Ausgabe 
8.7.1925
 
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Hierauf wiederholt der Verteidiger des An- gesagten den Vertagungsantrag, der kurzerhand abgelehnt wird. Auch ein weiterer Antrag des Staatsanivatts Dr. Hofmann, den Sachver­ständigen wegen der Besorgnis der Befangenheit abzulehnen, wird seitens des Gerichts abgelehnt.

Hierauf werden die 3 Kreisärzte als Sach­verständige vernommen, die seinerzeit die acht Leichen seziart haben. Die Sachverständigen führen die Todesursache durchweg auf die Verletzungen durch die Beilhiebe bzw. Stiche mit dem Hirsch­fänger zurück.

Cs werden darauf die Zeugen Strafanstalts­oberwachtmeister Rohrmann und Polizei­betriebsassistent Strelow aus Wetzlar ver­nommen, die nach Aufdeckung der Mordtat mit ihren Polizeihunden die Spuren an Ort und Stelle aufnahmen. Sie bekunden, daß ihre Hunde die Spur von der Kassette aus durch den Garten über den Zaun hinweg bis zu der Stelle ver­folgten, wo Angerstein seinerzeit verwundet auf­gefunden worden ist.

Der Kriminalsekretär Michel aus Frank­furt a. M. gibt nun eine anschauliche Schilde­rung über seine Ermittelungen als Mitglied der Mordkommission am Morgen nach der Tat. Rach der ganzen damals vorgefundenen Sach­lage, insbesondere, weil die Bureauräume in bester Ordnung vorgefunden wurden, war es dem Zeugen von vornherein klar, daß man es hier nicht mit der Tat einer Räuberbande von 1520 Mann zu tun hatte, sondern daß es sich nur um das Werk einer einzigen Perfon han­deln könne. Als man daraufhin dem Angeklag­ten im Krankenhause die Tat auf den Kopf zu- sagte, blieb dieser kühl. Er sagte nur:O, o, meine Frau ist tot?, und blieb dabei, von nichts zu wissen. Als man den Angeklagten aus dem Krankenhaus in einer Tragbahre in die Leichen­halle brachte und ihm die Leiche seiner Frau vorlegte, sagte Angerstein:Ich kann ja nichts sehen!" Darauf hob man das Kopfende in die Höhe, damit der Angeklagte die Leiche seiner Frau besser sehen konnte. Angerstein blieb aber kühl, woraus der Zeuge folgert, daß der An­geklagte planmäßig gehandelt hat.

Hierauf wird der Gerichtschemiker Prof. Dr. Popp als Sachverständiger und als Zeuge ver­nommen. Dieser Sachverständige kam allein aus der Lage und den Verletzungen des Hundes im Keller auf den Gedanken der Täterschaft durch An­gerstein. Er begründet unter Vorlage des präpa­rierten Hundeschädels seine Ansichten. Nach seiner Meinung ist der Hund nicht erschlagen worden, während Angerstein den Hund zwischen den Beinen hatte. Er nimmt vielmehr an, daß der Hund von vorn erschlagen worden ist. In der Waschschüssel, die im Schlafzimmer mit blutigem Wasser ange­füllt stand, sand der Sachverständige Mcmnerhaare, die er untersuchte und dabei feststellte, daß sie von Angerstein stammten. Auch in den Blutjpuren in den einzelnen Zimmern wurden Haare gefunden. Die Untersuchung durch den Sachverständigen ergab, daß die in dem Herrenzimmer Vorgefundenen Haare dem Dittert, die im Speisezimmer vorgefundenen dem ermordeten Kiel gehörten. In den Blutspuren in der Küche wurden verschiedene Sorten Haare gefunden, die von dem Abwaschen des Beiles her- rühren könnten. Die Untersuchung hat nichts dar­über ergeben, daß zwischen dem Täter und seinen Opfern ein Kampf stattgefunden hat. Die Schläge müssen daher den Opfern unversehens beigebracht worden sein. Der Hut des Angeklagten, mit dem er damals aufgefunden wurde, weist trotz feiner drei Stiche, die ihm beigebracht worden find, keine Blutspuren auf. Der Sachverständige legt nunmehr den Anzug des Angeklagten vor, den dieser am Tage der Tat getragen hat. An diesem Anzug konnte der Sachverständige 431 Blutflecken sest- stellen und er schließt daraus, daß diese von meh­reren Leichen herstammen müssen. Bezüglich des Briefes, den der Angeklagte dem Zeugen Ebert an feinen Bruder in Essen mitgab, erklärt der Sachverständige, daß dieser Brief in einem Zuge von dem Angeklagten geschrieben ist. Die Schrift­zeichen zeigen auch keine Spur von Erregung des Schreibers. Damit ist die Behauptung des Ange­klagten, daß er den Brief in drei verschiedenen Etappen geschrieben habe, widerlegt. Der Sachver­ständige bekundet weiter, daß der Angeklagte im Krankenhaus erklärt habe, er habe außer den Un­terschlagungen nichts zu beichten. Als man dem Angeklagten mitteilte, daß seine Frau nicht mehr unter den Lebenden sei, äußerte der Angeklagte: Meine Frau, meine Käthe?" Als man dem An­geklagten bann weiter mitteilte, daß auch die übri­gen Personen tot seien, sagte der Angeklagte:Tot, alle tot, ich habe niemanden getötet." Eine Spur von Rührung oder Aufregung war bei dem Ange­klagten nicht zu bmerken. Der Sachverständige be­zeichnet das Gebaren des Angeklagten als Theater".

