Fraulein Fob.
Roman von Anders Eje.
15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Denn diese Wirtin ist Fräulein Karoline Thorben, die Schwester der Exzellenz und die Tante Fräulein Fobs. Sie hört das Rädergesaus eines ihrer Wagen immer schon von weitem und versäumt niemals, selbst auf die Treppe zum Empfang zu kommen. Sie tritt heraus auf die Treppe mit ihrer ernsten Miene und ihren lustig blinkenden Augen, und alle, die kommen, — mag es ein Rotar oder ein Prinz sein — begrüßt sie mit den gleichen Worten:
„Willkommen auf Carolyi. Llnd jetzt kümmern Sie sich selbst um alles I"
Als Exzellenz Thorben seiner Schwester mit leichter Hand die Villa Carolyi schenkte, mit dreihundert Morgen Aecker, Wiesen, Park und Wald, Gobelins, Teppichen und Kronleuchtern, stand in der Schenkungsurkunde nichts von den Absichten dieses Präsentes. Filimon Thorben hatte aber seine Gründe, warum er seiner Schwester nicht ein Palais in der Hauptstadt schenkte. Radikal bis in die Fingerspitzen, tolerant bis an die äußersten Grenzen des Skandals, erkannte er trotzdem die Gefahr einer eventuellen Schule im Herzen des Landes, die Schwester Karoline als Leiterin und spiritus rector hätte. Der Kauf der Villa Carolyi war also streng genommen ein Opfer an die verwünschte Konvention, aber da er gleichzeitig auch als ein gutes Geschäft betrachtet werden konnte, beruhigte sich das Gewissen der Exzellenz. Als er dann sah, wie sich die Llmgangsformen in der Villa Ca° rollst gestalteten, war er herzlich froh, daß die nächste kleine Eisenbahnstation sieben Kilometer weit entfernt lag.
Fräulein Karoline hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Ehe zu bekämpfen. Sie betrachtete das Eheversprechen als den Höhepunkt alles Humbugs, — daß der eine Mensch versprach, den anderen in Lust und Leid und für alle Zukunft zu lieben, erschien ihr nicht nur unrecht, sondern auch lächerlich. Mit der gleichen Aussicht auf Verwirklichung konnte der Pfarrer in der
Kirche aufstehen und seinen Brüdern im Glauben Sonnenschein und schönes Wetter für den Johannistag 1930 versprechen. Aber so dumm war lein Pfarrer, sagte Fräulein Karoline, trotzdem sie die Intelligenz der Pfarrer gar nicht hoch einschätzte. Was die Ehe selbst betrifft, war sie die unmoralischste Einrichtung einer veralteten Gesellschaftsordnung. Sie lud nur zu Zwang, Verstellung und Falschheit ein, wenn nicht die Ehrlichkeit der Vertragschließenden zu täglichen Auftritten führte oder zum einzig Vernünftigen und Moralischen, zur Scheidung.
„Was veranlaßt denn," fragte Fräulein Karoline, „einen Mann gewöhnlich, sich nach einer Frau umzusehen? Ganz das gleiche, das seine Wahl entscheidet, wenn er sich ein Mittagessen bestellt oder eine Wohnung mietet, sein Geschmack, seine Gewohnheiten, seine Sympathien. Alles dies sind aber veränderliche Faktoren, und das weiß auch jeder vernünftige Mann. Auch wenn er Lachsmayonnaise über alles liebt, auch wenn er sich am wohlsten bei Tapeten in dunklem Vurgunderrot fühlt, fällt es ihm doch niemals ein, die Speisekarte oder den Mietkontrakt für Lebenszeit zu schreiben. Aber der ehelichen Lachs- mayonnaise soll er ewige Liebe schwören, auch wenn er ahnt, daß er schließlich keinen Vissen mehr davon nehmen kann. Bluff, Humbug....."
Dies war die theoretische Seite der Sache. Für die praktische hatte Fräulein Thorben soviele Beweise, daß sie mit ihnen das ganze obere Stockwerk der Villa füllen konnte.
Der Ordnung halber teilte Fräulein Fobs Tante die Ehe in drei Klassen ein: die offenbar unglücklichen, die heimlich unglücklichen, und die scheinbar glücklichen. Gegen die beiden ersten Kategorien hatte sie nichts einzuwenden, gegen die letzte hegte sie Mißtrauen, ja beinahe Hatz. Den Mann (ober die Frau), der nicht von der Veränderlichkeit der Gefühle überzeugt war, sah sie als einen unglaublichen Humbug an, und jeder Humbug hatte in ihr einen unversöhnlichen Feind. Lieber Gatten, die nach fünfzehnjähriger Ehe noch immer zärtlich aneinanderhingen und sich Kosenamen gaben, konnte Fräulein Karoline nutzer sich vor Zorn und Verachtung geraten. Sie nannte sie pervers und konnte sich Tage und
Rächte lang anstrengen, um sie zu enthüllen. Es mußte, sagte sie, irgendein organischer Fehler an ihm oder an ihr sein, der sie nicht einmal nach zehnjähriger Ehe sich aus ihrem Rest heraus sehnen ließ.
