Ausgabe 
11.2.1925
 
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Nr. 35 Zweites Blatt

Wiener Brief.

Don unserem H. K.-Korrespondenten. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Wien. End: Januar 1925.

Die holde Zeit deS Sanierungsfrühlings ist langst entschwunden, dahin sind die schönen Tage, da uirS unsere Völkerbund-Vormünder mit onkel­haftem Wohlwollen aus die Schultern klopften, da wir uns ihrer fürsorglichen Teilnahme er­freuen durften. Die OnkelS und Vormünder sind ein wenig verärgerte sie runzeln die Stirne und heben drohend den Ringer, denn, wie daS eben auch in den politischen Kinderstuben zu geschehen pflegt, der Sprößling ihrer staats­männischen Weisheit hat sich einige üble Streiche zuschulden kommen lassen. Er ist nicht mehr der geduldige Musterknabe, der mit frommem Kinder­sinn gläubig alle» hinnimmt: Widers pruchs- a,e i st regt sich. Zweifel werden laut und in Genf mag sich der Völkerbund die Frage stellen: WaS wird auS unserem ungeratenen Kinde?...

Das neue Oesterreich, wie cs vor zwei­einhalb Jahren auf Grund der Genfer Protokolle unter Ach und Weh in die Welt gesetzt wurde, ist sozusagen in die Flegeljahre eingetreten. Es befindet sich derzeit in jenem krisenhaften Lnt- wicklungszustand. wo die guten und schlechten Regungen sich völlig ziel- und planlos aus- wirken und wo kein Mensch sagen kann, waS braus werden soll: ob bad kuriose Geschöpf politischer Verlegenheit als Taugenichts zugrunde gehen oder ob es als brauchbares Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft sein bescheidenes Plätz­chen an der Seite oder im Schatten der europäi­schen Staaten finben wird.

Man hat uns in der Person des General- Vommisfärs einen eifrigen Mentor mitge­geben. der sich seiner verantwortungsvollen Pflichten durchaus bewußt ist. der mit Sorgfalt über daS Tun und Lassen seines Schützlings wacht, der teils in Güte, teils in Strenge seinem schwierigen, erzieherischen Geschäft obliegt und. je nachdem, lobt oder tadelt. Belohnung oder Strafe in Aussicht stellt. Er hat nur den einen Fehler: einem pädagogischen System zu huldigen, da- sich auf Grund doktrinärer Kleber zeug ungen etwa die Aufzucht eines Dorzugsschülers zum -Ziele setzt. Er hält sich a l l z u ä n g st l i ch an den seinerzeit gefaßten idealen Entwicklungsplan und teilt sogleich weniger gute Fortgangs- und Sitten­noten aus. wenn er seine Theorie mit der Praxis in Widerspruch oeraten liebt. Eine mo­dernere Erziehungsmethode müßte aber ihre Ge­setze gerade auS den individuellen Verhältnissen «ableitcn, müßte ganz b'sonders allen triebhaften Regungen mit weitgehendem Verständnis ent­gegenkommen. selbst dann. wenn sie sich zunächst etwas ungebärdig ankündigen.

Die Lebensfähigkeit Oesterreichs ist nicht nur ein materielles und wirtschaftliches Problem, denn unsere Zukunft wird ebensosehr auch von der moralischen und geistigen Verfassung des neuen Oesterreichs mitbestinnnt werden. Als gute Deutsche wollen wir das Geistige lieber über­schätzen und getrost behaupten, daß es das Aus­schlaggebende sein wird, daß also alles von der Lösung der geistigen Krise, in der wir jetzt be­sangen sind, abhangt. Wir stecken, wie gesagt, in den Flegeljahren: das heißt in einem Zu­stand des Ueberganges. der Garung, des Kräfte- auSgleichs. Und die Brust deS neuen Oester- reichrrs beherbergt ach zwei Seelen, die sich in so enger Nachbarschaft nur schwer ver­tragen.

