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Zrcrtag, 10. Juli 1925

Giehener Anzeiger (Senerai-Anzelger für Gverhessen)

nt. 159 Zweites Blatt

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Katalog in Form einer gröberen Deröfsentlichung ist in Vorbereitung in bescheidener Weise nicht die Absicht als zielgebend hinstellt, Meisterwerke von allerhöchster Qualität und allergrößtem inter­

nationalem Wert zu einer vereinigen, so ist doch eine ganze Reihe von Bildern zu erwähnen, deren Wert und E.genart sie sehr nahe dem Vorraum zum Allerheiligsten

Hefner, GefiOreipul

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allerbeste Fabnka- te, in allen Größen ». allerbilligsi Carl Schunck.

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Der Prozef; gegen Angerftein

Fortsetzung der Zeugenvernehmung.

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den ganzen Abend über erfolglos bekämpft wurde. DerErfolg" des Abends, wenn man so sagen

Fortuna". Wir erinnern1 noffl- malsandnösE tag staiifiidendc, Ai-LMM t« Lollar.

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Sektion Gielen.

11, und 12. Juli: Abfahrt Samkiag L25 Uhr nach Cbet>

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darf, stand auf vier Augen: Kurt Joachim Baum (Robert Heinecke) und Felix Norfolk (Graf von Traft). So mancher Literaturfeuilletonismus dieser beiden Rollen wurde im Spiel lebendig. Baums jugendlich aufwallender Robert brach überströmend aus in Schmerz und Freude, wie er in Selbstbe­herrschung auch hier die Grenzen sprengte pen­delnd zwischen oben und unten, aufstrebend, doch noch echne Wr^zelhalt irn neuen Boden, Stürmen der Leidenschaften vielseitig preisgegeben. Nor­folks Graf sicher gegründet auf 'selbstgebautem Fundament, in dessen Mörtel kein Stäubchen Un-

Arn Tage steigt das Thermometer in der Sonne über 50 Grad, europäische Soldaten ersticken in den , . .... .

Schützengräben, und die Nächte sind so schwül und I Verletzung zu erleichtern und zu gestehen.

foncn mit diesem Beil zu erschlagen, die seiner Frau einmal älnrecht getan hätten. Von Selbst­mordgedanken hat Angerftein damals nicht ge­sprochen. Die Schwiegermutter habe oft Die Suppe anbrennen lassen, das Dienstmädchen sei unsanber gewesen, und dann hat er die Erleb­nisse vom Montag geschildert, wie er einen nach dem andern niedergeschlagen habe. Angerstem

I Cr schildert ihm, wie der ungefähre Gang ge­wesen sein werde: erst die älnterschlagung, der damit verbundene Verlust seiner glänzenden Slel-

1 lung und nun den gereiften Entschluß des Angeklagten, nunmehr alles zu vernichten. Der Angeklagte beteuerte immer wieder, nichts getan zu haben. Der Zeuge erklärte hierauf dem An­geklagten, daß ihm dann weiter nichts übrig» bleibe, als den Angeklagten den acht Zeichen gegenüberzustellen. Da der Angeklagte immer noch kein Geständnis ablegen wollte, wurde er auf einer Bahre in die Leichenhalle gebracht. Hier lagen die acht Opfer nebeneinander auf dem Boden, auf der einen Seite die vier männ­lichen, auf der anderen Seite die vier weiblichen Ermordeten: in der Mitte blieb ein schmaler Gang. Auf diesen Gang wurde die Bahre mit dem Angeklagten niedergeseht und diesem wurden die Reichen einzeln gezeigt. Der Angeklagte sah sich die ILeichen an, bat, als ihm die feiner Frau vorgezeigt wurde, etwas höher gehoben zu werden, damit er besser sehen könne, gab aber keinen Ausdruck der Teilnahme oder Er­regung zu erkennen. Angerstein wurde nun wieder in sein Krankenzimmer zurückgebracht und der Zeuge will den Eindruck gewonnen haben, dah der Angeklagte ein Gefühl der Erleichterung hatte und daß er jedes Wort, das gesprochen wurde, werm auch mit geschlossenen Augen, verfolgt hat. Die dritte Vernehmung des Angeklagten fand am 3. Dezember 1924. nachmittags zwischen 2 und 3 Tlhr, durch den Zeugen statt. Hier erklärte der Angeklagte, das) er die Summen, die er angeblich unterschlagen habe, jederzeit ersehen forme. 3m übrigen hat der Zeuge diese dritte Vernehmung nur als örtlich zuständiger Richter protokollarisch festgelegt, das eigentliche Geständnis ist zu Pro­tokoll des spateren Zeugen, Amtsgerichtsrats Kühne aus Herborn, festgelegt worden.

