nächste o*?uge ist der ßaBemeifter -> re u>r aus Haiger. Er bekundet, der Ange- t!ag1c habe ihn etwa eine Woche vor der Sat gebeten, den Zeugen Schaust zu schicken, um die Äsche abzuholen. Ein bestimmter Lag für die Abholung der Asche war nicht vereinbart wor- den. Der -Zeuge ist dann am Montag, dem Lage der Lat, gegen 2 Ubr nachmittags in die Villa Angerstein gegangen, um mit dem Angeklagten etwas zu besprechen. Er ging durch die unverschlossene Vordertür in den unteren Korridor, sand aber niemanden vor. Da große Stille herrschte und dem Zeugen unheimlich zumute wurde, verließ er wieder das Haus, ohne zu rufen.
Der Kaufmann Richard Hein aus Srohn- hausen bekundet als Zeuge, Angerstein habe etwa 14 Lage vor der Lat ein Drahtgeflecht bei ihm bestellt. Am Tage der Tat telephonierte der Angeklagte vorinittags gegen 10 ilfjr an und sagte, er müsse das Drahtgeflecht haben, die Gärtner seien da. und es gehe alles in einem hin.
Mehrere weitere Zeugen bekunden, daß sie um 11 Uhr vormittags im Garten des Angeklagten einen jungen Mann haben arbeiten sehen, der unbedingt der Gärtner Darr gewesen sein muh.
Der Zeuge Moos aus Donsbach. der zwischen 11 und 12 Uhr an dem Haufe des Angeklagten vorbei kam. erklärt, niemand gesehen zu hoben, auch nicht eine Stunde später, als er wieder vorbeikam.
Der Zeuge Herr bekundet, um 1/811 Uhr in dem Mansardenstock der Angersteinschen Villa einen Mann gesehen zu haben.
Der Zeuge Schlossermeister Theis aus Hai- ger kam kurz nach 11 Uhr vormittags an das Haus von Angerstein. Darr war an der Daustelle beschäftigt. Der Zeuge verlangte von Darr den Schlüssel, um aus einem Raum Zement zu holen. Darr verwies den Zeugen an Angerstein, der die Schlüssel zum Fenster herausreichte. Der Zeuge holte nun den Zement und fuhr damit ab. Gegen 4 Uhr nachmittags kam er nochmals wieder, um nochmals Zement zu holen. Angerstein fertigte ihn wieder am Fenster ab und verwies ihn an Engel. Der Zeuge hat dem Angeklagten eine Beunruhigung nicht angemerkt.
Der nächste Zeuge ist der Eisenbahningenieur Dämmerig aus Haiger. Diesem Zeugen hatte der Angeklagte etwa 14 Tage vor der Lat versprochen, ein Darlehen von 400 Mk. zu geben. Der Angeklagte hatte am Samstag vor der Lat den Zeugen schriftlich bestellt, einmal zu ihm zu kommen. Der Zeuge ging darauf am Montag vormittag 11 ilf>r zur Villa Angerstein. Rach dreimaligem Klingeln horte er. wie jemand die Treppe hinauf ging. Erst nach sechsmaligem Klingeln kam jemand die Treppe herunter. Der Angeklagte öffnete und nahm den Zeugen mit sich ins Bureau. Beide sprachen nun über die Hergabe des Darlehens, und Angerstein bedauerte, nicht in der Lage zu sein, ihm jetzt das Darlehen zu geben, er solle später noch einmal vorspre- chen. Der Zeuge bekundet, früher einmal in einer Irrenanstalt an einem Bau tätig gewesen zu sein. Er hatte hierbei Gelegenheit, die Irren zu beobachten und besonders ihren Blick zu studieren. Einen solchen unheimlichen Blick will der Zeuge auch bei dem Angeklagten festgestellt haben, deswegen habe er es so eingerichtet, daß zwischen ihm und dem Angeklagten bei den Verhandlungen ein Tisch stand. Den Zeugen überfiel plötzlich ein großes Angstgefühls und er verabschiedete sich von Angerstein, rückwärts gehend, diesen dauernd im Auge behaltend.