Die eine bat das Talent, die Lust, den Mut zu leben, zu schaffen, sich emporzuarbeiten Sie ist unternehmend, modern, sachlich, unsentimental, aber noch nicht sehr gefestigt im Charakter und infolgedessen gerne bereit, über die Stränge zu bauen, zu exzedieren. sich die Finger zu ver­brennen. sich Schlappen zu holen. Die andere Seele lebt in ständiger Angst und Sorge, haßt alles Ungewöhnliche. alles Unbequeme, wittert überall Gefahren und kämpft mit wahrem Fancr- tiSmus für die Durchsetzung einer mehr duck­mäuserischen Weltanschauung. Auf der einen Seite steht die Begabung und die unabhängige Gesinnung, auf der anderen das System der Bevormundung d^s obrigkeitlichen Welens. das und noch aus den Zeiten der Gegenreformation im Blute steckt, d's in b-r bureaukvatischen Herr­schaft sich auswirkl. und das, zum Teil gewiß sehr unberechtigterweise, in der Perlon des Generalkommissärs einen Anwalt zu haben glaubt. Wenn es dem neuen Oesterreicher gelingt, die alte hureaukratische Gewandung abzustr-ilen. den Hof- rarvmenschen zu unterdrücken, dann wird der Tüchtige obenan Tein, dem es weder an Krediten fehlen wird, kurz an allen den wirtschaftlichen Postulaten. die lediglich auf Grund guter Sitten­zeugnisse kaum zu erreichen sind.

Spielzeug.

Von Hellmuth Unger.

Ich habe noch einen Mann gekannt, der auf einem vorsintflutlichen Zwettadr fuhr. Das Vorderrad war halbmannshoch, das Hinterrad winzig wie das Rädchen eines Puppenwagens. Die Gummibereifung dick wie ein Daumen. Die Leute nannten diesen Mann ein Original, weil er sich seiner Zeit nicht anpassen wollte.

Als ich mein erstes Zweirad geschenkt be­kam, gab es schon Freilauf und Rücktrittbremse.

Mein Vater studierte noch beim einer Oelfunzel. wir Jungen taten es nicht mehr unter Gas und elektrischem Lichte.

Die Zeiten wandeln sich, niemals aber der Zeitgeschmack der Kinder. Und doch sind sie als Kinder ihrer Zeit die wahrhaften Träger aller großen und menschlich neuen Gedanken.

Wir spielten in unserer Jugend mit Dampf­maschinen und Luftgewehren. Dann kamen die Dlechmodelle der Automobile auf.

Heute spielen die Jungens nur noch mit Flugmaschinen. Da nicht jeder ein teueres Mo­dell besitzen kann, macht sich die Jugend ihre Nieger selbst. Aus Papier. Aus Schulschreib- heften reißt sie beschriebene Seiten, faltet und knifft sie mit Sorgfalt und Geschick, bringt sie ins Gleichgewicht, stößt sie in die Luft. Und die Heinen Eindecker gleiten aufwärts, beschrei­ben Spiralen und Kurven, schweben einige Se­kunden dahin und stoßen dann wieder zu Bo­den. Und das Spiel beginnt von neuem.

Fahrräder und Automobile sind Alltäglich­keiten geworden. In fünf Jahren kann jeber für fein gutes Geld durch Europa fRegen nach

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen) Mittwoch, u. zedruar 1925

Der österreichische Beamte, der entschie­dene Exponent des alten obrigkeitlichen Systems, fühlt es genau, daß es diesmal ums Ganze geht, daß eS sich in nicht allzu weiter Ferne entscheiden muh, ob er seine Vormachtstellung im öffentlichen und privaten Leben behalten wird oder nicht. Man hat ihn aus feiner Lethargie ausgeschreckt, er ist unruhig geworden und reagiert mit hysteri­scher Gereiztheit auf alles waS sich feiner Autori­tät nicht mehr beugen will Er fchlägt blindwütig um sich, spielt den starken Mann und gefällt sich in der kraftmeierischen Pose, die aber immer ein Zeichen dcr Schwäche, der inneren Unsicher­heit ist.