Der nächste Zeuge ist der Polizeibetriebs- assistent Wagner aus Ha'ger. Dieser kam am 3. Dezember 1924 in das Krankenzimmer zu dem Angeklagten, um ihn zum Geständnis zu bringen. Der P ol izei betriebs assist ent R e i ch a r d t der nächste Zeuge befand sich bereits bei dem Angeklagten. Zeuge begrüßte den Angeklagten und unterhielt sich mit ihm über den Vorfall. Er hielt ihm vor, wo Angeklagter am Montagnach-

sicherheit der alten, abgebrochenen Grundmauer ein- geschlossen ist.

Nita Andres Alma gehört noch mit in die Spitzenleistungen des Abends; sie brachte viel dirnenhaft eitle Dummheit in ihre Szenen. Die nicht sehr glückliche Leonore spielte Elfriede Basedow schlicht und herb, der Lebejüngling Kurt fand in Max Hofmann einen glatten, lebendigen Dar­steller. Ein ganz prächtiges Paar, fabelhaft in der Maske, von laxer Breitheit im Spiel, schmutzig breit in der Sprache, war das Ehepaar Michalsky (Carl Juhnke und Erika Rohr).

Die übrigen Figuren des Vorder- wie Hinter­hauses, wichtig im Gegenspiel, fielen leider stark gegen die vorgenannten Leistungen ab. Dieser ganz primitive Vater Heinecke: Wenn doch Herr Goll einmal vergessen könnte, daß er Komiker ist! (Dies: ,Zch Dcrflucf) dich doch noch" mit der Kohlenschaufel in der nicht gelähmten Hand ich hab's erlebt, daß da Leute im Theater geheult haben vor Erschütteruna!) Die ganz schlichte Frau und Mutter Heinecke (Luise Jüngling) erman­gelte doch vieler Güte, die aus tiefstem Born der Mütterlichkeit schöpft der Schmerz dieser Frau überzeugte nicht Auch mit Adolf Te 1 eky hat man schon viel öfter sympatisieren können als diesmal; die mangelnde Durchblutung der Rolle (mag die an sich blutleer sein), im Anfang nicht merkbar, so­lange die Luft im Hause Mühlingk noch temperiert und wohl ventiliert ist, ward am Ende in der Schlußszene ganz offenbar.

So blieben doch zu viele Wünsche gerade be­züglich einer einheitlichen Durchdringung des Stof- fes offen, als daß man sich mit der Aufführung als Ganzes einverstanden erklären könnte. Mag es an mangelnder Vorbereitungszeit liegen oder woran sonst, im Leben entscheidet nun einmal der Erfolg.

Zum Schluß gab es Beifall. Auch Blumen.

Hätte man wir haben immerhin sommerliche Hochsaison einen geeigneteren Griff in der A u s- wähl des Stückes gehabt, wären Künstler und

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bringt.

