Ausgabe 
8.6.1925
 
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llr. |3( Erstes Blatt

175. Zahrgang

Montag, 8. Juni 1925

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General-Anzeiger für Oberhessen

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DerKampf derSoartänder Die Tagung des Bundes2aarvcre«u" in Hannover.

Hannover, 6 Juni. (WTB.) Der Bund Saarverein", der sich die Erhaltung des Deutsch­tums im Saargcbiet und seine Befreiung von den vertragswidrigen Fesseln zur Aufgabe ge­macht hat, ist heute in Hannover zu seiner 5. Iahresiagung zusammenfetre en. Dem Bunde gehören eine große Anzahl von Ortsgruppen im unbesehen Deutschland an. Den Ehrenvorsitz hat Reichspräsident v. Hindenburg übernommen. Dem Ehrenausschuh gehören auch Oberpräsident Roste. Hannover, und Regie­rungspräsident v. Belsen an. Aus dem vom Leiter der Geschäftsstelle desSaarvercins", Berwaltungsdireltor Bogel, Berlin, erstatteten Bericht über die Tätigkeit des Bundes ergibt sich u. a., wie Frankreich durch die Saarregierung langsam aber sicher das Saargebiet mehr und mehr zu einer rein innerfranzösischen Angelegenheit umzugcstalten versucht, wo­bei ihm die Eingliederung des Saargebietes in daS französische Zollregime außerordentlich förderlich ist. Wie Frankreich in den besetzten Gebieten alle Maßnahmen gegen die deutschen Interessen mit der Sicherheit der Be­satzung begründet, so werden im Saargcbiet derartige Maßnahmen mit dem ihm im Saar­statut zugestandenen Recht ungehinderter Ausbeutung der Saargruben be­gründet.

Dabei handelt eS sich nicht nur um rein wirtschaftliche, sondern Im weit größerem Maße um politische und kulturelle Dinge, denn Frankreich hat den beherrschenden wirt­schaftlichen Einfluß der Saargruben dazu benutzt, um einesteils eine Art separatistische Bewegung bit i den Saarbrnd zu inszenieren und zum andern französische Schulen ins Leben gerufen.. Aus diesem und vielen an­deren Vorgängen drängt sich die Desürch« tung auf, daß Frankreich im Verlaufe der bis zur Abstimmung vorgesehenen 15 Jahre dem Saargebiet einen in wirtschaftlicher, politischer, wie kultureller Beziehung völlig veränderten Charakter zu geben bemüht ist, der, wie In der oberfchlesischen Frage das Abstimmungsergebnis, der Bevölkerung wesentlich zu Zugunsten Deutschlands beein­flussen könnte.

Don Bedeutung ist auch die Stellung, die in dem Bericht zur Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund genommen wird. In führen­den politischen Kreisen des Saargebietes neigt man immer mehr der Auffassung zu, daß Deutsch­land sich nicht aus Rücksicht auf das Saargcbiet zu einem voreiligen Ein­tritt entschließen dürfe. Die Erfahrungen, die die Saarde'egatior.en in Gens gemacht haben, zeigen, daß der überragende Einfluß Frankreichs im Bölkerbund auch in Zukunft vorhanden sein wird. Deshalb würde die eine deutsche Stimme im Bölkerbunds- rat kaum das Schicksal der Saargebietsbevölke­rung ändern können. 3m übrigen ergab sich aus dem Bericht, daß durch den Saarverein die eng st e Fühlung zwischen dem Saar­gebiet und dem übrigen Deutschland nicht nur aufrechterhalten, sondern weiter gefestigt worden ist.

Hierauf wurden Telegramme des Reichs­präsidenten v. Hindenburg und des Reichskanzlers Dr. Luther an dei Saarverein bekannt gegeben. Die Stadt hatte aus Anlaß der Tagung reichen Ffaggeaschmuck angelegt. Jahrtausendseier in Duisburg.

