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Blatt

175. Jahrgang

Donnerstag, y. Juli (925

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vntck und Verlag: Vrühl'sche UnioerfitätL-vuch- und Stcinöruderei R. Lange in Siegen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7.

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Die Antwort an Briand.

Berlin, 8. Juli. (WTB.) Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages ist heute vormittag zu einer Sitzung zusammengetreten, an der vom Reichskabinetl der Reichskanzler, der Außen- Minister, der Innenminister und der Reichswehr­minister, ferner zahlreiche Vertreter der Länder so­wie Reichstagspräsident Lobe teilnahmen.

Der Reichskanzler erklärte, ob eine außen­politische Aussprache im Plenum des Reichstages stattfinden solle, u. a., die Reichsregierung beab­sichtige, vor Absen düng der Antwort­note auf die französische Note mit dem Auswär­tigen Ausschuß in nochmalige Fühlung zu treten. Dies solle erfolgen, sobald der Text für die Ant­wortnote in der Regierung selbst durchberaten sei. Obgleich diese Note nach dem Stand der internatio­nalen Erörterung des gesamten Problems noch nicht einen abschließenden Charakter tragen werde, Io könnten immerhin wesentliche Vorfragen darin bereits zur praktischen Erörterung kommen.

Die Regierung halte eine (Erörterung im Ple­num des Reichstags vor Absendung der Rote nicht für zweckmäßig, halte dagegen an der Auffassung lest, daß nach der Absendung eine (Erörterung im Plenum angezeigt fei.

Bei einer Aussprache im Plenum vor der Ab- | |enbung müsse die Reichsregieruny befürchten, daß Dann im Laufe der Erörterung sich ein Eingehen auf Einzelheiten der Note doch nicht vermeiden lasse, wodurch dann der diplomatische Braud), derartige Noten vor der Ueberreidjung nicht bekanntzugeben, verletzt werden würde.

Die aud) der Regierung bei der Gesamtlage und bei der Bedeutung erwünschte Parlamente- 7 ische Mitwirkung sei ja durch die in Aussicht genommene Fühlungnahme mit dem Auswärtigen Ausschuß gesichert.

Hieran schloß sich eine ausführliche Geschäfts- ordnungsdebatte, in deren Verlauf der Reichskanz­ler und der Reichsminister des Auswärtigen wie­derholt das Wort nahmen. Zum Schluß stellte der Vorsitzende H e r g t (Dnll.) fest, daß er entsprechend den Erklärungen des Reichskanzlers mit der Re­gierung im Benehmen bleiben werde, um, sobald die Verhandlungen des Kabinetts über die bevorstehende Antwort zur Sicherheitsfrage dahin gediehen sein würden, eine neue Sitzung des Auswärtigen Ausschusses anzuberaumen.

(Einberufung des Auswärtigen Ausschusses.

Berlin, 9. Juli. (TU.) Der Auswärtige Aus­schuß des Reichstags ist zu ehret neuen Sitzung auf Dienstag, den 14. Juli, einberufen worden.

Abrüstung der Geister.

Ein französischer Aufruf.

Paris, 8. Juli. (WB.) In Frankreid) hat sich fine Gesellschaft gebildet, die den Titel führt ,.L'Appell au conscienc e", die folgende Aufrufe erläßt:

Nur ein Mißverständnis trennt die Well vom i Frieden. Es verewigt zwischen den kriegführenden Nationen, besonders zwischen Deutschland und Frankreich jenen kriegerischen Geist, der not­wendigerweise aus dem Gefühl der Ungerechtigkeit geboren wird, der untrennbar ist vom 3 n fünft der Revanche. Die öffentliche Meinung in Deutschland erträgt nur mit tiefer Entrüstung die Artikel 227 bis 230 des Versailler Vertrags und jenen Artikel 231, dessen hauptsächlichster Inhalt ler folgende ist:

Die alliierten und assoziierten Regierungen er­klären und Deutschland erkennt an, daß Deutsch- land und seine Bcrbünbeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und deren Staatsangehörige infolge des durch den Angriff veutschlands und feiner Verbündeten aufgebrunge- nen Kriegs erlitten haben.

