Ausgabe 
8.6.1925
 
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Nr. 1,31 Zweites Blatt

Montag, 8. Jinii (925

Ebener Anzeiger (General-Anzetger für Gderhesieil-

(Englanb wird energisch.

Don Professor Paul Freye.

Die britische Regierung hat jetzt eine Rote an Frankreich gerichtet, die eine baldige Rege­lung her Sicherheitsfrage unter Zugrundelegung der deutschen Vorschläge, d. h. nur Garantie durch einen Westpakt ohne Hinzuziehung der östlichen Grenzfragen vorsieht. Die Bedingungen sind sehr präzi- gestellt, und London betont, dah es nur auf Grund dieses Dorschlages Frankreich unter­stützen will. Kontinentale Militärbündnisse Frank­reichs hält es für eine Gefährdung des Friedens.

Und weiterhin kommt in den letzten Tagen die ^Tirnes" mit einem halbamtlichen Artikel, nach welchem die britische Regierung ein gemeinsames Dorgehen der im fernen Osten interessierten Mächte zwecks baldiger Wiederherstellung ge­ordneter Zustände in China sordert.

Die beiden angelsächsischen Mächte haben sich seit Lösung des britisch-japanischen Bündnisses sowie in letzter Zeit auch mit Bezug auf die Lösung dcr europäischen Rachkriegsprobleme sehr genähert. Allerdings verhält sich Amerika in europäischen Fragcn noch wie vor neutral und tut nichts, was den Anschei i eine- direkten Ein­greifens erwecken könnte.

Aber sowohl in Europa gegenüber Frank­reich als auch in Ostasien wird England jetzt offenbar durch Amerika der Rücken gestärkt.

Frankreich ist durch seinen Marokkokrieg zu­nächst stark beschäftigt. 3m nahen Orient wurde die Gefahr von britisch-türkischen Reibungen wegen der Mossulsrage durch den Kurdenauf­stand stark abgeschwächt. 3n Indien hat die neu­liche Erklärung des Rationalistenführers Das, der nunmehr ein Zusammenarbeiten Indiens mit der britischen Regierung zur Lösung der Auto­nomiefrage befürwortet, tue Dinge für England wesentlich verbessert. Ja. sogar Gandhi will Das seine Unterstützung gewähren.

England kann überall aufatmen, und daher vermag es auch jetzt in solch groben Fragen der Weltpolitik eine energischere Sprache zu führen. Mit Bezug auf die Sich.'rheitsfrage wollen wir nur hoffen, daß die britisch: Regierung nicht wieder, wie so oft zu 3eiten von Lloyd George angesichts französischer Gegenforderungen einen plötzlichen Rückzug antritt. Als ein Fortschritt ist eS ohne Frage zu bezeichnen, wenn England in der Sicherheitsfrage letzt konkrete Forderungen stellt und das deutsche Angebot wenigstens als Grundlage zu Verhandlungen ansieht. Sehr wichtig ist es auch, dab die Regelung der Ost­grenzen Deutschlands in den englischen Sicher­heitsvorschlag nicht miteinbegriffen sind.

Für uns Deutsche wird die Wiederherstellung normaler Zustände im Westen immer mehr zu einer Lebensfrage der gesamten Ration. Deutsch­lands Oberhoheit im Westen muh so schnell wie möglich wiederbergestellt. Ruhr und Rheinland müssen geräumt werden. Rur durch Wiederauf- richtung unserer wirtschaftlichen und politischen Freiheit in den Westgebieten können wir über­haupt an eine Durchführung des Londoner Dawes-Abkommens denken. Drohende Roten, wie sie jetzt wiederum von Paris unter französischer Regie nach Berlin losgelassen werden, können nur dazu dienen, die zur Befriedung Europas, zur Hebung des allgemeinen Handels- und Wirtschaftslebens so notwendige Lösung derRach- kriegsprobleme ganz bedeutend zu verzögern. Die gesamte Welt muh elnsehen. dah wir sieben Jahre nach Schluh des Weltkrieges diese Knebe­lung im Westen, diese dauernd drohende Sprache nicht mehr ertragen können. Dieses Vorgehen gegen uns muh in logischer Konsequenz den Revanchegedanlen nähren. Wir sind zum wahren Frieden, zu ehrlicher, aufrichtiger Zusammenarbeit im Sinne allgemeinen, wahren Wiederaufbaus bereit. Das muft die Gegenseite endlich anerkennen und uns entgegenkommen.

