Ausgabe 
10.1.1925
 
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Nr. 8 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (Senerai-Anzeiger für Gderheffen)

Die vollzogene Isolierung

Clemeneeau

Ganz vertraulich.

Paris, den 18. Oft. 1906.

Ilax Weise und Frau.

Umflammerung eng um feine G

SU ziehen.

it bie uns zur Silber: ochzeit erwiefenen Auf. ittksamkeilen danken mir erzlichst.

Dazu kam das 03 er trau en auf die 9 robb

Der Revanchegedanke in Frankreich Ministerpräsident.

3n völliger QSerfenmmg geschichtlicher Tatsachen, ohne Rücksicht auf die Stimme nationaler Zu­sammengehörigkeit, j ahrtausendlanger Entwick­lung berief man sich darauf, daß Danzig auch früher bereits vorübergehend Freistaat gewesen sei und seine Abtrennung von Deutschland nichts anderes sei. als eine Rückkehr zu einstigen Okr* Haltnissen. Es sollte also aus Danzig ein eigener Staat geschaffen werden, der im engen Zusammen­hang mit Polen einen neutralen Hasen darzu­stellen berufen war. Den Forderungen Polens auf eine Einverleibung Danzigs wollte und konnte man nicht gut entsprechen, wenn teilweise auch der Wille dazu vorhanden gewesen sein mag. Ein

halb der ummauerten Garten, die zu jeder Ab­teilung gehören, oder im Park und schließlich Arbeit bei den Dauern, unabhängig von der Anstall.

Vorbildlich ist die Dedölkerung in der Um» gebung dieses Hospitals. Sie ist dank einer Gr- Ö durch viele Generationen derart an den selbst unruhig werdender Kranker ge­wöhnt, daß auch unartige Kinder nicht daran denken, irgendwie einen Kranken zu hänseln oder sich gar lustig über ihn zu machen.

_ _ _ 111 a n n i f <6 e Hilfe. Die zahlreichen VerbrüderungSfefte und Besuche hüben und drüben haben zwar das säkulare Mißtrauen der Masse des französischen Volkes gegen England

Das Strastburg im Osten.

Zum Abtrennungstage des deutschen Danzig vom Reich (10. Januar 1920).

Don Werner Schulz-Oliva.

Wie Jahrhundert um Jahrhundert der Kampf um die ragenden Maurm des Strast­burger Münsters gt g so brandete fast ein Jahr­tausend lang Sturm und S.weit um die Türme von Sankt Marien, um die alte Stadt an Weichsel und Ostmeer, kämpfte hier wie dort deutsches Volk um sein Recht auf Leben und Freiheit, gegen einen Feind, der zäh und unablässig sein Ziel verfolgte. Aber mochte fommen. was da wollte, mochte die Rot auch noch so unermessen, noch so bitter und schwer werden, die deutsche Seele wachte über den Türmen und Mauern, die .deutsches Volk baute und trotz allem, sie biteben deutsch, das alte Straßburg und das alle Danzig, das alte Danzig, von dem kein Lied fang und keine Sage kündete, ob es auch tausendfach um seine Treue litt.

AlnD dann kam die Zeit, die beide nahm, die Zeit des deutschen Leides, die für Deutschland ein Abschied war von Millionen Brüdern und Schwestern. Auf Straßburgs Münster weht die Trikolore, um Danzigs Grenzen gehen weihrote Pfähle. Am 10. 3aruar vor fünf Jahren trennte feindliche Gewalt das deutsche Danzig von der deutschen Heimat.

Als in Dem Rotenwechsel vor dem Versailler Diktat der Feiitdbund die Forderung stellte, T anzig vom Mutterland zu lösen und zu einem Freistaat zu machen, war es wie etwas ilnfafj- bares. Richts gab fremder Gewalt das Recht, diese Stadt von Teutschland zu reihen, diese Stadt, die nie etwas arideres gewesen war im tiefsten Grunde als deutsch unb immer deutsch. Aber das Undenkbare gewann an Wirklichkeit von Tag zu Tag. Das neuerstandene Polen dehnte sich über deutsche Provinzen, und fein alter ge­heimster Wunsch, der durch Jahrhunderte nicht Erfüllung ward, lebte mehr und mehr auf, Danzig und mit ihm die "Deichselmündung sein eigen nennen zu können. Dazu stand auf der anderen Seite, bei den Feindbundmächten, der "Wunsch, Deutschland zu äusterster Machtlosigkeit herabzudrücken, es auseinanderzusprengen und den Gürtel feindlichen Hasses und fÄndlicher

