Ausgabe 
7.9.1925
 
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Montag, c. September 1925

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

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Richtlinien für den Schwimm­unterricht in den hessischen Schulen

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ist die Hausfrau

die ihre Garderobe (Damen-, Herren- u. Kinder­kleider), Decken, wollene und seidene Vorhänge, Kissen, Gardinen, Teppiche, Handschuhe, Federn etc.etc.chem.reimgen oderfärben läßt Die meisten Gegenstände lassen sich sicher wieder w e neu herstellen. Neusmschaffungenwerden gespartund dem persönl. Wohlbefinden Rechnung getragen.

Sehr gefördert wird der Schwimmunterricht, wenn die Kinder bereits vorher mit dem Wasser

Marotto als Wirtschafts-Staat.

Don Professor Dr. Hermann Levy (Berlin).

Die Bedeutung Marokkos als aktiver Wirt- fchaftsstoal datiert erst leit der kolonialpolitischen Kampagne, die zur Uebernahme des Pro­tektorates über Marokko durch rank- reich feit dem Jahre 1912 geführt hat. Bis dahin lag die Entwicklung Marokkos, was den Bahnbau, die Ströhen, telegraphischen Verbindungen, Hofen- anlagen anging, sehr im Argen. Marokko kam lediglich als koloniales Absatzgebiet, als Kunde, nicht als Lieferant für zivilisierte Wirt- schaflsstaaten in Frage. Seine Einfuhr betrug 231,2 Millionen Franken, seine Ausfuhr im Jahre 1913 nur 46.4 Millionen Franken. Aber um diesen Ab­satzmarkt ging ein lebhafter Wettbewerb, be- ionders zwischen England, Frankreich und Deutschland. England setzte soweit die Zif­fern wegen des verschleierten Durchfuhrhandels durch andere europäische Staaten als exakt gelten können im Jahre 1913 für 1,2 Millionen Pfund Sterling Daren in Marokko ab, Deutschlands Aus- fuhr dorthin überschritt schon im Jahre 1908 die zehnte Million Mark. Dor allem aber nahm Ma­rokko einen nicht unbeträchtlichen Teil anunsicht­baren Ausfuhren" auf, die nicht aus der Handels­

und Springen.

Nebenher geht die Einführung in

ägnctften ist.

~ ' fördert wird der Schwimmunterricht,

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Belebung Ertrunkener, insbesondere Wendung der künstlichen Atmung.

Der beste Weg zur Erreichung des Zieles ist der K l a f s e n u n t e r r i ch t- Er ist dort, wo der Unterricht verbindlich irt. am leichtesten durch- zuführcn. Wo er aber an die freiwillige Beteili­gung der Kinder gebunden ist und wo es an Räumen und Zeit gebrich^, müssen besonders Schwimmabteilungen gebildet werden. Mchr als 30 Kinder dürfen einer einzelnen Lehr­kraft nicht zugcmutet werden. Als besonders wirlungev-ll hat sich das Zusammenarbeiten zweier Lehrkräfte mit Abteilungen von 50 biS 60 Kindern erwiesen. Durch zweckmäßige Arbeits­teilung wird eine genügende Ueberwachuyg er­möglicht und die Zeit besser ausgenüht. Die Er­fahrung hat gelehrt, dah im allgemeinen daS 6. Schuljahr für den Schwimmunterricht am ge-

genügend vertraut gemacht sind Hierzu wären im 4. und 5 Schuljahr zur Sommerzeit wöchent­lich je eine Stunde zum Betuch eines DadeS im Freien zu verwenden. Für das 5. Schuljahr wären dann im Winterhalbjahr die Trockenübungen zu fordern. Bevor dir Kinder zu den Wasferübungen geführt werden.

