen Ausschusses hat sofort lahmendauf den deutschen Absatz in Spanien gewirkt. Angesichts des nunmehr befürchteten Zollkrieges lehnen die spanischen Käufer die Vergebung neuer Aufträge ab und annullieren bereits erteilte. Um den Bruch der Handelsbeziehungen zu ver­meiden, ist die Ratifikation des Abkommens un­bedingt erforderlich.

Die Araber gegen Balfour.

London. 9. April. (Reuter.) Lord Bal­fours Ankunft in Damaskus hat große Un­ruhen unter der arabischen Bevöl­kerung hervorgerufen. Trotz des polizeilichen Schutzes drang ein vieltausendköpfiger Volkshaufe zum Hotel vor. in dem Lord Balfour ausgestiegen war und veranstaltete eine große Kunogebuag gegen die zionistische Politik Englands. Die Fensterscheibe des Hotels wurden durch Stein- toürfe eingeschlagen. Balfours Dragoman wurde verletzt. Der Leiter des Hotels begab in in Dal- sours Zimmer, zog die Jalousien herab und drehte das Licht aus. Die Menge warf Steine auf den Balkon. Die Polizei drängte schließlich die Menge auf den Platz gegenüber, wo heftige Reden gehalten wurden. Verschiedene Personen wurden verhaftet. Die Ruhe konnte gegen 10 Uhr wieder hergestellt werden. Zahlreiche Polizisten halten sich jedoch weiter in der Rähe des Hotels auf. Balfour war durch diese Kundgebungen sehr aufgebracht und erklärte, daß er keine Ahnung von der Möglichkeit von Unruhen ge­habt habe, und daß er niemals gekommen wäre, wenn er gewarnt worden wäre.

Testern nadjmitag kam es wiederum zu ernsten Ausschreitungen. Die Menge griff die zum Schutze beorderte Polizei mit Knütteln an und ver­suchte mit einem Hagel von Steinwürfen in das Hotel, das Lord Balfour bewohnt, einzu­dringen. Da man diese neuen Unruhen vorausge­sehen hatte, hatte Balfour sein Hotel nicht ver­lassen. Regierungstruppen mit Kavallerie, Panzerautos und Flugzeuge, die Rauchbomben ab- niarfen, mußten herbeigerufen werden. Es gelang diesen schließlich, die Menge zu zerstreuen. Eine Anzahl Polizisten wurden verletzt, darunter zwei ernstlich. Ungefähr 50 Zivilisten wurden verwundet, von denen 15 in das Krankenhaus eingeliefert wur­den. Der Oberfomiffar, General Sarrail, emp­fahl Balfour dringend, sofort abzureisen. Während die Truppen die Aufmerksamkeit der Menge ab­lenkten, fuhr Balfour unerkannt im Auto mit un­bekanntem Ziele ab.

Die Uebernahme Spitzbergens durch Norwegen.

Oslo, 11. April. (LU.) 2n informierten: Kreisen wird erwartet, dast gleich nach Ostern dem Storthing eine Gesetzesvorlage be­züglich der Uebernahme Spitzbergens durch Ror- wegen z,->hen wird, zu der alle Signal ar- machte . hro Zustimmung bereits er­teilt haben. Man nimmt an, daß im Sommer der Koni g, die Vertreter der Regierung und des Storthings anläßlich der offiziellen lieber= nähme Spitzbergen einen Besuch abftatten werden.

Kleine politische Nachrichten.

Der Minister für die besetzten Gebiete, Dr. Frenken, hat eine Reise nach dem be­setzten Gebiet an getreten und sich zuerst nach Köln begeben. Don dort wird er in Be­gleitung des Gen er al-Reichskommissars Schmid eine Reihe von Städten des besetzten Gebiets besuchen.

Am Freitag, vormittag fand die Urabstim­mung über den am Mittwoch für verbindlich erklärten Schiedsspruch im Hamburger Ver­kehrsstreik statt. Da sich eine Zweidrittel- Mehrheit für die Wiederaufnahme der Arbeit ergab, ist die Arbeit wieder ausgenommen. Der Verkehrsstreik, der fast 14 Tage dauerte, hat damit sein Ende erreicht.

Die offizielle Lettische Agentur teilt mit, daß die Sowjetregierung die Absicht habe, mit den baltischen Staaten einen Garan­tievertrag abzuschließen. Eine Bestätigung der Meldung von russischer Seite steht noch aus.