Nicht gegen die materielle Reparationspflicht wendet sich die deutsche Nation. Sie erkennt deren Notwendigkeit an, sie beugt sich vor einer Rege­lung, die durch internationale Abmachungen end- I gültig festgelegt ist.

Was sie aber nicht anni mm t, i st, daß man ifjr durch Gewalt ein Ge­ständnis entrissen hat, gegen das sie vor und nach der Unterzeichnung in Versailles nicht auf gehört hat, z u protestieren. Sie glaubt, in den Augen der Welt ihre einzige Schuld hinsichtlich des Ur- lprunges des Krieges und also auch hinsichtlich Per Verantwortlichkeit für denKrieg ausgesprochen zu sehen. Frankreich andererseits hält sich an das Dogma, daß durch den Einfall in Belgien der Angriff verwirklicht wurde. Das ist eine gefährliche Lage, die um jeden Preis aufgeklärt werden muß.

Zuerst das Sachliche der Frage! Es ist un- . möglich, hier eine Vorentscheidung zu treffen. Dieser ungeheure Prozeß, an dem die gesamte I Menschheit interessiert ist, kann wegen der ver- I Lickelten Einzelheiten seines Ursprunges nur plä­diert werden, wenn alle Archive geöffnet werden xnb vor einem überstaatlichen Gerichtshof plä­diert werden.

Artikel 2 31 wurde Deutschland, Lie die offiziellen Dokumente beweisen, mit Ge- Lalt und unter der Drohung, sofort den Krieg bis zur voUigen Vernichtung wiederaufzunehmen, entrissen. Können wir, nachdem wir erklärt Haben, daß wir den Krieg des Rechts gegen die Gewalt fuhren, diesem unwürd-gen Verfahren

Vordringen der Rifkadylen.

Neue französische Niederlagen. Der Kamps um die Marokkokredite.

Die Marokloschwierigleiten der französischen Regierung werden durch zwei Tatsachen gekenn­zeichnet: Durch die Ernennung eines mili­tärischen Oberbesehlshabers in Marokto und durch die Rückkehr Malvys aus Mad­rid, die am Donnerstag erfolgen wird, Wenn auch von französischer Regierungsfeite betont wird, die Abreise Malvys habe keineswegs zu bedeuten ,daß in den Verhandlungen mit Spa­nien Schwierigkeiten eingetreten seien, so wird man sich doch der Tatsache erinnern müssen, daß die Konferenz auf Betreiben Frankreichs zustande gekommen ist, das einen Bundesgenossen suchte, mit dessen Hilfe es das marokkanische Abenteuer bald und siegreich zu beenden gedachte. Die Schwierigkeiten, die trotz allen Ableugnens vor­handen sind, werden wohl in der Hauptsache darauf zuruckzuführen sein, daß der Preis, der Primo de Rivera für ein Entgegenkommen und für eine Hilfeleistung fordert, den Franzosen zu hoch erscheint. Bemerkenswert ist, daß die Tangerfrage in den Bereich der Beratun­gen einbezogen worden ist, und daß Spanien die Schaffung einer besonderen spanischen Schutz- truppe zu wünschen scheint. Die Stärkung der spanischen Stellung in Tanger liegt aber nicht im Interesse Frankreichs und wohl auch Englands, das über die jetzigen Verhand­lungen auf dem Laufenden erhalten wird. Viel­leicht kann man auch damit den Wunsch Frank­reichs in Zusammenhang bringen, daß Eng­land mit den spanischen und französischen Schiffen zusammen die Aeberwachung der inter­nationalen Zone von Tanger übernimmt. Eng­land hat dazu aber vorläufig keine Neigung, es will erst eingreifen, toenn die Neutralität der Tangerzone gefährdet ist. Daß Frankreich auch diese Vorbedingung zu schaffen versucht, geht aus dem Bericht des Kommandanten der internatio­nalen Polizei, der ja Franzose ist, hervor, in dem er die Gefahr plötzlicher Angriffe der Rifleute auf die internationale Zone glaubhaft zu machen sucht und zu ihrer wirksamen Verteidigung 7000 Mann Verstärkung anfordert.