Hiermit schdß die heutige Verhandlung. Der Angeklagte hat entgegen er gestrigen Verhandlung heute einen sehr niedergeschlagenen Eindruck ge­macht und dausrnd den Kopf in seine Hände ge­stützt.

Aus der Provinz.

Landkreis Gieren.

Lollar. 7. Juli. Mit einem glanzvollen Programm toartet der sein 30jähriges Ju­biläum feiernde Radfahre r-V erein 1895 Lol lar anläßlich des vom 11. bis 13. Juli stattfindenden Gau-Sommerfestes des ® au 73 Lahn D. D. R. auf. 3n außerordent­lich großer Zahl sind die Meldungen zu allen Wettbewerben eingegangen. Die Veranstaltung beginnt am Samstag, 11. 3uh, nachmittags 5 Ahr mit den Vorwettbewerben. Es ist nicht anders möglich, bis zum Sonntag abend die Rad­ball-, Reigen- und Kunstmannschaften starten zu lassen. Wettfahrer-Ausschuß und Kampfgericht werden einen schwierigen Stand haben. Der Ver­ein bietet alles auf. um dem Fest einen würdigen Verlauf zu sichern. Ein besonderer Glanzpunkt des Sonntags wird nach dem großen Schmuck­torso die erstmalige Aebergabe des G a u b a n - n e r s durch den Wetzlarer Verein werden. Wer­tere Einzelheiten sind aus der heuttgen An­zeige zu ersehen.

V Londorf. 7.3uli. Der hiesigeKrieger- verein, der durch die tüchtige Leitung und emsiges Bemühen des derzeitigen Präsidenten, Zugführers i. P. Eifert, immer mehr Mit- gli2>erzuwachs erhält, wird am kommenden Sonn­tag auf dem fd>on gelegenenLöhnkoppel" sein diesjähriges Preisschießen mit Klein­kaliber abhalten. Es Weichen den Schützen- freunden, dank der guten Vorbereitungen des Vorstandes, wieder einmal einige schöne Stun­den geboten werden.

sk. Reiskirchen, 7. 3uli. Bei der Be­triebs-, Berufs - und Volkszählung ind in unserem Ort 967 Einwohner festgestellt worden, davon 464 männliche und 503 weibliche. Es sind 191 Wohnhäuser vorhanden, acht sind im Bau begriffen. Die Zahl der Haushaltungen beträgt 228, von denen 180 zum Teil im Haupt­beruf, zum Teil im Rebenberuf Landwirtschaft treiben.

