Donnerstag, 9. April 1925
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gveryessen)
ür. 84 Swettes Slatt
Besonders mag uns eins der tiefsten Worte, i das Johannes über das Aren- seines Meisters geschrieben hat, viel sagen. 3efu8 — urteilt
er — sollte dazu sterben, daß er die zerstreuten
Mittag- und Abendessen Fürstenberg-Bräu Gut gepflegte Weine
Ium Karfreitag.
Don LandeSbifchos D. 3 hmels, Dresden.
3n harter, entscheidungsvoller Zeit zieht mietet der stille Karfreitag herauf. Was hat er
•Jrt6 in diesem Jahre zu sagen?
Selbstverständlich, die Predigt des Äarfrei- ags ist in jedem 3ahr dieselbe: eine Predigt von Dericht und Gnade, eine Predigt von bem, der iär unS in Gottes Gericht ging, bah er uns wieder den Weg zu Gott bahne. Wie haben wir aetabe auch in diesem 3ahre soviel 2lnlah, diese Predigt ganz persönlich zu hören. 3e unruh- toller die Zeit ist, umso willkommener sei uns Zie heilige Stille unter dem stillen Kreuz. DaS Kreuz rede zu uns von unserer Sünde, aber es mache uns auch die Gewißheit groß, bah die Gnade viel mächtiger ist als alle Sünde und Dah dtefe Gnade Menschen — selig macht. 2In ter Predigt vom Kreuz genese unsere Seele zu seliger Stille in Gott.
Unb doch darf eine rechte Karfreitagsfeier unmöglich selbstsüchtige Feier sein. Hat er, der am Kreuz starb, ganz sich selbst vergessen, wie dürsten dann mir unter seinem Kreuz nur an uns denken molken. Wie dürften mir vor allem vergessen, bah dieser Mann der größte Dolkssreund aller Zeiten gernesen ist. Doch aus dem Wege zum Kreuz hat er ein letztes Mal um die Seele seines Rolles gemorben. Schon muh er diesem Volk das kommende Gericht nachrneisen, und doch machen ihm die Tränen der frommen Frauen Mut, bah er noch einmal an sie sich wendet und durch -sie an sein Doll, ob eS nicht noch jetzt bedenken wolle, waS zu seinem Frieden diene. Wie ge- trvst dürfen mir diesem Manne alle Dole unseres Dolles bringen und alle Sorge, die uns betoegt, ihm befehlen.
Vor und nach dem Theater kalte und warme Platten 972a
Wunsch nach einer etwas fruberen Auszahlung der bicswochigen Dhne in zweckmässiger Weise berücksichtigt worden ist.
3m Anschluß hieran wird ein s o z i a l ö c - rnokratischcr Dringlichkeitsantrag beraten, nach dem den in der Fürsorge stehenden unb den ausgesteuerten Erwerbslosen zu Ostern eine Bei- Hilfe an Mehl und Bargeld gewährt mürben soll. Die Stadtverwaltung und der Finanzausschuß
Ruder- ,, hort « L Vertag; d°°'sbausgrschi^
nehmen eine ablehnende Haltung ein. da, wie Beigeordneter Dr. Frey erklärt, die jetzige Hohe der Aeichsunlerstüyungsfätze so bemessen ist. daß sie nur knapp hinter dem tariflichen Lohnsatz cincS vollbeschäftigten, ungelernten staatlichen Arbeiters zurücksteht. Würden ntxf) Sondcrb ih.lsen bewilligt, so würde die Llnterstützung des Erwerbslosen höher ausfallen als der Lohn eines ungelernten staatlichen Arbeiters unb da» sei nicht angängig unb auch nicht erwünscht. Diese Erwägung habe zur 21 ilebnung gegenüber dem Antrag geführt, obwohl Einigkeit darüber bestehe. daß bei den heutigen Unterstützungssätzen das wirtschaftliche Durchkommen nur sehr schvxr möglich sei. Aach kurzer Aussprache tp.rb der sozialdemokratische Antrag gegen d e Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt.
Anlage einer Straßentreppe.
An der Straße Sicher Straße Kaiseralle»., unterhalb der Gcorg-Philipp-Gail-Straße. soll zur Ueberminbung bes Höhenunterschiedes und zur Dermindcrung der Baukosten für die dort zu errichtenden Bauten eine Treppenanlage gc- chasfen werden, von der man Nch auch eint Berschönerung der Stadt verspricht Der Kredit in Höhe von 17 000 Mk. wird bewilligt.