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:rum des früheren Grundbesitzes ^ugetcilt. Meist er- hielten sie diese an der Peripherie, wo die Boden- Verhältnisse und der Mangel an Gebäuden und In- oentar kaum eine Existenz als Kleinbauer möglich erscheinen lieh. Zudem unterlag die Landzuteilung an die früheren deutschen Grundbesitzer zumeist einer außerordentlichen rigorosen Handha­bung, die das wesentlichste Ziel und den offen zu- geftanbenen Znreck der Agrarreform, die e n b g ü l tige Vernichtung ber beutidjen Kul­tur und b e 9 bisher bestimmenden deutschenEinflufses förderte unb unterstrich. Es war von ben neuen Gesetzgebern richtig erkannt worden, doh mit der Zertrümmerung be:- deutschen Grundbesitzes als stärkste politische Stütze ber beu- schen kolonialen Dormachtsiellung unb mit bem Raub ber Dodenstönbigkeil auf bie Dauer bas ge­samte Deutschtum bieses Gebietes fallen muhte.

Auf Seiten bes stark gelichteten unb wirtschaftlich fast gebrochenen baltischen Deutschtums würbe da- gegen klar erkannt, dasi der altgewohnte Weg des unbeirrbaren Fe st stehens unb Aushar - rens auf bem angestammten Heimatboben, Eigen­schaften, bie von jeher bas borkige koloniale Deutsch­tum ausgezeichnet haben, ber einzige fei, ber be­schritten werben könne unb müsse. Was an beutschem Grunbdesitz bort noch verblieb, würbe in jahrelanger mühevoller Arbeit langsam wieder neu aufge - baut. Bei ben klimatischen und Bodenverhältnissen dieser östlichen Gebiete sicherte die durch die Agrar-

btlanz ersichtlich wurden. Rach den Angaben des evgliichen Abgeordneten E. D. Morel in seinem BucheMarokko in der Diplomatie" war der Han- del von Casablanca mit 40 Proz. in deutschen Händen. Drei deutsche Schiffahrtslinien liefen ma- rokkonilche Hafen an, die deutschen Postämter waren anerkanntermahen die besten, die deutschen Kredulransakttonen nicht unbeträchtlich.

Wahrend des Krieges und nachher hat nun aber auch der marokkanische Ausfuhrhandel einen erheblichen Aufschwung genommen. Don 46,4 Mill. Franken im Jahre 1913 ift er auf 256,2 Millionen Franken im Jahre 1922 gestiegen, wobei freilich zu bedenken ift, bah ber Franken zu Ende bes Jahres 1922 bereits sich wesentlich verschlechtert haue unb gegen das Pfund Sterling mit ca. 66 anstatt 25 notierte. Auch ist zu berücksichtigen, bah bie Preise gestiegen waren, so bah bie Steigerung ber Warenausfuhr geringer gewesen fein muh, als aus ber Steigerung ber Wertausfuhr anzunehmen wäre. Aber selbst wenn man bies berücksichtigt, bleibt die Steigerung des Ausfuhrwertes um fast bas Sechsfache der Dorkriegszeit ein bezeichnenbes Symptom für ben Fortschritt ber marokkanischen Wirtschaft. Die Einfuhr hat sich von 231 auf 966 Millionen im Jahre 1922 erhöht. Sie ist also nicht so rasch gestiegen wie bie Ausfuhr, wobei noch zu bebenfen ist, doh die Steigerung der Preise der eingefuhrten Fertigwaren vermutlich gegenüber 1913 höher zu bewerten ist als die Steigerung der

föhnten ist keine Rede. Immerhin war Marokko nach dem Kriege em Tummelplatz vieler speku­lativer Elemente, unb der Rückschlag des überlchötzten Tempos marokkaniicher Entwicklung nach der ersten Zeit des französischen Siegestaumels ist im dortigen Geschaftsleben nicht ausgeblieben. Die gröhte Gefahr aber für bie gesamte Weiter­entwicklung Marokkos in wirtschaftlicher Beziehung ist ber Dieberausbruch des jetzigen Krieges, dessen Wirkungen und Fernwirkungen noch nicht abzu­sehen sind.

Vas auseinanderfallende China.