Seine dunklen Instinkte richten sich gegen alles Ersolgrcichc. Lichte. Lebensfrohe, gegen die Welt, gegen das Leben, gegen die Wirklichkeit. So führt er ; D. von feinem Wiener Bureau aus einen frischen, fröhlichen Krieg gegen d i e Weltmarktpreise für Getreide und sperrt den Generaldirektor unserer größten Brot­fabrik ein. weil er sich weigert, das Brot billiger zu verkaufen, als es ihm die Kalkulation, die nicht bloß die Anfchnffunaskosten. sondern auch die Erneuerung ber Gel reibe Vorräte in Betracht zieht, gestattet. Weil also einer beim Einkauf geschickter manierierte und weil er überdies seinem Unternehmen die besseren Maschinen be­sorgte, muß er in den Arrest.... Und weil überhaupt ein jeder, der Geld verdient, ver­dächtig ist. Das nennt man dann Kamps gegen die Teuerung

Bei der Aktion gegen die Brotfabrik war aber noch eine ganz besondere Verlogenheit mit im Spiele, denn den Teuerungsbekämpsern kam es einzig und allein darauf an. einem anderen, weniger leistungsfähigen und weniger fachmän­nisch geführten Unternehmen, das der sozialdemo­kratischen Partei gehört. Verlegenheiten zu be­reiten. Daß unter der Einwirkung der sensatio­nellen Verhaftung der Drotpreis herab­gesetzt wurde, vor allem aber, daß der sozialdemokratische Betrieb zu dem Eingeständnis gezwungen wurde, viel weni­ger rationell zu arbeiten, das ist gewiß ein Erfolg des behördlichen Eingriffs. Die Sozial­demokraten haben sofort der unangenehmen Si­tuation die Spitze abgebrochen, indem sie schleu­nigst ihre Brotfabrik an ein rein kapitalistisches Konsortium verkauften. Im übrigen wissen sie nur zu genau, daß der künstlich gedrückte Drot- vreis nicht lange zu halten sein wird, daß bann die bürgerliche Regierung und das kapitalistische System das Odium einer unausbleiblichen Preis­erhöhung wird tragen müssen und daß e-s ein Phyrrussieg gewesen ist. den unsere schneidigen Bureaukraten errungen haben.

Viel ärgerlicher noch als solche Abenteuer auf wirtschaftlichem Gebiete sind die von der hinterwäldlerische Gesinnung getragenen Ein­mischungen der Behörden in das intimste Privat­leben bet Bevölkerung. Mag die Wirtschafts­polizei in den verworrenen ökonomischen Ver­hältnissen unserer Tage immerhin noch eine ge­wisse Daseinsberechtigung erblicken, die Existenz eines Sitten ft aated ist mehr als proble­matisch.

Gewiß soll weder einem geschäftlichen noch einem sittlichen Liberi in ertum das Wort geredet werden: aber die Uebcrgriffc der Wirtschafts­polizei und dcs Sittenamtes sind die krassesten Beispiele für die Auswirkung der pharisäer­haften Moral, die unsere bundesstaatlichen Aemter bcb'*rrfd)t. Unb diese Moral lähmt die heimische Schaffenskraft und schreckt die fremde ab; sie ist ferner mitschuldig an dem Zustand der Unruhe und der Unsicherheit, her unseren Vormündern derzeit so wenig gefällt. Kein Zweifel, auch der gestrenge Herr General- kvmmissär würde gewiß gerne ein Auge zu­brücken und Fehler unb Sünden Pardonnieren, wenn endlich die Schranken der verlogenen Mo­ral fielen, bi? ber Entfaltung bes anerkannten und vielgerüf'ntten ofteTei-bifd)en Talents über­all hinbernd im Wege stehen.

Zentrum und Bayerische DolKspartei.

Der kurz vor den letzten Wahlen hergestellte Waffenstillstand zwischen dem Zentrum unb der Bayerischen Dolksvartei, ber sich barauf bezog, daß die Dolksvartei sich nur in Bayern das Zentrum nur im übrigen Reich betätigen 'olle, droht in d i e Brüche zu gehen. Die Bestrebungen ber Reichsparteileitnng des Zen­trums. die auf d-»m Zentrumsparteitag in Bayern deutlich zum Ausdruck kamen, eine eigene bayerische Z e n t r u m s p a r t e i zu grün­den. bat im Laaer der Bayerischen Dolksvartei eine starke Unruhe ausgelöst, die um so größer ist. als aus der Stellungnahme des Zentrums geschloffen werden kann, daß der alte Kampf

dem Kursbuche. Unb unsere Jungens werden bann neue Spielereien haben.