Dr. Jarres jnr Ränmnngsfrage.

Duisburg. 7.3uni. (WB.) Den offi­ziellen Auftakt zur 3ahrtausendkeier in Duis­burg bildete die Enthüllung des wicdererrich- teten Binckc-Denkmals in Duisburg-Ruhrort, die der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg Dr. Jarres im Beisein zahlreicher Vertreter der Reichs- und Landesbehördcn sowie der in- und ausländischen Presse vollzog. 3n seiner Rede betonte der Oberbürgermeister insbesondere die Zusammengehörigkeit des Rheinlandes und des Deutschen Reiches. Wir wollen, und dürfen be­tonen/daß wir nach den völkerrechtlichen Ab­machungen ein Recht auf Befreiung haben und daß wir die Einhaltung der Abmachungen mit dem bitterer'. Ernste eines Anrecht erdulden­den Volkes erwarten. Wir erinnern uns, bei der heutigen Feier dankbar der Segnungen, wel­che der preußische Staat uns und dem Rheinland gebracht hat.

An die D e n k m a l s c n t h ü 11 u n g schloß sich ein gemeinsames Mittagessen in der Städti­schen Tonhalle. Dr. 3arres erinnerte an die Be­deutung des 16. 8. für die Slädle Düsseldorf und Duisburg. Am 16. 8. 1921. führte der Red­ner aus, ist zwischen den Vertretern Deutsch­lands. Frankreichs und Belgiens, vertreten durch ihre ersten Minister, ein Memorandum sestge- stcllt worden, in dem es heißt, daß

diese Minister namens ihrer Regierungen sich verpflichten zu der Räumung des Sank- tionSgebietes gleichzeitig mit der Räumung des Einbruchgebietes.

Am 19. 8. hat der damalige englische Minister­präsident Macdonald erklärt, daß er die Gründe, welche seinerzeit im 3ahre 1921 nach der Auf­fassung der englischen Regierung zur Besetzung der Städte Düsseldorf und Duisburg geführt hät­ten, als längst toeggcfallcn betrachte. Faßt man das zusammen, sieht man diesen ganzen Schriftwechsel, so lann kein Zweifel daran fein.

Die

XI.

irren in China

Berlin, 7. 3unl ($H.) Die chinesische Ges andschaft in Berlin Hit folgende Mit­teilungen über die Vorgänge in Shanghai aus- gegeben:

Als b.i dem Versuch der gewaltsa­men Unterdrückung eines Streikes, chinesischer, in japanshei Dnumwo ls inner ien bZchäftigtcn Arbeiter ein ge von d esen ver­wundet worden waren haben chinesische Studenten am 30. Mai e nen Demonstra- tionszug durch de Streßen Scha-g^ais unter­nommen.

Die ausländische Polizei hat. ohne den Ver­such zu macken, den Zug in Ruhe aufzulösen, das Feuer eröffnet,

wobei 11 Personen Manifestanten und Pa Zan­ten getötet und 16 verwundet wurden. C toa 40 Personen wurden verhaftet. Am 1. 3u i wur­den 3 Personen getötet und 17 rerwun ^et

Dieses Vorgehen der ausländischen Polizei war, besonders mit Rücksicht auf das De!ha'ten der Studenten, die unbewaffnet waren und lediglich eine Manifestation gegen die schlechte Behandlung der streikenden Arbeiter unternehmen wollten, in keiner Weise gerecht­fertigt. Diese Manifestation war aus pa rioti- schen und aus Gerechtig'eitsge'ühsen unternom­men worden und konnte demnach keinen fremden, feind ich en oder kommunistischer Ch-rakter haben. Deshalb h den di: bedauerlichen Vorgänge, für die ausschl.eh ich die ausländischen Behörden die Verantwortung zu tragen haben, enrn gewaltigen Wiederhall in ganz China gefunden und alle Chinesen mit Empörung erfüllt.