Der Waldsportplah des D. s.B.
Die von dem Verein für Bewegungsspiele für Aotstandsarbeiten bei Herstellung des Waldportplatzes aufgcmcnbctcn unb noch aufzuwendenden Arbeilgeberprämicn werden von der Stadt übernommen. Für diesen Zweck wird ein Kredit bis zu 2000 Am. zur Verfügung gestellt. Dem Verein wird ferner zur Errichtung des Wald- sportplahes ein Darlehn in Höhe von 4000 Am., verzinslich zu 10 Prozent, rückzahlbar in zwei gleichen Aalen, fällig am 1. April 1926 unb 1. April 1927, gewährt. Der Zinssatz erhöht ober erniedrigt sich je nach dem von der Stadt für von ihr geliehene Gelder zu zahlenden Zinsfuß. Die Straße nach dem Philosophenwal b.
Der Aufhebung der bestehenden unb der Festsetzung der neuen Baufluchtlinie der Straße nach dem Philosophenwald unter Herabsetzung der Vorgartenbreite von 8,50 auf 5 Meier wird zuge- ftimmt.
Ein Mitglied der Fraktion der Deutschen Volkspartei regt bei dieser Gelegenheit an, das Wiesengelände nach dem Philosophenwald mit entsprechender Benutzung der Wieseck zu einem S t adtpark umzuwandeln, der auch den erholungsbedürftigen älteren Mitbürgern, die nicht weit geben können, eine gute Erquickungsstötte werden könnte. Wald. Wiese und Wasser lärmten
träges.
Freie Lernmittel an der Volks- und Fortbildungsschule.
Einem 2lntrag der Schuldeputation entsprechend wird beschlossene
Für die Gewährung freier Lernmittel an der Volks- und Fortbildungsschule für Kinder unbemittelter Geineindeeinwohner im Schuljahr 1925,26 wird die Eintommensgrenze bei einem Volks- ober fortbildungsschulpflichtigen Kind von 750 Mark auf jährlich 900 Arn. heraufgeseht. Für jedes weitere Kind unter 18 Jahren wird die Einkommensgrenze um 200 Am. erhöbr. Kinder mit eigenem Einkommen über 300 Am. jährlich bleiben bei der Kinderzahl unberücksichtigt. 3n einzelnem besonders ungültigen Fällen sind die Aeltoren nach eingehender Prü'ung der Q3er» hältnisse ermächtigt, über die festg.setzte Ein- kommensgrenze hinauszugehen. Es werden alle Lernmittel gewährt. Für die Beschaffung der Lernmittel wird im Voranschlag für 1925 ein Kredit in Höhe von 6000 Am. bereitgestellt.
Volkshochschule.
Der Volkshochschule wird für das Rech- nungsjahr 1924/25 außer dein bereits bewlllig- ten Zuschuß von 500 Am. ein weiterer Zuschuß von 700 Am. gewährt.
116er-Gefallenendenkmal.
Zu den Kosten eines Denkmals für die gc falfencn 116er wird einstimmig ein städtischer Zuschuß von 2000 Am. bewilligt.
AnschaffungenfürdenSchlachthof.
Für die Beschaffung eines weiteren Eiserzeugers wird ein Kredit von 24 000 Mk. bereit- gestellt.
Zur Aeubeschaffung einer Wage für lebendes Vieh werden 3000 Mk. bewilligt.
Für die Einrichtung einer Schweinesalle — System Wittmann — werden 1500 Mk. aus- getoorfen.
Städtisches Elektrizitätswerk.
Der für die Strömerzeugungs-Anlagen im Haushalt 1924 vorgesehene Kredit war nicht ausreichend. Es toerben deshalb weitere 200 000 Am. bewilligt.
Für die Verstärkung des Stromversorgungs- nehes wird ein Betrag von 85 000 Am. zur Verfügung gestellt. Die Kabellieserung wird dem Mindsstfordemden übertragen.
Die Lieferung der zur Ergänzung der Akku- mulatorenbatterie erforderlichen Elemente im Betrage von 26 000 Am. wird der Firma Gottfried Hagen. Köln-Kalk, übertragen.
Die Errichtung einer ülmspannungsstation in der Aähe der Hcyligenstaedtschen Fabrll und die Verwendung der erforderlichen Mittel in Höhe von 60 000 Am wird genehmigt unter der Voraussetzung, daß die Firma Poppe & Co. sich zur Stromabnahme verpflichtet.