Die kleinen Mädchen werden auch in hun­dert Jahren noch mit Puppen spielen.

Frankfurter Theater.

Im Operettentheater wurde des Böhmen Redbal, bekannt als Mitglied des Böhmischen Streichquartetts, ausgezeichnete OperettePo­le n b l u t" zu wirksamster und künstlerisch-erfolg­reicher Aufführung gebracht. Es ist ein außer­ordentlich erfreulicher und lobenswerter Rück­griff auf den llassischen Operettenbestand, die blühende Melodik dieses Werkes unterscheidet sich von ber musikalischen Phraseologie ber zeit­genössischen Operettenliteratur wie ein mozar- tisches Allegro von einem modernen Shimmy. In Dertl Gräbener und dem Tenor S u ch ° mann besitzt das Theater am Eschenheimer Turm allerdings auch prädestinierte Kräfte, die ber Aufführung den darstellerischen Erfolg sicherten.

Im Schauspielhaus erschien Georg Kaiser mit dem grob-theaterndenBrand im Opern- hau s". Das Beste an diesem Schauspiel, das in jeder Szene die schmissige Faktur des routi­nierten Praktikers zeigt, ist die Frankfurter Aus­führung, obwohl ihr das rechte Tempo anfäng­lich fehlte. 1763 brennt die große Oper in Paris nieder. Dieser Dorgang wirft Perspektiven auf tie spätere französische Revolution, aber Kaiser macht ein billiges Theaterstück mit Farnllienkata- strophe, Ehebruch, Schuld und, nein, eine Sühne gibt es nicht, nur verwechselte Leichen, ehre Tragik, die aus dem Milieu ber verkom-

wieder aufflammen wird. Run ist eS ja bekannt, baß das Zentrum den Abfall Bayerns niemals hat verwinden formen und daß eS nur auf den Augenblick gewartet hat, bet ihm zur Wiedereroberung der bayerischen Domäne gün­stig erschien. Jetzt hält daS Zentrum diesen Au­genblick für gekommen, mit Reuwahlen im Reich und 5um bayerischen Landtag ist vorläufig nicht ^u rechnen, so daß allo Zeit genug vorhanden ist. den Kampf um die Macht auSzutragen Aber auch die Bayerische Volkspartei wird die Dinge nicht an sich herankommen lassen. Sie crflärtc schon früher einmal und auch heute wieder, daß daS Dorgehen des Zentrums sie vor schwere unb weittragende Ent­scheidungen stellen wird. Welcher Art diese sein werden, darüber schweigt man vorläufig in München noch. Soviel dürste aber fest stehen, daß auch die Bayerische DolkSpartei über d i e Grenzen des bayerischen Staates hinaus vorstohen wird.

Turnen, Sport und Spiel.

Die Skimeisterschaft von Deutschland und Oesterreich 1925.

München. 9. Febr. ($.11.) Am SarnStag unb Sonntag wurde in Kitzbühel in Tirol die Skimeisterschaft von Deutschland und Oesterreich für 1925 unter lebhafter Beteiligung abgetragen. Eie fiel an En dier - Schrei- bcrhau.

Deutsche (5'ishokey-Mcisterschaft.

Garmisch, 9. Febr. (TU.) Am Sonntag wurde auf dem Rießer fee die Deutsche Eishockeymeisterscha^t ausgetragen. Der Berliner Schlittschuhklub verlieh als Meister für 1925 die Eisfläche.

Dom Turngau Hessen (D. T.)