Zwischen dem englischen Kvlonialminrsterium und der ausftalischen Regierung ist ein Abkom­men getroffen worden, wonach in den kommen­den 10 Jahren sich in Australien 450 000 englische Auswanderer niederlassen kön­nen. Die australische Regierung hat dafür von England einen Kredit in Hohe von 34 Mil­lionen Pfund erhalten. Dieser Kredit soll in der Hauptsache zur Landesmelioration verwendet werden.

Freitag ist der seit längerer Zeit erwar­tete Rücktritt des amerikanischen Kriegssekretärs Weeks erfolgt, der vom Präsidenten angenommen worden ist. Als Grund zu bet Demission gab Weeks fernen Gesundheits­zustand an.

Aus aller Welt.

Schweres Eisenbahnunqlückin Spanien

Barcelona, 10. April. (WB.) Havas meldet aus Barcelona: Vergangene Rächt hat sich auf der elektrisch betriebenen Strecke von Sarria nach Bonnanvva ein schweres Eisen- bahnunglücr ereignet. Der Güterwagen eines aus zwei Wagen dritter Klasse und einem Wagen zweiter Klasse bestehenden Zuges, der mit etwa 180 Ausslüglern beseht war und der angeblich mit einer Geschwindigkeit von 110 Km. fuhr, entgleiste an einer schar- f c n Kurv e. Der entgleiste Wagen fuhr eine Strecke lang neben den Schienen weiter. Schließ­lich wurden auch die anderen Wagen zum Ent­gleisen gebracht und gegen bte Tunnel- wand geschleudert. Bis jetzt wurden 2 6 L eichen geborgen, 105 Reisende sind ver­letzt, von denen mehrere entsetzlich ver- l stüwmelt find. Unter den Verletzten sind

zanirctcye Kinder.JICan benrvQter, öaft noch weitere 50 Personen ihren Verletzungen erliegen werden.

vom Zuge überfahre».

Der Metzgermeister Scheidt aus Duisburg be» fand sich mit einem Dogcart auf der Rückfahrt von Gladbeck nach Duisburg. Zwischen Osterfeld und Oberhausen scheute plötzlich das Pftrd und rannte gegen eine geschlossene Eisenbahnschranke, Scheidt wurde auf den Bahnkörper geschleudert, Im gleichen Augenblick nahte ein Eifenbahnzug und fuhr dem Metzgermeister beide Arme und Beino ab. Der Tod ist auf der Stelle ein getreten.

Zusammenstoß zwischen Zug und Auto.

Heute morgen 7 Uhr fuhr an einer Straßen« kreuzung ein Eisenbahnzug der Bröhltalbahn gegen ein französisches Prioatlastauto, dessen Führer noch schnell vor dem Zuge das Geleis überqueren wollte. Das Auto und sein Anhänger wurden 100 Meter mitgefchleist und vollständig zertrümmen. Der ftraftmagenfüßrer und sein Begleiter wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Von den Fahrgästen des Zuges wurde niemand verletzt. Die Lokomotive ist nur leicht beschädigk.

Zwei Deutsche in Genua schwer verwundet.

R om, 9. April. (WTB.) Zwei junge Deut­sche aus Nürnberg namens Johann Laib und Paul Üneittinger, die sich während der Nacht in der Umgebung von Genua bei Mondschein ergingen, gerieten, ohne es zu wissen, in d ie Umgebung der Sperrforts. Sie verstanden den Anruf der Schildwache nicht. Die Schrldwacho geb Feuer und verwundete beide schwer. An der gleichen Stelle ist vor wenigen Monaten eine Englände r i n einem ähnlichen Vorfall zum Opfer gefallen. Wie dasGiornale d'Jtalia" berichtet, werden die beiden Deutschen als der Spionage verdächtig im Hospital von der Polizei überwacht. Im Hotel wurde ihr Gepäck beschlagnahmt.

Fünffacher Mord eines Eifersüchtigen

In Hillemühle in Nordböhmen tötete der Glasschleifer H a snel, der mit seiner Werbung zu­rückgewiesen worden war, aus Rache den Gast wirt Popperk, dessen Frau, Tochter und zwei Söhne. Der Täter wurde verhaftet.

Schweres Erdbeben in Mexiko.