In Angelegenheiten der großen Weltpolotik, in Fragen, die z. D. wie durch die nunmehrigen englischen Forderungen, die Frage der Beruhi­gung Chinas betreffen, können wir leider nicht mehr aktiv eingreisen. Wir könnten es auch nicht, wenn wir im Völkerbund sähen, denn es lind Probleme, die nur durch Machtpolitik gelöst

Feuer am Nordpol.

Technisch-politischer Roman aus Der Gegenwart.

Von Karl-August von Laffert.

60 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Sie müssen also daran denken, unseren Stütz, punkt in Archangelsk unauffällig abzubauen. Vor­schläge darüber erwarten wir von Ihnen. Ein wei- lerer wichtiger Punkt ist die Verlegung der Mar- lensschen Flugzeugfabrik von Uralsk, am besten ebenfalls nach Alaska. Eine derartige Maßnahme muß natürlich berechtigtes Mihtrauen in Rußland Hervorrufen. Wie entschlossen uns daher, Stratoff mitzuteilen, daß wir von jetzt ab die Flugzeuge in Ferreata herzustellen beabsichtigen. Daß dies vor­läufig nach kaum durchführbar wäre, vermag Stra­toff nicht zu beurteilen. Wir erhalten aber auf diese Weise die Möglichkeit das gesamte Mar- lenssche Personal aus Rußland zu entfernen und hierher zu beordern. Daß der Bau der Flugzeuge dadurch eine Zeitlang unterbrochen wird, spielt keine große Rolle. Der vorhandene Lutschiffpark reicht vorläufig aus, und alle entstehenden Reparaturen vermögen wir hier auszuführen.

Dazu ist es nötig, Marlens persönlich in un­tere Pläne einzuweihen, damit er nicht mit tech- nifchen Bedenken kommt. Brieflich, auch in Ge­heimschrift, wäre eine Mitteilung unvorsichtig. Sie erhalten daher den Auftrag, sofort nach Urals! zu reifen und Martens über plles zu unterrichten. Ebenso bitte ich Sie, nach Kalmlkowskaja zu fahren und Blankenburg Mitteilung zu machen. Herr Hagen erhält direkten Bericht von uns.

Sanders ist der Meinung, dah Frau St. einen persönlichen Konflikt zwischen ihrem Mann und uns fürchtet, den sie durch Enthüllung von Stratoffs Plänen zu vermeiden hofft. Ich werde sie jedenfalls genau beobachten lasten.

Ich bitte Sie, sich den Inhalt dieses Schrei­bens zu merken und es dann sofort zu verbrennen. Auch die entfernteste Möglichkeit einer Spionage muß verhindert werden. Nagel/

7.

Bericht Stratoffs.

An den Volkskommissar des Aeußern in Moskau, x Platinia, den 3. Mai.

Die bereits in meinem letzten Bericht er­wähnten Anzeichen, daß die Deutschen sich immer

werden, und mit machtpolitischen Fragen besaßt sich, alles daS ängstlich vermeidend. die Ver- fammlung in Genf nicht, wenigstens hat man dafür bislang noch kein Beispiel. Der Völker­bund ist de facto nur eine beratende Korporation von Diplomaten. Sogar die Dricfkastensrage von Danzig macht ihm Kopfzerbrechen.

England, selbstverständlich unterstützt durch Amerika, wünscht ein Zusammenwirken der Mächte zwecks Wiederherstellung der Ordnung in Ehina! Natürlich liegt Großbritannien hauptsächlich daran, sein durch den Krieg in ganz Asien bis »um fernen Osten stark erschüttertes Prestige wie­der zu stärken.