.Unb dann kamen wir in das OK u f e u m, eine Sammlung, die kaum ein Pendant aufzu­weisen bat Reben den seltsamsten Gebilden der Hand von Krauten, Zeichnungen, Schnitzereien, die große Kunstfertigkeit verraten, fallen beson­ders Präparationen von Dogelskeletten auf, die ein noch jetzt in dem Hospital weilender Kranker nach allen Gesehen der einschlägigen Wissenschaft angefertigt hat Eines davon trägt die Bezeich­nung: Skelett des gemeinen Psychiaters . . .! Dann wieder gibt es eine große Sammlung Aus­bruchswerkzeuge, die eingeschleppt worden sind, die in Brötchen oder Butter, von Angehörigen oder Freunden geschickt, ein Versteck hatten, die aber auch aus allen möglichen harmlosen Me­tallen ober Holzteilchen von den Kranken in oft jahrelanger mühseliger Arbeit selbst verfertigt worden sind. Sine ungeheure Geduld erfordert die Herstellung von Stricklettern oder Seilen, letztere aus abgerissenen Dettleinenstückchen ge- f lochten. "Von einem Kranken wurde erzählt, her bei jedem Bettzeugwechsel einen schmalen Streifen Leinen ablöste mit Hilfe einer Radel, die er bei der Kontrolle im Munde verbarg und nut Beinen- faden die betreffende Stelle neu säumte, um Ent­deckung zu vermeiden. So brachte er eine zehn Meter lange zopsartig geflochtene Lerne zustande. Das Seltsamste, waö dieses Museum beherbergt, ist eine verdorrte Hand, eie ist vollkommen mumifiziert. Schlanke Rägel fallen besonders aus. Cs ist die Erinnerung an ein grausames Vlut- gericht im Mittelaller. Ein ^liann. Der Hh) an seinen Vater vergriffen hatte, büßte diese Tat. indem ihm auf Gerichtsspruch hin durch den Henker die Hand abgeschlagen wurde, die sich gegen den Vater versündigt hatte!

In dieser Irrenanstalt sind rund 600 Kranke untergebracht, die von vier Aerzten und cO Pflegern betreut wurden. Roch einmal betonte der Direktor, und die Besichtigung hat es be­reits bestätigt: Die moderne 3rrenanftalt ist ein Krankenhaus wie jedes andere. Das höchste viel des Arztes ist. die Kranken gesund zu machen oder ihren Zustand zu bessern, sie aus ihrer Versunkenheit herauszuführen. sie zu beschäftigen und Wieder dem Leben anzugleich.m. Je nach dem Charakter Der Krankheit besteht die Be­schäftigung aus Hausarbeit, Gartenarbeit inner­

noch nicht völlig entwurzelt; sie haben aber immerhin daS englisch-französische Band fester geknüpft. So wurden denn die Gerüchte über den Abschluß einer Militärkonvention in weiten Kreisen geglaubt Die bestimmten Ab­leugnungen im hiesigen6iectc und im Lon­donerStandard' blieben ohne Eindruck. Wenn

)Sie Große Politik der europäischen Kabi­nette 18711914/ Sammlung der Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes herausgegeben von Jo­hannes Lepsius, Albrecht Meridelssohn Bar­tholdy. Friedrich Thimme. 4. Reihe:®ie Isolie­rung der Mittelmächte". Erste Abteilung: Bd. 19 bis 21. Im Verlage der Deutschen Derlagsgesell- schast für Polttil und Geschichte in Berlin W. 8. ich in vertraulichen HnterfjaUungen mit näher

Die Konferenz von Algeciras hatte zum ersten Male eine neue Konstellation der europäischen Mächte gezeigt: Frank­reich wurde in offener ober mehr versteckter Weise von England. Rußland und Italien unterstützt, während Deutsch­land allein an Oesterreich einen sicheren Halt fand. Diese entschiedene Stellungnahme der europäischen Großmächte, die jetzt auch dem min­der Eingeweihten Har wurde, mußte eine starke Rückwirkung auf die Stimmung der Dolkskreise ausüben.