Paris, 10. April. (Wolff.) Wie dieChicago Tribüne" aus Mexiko berichtet, ist Sombreret, eine Stadt von 10 000 Einwohnern imStaate Zacatecas, im Mittelpunkt des Silberberggrubengebietes, fast vollständig durch die Eruptionen benachbarter Vul­kane und durd) zu gleicher Zeit fid) etwa zwölfmal wiederholende Erdstöße zerstört worden. Man glaubt, daß Hunderte von Menschen ihr Leben ver­loren haben. Ueber das Gebiet wurde der Kriegs­zustand verhängt. Die genaue Zahl der Toten und Verwundeten wird erst in einigen Tagen festgestellt werden können.

Erdbeben in Tokio.

Nad) Blättermeldungen aus Neuyork wurde Tokio gestern von mehreren heftigen Erdbeben heimgefucht. Ueber den angertd)teten «schaden liegen noch keine Meldungen vor.

EOveres Schadenfeuer in Bergen.

Bergen, 11. April. (WTB. Funkspruch.) Hier brach ein Grvßfeuer aus. Sechzehn Häuser, größtenteils Warenlagen am Hafen, sind zer­stört worden. Man veranschlagt den Schaden an Gebäuden und Warenlagern auf 3 bis 5 Millionen Kronen.

Zwei Deutsche erschossen.

Zu den vor einigen Tagen durch die Presse gegangenen Meldungen Über die Erschießung der Brüder Wilhelm und Johann D v h m e n aus Esch Weiler und die Verwundung des August Schuhmacher aus Stolberg durch einen französischen Posten, der die Genannten auf dem französischen Schießstand bei Stockheim fKreis Düren) beim Kugelsuchen angetroffen hatte, erfahren wir von zuständiger Seite, daß die deutsche Botschaft in Paris bereits angewiesen wurde, den Vorfall bei der franzö­sischen Regierung zur Sprache zu bringen und eine gebührende Bestrafung des schuldigen Soldaten und Anordnungen zu verlangen, wetzche die Wiederholung eines derartigen Mißbrauchs der Schußwaffe durch ftanzösische Posten auS- schließen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 11. April 1925.

Ostern.

An einem Frühlingsmorgen des Jahres 1868 wanderte der Dichter Joseph Viktor von Scheffel bei Dettenheim am Oberrhein das Ufer ent­lang und beobachtete das neue ßeben der Ra- tur, das sich auf den Feldern, an den Bäu­men. in der Tierwelt und im Strome regte. Er faßte seine Eindrücke in einem Gedicht zu­sammen. das von großer Sprachgewalt ist und den Dichter auf der Höhe seiner Raturschilderungl zeigt. Jede Strophe klingt in das biblische Wort aus:Siehe, es ist alles neu geworden." Der Dichter singt von dem Wiedererwachen der Ra- tur, daran knüpft er den Hinweis, daß gleich dem Winter auch einmal Schuld, Kränkung und herbes Trauern von dem Menschen Abschied nehmen. Endlich stimmt er einen Hymnus auf die Unsterblichkeit der Seele an:

Und ruht im kühlen Schoß der Erde

Don allem Schmerz dein sterblich Teil, Getrost, getrost! Ein kräftig Werde Beruft dich einst zu beff'rem Hell.

Aus irdfchen Stoffs und Grams Verzehrung Reift unsichtbar ein frischer Keim,

Den eines anderen Mai Verklärung Zur Reife bringt in anderm Heim. Dort rauscht's in höheren Akkorden: Sieh! Es ist alles neu geworden."

In diesen Tagen erleben auch wir wieder das Kommen des Frühling. Seit Wochen haben die kleinen Vogel früh vor Tag mit ihrem Ge­sang den Lenz verkündigt, jetzt wftd alles grün, aus dem Leuchten der öDirne nehmen wir neuen Lebensmut. Doch ist dieses Raturgeschehen nur ein Sinnbild für die große Tatsache des christ­lichen Osterfestes. In Gram und Kummer waren die Jünger begraben, als der Meister auf Gol­gatha gestorben war. Die Furchtbarkeit dieses Ereignisses wird im Evangelimn mit den Worten beschrieben: Lind es war um die sechste Stunde, und es ward eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde. Und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tem­pels zerriß mitten entzwei. Drei Tage später lief jedoch unter den Getreuen Jesu eine merk-

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