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Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger fflr Dberhessen)
Nr. ZS Sroettes Blatt
(Rachdruck verboten.)
62 Fortsetzung.
Die Verlegung des evangel. predigerseminars von Friedberg nach Darmstadt.
Probleme des Pazifik.
Don unserem »A. 5.-Korrespondenten. (Rachdruck. auch mit Quellenangabe, verboten!)
Reuhork, Ende Januar 1925.
Dte Orte geschichtlichen Deschrhen» wandern, toie t*t Doller von weltgefchlchttlcher Do Deutung gewandert sind und sich gewandoll haben War in der Qtntifie und noch im Mittelalter das e u r o- päische Mittelmeer der Schwerpunkt ae- schichtlicher Handlungen, so verschob srch feine Rolle auf den Atlantischen Ozean nach dem Gmporkommen Englands, nach der Entdeckung der neuen CEBelt und nach der Kolonial- epoche der iberischen Lander.
Run sinkt der Atlantisch- Ozean aus den Stand eines Mittelmeeres seit drr Verschiebung des politischen Schwerpunkts drr Welt nach den Vereinigten Staaten von Rordamerika. Der alte Plan des Columbus, über den Atlantic nach Indien vorzuftoßen geht gewissermaßen in Erfüllung durch das Austauchrn d-s Pazifik- Problems und die Einstellung des Haupt- lebens der Vereinigten Staaten nach dem Westen. Der Pazifik ist kein .Stiller" Ozean mehr. Unendlich viel Leben spielt sich auf seinen weiten Wogen und an den von ihnen bespülten Küste» ab Die gelbe Welt ist erwacht Japan hat sich beispiellos rasch auf die europäischen Länder umgestellt, und es ist auffallend schnell in den Vordergrund deS politischen Interesses gerückt.
Vor dem Weltkrieg toaren di- europäischen Völker die Herrscher der Welt. Der Erdball ging einer Europäisierung entgegen, einem Vorgang, dessen Motor jetzt die Vereinigten Staaten ge° «vorden sind, nachdem Deutschland rühmlos erstickt wurde und nachdem die Kraft Europas erlahmte.
Die rote Kaschgar
Roman von Fedor von Zobeltih
^«Die^ große Front gegen Amerika besteht, wenn vielleicht auch noch zum Teil unbewußt, in Japan, das aus den Philippinen mit den Philippin os paktiert, das daran d-nkt. diesen Bund nach Indien, ja sogar «nach Sud- nfrifa und auf die Reger der V-relNigt-n
erklärte Gert: „Ich habe noch Tropensieber Das muh ich erst ausheilen. Lexe. du bist mein Arzt, halt bei mir aus. bis ich wieder gesund bin . . •
Unb sie hielt aus. Sie hielt ihn auch fest. Er hing schon an der Angel. Der Versuch ferner Herzensverjüngung gelang. Es floh vieles Zusammen. 'Jahrelang hatte er lenseus aller Bedürfnisse nach Schöpferfreuden gelebt ^id auch den besten Teil der Illussionen d-s Lebens begraben. Unfreitoinig war er zum Asketen geworden. Lind das rasche Aufzucken einer un- wiberstehlichen Freude am Dasein nach seiner Befreiung aus der Einsamkeit war bald wier^r erloschen in der Schwermutsstimmung, die ibn mit tiefhängendem Grau umfing, wenn er der ilngetoiftftät seiner Zukunft gedachte und seiner Abhängigkeit von einem gefühllosen Chevertrag. Denn in der Stille der kalten Rächte war mu dem „Rachdenken" auch sein Gefühlsleben starker geworden und verlor sich in büstereN—Ahnungen und quälenden 2Vänftigungen. wie Fesseln von Seide, die nachgiebig, aber unzerreibbar sind
