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Blatt

1Z5. Jahrgang

Dienstag, 8. September 1925

GicheimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfilätt-Vuch- und Zteindrvckeret R. Lange in Stehen. Zchristleitung und Seschäslsftelle: Lchulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen fürdieTagesnummervi» zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbindlichkeit.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re­klame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°,, Auf­schlag. - Derantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr.Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein.fürden Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Die (Eröffnung der Bölkerbundsverfammlung. I

(Senf, 7. Sept. (Wolff.) Die 7 Dvller- bunböDcrlammlung wurde heute vormittag 11 Uhr von dem französischen Ministerpräsidenten Pain- leve in feiner Eigenschaft als derzeitiger Bor- litzender deS DöllervundsrateS mit einer feier­lichen Begrüßungsansprache eröffnet. Der Refor- mationsfaal. in dem jährlich die Dölkerbunds- Versammlung Zusammentritt, war auf allen Tri­bünen überfüllt. Das Schauspiel der Ankunft der Dölkerbunds-Delegierten im Saal wurde auch heute mit grobem Interesse verfolgt. Als eine der ersten Delegationen er­schien die französische. Lhamberlain, der kurz daraus den Saal betrat, ging sogleich auf Briand zu und begrüßte ihn herzlich. Um 11.10 Uhr nahm der frcurzosisch? Ministerpräsident Painleve, von lebhaftem Beifall begrübt, den Präsidentenstuhl ein und eröffnete in breit» angelegter, alle Ausgaben des DölkerbundeS um- fassenden Rede die Dersammlüng Painleve spricht langsam und markiert die einzelnen Ab­schnitte feiner Rede auch nach ihrer Bedeutung. Besonderen Beifall findet die Bemerkung des Redners, dah Frankreich dem Gei st e des Genfer Protokolls treu bleibe, und bah die Anwendung von Gewalt mit der gleichen Energie von dem Lande verworfen werde, als es deren Opfer gewesen fei. Auch bei der Stelle, die sich auf die Frage deS Eintritts Deutsch­lands in den Völkerbund bezog, wieder­holte sich der Beifall. An dem stürmischen Ap­plaus nach der Rede nahm auch die von Presse und Publikum gefüllte Tribüne starken Anteil.

Die mit feierlicher Diktion vorgetragene Er­öffnungsansprache gab dem französischen Mi­nisterpräsidenten zuerst Anlaß, den Delegationen der Bölkerbundsverfammlung seine Grüße ->' ent­bieten und für die Ehre zu danken, die Frankreich mit der heutigen Erössnung der BölkerbuiwLwsr- sammlung zufalle. Die ungeheuren Hoffnungen, die die Welt auf den Völkerbund seht, können nur schrittweise verwirklicht werden. Die ewig Mihtrauischen verkünden bereits mit großer Scha­denfreude den Tob des Völkerbundes, weil es ihm nicht gelungen Ist. mit einem einzigen Strich die furchtbaren Kräfte der Zerstörung, die unsere alte Welt betroffen haben, .zu bewältigen. Man darf aber auch hier sagen, bah jene, die man einmal tot gesagt hat. lange leben. Wenn heute Frank­reich die Mission zufalle, die Arbeiten der Völker­bundsversammlung zu eröffnen, so bestätige heute Frankreich neuerlich gegenüber der ganzen Welt feine Ergebenheit für den Völkerbund und sein Vertrauen in feine segensreiche 'Tätigkeit. Wenn ein unparteiischer Richter damit beauftragt würde, den Wert des Völkerbundes in den ersten fünf Jahren seines Bestehens zu beurteilen, so würde er überrascht sein von der Entwicklung des Völ­kerbundes, dessen Aufgabe indessen nicht nur darin liege, Konflikte za schlichten und Konven­tionell auszuarbeiten, der vielmehr dazu be­rufen fei,

eine neue Denkungsart in der Dcli tnb eine neue Moral unter den Böllern

zu schassen. Diese doppelte Mission habe der Völkerbund unter Anspannung der äußersten Kräfte vollbracht, ohne indessen die Gren­zen seiner Kraft zu überschreiten.

