Samstag, Ttpffi 1925
175. Jahrgang
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kommenden Parteien dem cntgegcntrcten fomt- ten Marsal bespricht dann die Frage der Do r - schüsse der Dank von Frankreich an den Staat uitb gibt ju, daß wiederbvlt uic Praxis geübt wurde, den gesetzlichen Rahmen zu überschreiten, was später je nach Möglichkeit wieder ausgeglichen wurde. Solange der Notenumlauf die gesetzliche Höhe nicht ubev- schritlen habe, föimc die Dank von Frankreich Gefchästspapiere diskontieren, und zwar über die Höbe der vorgeschriebenen Vorschüsse hinaus. Das' sei auch 1924 geschehen Der Notenumlauf sei 1924 niemals höher gewesen als 41 Milliarden. Plötzlich 1925 sei der Umlaut scharser gewesen, aber niemals sei die Grenze von 41 Milliarden überschritten worden.
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Paris, 11. April. (Sil.) Das Kabinett Herriot hat gestern nachmittag im Senate ine Niederlage erlitten. Nach sechsstündiger Debatte über das Finanzprogramm der Regierung blieb Herriot in der Abstimmung über die Vertrauensfrage mit 156 gegen 132 Stimmen in der Minderheit. Herriot begab sich unmittelbar nach der Abstimmung zum Präsidenten Doumergue, um ihm die Demission des Kabinetts zu unterbreiten.
Die amtliche Mitteilung über den Rücktritt des Kabinetts Herriot hat folgenden Wortlaut: „Anschließend an die Abstimmung hat sich der Ministerpräsident in Begleitung feiner ‘Mitarbeiter gestern abend um 10.10 Ahr in das Elhsee begeben, um dem Präsidenten der Republik das Rücktrittsgesuch des Kabinetts zu überreichen. Doumergue hat das Gesuch angenommen und die Minister ersucht, bis zur Bildung des neuen Kabinetts die Geschäfte w eiterju* führen. Bei der Aeberreichung des Rücktritts- gesuches dankte Herriot dem Präsidenten der Republik für die vertrauensvolle Mitarbeit und die wertvollen Ratschläge, die er dem Kabinett stets erteilt habe. Doumergue gab feinem Bedauern über den Rücktritt Ausdruck und zollte der Tätigkeit des Ministerpräsidenten und seiner Mitarbeiter vollste Anerkennung. Die Anter- redung dauerte 10 Minuten.
Ostergedanken.
Don Professor Dr. Rudolf Gucken.
DaS Osterfest gehört zunächst der Religion, im besonderen dem Christentum, aber über die einzelnen Religionen hinaus ist es ein hohes Fest der ganzen Menschheit, wir feiern in ihm nicht nur das Wiedererwachen der Natur aus dem Winterschlaf, wir feiern auch das Wirken und Walten des schaffenden Lebens, das unablässig die geistige Welt durchdringt und uns zu neuen Aufgaben beruft.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis znm Nachmittag vorher ohne jedeDerdindlichbei^ preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette brtlichö, auswärts 10 (Bolbpfennig; für Re» Klame-Aiizeigen v 70mn) Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift20° .Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: vr.Fricdr. Will). Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschemi für den Anzeigenteil: Hans Beä^ sämtlich in Gießen.
Nach seiner Ansicht ist alles auf die Vertrauens- krise zurückzuführen. Diejenigen, die die Politik der gegenwärtigen Regierung unterstützten, seien die Arheber dieser Krise.
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Herriot in der Kammer.
Die verfehlte Finanzpolitik früherer Kabinette.