Wir veröffentlichen hier einen dem 21. Bande der jetzt erscheinenden neuen Reihe der Großen Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes*) ent­nommenen Bericht, der die Stimmung in Frankreich nach Beendigung der Marokko­krise schildert. Wir erfahren daraus, daß zwar noch immer die Partei, die unbedingt friedens­willig und in bet großen Mehrheit des Volkes fest verankert war. ihren starken Einfluß aus­übte. datz aber diejenigen, die einen Revanche­krieg ins Auge faßten, stark an Boden gewonnen hatten, so daß eS möglich war. daß im Herbst 1906 der DeutschenseindClemeneeau Minister- präsideist wurde.

Durch die Marokkofrage ist also das Miß­trauen der Mächte in Europa gegeneinander und die Krisenstimmung stark verschärft worden, die im Juli 1914 in den Weltkrieg hineinführte.

Der Geschäftsträger in Paris von Flotow an Den Reichskanzler Fürsten von Bülow.

OrganL'Humanits" kämpft mit grohen mate­riellen Schwierigkeiten und hat vor kurzem an- gekündigt, daß es vorauss ch'.lich ttxyien Mangels an Mitteln demnächst eingehen müs c. Es.e im Interesse einer fried.ichen En.w cklung im hoben Grade zu bedauern, wenn dieser Faktor aus der französischen Publizistik auSgeschaltet Würde.

Die Bewegung, die auf ein selbstbewußteres Austreten F anhxid) spc le l dem deutschen R ch barn gegenüber aaziett, ist mehr oder weniger künstlich gemacht. Aber bei einer so er­regbaren, ro i wechselnden St öm mgen 'o schnell fvrtg? rissen en Rttion, nrie die franzö i'ch-, wird ein rv.s.cht gor Po ttiler auch leien Syrnp omen die ernste Aufmer.s.imkeit nie versagen. Wenn häufig noch, wie igft bei dem Jahrestage von 3cna, Herr Tardieu rmTemps" sch eibt, Deutschland habe v rmieden. seinen Kr:egsruhm von neuem auf die Probe zu stellen, es sei zweiselhaft. ob die deutsche Armee auch heute noch, bei veränderter Krregssührung, auf aller Höhe stehe, so kann diese Tonart, im Verein mit eng i'chen Einslü tecungen. in fron o leben Obren Strömurgen auslösen, deren Tragweite h.ute nicht zu übersehen ist.

Der Jahrestag von Jena und Auerstädt gab mehreren patriotischen Vereinen und der Mcchr- Jahl der hiesigen Blätter die willkommene Ge- egenheit, über eine vielfach getrübte Gegenwart hinweg den Blick in die glorreiche Ver­gangenheit zu richten. Die Einzelheiten dar­über durfte ich schon berichte». Don eigentlichen Ausfällen gegen Deutschland hielt die ernsthafre hiesige Presse sich fern. Am bedenklichsten ist die Tonart I o u v e n e l s. der imM a t i n" schreibt, man müsse auß den geschichtlichen Ereignissen die Lehre ziehen, die deutsche Kraft nicht allzu hoch einzuschätzen. Mährend des Marokkokonflikts habe bei- Kricgsminister Etienne bte kommanbieren- ben Generale versammelt unb unter Darlegung der politischen Verhältnisse an ste die Frage ge­richtet» ob sie im Kriegsfälle an den Sieg der französischen Waffen glaubten. Alle hätten mit3a geantwortet.

Der Vorgang ist charakteristisch. Dem auf­merksamen Beobachter der letzten Monate hier konnte eine intensive Belebung des französischen Selbstvertrauens ittcht entgehen. Schon anläßlich der deutschen Manöver wurden in französischen Zeitungen, insbesondere von Dem Deputierten Gervais imMatur", Be­richte verössentlicht, die ganz einfach die Supe- rioritätderfranzöfischen Armee über Die deutsche proklamierten.