Der Generalstreik In Schanghai ist beschlossen worden.

Am 1. 3uni hat das Auswärtige Amt in Peking an die Vertreter der beteiligten Mächte eine Protestnote gerichtet, in der die sofortige Freilassung der Verhafteten verlangt und Gel­tendmachung von Forderungen nach Feststellungen an Ort und Stelle Vorbehalten worden sind. Zwei Kommissare sind zu diesem Zweck sofort nach Schanghai entsandt worben.

*

Die chinesische Regierung hat an die Gouverneure aller Provinzen die Aufforde­rung gerichtet, die Kaufleute, Arbeiter und Stu­denten zur Ruhe zu mahnen bis der Kon­flikt auf diplomatischem Wege gelöst sei.

Das diplomatische Korps hat be­schlossen, einen Untersuchungsausschuß nach Schanghai zu entsenden, um die Gründe zu er­forschen. die die Streikbewegung hervorgerufen haben. An die Spitze dieses Ausschusses wurde der französisch: Gesandtschastsrat T r i d i e r ge­stellt.

Europäische Truppenlandungen

Schanghai, 7. 3unl (Havas.) Die Zahl der gelandeten Marineinfanterie und Matrosen, die die Ordnung aufrechterhalten sollen, beträgt etwa 1500 Mann. Diese Streitkräfte werden durch

einen englischen, einen französischen und einen italienischen Panzerkreuzer, sieben amerikanische Torpedoboote sowie englische, französische und japanische Kanonenboote Dcrftärtt. Das Eintreffen von 400 amerikanischen Marineinfanteristen wird erwartet. Die Arbeit wurde zum Teil wieder ausgenommen.

(Eine Schlacht vorKanton

Bedrohte Lage der Ausländer.

Kanton, 7. 3unt (Reuter.) Die Vünnan- ©enerale 3 anghsimin und Lautschun - toan, die sich als Anhänger der 3deen Suny- atsens bezeichnen, haben die Bchörden ausgesor- dert. die Truppenbewegungen in Öen östlichen und westlichen Fluhbezirken einzustellen. Die Behör­den erklärten darauf beide Generale für a b g e - seht und ernannten General Tschupeiteh zum stellvertretenden Führer der Bünnan-Streit- kräste. 3anghsimin beantwortete diese Maßnahme der Behörden mit der Besetzung der Resi­denz des Gouverneurs, der Telephon- und Telegraphenämter und der elektrischen Licht- und Kraftwerke.

Die Telegraphenlinie nach Hongkong wurde durchschnitten.

Rach den neuesten Meldungen hat der Kampf zwischen den Pünnan- und Kanton- leuten begonnen. Die Kanonenboote der Kantonleute eröffneten das Feuer auf die Pünnan-Leute, das von diesen lebhaft er­widert wurde. Das Gefecht, das sich in der Rähe derZementwerke abspielte, dauerte fast zwei Stunden.

3n den d ft l i cf) e n Vorstädten Kan­tons werden

Schützengräben ausgeworfen.

Der amerikanische Geschäftsträger in Peking hat auf Weisungen hin, die er von hier erhalten hat, die amerikanischen Bürger angewiesen, die Vor­städte Kantons zu verlassen.

Der britische Generalkonsul in Tschingkiang bei Hanking telegraphierte gestern:

»Aufruhr im Konzessionsgebiet! Kann Flotte Hilfe schicken?"