e. Saasen, 7. 3uli. Das 20. Bundes- e st desVolkssängerbundeS Chattia, das am Sonntag und Montag hier gefeiert wurde, hatte einen sehr starken Besuch aufzuweisen. 10 Bundesvereine und 7 Gastvereine waren an­wesend. Am Vorniittag fand im Gasthaus zur Traube das Wertungssingen der Bundesvereine statt. Reallehrer Geller von Gießen war als Sachverständiger zugegen. Am 1.22 Ahr wurde der Festzug ausgestellt, der sich durch die Straßen des Dorfes zum Festplah bewegte, wo sich rn- zwischen eine große Volksmenge eingefunden hatte Einen Gruß im Lied entbot zunächst Oer festgebende VereinEi n t racht"-S a as e n, der gleichzeitig mit dem 3ubiläuin des Bundes sein 33stes Stiftungsfest feierte. Der Vorsitzende, Herr- Schiefer st ein, hieß darauf in schwungvollen Worten die Gäste aus nah und fern herzlich willkommen, ebenso sprach Herr O P P e r-Ettings- hausen als Vorsitzender des Chattiabundes freund­liche Begrüßungsworte. Sehr stimmungsvoll wirkte danach der Festgruß des Gesangvereins EintrachtO Heimat". Die Jungfrauen Saasens hatten es sich nicht nehmen lassen, anläßlich des Stiftungstages dem Verein durch Frl. W i l- helm eine Fahnenschleife zu überreichen. Die eigentliche Festrede hielt Stadtpfarrer Herber aus Michelstadt, der als früheres Mitglied des GesangvereinsEintracht"-Saasen gern dem an ihn ergangenen Rufe Folge leistete und treu­deutsche Sängerworte sprach, die von deii Zu­hörern begeistert aufgenommen wurden. Den ge­littenen Sangesbrüdern gedachte man durch ge­meinsamen Gesang:3ch hatt' einen Kameraden". Mit der Aeberreichung eines Ehrendiploms an den Dundesvorsitzenden OPPer - Ettingshausen endete der Festalt. Daran anschlossen sich die gesanglichen Darbietungen der Gastvereine. Bald entwickelte sich ein fröhliches Treiben auf dem Festplah, an dem alt und jung in gleicher Weise Anteil hatte. Viel zu früh schlug für die Aus­wärtigen die Abschiedsstunde. Einzelnen hat es anscheinend so gut gefallen, daß sie auch den zweiten Festtag noch mitmachteii, der in feinem offiziellen Teil der 3 ug e n b gewidmet war. Rach einem Amzug wurde mit dem gemeinsamen Lied:3m schönsten Wiesengrunde" die Feier eröffnet. Darauf rief Pfarrer Herber der 3ugend ernste Worte zu, indem er sie ermahnte zur Standhaftigkeit im Glauben und zur Treue gegenüber dem Vaterland. Kinderreigen und Spiele wechselten mit Gesängen der Schüler und des GesangvereinsEintracht" ab, bis endlich der Tanz zu seinem Recht kam. Abschließend sei gesagt, daß das Fest einen wirklich harmo­nischen Verlauf genommen, und, Witts Gott, dazu beigetragen hat, daß Einigkeit und Liebe immer fester die Glieder aneinander fette.

f Grünberg, 7. 3uIL Arn Sonntag wurde hier unter starker Beteiligung aus Grün­berg und der Amgegend ein 3ugendfest ge­feiert, das zugleich der Austragung der Reichsjugendwettkämpfe und der Er­innerung an die tausendjährige Zuge­hörigkeit der Rheinlande zum Deut­schen Reich diente. Die Schulen zogen in geschlossenem Zuge zum Festplah, wo Ober- ftubienrat Steuernagel die Ansprache hielt. Hierauf fanden Wettspiele und klaffenweises Turnen statt, wobei man sehr gute Leistungen feststellen konnte. Abends wurde beim Wart- turm ein großer Holzstoß abgebrannt, außerdem fand Feuerwerk statt. Oberstudienrat A n gel­be r g e rr hielt hier die Festrede. Von da mar­schierte man im Fackelzug zur Turnhalle, wo Dekan Schmidt in einer Ansprache auf die Bedeutung der Rheinfeier hinwies. Eine weitere Ansprache hielt Studlenrat S e y p o l d. Gesang­liche Darbietungen der Vereine, musikalische Unterhaltung, gemeinsame Gesänge und turne­rische Darbietungen verschönten das Fest in bester Weise.

Kreis Friedberg.

Friedberg, 7. 3uli. (WB.« Am zweiten Tage der Erinnerungsfeier an die Einweihung der Dreifaltigkeitskirche in Worms wurde dort während der Hauptversammlung Musikdirektor Müller von Friedberg, als er eine An­sprache hielt, von einem Schlaganfall ge­troffen.

z£ Dad-Dauheim, 5. 3uli. Gestern statteten Vertreter der Frankfurter Aerzteschaft sowie der Frankfurter Presse der städtischen Dadeve rWal­lung und der medizinischen Kliniken unserem Bade einen Besuch ab. Anter Führung von Oberbaurat D e r ck wurden die Heilanlagen und die technischen Betriebe des Bades gründlich besichtigt. Die Frankfurter Gäste waren hoch­befriedigt von den Eindrücken, die sie hier ge= Wonnen.