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Bei den Armen im Geiste.

Don Rudolf Hehnemann.

Inmitten wunderbarer Wälder. Halbwegs zwischen Marburg und Bad Wildungen, liegt ein altes Cisterzienser Kloster mit einer Domartigen gotischen Kirche, in Der erste Künst- Icr sich Durch feinempfunDene Arbeit ein blei­bendes Denkmal gesetzt haben, wenn auch ihr Ramc verweht ist. Ein selten schöner Kreuz­gang umschließt einen Klosterhof mit stillem Frie­den. Es ist das Kloster Hatna.

2lls Landgraf Philipp von Hessen, dem Die Geschichte den Beinamen der Groß­mütige verliehen hat. nach der Einführung der Reformation die Klöster aufhob, wandelte er die Klöster Merxhausen und Hama in Hospi­täler für Geisteskranke um. 3m Geiste des Stif­ters ist die 3ahrhunderte hindurch wettergewirkt worden und bei einem Besuch, der durch die Landesverwaltung in Kassel erm^licht wurde, trat das Segensreiche gerade solcher Anstatten deutlich in die Erscheinung. Das ^rnere des Klosters tut sich auf, weite Helle Krankensale werden geöffnet, das Licht flutet durch hohe Fenster, die auf wette Gärten schauen. Auf die fewwi Redei. der Kranken gibts em..liebevolles «mgehen, und gütiges Zureden Man tilgt die Aufgeregten. Der Begriff Zelle ist verschwun­den, und wo es notwendig ist, daß ein aufge­regter Kranker von den andern abgesondert wer­den muß, geschieht es unter Wahrung aller <zor-- denmgen der Menschlichkeit. Die Gummizelle, von der sich der DolksmunD erzählt, hat es nie gegeben, und Das GereDe, es sei schon vorge- wmmen, Daß GesunDe in einer 3rr«ianstatt ge­fangen gehalten wer Den, ist blühender L.nsmn. So etwas," sagte Der Direktor, Santtcttsrat Dr. Wickel,kommt nur m Romanen vor." Uno Die Zwangsjacke?Sie gibt es," lautete Die Erwiderung auf diese Frage,nur im Museum zu sehen." Bei besonders schweren Fällen, wenn Ginpacken in das meist ohne weiteres beruhigens Bett oder Bäder fruchtlos sind, tritt lediglich die chemische Zwangsjacke in Eüe Erscheinung, thtc Einspritzung, Die Muskellähmung hervor- tzjzst, bis die Beruhigung wieder pingetreten i|t.

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Sonderbares Winterwetter.

Krummhübeler Brief.

Wenn man draußen im Lande die Köpfe schüttelt über die Ungereimtheiten des Wetters, das unserem Hochgebirge au Weihnachten 1924 Frühlingstemperaturen und jetzt schon wieder Föhn mit fast totaler Schneeschmelze beschert hat. so daß alle Winterspvrller und die, die in unfern Gebirgsorlen vom Wintersport leben wollen, ein groß' Gejammer anstimmen, so schütteln unsre alten, erfahrenen Gebirgler nur die Köpfe: Alles fchon dagewefen! Der Mensch vergißt nur so rasch, und dann noch eins: den allgemeinen klimatischen Verschiebungen gegenüber, Die sich seit einer Reihe von Jahren fast überall getienD machen, bleibt Die Tatsache bestehen, daß im höheren Gebirge Die Wetternorm zu allen Zeiten oft durchbrochen worden ist. Wer sich Weihnachten 1924 bei der Wiefenbaude in 30 Grad Wärme angenehm sonnte und in dem Hochalpen-Sonnenkurort Lep­sin im schweizerischen Kanton Waadt zu sein glaubte, brauchte nur in die Baudenstube hinein zu gehen unb das Bild zu betrachten, wie die Wiesenbaude zu Pfingsten 1910 so tief ttn Schnee begraben war. daß man von den Baudentüren aus tiefe Schächte durch den cochnee ins Freie schaufeln mußte.

