Hierauf wiederholt der Verteidiger des An- gesagten den Vertagungsantrag, der kurzerhand abgelehnt wird. Auch ein weiterer Antrag des Staatsanivatts Dr. Hofmann, den Sachverständigen wegen der Besorgnis der Befangenheit abzulehnen, wird seitens des Gerichts abgelehnt.
Hierauf werden die 3 Kreisärzte als Sachverständige vernommen, die seinerzeit die acht Leichen seziart haben. Die Sachverständigen führen die Todesursache durchweg auf die Verletzungen durch die Beilhiebe bzw. Stiche mit dem Hirschfänger zurück.
Cs werden darauf die Zeugen Strafanstaltsoberwachtmeister Rohrmann und Polizeibetriebsassistent Strelow aus Wetzlar vernommen, die nach Aufdeckung der Mordtat mit ihren Polizeihunden die Spuren an Ort und Stelle aufnahmen. Sie bekunden, daß ihre Hunde die Spur von der Kassette aus durch den Garten über den Zaun hinweg bis zu der Stelle verfolgten, wo Angerstein seinerzeit verwundet aufgefunden worden ist.
Der Kriminalsekretär Michel aus Frankfurt a. M. gibt nun eine anschauliche Schilderung über seine Ermittelungen als Mitglied der Mordkommission am Morgen nach der Tat. Rach der ganzen damals vorgefundenen Sachlage, insbesondere, weil die Bureauräume in bester Ordnung vorgefunden wurden, war es dem Zeugen von vornherein klar, daß man es hier nicht mit der Tat einer Räuberbande von 15—20 Mann zu tun hatte, sondern daß es sich nur um das Werk einer einzigen Perfon handeln könne. Als man daraufhin dem Angeklagten im Krankenhause die Tat auf den Kopf zu- sagte, blieb dieser kühl. Er sagte nur: „O, o, meine Frau ist tot?“, und blieb dabei, von nichts zu wissen. Als man den Angeklagten aus dem Krankenhaus in einer Tragbahre in die Leichenhalle brachte und ihm die Leiche seiner Frau vorlegte, sagte Angerstein: „Ich kann ja nichts sehen!" Darauf hob man das Kopfende in die Höhe, damit der Angeklagte die Leiche seiner Frau besser sehen konnte. Angerstein blieb aber kühl, woraus der Zeuge folgert, daß der Angeklagte planmäßig gehandelt hat.
Hierauf wird der Gerichtschemiker Prof. Dr. Popp als Sachverständiger und als Zeuge vernommen. Dieser Sachverständige kam allein aus der Lage und den Verletzungen des Hundes im Keller auf den Gedanken der Täterschaft durch Angerstein. Er begründet unter Vorlage des präparierten Hundeschädels seine Ansichten. Nach seiner Meinung ist der Hund nicht erschlagen worden, während Angerstein den Hund zwischen den Beinen hatte. Er nimmt vielmehr an, daß der Hund von vorn erschlagen worden ist. In der Waschschüssel, die im Schlafzimmer mit blutigem Wasser angefüllt stand, sand der Sachverständige Mcmnerhaare, die er untersuchte und dabei feststellte, daß sie von Angerstein stammten. Auch in den Blutjpuren in den einzelnen Zimmern wurden Haare gefunden. Die Untersuchung durch den Sachverständigen ergab, daß die in dem Herrenzimmer Vorgefundenen Haare dem Dittert, die im Speisezimmer vorgefundenen dem ermordeten Kiel gehörten. In den Blutspuren in der Küche wurden verschiedene Sorten Haare gefunden, die von dem Abwaschen des Beiles her- rühren könnten. Die Untersuchung hat nichts darüber ergeben, daß zwischen dem Täter und seinen Opfern ein Kampf stattgefunden hat. Die Schläge müssen daher den Opfern unversehens beigebracht worden sein. Der Hut des Angeklagten, mit dem er damals aufgefunden wurde, weist trotz feiner drei Stiche, die ihm beigebracht worden find, keine Blutspuren auf. Der Sachverständige legt nunmehr den Anzug des Angeklagten vor, den dieser am Tage der Tat getragen hat. An diesem Anzug konnte der Sachverständige 431 Blutflecken sest- stellen und er schließt daraus, daß diese von mehreren Leichen herstammen müssen. Bezüglich des Briefes, den der Angeklagte dem Zeugen Ebert an feinen Bruder in Essen mitgab, erklärt der Sachverständige, daß dieser Brief in einem Zuge von dem Angeklagten geschrieben ist. Die Schriftzeichen zeigen auch keine Spur von Erregung des Schreibers. Damit ist die Behauptung des Angeklagten, daß er den Brief in drei verschiedenen Etappen geschrieben habe, widerlegt. Der Sachverständige bekundet weiter, daß der Angeklagte im Krankenhaus erklärt habe, er habe außer den Unterschlagungen nichts zu beichten. Als man dem Angeklagten mitteilte, daß seine Frau nicht mehr unter den Lebenden sei, äußerte der Angeklagte: „Meine Frau, meine Käthe?" Als man dem Angeklagten bann weiter mitteilte, daß auch die übrigen Personen tot seien, sagte der Angeklagte: „Tot, alle tot, ich habe niemanden getötet." Eine Spur von Rührung oder Aufregung war bei dem Angeklagten nicht zu bmerken. Der Sachverständige bezeichnet das Gebaren des Angeklagten als „Theater".
