mlieber und Fröhlich - (Hellas) Magdeburg sowie Dwfel (Ltern)Leipzig Mitwirken. Heinrich wird sich im ersten Freistil tüchtig strecken müssen, um sich Heitmanns zu erwehren. In Heilbronn kommt ein internationales Dosserballturnier innerhalb eines Schwimmfestes des Schwimmbundes Heilbronn 98 zur Entscheidung.
Flugsport:
Während der Wettbewerb in der Krim andauert, finden innerhalb des Deutschen Reiches nur kleinere Flugvercmstaltungen statt. In Staaken bei Berlin finden Schau- und Wettflüge unter Beteiligung zahlreicher großer Firmen und Führer ihre Austragung, Gefchwaderflüge, Ballonverfolgungen, Fallschirmabsprünge, Kunstflüge sind geplant.
Motorsport:
Das Hauptinteresse im Motorsport richtet sich auf das im Taunus vom Gau IJIa des A. D. A. C. veranstaltete Feldbergrennen. Auf der Opelbahn Frankfurt wird die Deutsche Bahnmeisterschaft ausgesahren. In M ü n st e r veranstaltet der Club für Motorsport, Münster, Motorrad-Bahnrennen sowie ein Geschicklichkeitsfahren. Der Hannoversche Autosportelub bringt die A. D. A. T.° H a r z f a h r t zur Abwicklung.
Radsport.
Im Radsport neigt sich die diesjährige Saison ihrem Ende entgegen. So finden noch Bahnoeranstaltungen auf der Berliner Olnmpiabahn, in Dresden und Mainz statt. In B o ch u m trägt Oßmella einen Rsvanchekampf gegen Mazairac- Holland aus. Wittig vertritt die deutschen Farben in Paris. Im R a d b a l l - L ä n d e r k a m p s Deutschland —Schweiz in Zürich geht die Deutsche Meistermannschaft an den Start.
Turniersport:
Der Sonntag verzeichnet wiederum zahlreiche Reit- und Fohrturniere, von denen das des S t r a l - sunder Reit- und Fahroereins dreitägig, das des Hanseatischen Sport - und Zuchtoereins in Hamburg ebenso wie die Veranstaltung des Regensburger Rennvereins zweitägig sind.
Rertsporttiche Veranstaltung in Grehen.
Der Reit- und Fahrklub Drehen und -Umgebung veranstaltet am kommenden Sonntag. 11. ds. MtS., nachmittags 2 Uhr, gemeinsam mit den Angehörigen der hiesigen Reichr- wehrbatoillens ein internet Klubturnier auf dem Gelände der Radrennbahn an der Hardt. Zweck der Veranstaltung soll in erster Linie sein, das Interesse für den Pferdesport, daS, wie das öffentliche Turmer im Juli b& Is. gearigt hat, sowohl in der Allgemeinheit, als auch in den den Pferdesport ausübenden Kreisen unserer Stadt in großem Mähe vorhanden ist, zu heben, insbesondere die systematische Ausbildung von Pferd. Fahrer oder Reiter zu fördern, jugendliche Kräfte antzuspornrn und ausgebildete zur Weiterarbeit anzuregen. Des weiteren bieten derartige Veranstaltung en vor allen Dingen Gelegenheit, wahrzunchmen. zu todd> vielseitigen Ausgaben auch heute noch das Pferd, insbesondere das Halbblut, in wirtschaftlicher und lporllicher Hinsicht zu verwenden ist. Dementsprechend waren auch die Ausschreibungen zusammengestellt. Cs sind vorgesehen: eine Reitprüfung für Anfänger (zugelassen sind hier nur von dem UniversitärS-- stallmcister S ch o m b s ausgebildete Reiterinnen und Reitrr), und eine solche für Ausgebildete, eine Eignungsprüfung für Gespanne (Ein- und Zweispänner», sowohl für die zu schwerster Arbeit benutzten Kaltblüter, als auch für die hauptsächlich zu landwirtschaftlichen und gewerblichen Zwecken dienenden, aber auch für leichtes Fuhrwerk geeigneten Warmblutpferde; des weiteren eine Vielseitigkeitsprüfung, in der die Leistung deS tpferbcS im schweren und leichten Zug, sowie unter dem Reiter bewertet wird. Ferner werden noch drei Jagdspringen in verschißenen Klassen geritten, auch ist bei genügender Beteiligung ein landwirtschaftliches Trabrennen vorgesehen. Das Turnier wird dem internen Charakter der Veranstaltung entsprechend in einfachem Rahmen gehalten werden. Die für die Durchführung notwendigen Aufwendungen sind infolgedessen gering. Lediglich zur Deckung direktor Unkosten wird für Tribunenplähe ein Preis von 1 Mk., -für Stehplätze ein solcher von 50 Pf. erhoben werden. Titan beachte die morgige Anzeige.