Wer die Tabellenspäter und früher Schnee im Riesengebirge" aufmerksam durchsieht. findet schon Kurioses genug. Der erste Schnee fiel z. D. 1918 und 1919 schon in den letzten Augusttagen, wäh­rend er meift erst (Sirbe September fällig ist. Spä­ter Schnee fiel 1913 noch Mitte Juni, fo daß der Kovvenkeael am 13. Juni in Weih gehüllt war,

stehenden Franzosen die Frage aufwarf, was Wohl die Richtigkeit Der Rachricht voraus- Sesetzt die Leitung Der französischen Politik estimmen könnte, bei oem Mangel jeglicher

Deutscher Angriffsgelüste, sich in so toeitgebenber unD bedenklicher Weise zu binden, so wurde mir stets erwidert, niemand hier wolle den Krieg: aber Die Mehrzahl Der Franzosen habe aus dem Marokkokonslikie Die Uebcrzeugung gewonnen, daß ein solcher früher oder später geführt werden müsse. Da nun Ruß­land aus den französischen Kombinationen aus- scheide. so müsse man an anderer Stelle Anlehnung suchen. England sei besser als niemand. Auch befreundete Vertreter der Presse haben sich zu mir in gleichem Sinne geäußert.

Daß dieleStimmung in einer eifrigeren Tätigkeit der französischen Armee, als sie früher bestand, zum Ausdruck kam, ist Euerer Durchlaucht bekannt. Ihr wird es auch zuzuschreiben fein, daß in Den Kreisen Der Bour­geoisie Die Armee wieder populärer geworden ist. Man farm das deutlich in der Presse, in Theatern und auf der Straße ver­folgen. . . .

Regierung und Volk als Ganzes heute ge­fragt ob sie einen Revanchekrieg wollten, würden unbedingt verneinen. Aber die weitaus über­ragende Persönlichkeit des Ministeriums, hoch- begabt. energisch, ehrgeizig und völlig skrupel­los. Herr C l e m e n c e a u*) ist auSg »zeichneten Kennern der hi. sigen Derhä tniffe r ch ner äch ig. Ich war in Der Lage, durch eine Mittelspe, fon unbefangene Aeuherungen eines nahen F eunbes des Herrn Clemenceau über dessen politt che Stel­lung zu erhalten: sie lauten:

Gr ist jedensalls antideutfchundchau- v i n i st i s ch, für enges Zusammengehen mit England, unb würde zweifellos für eine Militär lonvention mit diesem Lande sein. Er vermeidet es fo-g'ältig, seine engli ch.m Sym­pathien zu afsichieren. um nicht in den Fehler Delcass 6 s zu verfallen. Seine Politik ist. Deutschland zu isolieren, eine starke Armee haben, immer bereit sein und warte n."

Die letzten Reden des Herrn Giernenccau. über die ich schon berichten Ducire, besü -ie» kaum eines Kommentars. So.l c ct, tote e3 l öchst wahrsch rnlich ist, nach dem Aogange des Herrn Sarrien an Die Spitzc des Kabinetts treten**), so würden Die deut'ch-sran ö'i'cher Beziehungen la­tente Konfliktsmöglichkeiten en hal­ten. Die der deutschen Politik eine ganz beson­dere Vorsicht auferlegen müßten.

Herr Judet imEclair" klagt den Minister direkt an, un Bunde mit England Deutschland angreifen zu wollen. Schon feit langem ist es nicht mehr möglich getoefc i, einem aktiöen Minister das zu sagen, ohne daß cm Protest in irgendeiner Form erfolgt wäre. Selbst Herrn Delcassö hat man öffentlich solcher Pläne nicht geziehen.

DaS beste Gegengewicht gegen die geschil­derten Bestrebungen liegt zur Zeit noch in dem friedliebenden Geiste der großen Masse der Bevölkerung, Die in ihrem Erwerbs» unD Sparsinn und schließlich auch in ihrem Hang zum Vergnügen nicht gestört sein will. Ein wichtiges Element in Der politischen Rech­nung ist auch Der Antimilitarismus. Der im Gegensatz au den Gefühlen der Bourgeoisie, Die untersten Schichten hier tiefer ersaßt hat, als man öffentlich zugibt. Regierung und bürgerliche Presse sind ängst.ich bemüht, alle antimi i a i.ti­schen Manifestationen entweder zu verheimlichen ober ihre Bedeutung zu verkleinern. Aber die Vorgänge bei den Manövern, wo ganze Reihen von Reservisten sich straflos toe gerten, zu mar­schieren u. a. m. lassen doch einen bedeutsamen Schluß auf die Stärke Der Bewegung zu.