Für die Gleisanlage der Straßenbahn vor dem Stadttheater wird die Beschaffung einer neuen Ausweiche zum Preise von 2000 Am. cinschl. Fracht bemilliqL Die Lieferung wird dem Mindesifordernben, Firma »Phönix" Duisburg, übertragen.
Bei der Beratung dieser Vorlage weist der Führer der Deutschen Volkspartei au die Straßenbahnwünsche der Bahnhofstraße
hin. Er fragt die Verwaltung insbesondere, ob die in der Stadt kolportierten. Gerüchte wahr seien, daß die Bahnhofstraße künftig weniger Wagen haben solle als der Seltersweg. Beigeordneter Dr. Seid antwortet: Seitens der Stadtverwaltung ist beabsichtigt, den Betrieb in der Bahnhofstraße in der gleichen Weise wie früher wieder aufzunehmen. Die Stadtverwaltung hofft, daß diesem Standpunkt auch in den Ausschüssen zugestimmt wird.
Löhne der städtischen Arbeiter.
Für die Lohnerhöhung ab 22. Februar 1925 wird bis zum Schluffe des Rj. 1924 ein Kredit in Hohe von rund 3900 Am bewllligt.
Ein kommunistischer R'dner bringt bei dieser Gelegenheit verschiedene Wünsche der auf dem Trieb beschäftigten Arbeiter zur Sprache, zu denen von dem Dezernenten. Beigeordneten Dr Frey. Stellung genommen wird. Aus feinen Erklärungen geht hervor, daß die Verwaltung nach Lage der Dinge nicht anders handeln konnte, als jetzt geschehen, ferner ist ersichtlich, daß der
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Stadtviertel zugleich in Angriff genommen werden konnten, ist verständlich, aber ebenso selbstredend ist auch, daß ein erledigter Erschließungs- abschnitt ohne ülnterbrechung die 3nan- griffnahme des andern nach sich ziehen muß, damit unsere Stadt endlich mal gründlich aus der Daulandnot herausgebracht wird. Hoffentlich wird die Arbeit der Stadtverwaltung auf diesem Gebiet durch rege 3nanspruchnahme von Bauplätzen seitens der Bürgerschaft kräftig und dauernd gefördert. 3n die heutige Beratung spielten auch die Frage eines neuen und großen Bebauungsplanes und die eines Wettbewerbs zur Erlangung solcher Entwürfe hinein. Der Oberbürgermeister stellte für die nächste Sitzung der Stadtverordneten eine diesbezügliche Mitteilung der Stadtverwaltung in Aussicht, der man mit dem besonders großen Intel esse entgegensehen muß. das allen in die künftigen Jahrzehnte städtischer Entwicklung hin- einreichenden Angelegenheiten ohne weiteres gebührt.
Den Anwohnern der Bahnhofstraße wurde hinsichtlich ihrer Straßenbahnwünsche eine Osterfreude bereitet; sie dürfen, wenn der Wille der Stadtverwaltung durchdringt, gewiß sein, daß ihre Wünsche voll erfüllt werden. Wir möchten auch in diesem Zusammenhänge der Betriebsdeputation und dem Finanzausschuß noch einmal empfehlen, die berechtigten Forderungen der Mitbürger in der Bahnhofstraße zu erfüllen.
Der Verschönerung unseres Städtebildes galten zwei wertvolle Anregungen, denen wir wünschen, daß sie zur Werktat werden mögen.
Sitzungsbericht.
Anwesend Oberbürgermeister Keller, die Beigeordneten Dr. Seid, Dr. Frey, Kommerzienrat K l i n g s P o r und 37 Stadtverordnete.
Errichtung einer Studienanstalt.
Der Berichterstatter weist auf die frühere Beratung der Frage des Ausbaues der Höheren Mädchenschule durch Errichtung einer Studienanstalt hin und empfiehlt namens des Finanzausschusses die Annahme des folgenden Antrages:
„Man ist damit einverstanden, daß eine Klasse (Obersekunda) der städtischen Studienanstalt errichtet wird und stellt die erforderlichen Mittel zur Verfügung."