General Wu-pei-fu. der im vorigen Jahre durch den Absa'.l des christlichen Generals Zengh in eine unglückliche Lage geriet und durch ben zur Pelinger Zentralregierung halten­den General Tlchang-Tso-L in überwunden wurde, ift nun plötzlich, nachdem man lange Zelt nichts mehr von ihm hörte, wieder aufgetaucht unb bat nach einer Meldung auS Kanton die 11 n » abbängigfeit der von ihm in Zentralcknna regierten Provinzen ausgesprochen. Somit grup­pieren sich um die schwache Pekinger Regierung jeftt folgende vier selbständigen Machtfaktvren: Tschang-Tso-L in im Aordcn in ber Man­dschurei. Feng-Vu-Hsiang im Westen in der Mongolei, bie Santonregicrung in Südchina unb Wu-Pei- Fu im Zentrum. Es hat zwar Anfang August in Ehikungshan eine Konferenz ber- mittleren unb südlichen Pro­vinzen unter Ausschluß Tschang-Tfo-LinS statt- gefunden, bie mit einem Dündnisgegendi e 3entralreglerung von Peking endete. Da aber die Generale untereinander sich selbst nicht wohlwollen unb sich auch weiterhin eifer­süchtig beargwöhnen, bedeutet das Wiekeraus- taudjen Wu-Pei-Fus nicht- anderes als bie Fortsetzung be« Verfalls des chinesi­schen Aiesenreiches. um so mehr, als das oben erwähnte Bündnis sich auch gegen die radikale Äantoner Regierung richtet, die erst vor wenigen Tagen einen neuen Sieg über die gemäßigte Richtung der Kuomintang unb die aufständischen Äantoner Bürger erfochten hat.

wo es möglich ist. als verbindlicher 11 n t er- richtsgegenstanb in den Plan der Schule cingcglicbert werden. Er ist deshalb in seiner Durchführung dem allgemeinen Schulbetrieb an­zupassen. Da der Grundzug der Schule der Massenunterricht ist. so ist auch der Schwimm­unterricht als Massenunterricht zu betrei­ben. Der Dang des Unterrichts gestaltet sich folgendermaßen- 1. Vorübungen auf dem Lande in Gestalt von Freiübungen. 2. UebergangSübun- gen im Wasser als Gewöhnungs- und Atmungs­übungen, 3. Hebungen im Wasser mit Unter» stühungen, 4. Uebungen im freien

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ausgeführten Roherzeugnisse Marokkos. Alles in allem: Die Ausfuhr Marokkos weist unbedingt eine Tendenz zur Steigerung auf, was gerade heute in einer Zeit ber Ausfuhrschwächung vieler Länder besonders zu vermerken ist.

Es ist anzuerkennen, daß die Franzosen feit 1912 nicht unrührig in Marokko waren. Seit 1914 hat man Marokko dreimal Anleihen gewährt, die über eine halbe Milliarde Franken betrugen und produktive Verwertung fanden. Der englische Bal­four-Bericht glaubt feftfteüen zu können, daß sich daraufhin der Handel Marokkos mit Frankreich, selbst unter Zugrundelegung der Borkriegspreise bis 1923 um das Dreieinhalbfache steigern konnte. Der Eisenbahnbau hat rasche Fortschritte gemacht. Bis zum Jahre 19)0 befaß Marokko überhaupt keine Bahnlinie. Es enftanben dann 1300 Kilometer Schmalspurbahnen, im Jahre 1923 vollendete eine französische Gesellschaft die erste normale Bahn­linie in das Innere, von Rabat ausgehend, und man hofft, in den nächsten vier bis fünf Jahren die Schmalspurbahnen lediglich als Nebenlinien der Hauptocrbindungen zu benutzen, um durch sie frucht- bare Distrikte zu beiden Seiten der vergrößerten Hauptlinien verkehrsmäßig zu erschließen. Marokko ist in erster Linie ein Agrarland, aber die Hoffnungen richten sich schon heute auf seine Mine­ralschätze, von denen freilich zunächst nur die Phos phat-Felder ein wirkliches Aktivum bedeuten. Die Erschließung derselben begann erst im Jahre 1920. Sie betrug im Jahre 1923 schon 225 000 Tonnen. Man schätzt die Zunahme dieser Erzeugung bis zum weiteren Ablauf von drei Jahren auf über eine Million Tonnen. Auch an die Nutzung der Was­serkraft ist man herangetreten, und zwar unter Zuhilfenahme französischer Banken- und Eisenbahn- unternehmungen, an deren Spitze die Dangue de Paris et des Pays-Bas getreten ist. Es ist die An- läge von Großkraftwerken und die Elektrisierung von 635 Kilometer Bahnstrecke vorgesehen. Man erkennt also, daß die Triebkräfte, bie sich in Ma- rok'co regen, beträchtlich finb.