Aus späteren Meldungen geht hervor, daß aufrührerische Studenten drei Häuser im Kon­zessionsgebiet zerstörten, und daß sich die mit dem Schutz der Ausländer beauftragte ch i n e f i - schePolizei als vollkommen, unbr au ch- bar erwies. Der chinesische Oberbefehlshaber entsandte schließlich nach dem Schauplatz der Unruhen Truppen, die die Ordnung wiederher st eilten. Die Frauen und Kinder der Ausländer kehrten darauf von den Schiffen, auf denen sie Zuflucht gesucht Zhatten, wieder an Land zurück. Rach den in der vergangenen Rächt eingegangenen Rachrichten ist die Lage wieder ernst. Das amerikanische Kriegsschiff Paul 3ones wird gegenwärtig in Tschinkiang erwartet, wo am Montag auch ein britisches Kanonenboot eintreffen soll.

daß nach dem Londoner Pakt die Städte Düssel­dorf und Duisburg am 16. 8. d. 3s. spätestens geräumt sein müssen. Wir erwarten, daß dirse Ausführungen strikte gehalten werden. Minister H i r t s i e f e r sprach die Hoffnung aus, daß die Zeit bald wiederkommen möge, wo wir offen und frei fingen dürfen: Deutschland, Deutsch­land Über alles, und wie eine Antwort des neu­tralen Auslandes auf den Wunsch des preußi­schen Ministers erschien allen Anwesenden die Aufforderung des Konsuls der Rie­de r l a n d e. Oberst a. D. van L i t h , mit ihm das Lied anzustimmcn: Deutschland, Deutschland über alles. Mit größter Begeisterung leisteten alle Festteilnehmer dieser Aufforderung Folge. Dr. 3 a r r e s dankte dem Konsul für seine war­men Worte, wobei er besonders den von van Lith gesprochenen Satz: Die Seele des Rhein­landes wird wohl niemals besetztes Gebiet wer­den, unterstrich und schloß mit einen! Hoch auf die Riederlande

Die neue Novelle zur perfonalabbauverordnung. Berlin. 6. 3uni. Die neue Rovelle zur Personalabbauverordnung sieht, toi:- das W.T.B. erfährt, folger de Verbesserungen vor:

1. Gänzliche Aufhebung der für die Be­amten und Angestellten geltenden Abbaube­stimmungen.

2. Völlige Beseitigung der Pensions- kürzungsvorfchri'sten.

3. Gewährung von Abfindungssum­men an verheiratete weibliche Beamte, die aus dem Beamtenverhältnis ausscheiden.

4. Hinaufsehung der Mindestwarte- geldgrenze und des Höchstbetrages des Wartegeldes.

5. Einschränkung der Einstellungs­sperre und besondere Berücksichtigung der Der- forgungsanwärter und der Schwerkriegsbe­schädigten bei der Einstellung von Beamten.

6. Gewährung von Witwen- und Waisengeld an die Hinterbliebenen e nes v r'rorb.nen Ruhe­gehaltempfängers, der sich errt nach der Pen­sionierung verheiratete.

7. Gewährung von Witwenbeihilfe an schuldlos geschiedene E hef, auea v rstorbsner Beamten oder Ruhegehaltsempsänger.

8. Gewährung der Witwengeldf^eihilfe an wiederverheiratete witwengeldrerechtigie Witwen im Tod^salle des zweiten Mannes.

Da diese Verbesserungen nicht ohne Einfluß auf die Rechte der Lände r-und Gemeinde­beamten bleiben werden, war di: vo-he.ige Beteiligung des Reichsrates geboten, um so e ne gleichmäßige Behandlung der Reichs beamt en mit Sen Länder- und Gemeindebeamten zu erzielen.

Frankreichs

Verträge mit Polen und der Tfchecho-Slovakei.

London. 6. 3uni. (TU.)Manchester Guardian" veröffentlicht heute den französisch- polnischen und den französisch-tschechischen Ver­trag vom 19. Februar 1921 bzw. vom 25.3a- nuar 1924. Der französisch-polnische Vertrag stellt fest, daß beide Regierungen von dem Wunsche beseelt seien, durch Aufrechter­haltung der gemeinsam unterzeich­neten Verträge Den Frieden Europas, die Sicherheit und die Verteidigung ihrer Terri­torien und gegenseitigen politischen und wirt­schaftlichen 3ntereffen zu garantieren. Dann heißt es:

Art. 1. Die beiden Regierungen verpflichten sich, sich über alle die beiden Staaten interessie­renden Fragen der auswärtigen Politik ins Be­nehmen zu setzen.