Der Zeuge Architekt Theis aus Haiger sagt aus, daß der Angeklagte ihn um Val U$r am Montag angerufen habe wegen einer Zementlieferung. Eine Ansicherheit in der Sttmme des Angeklagten habe er nicht bemerft. Er wunderte sich nur über die Anwichtigkeit des Gesprächs.
Der Oberposffchaffner Decker aus Haiger ist derjenige, der die Zustellung für das Finanzamt nachmittags 3,45 Ahr ausführte. Da der Zeuge mit dem Angeklagten am Samstag vorher bezüglich der Kopfschmerzen, die der Angeklagte hatte, sprach, kam er auf dieses Gespräch zurück. Ohne nach dem Befinden der Frau des An- geklagten zu fragen, erzählte ihm der Angeklagte, seine Frau sei krank.
Der Zeuge Mohne aus Haiger erklärt, er ffei um 6 Ahr an der Villa Angerstein vorbeigekommen. In dem Zwinger, in dem sich nur
Fraulein Fob.
Roman von Anders Eje.
16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
So war sie, Fräulein Thorben, praktisch und phantastisch in einem. And da stand sie vor ihrem Haustor an die em gottbegnadeten Sommerlag, als der Viltoriawagen (mit Leutnant Carlton auf dem Rücksitz) vor der Treppe vorfuhr, mit einem zerschlissenen Panamahut kolossalen Umfanget, in einem hochroten Baumwollkleid, das sie doppelt so dick erscheinen ließ, als sie war, und einer schwarzen Havannazigarre zwischen den kleinen, starken, gelbangelaufenen Zähnen. Ihr Gesicht hgtte Aehnlichkeit mit dem des Bru- ders: bald zum Zorn, aber ebenso bald zum Lachen geneigt, war ihr Blick wie eine lohende Flamme — und über dessen Ausdruck übersah man gerne, daß die Rase zu groß und die Lippen zu dünn waren.
Den neuangekommenen Gast begrüßte sie, wie sie alle anderen begrüßte:
„Willkommen auf Carolyi. Am das weitere kümmern Sie sich selbst."
Dann wandte sie ihm den Rücken und ging ihres Weges.
In der Halle traf der Leutnant ein Dienstmädchen, das er ersuchte, ihm den Weg zu weisen. Der führte zwei Treppen aufwärts, quer über ein Dachgeschoß, dann wieder eine halbe Treppe abwärts.
„Es ist ein wenig kompliziert das erstemal," sagte das Mädchen freundlich. „Aber wenn man sich nach der Himmelsrichtung hält ..... das
Zimmer des Herrn Leutnant geht nach Osten."
And damit schloß sie die Tür zu einem großen hellen Zimmer mit zwei Fenstern auf, deren Gardinen sich im Zugwind des Sommertages wie fröhliche Segel bauschten. Das Mädchen stellte des Leutnants Reisetasche nieder und hing zwei Handtücher über einen Stuhl.
„Ditte."
„EinenAugenblick ..... (ja, die Kleine sah
intelligent und aufgeweckt aus). Wollen Sie mich nicht ein wenig über die Gewohnheiten des Hauses informieren? Sie verstehen, ich möchte
ein Hund befand, raste der Hund wie toll. In der Villa selbst war alles dunkel.
Es folgt nun eine Reihe von Zeugen, die Auskunft geben sollen über die Besorgungen, die der Angeklagte am Rachmittag nach der Lat bei seinem Gange durch die Stadt gemacht hat.
Der Elektromonteur Schwerer wollte dem Angeklagten etwas über den Anschluß des Ortsnetzes mitteilen und war auf dem Wege zu Angerstein. Gegen 5 Ahr nachmittags kam ihm Angerstein unterwegs entgegen. Zeuge erklärt, der Angeklagte sei so ruhig gewesen wie immer.
Dasselbe erklärt die Postbeamtin Höppner, die dem Angeklagten die Postsachen am Schalter berausgab.
Der Betriebsleiter Theodor Wagner aus Haiger hatte den Angeklagten auch auf der Post angetroffen; diesem Zeugen sagte der Angeklagte, Frau Angerstein lasse fragen, wie es seiner Tochter gehe. Der Zeuge gab dem Angeklagten noch 200 Mark als Ratenzahlrmg, die er drei Monate vorher als Darlehen erhalten hatte. Auch diesem Zeugen ist nichts Desonderes an dem Angeklagten aufgefallen. Rach Auffassung des Zeugen war die Ehe des Angeklagten eine glückliche.