Auch die Eigenversorgung Marokkos mit industriellen Waren ist in letzter Zeit er­heblich gestiegen, wie sich ja überall in ber Welt, auch in ben kleinsten ßänbem, nach bem Kriege ber Drang,nationale" Jnbustrien zu schaffen, bemerk- bar machte. In ber französischen Zone befinben sich heute 500 gewerbliche Unternehmungen unter Lei- hing von Europäern, die ein Kapital von fast 240 Millionen Franken darstellen. Es handelt sich um Getreide- unb Oelmühlen, Ziegeleien, Sagemühlen und Möbelfabriken, auch Kognakbrennereien, Kon- seroen- und Seifenfabriken haben sich aufgetan, aber von einer Industrie im europäischen Sinne mit größeren Tertilfabriken, Eisenwerken, Maschinen-

Deutsche koloniale Ostpolitik.

Bon unserem Dl.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Riga, 24. August.

Die durch den Zusammenbruch des Jahres 1918 geschaffene europäische Lage unb bie daraus ent­standenen Probleme mitteleuropäischer Politik Haden die Blickrichtung der deutschen Oessentlichkeit von einem Gebiet der osteuropäischen Politik femgehal- ten, das in seiner historisch-politischen Bedeutung ottale deutsche Interessen berührt. Eine Betrachtung der Entwicklung und ber Bedeutung des baltischen Randstaatengebietes an der Ostsee fAeint gegen­wärtig im Zusammenhang mit den Fragen nicht ohne Interesse zu sein.

Die Loslösung des dalttschen Randstaatengebie- tes ist das Resultat der deutschen Okkupattons- Politik der Jahre 1916-18, vor allem des Brest- htomffer Friedens. Die damals gegen Rußland ge­zogene Abgrenzung ist auch heute die gleiche. Rach dem Zusammenbruch des deutschen Einflusses tm Osten im Jahre 1918 trat eine neue Entwicklung der innerpoltilchen Ausgestaltung sowie bie Einbe­ziehung der neu entstandenen Randstaaten Lett- land unb Estland in die französische Barrierenpoli- tik ein, die zwischen dem Deutschen Reich und dem Sowjetstaat durch den Dersailler Dertrag durch einen Ring kleiner Ranbstaaten eine endgültige Abschlie- feung zu schaffen gedachte. Die datttschen Rand­staaten Lettland und Estland entstanden a u f historisch-kulturellem alten deut­schen Kolonial bo den. Trotz politischer Iso herung dieser ältesten deutschen Kolonie von dem beutfdjen Mutterlande ift dieses Gebiet an ber Ost­see seiner kulturellen unb sozialen Struktur nach immer oöllia beutfd) geblieben. Es war fein Ver­hängnis, bay es Kolonie blieb unb nie Provinz zu werden vermochte. Dennoch blieb, allen Stürmen ber Jahrhunberte zum Trotz, allein das deutsch- hanseatische Gepräge des Landes, das auch die 200jahrige Russenherrschaft nicht zu brechen ver­mochte. Deutsch war in dem baltischen Ostseegebiet alles, was an kulturellen Gütern im Laufe langer Jahrhunderte dort mühsam von westfälischen und niedersächsischen deutschen Einwanderern, stets in schwerster gefährdeter Abwehrstellung gegen sla­wisches Dordringen aus dem Osten, geschaffen war. Deutsch war das kulturelle Bild ber Stabte, Deutsche hatten die neue Religionsform des Protestantismus dorthin gebracht, Deutsche hatten einen großen ge­sunden konservativen Bauernstand bem einge­borenen Volke brr Letten gegeben. Deutsch war vor allem die Selbstverwaltung des Landes, die in steter Abwehr slawisch - russischen Eindringens deutsche Kuttur schuf und förderte.