Art. 3. Wenn im Widerspruch zu den Vor­aussetzungen und den ehrlichen friedlichen Abllch- ten die beiden Parteien ohne Herausforde­rung angegriffen werden, werden Oie beiden Regierungen in Besprechungen eintrc- ten. um ihre Territorien und ihre berechtigten 3ntereffen zu verteidigen.

Art. 4. Die beiden Regierungen verpflichten sich, vor dem Abschluß von neuen Ver­einbarungen, die ihre Politik in Ost- und Mitteleuropa betreffen, sich mit einander ms Benehmen zu sehen.

Unterzeichnet ist der Vertrag von Driand und Eapieha.

WieManchester Guardian" hierzu bemerkt, ist man im allgemeinen der Ansicht, daß Art. 3 durch eine französisch-polnische Militärkonvention ersetzt worden sei, deren Bestimmungen noch gebeimgehalten würden. Der' französisch-tschechisch: Vertrag will die bestehende internationale Ordnung auf­rechterhalten.

Aus Dem Barmata sschuß

Vernehmung des Netchökanzlerö

a. D. Vauer.

Berlin, 6. Juni. (WTB > Der Unter- suchungsausschuß des Reichstags für die Mrebit- gewährung an Barmat-Kutifkei ist be mengetreten, um sich mit Den Kapiteln F.ttste'le undDemo weiter zu beschäftige» Der 'Jor- sitzende Sänger gibt zunächst Stenn Ink- cor, ?cr in München erfolgten tommiisarischeu --v mung des deutschen 'Angestellten, der früher i i der holländischen Firma Schi ppm o e l i in Amsterdam beschäftigt mar. Diese Firma »rhiilt von der Amexima, oder auch von Julius B a r mat persönlich den Auftrag, Liebesgabe n an etwa 12 bis 17 Personen in Deutschland zu senden. Die Sendungen erfolgten in regel­mäßigen Abständen von 14 Tagen bis vier Wochen. Die Empfänger waren unter anderem Abg. Wels, Geh. Rat Ruhe, Fra» Marga Hellwig, Heilmann und Postmimstcr H ö f l e.

3m weiteren Verlauf legte Reichskanzler a. D. Bauer Aum KapitelD e m a Zeugnis ab. Die Anneekonservenfabrik in Hasseihorst sei mit Zu­stimmung des zuständigen Staatssekretärs und der Ministerialdirektoren in die Industrie-Abteil»' g des Reiches überführt worden 3m Sommer 1922 wurde sie durch deren Fusion mit derBrema", einer bremischen Margarinefabrik, mit 'Beteiligung des Reiches umgeroanbclt worden in dieDemo". Heber die Einzelheiten sei er nicht unterrichtel. Rach der Umstellung sei Die Sorge aufgetreten, wie Die Mittel für die benötigten Rohstoffmcngcn beschafft werden können. Er habe den Ministerialdirektor Kautz darauf hingewiesen, daß er e i n (n A u s - länder kenne, der seines Erachtens k a p i talträf4ig genug sei, um die benötigten Kredite zu verschaffen. Er habe dabei an B \i r« mat gedacht, aber darauf hingewiesen, daß Bar- mat immer viel oerdie nen wolle und daß mit ihm nur abgeschlossen werden solle, wenn die Be­dingungen akzeptabel seien. Kautz habe bann auch einenV ertrag mit fBarmat abgeschlos - s e n. Barmat habe bann bie Rohstosflieferungen übernommen unb biefe Waren kreditiert. 3d) bin bann im November 1922 aus dem Staatsdienst ausgeschieben, bfieb aber als Mitglied des Aus. sicht-, rats mit derDemä" in Verbindung. Es ist in Den Aufsichtsratssitzungen immer ancriannt worden, daß Barmat seine Verpflichtungen gegen­über DerDemo" exakt erfüllt habe. 'Barmat machte Dann Den Versuch, höhere Zinssätze für feine KreDite von DerDemo" zu erhalten. 3ch habe mich aber im Aufsichtsrat enischieDen Dagegen ge- roanDL 3m Sommer 1923 hatte dieDema" sich einen eigenen Rohstoff-Apparat geschaffen. Sie deckte ihre Verpflichtungen bet 'Barmat und l ö ft e bie Krebitbeziehungen zu ihm. Auf Fragen des Vorsitzenben erklärte Der Zeuge Bauer, Daß auf Er­suchen DerDema" Die Reichsbank 1922 einen Ärebit für bieDema- zur Verfügung stellte, bei ber bieAmexima" von ber Reichsbank als ausreichenbe Girantin angesehen würbe. Mit Hilfe bieses Krebites sei es Baarmat möglich ge­wesen, sich mitunter auf seineDema"°Wechsel (Sel­ber zu verschaffen. Er, ber Zeuge Bauer, unb Ministerialbirektor Kautz hätten von Barmat 1923 je breihunbertDema - Aktien erhalten. DieseDema"-Aktien besitze Bauer jetzt noch. Sie hätten gegenwärtig einen Gesamtwert von 600 Mk. 600 Mk.