Hiermit schdß die heutige Verhandlung. Der Angeklagte hat entgegen er gestrigen Verhandlung heute einen sehr niedergeschlagenen Eindruck gemacht und dausrnd den Kopf in seine Hände gestützt.
Aus der Provinz.
Landkreis Gieren.
• Lollar. 7. Juli. Mit einem glanzvollen Programm toartet der sein 30jähriges Jubiläum feiernde Radfahre r-V erein 1895 Lol lar anläßlich des vom 11. bis 13. Juli stattfindenden Gau-Sommerfestes des ® au 73 Lahn D. D. R. auf. 3n außerordentlich großer Zahl sind die Meldungen zu allen Wettbewerben eingegangen. Die Veranstaltung beginnt am Samstag, 11. 3uh, nachmittags 5 Ahr mit den Vorwettbewerben. Es ist nicht anders möglich, bis zum Sonntag abend die Radball-, Reigen- und Kunstmannschaften starten zu lassen. Wettfahrer-Ausschuß und Kampfgericht werden einen schwierigen Stand haben. Der Verein bietet alles auf. um dem Fest einen würdigen Verlauf zu sichern. Ein besonderer Glanzpunkt des Sonntags wird nach dem großen Schmucktorso die erstmalige Aebergabe des G a u b a n - n e r s durch den Wetzlarer Verein werden. Wertere Einzelheiten sind aus der heuttgen Anzeige zu ersehen.
V Londorf. 7.3uli. Der hiesigeKrieger- verein, der durch die tüchtige Leitung und emsiges Bemühen des derzeitigen Präsidenten, Zugführers i. P. Eifert, immer mehr Mit- gli2>erzuwachs erhält, wird am kommenden Sonntag auf dem fd>on gelegenen „Löhnkoppel" sein diesjähriges Preisschießen mit Kleinkaliber abhalten. Es Weichen den Schützen- freunden, dank der guten Vorbereitungen des Vorstandes, wieder einmal einige schöne Stunden geboten werden.
sk. Reiskirchen, 7. 3uli. Bei der Betriebs-, Berufs - und Volkszählung ind in unserem Ort 967 Einwohner festgestellt worden, davon 464 männliche und 503 weibliche. Es sind 191 Wohnhäuser vorhanden, acht sind im Bau begriffen. Die Zahl der Haushaltungen beträgt 228, von denen 180 zum Teil im Hauptberuf, zum Teil im Rebenberuf Landwirtschaft treiben.