1900 im Doreraufstande hat das Zu'ammen- wirken der Mächte in China zu keinen glorreichen Resultaten geführt. Wir durften damals sogar, allerdings nur dem Schein: nach, unter Walder- fee die Führung übernehmen. Sie hat uns wenig Dank, aber um so mehr Aerger eingebracht, ilnb unser herrliches Tsingtau mußte, trotz allen Heldenmutes der Derteidlger, fallen Untere kul­turelle Leistung dort draußen ist für ewig in daS Buch der Geschichte eingetragen. Und den­noch war es ein Fehler, wenn wir weitab von den militärischeit Hilfsquellen der Heimat, ohne genügende Stützpunkte es wagten, dort im fernen Osten im Interessengebiet der rasch erstarkenden Großmacht Japan uns militärisch zu betätigen. Was Rußland geschah, das geschah auch und. Damals wie heute sollen und dürfen wir uns dort draußen nur im Interesse der Hebung un­seres Handels betätigen, denn Ostasien war stets unser Hauptabsahmarkt und muß es auch wieder werden.

Wie England sich heute eine baldige Wie­derherstellung der inneren Ordnung Chinas denkt, das weiß man in London wohl selbst nicht genau. Japan und Rußland arbeiten dort jetzt Hand in Hand, und diese Zusammenarbeit richtet sich gegen die Drohungen her beiden angelsächsischen See­mächte. Die neuerdings gemeldeten fremdenfeind- lichen, sogar besonders gegen Japan gerichteten, von Studenten geschürten Unruhen in Schanghai haben nichts mit her Tatsache zu tun. daß auch Peking mit Tokio und Moskau sich im Einver­nehmen befindet.

Die amerikanischen und britischen Flotten­manöver im Osten, her Ausbau Singapores als britischer Großkriegshafen, das alles zwingt Japan zur höchsten Wachsamkeit.

Allgemein läßt sich feststellen. daß die Ost- asiaten heute ihre Geschicke selbst ohne Ein­schreiten her Europäer bestimmen wollen.

England kann wohl Konferenzen über China verhandeln lassen, aber ein sonstiges Eingreifen ist heute unmöglich oder würde zum mindesten eine schwere Bedrohung des Weltfriedens be­deuten.

Italien und der Anschluß.

Don unserem ständigen Jr-Derichterstatter. Wien, Ende Mai 1925.

Rachdruck, auch mit Quellenangabe verboten.

2lls Mussolini sein schroffesRein" gegen den Anschluß Oesterreichs an das Deutsche Reich gesprochen hatte, gab es innerhalb des deutschen Sprachgebietes viele, die den Kops schüttelten und meinten:das war nicht zu erwarten". Wieder andere gaben der Ansicht Ausdruck, es wäre niemals etwas anderes zu erwarten gewesen, wobei diese Propheten ihre Meinung mit dem Wortschatz umkleideten, den sie anläßlich des Eintritts Italiens in den Welt­krieg angefammelt und seither nicht vergessen halsen. Wie in vielen Dingen des menschlichen Lebens, liegt auch hier die Wahrheit in der Mitte: erstere dachten nämlich in allzu weiten Zukunftskonstellationen, letztere in der Ver­gangenheit. Beide haben daher den Boden der Wirklichkeit, den Boden der Gegenwart, verlassen. In Wirklichkeit wird die Politik Ita­liens jeder Zeit, und gleichgültig, wer sie leitet, von dem Grundsatz beherrscht, den Salandra im Mai 1915 mit dem Wortsacro egoismo zusammengefaßt hat. Daher muß ganz objektiv untersucht werden, ob sich in absehbarer Zeit die

mehr von uns emanzipieren, haben sich wiederum vermehrt.

Die Uebernahme von fünfzig Prozent des Aktienkapitals in amerikanische Hände, die ich sei- nerzeit vergebens zu verhindern suchte, war der Beginn dieser Aktion. Seither ging man systema­tisch daran, den ganzen Nachschub von Nova Thule auf Amerika zu basieren. Aus technischen Grün­den ließ sich hiergegen kaum etwas einwenden, denn Nome, der neu gewählte Hauptnachschubsort, be­findet sich um fast die Hälfte näher an Nova Thule als Archangelsk.