Der gefesselte Strom.
Roman von Hermann Stegemann.
31. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Cs ist schad um den HannS!"
Erstickt, wie Widerwillig hervorgestohen, kamen die Worte über Ingolds Lippen. Sein Racken zitterte in einer leisen, greisenhaften Bewegung.
,rUnb mein Mädel, mein Mädel! Es ist zum Derrücktwerden!"
Heftig schrie's Engelhardt in das Rauschen des Stromes, das das ganze Haus erfüllte, und sprang auf, beide Hände erhoben als könnte er von oben Hilfe erbitten.
Eine Welle war es still. Dann fragte Engelhardt ruhiger:
„Fahren Sie hin. Herr Ingold?"
„Wenn's zum Sterben geht, bin ich bei ihm, aber —"
„Was aber?“
Der Fischmeister stand auf, ging ans Fenster, riß es auf, zeigte auf den grauen Strudel, dec seine Dämpfe in den Regen schleuderte, und vollendete:
„Aber, was er dem hat tun wollen, das muß er mir abbitten.“
Brausend, klirrend und donnergrollend tobte der unbändige Strom durch die Enge des Lauf- sens und rollte seines Wegs in die wolkige Rächt.
Ruth hielt das Versprechen, das sie Hanns Ingold gegeben hatte, unverbrüchlich. Sie mietete sich schon am Tag nach Hannsens Erkrankung in einer Pension ein und ging dann auf die Reue Ströme, wo Ingold gewohnt hatte.
Der erste Frost war gekommen, vereinzelte Schneekristalle blitzten auf dem Asphalt, die Tele- phondrähte hingen weihgezuckert in der blaß- grauen Luft. Ruth hatte nicht daS Gefühl, erst gestern angekommen zu fein. Sie stieg vier dunkle Treppen hinauf, erzählte der Vermieterin, FrauKurz, was geschehen war, beglich im voraus die Miete für den laufenden Monat, um jeden Argwohn §u ersticken, und wurde darauf in Ingolds Zimmer geführt. Es war
SportjpiegeL
Oberbürgermeister Dr. Jarres- Duisburg hat zu | ein er Ernennung zum persönlichen Mitglied und stellvertretenden Vorsitzenden des D. R. A. an den Präsidenten des Reichsausschusses Exz. L e w a l d ein Schreiben gerichtet, in dem er sich gern bereit erklärt, dem ehrenvollen Rufe zu folgen.
Beim Internationalen Tennisturnier in Vevey (Schweiz) gewannen v. Kehr« ling-Demasius das Dovpelspiel, Frl. Aus- s e m - D e m a s i u s das gemischte Doppelspiel. Im Dameneinzel wurde Frl. A u s s e m von Fr. G o l - ding geschlagen, das Herreneinzel v. K e h r ling- Demasius kommt erst in Meran zum Alistrag.
Zum A. D. A. C.- Feldbergrennen im Z 6 u n u s am 11. Oktober sind bisher über 170 Meldungen der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Fahrer und der Firmen des In- und Auslandes abgegeben worden.
Die Deutsche Straßenmeisterschaft 19 25 für Motorräder haben nach den letzten Ergebnissen des Dreieckrennens Karlsruhe—Käfertal (Endlauf) Eßlinger-Mannhsim (Windhof) in der Klasse bis 125 Kubikzentimeter, Heck-Berlin (Mabeco) in der Klasse bis 775 Kubikzentimeter, Paetzold-Köln (Jmperia) in der Klasse der Motorräder mit Beiwagen, Peters-Düsieldorf (Harley Davidson) in der Klasse bis 1000 Kubikzentimeter errungen.
3m Welt-Automobil-Verkehr steht Deutschland in der Statistik (mit einem Auto auf 272 Einwohner) an siebenter Stelle.