Der Polizeibetriebsassistent Thomas aus Haiger traf den Angeklagten zwischen 5 und 1 '26 Ahr auf der Bahnhofstraße, als dieser von der Post kam. Der Angeklagte erzählte ihm von der Schießerei in der Rächt vom Samstag auf Sonntag, und daß das Leiden feiner Frau hierdurch wieder schlechter geworden sei, ferner daß seine Frau in letzter Zeit wieder zugenommen habe und nun die alte Schweinerei wieder da sei. Hierbei fing der Angeklagte an zu weinen.
Der Angeklagte erklärt zu dieser Aussage, erst die Absicht gehabt zu haben, dem Zeugen ein Geständnis abzulegen; es sei ihm in diesem Augenblick im Bewußtsein gewesen, daß seine Frau tot daheim liege. Da ihm aber wieder Selbstmordgedanken gekommen seien, habe er kein Geständnis abgelegt.
Bei der Zeugin Berndt hat der Angeklagte das Brot bezahlt, das der Junge ihm am Rachmittage gebracht hatte. Der Angeklagte nahm hierbei noch 10 Brötchen mit. Etwas Desonderes ist auch dieser- Zeugin an dem Angeklagten nicht aufgefallen, dasselbe bekundete die Verkäuferin Maria Peters, wo der Angeklagte eine gute Tafel Schokolade verlangte.
Zu der Witwe Löhr kam der Angeklagte zwischen 5 und 6 Ahr. Er erzählte ihr, seine Frau sei sehr krank und aufgeregt wegen der Schüsse, die damals in der Rächt fielen. Dei dieser Zeugin ließ der Angeklagte sich eine Tüte geben für feine Drötchen, da die alte infolge des Regens vollständig durchnäßt war. kaufte noch drei Muskatnüsse und bedankte sich für die Grütze, die Zeugin an Frau Angerstein ausrichten ließ. Die Zeugin erklärte, daß Frau Angerstein nie über ihren Mann klagte und sehr fromm war.
Nach einer kurzen Mittagspause wurde der Zeuge Buchhändler P l a w e r t vernommen. Zu diesem Zeugen kam der Angeklagte zwischen 5 und 6 Uhr und fragte ihn, ob er mit auf die dem- nächstige Geslügelausstellung komme. Dann suchte er sich ein Buch aus, das er käuflich erwarb. Diesem Zeugen kam das Aussehen des Angeklagten düsterer und finsterer vor als sonst.
Bei der Zeugin D e i ch e r t kaufte der Angeklagte eine Taschenlampe, wobei er bemerkte, es sei jetzt so unheimlich, man könne bald kein Mädchen mehr in die Stadt schicken. Nach Angabe dieser Zeugin war der Angeklagte erregt und heiser.
Die Kinderschwester Margarethe Klarer aus Haiger hake den Angeklagten im Hause von Direktor Müller mithelfen verbinden. Der Angeklagte lag auf einer Bahre und faate: „Schwester, retten Sie meine liebe Frau. Die Zeugin hatte den Eindruck, daß der Angeklagte klar war.
Der praktische Arzt Dr. Vogel aus Haiger hat in der Nacht nach dem Brande zusammen mit Dr. Lübbel im Krankenhause den Angeklagten operiert. Die Operation wurde in der Narkose vorgenommen. Der Sachverständige bezeichnet die Wunde, die sich der Angeklagte beigebracht hatte, als lebensgefährlich, schließt aber die Möglichkeit nicht aus, daß der Angeklagte mit dieser Verletzung über seinen Gartenzaun springen konnte.
Der Pfarrer H e i d e f u ß aus Haiger ist auf Verlangen des Angeklagten in der Nacht vom Montag zum Dienstag ins Krankenhaus in Haiger gerufen worden. Der Angeklagte berichtete ihm, daß
mich ein wenig zurecht finden ..... Wann
speist man hier zu Mittag?"
„Am vier Ahr."