Da ist ein Fra A n g e l i c 0 , aus Wies­baden herbeigebracht, die thronende Madonn 1 mit Engeln und der Heiligen Katharina darstellend, mit Originalrahmen, Holz, auf Leinwand über­tragen, an Pracht und Innigkeit vieles über­ragend. Da ist das Porträt eines Goldschmiedes von Lorenz Lotto, von ganz seltsamer Ge­bärde und Farbwirkung, und noch ein Venezianer, Tintoretto, mit einer Kreuztragung Christi. Roch einmal nach Florenz zu gehen: der Zufall stellte vier Bilder Agnolo Bronzinos zu­sammen. aus dem Besitz des Landgrafen von Hessen, von Mumm und von Rothschild, davon das Brustbild eines jungen Mannes wohl das interessanteste. AuS Rothichildschem De ih stammt auch der große Franz Hals, das Bildnis der Cme entia von Derestehn. Zwei Franzesco de Goyas, zwei Wirtshausszenen von 3 a n Steen, Rubens, Rembrandts, Spanier, Deutsche, viele noch Unbenannte. von Be'aimten selten Ge­sehenes die Ausstellung wird reichen Stoss zu fruchtbarer Diskussion und lebendiger Anregung geben.

Die Stadt Frankfurt hat ihren alten Ruf als Sammelstadt und Kulturzentrum von neuem bekräftigt, um so eindringlicher, als nicht öffentliche, sondern private Kunstgesiimung hier getätigt wurde dem Städelschen Institut aber gebührt der Ruhm, lebendig mitgearbeitet zu haben, anregend und befruchtend, Wächter der Kunst nicht hinter trübem Fensterlicht, sondern Künder und Herold vor geöffneten Lempelwren.

e-s.

Madrid und Marokko.

Don E. von Ungern-Sternberg.

Madrid, Ende Juni.

Qenbarmcn und Wachen, galonnierte Diener in Kniehosen und geschäftige Sekretäre umstehen den Eingang zum Präsident|chaftspalaft an der (Eaftel- lana, in dem hinter dreimal verschlossenen Türen die spanisch-französische Marokkokonferenz tagt. Ge­heimnis umgibt die Verhandlungen, und Schweigen soll über die Verlegenheiten hinweghelfen, die sich der Versamlung auf Schritt und Tritt bieten. Der Vorsitzende, General Jordana, der Regierungschef, Marquis Admiral Magaz, Stabsoffiziere und Dl- ilomaten kommen und gehen, und in den Dorfalen itzen geduldige Journalisten, um zu "fahren, was ie fchon lange wissen, nämlich, daß das Risgeotet blockiert werden soll, daß Frankreich und -Spanien den Frieden wollen, und daß Add el Krim noch immer kämpft. v .. m ,

Sonnenglut brennt über Madrid, nur am Nach. Mittage ballen sich über dem Guadarrama blau­schwarze Wolkenmassen an, und grelle Blitze zucken über dem Horizont. Ein heißer Wmd fegt dann über Recolctos und die Caftellana, schüttelt die schmächtigen Palmen an der Plaza de Colon und die hohen Bäume vor dem Präsidentschastspalais. Die Luft ist unerträglich schwül, die Konferenzmit- glieder müssen ihre Mappen zusammenpacken und sich zur Erholung in die lustigen Hallen des Ritz- Hotels begeben, wo eine weiche Zigeunermusik die Sorgen einlullt. Die Sitzungen schreiten langsam vorwärts, Berge'von Schwierigkeiten liegen vor ihnen, die man gern umgehen möchte, und so machen die Herren Auszüge in den Escorial ober nach To- lebo, wo das Marokkoproblem nicht brückt.