Die Meisterschaften im Bahnfahren des B. D. R. fallen in diesem Iahre aus.
Leichtathletik im Heer.
Die Meisterschaften des Deutschen Sport-Vereins (Heereskorporation) wurden in Berlin unter guter Beteiligung und Anwesenheit zahlreicher Zuschauer mit dem Erfolg guter Leistungen durchgeführt. Der Wanderpreis de- Reichspräsidenten in der 10 mal 400-Meter- Stafsel fiel an Spandau in 9:50,7 vor Lichterfelde. Der Wanderbreis des Reichswehrministeriums in der Olympischen Staffel wurde von der Ortsgruppe Zentrum in 4:38 mit geringem Vorsprung vor der Ortsgruppe Lichterfelde gewonnen.
Aus der Provinz.
Landkreis Giesrcn.
X Klein-Linden, 8. Oktober. Wer jetzt die hiesige Feldmark durchwandert, kann die Vorteile der beendeten Feldbereinigung an dem neuen Wegenetz erkennen, das dem Landwirt eS ermögliä-t, ohne Benutzung fremden Eigentums auf sein Besitztum zu gelangen. Hat die Zusammenlegung auch nicht alle Beteiligten voll befriedigen können, so muh doch anerkannt werden, daß viele Verbesserungen gemacht sind. Run müssen sich die Rachteile mit der Zeit ausgleichen. — Die Eisenbahn- Verwaltung besitzt in hiesiger Gemarkung große Flächen Ackerland sowie Gras- nuhungen der Böschungen, die früher durch die Bahnmeistereien in kleinen Parzellen verpachtet wurden, was der Verwaltung erhebliches Schreibwerk verursachte. Die Reichsbohndirek- tion Frankfurt o. M. hat nun aus Sparsamkeitsgründen die Gesamtfläche an die sog. Klein tiervereine zu einem festen Preis verpachtet. Diese sind verpflichtet, die Ländereien in kleinen Parzellen nach bestimmten Grundsätzen an die noch im Eisenbahnöienst befindlichen Bediensteten, sowie Warte- und Ruhe- siandsbeam'en nebst Witwen früherer Bediensteten zu verteilen bzw zu ve.wachten. Als Ver- gütung für die Arbeiten erhält der Verein einen gewissen Prozentsatz der ganzen Pachtsumme. Der während des Krieges herrschende Landhunger ist anscheinend bei vielen jetzt gesättigt. Auf dem Schildberg liegen in diesem Iahre Wiede • zur« erstenmal große Flächen Ackerland, der Eisenbahn-Verwaltung gehörig, völlig unbenutzt, so ba'" das Terrain einer völlig verwahrlosten Wiese gleicht. Soll dieses Land wieder als Ackerland benutzt werden, so erfordert es intensive Arbeit Ebenso ist sehr viel Gras der hohen Böschungen zugrunde gegangen.
: Aus dem Busecker Tal, 8. Olt. Die Honigderertung geht ihrem Ende entgegen. Infolge des schlechten Ausfalles der Honigbirnenemte müssen unsere Hausfrauen viel- sach Zuckerrüben- und Dickwurzsaft als Most verwenden. Zum Zwetschenternen und Birnen
dürftig aulgestattet, und der klare kalte Tag stach grell durch die nackten Scheiben.
Als die Wirtin sie allein gelassen hatte, setzte sie sich in den Rohrsessel, der am Fenster stand, und lehnte den Kopf zurück, schloß die schmerzenden Augen und überließ sich ihren Gedanken.
Doch die hielten ihr nicht stand, das Gefühl flutete unter der Schwelle ihres Bewußtseins hervor und erfüllte in mächtigem Schwall ihr ganze- Wesen.
Sie liebte ihn mit einer Stärke und Opfer- bereitschast, die nicht von Zärtlichkeiten lebten. Sie hatte ihn zu lange geliebt, war zu reif geworden, um noch die ersten Schauer inbrünstiger Hingabe zu empfinden. ES war, als hätte sich ihr Verlangen nach Zärtlichkeiten und Umarmungen, nach Besitz und Genuß in den Jahren, da sie ihn entbehrt hatte, verflüchtigt. So wie sie ihn jetzt liebte, müssen Frauen lieben, die dem Mann alles gegeben haben. Oder Mütter, die für ihre Söhne alles leiden.