Dad-Rauheim. 9. Febr. Der Turn­verein 1860, ber größte Verein am hiesigen Platze, hielt am Samstagabend seine von rund 200 Mitgliedern besuchte 65. Hauptversamm­lung in feinem Dereinshnuse unter Leitung des 1. Dors. PH. Weih ab. Den Jahresbericht erstattete ber 2. Dorsitzende. Turner O ß w a l d. Eingehend verbreitete sich der mit lebhaftem Bei­fall aufgenommene Bericht über die Tätigkeit ber D. T. und des Vereins im abgelaufenen Jahr Der Derein zählt 724 Mitglieder, darunter 14 Ehrenmitglieder. Die Zahl ist unter den Ein­wirkungen der Geldentwertung urtb ber Arbeits­losigkeit gegen das Dorjahr etwas zurückgegan- gen. Geturnt wurde mit zusammen 6224 Turnern (durchschnittlicher Besuch einer Uebunqsstunde27) und 3803 Turnerinnen (auf eine Uebunqsstunde kommen 22 Teilnehmerinnen). In besonderen Uebungsstunden wurden außerdem betrieben: Dolksturnen von 325 Turnern, Spiele von 782 Turnern und 159 Turnerinnen. Fech - t e n von 466 Turnern. An den turnerischen Der- anftaltungen des Bezirks (Hallenreckturnen, De- zirksgeländeläufe. Dezirksturnfest, Weidig-Stas- fel), des Gaues (Gausportfest. Gauturnfest. Gau- turnfahrt, Gaufrauenturnen. Will-Staffel), deS KreiseS (Austragung ber volkstümlichen Meister­schaften. Feldbergtiirnen) unb an nationalen Wettkämpfen in Heidelberg unb Frankfurt a. M. tncihm der Derein mit reichen Erfolgen teil. ES wurden von' Turnern. Turnerinnen. Schülern zusammen 119 Einzelsiege (darunter 21 erste Preise bezw. Meisterschaften) unb 12 Mann­schaftssiege errungen, außerdem erzielten zwei Musterriegen beim Gauturnfest in Bieden­kopf die Rotesehr gut. Den Andreas- schild im Dereinswettkampf errang Turner Wiener, der Weidig-WanderpreiS wurde zum 2. Mal von der 1. Man n schäft des Dereins erkämpft. Die Fechter hatten bei verschiedenen auswärtigen Veranstaltungen zu­sammen 12 Siege (darunter 1 ersten) zu verzeich­nen. Unter Leitung des Fechtlehrers Karl Roll- Gießen hat die Fechterriege in letzter Zeit bedeutende Fortschritte gemacht.

Das Turn - und Sportabzeichen des ReichsaussckusseS für Leibesübungen wurde we'- teoen MitgsiÄwrn verliehen, so daß jetzt sieben Derrinsangehörige Inhaber der Auszeichnung sind. Die Turnerin Dina Schneider sowie die Turner E Bareiter. K May.kLam- vert. k Hahn, k Gerth, H. Grün- schlag. Die Gesangsabteilung des Ver­eins übte an 44 Abenden mit einem Durch­schnittsbesuch von 40 Sängern Die Geschäfte des Vereins wurden in 21 Vorstandssitzungen, mehreren AuSschußsihungen und Mitgliederver­sammlungen erledigt Der Kassenbericht des Kasienwaris, Ehrenmitgliedes Franke, schloß ab mit 7951 Mk. in Einnahmen und 7913 Mk. in Ausgaben Die vom Dereinsd'ener unterschlage- nen -<00 Mk. waren von den Angehörigen böd­

men en Gesellschaft durch den Ring des Königs an der Hand der Ehebrecherin symbolisiert toirb, die man für die Geliebte Ludwigs hält. Die Szenen sind technisch gut gegliedert, aber das Stück läßt kalt, es fehlt ihm die innere Wahrheit, die geschichtliche Größe und das Ethos. Aber die Darstellung vor allem mit F. Hart, Ellen D a ub unb Fritz Obemar war sicher, klug, voll Wärme unb Verständnis. Ein Stück überaus fleißiger Künstlerarbeit, vom Tag, für den Tag.

L. W.

Pausenlose Don-Juan-Aufsiihrung.