Paris, 11. April. (Wolff.) Der entscheidenden Sitzung im Senat, in der Herriot in die Minderheit gesetzt wurde, ging eine Sitzung der Kammer voraus, die unter auherordent- lichem Andrang des Publikums zu den Tribünen stattfand, da bekannt geworden war, daß der Ministerpräsident sich über die Finanzlage Frankreichs eingehend äußern werde. Die von den Regierungsparteien eingebrachten Interpellationen tourben von dein Vorsitzenden der radikalen Kammerftaltion, demXAbg. Gazals, kurz begründet, worauf der Ministerpräsident, nachdem die Regierung die sofortige Diskussion der Interpellationen angenommen hatte, das Wort ergriff. Er erklärte, er wolle dein Lande die volle Wahrheit sagen, da die Lage zu oft in unverantwortlicher Weise falsch dar- gestellt werde, was unangenehme Folgen nicht nur im Innern, sondern auch im Ausland zer- tigen lönne. Er werde ziffernmäßig beweisen, daß die Lage nichts Beunruhigendes habe, wenn die nötigen Anstrengungen nicht nur füi die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft unternommen würden. Von der Kriegs- Periode. in der sich die Schuld. Frankreichs um 145 Milliarden Franken vermehrt habe, wolle er nicht sprechen, sondern nur von der Nachkriegszeit. 1920 habe er von seinen Freunderr, obzwar sie sich in der Opposition befunden hatten, verlangt, die von der Regierung angeforderten (Steuern zu bewilligen. Aber schon damals habe er erklärt, daß sie ungenügend seren. Tie gleiche Erklärung sei von der damaligen i Opposition im Jahre 1921 abgegeben worden, i Seine (Herriots) Partei habe ausdrücklich er- । klärt dah der A"g'nblick gekommen sei, um vom
Lande die notwendigen Opfer zu fordern. Clementel habe in seiner Bilanz nachgewiesen, dah die Nachkriegszeit mit ihren 165 Milliarden Franken Anleihe Frankreich teu- i-cr au stehen gekommen sei als die K r i e g s z e i t mit ihren 145 Milliarden Aus-
das müsse man dem Lande sagen.
Nicht die 22 Milliarden Franken Vorschüsse der Bank von Frankreich feien es, die die Lage beschwerten. Man spreche von Schuldigen! Da muss? man doch von denen sprechen, die diese Rückzahlungstermine borbereitet haben, und nicht von denen, die sie zu erfüllen haben.
Trotz aller Bedrohungen werde er seiner Pflicht treu bleiben und den Franzosen sagen: Die Anstrengungen, die man von euch fordert, leistet sie freiwillig, denn Ihr werdet eine gute Handlung vollziehen und auch ein gutes Geschäft machen. Anstatt den Zinssatz hinaufzutreiben, werdet Ihr ihn Herabsehen und damit in ge- wissenr Sinne Steuerreformen erhalten.
Die Regierungsparteien bringen dem Ministerpräsidenten Herriot eine grobe Ovation dar.
Der oppositionelle Abg. Dokanowski erklärt. Hbrriot habe nichts anderes getan, als die Angriffe zu wiederholen, die gegen d i e ehemalige Mehrheit gerichtet worden seien. Die Regierung scheine zu vergessen, dah die Anleihen, von denen man gesprochen habe, abgeschlossen wurden zur Bezahlung des Wieder- aufbaus und der Kriegspensionen.
Die Unruhe, die sich im Lande kundgegeben h<rbe, sei hervorgerufen worden durch das Steigen der fremden Devisen. Nur deshalb verlange die Regierung die Erhöhung des Notenumlaufs. Es scheine aber, dah die Regierung erst in der Vorwoche sich des Ernstes der Lage bewuht geworden sei. Die Verfalltage, von denen der Ministerpräsident gesprochen habe, seien schon seit vier Jahren bekannt. Trotzdem sehe die Regierung nur ungern die weitgehenden Sanierungsvorschläge.
Die Kammer nahm dann die Tagesordnung Cazals. in der der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird, mit 290 gegen 246 (Stimmen deren Abstimmung etwa 30 Stimmen weniger erzielt worden als bisher bei den Abstimmungen, bei denen Herriot das Vertrauen für seine an. Gegen die Tagesordnung Cazals, bei deren Abstimmung etwa 30 Stimmen weniger erzielt wurden als bisher bei den Abstimmungen, bet denen Herriot das Vertrauen für seine Regierung nachsuchte, stimmten 104 Mitglieder der Demokratisch-republikanischen Union, 41 Mitglieder der Demokratisch-republikanischen Linken. 31 Mitglieder der Linksrepublikaner, 15 Mitglieder. die keiner Fraktion angeboren, 8 Mit- qheber der radikalen Linken, Gruppe Loucheur, und 25 Kommunisten. Der Abstimmung enthielten sich 24 Abgeordnete, darunter Leh- gnes und Raoul Peret, 18 Abgeordnete waren beurlaubt.