Run lag er krank. Hamrs Ingold und krank.' Der Arzt hatte von ^Überarbeitung gesprochen, sie selbst durch ihren Bericht dazu beigetragen, diese Erllärung in Laus zu setzen. Aber nicht Uebevarbeiiung war die Ursache, sondern die verzehrende Qual, in der er rang, um seinem Werk zum Leben zu verhelfen.
Wenn sie morgen an fein Bett trat und sagte: ,Hanns, ftefc’ auf. du kannst bauen,“ bann schnellte er auf unb faßte fie um den Hals und rief: „Ruth, Ruth Engelfchön, jetzt spreng' ich den Lausfen unb bau’ das große Wert unb dir dank' ich's, dein Werk ist's, daS ich baue!"
Der alte Korbsessel knisterte, so heftig ging ifjr Atem, durch die geschlossenen Lider drang die grelle Klarheit des Tages und gaukelte in buntflammenöen Lichtempfinbungen vor ihren Augen.
Langsam ftanb sie auf; sie hatte keine Zeit, müde zu sein und zu träumen. Er brauchte sie.
Sorgfältig begann sie. seine Papiere zu ordnen und den gesamten Briefwechsel zu lesen. Lind je tiefer sie drang, desto stärker wuchs ihr Interesse, desto klarer erkannte sie, wie Hans Ingold mit diesem Werkgedanten ver
schalen werben bie „Kamerabschaft" und die Verwandtschaft eingeladen, um bis Mitternacht unb noch später fleißig tätig zu sein. Ein ..Schälchen" Kaffee mit dem jetzt üblichen Zwetschenkuchen beschließt bie Arbeit . Aus dem Heimweg leistet sich die am Kernen und Schälen beteiligte Iugend einen harmlosen Spaß, indem sie ZwetsHenkerne streut vom Hause des „Burschen" zum Hause des Mädchens, die ein „Verhältnis" miteinander haben. Am anderen Morgen verraten dann diese „Zwetschenkernpfädchen" bas Geheimnis der Liebenden.
: Beuern, 8. Okt. Wer gegenwärtig den Feldweg von Beuern nach Bersrod geht, wird am Dorfausgang unter dem Steinbruch des Philipp Damm und oberhalb bet Stein- brücke zwei blühenbe Apfelbäume antreffen. Die Bäume haben bereits ihre Blatter bis auf einige verloren, hasür aber sich mit Blüten beseht. Ebenfalls als ein Kuriosum unserer IahreSzeit gelten reife ßrbbeeren, bie jetzt von Kindern auf dein Heimweg ton dem KartoffelauSmachen gepflückt, unb in Sträußen nach Haufe gebracht werben.
* Grünberg, 8. Okt. Am Montag, 12. Oktober. feiert bet Gesängnis-Oberwachtmeister Wahl am AmtSgerichtSgesängnis zu Grünberg fein 30jähriges Dienftjubiläum.
!—! Lauter, 8. Oft B:i der diesjährigen Ob st Versteigerung kostete der Zentner SHüttelobst 5 Mk., der Zentner Tafelobst 10 Mb am Daum. Außerdem hat die Gemeinde über 100 Zentner Fallobst, je Zentner nach Qualität von 2 bis 5 Mk., verkauft. Im Vergleich zu den Vorjahren hat die Gemeinde diesmal gut ab- geschnitten, weit über 4000 Mk. Erlös hat fie zu verzeichnen.
Kreis Schotten.