Lind hätte er diese Fesseln mit nach Hause genommen, so würde in den geistigen Zweifeln und dem Mibtrauen. das ihn beseelte, wahrscheinlich das LInerwariete zu einem neuen herben Konflikt geworden sein. Run aber floh ihm in Alexe ein Glanzlicht jener Welt entgegen, die für ihn weit hinter der Gegenwart lag. und d.e mit ihren Farben. Tönen und Düften neue Reize in feine Stimmung trug. Er trat gewissermaßen aus dem Dunkel absperrender Mauern in die Helle des Cebend. durch die alle Genien der Freude tanzten und d-r mutwillige Schwarm der Jugend nach Leidenschaften der Möglichkeit haschte. Es war wie ein Wiedererwachen aus Anast träumen, eine Reugeburt, ein Aufstieg zu sonniger Gipfelhöhe hoch über !^e Wolken deo Trübseligkeit Uill» er hatte wahrhaftig in diesem Wiedererwachen eines plötzlichen Glückshungcws das Empfinden, als gelte alle Helle und alle Freude nur ihm — unb als verkörpere sich das ^Er^hatt^lle einmal sehr geliebt, unb auch ?>ie Erinnerung wurde ihm gefahrl-ch weil he cüSr poetischen Auffrischung führte und in -eillichen Interessen sich sorts-tzte. Das aber go was ihn vergessen lieh, warum er
sen Bund nach Indien, ja sogar -nach afrita unb aus die Reger der D^.etnigton Staaten zu erweitern unb dem es dadurch birett zugute kommt, wenn Europa int W-ltkrieg so töricht war. Farbige mit den -Baffen leiner Kultur auszurüsten. Auch Mexiko steht in der groben Front. Rach einem Vertrag darf Japan in einem Kriegsfall beliebig viele gruppen in Mexiko landen. Mexiko öffnet der,apa° Nischen Einwanderung Tür und ^cr Grotze japanische Siedlungen weiden dort angelegt, oo kitmen sich langfam Md-n stottern getfcn Gegner der Staaten und seinem lateiiiamerita- nischen Widersacher. Das ist ein gefährlicher Ring, auch wenn Amerika durch Revo'.uuonsan- stiftung die einzelnen Völker oft genug—zur
damals mit ihr gebrochen hatte. Die Erinnerung an Frehe hatte die Sicherheit der Wirklichke.» verloren, in. Alexe stand die Wirklichkeit vor ihm und umwebte ihn mit einem Rausch, in dem jedes Gefühl, jede Stimmung durch die Kraft der Teilhastigkeit höhere Bedeutung erhielt. 5rct)e war für ihn nur noch ein halb wehmütiges Zurückschauen, Alexe ein tägliches Reuerlebnis, ein Verjüngen beä Herzens, war Handlung der Liebe. r
Sie hatte mit einem Spiel der Eroberung begonnen, ohne zu ahnen, dah fie dabei sich selbst entzündete. Sie ging anfänglich wie ein kluger Feldherr zu Werke, der sich auf die ikaktik der Umzingelung versteht unb 'nicht gleich alle Minen auf einmal springen läßt Aber sie fühlte eines Tages mit Schrecken, dah sie bie Macht über sich verlor, unb bah die Flammen, die sie in ihm zum Lodern bringen wollte, den eigenen Dlutstrom erhitzten. Sie hatten ehren langen Spaziergang unternommen, durch bas Val Rervia nach Dolceagua. dem verfallenen Stammschlosse der Genueser Doria. Sie waren frrhen Muts an diesem köstlichen Herbsttag unb schritten wacker aus, fie wieder in ihrem kurzen graublauen Cheviotrock und festen gelben Stiefeln, einen Stock in der Hand, ein Hütchen aus Sämifchleber auf bem Haar. Wie sie so ging, Anmut auch in der Raschheit der Bewegung unb geschwellte Kraft in ben ©fiebern, da erschien fie ihm zum erstenmal lo begehrenswert, baff über bie SinneSfreube hinaus der Wunsch nach ihrem festen Delitz in ihm rege wurde. Es war einmal eine Zeit gewesen, da hatte er fie als Gattin verschmäht, weil er in ihr nur bie Geliebte sah. Run sollte die Geliebte die Gattin.werden, weil er philosophischer denken gelernt hatte und in ihr auch einen Halt für sein 2-ben sah. der die Stürme der D-idenschaft überdauerte. Denn sie war ja viel mehr als bas verführerische Weib seines erotischen Schwärmens. Sie war klug, lebens erfahren, wellläufig, fie hatte Geist .unb jenen lockeren Dildungsschliff. ber nie in das Langwellige verfiel, und war ein fanwfer Kamerad.