Diesen Antrag hat der Finanzausschuß einstimmig angenommen. 3n der Aussprache betont der sozialdemokratische Sprecher die Bereitwilligkeit seiner Fraktion, dieser Vorlage zuzustimmen. ferner macht er Wünsche hinsichtlich des Ausbaues unseres Volksschulwesens geltend. Beigeordneter Dr. S e i b bemerkt zu diesen Wünschen, daß nach dieser Richtung schon ab Ostern 1925 mancherlei zur Tat werden soll. Cs ent- spinnt sich dann eine längere, regelrechte Schul- bebatte, in der Vertreter aller großen Parteien das Wort ergreifen; die Aussprache schweift völlig vom Deratungsgegenstand ab, sie dreht sich um das Volksschulwesen, das von den verschiedensten Gesichtspunkten aus beleuchtet wird. Schließlich wird der Antrag des Finanzausschusses in der oben mitgeteilten Fassung einstimmig angenommen.
Der Ausbau von neuen Straßen.
Ein Antrag der Daudeputation und des Finanzausschusses empfiehlt folgende Beschlußfassung:
Der Ausbau der Straßenzuge: a) Wartweg zwischen der Friedrichstraße und dem b)ter^letz'ten Querstraße zwischen Liebig- und Wilhelmstraße parallel zum Aulweg,
c) Aulweg zwischen Liebig- und Wilhelmstraße, cl) Parallelstraße zur Geota-PhllipP-Gail-Strahe zwischen Kaiserallee und Licher Straße;
efGaffkystrnße zwischen der Lupushellstatte und der Frankfurter Straße und
f) die Kanalarbeiten in vorgenannten Stra^n- strecken und in der Licher Straße zwischen „Am Kugelberg' und der Zufuhrsrraße zur Kaserne wird genehmigt und ein Kredit in Höhe von 140 000 Am. bewilligt."
Der Berichterstatter hebt hervor, in unserer Stadt trete dauernd ein Mangel an Baugelände
das Gericht des Sterbens hineiiizieht. er selbst jedenfalls durch Sterben hindurch zu neuem Geben führen möchte. Unser Doll hat in der Geschichte immer wieder davon etwas erfahren. Wagen wir zu glauben, zu beten und äu arbeiten, daß es auch heute noch für unser Volk zu einem neuen Ostern komme.
Sitzung der 5>adrverordneten.
Gießen, 8. 2lpril 1925.
Mehrere Beschlüsse und einige Anregungen von weittragender Bedeutung waren das besondere Kennzeichen der heutigen Sitzung des Stadt- Parlaments. Zuerst sprach sich das Haus nach einer Erörterung, die weit abseits von dem Gegenstand der Beratung führte, einstimmig für die Errichtung einer Studienanstalt an der Höheren Mädchensch ule aus. Dieser Beschluß ist sehr zu begrüßen, wenn man dabei allerdings auch sagen muß, daß er in der jetzigen Art der Aegelung schon vor ein paar Monaten hätte gefaßt werden können. Die Stadt stellt zunächst die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung. Diese Lösung wird man aber wohl kaum als das letzte Wort in der Frage der Kostendeckung anzusehen haben, man wird vielmehr annehmen und auch entschieden fordern müssen, daß der Staat nach einer gewissen Zeitspanne sich ebenfalls an den Kosten beteiligt oder irgendeine andere Lösung gefunden wird, die unsere Stadt zum mindesten mit Darmstadt und QKairu gleichstellt, die diese Kosten bekanntlich auch nicht allein tragen.