„And wer nicht pünktlich ist. muß sich in den Winkel stellen? Fräulein Thorben soll schrecklich streng sein."
Das Mädchen lachte.
„Wer nicht verlobt ist, hat hier nichts zu fürchten."
„Sehen Sie," lachte der Leutnant jetzt, „jetzt weiß ich schon mehr als vor fünf Minuten. Sagen Sie mir, was für Gäste im Hause sind."
„Das kann ich Ihnen an den Fingern aufzählen. Erst die Damen: Fräulein Fob, Frau Repin .....“
„Höre ich recht! Eine Frau??"
„Ditte, eine geschiedene. Der Herr Leutnant wird von ihr entzückt sein. Dann Ingenieur Keyler, Dankdirektor Fellips, Doktor Durelli und ..... und .....“
„Hauptmann Kassel."
„Ja gewiß, Hauptmann Kassel, der Kousin des Fräulein. Ihn rechnen wir aber nicht zu den Gästen."
„Für mich ist er der wichtigste. Denn er hat mich hierher eingeladen."
Der Leutnant zog aus seiner Tasche ein» Ansichtskarte und hielt sie dem Mädchen unter die Augen.
„Da sehen Sie."
Das Mädchen las: „Hier ist es verdammt schön. Komm her, wenn Du Lust hast. Kassel."
„And der Herr Leutnant kam."
„Sie müssen wissen, Kassel und ich waren schon Freunde, wie wir so jung waren wie Sie. Aebrigens hat er recht: hier ist es tatsächlich verdammt schön."
Das Mädchen, das das Verhör nun für beendet hielt, machte einen Knix und zog sich wohlerzogen zur Tür zurück. Der Leutnant zog rasch ein Fünftronenstück aus der Westentasche.
„Rein," protestierte das Mädchen (nicht ganz ernstlich) „das war alles vollständig gratis."
„Aber wenn ich noch einiges fragen möchte?"
„So ist die Taxe die gleiche."
„Gut. Also hör', mein Schah. Wo werde ich jetzt den Hauptmann Kassel finden?"
er Unterschlagungen begangen habe, er wollte seinem Bruder helfen. Dem Prokuristen Nix sollte der Zeuge sagen, er (Angekl.) habe :hm verziehen. Am Dienstag gegen 9 Uhr vormittags hat der Zeuge den Angeklagten nochmals besucht. Hier sagte der Angeklagte, Zeuge solle sich um seine Käthe bekümmern. Als ihm der Zeuge darauf erwiderte, seine (des Zeugen) Frau werde mal zu der Frau des Angeklagten hingehen, erklärte der Angeklagte, dies sei ihm sehr lieb. Nachdem ließ die Untersuchungskommission den Zeugen rufen und ersuchte ihn, den Angeklagten zum Geständnis zu bringen. Der Angeklagte aber erklärte, er wolle in Ruhe gelassen werden. Als der Zeuge zum vierten Male zum Angeklagten kam, legte dieser ein volles Geständnis ab, worauf Zeuge und Angeklagter beteten. Der Zeuge halte den Eindruck, daß der Angeklagte bei vollem Bewußtsein war.
Auf die Fraae des Vorsitzenden, was der Angeklagte dem Prokuristen Nix zu verzeihen hatte, erklärte Angerstein: „Das werde ich morgen sagen."
Der Zeuge ©teurer aus Haiger kam am Dienstagnachmittag um 2 Uhr zu dem Angeklagten ins Krankenhaus in Haiger. Der Angeklagte sagte zu ihm, des Zeugen Frau sei zu seiner Frau immer so lieb gewesen, sie möge seine Frau doch besuchen und sich auch nach einem ordentlichen Mädchen umsehen, das landwirtschaftliche Arbeiten verrichten könne, dann erzählte er das bekannte Märchen von dem Raubüberfall auf die Villa.