Diele durch deutsche Waffen von russischer Fremdherrschaft befreiten Ostgebiete wurden nach dem Zusammenbruch des Jahres 1918 als sogenannte Ranbstaaten, den liebergang von Mittel- zu Ost- curopa bildend, organisiert. Die historische natür­liche Einheit ber brei Provinzen, Est-, Lit- unb Kurland wurde dabei zerstört, indem daraus die beiden Staaten Estland und Lettland entstanden. Tragend für diese Entwicklung war das sogenannte Selbstbestimmungsrecht der Völker, angewandt auf die dort seßhaften Esten und Letten. Aus dem Konflikt zwischen dieser formellen Selbstbestim- mungsfähigkeit dieser Bevölkerungsgruppen ergibt sich bas Bilb ber heutigen Lage bes Baltikums.

Die Gesetzgebung ber ersten Jahre nach bem Entstehen biefer Ranbstaaten Estlanb unb ßettlanb legte Hanb an das wesentlichste Fundament der deutsch-baltischen kolonialen Eristenz. Die in ihrer Methode und Systematik an östliche Vorbilder sich anlehnende Agrarreform vernichtete mit einem Schlage den gesamten deutschen Grundbesitz, ver- nichtete damit nicht nur unersetzbare deutsche Kul­turgüter und die wesentlichsten Produktionsmittel des Landes, sondern auch alles, was von diesem stärksten und bedeutsamsten Faktor der deutschen Vormachtstellung abhing. Das Deutschtum hatte damit seine Bodenständigkeit verloren. Das deutsche Bürgertum unb Handwerk in den Stählen verlor seine wirtschaftliche Betätigungsmöglichkeit und wurde damit zu einem sicheren Aussterben oerur- teilt. Nur in ben großen ötäbten erhielten sich Reste des Deutschtums, die zäh und unbeirrbar um die Erhaltung der ihnen noch verbliebenen Kulturgüter um Kirche unb Schule kämpften. Die Agrarreform nahm in den beiden Staaten, wenn auch nicht im Grundsätzlichen, so doch im Einzelnen einen ver- schiedenen Verlauf. In Lettland wurde der gesamte deutsche Grundbesitz entschädigungslos ent­eignet, trotzdem eine Entschädigung im Grundgesetz vorgesehen war. Die früheren Besitzer erhielten ledig­lich sogenannte Restgüter, die ben Umfang von 50 Hektar nicht überschreiten durften. In E st l a n d wurde der gesamte deutsche Grundbesitz gleichfalls durch ein Agrargesetz enteignet. Eine Entschädigung war vorgesehen, jedoch ist diese Frage, trotz der sechs­jährigen Entwicklung immer noch als latent anzu­sehen. In Lettland wurde der enteignete deutsche Grundbesitz einer Parzellierung unterworfen. Die Landzuteilung erfolgte im großen derart, daß die einheimische lettische Bevölkerung in Kategorien ein- geteilt wurden, unter besonderer Berücksichtigung der Soldaten, wobei jeder Anwärter den Anspruch auf eine Parzelle von 50 Hektar hatte. Die Zutei- lung bes Landes hatte die Form eines Kaufes. Der Kaufpreis mußte in 41 Jahren ratenweise abqe zahlt werden. Diese neuen Siedler formten infolge des sehr reichlichen und billigen staatlichen Kredits meist aus dem vollen wirtschaften, zumal vielfach die zugeteilten Waldparzellen abgeholzt und verkauft wurden. Nur ein kleiner Teil dieser neuen Siebter hat sich bisher als lebensfähig erwiesen. In zahl- reichen Fällen fand ein häufiger Besitzwe ch s e I statt, ber vielfach zu einem steigenden Angebot dieser Parzellen trotz gesetzlicher Schwierigkeiten auf bem Markte führte. Die früheren deutschen Grundbesitzer erhietten gleichfalls, allerdings meist nach jahre­langem mühevollen Ringen, das gesetzliche Marimum von 50 Hektar zugeteilt Jedoch wurden ihnen diese Parzellen nur in den allerseltensten Fällen im Zen-