VW. Butzbach, 7. 3uli. Die hiesige D e u t- sche Dolkspartei beschloß unlängst, am ersten Donnerstag jeden ungeraden Monats eine Mitgliederversammlung abzuhalten, in der einer der volksparteilichen Landtagsabgeordneten sich über politische oder wirtschaftliche Fragen aus­spricht, bezw. über die Tätigkeit der Partei im Landtage referiert. 3n der jüngsten Versamm­lung verbreitete sich Landtagsabgeordneter Bürgermeister Dr. R i e p o t h , Schlitz, über die politische Lage des Reichs und die Wirksamkeit der Deutschen Vollspartei im Reichstage. Er kam ferner auf die Tätigkeit des Hessischen Land­tags und die Stellungnahme der Deutschen Volkspartei zu den Tagesfragen zu reden. Er betonte, daß die Partei stets für das Interesse des Mittelstandes eingetreten fei und weiterhin eintreten werde, und sie auch nur für eine c** rechte Einkommensteuer zu haben sei. In der Rächt zum Montag brach im Rebenhause de? Eisenhandlung Wenzel, am Markt, Feuer aus, das glücklicherweise durch das rasche energische Eingreifen unserer Freiwilligen Feuerwehr, die u. a. mit einer ausgezeichnet arbeitenden Motor­spritze ausgerüstet ist, bei Windstille auf sei­nen Herd beschränkt blieb. Bei lebhafter Luftbewegung hätte, da an dieser Stelle die Häuser dicht aneinanderhängen, und die schmale Hirschgasse ein Aeberspringen des verheerenden Elementes auf die gegenüberliegende alte Post begünstigt, ein nicht absehbarer Schaden angerich­tet werden tonnen. Ob Kurzschluß oder An­vorsichtigkeit die Schuld tragen, muß die Unter» suchung feststellen.

:: Pohl-Göns, 6. Juli. Bei dem am 4., 5. und 6. Juli in Bad Soden stattgefundenen Gesangswettstreit erhielt der hiesige Ge- angoereinL i e d e r k r a n z" unter Leitung eines bewährten Chormeisters Lehrer Jung, Münchholzhausen, unter scharfer Konkurrenz in der 2. Stadlklasse den 1. Preis, ferner den 1. Ehrenpreis: außerdem unter sämtlichen Vereinen den 1. Hauptehrenpreis (Reichs­präsidentenpreis). Diese Auszeichnung verdankt der Verein seiner intensiven Arbeit und treuen Hingabe an die Gesangskunst.

Kreis Büdingen.

_ Aus der Wetterau, 6. Juli. Die gestrigen Gewitter brachten einen einiger­maßen durchgreifenden Regen, der besonders den Dickwurzpslanzen, dem zweiten Klee und den von der Sonne ausgebraimten Wiesen sehr zu- tatten kam. Die Getreidefelder fangen an, weiß zu werden, besonders diejenigen auf etwas höher gelegenen Teilen. Während das Korn durchweg Aehren von vielversprechender Länge zeigt, ist die Sommerfrucht in der Entwicklung von Halm und Aehre etwas zurückgeblieben, immerhin dürfte eine zufriedenstellende Ernte zu erwarten fein.