Für die Verlegung der Uralsker Flugzeugfabrik nach Nova Thule dagegen konnten mir keine stich- haltigen Gründe vorgebracht werden. Bis zur voll­ständigen Einrichtung der Fabrik in Ferreata ver­gehen noch Monate, ganz davon abgesehen daß das Rohmaterial bisher auch nur zum kleinsten Teile in Nova Thule hergestellt zu werden vermag.

Am bedenklichsten aber ist die vor einigen Mo­naten erfolgte Aufstellung einer rein deutschen Schutztruppe, die bereits 1500 Mann stark ist. Es handelt sich um lauter vorzüglich ausgebildete Sol­daten, meist ehemalige Unteroffiziere und Offiziere. Ihre militärischen Hebungen nehmen zwei Stun­den des Tages in Anspruch. In der übrigen Zeit sind sie als Arbeiter oder Angestellte tätig. Diesen brillanten Leuten gegenüber ist unsere russische Schutztruppe, die auf meine dringende Forderung bin in gleicher Störte gebildet wurde, stark unter­legen.

Augenblicklich liegt die Lage so, daß Nova Lhule imstande ist, sich jederzeit ohne uns weiter behelfen zu können. Didurch besteht natürlich ein nicht zu unterschätzender Antrieb für die deutschen Führer, sich eines Tages völlig unserem Einfluß zu entziehen, falls es ihnen aus irgendeinem Grunde vorteilhaft erscheinen sollte. Da unser Bestreben aber daraus gerichtet ist, das wirtschaftlich unendlich wichtige Nordland früher oder später Rußland an­zugliedern, so muß der überwältigende deutsche Ein- fluß gebrochen werden

Unsere Stärke liegt darin, daß wir überraschend zu handeln vermögen, bevor der Gegner eine Ahnung hat. Die Offiziere der russischen Schutz­truppe sind von mir in alles eingeweiht und be­haupten, der Zuverlässigkeit ihrer Leute gewiß zu fein. Einen festen Plan für den beabsichtigten ölaatsftreid) habe ich nicht ausgearbeitet. Nur über das eine find wir uns vollkommen klar, daß eine Schonung der deutschen Führer völlig verkehrt

heilige Selbstsucht mit hem Anschluß vereinigen läßt, beziehungsweise, was nötig wäre, um beide unter einen Hut zu bringen.

Gerahe ein Jahrhundert halte die italie­nische Dolksstimmung gegen Alt-Oesterreich ge­kämpft. 1819 bis 1821 durchdrangen hie ersten ..Unruhen des Rationa.itätsprinzips " die Halb­insel. die durch den Laibacher Kongreß erstickt wurden, 1848. 1859, 1866 find Marksteine her Erbfeindschaft gegen Alt-Oesterreich. In der Freundschaft" von 187D bis 1914 erblickt der objektive Gefchichtsbeobachter nur ein Richt­können, nicht aber ein Richt-wollen. was der Italiener mitKnechtschaft des Dreibundes" aus­drückt. Das Ende dieser Epoche war die x'u» fammenfaffung aller Italiener, die im Rordoslen außerhalb der eigentlichen Halbinsel lebten; da deren Grenzenungesichert" waren, so nahm man auch noch fremdes Land, deutsches und sla­wisches, um dienatürlichen Grenzen" zu er­reichen.