Die Niederlage im Senat.
Paris. 11. April. (Wolff.) Die Kammer» rede Herriots wurde in der gestrigen Senats- sihung der Anlah zu einem heftigen Sturm der gesamten Opposition gegen den Ministerprafl- dritten An der Debatte beteiligten sich u. a. auch die ehemaligen Finanzminister Francois Ma r - s a i und de Lasteyrie sowie P o i n c a r e. Mar- fal brachte eine schleunige Interpellation über die Finanzlage ein, deren lofortige Beantwortung Herriot angenommen hat. Marsal erklärte, seine Interpellation sei durch die Tatsache veranlaßt, dah Herriot in der Kammer bei Besprechung der Finanzlage die vorg „gegangene Regierung angegriffen habe. Es sei also nötig, im Senat die ulnterhaltung tDtebcr aufzuTuchmen, damit die hier in Frage
Es frage sich auch, wer eigentlich regiere. Die vor ausgegangenen Regierungen hätten, dank der damals noch nicht erregten Grenze des Qloten> Umlaufs alle Bedürfnisse befriedigen können. Diesen Spielraum habe die jetzige Regierung „auf gegessen". Das sei ein vielleicht entschuldbarer Irrtum. Wenn man sich täusche, ohne gewarnt worden zu fein, könne man mildernde Lim stände für sich in Anspruch nehmen. Aber die jetzige Re- gierung sei gewarnt worden, denn am 29. Dezember habe der Gouverneur der Bank von Frankreich Finanzminister Clenientel auf die drohende Gefahr einer steigenden Inflation I)ingctoiefen; am 5. und 26 'Februar seien nochmals Warnungen erfolgt. Ministerpräsident Hei - riot habe hierauf geantwortet, dah die Regierung alles Erforderliche tun wolle um eine Erhöhung des Notenumlaufes zu verhindern. Schon am 15. Januar 1925 sei die gesetzliche Grenze des Notenumlaufs überschritten worden um 1360 Millionen und am 12. März um 2623 Millionen und am 2. April um 3-130 Millionen.
ein Appell an daS Doll gerichtet werden müsse, um grobe Opfer zu bringen. Diese Opfer habe er erst bringen wollen, nachdem das Budget ausgeglichen worden sei.
Die großen Finanzleute und die groben Industriellen, die behaupteten, sie müßten ihm das Vertrauen verweigern, hätten doch ihr Privatbudget in Ordnung gebracht. Warum solle er als Minist erpräsident nicht die Finanzen des Landes in Ordnung bringen? Die <3 t c uer n seien nicht richtig eingegangen. Man habe die Gerichte in Anspruch nehmen muffen, um gegen die Steuerhinterzieher vorzugehen. Unter feinem Vorgänger fei es in gewissen Augenblicken möglich gewesen, eine Jn- slationspolitik zu betreiben. Das sei bei ihm nicht geschehen. Das Land wisse sehr wohl, dah die innere Politik nicht frei-sein könne, U>enn sie von den Finanzen beherrscht werde. Die besten Freunde Franweichs im Auslande forderten dazu auf, die Finanzlage wiederherzustellen. Es scheine, dah seine Regierung für alles verantwortlich gemacht werde. Der Augenblick sei gekommen, um das Land vollkommen über die Lage aufzullären. Das Land müsse auf“ h o r che n, denn er werde jetzt alle 'Verpflichtungen des Landes befanntgeben: Am 1. Mai 3 Milliarden, am 25. September die Rückzahlung der Obligationen vom Jahre 1922 in Hohe von 8.236 Milliarden und am 8. Dezember im Betrage von 10,9 Milliarden.