e. Saasen, 7. 3uli. Das 20. Bundes- e st desVolkssängerbundeS Chattia, das am Sonntag und Montag hier gefeiert wurde, hatte einen sehr starken Besuch aufzuweisen. 10 Bundesvereine und 7 Gastvereine waren anwesend. Am Vorniittag fand im Gasthaus zur Traube das Wertungssingen der Bundesvereine statt. Reallehrer Geller von Gießen war als Sachverständiger zugegen. Am 1.22 Ahr wurde der Festzug ausgestellt, der sich durch die Straßen des Dorfes zum Festplah bewegte, wo sich rn- zwischen eine große Volksmenge eingefunden hatte Einen Gruß im Lied entbot zunächst Oer festgebende Verein „Ei n t racht"-S a as e n, der gleichzeitig mit dem 3ubiläuin des Bundes sein 33stes Stiftungsfest feierte. Der Vorsitzende, Herr- Schiefer st ein, hieß darauf in schwungvollen Worten die Gäste aus nah und fern herzlich willkommen, ebenso sprach Herr O P P e r-Ettings- hausen als Vorsitzender des Chattiabundes freundliche Begrüßungsworte. Sehr stimmungsvoll wirkte danach der Festgruß des Gesangvereins Eintracht „O Heimat". Die Jungfrauen Saasens hatten es sich nicht nehmen lassen, anläßlich des Stiftungstages dem Verein durch Frl. W i l- helm eine Fahnenschleife zu überreichen. Die eigentliche Festrede hielt Stadtpfarrer Herber aus Michelstadt, der als früheres Mitglied des Gesangvereins „Eintracht"-Saasen gern dem an ihn ergangenen Rufe Folge leistete und treudeutsche Sängerworte sprach, die von deii Zuhörern begeistert aufgenommen wurden. Den gelittenen Sangesbrüdern gedachte man durch gemeinsamen Gesang: „3ch hatt' einen Kameraden". Mit der Aeberreichung eines Ehrendiploms an den Dundesvorsitzenden OPPer - Ettingshausen endete der Festalt. Daran anschlossen sich die gesanglichen Darbietungen der Gastvereine. Bald entwickelte sich ein fröhliches Treiben auf dem Festplah, an dem alt und jung in gleicher Weise Anteil hatte. Viel zu früh schlug für die Auswärtigen die Abschiedsstunde. Einzelnen hat es anscheinend so gut gefallen, daß sie auch den zweiten Festtag noch mitmachteii, der in feinem offiziellen Teil der 3 ug e n b gewidmet war. Rach einem Amzug wurde mit dem gemeinsamen Lied: „3m schönsten Wiesengrunde" die Feier eröffnet. Darauf rief Pfarrer Herber der 3ugend ernste Worte zu, indem er sie ermahnte zur Standhaftigkeit im Glauben und zur Treue gegenüber dem Vaterland. Kinderreigen und Spiele wechselten mit Gesängen der Schüler und des Gesangvereins „Eintracht" ab, bis endlich der Tanz zu seinem Recht kam. Abschließend sei gesagt, daß das Fest einen wirklich harmonischen Verlauf genommen, und, Witts Gott, dazu beigetragen hat, daß Einigkeit und Liebe immer fester die Glieder aneinander fette.
f Grünberg, 7. 3uIL Arn Sonntag wurde hier unter starker Beteiligung aus Grünberg und der Amgegend ein 3ugendfest gefeiert, das zugleich der Austragung der Reichsjugendwettkämpfe und der Erinnerung an die tausendjährige Zugehörigkeit der Rheinlande zum Deutschen Reich diente. Die Schulen zogen in geschlossenem Zuge zum Festplah, wo Ober- ftubienrat Steuernagel die Ansprache hielt. Hierauf fanden Wettspiele und klaffenweises Turnen statt, wobei man sehr gute Leistungen feststellen konnte. Abends wurde beim Wart- turm ein großer Holzstoß abgebrannt, außerdem fand Feuerwerk statt. Oberstudienrat A n gelbe r g e rr hielt hier die Festrede. Von da marschierte man im Fackelzug zur Turnhalle, wo Dekan Schmidt in einer Ansprache auf die Bedeutung der Rheinfeier hinwies. Eine weitere Ansprache hielt Studlenrat S e y p o l d. Gesangliche Darbietungen der Vereine, musikalische Unterhaltung, gemeinsame Gesänge und turnerische Darbietungen verschönten das Fest in bester Weise.
Kreis Friedberg.
Friedberg, 7. 3uli. (WB.« Am zweiten Tage der Erinnerungsfeier an die Einweihung der Dreifaltigkeitskirche in Worms wurde dort während der Hauptversammlung Musikdirektor Müller von Friedberg, als er eine Ansprache hielt, von einem Schlaganfall getroffen.
z£ Dad-Dauheim, 5. 3uli. Gestern statteten Vertreter der Frankfurter Aerzteschaft sowie der Frankfurter Presse der städtischen Dadeve rWallung und der medizinischen Kliniken unserem Bade einen Besuch ab. Anter Führung von Oberbaurat D e r ck wurden die Heilanlagen und die technischen Betriebe des Bades gründlich besichtigt. Die Frankfurter Gäste waren hochbefriedigt von den Eindrücken, die sie hier ge= Wonnen.