I~l Laubach, 8. Okt. Die Hauptversamm- lung der hiesigen Bezirkssparkasse, die im „Solmser Hof" unter dem Vorsitz ihres Direktors. des OberamtSrichters Zimmermann, tagte, zeigte eine sehr gedeihliche Weiterentwicklung dieser gemeinnützigen Vereinigung. Die Gesamteinnahmen im Rechnungsjahr.belaufen sich auf 1 101 267,76 Mk., die Gesamtausgaben auf 1 092 761,60 Mk. Die Satzungen, die infolge bet Inflationszeit teilweise hatten umgeänbert werden müssen, wurden wieder in die frühere Form zeitgemäß zurückgebracht. Die Laubachcr Bezirks- sparkafse umfaßt die alten reichsgräflich folms- laubachschen Aemter L a u b a ch unb Utphe, bas aus den sog. „Rieddörsern" Utphe, Inheiden, Trais-Horloff bestand (bas dritte Amt der Reichsgrafschaft war Münzenberg). Die Kasse wurde 1833 begründet, um die durch die Kriegsdrangsal sehr verschuldeten Bewohner unserer Gegend den Krallen der Wucherer zu entreißen. Graf Otto (1799-1372) stiftete als Grundstock der Kasse 10 000 Gulden. — Die Fried- berget Han delskammet wirb bemnächst eine Verbesserung unseres Winter- fah^plans anregen. Ebenso hat die Frankfurter Reichsbahnbirektton wieder den Dertteter der Hanbelskammer, Fabrikanten Karl Michel, um Mitteilung weiterer Wünsche ersucht. Wichtig ist die Wiederherstellung der Statton „Sau- badjer Wald", woran außer der Stadt Lau- bach auch bas Dorf Gonterskirchen sehr interessiert ist. Dieses stiftele seinerzeit auch einen bedeutenden Betrag für die Errichtung dieser Haltestelle. Dieses hat man, wie es scheint, an maßgebender Stelle jetzt vergessen. Ebenso ist sehr wünschenswert, daß der Anschluß des Persvnen- zugs 512 (Gießen ab 6.42 llijr abends nad) Gelnhausen) an den V-Zug 275 (Frankfurt ab 5.12 Hbr abends, Gießen an 6.43 Uhr abends) hergestellt wird.
Kreis Büdingen.
△ Wallernhausen, 8. Oft. Hier ereignete sich gestern abend ein schwerer Unglücks fall. Der hier wohnhafte, beim Postamt Rißda angestellte Postassrstcnt Schüler fuhr auf feinem Fahrvid nach Hause. Am Dorf- cingang hat bie Straße starkes Gefäll. Schüler stürzte hk*er vorn Rad und erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er in der folgenden Rächt verstarb. Der Verunglückte war 1887 in Steinheim geboren, er galt als tüchtiger, gefälliger Beamter. Sein plötzlicher Tod wird allgemein bedauert.
Kreis Wehlar.
* Wetzlar. 8. Okt. Bei der Firma B u» derus-Röchling in Wetzlar wurde wegen Auftragsmangels Kurzarbeit eingeführt.
wachsen war. Als sie sich nach zwei Stunden wieder erhob, lag ihre Ausgabe vor ihr. Sie beschränkte sich heute daraus, dem Kommerzienrat Ellenrieder und der Duchbruckerei mttzu- teilen, bah Hanns Ingold erkrankt sei. unb ging dann zu der Vermieterin, um ihr zu sagen, daß sie jeden Vormittag kommen und die Korrespondenzen bearbeiten werben.
Ein starkes Glücksgefühl erfüllte sie, als fie_ ins Freie trat. In sehnsüchtigen Wellen strömten ihre Gedanken zu ihm hin, wahrend sie mit federndem Schritt die belebten Straßen maß.
Am Rachmittag sah fie im Wartezimmer des Krankenhauses und wartete auf den Krankenbericht. Sie durfte ihn nicht besuchen, aber wenn auch keine Besserung eingetreten war, so schien auch keine Verschlimmerung zu drohen, und da sie als Arzttochter und Pflegerin Geduld gelernt hatte, so kehrte sie in ihre Wohnung zurück, ohne ihren Mut verloren zu haben.
Tag für Tag ging Ruth morgens um neun älhr über die Reue Krame. Sie las die Korrekturen der Broschüre, deren erste Bogen schon gedruckt wurden, unb versanbte bie Artikel, bie Hanns sür Zeitungen unb Zeitschriften bereit- geteilt hatte, an andere Blätter, wenn fie als unverwendbar zurückkamen, fie legte eine Sammlung von Ausschnitten an und ordnete die weitläufige Korrespondenz bis ins einzelne. Die Schreibmaschine ttckte wie ein Uhrwerk, und Ruth ertappte sich darauf, daß fie in den Begleitbriefen, die sie im Auftrag des Verfassers der Aussätze hinausgehen ließ, den bestimmten, überzeugten Ton anschlug, der Ingold eigen war. Kam sie dann um zwöks Uhr nach Hause, so hatte sie das Gefühl, die Welt erobert zu haben, und bas Blut färbte ihr die Wangen unb schlug ihr voll in den Adern.