Alex- wußte nicht, wie nahe fie dem Ziele war Aber aus diesem Spaziergang durch Gliben» Wälder unb Haine von Dattelpalmen, durch ein
Denn bah die oben erhofften belferen ptiten so gar bald eintreten werden, wagt im Ernste doch niemand zu hoffen. Jedenfalls aber darf man solch eine Annahme nicht als Posten tn den Voranschlag einstellen. Wenn die Denkschrift die unbedingte Rolwendigkeit der Verlegung md Anträgen ihrer Grunde behauptet, so kann man ruhig zugeben, bah diele Gründe recht gut aus- gewählt unb verwandt werden. Aber fie 1UW immerhin noch auf ihre Stichhaltigkeit den zu prüfen. Auch die Gegengrunde sind von Den KirchentagSabgeordnelen nicht leicht zu nehmen.
GS kamen Briefe von Theda und Hellmut Gert. Sie begrühten in herzlicher Weise bie glückliche Heimkehr bes Verschollenen unb sprachen ihm in guten Worten ihren Dank Mfur aus bah er ihrem jungen Glück keinen Stern in den Weg legen wollte. ..Wir haben uns nach untrer Heirat freundschaftlich actr^rmt . torieb Theda. ..unb die Freundschaft soll bleibem Sie ist jetzt erst reif geworben, sie ist nun auch ehrlich Dorzuwerfen hat keiner etwas dem anheim. Im ganzen Umkreise herrscht „natürlich ein gewaltiges Halloh. Es ift. ald Vesuv ins Meer gefallen. Wir lassen die Leute reden - ich denke mir, Du wirst ihnen schon vaS Mundwerk stopfen ..." .
Lind Hellmut wiederum schrieb: ..Ich erwarte Deine Rachricht. wann mir aus Arvß^Ponar Auszug halten sollen. Es kann natürlich leben Dag geschehen, denn bie Villa in Schwtchelbe steht leer. Aber mir liegt doch baran. . ®cl" nen Besitz mit einer gewissen Feierlichkeit zu übergeben. Ich hoffe. Du wirst Freude daran haben. Gestern traf übrigens noch ein Gruy aus der D-rgangeicheit ein. Die ®eutfd>-af tätliche Dank ersuchte um Begleichung ber Akzepte, die Du dem russischen Generallonsul in als ilnteriagc für ein Darlehen gegeben hast. Ich habe die Angelegenheit sofort geordnet. Reues vmn Platze ist nicht zu melden. Alexe wird Dir überdies schon alles Wissenswerte erzählt haben. Die Heine Fveye traf ich gestern im Walde. Sie wohnt immer noch in Kappietsch und sieht recht aut aus .
„C©o bleibt Austien zum Donnerwetter?" fragte Gert, als er Alere diesen Brief Passus vorlas. ..Er ist durch Rußlanb zurückgereist, aber vielleicht hat man ihn in Ssarepta noch auf- gehalten — oder ber liebe Bruder Dorotheas hat sich feine Amourschaft anders überlegt. Das wäre Der Deübel . . •“
Man wollte nur einige -tage an der Riviera Ueiben, aber als die erste Woche vergangen war,
Ader labt Fast scheint es. als wenn bie gelbe Rasse den groben Kampf gegen die Vereinigten Staaten auf eigenem amerikanischen Boden auS- tragen wollte
So sagt man wohl nicht zu viel, wenn man als den Schwerpunkt be» augenblicklichen Weltgeschehens ben Stillen Ozean anspricht, ber in den vergangenen Jahrhunderten nur daS grobe sagenhafte Feld für abenteuerliche Fahrten war.
«malerisch?» Tal unb hangan auf einem Berg- weg? zwischen Alöen. Myrthengesträuch und zu- [ammcngcballtem Buschwerk wilder Rosen, da sollte sie die Erfahrung machen, daß ihr ftrate- gisches Spiel zur Rebenlache wurde unter der Wucht eines neuen Glücksgefühls, das doch nur ein altes war: eine Verjüngung deS Herzens wie bei Gert.