Es wir nunmehr der praktische Arzt Dr. Löser aus Dillenburg, der der Hausarzt der Familie Angerstein war, als Zeuge und Sachverständiger vernommen. Dieser bekundet, daß der Angeklagte mit Augen-, Nasen- und Kehlkopfleiden behaftet war. Im Jahre 1919 habe Frau Angerstein eine Fehlgeburt gehabt, die Eheleute hätten sich immer ein Kind gewünscht. Er schildert den Angeklagten als einen treusorgenden Ehegatten, der für seine Ehefrau alles tat, was er ihr von den Augen ab- lejen konnte. Im Juli 1924 behauptete Frau Anger- ftein ihm gegenüber, jetzt fei sie auch noch lungenleidend, sie lebe nicht mehr lange, es fei unheimlich im Hause, es passiere hier noch einmal etwas, und erwähnte hierbei die Einbrecherepisode.
Am Samstag vor der Tat kam der Angeklagte zu dem Zeugen Dr. Löfer und erklärte, er glaube Typhus zu haben, feiner Frau gehe es gar nicht gut, auch sie scheine Typhus zu haben. Der Angeklagte hat hierbei auf den Zeugen einen unsicheren Eindruck gemacht. In der Nacht von Montag zu Dienstag wurde der Zeuge um 2 Uhr vom Krankenhaus Haiger angeklingelt und aufgefordert, sofort zu kommen. Er fuhr aber erst am Dienstag nachmittag gegen 2 Uhr hinüber, begrüßte den Angeklagte, der ihm nunmehr die bekannte Räubergeschichte erzählte und ihn bat, seine Frau zu beruhigen. Der Zeuge hat damals an die Erzählungen des Angeklagten geglaubt. Heute nimmt er an, daß dies alles markiert war. Geistige Defekte hat der Zeuge bei dem Angeklagten nie feststellen können.
Als letzte Zeugin wird Frau Pfarrer Heide- fuß vernommen. Diese erklärt, daß Frau Angerstein Besucherin ihrer Bibelstunden war, und daß sie sich oft mit ihr über ihren Gesundheitszustand unterhalten hätte. Frau Angerstein sagte einmal, wenn sie keinen Heiland hätte, wäre sie ganz verloren. Den Angeklagten selbst hat die Zeugin wissentlich nie gesehen.
Das Gericht beschließt hierauf, den Dr. Lübben, der seinerzeit bei den Operationen des Angeklagten mitbeteiligt war und der zur Zeit krank ist, durch den Berichterstatter des Gerichtshofes kommissarisch vernehmen zu lassen und vertagt die Weiteroerhandlung auf morgen vormittag 9 Uhr.
Turnfest in Dad-Nauheim.
Deutsche Meister zur Stelle.
4 Bad-Rauheim. 7. Iult. Eine größere turnerische Werbeveranstal- tung verband der im Jahre 1913 gegründete Männerturnverein mit seiner Fahnenweihe. die in den Tagen vom 4. bis 6. Juli auf dem großen Sportplatz zwischen hier und Friedberg stattfand.
Die Feier, an der die ganze Stadt regen Anteil nahm und auch die Kurgäste lebhaft interessiert waren, begann am Samstagabend mit einem Festkommers, der unter Mitwirkung des Turnvereins 1860 und des Gesangvereins „Frohsinn" ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm zur Abwicklung
„Wüßte ich nur, wo Frau Repin ist, so könnte ich ganz genau sagen, wo der Herr Leutnant den Hauptmann Kassel suchen soll."
„Bravo. Es wird mir alles immer klarer. Und Ingenieur Keyler?"
Das Mädchen schüttelte den Kopf.
„Ueberall und nirgends. Der Ingenieur grübelt."
„Warum denn, um Gotteswillen?"
„Das weiß niemand. Fräulein Thorben hat ihm schon geraten, seinen Koffer zu packen, — nicht einmal, sondern dreimal."
„Aber Herr Keyler bleibt?"
„Wenn ich sagen darf, was ich glaube.....“
Der Leutnant strich den Seifenschaum von den Fingern.
„Tu dies, mein Kind."
„Der Ingenieur wartet auf etwas."
„Was könnte dies sein?"
„Daß eine gewisse Person abreist."
„Ach was! Vielleicht der Bankdirektor?"
„Gut geraten, Herr Leutnant."
„Sieh mal an. Und der Bankdirektor? Wartet er nicht auch?"
„Hm."
„Ich verstehe. Solche Sachen darf man nicht einmal den Wänden zuflüstern in der Villa Carolyi."