Der Propaganda des Fräulein Karoline (die darauf ausging, beabsichtigten Ehen vorzubeugen und die scheinbar glücklichen zu enthüllen) waren auch die ästhetischen Gesichtspunkte nicht fremd. Ein Ehepaar, Arm in Arm, schweigend, mit sauren und vergrämten Mienen, war der richtige Anblick für ihr Herz, — ebenso wie ein Paar junger Menschen, die ein von der gesellschaftlichen Moral verpöntes Glück genossen. Seht, rief sie aus, seht und vergleicht! Kann man sich etwas Unappetitlicheres denken, als die zwei dort mit den Eheringen und den unbezahlten Rechnungen. Erinnerst du dich, datz du versprochen hast, mich in Leid und Freude zu lieben? Sie: vergiß nicht, was du mir als deiner Frau schuldig bist, er: weiht du noch, was ich von dir zu fordern berechtigt bin, entweder du willst, oder nicht. Ist das nicht ekelhaft, aufreizend, widerlich?
Lind dann die beiden andern, die den Gesehen und der Moral die Spitze zu bieten wagen, deswegen, weil sie ehrlich gegen ihre Gefühle sind. Ich fühle wahrhaftig eine sündhafte Lust, sie gu umarmen, sagt Fräulein Karoline — oft nur deswegen, weil sie so schön sind, wie sie dahingehen. Hätte ich Filis Geld, würde ich mehrere tausend Zweizimmerwohnungen für liebende Paare möblieren, weil es ganz einfach haarsträubend ist, daß es anständige Hotels gibt, die ihnen die Aufnahme verweigern.
Aber trotzdem Fräulein Karoline nicht Filis Geld hat, ist sie dennoch nicht untätig. Sie sollten ihre Sammlung aufklärender Dokumente sehen. Dor allem hat sie die Kamera in den Dienst ihrer Arbeit gestellt, schließlich auch die Filmkamera, die lautlos arbeitende Filmkamera. Sie besitzt über zwölftausend Photographien von Situationen, die einen handgreiflichen Beweis von ebensoviel unglücklichen Ehen geben, und fast achttausend Porträts von unverheirateten älteren Männern, deren Angesicht von Zufriedenheit strahlt. In dreißig Dokumentenschachteln liegen die Berichte von unglücklichen Ehen aufbewahrt.
Das sind Spuren, die erschrecken, — oder dltz die Heiratslustigen mindestens erschrecken sollten, und doch hat Fräulein Karoline mit ihrem Beweismaterial keinerlei Triumphe gefeiert. Alle Verlobten im Lande hatte sie eingeladen, ihre Sammlungen zu betrachten, der Zustrom von Gästen auf Carolyi ist aber bisher über den Freundes- und Bekanntenkreis nicht hinausgegangen. Fräulein Karoline wartet tatsächlich den Augenblick ab, da ihr Material ihr Gelegenheit geben wird, ihre Propaganda auf die gesetzgebende Versammlung des Landes zu übertragen. Auf den Film als Erziehungsmittel seht sie die größten Hoffnungen.
Filimon Thorben hat immer die größte Eile, außer wenn er mit Fob beisammen sein kann. Seine Schwester hat daher ihren Bruder in ihre eherevolutionären Pläne noch nicht richtig ein« weihen können. Ein einzigesmal hat er sie ganze zehn Minuten angehört.
„All right," nickte der alte Fili, während Karoline Atem schöpfte, „ich verstehe dich vollständig. Du willst die Ehe abschaffen, sowohl die kirchliche wie die bürgerliche. Meinetwegen. Aber was willst du an ihre Stelle sehen?"
Fräulein Karoline war auf diese Frage vorbereitet.
„Den Vertrag. Einen Vertrag zwischen beiden Teilen auf höchstens ein Jahr,-.mit gegenseitiger sechswöchentlicher Kündigung.'Einen Vertrag mit Klauseln über Kinder und Versorgungs- Pflichten und alles andere Wirtschaftliche. Aber nur nichts von ewiger Liebe!"
„Tja," schmunzelte der Finanzminister, „wenn du nur nicht eine anständige staatliche Stempelabgabe vergißt .....“
„Daran habe ich auch schon gedacht." antwortete Karoline ernst, „die Große der Stempelabgabe mühte in einem gewissen Verhältnis zur Geltungsdauer des Vertrages stehen. Aber dies auszurechnen wird deine Sache sein. Die Hauptsache ist, daß man die Stempel in allen Zigarrengeschäften der Stadt erhält, und daß mindestens ein paar Zigarrengeschäfte in jedem Stadtteil auch noch am späten Abend offen sind."
(Fortsetzung folgt.)
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6 Uhr nachmittags: Festsitzung. - Vortrag von Professor Dr. Scheumann (Gießen): „Optische Bilder vom Bau und von den inneren Zuständen mineralischer Körper“. Vortrag von Professor Dr. W. J. Schmidt (Bonn): „Die Bedeutung des polarisierten Lichts für die mikroskopische Untersuchung von Lebewesen“.
Sonntag, den 12. Juli:
9—12 Uhr vormittags: Optisch-mechanische Ausstellung mit Vorführungen (9 — 10.30), (öffentlich).
10.45 Uhr vormittags: Festsitzung in der Neuen Aula. Vortrag von Professor Dr. Gürtler (Charlottenburg): „Die neueren optischen Untersuchungs-Methoden der Metalle, besonders des Eisens“.
Vortrag von Professor Dr. Gehlhoff (Berlin): „Moderne elektrische Beleuchtung“.
3.30 Uhr nachmittags: Fortsetzung der Festsitzung in der Neuen Aula: Vortrag von Dr. Lihotzky (Wetzlar): „Aufbau und Technik eines Kinoapparates“.
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