-/- Ortenberg, 5.Juli. Heute sand die Weihe der neuen Fahne unseres Schützenver­eins statt. Das Fest wurde eingeleitet durch Böl­lerschießen und einen Kommers am gestrigen Abend, am heutigen Morgen durch Wecken und einen Fest­gottesdienst in früher Morgenstunde in festlich ge- chmückter und gut besuchter Kirche. Der Gottesdienst wurde durch den Stockheimer Bläserchor eröffnet, der auch die Begleitung der Lieder über­nommen hatte. Pfarrer Kahn wies auf Grund von 2. Thim. Kap. 1, V. 7 auf den rechten Geist hin, der in Vereinen, Gemeinden und Volk herrschen oll. Im Anschluß an den Gottesdienst wurde an dem neu hergerichteten Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz die Weihe der neuen von der Bonner Fahnenfabrik gelieferten prachtvollen Fahne oor- genommen. Um das Denkmal hatten in malerischer Weise die Fahnen der beteiligten Vereine und ihre Sprecher Aufstellung genommen. Unter Musik wurde die Fahne von den Ehrenjungfrauen vor das Denk­mal gebracht. Nach einem Musikstück, einem ein­drucksvollen Vorspruch , vorgetragen durch Fräulein Erna Carl, und einer Begrüßungsansprache des Schützenmeisters ergriff Amtsgerichtsrat Dr. A n - d r ä das Wort zur Festrede, um an Hand der Geschichte die Idee der Fahnen der Festversamm­lung treffend vor Augen zu führen, und die nun­mehr entrollte Fahne zu weihen und dem Vor- itzenden zu übergeben, der sie an den Fahnen- räger und die Fahnenjunker weitergab. Boller- chüsse verkündeten weithin den wichtigen Augen­blick in der Geschichte des Vereins, ein Chor des GesangvereinsFrohsinn" verschönte den Weiheakt. Im Anschluß daran übereichten unter entsprechenden Ansprachen der Militär- und Veteranenverein einen Fahnennagel, der Düdinger Schützenverein eine Fahnenschleife und einen silbernen Becher, der Lau­bacher Verein die silberne Jubiläumsmünze für den Ritter. Mit einem Musikstück wurde die schöne Feier beendet. Am Nachmittag fand ein Festzug durch das mit Fahnen und Blumen reich geschmückte Städtchen statt, in dem man außer sämtlichen hie­sigen Vereinen auch die Brudervereine von Bü­dingen, Gelnhausen, Laubach u. a. m. sah. An den Schießständen angekommen, entwickelte sich trotz des zeitweilig regnerischen Wetters bald ein rechtes Schützenleben.

? Anter-Schmitten, 7. Juli. Der Besitzer des hart an den Harbwald anstoßenden Gutes Haubenmühle, Bankier Merton zu Frankfurt, pachtete auf zwanzig Jahre die Jagd des gesamten Harbwaldes zum Preise von 3000 Mk. pro Jahr. Die Gesamt- pachtsumme muß im voraus bezahlt werden. Der neue Pächter, der in feinem in der Rach- kriegszeit erbauten Landhause während der Sommermonate wohnt, beabsichtigt den Bau eines Jagdhauses für einen Jagdaufseher. Der Wild- bestand sott aufgefrischt und Fasanen eingesetzt werden. Auch die Harbteiche, die zum Pacht­gelände gehören, sollen auggemauert und Schwäne eingesetzt werden.

Kreis Schotten.

ßaubad), 5. Juli. Vorgestern hielt der hiesige Zweigverein des Vogelsberger H ö h e n c l u b s seine Monatsoersamm­lung ab. Der Vorsitzende, Obersekretär Elbe, besprach in ausführlicher Erörterung die Maß­regeln, die zum Schutz der Anlagen, der Bänke usw. zu ergreifen seien. Von verschiedenen Seiten wurden mitgeteilt, daß mit. einer Roheit, die man früher nicht gekannt habe, jetzt die Bänke zerstört würden. Es müßten hohe Prämien für sachdienliche Mitteilungen zur Feststellung der Täter ausgesetzt werden. Herr Elbe hoffe zuver­sichtlich, nach Rücksprache mit verschiedenen Stadt­verordneten, daß der Gemeinderat hierzu bereit sei. Sodann hielt Professor Dr. R o e s ch e n auf Grund von archivalischen Forschungen und eigenen Beobachtungen einen Vortrag überAlte Stra­ßen der Gegen d". Hieran schloß sich eine leb­hafte Aussprache, wozu der Redner aufforderte. Herr Elbe dankte im Namen der Versammlung für den anziehenden Vortrag und sprach die Hoff­nung aus, daß der Redner auch in der Folge feine wertvollen Forschungen mitteilen möge. Der Zweig­verein zählt jetzt über 200 Mitglieder. Durch den verdienten Vorsitzenden ist die Wanderlust neube­lebt worden. Prof. Dr. R o e s ch e n regte an, daß wieder gemeinsame Wanderungen und Zusammen­künfte mit den Nachbarvereinen Grünberg und Mücke veranstaltet würden. Die Versammlung stimmte der Anregung zu. Heute fand ein M i s- s i o n s f e st hier statt, womit eine Kollekte für die Volksmission verbunden wurde. Um 10 Uhr sprach Pastor Horst aus Amerika, ein geborener Ulrichsteiner, in der Stadtkirche, dann nochmals um 4 Uhr auf dem Ramsberg. Die Ausführungen des Redners fanden hohen Beifall.