Marokko ist so nahe von Spanien, nur bie etwa 30 Kilometer breite Meerenge trennt bie beiden feindlichen Länder. Aber es ist weniger bas tiefe Wasser, bas Spanien unb Afrika scheibet, als eine unüberbrückbare Mauer von Vorstellungen unb Jbealen, die nur durch blutigen Kampf niederge- rlsien werden kann. Der Südwind trägt den Odem Marokkos nach Madrid, ein direkter Telephondraht verbindet den Konferenzsaal mit dem Hauptquartier in Tetuan, und Tetuan wieder steht in Verbin­dung mit dem französischen Teile Marokkos. Tetuan, die alte Maurenstadt, ist heute bie spanische Vor­wacht gegen bas roilbe Rif, gegen bas undezwun- gene Reich Abb el Krims.

Das Schwert ist ber Schlüssel zum Himmel, lehrt ein Spruch des Koran, und die ihre Glieder im Kampf verlieren, denen werden Engelsflügel wach­sen. Für die wilden Berber des Rif hat der Tod keine Schrecken, denn im Kampf mit den Christen ist ihnen das Paradies sicher. Für sie ist der Glaube keine abstrakte Möglichkeit, sondern die Religion ist ihnen offenbarte Wahrheit, der tiefste Sinn ihres Lebens, an dem zu zweifeln, das Leben verneinen hieße. Man soll aber die Berber nicht idealisieren. Nachkommmen ber Numiben unb Vanbaien, man« beln sie auch heu« in den Fußstüpfen iljiw grau­samen Vorfahren, sie (mb Kulturzerstörer, weil sie keine Kultur haben, und weil sie bie Verfeinerun­gen Europas hassen unb verachten. Als geborene Krieger haben sie von Europa nur ben Gebrauch der modernen Kriegswaffen gelernt. Sie sind un­übertroffene Schützen, verstehen auch mit Handgra­naten und Maschinengewehren umzugehen, da sich in ihren Rcihqn Europäer befinden, Instrukteure aller Nationen, die im Weltkriege brotlos geworden sind, und die nun als Glücksritter bei Add el Krim Dienste genommen haben. In ihrer Lebensart sind die Berber erstaunlich mäßig, es ist aber fast un­möglich, ein kriego-rifches Volk zu besiegen, das ein unzugängliches Gebirgsland ohne Zufuhrstraßen bewohnt unb zulrieben mit einer Hanbvoll Datteln unb Zwiebeln lebt.

Die Art bes Kriegführens ist grausam. Abb el Krim z. B. hat ben Caibs der Stämme, die sich ihm nicht auf den ersten Befehl anschlossen, bie Ohren abschneiben lassen, sie in Weibergewänber geflcibet unb unter Peitschenhieben als abschreckenbes Bei­spiel burch bie Duars treiben lassen. Die äußeren Mauern von Fez würben mit ben blutigen Köpfen Hingerichteter Rebellen verziert, bie auf langen Stäben in ber Sonne börrten. Auch bie Rifberber pflegen keine Gefangenen zu machen, unb wenn es boch geschieht, so tun sie es, um ein Lösegelb zu er- halten. Wenn bei Bibane, Tazza, Uazzan ober lau« nat die Schlacht tobt unb die Franzosen ihre vor- geschobenen Stellungen aufgeben müssen, so kann man sich in Europa keine richtige Vorstellung von den Dualen eines marokkanischen Krieges machen.

Gießener Stadttheater.

Sudermann:Die Ehre".

Gastspiel bes Kurhauslhealers Bad-Nauheim.

Stofflich: Natürlich kommen solche Dinge bauernd vor. Wenn sie Staub aufroirbeln, gerät ein Zimmer, eine Wohnung, bestenfalls ein ganzes Haus ein wenig durcheinander. Alles andere geht feinen Gang. Hie und da staubt es auch; heute, morgen, später . . .

Problematisch: Das wa»' 1889 im Les« singtheater Berlin natürlich ein Ereignis. Das er­regte nicht nur Berlin jeder Einzelne allerorts wurde hier durchgerüttelt. Das war neu. Das hatte noch niemand gesagt, das warNatur", war ,Leben"; das waren Probleme! Einmal gejagt freilich, verlor das Wort an Farbe und Klang. Es bleichte im helleren Lichte des roeitereilenben Tages. Uns packt es nicht mehr; Problem ward Evifode, Ereignis in Parenchefe (ein wenig Staub? Ach ja).