Ein hervorragender moralischer Faktor ist endlich Herr 2 auvös mit seinem Anhang. Sein

) Damals Minister des Innern.

**) Es geschah am 23 Oktober.

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Samrtag, Zanuar 1925

solches Lnrecht wagte man nicht vor der Welt zu begehen, vielleicht fand inner halb der Feindbund- machte auch ein allzu starkes Polen an und vor allem in Der Ostsee nicht die gleiche Sympalhi» aller beteiligten Staaten.

Danzig durchlebte in jener Zeit Wochen Dcx ^Ingewißhett und Der Debrvhung, wie sie nur Der ganz kennt unD versteht, der sie miterlebte. Alle Kreise Der Beoöllerung schlossen sich zu macht- vollen ÄunDgebungen zusammen, eS gab keinen Gegensatz der Parteien unD der Meinung, in allen war nur ein Gedanke: Wir wollen das bleiben, was wir sind, woS unsere Väter waren: Deutsche im deutschen Dalerlande."

Ader alle Kundgebungen, alle Prvlesto Vor­behalten. das Schicttal war nicht mehr abzu- wenden. Das Diktat von Versailles erfüllte sich und das Furchtbare wurde Gewihheil. Die letzten Regimenter Der Danziger Garnison zogen fort, englische unD französische Truppen rüdten In Die StaDt ein unD rings um Danzig schlugen Die Polen, Die Den größten Teil des alten West- Preußen erhielten, ihre toc 15roten Gxenzpsähle. Rur bei Marienburg blieb ein schmalei Strcik-n, wo Danzig unD das zur Kolonie gewordene Ost­preußen aneinandergrenzen.

So stand Danzig vor fünf Jahren neuen Tatsachen, neuen Verhältnissen gegenüber, wur­den ihm Aufgaben zuteil, die unlösbar sch men. Ein Staatswesen mit kaum 400 000 Menlchen, einem flachen Lande, das zur Ernährung seiner großen städtischen Bevölkerung nie ausreichen kann, ohne finanzielle Mittel, nur mit Schulden belastet, hilf- und wehrlos von einem für Danzig übermächtigen Feinde umgeben, au- jeder Ver­waltung herausgeriffen, ein Chaos und weiter nichts. Manch einer, der diese Lage sah, pro- phezette dem neuen Staate eine schnelle und unabwendbare Heberflutung durch Polen, einen sicheren staatlichen und nationalen Tod. Wer das aber tat, der kannte eines nicht: Der kannte nicht die Danziger Bevölkerung, ihren Geist und ihren unerschütterlichen nationalen Lebenswillen. Rot lehrt beten und Rot lehrt arbeiten. Unb in Danzig hat sie es gelehrt, wenn nicht schon seit Jahrhunderten der Geist der Dmtschbei-ren, der Geist des Ritterordens in der Ostmark lebte. Der ewige Kamps gegen das vordringende ökp Dcntum, der Kampf gegen Herbheit und Un­gunst Der Rcttur. die nur schwer sich die Frucht­barkeit des Bodens abringen läßt, haben im Osten ein besondere- Geschlecht geschaffen, ein Geschlecht, das aus allen deutschen Stämmen zusammenwuchs, Die in Der OrdenSzeit nach Osten wanDerten. Dieses Geschlecht gibt er- strittenen und ererbten Boden nicht preis, es ist mit ihm eins und halt zu ihm und zu sich mit zäher Entschlossenheit

In jenen bangen Tagen unb Monden Der Abtrennung wurde dieser Ostlmibgeist eherne Krast Die neugegrünbetc Freie Stabt Danzig gab sich in harter unb schwerer Arbeit die Grundlage ihrer Existenz, die Sicherheit not to­naler unb staatlicher Selbstänbigkeit.