'ub die FcanaOsen ihr Ziel erreichen, bleibt äb^u- warten. Sicher ist, daß sie den spanischen Wünschen weit mehr entgegenkommen müssen, um sich die tatkräftige Unterstützung der Spanier zu sichern, weil sich die Lage an der französischen Marokko­front infolge der letzten Offensive Äbd el Krims sehr ungünstig gestaltet hat. Den neuen Dber- kommandierenden Noulin erwartet eine recht schwierige Aufgabe, da er einerseits für die ganze militärische Lage verantwortlich gemacht werden wird, andererseits aber doch wenigstens nach dem französischen amtlichen Bericht der Regierung, dem Marschall Liauthey in gewisser Beziehung unterftellt sein. Aus dieser Stellung werden sich sehr leicht Konflikte entwickeln, aus denen sich Abd el Krim mehr Vorteile ziehen wird, als Frankreich, zumal Noulin seine Be­rufung wohl mehr seiner Parteizugehörigkeit als seinen militärischen Fähigkeiten zu verdanken hat. Seine etwaigen Erfolge werden in der Hauptsache davon abhängen, ob ihm die fran­zösische Regierung genügend Kriegsmaterial und genügend Truppen sendet. Ob sie das tun wird, scheint recht fraglich, weil ja die Verhandlungen mit bekannteren Heerführern gerade daran ge­scheitert sein sollen, daß die Regierung nicht die genügenden Regimenter an die Marokkofront senden will.

Abd el Krims Offensive.

Paris, 9. Juli. (TU.) Abd el Krim ist wieder zu einer groß angelegten Offensive übergegan­gen, über die der amtliche Heeresbericht Folgendes mitteilt:

Die Rifleute haben gegen Ouergha 10 000 Mann aufgeboten, die vor allem die treu gebliebenen Stämme in dieser Gegend zum Abfall bringen soll. Es scheint, daß der Feind diesmal sein Augenmerk auf Fe; richtet. Der Bezirk von Taza ist dabei weiter bedroht. Die Bevölkerung ist unruhig und wird teilweise von den französischen Truppen

entwaffnet. Die Räumung von Taza wird weiter fortgesetzt.

Nach Meldungen aus Melilla ist die Linie Taza Algier von den Rifkabylen durchbrochen worden. Bei Tauriet ist ein Flüchtlingslager aus zusammen­gestellten Eisenbahnwagen errichtet worden. Die sranzösisck)e mobile Truppe nördlich von Ouezzan hat die Garnison und das Material der Position von Buchka und Ulled Alla! zurückgezogen und deren Anlagen zerstört. Irn übrigen sei nichts zu melden.

Unruhen in Fez.

Madrid, 9. 3uli. (TA.) Telegramme aus Fez melden, daß der Stamm der Br an es südlich von Taza sich Abd el Krim angeschlossen habe. Ebenso sind die nördlichen Stämme, die früher franzosenfreundlich waren, zum Feind Übergegangen. Die Bevölkerung Tazas flieht. Während des Osterfestes Id-el-Vehir herrschte in Fez Unruhestimmung.

Die Marokko-Konferenz.

Paris, 9. Juli. (TU.) Aus Madrid wird ge­meldet, die Delegierten der MadNder Konfe­renz haben gestern unter dem Vorsitz des Gene­rals Iordana 3 Stunden verhandelt. Malvy erklärte den Vertretern der Presse, daß ein zweites Abkommen, das sich auf die Blockade und Ueberwachungsmaßnahmen beziehe, a b g e f ch l o f - f e n worden fei. Morgen werde ein anderes Ab­kommen von größerer Wichtigkeit unterzeichnet werden, das sich auf die politische Zusam­menarbeit zwischen Frankreich und Spanien in Marokko beziehe.