Zweimal bat sie ihren Vater, nach Frankfurt zu kommen, als er sie dufforberte, zuruck- zukehren, aber Engelhardt lehnte den Vorschlag bas erstemal schroff ab und nannte ihn das zweitemal eine unwürdige Zumutung. Da zuckten ihre Lippen von verhaltenem Weh.
Das neue Iahr war gekommen.
Ruth sah den trüben Wolkenhimmel tief auf Oie Dächer drücken, unb baS Heimweh begann fie anzufechten. Von den verschneiten Halden
* Kinzenbach, 8. Oft. Die hiesige j Drahtwarenfabrik von Dirtenhoff I und Drewes hat wegen schlechten Geschäfts- | gangeS den Betrieb st i 11 g c I c g t.
XX Kraftsolms (Kr. Wetzlar), 8. Okt. Die durch den Tod des Lehrer Cramer Hierselbst erledigte erste Schul st eile wurde Hern? K o 11 m a n n, bisher in Völkenroth (Kreis Altenkirchen), übertragen.
Slrrrrcnburg und Rheinhessen.
-r- A u s Rheinhessen, 1. Okt.' Mit Beginn dieser Woche hat säst allgemein die Wein- lefe begonnen. Das Herrlichste Herbstwetter begünstigt die Arbeit unb macht sie zum Ver- gnügen. Auch an Arbeitskräften fehlt es in diesem Iahre nicht, da Arbeitslose aus Westfalen sich eingefunben, gut bezahlte unb durch Traubenkost versüßte Arbeit zu verrichten. Die' Weinernte hat leider durch die sich wiederholenden Regenperioben stark gelitten. Der Sauerwurm ist vielfach ausgetreten unb hat einen großen Teil der Beeren vernichtet. In guten Sagen ift der Schaben geringer unb der Behang reichlicher. H.er sind auch die Trauben gut ausgereift unb süß, während in geringeren Lagen die Qualität viel zu wünschen übrig läßt. Die Rachfrage ist nicht groß, so baß viele, die sonst im Herbste ihre Ernte verkauften, gezwungen find, den Wein einzukellern. Man-bewhlt 15 bis 17 Pfennig für bas Pfunb, in Deinorten mit besonders gutem Klang entsprechend höhere Preise. Unter Berücksichtigung der hohen Bewirtschaftungskosten ist dieser Preis so gering daß die Winzer kaum auf ihre Kosten kommen.' AuS biesem Grunde ist bie Stimmung im allgemeinen recht gedrückt und die sonst gehobene Herbstsreube will nicht aufkommen.
Hessen-Nassau.
bl. Herborn, 8. Ott. Das GaSwerk. das bisher ein privates Unternehmen war, wurde von der Stabt angefauft.
bl. Aus dem Dilltal, 8. Oft. Mit der Kartoffelernte würbe überall begonnen. In * Scharen eilen die Ganbleute hinaus, um bas gute Wetter auszunuhem Die Erträge sind im Durchschnitt sehr gut.
bL Dillenburg, 8. Oft. Die Meliora» tionsarbeiten an Viehweiden, vornehmlich aber an den großen Oedlandflächen, auf dem Westerwald, beschäftige die Kreis- verwaltung resp. die Dodenverbesserungsgenossen- schaft stark. Geht es doch darum, völlig brachliegendes Land der Landwirtschaft dienstbar zu machen und somit volkswirtschaftlich bedeutende Werte zu schaffen. Im Frühjahr dieses IahreS wurden einige kleinere Arbeiten an Gemeinde- Viehweiden verrichtet, die gewissermaßen als I Restarbriten aus dem Iahre 1921 anzusprechen tt sind. Die Finanzierung soll so erfolgen, [ daß Staat, Dezirksverbwnd und Kreis sich an den Kosten beteiligen und gleiche Beträge zur Verfügung stellen. Hierbei handelt es sich ant Darlehen.