VW. Butzbach, 7. 3uli. Die hiesige D e u t- sche Dolkspartei beschloß unlängst, am ersten Donnerstag jeden ungeraden Monats eine Mitgliederversammlung abzuhalten, in der einer der volksparteilichen Landtagsabgeordneten sich über politische oder wirtschaftliche Fragen ausspricht, bezw. über die Tätigkeit der Partei im Landtage referiert. 3n der jüngsten Versammlung verbreitete sich Landtagsabgeordneter Bürgermeister Dr. R i e p o t h , Schlitz, über die politische Lage des Reichs und die Wirksamkeit der Deutschen Vollspartei im Reichstage. Er kam ferner auf die Tätigkeit des Hessischen Landtags und die Stellungnahme der Deutschen Volkspartei zu den Tagesfragen zu reden. Er betonte, daß die Partei stets für das Interesse des Mittelstandes eingetreten fei und weiterhin eintreten werde, und sie auch nur für eine c** rechte Einkommensteuer zu haben sei. — In der Rächt zum Montag brach im Rebenhause de? Eisenhandlung Wenzel, am Markt, Feuer aus, das glücklicherweise durch das rasche energische Eingreifen unserer Freiwilligen Feuerwehr, die u. a. mit einer ausgezeichnet arbeitenden Motorspritze ausgerüstet ist, bei Windstille auf seinen Herd beschränkt blieb. Bei lebhafter Luftbewegung hätte, da an dieser Stelle die Häuser dicht aneinanderhängen, und die schmale Hirschgasse ein Aeberspringen des verheerenden Elementes auf die gegenüberliegende alte Post begünstigt, ein nicht absehbarer Schaden angerichtet werden tonnen. Ob Kurzschluß oder Anvorsichtigkeit die Schuld tragen, muß die Unter» suchung feststellen.
:: Pohl-Göns, 6. Juli. Bei dem am 4., 5. und 6. Juli in Bad Soden stattgefundenen Gesangswettstreit erhielt der hiesige Ge- angoerein „L i e d e r k r a n z" unter Leitung eines bewährten Chormeisters Lehrer Jung, Münchholzhausen, unter scharfer Konkurrenz in der 2. Stadlklasse den 1. Preis, ferner den 1. Ehrenpreis: außerdem unter sämtlichen Vereinen den 1. Hauptehrenpreis (Reichspräsidentenpreis). Diese Auszeichnung verdankt der Verein seiner intensiven Arbeit und treuen Hingabe an die Gesangskunst.
Kreis Büdingen.
_ Aus der Wetterau, 6. Juli. Die gestrigen Gewitter brachten einen einigermaßen durchgreifenden Regen, der besonders den Dickwurzpslanzen, dem zweiten Klee und den von der Sonne ausgebraimten Wiesen sehr zu- tatten kam. Die Getreidefelder fangen an, weiß zu werden, besonders diejenigen auf etwas höher gelegenen Teilen. Während das Korn durchweg Aehren von vielversprechender Länge zeigt, ist die Sommerfrucht in der Entwicklung von Halm und Aehre etwas zurückgeblieben, immerhin dürfte eine zufriedenstellende Ernte zu erwarten fein.