Die schon längst fällige großzügige Erschließung v o n Baugelände dürste mit dem heutigen Auftakt wohl in Fluß gekommen fein. Daß bei diesem ersten Schritt nicht alle
auf. ihn dem entgegenzuwirken, fei es notwendig geworden, Baugelände zu erschließen. 3m Ausschuß habe die Frage des StraßenausbaueS im Aordostviertel eine Rolle gespielt. Dec Ausschuß sei sich darin einig gewesen, daß in absehbarer Zeit daran gegangen werden müsse, auch für diesen Stadtteil etwas zu tun. Zunächst gelte eS aber, der heutigen Vorlage zuzustimmen. Von dem Sprech.r der Deutschen Volkspartei wird dem nordöstlichen Gladttcll gleichfalls die Erschließung von Baugelände in Aussicht gestellt. Der Redner bittet den Dauausschuß, dafür zu sorgen, daß die Bebauungsfrage so rasch wie möglich gelöst wird. Ferner fragt er die Stadt- Verwaltung, ob sie sich mit dein Antrag betr. die Ausschreibung eines großen Wettbewerbs zur Erlangung eines neuen Bebauungsplanes in großem Maßstab beschäftigt und welche Stillung sie dazu eingenommen habe. Die Ausarbeitung eines solchen Planes sollte nicht einem einzigen Mitglied der Verwaltung aufgegeben werden, weil diese Kraft dann überlastet würde. Unter allen ilmftänöcn sollte ein großer Wettbewerb als begrüßenswerte Lösung im Auge behalten werden. Oberbürgermeister Keller antwortet, auf die Frage eines Be- bauungswettbe^e.bs werde die Stadtverwaltung in der nächsten Stadtverocdnetensihung zurück- kommen, da sie hierzu mancherlei zu lagen habe. Ein kommunistischer Redner regt an, die Herrichtung des Wiesecktals zur städtebaulichen Verschönerung (Schaffung eines Parkteichs, Ausbau der Wiesenstraße bis zum Philosophenwald in Gestalt einer schönen Allee) ins Auge zll fassen. Die hierauf folgende Abstimmung ergibt die einstimmige Annahme des obenstehenden An-
Kinder Gottes zusammenbringe. Dabei geht der Blick weit über das eigene Voll hinaus, und i>rs soll uns hernach noch bedeutsam werden. Zu- | erst aber erinnere uns das Wort auch im Blick I auf das eigene Doll daran, daß das Kreuz die | Stätte ist, da man zusammenkommt. Wir wissen, daß die entsetzliche Zerrissenheit unseres Volks- Gebens der schwerste Schaden ist. der ein neues Aufkommen hindern will. Es ist geradezu die ; Zukunftsfrage für unser Doll: Wie kommen wir wieder zusammen? 2lls Christen können wir nur urteilen: Unter dem Kreuz kommt man zusammen.
Unter dem Kreuz verlernen wir, andere zu I richten und ihnen die Schuld zuzuschieben: wir ‘inb es selbst, die das Kreuz richtet. Umgekehrt: wo wir aus dem Setbstgericht unter dem Kreuz den Weg zu dem Gvttfinden, der hier offenbar wird, da wissen wir auch, bah in dem Hause dieses Gottes für alle Raum ist, die durch Christentum zu ihm kommen wollen. Da verschwindeii alle sozialen Unterschiede und politischen Gegensätze; an der Tür des Vaterhauses fragt man nicht nach einem Parteiprogramnr. Rur der heilige Wetteifer blerbt übrig, unserem Volk, so gut wir eS verstehen und vermögen, zu dienen. Man braucht ja nur ernsthaft die Möglichkeit ins Auge zu faffen, bah unser Voll sich wirllich unter bem Kreuz begegnete: wir empfinden ganz unmittelbar, bah uns bann geholfen wäre.
Das Wort des Evangelisten greift viel toei- I ter. Er sieht im Kreuz die Stätte, da man i aus allen Völkern und von allen Enden der Erde :v zusammenlommt. Gerade heute erleben wir mit besonderer Kraft etwas von der Erfüllung dieses i Wortes. Es gehört zu den Ruhmestiteln des ä Christentums, bah mitten in einer Zeit schmerz- ' lichster Zerrissenheit der Döllerwelt die 3ünger ■ Jesu den Mut getoinnen, auf mancherlei Weise unter dem Kreuz zusammenzukommen und vom Kreuz aus Verständigung zu suchen. Man mag im einzelnen über diese Versuche urteilen, wie man will, die Tatsache selbst entspricht dem Willen des Herrn. Gewih haben wir alle Ursache, über den Erfolg dieser Bemühungen sehr, sehr nüchtern zu benfen, aber das eine ist sicher, daß man jedenfalls nur auf diese Weise zu einer inneren Annäherung kommt. International unb übernational — das sind Worte, die für nüchterne Beurteiler der Gegenwart stark an Kurswert eingebüht haben. Jedenfalls scheinen sie nur Aufgaben zu bedeuten, unb die Frage bleibt, wie diese Aufgaben gelöst werben sollen. Soweit die Menschen sich wirklich unter dem Kreuz 3efu zusammenfinden, bahnt sich eine Gemeinschaft an, die auch vor ben nationalen Schranken feinen Halt macht.