Painlevö gab dann einen Ueberblick über die Tätigkeit des Völkerbundes. Der Völkerbund habe zur Erreichung deS wirtschaftlichen Wieder­aufbaues in Oesterreich und Ungarn bei­getragen. Die Anstrengungen dieser beiden Län­der wie auch des Generallommissars des Völker­bundes seien so gut ausgelaufen, daß ihr finan­zieller Wiederaufbau in einer unerwartet kurzen Frist zu einem guten Ende geführt wurde und daß für Oesterreich bereits die Frage bestehe, ob die Finanzkontrolle des Völkerbundes nicht bald ausgehoben werden könne. _3um Beweis für die Leistungsfähigkeit deS Völker­bundes brauche man ferner nur an die vielfachen Schwierigkeiten Polens und der Freien Stadt Danzig zu erinnern, die durch geschickte Ar­beit des spanischen Ratsmitgliedes Ouinoncs de Leon einer glücklichen Lösung entgegen­geführt worden feien. Die Vertreter Polens in Danzig hätten sich dahin verpflichtet, sich künftig jeder direkten Aktion zu enthalten. Auch in den heiklen und gefährlichen Konflikten über militärische Fragen habe dec Völkerbund schlichtend gewirkt, und am Balkan und im nahen Orient habe er zur friedlichen Regelung verschie­dener Konflikte beigetragen. Zur Zeit versuche der Völkerbund mit seinen objektiven Methoden die Grenzen des Irak festzusehen und die M o s s u l f r a g e zu regeln.

Aber alle diese Fragen, so bedeutend sie auch in ihren Rückwirkungen auf die ganze Welt seien, treten gegenüber dem Hauptproblem, dem

Problem der Sicherheit, vollständig in ben Hintergrund. Das Verlangen nach einem Frieden, der auf die Gerechtigkeit be­gründet ist. nach einer Welt, in der die Gewalt nicht mehr herrschen würde, haben den Dölker- bundspakt und insbesondere dessen wesentlichen Teil zustande gebracht, der in den Artikeln 14, 15 und 16 niedergelegt ist. Um aber diese Artikel den verschicL»enen Möglichkeiten anzupassen und die allgemeinen Bedingungen in ihren Einzel­heiten festzulegen, um ihnen ihre ganze Wirksam­keit zu verleihen, sind ergänzende Kon­ventionen unentbehrlich Die bedeutendsten Persönlichkeiten des Völkerbundes arbeiten denn auch seit feiner Gründung eifrig an der Aus­stellung solcher Konventionen, die trotz ihres obli- gatorischen Charakters die Souveränität der

Völker respektieren. Die daraus gerichteten An­strengungen hätten keineswegs den Keim des Widerspruchs in sich Sie bedeuteten vielmehr Schritt für Schritt die Lieberwindung ungeheurer Schwierigkeiten, die eine nach der anderen über­wunden werden würden.

Am Schlüsse der letztjährigen Völkerbunds- Versammlung habe Paul Boncourt vor der Dersammlüng erklärt, bah das ® e n f er Pro­tokoll keine Abänderung, sondern nur ein Kom­mentar zu dem DölkerbundsPakt sei. Damit rech­neten die Urheber des Genfer Protokolls auf dessen sofortige An nähme durch die Re­gierungen. Man dürfe sich weder enttäuschen noch entmutigen lassen, wenn diese Hoffnungen nicht in Erfüllung gegangen seien. Wenn auch das Genfer Protokoll und die Abrüstungskon­ferenz vertagt werden muhten, so seien heute zwischen den am meisten am Sicherheitsproblem interessierten Staaten Verhandlungen im Gange, um zu Vereinbarungen ober Schiebs- verträgen zu gelangen, die mit dem Dölker- bunbspakt im Einklang stehen und bie Aufrecht­erhaltung bes Friebens sichern. Durch bas Er­gebnis biefer Verhanblungen. wenn sie zum Ziele führen, sollen gewisse Rationen, die Dölker- bunbsmitglieder sinb, durch analoge Bedingungen untereinanber gebunden werden, wie sie das Genfer Protokoll vorsah. Diese Bedingungen sind von dem gleichen Geiste beseelt und unter­scheiden sich von dem Genfer Protokoll nur da­durch. bah bie Verträge nur für einige Staaten gelten sollen.» So werde ber ge­plante Rheinpakt nur bie Staaten umfassen, unter denen Schwierigkeiten entstehen könrtten. Das Genfer Protokoll ermögliche solche Sonder­abkommen, die in keiner Weise mit den allge­meinen Regeln des Genfer Protokolls im Wider­sprach stehen. Hinsichtlich ber Echie bs Ver­träge erklärte Painleve, bah die SchiebSver- träge, wie sie vom Döllerbund vorgesehen sind, feine QIu snahine zulassen. Ihre Ausführung hänge nicht allein von bem guten Glauben unb den Abmachungen der Unterzeichner ab. sondern von der Garantie, bie ber Völkerbund selbst bietet.