Dramatisch: Handfester Naturalismus, Klaue des jungen (32jährigen) Löwen, Erstlings­werk.

Grünem L eit>.

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heiß, daß (einer der Offiziere in feinen Zelten fchla- fen kann. Verläßt aber jemand in ber Verzweiflung feine geschützte Stellung, so fällt er von ber nie fehlenben Kugel bes Rifkriegers. Fremdenlegionäre unb Scncgaljolbaten allein genügen aber nicht im Kriege gegen Abb el Krim.

In ber spanischen Zone beginnt bereits bei Te­tuan ber Gefahrenbereich. Die Eisenbahnzüge ton­nen nur am Tage verkehren, ba sie in ber Dämme­rung ber Nacht von feinblichen Schwärmen deschos- fen werben, unb auf ben naheliegenden Hügeln knattern bereits die Schüsse der Anhänger Abd el Krims. In Tetuan brodelt bas Dölkergemisch Ma­rokkos. Es ist bas Zentrum ber von Isabel vertrie­benen spanischen Guben, ber Sepharbiten, bie hier einen ganzen Stabtteil, bie Juberia bewohnen, unb bie in Kleidung unb Sitten treu bie Gebräuche früherer Jahrhunderte bewahrt haben. Sie halten sich für bie Aristokraten unter ben Guben unb schauen lächelnd auf manchen europäischen Adel herab, ba manche unter ihnen ihren Stammbaum birett von den alten jüdischen Königen unb von ben Mokka- bäern herleiten. Trotz bes Unrechtes, bas ihnen Spa­nien vor Jahrhunberten angetan hat, ist ihre An- hänglichkeit an bas Mutterlanb groß; ihre Umgangs­sprache ist ein etwas veraltetes Spanisch, bas nur jetzt in den gebildeteren Schichten, dank den Schu- len und der Propaganda der Alliance Jsraelite, vom Französischen verdrängt wird. Auch heute noch trennt die marokkanischen Juden von den Mauren, Arabern und Berbern eine Kluft.

Die herrschende Bevölkerungsklasse bilden bie Mauren und israelitischen Araber unb im Rifgebiet die Berber. Die Mauren sind stolz unb geschmei­dig, dem Christen gegenüber falsch unb oftmals tückisch. Geber von ihnen trägt bie Mienen eines Königs zur Schau, selbst der Bettler in seinen ab- stoßenden Lumpen will als Heiliger erscheinen unb blickt fast verächtlich auf ben Europäer. Wenn ein vornehmer Maure im langen weißen Burnus unb bunten ober gar grünen Turban langsam auf seinem Maultiere burch bie krummen Gassen reitet unb fein

Kritiker vielleicht glücklicher bei ber Arbeit gewesen. Das mag, Kritik ber Kritik, für beibe Teile eine Entschuldigung sein.

Dor wem? Gegenseitig! Vor dem künstlerischen Gewissen. Dem Publikumwas ihr wollt! e=s.

Städelsches Kunstinstitut.

Ausstellung von Meisterwerken alter Malerei aus Pribatbesth.

Das Stäbelsche Kun st Institut zu Frankfurt a. M. wird für bte nächsten Wochen trotz der ihrem Höhepunkte entgegengehenden Sommersaison den Brennpunkt des hess'.schen und darüber hinaus Kunst Interesses bilden. Ist es doch gelungen, einen seit vielen Jahren gehegten Wunsch, alte Meister aus Frank­furter Privatbesitz der Oessenllichkeit zu zeigen, endlich erfüllt zu sehen.

Das 25jahrige Jubiläum des Städelschen Museums-Vereins hat jetzt den Anlaß zu der AussteUung gegeben, die am Mittwoch unter der liebenswürdigen Führung des Museumsleiters. Herrn Professor Dr. S w a r z e n s k i, der Presse gezeigt wurde.