-/- Ortenberg, 5.Juli. Heute sand die Weihe der neuen Fahne unseres Schützenvereins statt. Das Fest wurde eingeleitet durch Böllerschießen und einen Kommers am gestrigen Abend, am heutigen Morgen durch Wecken und einen Festgottesdienst in früher Morgenstunde in festlich ge- chmückter und gut besuchter Kirche. Der Gottesdienst wurde durch den Stockheimer Bläserchor eröffnet, der auch die Begleitung der Lieder übernommen hatte. Pfarrer Kahn wies auf Grund von 2. Thim. Kap. 1, V. 7 auf den rechten Geist hin, der in Vereinen, Gemeinden und Volk herrschen oll. Im Anschluß an den Gottesdienst wurde an dem neu hergerichteten Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz die Weihe der neuen von der Bonner Fahnenfabrik gelieferten prachtvollen Fahne oor- genommen. Um das Denkmal hatten in malerischer Weise die Fahnen der beteiligten Vereine und ihre Sprecher Aufstellung genommen. Unter Musik wurde die Fahne von den Ehrenjungfrauen vor das Denkmal gebracht. Nach einem Musikstück, einem eindrucksvollen Vorspruch , vorgetragen durch Fräulein Erna Carl, und einer Begrüßungsansprache des Schützenmeisters ergriff Amtsgerichtsrat Dr. A n - d r ä das Wort zur Festrede, um an Hand der Geschichte die Idee der Fahnen der Festversammlung treffend vor Augen zu führen, und die nunmehr entrollte Fahne zu weihen und dem Vor- itzenden zu übergeben, der sie an den Fahnen- räger und die Fahnenjunker weitergab. Boller- chüsse verkündeten weithin den wichtigen Augenblick in der Geschichte des Vereins, ein Chor des Gesangvereins „Frohsinn" verschönte den Weiheakt. Im Anschluß daran übereichten unter entsprechenden Ansprachen der Militär- und Veteranenverein einen Fahnennagel, der Düdinger Schützenverein eine Fahnenschleife und einen silbernen Becher, der Laubacher Verein die silberne Jubiläumsmünze für den Ritter. Mit einem Musikstück wurde die schöne Feier beendet. Am Nachmittag fand ein Festzug durch das mit Fahnen und Blumen reich geschmückte Städtchen statt, in dem man außer sämtlichen hiesigen Vereinen auch die Brudervereine von Büdingen, Gelnhausen, Laubach u. a. m. sah. An den Schießständen angekommen, entwickelte sich trotz des zeitweilig regnerischen Wetters bald ein rechtes Schützenleben.
„?“ Anter-Schmitten, 7. Juli. Der Besitzer des hart an den Harbwald anstoßenden Gutes Haubenmühle, Bankier Merton zu Frankfurt, pachtete auf zwanzig Jahre die Jagd des gesamten Harbwaldes zum Preise von 3000 Mk. pro Jahr. Die Gesamt- pachtsumme muß im voraus bezahlt werden. Der neue Pächter, der in feinem in der Rach- kriegszeit erbauten Landhause während der Sommermonate wohnt, beabsichtigt den Bau eines Jagdhauses für einen Jagdaufseher. Der Wild- bestand sott aufgefrischt und Fasanen eingesetzt werden. Auch die Harbteiche, die zum Pachtgelände gehören, sollen auggemauert und Schwäne eingesetzt werden.
Kreis Schotten.
□ ßaubad), 5. Juli. Vorgestern hielt der hiesige Zweigverein des Vogelsberger H ö h e n c l u b s seine Monatsoersammlung ab. Der Vorsitzende, Obersekretär Elbe, besprach in ausführlicher Erörterung die Maßregeln, die zum Schutz der Anlagen, der Bänke usw. zu ergreifen seien. Von verschiedenen Seiten wurden mitgeteilt, daß mit. einer Roheit, die man früher nicht gekannt habe, jetzt die Bänke zerstört würden. Es müßten hohe Prämien für sachdienliche Mitteilungen zur Feststellung der Täter ausgesetzt werden. Herr Elbe hoffe zuversichtlich, nach Rücksprache mit verschiedenen Stadtverordneten, daß der Gemeinderat hierzu bereit sei. Sodann hielt Professor Dr. R o e s ch e n auf Grund von archivalischen Forschungen und eigenen Beobachtungen einen Vortrag über „Alte Straßen der Gegen d". Hieran schloß sich eine lebhafte Aussprache, wozu der Redner aufforderte. Herr Elbe dankte im Namen der Versammlung für den anziehenden Vortrag und sprach die Hoffnung aus, daß der Redner auch in der Folge feine wertvollen Forschungen mitteilen möge. Der Zweigverein zählt jetzt über 200 Mitglieder. Durch den verdienten Vorsitzenden ist die Wanderlust neubelebt worden. Prof. Dr. R o e s ch e n regte an, daß wieder gemeinsame Wanderungen und Zusammenkünfte mit den Nachbarvereinen Grünberg und Mücke veranstaltet würden. Die Versammlung stimmte der Anregung zu. — Heute fand ein M i s- s i o n s f e st hier statt, womit eine Kollekte für die Volksmission verbunden wurde. Um 10 Uhr sprach Pastor Horst aus Amerika, ein geborener Ulrichsteiner, in der Stadtkirche, dann nochmals um 4 Uhr auf dem Ramsberg. Die Ausführungen des Redners fanden hohen Beifall.