Seit Jahren arbeiten unsere Bühnenbildner an der Ausgabe, den Mozartschen Don Juan so aufzuführen, daß die dramatische Einheit der Handlung und Musik nicht durch störende Um­baubaufen zerrissen wird. Wie der Obersviel- Iciter Meyer Walden berichtet, ermöglicht Heinz Grete in Mannheim mit einem eigenen Kon­struktionssystem. das hiermit erstmalig auf der Bühne Verwendung fmdet, einen lückenlosen Ab­lauf der Handlung, ohne doch auf die bildmäßige Wirkung verzichten zu müssen. Im Gegenteil stellt Gretes Dekorationssystem das plastische Ele­ment der Szene in den Vordergrund und ver­mag zugleich durch feine sinngemäße technische Durchbildung eine höchst abwechslungsreiche Raumgliederung zu erzielen. Dadurch wurde es dem Spielletter ermöglicht, den dramatischen Vorgang gänzlich innerhalb desjenigen Raumes zu entwickeln, der nach der Partitur sinngemäß vorgeschrieben ist. Der baufenlofen Wiedergabe des Ortginalwerkes steht allo, wie die Mann­heimer Reuinszenierung bezeugen soll, fein Hin­dernis mehr entgegen.

selben demnächst wieder erseht. Der Vereins- beitrag für 1925 mußte auf 10 Mk festgesetzt werden 9 Mitglieder konnten für 25jähriae Mit­gliedschaft durch UcberrcÜbung von kunstvollen Ehrenurkunden geehrt werdest, außerdem der Turner Heinrich Hartmann, ein alter be­kannter Turner im Gau Hessen, für 60j ä h - rige Vereinszugehörigkeit. Der ver­dienstvolle Oberturnwart Fritz Hartmann, dcr nahezu ein Menschenalter al- Turnwart tätig wat und jetzt fein Amt niedergelegt bat, wurde zum Ehrenturnwart ernannt, wäh­rend Kommerzienrat Gg. S t e u l e r i Koblenz) als ein Förderer der Turnsache die Ehren- mitgliedschaft verliehen wurde. Die Zahl der Vorstandsmitglieder wurde durch Einreihung eines Schwimmwarts und eine- Jugendwart- aus 19 erhöht Die Ergänzung-- und Ersatz­wahlen hatten da- Ergebnis, daß der langjäh­rige 1. Vorsitzende PH Weiß einstimmig wie- dergewählt wurde. Mit Rücksicht darauf, daß er in der Bezirksleitung de- 5. Bezirk- des GaueS Hellen sehr stark beschäftigt sei. lehnte der 2. Vorsitzende. Turner O ß w a l d. zum gro­ßen Bedauern der ganzen Versammlung eine Wiederwahl ab An seine Stelle trat Real- lehrer Ltaubach in den Vorstand. Um 2> Uhr nacht- konnte die sehr anregend verlaufene und von vorzüglichem Turnergeist getragene Ver­sammlung mit einem begeistert auf genommenen .Gut Heil' auf die deutsche Turnsache geschlossen werden.

Der Männerturnverein steht im Ver­hältnis zu seiner Mitgsiederzahl mit seinen Lei­stungen hinter seinem älteren und größeren Bru­der nicht zurück. Seine gutbesuchte Haupt­versammlung konnte über fleißige, erfolg­reiche Arbeit im abgelaufenen Jahr berichten. Die Mitgliederzahl beträgt 200. Die Einnahmen betrugen 2085 Mk.. die Ausgaben 1992 Mk Der Jahresbeitrag wurde aut 6 Mk. erhöht. Aktive Turner turnten an 95 Abenden mit einer Ge- samtbcsuchSzahl von 1824 (Durchschnitt 19). Tur­nerinnen an 96 Turnabenden mit einer Gesamt­besuchszahl 1440 (Durchschnitt 15). Schülerinnen in 48 Turnzeiten mit einer GesamtbesuchSzahl von 768 (Durchschnitt 16), Schüler in 90 Tum- zeiten mit einem Gesamtbesuch von 1620 (Durch­schnitt 18). Bei auswärtigen Veranstaltungen wurden zusammen 64 Einzelsiege, 2 Mu­sterriegensiege mit der Rote »Sehr gut und ein Meisterschaftssieg am Darren erkämpft. 1. Vorsitzender bleibt weiter Turner W. Solzmann, technischer Leiter Oberturn­wart D. W a ck.