A Freienfeen, 5. Juli. Heute hielt Dekan Röschen, der 33V4 Jahre in unserer Gemeinde gewirkt hat, seine Abschiedspre- d i g t, womit eine Abschiedfeier unseres Marktfleckens von dem um das öffentliche Wohl hochverdienten Manne verbunden wurde. Der Rede lag zu Grund der Text des Johannes- Evangeliums 14,27:Jesus spricht: Den Frie­den lasse ich Euch, meinen Frieden gebe ich Euch." Ausgehend von dem die Predigt ein­leitenden LiedIn allen meinen Taten, laß ich den Höchsten raten, entwarf der Geistliche em Bild seines vieljährigen Amtslebens, wie er es zu gestalten 'sich bemühte, indem er für die Liebe und die Anterstühung dankte, die er allezeit hier gefunden habe. Die Predigt flang aus in den innigen Wunsch, daß der Gemeinde der Friede Gottes in Christo erhalten bliebe. Rach dem Segensspruch traten der Kirchenvorstand

und die Gemeindevertretung, der Gemeinderat, und der Schulvorstand vor den Altar. Bürger­meister I m m e 11 hielt im Ramen der Gemeinde eine längere Ansprache, worin er dem scheidenden Dekan des warmen Dankes und der treuen Liebe der Gemeindeglieder versicherte und ihm und seiner Familie alles Gute für die Zukunft wünschte. Der Gefeierte dankte von Herzen und versicherte, daß ihm Freienseen, wo er fein Le­ben zu beschließen geglaubt hatte, eine zweite Heimat fei und bleiben werde. Dann sprach Lehrer Reust im Ramen des Schulvorstands herzliche Abschiedsworte, die ebenso herzlich er­widert wurden. Mit innigem Händedruck, in tief bewegter Stimmung, trennten sich dann die Gemeindeglieder von dem scheidenden Seelsorger. Am 15. Juli wird voraussichtlich Dekan Rös­chen nach Wichernheim bei Wixhausen übersiedeln. Diese Anstalt ist am 1. Juli unter Teilnahme aller Verwaltungskreise vom früheren Landesjugendpfarrer und jetzigen Oberkirchenrat Zentgraf geweiht worden. Die Aufgabe des Dekans Röschen besteht, wie wir hören, darin, die Zöglinge, etwa 21 bis 15 an der Zahl, zu beobachten und ein Gutachten abzugeben über die sich empfehlende künftige Art der Erziehung. Jeder Zögling bekommt ein besonderes Stübchen: außerdem haben sie ein gemelnsnmes größeres Zimmer, wo sie tagsüber sich auf falten, wenn sie nicht im großen Garten arbeiten können. Ein Diakon beaufsichtigt die Zöglinge. Mit der Leitung der Anstalt selbst hat Dekan Röschen nichts zu tun. Er wird aber Gelegenheit haben, seine reichen Erfahrungen zu verwerten, da er der Begründer des Verbandes der hessischen Er­ziehungsvereine ist und an seiner Spitze gestan­den hat. Für die Zukunft ist der Ausbau der Anstalt zu einem Komplex von Häusern geplant, damit sie in der Lage ist, allen Ansprüchen der Fürsorgeerziehung zu dienen.

Ober-Schmitten, 7. Juli. Einer hiesigen Familie wurde dieser Tage das drei­zehnte Kind geboren, wovon sich elf anr Leben befinden. Es sind dies neun Mädchen und zwei Jungen. Gegen die hiesige Bürger- meist erwähl wurde seitens der unterlegenen Partei Einspruch erhoben, mit dem sich in nächster Zeit der Kreisausschuh zu befassen hat.

Kreis Alsfeld.

m. Mücke, 4. Juli. Auch in unserer Gegend nimmt die Zigeunerplage wieder sehr über» Hand. Die braunen Gesellen sind keine gern gesehenen Gäste, da sie bekanittlich zu den Lang­fingern gehören. Dabei wenden sie oft einen Trick an, der sehr zur Vorsicht mahnen läßt. So erschien dieser Tage in einer Metzgerei eine ganze Schar dieser wandernden Gesellen, um etwas Fleisch zu kaufen. Dabei wurde mit einem großen Geldschein bezahlt. Während der Metzger wechselte, entstand plötzlich unter den Zigeunern ein allgemeiner Tumult. Später merfte der Metzger, daß eine größere Summe in seiner Kasse fehlte. Sofort wurde die Gendarmerie be­nachrichtigt. Bei Freienseen konnte man die Bande einholen und ihr das Geld wieder ab* nehmen.