Fünf Jahre sind seitbem vergangen unb wer heute einen Vergleich zieht, ber muß e8 be­kennen. Danzig hat sein Deutschtum bewahrt und es steht nun in jeder Beziehung vor aller Welt frei unb unabhängig; es hat c8 ver­standen. sich Geltung zu verschaffen, und beule durfte es niemand wogen, wie eS die Litauer mit Memel getan, mit Gewalt die Freie Stadt an sich zu bringen.

Auf polnischer Seite hat man da- lange erkannt unb nun ist man zu einer anberenj Taktik übergegangen unb versucht still unb un- ablässig ben polnischen Einfluß in Danzig zu erweitern. Man gründet in Danzig polnische Vereine, zieht in Danzig eine deutschsprachige Presse auf, die vollkommen polnisch orientier. ist, um dadurch in der Welt unter falscher Flagge die Meinung gegen Danzig zu beein­flussen, und scheut ferne Mittel, langsam unb allmählich der Stabt ben deutschen Charakter zu nehmen. Aber auch diese Arbeit ist erfolg­los, unb geschlossen steht bie Danziger Bevölke­rung gegen alle diese Bestrebungen. Sie ist ehrlich bemüht, mit Polen in Frieden zu leben unb Der kleinen polnischen MinDerheit in Dan­zig. Die etwa 5 Prozent beträgt, alle ihr zu- stHenden Rechte zu gewähren, sie wird aber mit aller Schärse und aller Entschiedenheit Dan«

unb der Schnee bei der Schneegrubenbaude vier bis fünf Zentimeter hoch lag. Mitte Mai 1922 gab c8 bei ber Wiesenbaude noch ein regelrechte? Mai-Skirennen, 1924 noch letzten Reu- schnee am 19. Juni.

Seit etwa fechs biS freben Jahren Ist unser Hochgebirgswetter überhaupt reich an Sonder­barkeiten, Als Anfang Januar im Hirschberger Tale bis zu 30 Grad Celsius waren, zeigte das Themometer auf ben Kammbauden nur 10 bis 12 Grab. Im Schneefrühjahr 1917 lagen Die Schneemassen bei Der Kirche Wang Mttie April bis zu Drei Meter aufgetürmt. Die Sportbahnen waren total verweht l Mitte Rovember 1919 war Die Schneehöhe auf dem Kamm etwa 1,20 Meter, hn Tale 0,60 Meter. Eine solche Schneehöhe hatte man um Diese Jahreszeit schon seit Jahren nicht mehr. Denn der schneereichste Monat ist bei uns immer der Februar. Weihnachten 1919 brachte Schneestürme von riesiger Gewalt; Gebirgsbestei­gungen und Kammwanderungen waren lebens­gefährlich; der Orkan hatte Schneewände bis zu vier Meter zusammengeweht. Ende 1923 brachte Dem Gebirge Regengüsse; Silvester 1923 und am Reujahrstag 1924 war im Tale bei 9 Grab Wärme frühlingSartiges Tauwetter; auf den stark vereisten Sportoahnen gab es viele Unfälle. We­nige Tage darauf gab es heftigen Föhn, der so gewallige Schneefälle brachte, bah z. B. in Hin­ter-Schreiberhau bie Häuser bis ans Dach Der* schneit waren unb das Wild des Hochgebirges bis in die Gehöfte der Gebirgsdörfer Farn Auch der Rosenmonat" 1923 brachte Rübezahls Reich Schneefälle; am 26. Juni fiel der Schnce den gan­zen Tag über; abends betrug die Schneehöhe schon bei 1200 Meter nicht weniger als fünf Zenti­meter, Weihnachten 1923 brachte dann dem ge­samten 3far= und Aiesengebirge enorme Schnee fälle und folche Verkehrsstörungen, daß in ver­schiedenen Wiitterfportplätzen die angesehten Sportveranstallungen bis in die ersten Tage des Januar ausfallen mußten. Bei Der Wiesenbaude wurden 32 Grad Kälte gemessen, und in der Baude befanden sich 14 Personen mit gefrorenen Gliedern.

Dies nur eine kleine Reihe herausgezupster Blüten auS einem großen Strauße Wctterkurio^a.