Blutiger Zusammenstoß in Teltow.

Berlin, 7. 3uni. (WTB., Als btt Schutzen- gilbe von Teltow bei Berlin anläßlich ihres Schützenfestes einen Um,|ug burch bie Ortschaft ver­anstaltete, kam es zwischen Teilnehmern bes Zuges unb Mitgliedern des roten Frontkärnpferbundes, ber ebenfalls in Teltow ein Fest feierte, zu schweren Zusam­menstößen, bei benen als Wurfgeschosse Fla­schen unb Steine eine Rolle spielten. Schutzpolizei unb ßanbjäger griffen in Die Schlägereien ein, wo­bei schließlich auch Schüsse fielen. Als Die Beamten mit ihren Gummiknüppeln nichts mehr ausrichten konnten unD einige von ihnen bereits verletzt waren, mußten sie von Der Schußwaffe Gebrauch machen. Ein Toter unb neun Schwer- verletzte blieben auf bem Kampfplätze liegen. Sie gehören bem roten FrontkämpferbunD an. Aber auch Die Gegenseite, sowohl Die Polizei als Die Schützengilbe, bie ber Polizei zu Hilfe geeilt war, batte eine große Anzahl Verletzter. Wie Die Blätter betonen, hatte Der Die Polizei anführenDe Ober- l a n b j ä g e r Die anbringenDen Kommunisten mit lauter Stimme zum Zurückweichen aufge- f o r b e r t, ba er sonst genötigt fei, von Der Schuß­waffe Gebrauch zu machen. Erft als diese« Austor« berung nicht Folge geleistet würbe, gab Der Ober» lanbjäger-Den Befehl, scharf zu schießen.

DasRegierungsjubilo. m bes Königs von Italien.

Rom, 7. 3uni. (Agenzia Stefani.) 3talien feiert heute bas 25jährige Regierungsjubiläu.n Des Königs Bittorio Emanuels. Roch bis gestern abend rourDe an Der festlichen Ausschmückung oer StaDt fieberhaft gearbeitet. Heute prangen alle Straßen im Schmuck unzähliger Fahnen, GirlanDcn unb Pla­kate, auf Denen bie Bebeutung bes heutigen Tages zum Ausdruck kommt. Das festliche Bilb wird belebt burch Die unzähligen, aus allen Teilen bes Landes eingerroffenen Abordnungen ber Provinzial- unb Kommunalbehörben, ber politischen unb wirt­schaftlichen Bereinigungen aller Berufe unb Stände,