Das Sicherheitsproblem muh vor ber Ab­rüstung geregelt werden.

Jede Llrnkehrung dieser Reihenfolge würde große Gefahren für den Frieden mit sich bringen. Auf einen Hinweis daraus, bah bas Protokoll über die internationale Kontrolle bes Wassenhanbels bereits von 29 Staaten unterzeichnet wurde, gab Painleve bie Anregung, daß bie biesjahrige Dölkerbundsversammlung ben Entschluß ber letzt- jährigen Versammlung erneuern unb ben Völker- bundSrat zur Vorbereitung einer Konferenz zur Herabsetzung ber Rüstungen auffor­dern möge, sobald nach Auffassung des Rates genügenbe Garantien für die Sicherheit vorhanden seien. Painleve gab sodann die feierliche Erkla- rung, bah ber Völkerbunb auf die unbedingte unb vorbehaltlose Mitarbeit Frankreichs rechnen könne. Frankreich bleibe dem Geiste bes Dölker- bunbes treu und verwerfe jede Anwendung von Gewalt mit der großen Entschiedenarbeit zum Wohle der Menschheit berufen seien.

Zur Frage des Beitritts Deutsch­lands zum Völkerbund erklärte Painleve: Es ist wichtig, bah der Völkerbund vollkommen die Rolle eines den Frieden schützenden Organismus svielcn kann. Im Jahre 1920 hat der damalige schweizerische Bundespräsident Motta aufs leb­hafteste den Tag herbeigewünscht, den wir mit ihm herbeiwünschten, an dem alle Völker dem Völkerbund sich anschließen. Damals zählte die Völkerbundsversammlung 41 Staaten, heute zählt sie 54. Am 12. D^ember 1924 richtete Deutsch­land an ben Völkerbunb einen Dries, der dve Bedingungen der Aufnahme in den Völkerbund betrat Deutschland gab darin seiner Besorgnis gegenüber b^m Artikel 16 des Dölkerbundspaktes unb ber eventuellen Verpflichtung zur Bewil­ligung des Durchmarsches der Trup­pen anberer bem Völkerbunb ange­schlossener Staaten Ausdruck gab. Am 15. März 1925 erinnerte der Dölkerdundsrat Deutschland in seiner Antwort einstimmig an die formellen Bestimmungen zum Bei­tritt eines Staates in den Völkerbund, die in bem Artikel 1 des Völkerbunds Paktes nieberge- legt sind.

Der Völkerbund versuchte, die Befürchtungen der deutschen Regierung zu zerstreuen unb sprach Deutschland gegenüber den aufrichtigen Wunsch aus, es an den Arbeiten des Völkerbundes teil- nchmen unb damit für bie friedliche Organisation eine Rolle übernehmen zu sehen, die seiner Stel­lung in der Welt entspricht. Die Völkerbunds- Versammlung schlicht sich sicherlich einstimmig die­sem Wunsche des Völkerbundsrates an.