Der Weg wurde schmal bei einer Biegung, unb sie schritt voran unb sah auf einem Dor- sprung einen vollen Duschen Herbstblumen mit rötlichbunten, weih getupften groben Blüten, neigte sich vornüber und wollte sie pflücken. Da« bei glitt sie aus Steingeröll und @rbe unter ihr gaben nach, sie stürzte und rollte den Q£b* ^mg hinab. Gert schrie auf unb sprang ihr zu Hilfe, aber fie hatte fich nichts getan, fie war nur weitergerollt auf flacher Senkung, unfähig. den rebellischen Rock zu orbnen, und blieb halb ohnmächtig vor Schreck und Scham auf einer arünberasten Matte liegen. Gert kniete neben ihr. strich ihr das wilde Haar aus der Stirn und kühte sie auf den Mund, und ba schlug fie die Augen auf. unb er sah einen Blick mit fladem, dem Licht in ber Tiefe, und nun umschlang er sie unb drehte sie stürmisch an sich, unb sie erwiderte feine glutroten Küsse unb fühlte erschauernd: es waren keine .Küsse des Haffes", es waren Küsse der Liebe unb Leidenschaft, Küsse wie damals — wie damals . . .
. . Am Tage darauf war ihr Wiegmfest. Er hatte die Blumenläden geplündert unb ihren Salon in einen Rosenhag verwandelt Hier speiste man auch am Abend — man wollte gerade beute nicht mit ben anderen Gästen vereinigt fein. Aber man gab der Feier selbst beim Alleinsein äuherlich Ausdruck: Alexe war in grober Toilette. unb Gert hatte ben Frackanzug angelegt, bie letzte Errungenschaft aus Indien, wo man in ben internationalen Hotels ben schwarzen Spitzrock beim Diner nicht entbehren kann. Rcllür- lich hatte Gert sich auch um das Menü gekümmert unb einige Aenderungen vorgesehen und batte die Weine ausgewählt — es sollte ein Festmahl fein, denn dieser Geburtstag war gleich- zellig der Derlobungstag.
(Fortsetzung folgt)
Die Kirchenbehörde hat den LandeSkiicheillag zu einer Sitzung zufammengeruten. Zu den Gegenständen, bie aus die Tagesordnung gefetzt worden sind, gehört auch der Antrag, das evangelische Predigerseminar, das feit 1837 in Friedberg besteht, nach Darmstadt zu verlegm. Eine ausführliche Denkschrift über diese Frage ist den Abgeordneten des Landeskirchen tags zug-gangen. Bisher hat man nur gehört, dah die Stadt Friedberg energischen Widerspruch gegen die geplante Maßnahme erhoben hat, in der sie eine tiefgreifende Schädigung ihrer kommunalen Interessen sieht. Aber der ganze Plan hat doch auch eine grobe Bedeutung über den Friedberger Stadtkreis hinaus. Wird er verwirklicht, so verschwindet ein Dildunasinstllut aus unserer Provinz, so dah auch diese ein Interesse an ben Zentralisierungsabsichten der Behörde zu nehmen hat. Daneben und darüber hinaus ist die beabsichtigte Mahnahme aber auch eine Frage, die das hessische evangel sche Kirchen- voll interessieren muh. Denn nach mehr als einer Seite hin wird sie sich auswirken und auch unsere evangelischen Kirchenchristen in Mitleidenschaft ziehen.
Es werden durch die Verlegung des Predigerseminars Ko st en entstehen. Ob man es wagen darf, solche Kosten zu verursachen in einer Zell, in der es mit den kirchlichen Finanzen so kläglich bestellt ist. wie es freute der Fall ist. muh doch sehr gründlich überlegt werden. Die Besoldungsordnung der hessischen Pfarrer ist schon ein gut Stück nach rückwärts revidiert worden. Gelder, die während der vorigen Sitzungsperiode für außerordentlich wichtige Zweige des kirchlichen Lebens (Innere Mission u. a. in.) erhofft wurden, konnten wegen der Finanznot der Kirche nicht in den Voranschlag cingestelll werden. Der Ertrag der Kirchensteuer ist um einen hohen Betrag hinter ber erhofften Summe zurückgeblieben. Der Ausfall war ein über bie Maßen großer, so bah tatsächlich der Eingang nicht viel höher war als bie Hälfte der Berechnung. Die Sin-elgemeinben beabsichtigt man in erheblicher Weise heran zu ziehen, um die Finanzen ber Gesamtkirche zu sanieren. Enl- sprechenbe Summen sollen in ben Voranschlägen für 1925 eingestellt werden. Das ist wirtlich nicht der Augenblick, mit einem neuen Kostenprojekt, dessen grobe Dringlichkeit keineswegs bargetan werden kann, herauskommen. Es steht zu hoffen, daß die Kirchentagsabgeordneten sich in ihren Beschlüssen auch leiten lassen von ber Rücksicht auf die kirchlichen Steuerzahler, unb zum mindesten ben Plan zurückstellen auf künftige. bessere Zeiten.