Es kann nach einer ersten, flüchtigen Orien­tierung nicht die Aufgabe fein, hier umfassend und tiefergehend das Material kritisch zu wür­digen; möglich und als erste Einführung zweck­dienlich erscheint lediglich die Wiedergabe des Gesamteindruckes unter Einschaltung ganz kurzer Betrachtungen über besonder- auffallende Kunst- schähe.

Rach den Zähren, in denen Znslationswellen manches Goldkorn über den Frohen Teich hinüber- spülten, zeigt hier, glücklich machend, ein Blick, dah doch noch Vieles, schwer und wert belastet, auf dem Grunde liegen geblieben ist. älnd das ist nicht allein Freude am Roch-Besitz, daS ist den Hut ab Derantwortungsbewuhtsein und die Hand her lebendige Verbundenheit mit den Ewigkeitswerten der Kunst. Wenn das vorläufige Verzeichnis ein ausführlicher, wissenschaftlicher

(Eigner Bericht desGießener Anzeigers". Nach- druck, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe gestattet.)

Vierter Derhandlungstag.

Limburg, 9. Juli 1925.

Zunächst wird Amtsgerichtsrat v. Hemskerk vom Amtsgericht Dillenburg als Zeuge vernommen. Er schildert eingehend, wie er am 1. Dezember v. I., abends gegen 7 Uhr, die Nachricht von der Tat er­hielt unb welche Vorkehrungen er baraufhin ge- 1 «toflen hat. In ber Angelegenheit würben hn Lause des Abenbs in Sechshelden auch zwei verdächtige Personen verhaftet, von benen die eine eine Brand­wunde hatte. Sie wurden aber bald darauf wieder auf freien Fuß gesetzt. Am 2. Dezember hat nun der Zeuge den Angeklagten als Zeuge in der An­gelegenheit vernommen, ba ber Arzt, der den An­geklagten operiert hatte, erklärte, Angeklagter werde höchstens noch zehn Tage leben, erjolate bie Der» nehmung Angersteins als Zeuge eibligj, unb zwar aus prozessualen Grünben. Der Angeklagte war, wie Zeuge betunbet, bei ferner Vernehmung bei vollem Bewußtsein. Er erzählte bie Geschichte von

versucht, so ist es ein Anblick, den man nicht ver­gißt. Sie sind fanatische Mohammedaner, unb trotz ber engen Berührung mit den Christen ist kaum je ein Maure zum Christentum bekehrt worden. Wenige Mauren genießen eine europäische Bildung. Einige wenige studieren auf der mohammedani­schen Universität in Fez, die meisten aber begnügen sich mit dem Unterricht in den Tamas, d. h. in den öffentlichen Schulen der Moschee, wo sie den Koran auswendig lernen und bann den Titel Si. b. h. Herr, ober Sibi, großer Herr, führen bürfen. Die Religion ist es, bie Berber unb Mauren zusam- menschmiedet, benn die Rifberber sind im Vergleich zu ben stark verweichlichten Mauren Wilbe ge­blieben.

Der Madriber Kaufmann soll nun über bas wei­tere Schicksal ber Gebiete jenseits der Meerenge von Gibraltar entscheiden. Es ist nicht ein Kampf ber Spanier und Franzosen mit Abb el Krim, es ist ein Ringen ber westlichen Zivilisation mit bem Geiste Afrikas. Unb cs scheint, baß man sich bort drüben hinter dem Diebel Musa wenig oder gar nicht um die Beschlüste kümmern will, die am grü­nen Tisch gefaßt werden. Die Konferenz hat die Blockade des Rifgebietes beschlossen, und franzo-