Das sei das Glück, das die Regierung, die dann am Ruder sei, erwarte. Also am 25. Dezember seien 18 Milliarden Franken zuruckzu- zahlen. Im Jahre 1924 habe man von 4 Milliarden, die zurückzuzahlen gewesen (seien, 1,8 Milliarden zurückbezahlt. Wenn das Vertrauen sich m der gleichen Weise aufrechterhalten lasse, müsse der Finaiizminister immerhin noch 6 Milliarden finden. Das dürfe man nicht verheimlichen,
Die Natur untersteht dem sogenannten Träg- heitsgesetz. gemäß dem die Erscheinungen in dem vorgefundenen Stand der Ruhe oder Bewegung beharren, bis von außen her eine Veränderung eintritt, die geistige Betätigung dagegen gerat sofort ins Sinken, wenn nicht eine ursprüngliche Straft an fie gesetzt wird: ohne eine Erneuerung vermögen sich die äußeren Formen des Großen imb Echten erhalten, aber sie entbehren belebenden Geistes, sie werden ohne ihn zu emer Sache geistloser Gewöhnung und blinder Nachahmung. Alles Aufstrebende hat einen harten Kampf nicht nur gegen die stumpfe und gleichgültige Menschheit, sondern auch gegen das Kleinmenschliche Im Menschen selbst zu führen, so befindet es sich In fortwährender Spannung und Aufregung. Die Unsicherheit und der Zweifel, die daraus erwachsen. find nur zu heben durch ein Ergriffen- werden der Seele, durch die höhere Macht, durch cin geistiges Wunder, das wie ein überwältigender Strom an fie kommt, und ihrem Streben eine deutliche Richtung anweist. Das Geistige muh immer neu geboren werden, gegenüber den zahllosen Hemmungen und Widerständen des Sa» seins ja gegenüber der scheinbaren Vernichtung bedarf es eines zuversichtlichen Glaubens an hie Möglichkeit einer Steigerung nicht nur an einzelnen Stellen, sondern des ganzen Wesens, «m reine Ansänge, an eine Befreiung von den drückenden Bindungen der Umgebung, bedarf es <iner Versetzung in eine erhöhende Tatwelt.
Oft genug hat di- Geschichte erwiesen, daß einer wirren und ntatten Zeit ein Durchbruch schaffenden Lebens folgte, eben die Hemmungen und Widerstände waren oft ein Mittel, eine gründliche Umwälzung vorzubereiten und eine neue Höhe zu erreichen. 3n einer verwickelten und verworrenen Zeit hat Jesus ein völlig ursprüngliches Leben der Wahrheit und der Liebe eröffnet und dadurch eine Weltwende vollzogen.
Diese Wendung vom Ersahrungsmenschen zum geistig gehobenen Menschen, vom Dasein zur Tatweli. von den einzelnen Punkten zum Ganzen vermag uns auch in schweren Nöten eine überlegene Hilfe zu bringen, aber fie kann es nur bei Anerkennung und Aneignung schassenden | unb erneuernden Lebens des Ganzen, wir haben ihm ein sehnliches Verlangen entgegenzubringen unb alle Kraft dafür auszubietem damit das große Wunder der Lebens- und Wesenserneuerung sich auch bei uns vollzieht."
Was wir aber für die ganze Menschheit verlangen, wünschen wir mit besonderer Warme unserem deutschen Volke. Cs hat jetzt schweres erlitten, und es befindet sich noch mitten m ben Wirren, aber den festen Glauben an feine geistige Steigerungsfähigkeit wollen wir uns nicht rauben lassen. Reiche Gaben sind diesem Volle verliehen, aber zugleich sind ihm schwere Versuchungen und Hemmungen auferlegt, deren Lieberwindung unsägliche Mühe bereitet. Aber nach dem Zeugnis der Geschichte hat es nach furchtbaren Erschütterungen und nach schmerzlichsten Verlusten immer wieder den Mut und die Kraft gefunden, die eigne Liefe zu beleben und einen neuen Aufstieg zu unternehmen. Was aber in dieser Richtung gewagt wird, das muh sich auf die Welttatsache des schaffenden Lebens begründen, um die nötige Kraft und den nötigen Mut zu gewinnen. Nur ein zuversichtlicher Osterglaube kann uns frischen Mut verleihen und uns den gegenwärtigen Wirren entreißen. Halten wir uns an diesen Glauben und folgen wir dem Wahlspruch des Kirchenvaters: „Aufwärts die Herzen!"