Das Landesamt für das Bildungswesen hat an die Direktionen der höheren Schulen, die Leiter der höheren Bürgerschulen und bie Kreis- unb Stabt- schulämter Richtlinien für den Schwimm­unterricht der Schulen in Hessen in Form eines Ausschreibens zur Kenntnisnahme unb Beachtung gerichtet. In triefen Richtlinien wirb ge­jagt, daß der Zweck des Schwimmunierrichts die Ausnutzung des Schwimmens für das Kind als Lei- besübung nach seiner anatomisch-physiologischen Seite, seiner hygienischen Bedeutung und seiner fitt lich erziehlichen Einwirkung ist. Dieser Zweck wird erreicht durchs 1. Das Derlrautmachen der Rin ber mit dem Wasser, 2. die Erkenntnis des hohen Wertes des Schwimmens, 3. die Erweckung von Lus unb Liebe zur Schwimmkunst, 4. die (Erlernung eine-, richtigen Drustschimmens, 6. die Ausführung der ein jachsten Wasfersprünge in mör,1" 6. die Einführung in die fittlii, _ rettung, 7. das Verständnis für die Wiederbelebung Scheintoter und die Anwendung der einfachsten Me­thoden der künstlichen Atmung.

In den Richtlinien werden die Lehrer ermahnt, keine Anforderungen an die körperlichen und geisti­gen Kräfte zu stellen, die bas Durchschnittskind noch nicht erfüllen kann. Z. D ist von längeren Tauch­übungen unb von Retturgsübungen mit Zwölf- und Dreizehnjährigen abzusehen. Bei besonders gunsti- gen Verhältnissen käme von den anderen Schwimm­arten noch das Rückenschwimmen in Frage.

Heber die Methode deS Unterrichts wird u. o. erltärt: Der Schwimmunterricht soll da.

«form geschaffene Landzuteilung dem deutschen Restgrundbesitzer kaum die Eristenz eines mittleren Bauernbesitzes. Dennoch ist hier allmählich, wenn auch in wesentlich neuen Formen ein l a n g | a m e 6 Erstarken des deutschen Einflusses und der deut- schen Ueberlegenheit zu spüren. In den Städten wurde unter außerordentlich hohen Opfern das alte deutsche Schulwesen auf dem bisherigssn hohen Ni­veau erhalten. Den Minderheitenschutz, den die Ent Wicklung des Dölkerbundsgedankens für diese Ge­biete gebracht hatte und der eine in der östlichen politischen Situation völlig absurde Rechtsfigur bar- stellt, versuchte man burch die nationalfultureUc Autonomie, die dem Deutschtum einen eigenen Lebensrahmen sichern soll, fortzubilden unb neu zu gestalten. Die Denkweise einer rein ziffernmäßigen Bewertung der einzelnen Bevölkerungsgruppen konnte in einem Lande, in dem seit 8 Jahrhunder­ten eine deutsche Minderheit Kultur und Entwick­lung geschaffen hatte, in keiner Weise der wahren politischen Bedeutung des dortigen kolonialen Deutschtums gerecht werden, daß trotz der eigenen Lebensgefahr das dortige baltische Deutschtum aus unerschütterlichem Verantwortungsgefühl gegenüber ber deutschen Kulturmission im Osten und dem ange­stammten Heimatboden fest entschlossen ist, allen Gefahren zum Trotz sich zu behaupten.