bem UeberfaU durch Einbrecher in abgebrochenen Sätzen, wie es eben ein Kranker zu tun pflegt. Die zweite Vernehmung des Angeklagten hat Zeuge an demselben Tage zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags vorgenommen. Bei der Vernehmung am Morgen bat der Angeklagte noch ben Zeugen, sein (des An­geklagten) Frau zu grüßen und zu sagen, es gehe dem Angeklagten besser, sie solle sich seinetwegen nicht beunruhigen. Der Angeklagte erwähnte auch, daß der Zeuge Wagner, der ihm am Montagnach­mittag 200 Mark 'zurückgegeben hatte, noch eine Quittung über diesen Betrag erhalten müsse. Bei der Vernehmung am Nachmittag sagte der Zeuge dem Angeklagten die Tat auf den Kopf zu unb hielt ihm bie gegen ihn sprechenden einzelnen Verdachtsmo­mente vor. Der Angeklagte tat zuerst, als wenn er nichts verstände und erklärte:Ich verstehe Sie nicht!" Als ihm ber Zeuge erklärte, baß Anger- steins Frau tot fei, rief ber Angeklagte:Meine arme Frau!" mit einer Stimme, bie Zeuge als markiert" bezeichnet. Zeuge riet bem Angeklagten nunmehr, fein Gewissen angesichts seiner schweren

gab an, daß er zuerst mit feiner Frau gemeinsam aus dem Leben scheiden wollte, dost diese aber dann seinen Vorschlag abgelehnt habe, cv sei dann in mächtige Wut geraten. Rach Ablegung dieses Geständnisses verfiel der Angeklagte in einen einflünbigen Schlaf. Am Abend erzählte er noch feiner Umgebung von den Unterstützun­gen, die er feinen Verwandten habe zukommen lassen, er hatte auch das Leiden seiner Frau nicht mehr ansehen können und hätte alles auf die Dauer nicht mehr weiter aushalten können. Der Zeuge bekundet auf Befragen, daß er auf Verlangen von Angerftein früher einmal für diesen ein Kaninchen schlachten mußte, weil der Angeklagte angeblich kein Blut sehen kann.

Unter allgemeiner Spannung betritt nun der Bruder des Angeklagten, der Katasterober- sekretär Max Anger st eitz aus Essen, als Zeuge den Saal. Der Zeuge erklärt, daß er von dem ihm zustehenden ZeugniSverweigerungs- recht keinen Gebrauch machen wolle, daß er sich aber Vorbehalte, auf Fragen, die feinem ober feiner Angehörigen Ansehen schaden lönnten, die Auskunft zu verweigern. Der Vorsitzende er­klärte, dah er keine Fragen stellen werde, wo­rauf der Zeuge mit seinen Ausführungen be­ginnt. Er gibt in fliehender Rede ein anschau­liches Bild seines Lebens von seiner Jugend an. Seine Eltern haben 10 Kinder gehabt, von denen der Angeklagte das siebente gewesen ist. Seinen Bruder Fritz habe er eigentlich nie rich­tig kennengelernt. Als der Angeklagte geboren wurde, war der Zunge 12 Jahre alt. Der Zeuge ist dann im Jahre 1907 ins Ausland ge­gangen unb erst im Jahre 1920 nach Deutsch­land zurückgekehrt. Er hat nach seiner Rück­kehr 1920 auch der Familie Angerstein einen Be­such abgestattet. Seine Schwägerin Käthe be­zeichnet der Zeuge als weich veranlagt, die immer viel weinte und über ihr Leiden sprach. Ende April 1924 erhielt der Zeuge von Frau Angerstein einen Brief, es war der erste dieser Art. Sie schrieb in diesem Briese u. a., Zeuge werde sich wundern, von ihr einen Brief zu er­halten, sie fei aber so elend und werde Wohl bald sterben, nur der Glaube an Gott und den Heiland erhalte sie noch aufrecht. Diesen Brief I hat der Zeuge anfangs Mai beantwortet, der

Die Aufführung stand unter einem Un- Sa lag eine ständige Spannung zwischen und Zuschauerraum, die von der Bühne her

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Frankfurt.