„Das Fräulein würde Zeter und Mordio schreien."
Der Leutnant knüpfte sich vor dem Spiegel die Krawatte.
„Aber in der Hauptstadt redet man allerlei."
„Darf man wissen, Herr Leutnant....."
„Natürlich, mein Kind. Vertrauen gegen Vertrauen. Herr Fellips soll sich mit Fräulein Fob verloben .....“
Das Mädchen steckte ihre Hände in die spihengeschmückten Miniaturtäschchen ihrer koketten Kammermädchenschürze.
„Verzeihen Sie meine Naseweisheit," bat sie, „aber kennt der Herr Leutnant Fräulein Fob?''
„Nur ganz oberflächlich. Kaum mehr als dem Sehen nach."
„Das glaube ich. Denn, wenn der Herr Leutnant das Fräulein Fob kennen würde, würde Herr Leutnant nicht sagen: Herr Fellips soll sich
kommen ließ. Der 1. Vorsitzende, Turner W. S a l z m a n n , begrüßte die zahlreich erschienenen Festbesucher, dabei besonders betonend, daß das Fest in erster Linie die Ausgabe habe, für das deutsche Turnen zu begeistern und zu werben. Bürgermeister Dr. Kayser sprach im Namen der Stadt herzliche Worte der Beglückwünschung. Die Radfahrervereinigung erfreute anschließend durch ein sehr geschicktes Kunstfahren, während der Gesangverein „Frohsinn" unter Leitung seines bewährten Dirigenten, Reallehrer W. Bechtolsheimer, das deutsche Lied in herrlichen Klängen zur Geltung kommen lieh. Der Turnverein 1 8 6 0 eröffnete dann den langen Reigen der turnerischen Darbietungen mit Freiübungen der Iugendturner und den Kreisfestsre.Übungen der Turnerinnen, die in ihrer exakten Ausführung lebhaften Beifall fanden. Der Männerturnverein selbst bot unter Leitung seines verdienten Oberturnwarts B. W a ck dann eine Reihe von Darbietungen, die eine liebevolle Durcharbeitung des Stoffes verrieten. Eine aktive Männerriege des Verein, dec einige der besten Geräteturner des Gaues Hessen angehören, zeigte am Pferd und Barren ein beachtenswertes Können, während die Turnerinnen mit „elektrischen Keulenschwingen" dem Auge des Beschauers ein frohes, rhythmisches Farbenspiel zeigten. Ein ganz besonderer Genuß Bereitete der Verein mit lebenden Bildern, die in mannigfacher Gruppierung einem'Nauheimer „Sprude " da.stell ei und bei effe tvo . er Verrichtung von bezaubernder Wirkung waren. Der Glanzpunkt turnerischer Kunst und Fertigkeit war das Turnen der Gäste, die der festgebende Verein zur Mitwirkung gewonnen hatte. Meister- turner der D.T., die beim Meisterturnen in Frankfurt a. M. in den Reihen der ersten Sieger gestanden haben, wie Gebhardt und Pfeif- f e r („Eintracht" Frankfurt a. M.), Marmor und der 46jährige Butthny (Tv. 1846 Nürnberg), Cürtet (Tv. Oppau-Ludwigshafen), gaben am Barren und Pferd ihr Bestes und ernteten stürmischen Beifall.