In den Pariser Blättern wird das magere Re­sultat der Konferenz mit Mißbehagen ausgenom­men. Es sei seyr fraglich, ob Malvy die geeignete Persönlichkeit gewesen sei, an dieser Konferenz teil­zunehmen. Das Problem von Tanger sei nicht ge­löst worden und durch das Friedensangebot werde das Prestige Frankreichs schwer ge­troffen. Da in den Vorschlägen Frankreichs eine gewiße Anerkennung Abd el Krims liege, werde sich der Sultan betroffen fühlen.

Die Marokkokredite.

Paris, 8. 3uIL (WB.) Die Kredite, die die Regierung vom Parlament für Marokko fordert, belaufen sich auf 150 000 000 Franken. Der Finanzausschuß der Kammer ist heute nach­mittag zusammengetreten, um den Gesetzentwurf zu beraten. Man behauptet, daß der Bericht­erstatter seinen Bericht über die Kreditvorlage vielleicht noch im Laufe des Nachmittags dem Plenum der Kammer unterbreiten könne, so daß es möglich wäre, daß die Vorlage bereits in einer Aachtsihung zur Verabschiedung gelangen wird.

Cs besteht bekanntlich die Absicht, die Session am Samstag zu beenden, doch wird angenommen, daß der Senat den Dudgetentwurf für 1925 ab- ändern wird, so daß die Kammer sich wenigstens noch einmal mit ihm beschäftigen muh.

Slimmenenthaltung der Sozialisten.

Paris. 8. Juli. (WB.) Die Havasagentur glaubt zu wissen, daß der Vorstand der s o z i a - listischen Kammerfraktion, der heute nachmittag über das Verhalten gegenüber den von der Regierung geforderten Marokkokrediten beriet, keine Entscheidung getroffen hat. Man er­klärt jedoch, daß die Mehrheit der Ansicht fei, sich der Abstimmung zu enthalten. Die Diskussion im Plenum der Kammer wird morgen stattfinden. Marokkokrieg und Völkerbund.

London, 8. Juli. (TA.) Churchill er­klärte heute im Unterlaufe, daß er Frankreich und Spanien Vorschläge, den Rifkampf in Ma­rokko vor den Völkerbund zu bringen. Diese Erklärung machte einen ungeheuren Ein­druck.

der Zivilisation Gesetzeskraft geben? Die Zeit der summarischen Verfahren, die keine Berufung kennen, ist vorüber. Es ist ebenso widerrechtlich, ein Volk zur Unehre yu verdammen, wie ein Individuum zum Tode, ohne ein kontradiktori­sches Verfahren.

Wir Franzosen, die wir um die Ehre unseres Landes besorgt sind, glauben auch fest, daß jede Verletzung der Gerechtigkeit zukünftige Kontra­strafen nach sich ziehen wird und muh und wir wollen nicht den Vorwurf auf uns nehmen, daß wir die Grundlage verletzt haben, auf die wir uns bisher gestellt haben. Wenn jedoch die materielle Abänderung des Friedensvertrages, mit der allein die Zeit und der Völkerbund be­auftragt werden können, nicht in Frage kommen kann, wenn es sich auch ferner um die Abände­rung der durch das Londoner Abkommen vom August 1924 festgesetzten Reparationsregelung handelt, hängt es trotzdem von unserer aller guter Willen ab, daß die in Versailles auf- gezwungene Charta nicht mehr auf der unsicheren Grundlage lastet, auf der wir leben.

Artikel 231 muß in einem für alle annehm­baren Sinne abgeändert werden, außerdem auch die die Sanktionen betreffenden Ar­tikel 227 bis 230, die mit ihren Repressalien den Haß aufrechterhalten und für die end­

gültige Wiederherstellung des Friedens nicht wenig schädlich sind.