Als als weiterer Sicherheitskoeffizient auch noch die finiS Austriae erreicht war, begann die Epoche des Strebens, das Erreichte auch zu erhalten; gleichzeitig aber auch die Vorberei­tung der Zukunft, die da heißt; Befreiung jener Volksgenossen, die an der Westgrenze Italiens im fremden Staat leben, in Savoyen. Beide Punkte deckten sich eine Zeitlang Frankreich, das der Gegner her italienischen Zukunftsafpira- tionen in Savoyen, hem Stammland des Königs­hauses, in Rizza, der Heimat Garibaldis, in Korsika, in Tunis mit deren italienischen Ma­joritäten ist, erstrebt die Wiederherstellung Alt- Oesterreichs, gleichgiltig, welche Form diese ..Donauföderation" annehmen sollte. Diese Pläne Frankreichs bedrohten Italien in größtem Maße; daher war Italien um diese Zeit (1920) für das sicherste Gegenmittel einer Donau- föDeration, den Anschluß Oesterreichs an Deutsch­land. Seither find Doi'.auföderalionspläne jeg­licher Art Träume geworden: überdies sicherte derPakt von Rom" (Januar 1924), Italien im Osten nicht nur feinen tatsächlichen Besitz, sondern auch vor bedrohlicher Zangenwirkung Frankreichs und Jugoslawiens. Damit trat eine Abkühlung gegenüber demGegenmittel der Donauföderation" ein; die Förderung des An­schlußgedankens war zur Sicherung überflüssig geworden. Dagegen begann die Sicherung der Gegenwart, die Vorbereitungen für die Zukunft zu übertönen die FrageD e u t f ch f ü d - t i r o l" trat in den Vordergrund der Aktuali­tät. Heute sagt sich das von Ostsorgen befreite Italien, daß ein ohnmächtiges, neutralisiertes Reu-Oesterreich den Besitz Südtirols bestimmt mehr sichere als die Tiefenwirkung von Ham­burg bis zum Brenner. Richt, als ob Italien hierbei an deutscherseits tollsinnigen Wasfenent- scheid dächte; aber die moralische Rückendeckung des nach dem Anschluß 70 Millionen zählenden deutschen Volkes könnte seine Gegenwartspläne durchkreuzen, die auf Entnationalisierung der 250 000 Südtiroler hinausgehen. Diese hofft Ita­lien innerhalb einer Generation soweit durch­geführt zu haben, daß Südtirol keinen ..Kom­pensationsartikel" für ein deutsch-italienisches Zu­sammengehen vorstellt, das die Zukunftspläne gegen Frankreich allein verbürgt, die ebenfalls innerhalb einer Generation in ihren Vorberei­tungen beendet fein können. Daher wandelte sich gegenüber dem Anfchlußgedanken die Stel­lungnahme Italiens erneut; diesmal von Ab­kühlung des Interesses zumRein".

Wie Italien weiter denkt, kennzeichnet der Popolo d'Jtalia", Mussolinis Hauptblatt, in dem er schreibt, auch Italien habe nicht alle Volksgenossen geeint. Rur zur Verschleierung der Denkungsweise fehlt das Wortdermalen" in diesem Sah, um durch diesesdermalen" nicht das taktische Zusammengehen mit Frank­reich bezüglich des Anschlusses zu erschweren; daß aber darin auch die Linien enthalten liegt, einst den Anschluß und nicht Südtirol als Kom­pensation für ein deutsch-italienisches Zusammen­gehen darzubringen, ist für jeden Hat, der italie­nische Mentalität kennt und sie nach seinen eigenen Hoffnungen zurechtmodelt. Daraus geht aber hervor, daß sowohl diejenigen unrecht ha­ben, die durch dasRein" Mussolinis schwer

wäre. Mindestens müssen Sanders, Nagel, Kersten, Günther und noch drei oder vier andere fallen. Die führerlos gewordene Menge wird uns bann keinen erheblichen Widerstand mehr leisten. Als neuen Präsidenten lasse ich mich erwählen, worauf die allmähliche Einverleibung in den russischen Staat nur eine Frage der Zeit sein wird.

Eine äußerst wichtige Hilfe besitze ich in mei­ner Frau, die das Vertrauen der Deutschen, beson­ders des Präsidenten Sanders, gewonnen hat und uns vorzüglich mit Nachrichten bedient. Allerdings befaß ich die Vorsicht, ihr unsere Pläne wegen der Beseitigung der deutschen Führer nicht zu »er­raten. Sie glaubt, wir würden sie nur gefangen- fetzen und außer Landes verweisen. Man muß mit dem Gefühlsleben nichtrussischer Frauen rech­nen, die meist derartige unvermeidliche Gewaltakte verabscheuen.

Ich schicke diesen Brief durch persönlichen Ku- rier und erbitte die Genehmigung der vorgeschlage- nen Maßnahmen. Stratoff.

Telegramm Hagens an Sanders (chiffriert)'

ab Nauen, den 10. Mai.