A Freienfeen, 5. Juli. Heute hielt Dekan Röschen, der 33V4 Jahre in unserer Gemeinde gewirkt hat, seine Abschiedspre- d i g t, womit eine Abschiedfeier unseres Marktfleckens von dem um das öffentliche Wohl hochverdienten Manne verbunden wurde. Der Rede lag zu Grund der Text des Johannes- Evangeliums 14,27: „Jesus spricht: Den Frieden lasse ich Euch, meinen Frieden gebe ich Euch." Ausgehend von dem die Predigt einleitenden Lied „In allen meinen Taten, laß ich den Höchsten raten“, entwarf der Geistliche em Bild seines vieljährigen Amtslebens, wie er es zu gestalten 'sich bemühte, indem er für die Liebe und die Anterstühung dankte, die er allezeit hier gefunden habe. Die Predigt flang aus in den innigen Wunsch, daß der Gemeinde der Friede Gottes in Christo erhalten bliebe. Rach dem Segensspruch traten der Kirchenvorstand
und die Gemeindevertretung, der Gemeinderat, und der Schulvorstand vor den Altar. Bürgermeister I m m e 11 hielt im Ramen der Gemeinde eine längere Ansprache, worin er dem scheidenden Dekan des warmen Dankes und der treuen Liebe der Gemeindeglieder versicherte und ihm und seiner Familie alles Gute für die Zukunft wünschte. Der Gefeierte dankte von Herzen und versicherte, daß ihm Freienseen, wo er fein Leben zu beschließen geglaubt hatte, eine zweite Heimat fei und bleiben werde. Dann sprach Lehrer Reust im Ramen des Schulvorstands herzliche Abschiedsworte, die ebenso herzlich erwidert wurden. Mit innigem Händedruck, in tief bewegter Stimmung, trennten sich dann die Gemeindeglieder von dem scheidenden Seelsorger. Am 15. Juli wird voraussichtlich Dekan Röschen nach Wichernheim bei Wixhausen übersiedeln. Diese Anstalt ist am 1. Juli unter Teilnahme aller Verwaltungskreise vom früheren Landesjugendpfarrer und jetzigen Oberkirchenrat Zentgraf geweiht worden. Die Aufgabe des Dekans Röschen besteht, wie wir hören, darin, die Zöglinge, etwa 21 bis 15 an der Zahl, zu beobachten und ein Gutachten abzugeben über die sich empfehlende künftige Art der Erziehung. Jeder Zögling bekommt ein besonderes Stübchen: außerdem haben sie ein gemelnsnmes größeres Zimmer, wo sie tagsüber sich auf falten, wenn sie nicht im großen Garten arbeiten können. Ein Diakon beaufsichtigt die Zöglinge. Mit der Leitung der Anstalt selbst hat Dekan Röschen nichts zu tun. Er wird aber Gelegenheit haben, seine reichen Erfahrungen zu verwerten, da er der Begründer des Verbandes der hessischen Erziehungsvereine ist und an seiner Spitze gestanden hat. Für die Zukunft ist der Ausbau der Anstalt zu einem Komplex von Häusern geplant, damit sie in der Lage ist, allen Ansprüchen der Fürsorgeerziehung zu dienen.
Ober-Schmitten, 7. Juli. Einer hiesigen Familie wurde dieser Tage das dreizehnte Kind geboren, wovon sich elf anr Leben befinden. Es sind dies neun Mädchen und zwei Jungen. — Gegen die hiesige Bürger- meist erwähl wurde seitens der unterlegenen Partei Einspruch erhoben, mit dem sich in nächster Zeit der Kreisausschuh zu befassen hat.
Kreis Alsfeld.
m. Mücke, 4. Juli. Auch in unserer Gegend nimmt die Zigeunerplage wieder sehr über» Hand. Die braunen Gesellen sind keine gern gesehenen Gäste, da sie bekanittlich zu den Langfingern gehören. Dabei wenden sie oft einen Trick an, der sehr zur Vorsicht mahnen läßt. So erschien dieser Tage in einer Metzgerei eine ganze Schar dieser wandernden Gesellen, um etwas Fleisch zu kaufen. Dabei wurde mit einem großen Geldschein bezahlt. Während der Metzger wechselte, entstand plötzlich unter den Zigeunern ein allgemeiner Tumult. Später merfte der Metzger, daß eine größere Summe in seiner Kasse fehlte. Sofort wurde die Gendarmerie benachrichtigt. Bei Freienseen konnte man die Bande einholen und ihr das Geld wieder ab* nehmen.