Ministerpräsident Herriot ergriff das Wort. Er glaube, es wäre besser für das Land gewesen, wenn heute diese Dw- tussiou nicht eröffnet worden wäre. Am 2. April habe Marsal im Senat erklärt, man werde das liebel nicht beseitigen, wenn man die Ursache nicht beseitige. Die Ursache, das sei er (Herriot)! Man habe ihm also den Krieg erllärt. Das Problem stellt sich wie folgt. Man brauche nicht zu wissen, dah die Finanzverwaltung Schwierigkeiten habe, sondern man müsse sest- ftellcn, ob die jetzige Regierung h ier» für verantwor t li ch sei. (Senator Poin- c a r e ruft dazwischen: Ich verlange das Wort!) Die Schwierigkeiten des Augenblicks sind die Folgen der früheren Taten. Der Ministerpräsident wiederholt alsdann die in seiner Kammerrede gegebenen Aufklärungen über das Finanzgebaren der früheren Regierungen. Seit vier Jahren habe man nichts anderes getan, als zu „pumpe n", und der Diskontsatz sei immer erhöht worden. Durch diesen fortgesetzten Appell an die Ersparnisse habe man bie geldlichen Fähigkeiten des Landes herabgesetzt. Cs sei nicht wahr, dah das Land sich erst geweigert habe, Anleihen au zeichnen, als er die Regierung übernommen habe.
Man habe seine Regierung für gewisse Schwierigkeiten verantwortlich gemacht, bie bie hohe schwebende Schuld herbeigeführt hätten. Seien aber nicht die Hauptberanttvortlichen die, die diese Schuld hätten anwachsen lassen und die eS hätten geschehen lassen, dah, tote in diesem Jahre, in einem einzigen Jahre ungeheure Verpflichtungen zu erfüllen feien?
Nach seiner Kenntnis sei die Grenze der Vorschüsse der Dank von Frankreich an den Staat schon im Juli 1923 überschritten worden. Seine Sache sei es gewesen, das Budget auszugkeichen und die Beziehungen der Bank von Frankreich zur Fincmzverwaltung zu sanieren. Das erstere sei geschehen. Aber inzwischen hätte man auch bafür Sorge tragen müssen, daß Deutschlandbezahlte. An die (Sanierung der Finanzen habe man erst jetzt denken können. Er sei davon überzeugt, daß das französische Volk Opfer bringen werde. Trotz allem, was man sage, habe er sich seine Unabhängigkeit bewahrt, aber er habe sich entschlossen, das Land nicht einschläfern zu lassen. Der Senat möge ihn nach seinen Taten beurteilen.
Senator Poincars erklärt, das Versagen Deutschlands sei die Ursache der Verschuldung Frankreichs und der Verlegenheit der Finanzverwaltung An Stelle Deutschlands habe man 110 Milliarden plus 19 Milliarden Zinsen als geliehene Summe gefunden. Um diese Anstrengungen machen zu können, habe man sich an das Land wenden müssen, und bis in die jetzige Zeit hinein habe man dem Appell Folge geleistet. Ader die.e Lage hätte sich nur dank dem Vertrauen des Landes und angesichts der Wiederherstellung des Budgetausgleichs erhalten können, an dem alle Regierungen milgearbeitet hätten. Herriot scheine die Bemühungen, die vor ihm unternommen worden seien, zu verkennen Er sei solidarisch mit seinen Mitarbeitern und übernehme für ihre Handlungen die Verantwortung, besonders für die Handlungen seines Finanzministers. Es wäre ungerecht, wenn man behaupten wolle, daß die jetzigen Zahlungen
Herriots Sturz.