Der Stand der Unternehmung gegen Nova Thule bot zu Anfang Mai etwa folgendes Bilb:

Das französische Operationsgeschwaber. be- stehenb auf fünf Großen und drei Kleinen Kreu- zern, drei Torpedobootsdioisionen und 15 Trans- portschiffen, erreichte westlich Spitzbergen, die durch Einwirkung des Golfstromes bereits eisfrei ist. Die Schiffe sollen Einrichtungen für die Aufnahme von 20 Kampffliegergeschwadern besitzen, was einer An- zahl von 240 Flugzeugen entspricht. Die neuen Flie­ger erhielten eine starke Seitenpanzerung, die sie vor allem zum Kampfe gegen andere Flieger be­fähigt. Das Unterteil dagegen soll weniger ge­schützt sein. Man beabsichtigt, den Kampf gegen die Flieger von Nova Thule in einer derartigen Höhe zu führen, daß die Einwirkung von Flugzeug- Abwehrbatterien nur geringfügig sein kann.

Die Armierung besteht aus drei Maschinenge­wehren, die Besatzung aus je sechs Mann. Eine An­zahl schwerster Botnben wird mitgeführt. Die Ent­fernung von Spitzbergen nach Platinia beträgt kaum 1400 Kilometer, kann also in knapp sieben Stunden zurückgelegt werden Alle mitgeführten Flugzeuge sollen bereits ununterbrochene Probe- flüae von 20 Stunden geleistet haben.

enttäuscht find, als diejenigen, die vonwel- scher Tücke" vonVerleugnen her besten italie­nischen Traditionen" sprechen Italiens zwar nicht beste, aber beftimmtcfle Tradition ist der sacro egoismo, den jede^ Volk hat oder hasten tollte; hierzu kommt noch. daß Jta e r nur natio­nal und inmrpolirisch freiheitlich-l l eral denkt, aber außenpolitisch nie ra s anders als imperia­listisch cinoeie.lt war, gleich, ob öa?our ober Crispi, GioliUi. Salandra oder Mussolini eS leite. Für Italien.- Anschlüsse ist niemals hie Verganfleni.e l oder die Vorbereitung einer fer­neren Zukunft maßgeblich, sondern immer nur der Preis, her für ein Ereignis in her ©egen-

winnung des Wohlwollens her damaligen West- mächtc, fo 1859 bei Abschluß de Vertrages zwischen Savoyen und Rapoleo;, III . so 1366 bezüglich Venetiens. Io 1870 bei Erwerbung Roms, fo beim Abschluß des Dreibundes, so jetzt, und so wird ei bleiben.

Den Preis, vielleicht auch nur einen Teil des Preises, aber Hal MussolinisRein" eigent­lich im gleichen Atemzug genannt er heißt Garantie her Brennergrenze durch das Deutsche Reich!" für den Fall, daß ha8 »Problem Oesterreich" früher, als eS Italien braucht oder wünscht,spruchreif würde. DaS klang unsachlich und unlogisch; denn eine Grenze zu garantieren, die gar nicht deutsche ReichSgrenzo ist, scheint doch eine unsinnige Zumutung. Die ilnlogil ist richtig, aber in der Politik Italiens gibt es weder Logik noch Folgerichtigkeit, sondern nur eines: den Vorteil! Sind die Vorteile, die aus einer Wandlung vorn Rein zum Ja bezüglich des Anschlusses sich ergeben, gegen­wärtig (nicht zukünftig) groß genug, fo wird Mussolini heiter lächnnd einen Salto mortale schießen und wieder warben all? staunen ob der »Inkonsequenz italienischer Politik".

Tatsache ist: Anschluß Oesterreichs ttnd Südtirol sind zwei ganz geson­derte Probleme. Für die Zustimmung Ita­liens zum Anschluß wird her Preis die Garan­tie her Brennergrenze hurCh die Reichspolitik fein; jetzt ober später; darüber wird man nicht Hinwegkommen I Für die Südtiroler Frage aber totrD eines entscheidend fein, ob die dortige Viertelmillion Deutschen ihr Deutschtum erhalten hat; mit oder ohne Garantie der Brennergrenzel

Ser 5all Himmelsbach vor dem Untersuchungsrichter.