—er. Homberg a. d. Ohm, 7. Juli. Bei der am Sonntag stattgefundenen Wahl eines Beigeordneten wurde der seitherige, Kaufmann Schweiler, mit 284 Stimmen wiedergewählt. Sein Gegner, Kaufmann E i n o l ß. erhielt 241 Stimmen. — In dem Steinbruch in der „Roten Kuh", der zur Zeit von der Firma Gebrüder Becker, Bafaltwerke, dahier ausgebeutet wird und der einen erstklassigen Basalt- stein liefert, arbeiten gegenwärtig 120 Mann. Am die zum Versand fertigen Steine abzufahren, waren Pferdegespanne nötig, die aber durch das Gewicht der 'Wagen den Weg in einen sehr schlechten Zustand versetzten, so daß der Abtransport erschwert wurde. Diesem Aebelstand will man durch Anlage einer Kleinbahn abhelfen. Maschine sowie Wagen und Schienen sind schon zur Stelle. Gelände wurde bereits erworben, so daß mit dem Legen der Schienen begonnen werden kann. Leider kann der Schienenstrang nicht bis zum Bahnhof Reuhaus gelegt werden, weil er dort die Anlage einer anderen Firma berührt. Deshalb wird in einiger Entfernung vom Bahnhof eine Laderampe erbaut und der Inhalt der beladenen Rollwagen in gewöhnliche Wagen gekippt, die dann die Steine nach Reuhaus bringen, woselbst sie endgültig eingeladen werden. Zur Anlage einer Drahtseilbahn hat man sich nicht entschließen können. — Die im vorigen Jahre im Rohbau stehengebliebene D e- amtenWohnung wird nunmehr zum Bewohnen hergerichtet. Eben ist man hier weiter mit der Herstellung einer größeren Kanalisation in der Reustadt beschäftigt.
Kreis Lauterbach.
hml. Lauterbach, 7. Juli. Am Sonntag veranstaltete Pfarrer Haupt aus Gießen bet Schloß Eisenbach em Waldsest d'es evangelischen Bundes. Am Vormittag fand in der hiesigen Stadtkirche ein Festgottesdienst statt, in dem Pfarrer Haupt die Predigt hielt. Der Posaunenchor von Schadges unter der vortrefflichen Leitung von Lehrer Rausch wirkte hier wie auch bei dem Waldfest am Rachmittag in liebenswürdiger Weise mit. Lehrer Kwl b - fleisch mit seinem Kirchenchor erbaute in gewohnter Weise mit den 3 schön und sicher vorgetragenen Chören die Gemeinde. Frau Brandt aus Gießen sang mit schöner und wohlgeschulter Stimme das Vaterunser von Krebs Am Rachmittag bewegte sich der Festzug unter den Klängen des oben genannten Posaunenchores durch die Straßen der Stadt nach Schloß Eisenbach, wo Baron Fritz Riedesel zu Eisenbach den Platz zur Verfügung gestellt hatte. Im Zuge befanden sich außer den Mitwirkenden die Schulkinder, sowie die Ehrenjungfrauen aus dem hiesigen Jungfrauenverein, in deren Mitte die Lutherfahne getragen wurde. Auf dem Festplahe, auf dem sich eine viel- hundertköpfige Menge eingefunden hatte, eingetroffen, wurde nach einem Musikstück des Posaunenchores Wallenrod, einem Lied des Kirchenchores Stockhausen und der Begrüßungsansprache von Dekan Müller mit der Aufführung des Freilichtspieles „Glaube und Heimat" von Karl Schönherr begonnen. Die die Zuschauer aufs tiefste ergreifende Tragödie wurde in hervorragender Weise von den Darstellern $ur Auffichrung gebracht. Der tiefe Eindruck möge ihnen allen der Lohn und der Dank sein für all die viele Mühe und das Opfer an Zeit. Es folgten Ansprachen von Pfarrer Haupt und Vorträge der anwesenden Kirchenchöre und Posaunenchöre. Das Schußwort sprach der Ortsgeistliche Pfarrer Knell. Eine stattliche Zahl neuer Mitglieder wurde dem evangelischen Bunde durch das wohlgelungene Fest gewonnen.