In der Rachmittagssitzung des Völkerhundes wurde zur

Reuwahl des Präsidenten geschritten. Rach kurzer Zeit verkündigte der Präsident das Resultat der Wahl:Senator D a n b u r a n b, der Vertreter Kanadas ist mit 41 von 47 abgegebenen Stimmen gewählt." Painleve beglückwünschte ihn herzlich und wies darauf hin, daß in Kanada Franzosen unb Engländer friedlich nebeneinander wohnten. Dan- durand nahm hierauf unter allgemeinem Beifall den Präsidentenstuhl ein jmb hielt eine kurze Ansprache, in ber er ber Dersammlüng seinen herzlichen Dank für die Ehrung Kanadas aus­sprach. Kanada fei ein junger Staat und erst in letzter Zeit in die internationale Welt ein» gereiht worden. Der Völkerbund habe sich seit

fünf Jahren außerordentlich entwickelt. Die grohen Skeptiker seien heute gezwungen, ihn als Tatsache anzuerkennen. Dandurand schloß mit den Worten: ..Ich bin der festen ileberjeu- gung. daß die gemeinsame Arbeit ber Politiker unb der Juristen unb technischen Sachverstän­digen ein Werk ber Gerechtigkeit unb des Frie­dens schassen werbe." Hierauf übersetzte Dan- durand seine in französischer Sprache gehaltene Rede ins Englische unb machte sobann von bem Ableben bes früheren französischen Minister- präsibenten Diviani Mitteilung Er erwähnte lobend seine Derbienste um ben Dölkerbunb und sprach Frankreich sein herzliches Beileib aus. Briand bankte im (Kamen Frankreichs. Hierauf würbe bie Tagesorbnung für die nächste Doll­versammlung angenommen unb sechs grohe Kom­missionen des VölkerbunbeS. wie im letzten Jahre, eingesetzt Es sind dies: 1. Juristische Kommission, 2. die Kommission für technische Fragen, 3. die Abrüstungs-Kommission, 4. die Budget-Kommission, 5. die Kommission für so­ziale Fragen, 6. die Kommission für pölitische Fragen. Die Kommissionen, in denen jeder Staat durch einen Delegierten vertreten ist. werden im Lause des Dienstags sich selbst ihre Dor- sitzenden wählen.

Die Deutschen in Polen an den Völkerbund.

Genf, 8. Sept. ($11.) Am späten Abend des Erössnungstages der Döllerbundsvecsammlung wurde bekannt, dah bem Döllerbund eine Denk­schrift der deutschen Minderheiten in Polen überreicht wurde, in der diese sich an den Döllerbund wenden mit dem Ersuchen um ein Eingreifen gegen die Bestimmungen des polnischen Agrarresormgesetzes. Der polnische Auhenminister Skrzhnski bat gestern nachmittag den Vorsitzenden der deutschen Vereinigung im Warschauer Sejm und Senat. Eugen Raumann, zur Besprechung der Denk­schrift empfangen.In den sechs Jahren der Herrschaft", so Heißt eS in der Denkschrift,hat es Polen verstanden, drei Viertel des Deutschtums der abgetretenen preußischen Provinzen aus ihrer Heimat zu verdrängen. Durch die mittelalterlichen Optantenausweisun­gen soll dieser Entdeutschungsprozeß noch weiter fortgesetzt werben, sind doch von 1,2 Millionen Leuten nur 300 000 in ihrer Heimat verblieben. Der Hilferuf des Volles wirft ein grelles Licht auf die durch das Friedens- diktat geschaffenen unhaltbaren Verhältnisse. Morituri t~ falutant! rufen die Deutschen in Polen ihrem hohen Garanten zu. wie sie schon so oft gerufen haben, ohne daß die erschüttern­den Ausweisungen der 900 000 verhindert wur­den. Wenn der Döllerbund ernsthaft beabsich­tigt, die Deutschen in der Welt nicht länger als Parias der Rationen zu behandeln, muh er den Rotschrei ber deutschen Minderheiten in Polen mit unverzüglichen Rettungsmaßnahmen beant­worten. Die Unkultur, die sich im Korridor breit macht, die deutsche Arbeit zu vertreiben, gefährdet den Frieden der Welt."

Briand über die Sicher­heitsverhandlungen.

Vor einer Besprechung mit Dr. Stresernann.