Richt als dürften oder wollten wir jemals aufhören, unser Doll mit der Glut eines deutschen Herzens zu lieben und ihm mit der ganzen Kraft unseres Wesens zu dienen. Aber wenn zuletzt doch auch ein Volk nichts ist ohne das andere unb auch die Sehnsucht nach einer Menschhells- zemeinde zum unaufgebbaren Erbteil des Menschen gehört, bann weist das Kreuz den Weg. tote jene Sehnsucht allein gestillt werden kann. Roch einmal: die Zeit ist viel zu ernst, als daß toir Utopien nachjageu dürften, ilnb vollends wir Deutschen müssen aufhören zu träümcn. Aber hier handelt es sich um mehr als einen Traum. Das Kreuz bildet tatsächlich schon einen Einheits- Punkt und es ist uns zugleich Bürgschaft, daß eine Menfchheitsgemeinde das göttliche Ziel der Entwickluna ist. Wer freilich dies Ziel mit 'Mitteln menschlicher Politik meint erreichen zu können, der irrt sehr. Das muß auch am Karfreitag scharf ausgesprochen sein. Um so fröhlicher dürfen wir dann bem vertrauen, was das Kreuz selbst vermag.
Und noch eins sage es zum Trosts Auf Karfreitag folgt Ostern. Seitdem gilt es für das ganze Reich Jesu, daß es durch Sterben zum Leben geht. Auf die Geschichte der Völker wie der Einzelnen darf man davon wieder gewiß nicht ohne weiteres eine Anwendung machen. Aber wahr ist doch, bah Gott gerade bann, toenn er ein Volk ober auch einen Menschen in
hier in guter Weise dem schönen Zweck dienstbar gemacht werden. Es geschehe so vieles, was die Rot der Zeit gebiete, es müsse aber auch auf- gebaut werden in der Verschönerung der Stadt. Aus der anschließender kurzen Aussprache geht hervor, daß ein ähnliches Projekt bereits im Jahre 1912 ausgearbeitet wurde, über das der Oberbürgermeister in einer nichtöffentlichen Sitzung des Hauses mal näheren Aufschluß geben will.
Herstellung von Schlackensteinen.
Die Wiederaufnahme der Steinfabrikation zur Anfertigung von Schlackensteinen wird genehmigt; ein Beschaffungskrelüt von 7000 Rm. und ein Be- triebskrcdit von 10 000 Rm. werden bewllligt.
Schiffenberger Weg.
Für die Durchführung der ÄanallettungeiT durch den Bahndamm im Zuge des Schiffenberger Weges wird dem Kredll von 17 000 Rm. zugestimmt.
Kleinere Vorlagen
Einer Reuregelung der Fürsorge-Ordnung für die städtischen Arbeiter unb deren Hinterbliebenen stimmt bas Haus einstimmig zu.
Für die Durchführung der Reichspräsidenten- wähl am 29. März unb 26. April wird ein vorläufiger Kredll von 2400 Mk. bewilligt.
Die Rechnungsabschlüsse des städt. Brenn« stoffamtes und des städtischen Lebensmittelamtes für 1923, sowie die Rechnung der Plock- fchen Stiftung für 1923, in denen die unheimlichen Zahlengebllde der Inflationszeit Wiedel auftauchen, werden schnell genehmigt.
Eine Reihe von Baugesuchen wird antrags» gemäß erledigt.
Mll einer neuen Gebührenordnung für btc Dienstmänner erklärt man sich einverstanden.
Der Anschluß von zwei Weckern der Sanitätskolonne an die Ringleitung der Feuerwehr' wird genehmigt, der Kredit von 450 Mk. wird bewllligt. ______
RundfuiMProgramm
des Frankfurter Senders.
(Aus der _Radio-Amfchau" )
Freitag, 10. April:
8.30 Uhr Morgenfeier, veranstaltet vom ®art= burgoerein mit Ansprache von Pfarrer Sielmann vor der Lukasgemeinde. 11—1 Uhr: Passionsfeier Stabat-Mater für achtstimmigen Chor a capella von Pierluigi da Palestrina: Historia des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heilands Jesu Christi, für Chor — Soli — Orgel von Heinrich Schütz.
5 Uhr: Uefrertraaung aus dem Frankfurter Opern; haus: „Parsifal .______________________ .
Schlank fein heißt jung fein!
ileberrnäftige Körperfülle macht alt und seht das Wohlbefinden herab. Wir taten Ihnen, in der Apotheke 60 ober 30 Gramm echte Toluba-Ketne zu kaufen, die unschädliche Stoffe von fettzehrender Wirkung enthalten. Sicher: Universitäts-Apotheke „3um goldenen Engel". 2992^
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