Darmstadt, 6. Juni. Freitag vormittag um 9 Uhr wurden die Verhandlungen des Him- melsbachausschusses wieder ausgenommen. Finanz- minifter Henrich gibt eine Erklärung ab, wo­nach die hessische Regierung gewillt sei, das ganze Material dem Unterluchungsaus- schuß zur Verfügung zu stellen; hie Regierung habe alles Interesse daran, daß die Angel, gen- beit geklärt wird. Aber auS dem Verlauf der Verhandlungen sei zu entnehmen, daß dcr Aus­schuß nicht allein feststellen wolle, was hie Firma Himmelsbach getan habe, sondern daß die ilnter- fuchung sich auch gegen die Regierung richte. Der Regierung müsse Gelegenheit gegeben werden, eine schriftliche Antwort zu er­teilen. Es kämen nämlich außenpolitische Inter­essen hier in Frage, auch stehe das Verhalten von Beamten zur Beurteilung. Es komme, unter Um­ständen, ein zeitweiliger Ausschuß her Oefsent- lichkeit in Frage. Der Minister erklärte weiter, er muss everlangen, daß die Verhandlungen so lange ausgesetzt werden, bis eine Antwort erfolgen kann.

Der Vorsitzende bemerft dazu: Die Verhand­lungen bewegen sich nach zwei Richtungen, ob Beamte die Schuld trifft oder die Firma Him­melsbach?

Abg. Kindt (Dntl.) ist her Meinung, daß die Untersuchung sich durcharrs nicht gegen dis Regierung richtet; es könne ruhig weiter ver­handelt werden. Cs handle sich bei her Unter­suchung nur darum, festzustellen, wer für den Schaden verantwortlich zu machen ist. den her hessische Staat erlitten hat.

Zum (Einüben ber Flugzeuagefchwader In den nördlichen Breiten sind etwa 11 Tage vorgesehen. Es ist daher schon in der nächsten Zeit mit dem entscheidenden Angriff zu rechnen. Einzelne Er- kundungsflüge bis nach Platinia werden der Haupt- operation wohl vorausgehen. Ich nehme an, daß sie bereits erfolgt sind.

Meine im Auftrage von Nova Thule bei den Vereinigten Staaten unternommenen Schritte brachten, wie zu erwarten war. keine großen (fr- folge. Washington begnügte sich damit, Frankreich daraus hinzuweisen, daß die Aktien von Nova Thule zur Hälfte in amerikanischen, Besitz wären. Man würde daher Frankreich für jeden erlittenen Scha- den verantwortlich machen. Außerdem bot die Union eine Vermittlungsaktion an, die natürlich abgewiesen wurde. Frankreich erklärte, es würde das amerikanische Privateigentum völlig unange- tastet lassen und für etwaige Verluste aufkommen. Seine Aktion richte sich lediglich gegen die beut» fchen Führer in Nova Thule, für deren Gewalttat es Rechenschaft verlangen muffe.

Augenblicklich verhandelt Amerika noch weiter, doch bringt bisher nichts darüber in die Ocffcnt- l'chkeit. Wie ich immer oorausfagte, bleiben mir also auf uns selber angewiesen. Ich hoffe, daß die brave Schutztruppe und der tüchtige Kersten ihr mög­lichstes tun werden. Glückauf! Hagen.

izunkspruch vom Eiffelturm an Nova Thule.

Paris, den 14. Mai.

Tie Regierung Frankreichs, die sich stets nur oon den Geboten der Versöhnung und der Frie- densbereitschast leiten läßt richtet an die Verwal­tung von Nova Thule ein letztes Mahnworl. Sollte dieses unverdiente Zeichen der Großmut zurückge- wiesen werden, dessen Veranlassung nicht nur in dem Bewußtsein einer unbesieglichen Stärke, son­dern vor allem in der Erkenntnis beruht, in erster Linie dem Fortschritt und der Zivilisation zu dienen, so sieht Frankreich sich zu seinem größten Leidwesen gezwungen, an die Kraft der Waffen zu appellieren.

Wir verlangen von Nova Thule nichts weiter als die Einsetzung einer französischen Kontrollkom- mission. Diese erhält das Recht, die Schadenersatz, forberungen Frankreichs festzustellen. Eine dann folgende Volksabstimmung soll über die weitere und endgültige Regierungsform des Landes beschließen.

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