Berlin, 8. Sept Die Morgenblätter geben eine Unterredung B r i a n b s mit einem deutschen P r e s s e o e r t r e t c r wieder, in ber Briand bie bestimmte Erwartung äußerte, mit Dr. Stresernann Enbe September zusarnmenzu- treffen. Als ben spätesten Termin betrachtet er An­fang Oktober. Briand erklärte bann weiter, es läge jetzt an Deutschlanb. bas entfdjcibenbe wort zu sprechen. Briand werde auch aus dieser Konferenz seine ehrliche Friedenspolitik sortsetzen. wörtlich sagte der französische Außenminister bann:Sagen Sie, bah I d) meine Karten offen auf ben Tisch legen werbe, baß ich ben J rieben zwischen Deutschlanb unb Frankreich will, wir wollen offen über alles sprechen, wir müssen eine e n b g ü l f i g e Cöfung für unsere Cänber finden, oder wir gehen alle zugrunde, wir sind Dr. Stresernann entgegengekommen, um ihm seine Politik zu er­leichtern. wenn er auf die Konferenz kommt, soll er wissen, daß er festen Boden unter ben Füßen hat. wir werben uns auch über bie Frage ber Abrüstung unb der Räumung bes befet­ten Gebietes einigen, wenn ber Sicher- h e i t s p a ft abgeschlossen ist. wenn wir auf ber Konferenz auch Herrn Luther sehen, so wirb das unserer Arbeit einen besonderen Impuls geben, wirtschaftlich ist bie deutsch-französische Derständi- gung durchaus möglich: sie wird zum Teil schon eingeleitet. Auf politischem Gebiete wirb sie schwie­riger, aber boch möglich fein.

Das (Ergebnis ber IuristenKonserenz.

Genf, 7. Sept- (TU) Heber die Ankunft der Londoner Sachverständigen Sir Eecil Hurst und Fromageot. die heute früh in Genf cin- getroffen sind, schreibt dasJournal de Geneve": Die Reuigkeiten. die die Sachverständigen über ihre Beratungen in London mitgebrachi haben, haben in Dölkerbundskreisen einen gewissen Op­timismus wachgerufen. Die Londoner ilniet-

handlungen sind im allgemeinen günstiger verlause n als man erwartet hat und haben bewiesen, bah die Gegensätze nicht unüber­windlich sind. Die Sachverständigen haben auf der Grundlage eines rechtlich fest- gelegten Testes verhandelt, der vielmehr ein Memorandum als ein Vertragsentwurf ist. Die in London erzielten Resultate werden als Grundlage für eine Konferenz der Außenminister gelten, von deren Zusammenkunft man sich einen recht schnellen Ersolg verspricht Jedenfalls herrscht der Anschein vor. daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund nicht mehr ein volles Jahr bi3 zur nächsten Voll­versammlung hinausgeschoben werde und daß in einer oder anderen Form eine Lösung ?iefunbcn werden nrüsse. die Kandidatur Deulsch- ands schon in dieser Vollversammlung zu unter­breiten.

Der Bericht dcr juristischen Sachverstän­digen ist nach einer Mitteilung derTimeS" den einzelnen Regierungen überreicht worden. Wie daS Blatt wissen will, sind von den Sach­verständigen erstens der Briandsche Ent­wurf des Sicherheit-Paktes, der während seines Besuches von ihm vorbereitet war, und zweiten- der Wortlaut der vorgeschlagenen SchiedS- g e r i ch t S v e rl r äg e zwischen Frankreich unb Deutschland sowie Belgien und Deutschland dis­kutiert worden. Die Besprechung deS ProblenrS der östlichen Schiedsgerichtsverträge sei aber einem späteren Datum überlassen worden. In allen Hauptsragen des SicherhcitS- paktes und des westlichen Schiedsgerichtsvertra­ges soll vollkommene ilebcrcinftim- m un g zwischen den Sachverständigen erzielt wor­den sein. Rur noch über einige weniger wichtige Einzelheiten müsse man sich in Zukunft einigen.