' Abfahrt 9.42 Uhr,

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mittag überall in der Stadt gewesen uxar. Der Angeklagte bestritt dies erst alle?, gab es bann aber doch zu. 2Us der Zeug: ihn fragte: ..Wer sind nun bie 20 Räuber?", hielt Angeklagter die Hand vor sein Gesicht und stöhnte. 3cugte sag'.« nun, indem er m.t der Hand auf den Angeklagten deutete:®a liegt er!" Darauf fuchtelte Anger­stein mit den Händen in der Lust herum unb rief: Ruß. Ruß. mir wird ga:y schwarz!" Zeuge er­klärte nunmehr, Angerstein soll ihm nichts vor­machen. er solle fein Gewissen erleichtern, er wolle doch wieder gesund werden, worauf Anger­stein erwiderte:3a, ja. ich will wieder gesund werden!" Der Zeuge gab dem Angeklagten be­kannt. dah fein Bruder gekommen fei. unb ob er in dessen Gegenwart vielleicht ein Geständnis ablegen wolle. Der Angeklagte bejahte dies, woraus ber Bruder geholt wurde. Rach kurzer Begrüßung ries Angerstein dem Bruder zu: Spucke vor mir aus!" Dann legte der Angeklagte in Gegenwart des Bruders ein umfassendes Ge­ständnis ab. verlangte aber vorher, daß Zeug« das Zimmer verlasse, da er nur von ehrlichen Leuten umgeben fein wolle. Der Zeuge bekundet weiter, daß der Walzenrevolver, der am Abend nach der Tat im Schlafzimmer vorgefunden wor­den ist, nicht geladen war. Der Zeuge hat trotz eifrigster Rachforschungen auch nicht feftsteilen können, daß der Ermordete Kiel am Montag­morgen in irgendeinem Geschäft in Ha'qer Bröt­chen gekauft hat. Der Angeklagte selbst sei als gottesfürchtiger unb Wohltat ger Mann in Haiger bekannt gewesen.

Der nächste Zeuge ist der Polizeibetriebs- affiftent Reichardt aus Haiger. Dieser be­stätigt im Wesentlichen die 'Bekundungen deS Vorzeugen. Bezüglich deS Geständnisses des Angeklagten am 3. Dezember 1924 bekundet der Zeuge, Angerstein habe erklärt, als er seine Frau erstochen hatte, sei ihm der Gedanke gekommen, daß er im Keller ein Beil habe, mit dem er sonst immer die Hühner geschlachtet habe. Es fei in ihm der Entschluß gereift, jetzt alle Per-

i; 'NadWrer- ü verein

fischen und. spanische Kriegsschiffe patrouillieren an der Küste entlang. Drei deutsche Dampfer wurden als des Waffenschmuggels verdächtig von den Fran- zosen angehalten, die gern einen Sündenbock fjn- den wollten, sie mußten aber bald wieder befreit werden, da sie anstatt mit Waffen mit Fischen be­loben waren. Der Kampf tobt überall an der fron« zösischen Front fort und an mehreren Stellen muß­ten die Franzosen den Rifkabylen weichen. Das Schicksal der französischen Kolonialmacht steht auf dem Spiel, und dadurch wird auch das Schicksal Europas berührt. Die Tatsachen entwickeln sich jen­seits der Säle der Madrider Konferenz.

Diele weltbeherrschende Völker sind durch bie Säulen bes Herkules am Rif gezogen und find in der Vergänglichkeit aller Dinge verschollen und ver- darben. In der Weltgeftaltung ist alles im Fluß. Auge gleichgültig über die Menge gleitet, die ehr- I Die Madrider Konferenz hat nicht die Macht, dem furchtsooll den Saum feines Gewandes zu küssen | Schicksal Frankreichs ein Halt zuzurufen.

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