Ein F e st z u g sämtlicher Ortsvereine und auswärtiger Turnvereine des Gaues Heffen bewegte sich am Sonntag durch die überaus reich geschmückten Straßen der- Stadt, von der Einwohnerschaft und vor allem auch von den Kurgästen lebhaft begrüßt, welch letztere wiederholt ihre Anerkennung zum Ausdruck brachten über das erfreuliche Bild deutscher Zucht und Ordnung. das der Aufmarsch der Vereine bot. Auf dem Festplahe wurden nach der Weihe der Fahne, eines von der Firma Hisgen, Lich, gelieferten Kunstwerkes, dem Männerturn- v erein von allen Seiten die herzlichsten Glückwünsche unter Lieberreichung von Fahnennägeln und Fahnenschleifen dargebracht. Es sprachen: Für die Bade- und Kurverwaltung Oberbademeister Kissel, für den Krieger- und Militär- Verein „Hassia" Stadtverordneter Th. Schäfer, für den Sportverein dessen Vorsitzender Vie- w e g, für die Freiwillige Feuerwehr deren Oberbrandmeister S a l z m a n n , ferner Vertreter des Keglerverbandes, des Gesangvereins „Frohsinn", des Geflügelzuchtvereins, des Deutschen Offiziersbundes, für den letzteren Oberstleutnant a. D. v. Strzemieczny, der auf die hohe Bedeutung der Turnvereine für die körperliche Ertüchtigung unserer Jugend hinwies, nachdem wir der Heeresschule verlustig gegangen seien. Auch zur Kur hier weilende Führer der D. T. fehlten in der Reihe der Gratulanten nicht. Den feierlichen Höhepunkt der Glückwunschübermittlungen aber Bildete der Augenblick, als nach der Ansprache des Turners H. Salzmann vom Turnverein 1860 sich die Fahnen beider Turnvereine zum Gruß neigten, um zum Ausdruck zu bringen, in friedlicher, sich gegenseitig fördernder Zusammenarbeit gemeinsam den hohen Zielen der D. T. zu dienen. Der Vorsitzende des Männerturnvereins dantte bewegt allen Gratulanten und versprach auch für die Zukunft ein einträchtiges Zusammenwirken mit allen Vereinen der Stadt. Von der Gauleitung war Gauoberturnwart Will, Gießen, anwesend. Er hatte die Festrede übernommen, und es war ein Genuß, den Ausführungen dieses alten Turnerrecken über die Hochziele der D. T. zu lauschen. Begeistert wurde sein „Gut Heil" auf die D. T. aufgenommen. Der eindrucksvollen akademischen Feier folgten dann am Nachmittag wieder Darbietungen des Gesangvereins „Frohsinn". der Radfahrervereinigung und turnerische Vorführungen in reicher Fülle. Unter an*
mit Fräulein Fob verloben, sondern: Fräulein Fob soll sich mit Herrn Fellips verloben."
„Ist es also wahr?"
Der Leutnant hatte aus seiner Manikürkassette einen Sämischleder - Lappen herausgenommen und stand jetzt am Fenster, um seinen Nägeln die letzte Politur zu geben. Das Mädchen teilte sein Interesse zwischen dieser Beschäftigung des Leutnants und dem Gespräch.
„2a," sagte sie vieldeutig, „auf der Seite des Bankdirektors mangelt es nicht am Willen."
„Und Bei Fräulein Fob?"
„Da kann ich nichts sagen. Vielleicht glaubt das Fräulein, daß es keine Eile hat. Wenn man drei Kavaliere auf einmal hat....."
„Drei?"
„Gewiß. Fellips, Burelli und Kehler, — klingt das nicht wie der Firmenname einer Wellfirma? Der Herr Leutnant darf glauben, daß alle drei sich sehr viel Mühe geben."
„Aber Fellips ist dec Hahn im Korb? Nicht wahr?"
„Es ist besser, nicht darauf zu schwören. Ich glaube, daß Fräulein Fob einen gegen den anderen ausspielt."
Der Leutnant vertauschte seine Reisemühe gegen einen Strohhut mit giftgrünem Band, dessen Wirkung gegen die Krawatte er nun iml Spiegel ausprobierte.
,^Sie sind nicht dumm. Wollen Sie nicht auf alle Fälle fünf Kronen nehmen?"
Man sah, daß das Mädchen das Kompliment zu schätzen wußte. Sie legte den Kopf auf die Seite und blinzelte das Fünfkronenstück an.
„Wenn ich dem Herrn Leutnant.bamit ein Vergnügen mache."
Aber unten im Park, auf einem seiner entlegensten Wege, ging Herr Fellips und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Man konnte keinen Zweifel hegen, daß er sehr ungeduldig oder ärgerlich war, — möglicherweise war er auch beides, ärgerlich und ungeduldig. Die Sonne schien herrlich von einem in Silber und Blau leuchtenden Himmel, aber in Fellips' Brust türmten sich die Wetterwolken auf, und es war ihm eine kleine Erleichterung, die Glockenblumen mit seinem spanischen Rohr zu köpfen.
(Fottsetzung folgt.)