Die Ausgaben berdeutfcheuLustschifsahrt

Dr. (?(fetter über den Zweck der Zeppelinspendc.

Magdeburg, 7. Sept. (WT2.) Einem Berliner Vertreter derMagdeburger Zeitung" gegenüber betonte Dr. Eckener, bah er noch sehr viel Geld brauche, um das Werk zu erhalten und sortsühren zu können Mindestens vier bist fünf Millionen sind notwendig, um die Werst und ihr geschultes Personal zu erhalten. Die Gefahr ist akut, daß unsere besten Inge­nieure und Mechaniker fortgehen, wenn wir ihnen garnichis ober nicht so viel geben können, wie sie verdienen müssen. Was wir von Deutschland fordern, g eschieht nicht aus per­sönlichem Eigennutz.. Wir fordern von ihm, bah es seinen Lebenswillen beweist. Der Untergang derShenandoah" Hal wieder be­wiesen, wie sehr das Luftschiff noch immer geisti­ges Eigentum Deutschlands ist. Seit dem Jahre 1913 sind alle Lustschifskatastrophen mit Todes­opfern, die nicht auf Kriegsmahnahmen zurück- zuführen sind, außerhalb der deutschen Grenzen passiert mit Besatzungen, unter denen sich kein geschultes deutsches Perso- n a l befand. Ich selbst bin bei sehr schwerem Wetter gefahren. Aber es ist mir noch immer! gelungen, das Schiff in der Hand zu behalten unb ich gebe Ihnen hier die Versicherung, unter deutscher Führung und mit deutschem ge­schulten Personal wäre das An glück nicht passiert. Dah das Zeppelinluftschiff längst aus dem Stadium des unsicheren Experimen­tierens heraus ist, haben die großen Fahrten unserer Luftschiffe während des Krieges gezeigt. L. Z. 126 war in allen feinen Teilen das Ergeb­nis unserer 25jährigen Erfahrungen und eS hat durch feine Amerikareise den Beweis für die Möglichkeit des internationalen Luftverkehrs er­bracht. Damit wir aber diese Möglichkeit in die Tat umsetzen können, muh uns das deutsche Volk dazu die Mittel in die Hand geben, sonst stirbt die große Idee des Grasen Zeppelin unb niemand wird sie wieder erwecken können. Die Summe, die ich jetzt zunächst brauche, ist ver­hältnismäßig gering. S c werden es aber ver­stehen, wenn ich es trotzdem abgelehnt habe, an das Reich heranzutreten 3d) hoffe, daß das deutsche Volk die Erhallung des Werkes des Grafen Zeppelin als nationale Frage erster Ordnung ansieh? Man hat mich in den letzten Wochen häufig gefragt, .toarum teir zur Zeppelin- Eckener-Spende schon jetzt aufgerufen haben, wo wir doch noch garnicht die Banerlaubnis für ein Rordpolschift erhallen haben und wo es doch noch garnicht erwiesen fei, ob wir sie überhaupt br- fommen werden Einen Grund habe ich Ihnen schon gesagt- Wir find in einer wirtschaftlichen Rotlage unb müssen uner Werk schlie­ßen. wenn toir keine neuen Mittel bekommen. Der zweite Grunb aber ist der entscheidende: Wir wollen der ganzen Welt zeigen, daß daS aanze deutsche Voll den Willen hat, die Luftfchillahrt von den törichten Fesseln der Be­griffsbestimmung zu be'reie.i unb ber Welt eine kulturelle Idee von einer derartigen Bedeutung zu erhalten. Sagen 6 e Ihren Lesern, mit jeder erftaricn Zigarette, mit jedem Glafe Bier ober Wein, mit jedem Kinobillet, das der Spende zugute könnt, ist uns gedient. Werm jeder Deutsche nur 10 Ptennipe gibt, find wir über den Berg. Eins muß jeder int Auge haben, nicht der Po^arflug, der gewiß ernster Forschung dienen soll, ist die Hauptsache, sondern die Er­haltung und Fortführung deS Wer­kes. das die Böller untereinander verbindet und damit bem wahrhaften neuen Frieden die­nen soll.