Wir sind an einem Scheidewege an­genommen. Cs muß gewählt werden. Auf der einen Seite finden wir alle Hebet des Krieges verewigt durch den Geist der Revanche, auf der anderen Seite aufrichtige Wiederversöhnung und nutzbringende Arbeit. Wir fordern deshalb alle die, die noch trauern, alle die, die sich im Herzen die Liebe für Gerechtigkeit und Wahrheit bewahrt haben, alle die, deren Lebenszweck es ist, ihren Söhnen eine vom Kriege nicht bedrohte Zukunft zu sichern, sich unferm Ru e anzuschließen. Der deutsche Nationalismus darf sich nicht täu­schen. Er findet hier keinen Beweis von Schwäche, sondern nur einen Beweis der französischen Red­lichkeit und einen Schritt zur menschlichen Soli­darität. Wird das das Deutschland eines Goethe begreifen? 3n diesen tragischen Tagen spielt die europäische Zivilisation ihre letzte Karte aus. Sie ist verloren, wenn ein mörderischer Krieg wieder beginnt.

Dieser Ausruf ist von 100 französischen 3n» tellektuellen, zumeist Schriftstellern von gutem Namen, unterzeichnet, u. a. außer den Generälen Chabaud, Gerard, Derraux und Percin, die Uni» versitätsprofessoren Seignobos, Basch, Cacannian Guhot, Pernant, Charles Gide Appleton, die fol­genden Schriftsteller: Victor Margueritte, Henri

Barbusse, Cmest Archdeaon, Andrö Arnyoed Donardy, Michel Corday, George Courtelin, Ge­orge Duhamel, Alcide Cbray, Leon Frapie, Lu­cien Daudut, Francis Delaisi, Noel Garnier, Scan Guirer, Eremouill, ©outtenoirc. de Foury, Pierre Hamp, Ferd. Herold, Henry Jacques, Alexandre Mercereau, Gaston Moch, Mathias Merchardt, George Pioch, 26on Poldes, Paule Reboux, Ernest Renault, Jean Romains, Dernes, die beiden Sohne von Edmund Rostand, Morls und Jean. Außerdem haben unterzeichnet: Max Sangnier sowie 01666 Demullier und die Schrift­stellerinnen Fanny Clar und Severin.

Schuldebatte im Hessischen Landtag.

Darmstadt, 8. Juli. (Eig. Bericht.) Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9.30 Uhr. Die Beratungen des Kapitels 53 a n b e 5 a m t für das Bildungswesen" werden fortgesetzt.