4. DorfKirchenvorstehertaqungs

D. ReichelSh eim, 9. Febr. Mit einer Gemeindeversammlung wurde die 4. D o r f - kirchenvorstehertagung in Oberhessen und zugleich die erste in der Wetterau gestern eingeleitet. War schon am Vorabend der Fest- saal überfüllt, so zeigte erst recht die Teilnehmer­zahl am Eröffnunasgvttesdienst am Morgen des heutigen Haupttages und die sich anschließende Hauptversammlung, welche Fortschritte dre Dorfkirchenbewegung in der jüngsten Vergangenheit gemacht hat, weil sie einem dringenden Bedürfn S der ländlichen DvlkS- seel' entspricht. Rach einem SröffnungsgotteS- dienst (Predigt: Dekan S c r i b a - Eichelsdors) hielt der Vizepräsident der Kirchenregierung. Ge- heimerat Dr Bernbeck, einen tiefgründiges Vortrag über . Die Aufgabe der Kirchenvorsteher in 'Bezug auf die finanzielle Lage der Landes­kirche und der Einzelgemeirrde", in der er neben den allg meinen Aufgaben auf die durch die be­sondere finanzielle Rotlage der Kirche gegebenen Pflichten der Kirchenvorstände hinwies. Eine gründliche AuSfprache, die sich an d.e Aus­führungen des R dnerS anschloß, bewies, welchen eindrucksvollen Widerhall der Vortrag gefunden hatte. In der AuSiprache traten neben mehreren Pfarrern die Kirchenvorfteher Postsekretär Z i n f) c r und Beigeordneter Deith au- ReichelSheim unb Bürgermeister Leun au8 Großen-Linden hervor Rach der Mittagspause, die die Teilnehmer als Festgäste in die einzelnen Familien der Gemeinde g'führt hatte, ergriff der hessische Landesjugendpfarrer Zentgraf auS Darmstadt das Wort zu seinem Vortrag über den Kirchenvorsteher und die Jugend seiner Ge­meinde. Während er schon am Gemeindeabend die Stellung des einzelnen Christen zu der Jugend in der Gemeinde behandelt hatte, beleuchtete er jetzt an einer Reihe von Beispielen auS seiner Berufsarbeit die Jugendnot der Gegenwart, die nach Mitarbeitern auch unter den Richtgeistlichen unb nichtbeamtcten Jugendfreunden schreie. Um der in der Jugend herrschenden Verwirrung in sittlichen Dingen und ihren entsetzlichen folgen für das Familienleben und die Kinderer^ehung zu steuern, sei überall die Schaffung chr'stllcher Jugendgomrinschaften erforderlich, um die sich

Entfernung von Otto Dix' -Schützengraben" an­dern Kölner Musenm.

Dix' viel besprochenes BildDer Schützen­graben", das die Stabt Köln vor einem Jahre ankaufte und das inzwischen als Eigentum der rheinischen Hauptstadt auch auf der Frühjahrs- auSstellung der Berliner Akademie der Künste ausgestellt war, ist dieser Tage von seinem Platz im Wallras-Richartz-Museum abgehängt worben. Das Bild, dessen künstlerische Eigenschaften außer Zweifel stehen und auch von den bedeutendsten Malern Deutschlands, Liebermann und Corinth an der Spitze, anerkannt worden sind, fand Widerspruch. Um vorzubeuqen, hatte eine vor­sorgliche Museumsdirektion bas große Bild schon hinter einen besonderen Vorhang in einer eigenen Rische aufgehängt. Run besteht die Möglichkeit, daß das Gemälde endgültig fortgenommen wird. Das in Austausch für den Dix aus dem Museum fortgegebene Gemälde eines englischen MalerS um 1800. ein Porträt eines englischen General- Sir William Leecheh, ist unverkäuflich geblieben.

Mozart- und Goethe-Festspiele in Vaden.

Gegenwärtig sind Bestrebungen im Gange, das Schwetzinger Echlohtheater dem Mannheimer Rationaltheater anzugliebern. Dort sollen im Frühjahr und Herbst jeben Jahres Mozart- und Goethe-Festspiele veranstaltet wer­den. Die Erneuerung des Schwetzinger Schloh- theaters kostet ungefähr 100 000 Goldmark, welche von den Städten Mannheim unb Schwetzingen aufgebracht werden sollen. Die Stadt Schwetzin­gen will den Betrag mit einer Lotterie, deren Auflegung bereits von der badischen Regierung genehmigt worden ist, hereinbringen.