Die den Abgeordneten vorgeregte Denkschrift sucht nachzuweifen, daß die Verlegung des Predigerseminars nicht so sehr hohe Kosten verursache. weil ber Staat bas Scminargebäubc in Friedberg gegen eine entsprechende ilntcrbria- gungsstätte in Darmstadt ein tauschen könne, und weil die beiden Professorenhäuser in Fnedberg für Hauserwerb in Darmstadt verwandt werden könnten. Diese Rechnung scheint sehr optimistisch zu sein. Iedenfalls kann von einer Verlegung erst dann ernstlich bie Rede sein, wenn man tue genauen Kompensationsobjekts kennt. Die beabsichtigte Unterbringung tx»s Seminars in den Darmstädter Landeskirchengebäuden könnte nur als ein Rotbehelf angesehen werden, dessen Unzulänglichkeit sich sehr bald Herausstellen touibe. Dann hätte man aber bie Möglichkeit bie FricD- berget Gebäude toieber zu benutzen, illusorisch gemacht und wäre zu großen Kosten gezwungen, wenn man nicht — unb auch das ist erwägenswert — das ganze Seminar beseitigen wollte.
Rassenkampf mit dem Klassenkampf konform.
Die Kolonisationspolittk ber Union geht nicht darauf aus, ein neues Voll zu unterwerfen. Die Union hat zu viele Fremdkörper in ttch. Sie muß damit rechnen, daß ihr angelfächfischer Kern immer mehr von fremdem Blut zerfreffcn wird. Die Kolonisation ber Vereinigten Staaten verfolgt nur den Zweck ber Sicherung ihrer Wirtschaft.
Sie haben dabei zu rechnen mit den Frei» heitSbestrebungen auf ben Philippinen, auf Kuba unb an anderen Stellen. In Dominica, Portoriko. Kuba wird bie harte Hand Onkel Sams welcher und überläßt schon den Landeskindem das undankbare Regierungsgefchäft. Hier besteht^ die Gefahr, daß die zu schnell aufgeftiegenen Völler sich überheben. Schon fühlen fie sich als die Erben, ohne doch die kulturellen Voraussetzungen hierfür zu besitzen. Hier draußen ist die Union oft zu weich, wie sie im Inneren in der Frage der Einwanderung oft zu hart ist.
Es ist für die Vereinigten Staaten auher-
Die Denkschrift will die Verlegung nach Darmstadt mit Gründen mannigfachen Ramen». die eine Gemeinsame haben, die 2hi8bilbung6- ftätte unserer evangelischen Pfarrer in die ßan- desientrale zu verlegen Zu diesem Siwdc wird das llrchllche Leben her Landeshauptstadt sehr ! »ervorgehoben. und die Möglichkeit wissenschaftlicher Weiterbildung IHochfchule' Mont. (Bknit man von der Zentralisierung nicht alles Hell ermattet und es gibt heute red>t viele Mönchen die ber Dezentralisation au» guten Gründen bas Wort reden - so käme eigentlich als Sitz des Seminars die Universitätsstadt Gießen in Betracht Denn die Fächer Die ür Theologen wertvoll sind, werden hier gelehrt als Hauptfächer, während fie auf der technischen Hochfchurt nur teilweise geboten werden und nur nebengeordnet sind. In Darmstadt ist allerdings der Sitz einer großen Anzahl kirchlicher Unternehmungen. Aber es ist schon eine Frage, ob das gut ist, unb ob es für das Leben m der Landeskirche nicht besser wäre, wenn man für einige dieser Unternehmungen den Sitz in Gießen Worms . Mainz ober Offen- dach schaffe. Denn Darmstadt ist von vielen Orten des Landes besonder» von Oberhessen auS nicht gerade leicht zu erreichen, so