Ministerialdirektor Urstadt

erklärt hierzu u. a.: Ich will auf die Ausführungen der Vorredner nur insoweit antworten, als es sich nicht um Fragen der politischen Weltanschauungen und deren Schulideale handelt. Die S ch u l f o r - derungen des Zentrums sind nicht durch­führbar, ebensowenig die kommunistischen Erziehungsideale. Eine Anfrage des Abg. Heinftadt, ob Hessen sich um Reichszuschüsse für Junglehrer bemüht hat, kann ich im be- lahenden Sinne beantworten. Für die kriegs- beschädigten Lehrer geschieht alles, um ihr Los zu erleichtern, dock) die Forderung, sie um zwei Gehaltsstufen heraufzusetzen, kann Hessen allein nicht durchführen. Das Seminar für höhere Lehrerinnen wird ebenfalls abgebaut, aller­dings haben wir hier wegen der Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse eine längere Frist ge­setzt. Anwärterinnen für den höheren Mädchen­schuldienst werden demnächst auch wieder eingestellt werden tonnen. Die Zentral st elle für Volksbildung ist nicht, wie Abg. Dr. Werner behauptet, einseitig nach einer politischen Richtung hin besetzt, sie muß, da nur eine Persönlichkeit an der Spitze steht, allerdings einseitig sein Die be­sondere Feier zu Ehren der Amtseinführung Hin­denburgs kann ich nicht mit der Ebert-Feier ver­gleichen, die eine Totenfeier war. Hier aber war ein Wahlkampf vorausgegangen, und es wäre sicher zu mancherlei Beschwerden über die Reden gekom­men. Daß der Tag ganz schulfrei und ohne Feiern war, ist den Schülern und den Lehrern lieber ge­wesen. Die Klagen über die Unruhe, die in die Schule hineingetragen wird, haben eine gewisse Be­rechtigung: die Schuld daran trägt jedoch zum ge­ringeren Teil das Landesbildungsamt, sondern weit mehr die Zeit. 3m ilebereifer, irn Bildungs­drang und in vielen guten Ratschlägen liegen die Hauptursachen. Die Neuerung des Werk­unterrichts, gegen den sich Abg. Leuchtgens wendet, ist aber von der Reichsverfassung ge­fordert ; diese Unterrichtsmethode hat gegenüber der älteren manche Vorzüge. Abg. Dr. Keller hat von der Unruhe durch zu Diefe Verordnungen gesprochen: es handelt sich hier um die wiederholte Einfchärfung der Verordnung vom 26. August 1922 über die Beachtung der re­publikanischen Staatsform. Hier handelt es sich aber nicht eigentlich um eine Anordnung des Landesbildungsamtes, sondern um ein vom Land­tag angenommenes Gesetz. Die Lektüre des Or­gans des verbotenen Iungdeutschen Ordens hat mich davon überzeugt, Daß die Bestrebungen des Ordens nicht dem Wohle des republikanischen Staatswesens dienen.

Der Redner bekämpft dann die Anträge auf Verminderung der Beamten stellen im Landesamt für Bildungswesen mit dem Hin­weis auf die vermehrte Arbeitslast dieses Amtes: er zählt dann verschiedene neue und erweiterte alte Aufgaben auf.

Zur Aufnahme von der Grundschule in die höhere Schule ist unsere Stellungnahme dieselbe wie früher: wir halten an dem vier­jährigen Grundschulenkursus fest.

Wir sind nach wie dor Anhänger der Ein­heitsschule.

Die vierjährige Grundschule wird von der Reichs­verfassung gefordert. Wir wenden uns auch ge­gen eine Aushöhlung der Grundschule aus päda­gogischen Gründen. Nach dem dritten Schuljahr ist doch auch die Begabung eines Schülers sehr viel schwerer festzustellen als ein 3ahr später. Die neue Reichsvorschrift über die Aufnahme in die höhere Schule ist eine Kann-, keine Muß- Vorschrift für Cinzelsälle. Untere Vorschrift vom 3. April sollte nur die Verhältnisse für ein Jahr regeln, aber es wurden entgegen der Reichs­bestimmung zu viele Schüler ausgenommen, dies war auch gegen unsere Verordnung. Wir glaub­ten daher, den Schulen einen Dienst zu erweisen, wenn wir die Ausnahmebestimmungen genauer präzisierten. Damit ist jedoch nicht gesagt, daß die neue Verfügung starr gehandhabt werden soll und eine Rückversehung unbedingt verfügt werden muh. Ich kann nicht begreifen, wie ein Schuldirektor von mangelndem Wohlwollen und von Hartherzigkeit des Landesbildungsamtes in öffentlicher Versammlung hat sprechen können. Die Frage kann erst entschieden werden, wenn die Berichte vom 1. und 10. Juli einlaufen. Wir werden dann die Angelegenheit im Einver­nehmen mit den Grundschullehrern und den höheren Lehrern regeln. Wir werden aber nicht dulden, daß auf dem bisherigen Wege die Grundschule unterhöhlt wird. Bis jetzt ist es in Hessen fast ganz unmöglich, auf einer höheren Lehranstalt ein Schuljahr zu überspringen: wir werden auch diese Frage regeln.