• Frankfurt a. M., 8. Oft. Seit 1. Oktober ist hier zur Ergänzung der Straßenbahn- Verbindungen eine erste Autobuslinie in der von der Straßenbahn nicht bedienten Rord- Süb-Haupive ke'rsrichtunaü'e• Eicken Heimer T o r—Z e t l—F ahrgasse ei-i gerichtet worben, die nach Vollendung bet neuen steinernen Brücke durch Sachsenhausen bis zum Bahnhof Frankfurt-Süd fortgesetzt werben soll. Die Frankfurter Wagen sind den Straßenbahnwagen äußerlich ähnlich, mit seitlichem Zugang und Luftreisen versehen, haben jedoch keine Decklihe.
fpd. Frankfurt a. M., 8. Oft. Auf dem Hauptbahnhof einer Rachbarstadt wurde ein Landwirt durch einen plumpen Trick um mehr als 1000 Mk. geprellt Auf dem Bahnsteig gefeilte sich zu dem Landwirt em Unbekannter, dem sich bald darauf rin zweiter Unbekanntes anschloh, da sie alle drei angeblich das gleiche Reiseziel hätten. Um den richtigen Zug festzustellen. schickte der eine der Gauner den zweiten zum Fahrplan. Als Pfand, daß er richtig zurück- fomrne, mußte er seine gefüllte Brief- tasche zurücklassen. Rach einiger Zeit kam er zurück und erhielt seine Brieftasche wieder. Er batte aber nur den nächsten Zug nachgeseben, unb da man auch die folgenden wissen wollte, mußte nun der Landwirt nochmal zum Fahv» blan gehen. Auf Veranlagung der beiden ©inner ließ er seine Brieftasche mit über 1000 Mark a l s Pfand zurück. Als er wieder
und dem golbgrünen Rhein, aus dem jetzt bie silbernen Rebel stiegen, war ihr nichts geblieben als die Erinnerung.
Am elften Ianuar durfte sie Hanns In< gold zum erstenmal besuchen.
Der Arzt hatte fie in seinem Sprechzimmer empfangen.
„Gnädiges Fräulein, ich weiß, bah ich Ihnen ein großes Opfer auferlegt habe, aber ich habe damit gerechnet, baß ich kein empfindsames junges Mädchen, sondern einen beherrsch-
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• fvd. Franksr kongloS, wie sie diesjährige H e r b s Disstelln und bie ttirsen nicht darü! f2't ollen Mcktrn kcring lvaren. i oie es scheint, Sie ne verbältwsmäüic Irlich In billige 2 'Ä.l r,bie in Fron W hot, flogt nj M-diele Au''!ri -Mag ihre 6tin N''?esse i gewe r”?1 mnlt mehr x
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ten reifen Menschen vor mir habe. Und wie ich sehe, sind Sie nicht in Schmerzen zerflossen.^
„Ich hatte meine Arbeit, Herr Geheimrat“, erwiderte Ruth unb spürte, wie ihr bas Blut in bie Wangen stteg.
Der Arzt ftanb auf und reichte ihr bie schmale, welke Hand.
„Sie hatten mehr, Fraulein Engelhardt. Sie hatten sich selbst. Gehen Sie zu ihm, er braucht Sie unb bars Sie sehen. Ich glaub' nicht, baß ■ ich Ihnen Verhaltungsmaßregeln zu geben habe.“
Ein Lächeln ging über sein weißbärtiges Gesicht, in dem die schwarzen Jürgen mit beit breiten Lidern noch jugendlich blitzten. Mit dem Blick des Kenners überflog er bie Erscheinung Ruths von bem tiefgetoelüen blonben Haar, bas die schöne kluge (3tim bedeckte, und den braunen, von goldenen Lichtern erhellten Augen bis zu den seingesesselten Füßen.
Ruths Finger zuckten in seiner Hanb. Aus | einmal war die stürmische Sehnsucht über sie | gekommen, ihn toieber zu sehen, ihn an sich zu j ziehen, ihn für sich zu haben unb ihm zu । sagen:
„Hanns, Hanns, ich habe bich unsäglich ; lieb.“
Und mit klopfendem Herzen ging sie erst | langsam, bann schnell unb schneller ben hallenden Korridor entlang zu feiner Tür. Die Schwester, die die Ausiicht hatte, blickte ihr neugierig nach.
Als sie leise llopste, flang es müde und gleichgülttg von innen:
„Herein.“
„Hanns!"
Er blieb stumm. - ' ■ ,
(Fortsetzung folgt)
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