daß viele kirchlichen Verbände als Tagungsort da» günstig gelegene Frankfurt wählen. E» ist gar nicht im Interesse ber Landeskirche, wenn jede kirchliche Unternehmung .Darmstadt" abgeftem- pell fein muß. ganz abgesehen davon, daß sonst die »Provinz" zu sehr den An- 'chein einer Intertorität bekommt. der doch auch nicht unbedingt vorhanden ist. sicherlich auch nicht beabsichtigt wird Gerade gegen die Ausbildung ber Theologen in ber Landeshauptstadt erhoben fich schwere Bedenken. Man verliere fich nur iklcht in Theorien, sondern buchte auch die Praris Die größte Ai-zahl unserer hessischen Theologen weiden ßanbbfarrer werden. ES gibt aber für ben Landpfarrer fein größere- iln- glück als das. daß er sich in feinem Landpfarrer- beruf nicht glücklich fühlt, daß er fich kein große- res G'ück denken kann alS dieS. sobald als möglich in ber Stabt anzukommen Manch sonst recht tüchtiger Mensch leibet zum Schaden feiner Gemeind unb zum Schaben der eigenen Arbellsfreu- bigkeit daran, daß er fich vorkommt w.e eine .Peile in der falschen Fassung". Gr gewohnt sich nicht ans Land bleibt ein Fremder, und bie Menschen auf bem Land bleiben ihm auch fremb. Er fann eine rege Betriebsamkeit entfalten, aber weil er geteilten Herzens ist, ist seine Wirkfani- feit eine gebundene Das ist heute eine Gefahr. Sie ist seit ber Zeit großer geworben, al» ein großer Teil unserer jungen Theologen nach Studium unb jetzt auch Seminarzeit in der großen Stabt seine Laufbahn als städtische Psai-rassisten- ten beginnt Don ihnen sind eine ganze Anzahl nicht mehr fähig, auf bem Lande mit Erfolg zu arbeiten. Sie hatten das ttrchliche Leben, bas sie I in der Stabt sehen — da» aber hier nur einen Bruchteil der Bevölkerung zu ihnen führte — für mustergültig Ihr Auge hat keinen Blick mehr für ländlich' Kirchlichkeit unb Dauernfrömmigfeit unb bereu Dobürsnisse. Die seitherige Ausbildung unterer Pfarrer ließ ba schon viel zu wünschen übrig, sonst wäre ba» Bild so mancher Ratlosigkeit. Hilflosigkeit und LebenSsremdheit bei jungen Oanbpfarrern. bie ihre aus bie Stadt zugeschnittene Ausbildung hatten, nicht möglich getorfen, sonst hätten sie sich auch nicht so totunglücklich fühlen können in ihrem börslichett Wir- > kungslrcis. Qlbcr ein Offenbacher ober Darm- stäbter Pfarrassistent muß noch recht viel erleben । unb erlernen, wenn er Pfarrverwalter im Dorf»
> wirb. Kommt nun bas Seminar nach ®armftabt, so kann boot eine Musteranstatt geschaffen werden ' für städtische Pfarrer, nie aber wird die Dor- sblldung ausreichend fein für den oberhessischei'
Die Vereinigten Staaten sind wie ein Weller Park. Hier gibt es Platz für viele Menschen, die sich nicht beengen und die sich Spielraum genug lassen. Aus Gründen staatspolitischer Erwägungen schlossen sich die 'Vereinigten Staaten aber gegen die Einwanderung ab. ohne doch saturiert zu fein. Der Verschluß vor ber gelben Rasse war hermetisch, der für europäische Völker lieft einige Ventile auf, durch bie bauptstichlich anglogermanische Völler Einlaß sanden. Im Blickselb weiter Iahrhunderte menschlicher Geschichte ist dieser Abschluß vielleicht nicht günstig.