er. Homberg a. d. Ohm, 7. Juli. Bei der am Sonntag stattgefundenen Wahl eines Beigeordneten wurde der seitherige, Kauf­mann Schweiler, mit 284 Stimmen wiederge­wählt. Sein Gegner, Kaufmann E i n o l ß. erhielt 241 Stimmen. In dem Steinbruch in der Roten Kuh", der zur Zeit von der Firma Gebrüder Becker, Bafaltwerke, dahier ausgebeutet wird und der einen erstklassigen Basalt- stein liefert, arbeiten gegenwärtig 120 Mann. Am die zum Versand fertigen Steine abzufahren, waren Pferdegespanne nötig, die aber durch das Gewicht der 'Wagen den Weg in einen sehr schlechten Zustand versetzten, so daß der Abtrans­port erschwert wurde. Diesem Aebelstand will man durch Anlage einer Kleinbahn ab­helfen. Maschine sowie Wagen und Schienen sind schon zur Stelle. Gelände wurde bereits erworben, so daß mit dem Legen der Schienen begonnen werden kann. Leider kann der Schienenstrang nicht bis zum Bahnhof Reuhaus gelegt werden, weil er dort die Anlage einer anderen Firma berührt. Deshalb wird in einiger Entfernung vom Bahnhof eine Laderampe erbaut und der Inhalt der beladenen Rollwagen in gewöhn­liche Wagen gekippt, die dann die Steine nach Reuhaus bringen, woselbst sie endgültig einge­laden werden. Zur Anlage einer Drahtseilbahn hat man sich nicht entschließen können. Die im vorigen Jahre im Rohbau stehengebliebene D e- amtenWohnung wird nunmehr zum Bewoh­nen hergerichtet. Eben ist man hier weiter mit der Herstellung einer größeren Kanali­sation in der Reustadt beschäftigt.

Kreis Lauterbach.

hml. Lauterbach, 7. Juli. Am Sonntag veranstaltete Pfarrer Haupt aus Gießen bet Schloß Eisenbach em Waldsest d'es evan­gelischen Bundes. Am Vormittag fand in der hiesigen Stadtkirche ein Festgottesdienst statt, in dem Pfarrer Haupt die Predigt hielt. Der Posaunenchor von Schadges unter der vor­trefflichen Leitung von Lehrer Rausch wirkte hier wie auch bei dem Waldfest am Rachmittag in liebenswürdiger Weise mit. Lehrer Kwl b - fleisch mit seinem Kirchenchor erbaute in ge­wohnter Weise mit den 3 schön und sicher vor­getragenen Chören die Gemeinde. Frau Brandt aus Gießen sang mit schöner und wohlgeschulter Stimme das Vaterunser von Krebs Am Rachmittag bewegte sich der Fest­zug unter den Klängen des oben genannten Po­saunenchores durch die Straßen der Stadt nach Schloß Eisenbach, wo Baron Fritz Riedesel zu Eisenbach den Platz zur Verfügung ge­stellt hatte. Im Zuge befanden sich außer den Mitwirkenden die Schulkinder, sowie die Ehren­jungfrauen aus dem hiesigen Jungfrauenverein, in deren Mitte die Lutherfahne getragen wurde. Auf dem Festplahe, auf dem sich eine viel- hundertköpfige Menge eingefunden hatte, einge­troffen, wurde nach einem Musikstück des Po­saunenchores Wallenrod, einem Lied des Kirchen­chores Stockhausen und der Begrüßungsansprache von Dekan Müller mit der Aufführung des FreilichtspielesGlaube und Heimat" von Karl Schönherr begonnen. Die die Zuschauer aufs tiefste ergreifende Tragödie wurde in her­vorragender Weise von den Darstellern $ur Auffichrung gebracht. Der tiefe Eindruck möge ihnen allen der Lohn und der Dank sein für all die viele Mühe und das Opfer an Zeit. Es folgten Ansprachen von Pfarrer Haupt und Vorträge der anwesenden Kirchenchöre und Po­saunenchöre. Das Schußwort sprach der Orts­geistliche Pfarrer Knell. Eine stattliche Zahl neuer Mitglieder wurde dem evangelischen Bunde durch das wohlgelungene Fest gewonnen.