Der Senat gegen Herriot.—Rücktritt des Kabinetts.—Die Frage der Nachfolg..
Erscheint täglich, außer Sonn- unb Feiertags.
Beilegen:
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monatsBe$r.a$prei$: 2®olbmark u. 20 Gold» Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsprech-Anschlllsse: schriftleitung 112, Verlag unbGefchäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: SnzeigerSiehen.
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Srawfftttt a. M. 11686.
gaben.
Der Ministerpräsident weist daraus hin, daß in dem Abkommen, das FinanMmister FrMi^ois Marsal im Dezember 1920 mit der D a n k von Frankreich abgeschlossen habe, das Maximum der Vorschüsse an den Staat auf 27 Milliarden festgesetzt wurde mit der Verpflichtung, zwei Milliarden i a h r l i ch z u ruck z u - zahlen Dieser Spielraum sei schmi 1923 u nbefriedigend gewesen ^n hoher Beamter des Finanzministeriums habe schon 1923 eine Warnung erlassen und alles das vorausgesagt, was jetzt eingetreten sei. Damals sei er nicht ge» hört worden. Man könne also unmöglich seine Regierung allein für den Zu- ftanb verantwortlich machen, den vntt- fichtige Finanzpolitiker schon 1920 angekundigt hätten.
Ministerpräsident Herriot verliest hierauf ein Dokument, das Finanzminister <yr<m<;oi3 Marsal vertraulich dem Abg. Hillier-Laer oi? zu- gestellt hat, unb in dem von Operati o n e n ber Dank von Frankreich und anderer Banken gesprochen wird, und zwar im Monat 2lpril 1924, bei denen es sich um Vorschüsse von rund 2'Milliarden Franken handelte (Die Opposition veranstaltet in dieseni Augenblick l a rme n d e Kundgebungen, weil dieses Dokument bereits heute vormittag im „uuotiöien I veröffentlicht worden ist, kann aber die Authen- tität des Schriftstückes nicht anzweifeln.)
Ministerpräfideitt Herriot erllärt Wetter, als er am 27. Juni 1924 mit Clementel in London gewesen sei. habe ein hoher Beamter ai4 die hohen Vorschüsse der Dank von Frankreich hinaewiesen. Er habe damals nichts veröffentliche weil er den Standpunkt vertreten habe, daß * eines Tages
Natur und Geisteswelt scheiden sich hier deutlich voneinander. Die Natur ist voller Rhythmen, in sicherer Verkettung folgen hier oft die Erscheinungen einander, das eine ist auf das andere angewiesen: fo herzlich wir uns des Mhlings freuen und ihn immer mit frischer Lust begrüßen, wir können nicht vergessen, dah dem Frühling ein Herbst und ein Winter folgt, I in der Natur hat jedes seine bemessene Zeit. Auch im geistigen Bereich fehlt es nicht an Rhythmen des Lebens, typische Vorgänge heben (ich aus dem Gemeinen hervor, ähnliche Erscheinungen kehren unablässig wieder, aus dem Aufsteigen wird oft ein Sinken und Ermatten. Aber es ist nicht die regelmäßige Aufeinanderfolge, welche den Bereich des Geisteslebens be- herrscht und die Höhen hervorbringt. Hier^bedarf es eines ursprünglichen Schaffens und Vordringens, einer Entscheidung und eines Aus- Nimmens, hier lassen sich die Leistungen der Zeiten nicht unmittelbar übertragen, zusammen- slechten und in ein festes Schema bannen; hier hat alles Große eine unvergleichliche Art, es fordert eine Ursprünglichkeit und ein cigcntüm» llches Lebensgefüge, sein Gelingen sordert bie Gegenwart eines schaffenden Lebens, das .ben Menschen über sich selbst hinaushebt unb ihm nncre Zusammenhänge eröffnet.
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General-Anzeiger für Oberhessen
vrud und Verlag: vrühl'fche Univerfitälr-Vuch- und Steinbruderei R. Lange in Gießen. Schriftleitung unb Geschäftrftelle: Schusittaße t.