Die Lander auf dem anderen User des Stuken Ozeans. Iapan und China, sino wie übervolle Schalen, die ihren Inhalt ausschütten wollen. Die einzige Abschlußmöglichkeit ist ihnen setzt in der Mandschure, gegeben, die jährlich ungefähr eine halbe Millton Chinesen aufnimmt. Die heutige Bevölkerung von 22 Millionen kann noch auf fast 40 Millionen erhöht werden, ehe bie Manbschurei gesättigt ist
Die Iapaner besitzen von der Mandschurei nur einen schmalen Streifen an der Bahnlinie. Sie werden hier durch ben wachsenben russischen Widerstand gehemmt, mit bem sich Iapan in irgend einer Form wohl abfinden kann, der aber eine freie Einwanderung natürlich stark hemmt.
Eine andere Alöglichkeit des Abschlusses der gelben Rasse war Jndochina. Der Strom der gelben Einwanderung quillt hier bereits bi» ins tiesste Hinterindien Es gibt in jndochina schon mehr reiche chinesische als europäische Kaufleute. Iapan bekam durch den Weltkrieg noch eine Expansionsmögllchkeit in den früher deutschen Südseeinseln. Dadurch wurde sein Vorstoß gegen die Philippinen abgelenkt und Australien gefährdet, die einzige rein weiße Vormacht im Stillen Ozean.
1898 kamen die Vereinigten Staaten der Machtbeaierde der Japaner auf den Philippinen zuvor. Gleichzeitig wurden die Hawai-In- | ein unter dem nördlichen Wendekreis beseht. Hawai ist bad Gibraltar bes Stillen Ozeans. Hier steht ein Fünftel der gesamten amerikanischen Armee, ständig Gewehr bei Fuß. Sie Bevölkerung selbst besteht nur aus einigen Zehntausend Weißen unb etlichen hunderttausend Farbigen. Die Weißen als Arbeitgeber, die gelben als Arbeitnehmer. Und es ist bezeichnend, daß japanische Redakteure unb Intellektuelle ben Kulis ben Marxismus brachten. Dort geht der
ordentlich wichtig, einen Korridor in Mittel- amerila zu besitzen, durch den sie auch auf dem Seeweg in den Pazifik bringen können. Durch ben Panamakanal ist auch Mexiko in das amerikanische Interessengebiet direkt einbezogen. Aber wenn Amerlla auch um ben Panam.lkanal herum seine Garnisonen unterhält, so will es anscheinend heute noch gar nicht bie Angliederung dieser Gebiete Es wartet seine Zeit ab. um erst bie großen Probleme im Pazifik ber Lösung näher zu bringen.
Das große Problem des Pazifll ist bie Frage, wann in der gelben Welt ein einheitliches Rasseflefühl erwachsen wird. Vorläufig verhindert Iapan dies noch. Iapan kennt kein Rassegefühl, es hat nur Rationalgefühl. Iapan hat den Chinesen den Eingang in sein Inselreich verboten, es tut also das gleiche, was bie Union ben Chinesen unb Japanern tat. Chinas Rassegefühl dagegen ist so stark, baß ein deutscher Kaufmann wohl nicht mit Uinecht sagen konnte, in hundert Jahren find wir in China doch alle chinesisch. China, das eigentlich schon vor tausend Jahren hätte gestorben sein müssen, wird wohl länger unb zäher leben, als manches anbere Volk ber Erde. Ern Zusammengehen ber Chinesen iwt ben *217 al a i en scheitert wiederum an der grundlegenden Wesens- verschiebenheit dieser Rassen. Der Malaie pflegt das „Senang". was ungefähr soviel bedeutet, wie in der Sonne liegen unb sich die gebratenen Tauben in ben Munb fliegen lassen. Ein Zusammengehen ist ausgeschlossen, dagegen wäre es denkbar, daß der Chinese den Malaten adsorbiert. Das gleiche ist zu sagen von dem Anschluß der Inder unb der Mohammedaner in Indien und Vördevasien. Auch ihnen fehlt das vitale Moment.
Die U. S. A. spielen augenblicklich in China die Rolle, die sie seit vielen Jahren tn Südamerika spielen. Sie zetteln Revolutionen an unb schöpfen dabei ben Rahm ab. Sell 1903 hat sich die Zahl der Amerikaner in China vervierfacht Die Kukturpropaganba Amerikas kostet in China jährlich 10 Millionen Dollars. Den Löwenanteil davon bekommen die Missionen. Lio eigentlich nur amerikanische Handelsagenturen dar- steilen. So hat sich der amerikanische Export tn den letzten zwanzig Jahren um ein Vierfaches


