Der 116er-Tag in Giehen.
• Diehen, Öen 7. September 1925.
Geleitet von wärmster Daterlandsltebr beseelt von dem Geiste echter Kameradschaft erfüllt von herzlichem, dankbarem Gedenken an die gefallenen Brüder und erfreulicherweise auch vom Detter leidlich begünstigt nahm der Drohe llver-Tog am Samstag und am gestrigen Sonntag einen sehr eindruck-vollen, besonder- denkwürdigen Verlauf. Zu vielen Tausenden waren die alten 116er von nah und fern, sogar weit au- Ostdeutschland herbeigeeill, ihnen gleich- geton hatten e» viele, viele ehemalige Ange- hörige der Kriegsformationen de- Regiment- Kaiser Wilhelm Ar. 116. Die Bürgerschaft nahm herzlichen Anteil an der Veranstaltung das zeigte der überou» reiche Schmuck der ©traben mit Jahnen und Virlanden, die den Häusern, selbst bi- in abgelegene Strahen, ein recht festliche- Au-sehen gaben, da- bewies die sehr große Beteiligung der Einheimischen an den Jetern in der Bolk-Halle: und endlich ging das noch hervor au- der starken Aufmerksamkeit, die gestern nachmittag von den vielen Tausenden von Zuschauern dem Festzuge der alten Soldaten gewidmet wurde. So wurde der 116er-Tag nicht nur eine Feier der Regimentskameraden, sondern zugleich auch ein reiches Erlebnis der Bürgerschaft der allen Garnisonstadt, das in der Geschichte unserer Stadt ein bemerkenswertes Blatt schichte unterer Stadt ein bemerkenswerte- Blakt sein wird.
Der Empfang der auswärtigen Kameraden begann am SamStagnachmittag und dauerte bis in die Mittagsstunden deS gestrigen Sonntag-, AuS allen Himmelsrichtungen brachte ein sehr starker Zugverkehr die Tausende der alten Kameraden heran, die auf den Bahnsteigen zuerst von etwa 50 jungen Damen freundlich begrübt und in sinniger Weise mit einer Blume in die Hand jedes Kameraden geehrt wurden. Diese reizende Begrüßung wurde von den Gästen mit sichtlicher Dankbarkeit und Rührung ausgenommen. Sodann wurden die Kameraden von Mitgliedern des EmpsangSau-schusse- vor das Bahnhofsgebäude und von hier unter Dorantritt flotter Marschmusik in die OlanDquarticrc geleitet, auf dem Wege freundlich begrüßt von der Einwohnerschaft. Eingeschaltet sei hier, daß die Festleitung am Bahnhof in mustergültiger Weise hurd) große Orientierungsschilder, Wegweiser, Auskunftsstelle usw. für eine rasche Beantwortung von Fragen der Gäste gesorgt hatte: hier war die reiche Ersahrung im Felde in bester Weife wirksam gemacht. Weiter wurde sehr angenehm empfunden, daß der Empsang-auSschuß -inen besonderen Fahrplan in Gestalt eine« großen Plakat- herausgegeben halte
Der Begrützungsabend in der Dolkshalle vereinigte am Samstagabend die alten Soldaten mit vielen Angehörigen der Bürgerschaft,, e- mvgen hier wohl ebenfalls, wie beim KreiS- tumfeft, etwa 4000 Menschen versammelt gewesen fein. Die Dolkshalle war von dem AuS- scymückungsauSschuß in allen Teilen in prächtigster Weise ausgeschmückt, eine Tat, die allenthalben viel Anerkennung fand. Obermusikmeister 2 ö b e r leitete mit seinem Musikkorps deS 1. shessischen) Grenadierbataillons 15. Inf.-Rcgts.
beiden wurde im Verlaufe der Deranstaltung für die ausgezeichneten Darbietungen oft mit wohlverdientem starken Beifall gedankt - den Abend in stimmungsvoller Weife mit deis Parademarsch des ehemaligen InfVRegts. 116 Kaiser Wilhelm" ein. Darauf wurden unter dem stürmischen Jubel der Menge und den Klängen deS Präsentiermarsches die altehrwürdigen Re- aimentsfahren von der Fahnensektion der Traditionskompagnie in die Halle getragen und zu beiden Seiten der Bühne ausgestellt.
Major a. D. Linden au, der Vorsitzende des Derbandes ehemaliger 116er, entbot den Kameraden in einer Ansprache den
V 'mmensgruft dec: »rer'Verbandes.
Mit seinen Begrüßung-Worten verband er den Ausdruct der Freude über da- außer- ordentlich zahlreiche Erscheinen. ®r bat. diese Feier und insbesondere das folgende Festspiel als ernste Dorbereitung zu der am nächsten Tage vorzunehmenden Denkmalsenthüllung anzusehen Mit ernsten Worten ermahnte er weiter zum kameradschaftlichen Zusammenstehen für das Vaterland, zum Gottvertrauen, zu brüderlichem Handeln und zum steten Denken daran, daß uns hont Feinde in Ost und West. Süd und Rord Teile de- Vaterlandes geraubt worden sind. Rur durch Einigkeit und strammes Rational- betoußtfein können wir daS Daterland wieder hochbringen. Mit einem dreifachen Hurra auf ''1-5 deutsche Vaterland, in das alles begeistert nftimmte. fand die Rede ihren Abschluß. Ste- end wurde hierauf daS Deutschlandlied gelungen. —
teilte mit. daß der alte Regimentschss Kaiser Wilhelm dieser Veranstaltung der hemaligen 116er in herzlicher Weise gedenke, 'urdi einen Dertreter erneut seine hohe De- unberung deS Regiments 116 und seinen herz
’.igtc Arbeiter Heinrich Oberheim dadurch, daß er in die Transmission geriet, wodurch er sich einen mehrfachen Rippenbruch zuzog.
Mreid Wetzlar.
XX Aus der Bürgermeisterei Atz- b a ch, 6. Sept. Mit Recht wendet man den allen, erhaltenswerten Fachwerkhäusern unserer Gemeinden, vor allem solchen mit Inschriften ober auch sonst durch malerische Eigenart der Bauform sich auSzeichnenden älteren Bauten, erneute Aufmerksamkeit zu. So ist an dem mitten in Atz bach gelegenen, im Iahre 1690 erbauten Gemeindehaus (der früheren Schule)
lichen Dank für dessen glorreiche Talen im Weltkrieg« hab« auSsprechen lassen und zum Zeichen seines Gedenken- Postkarten mit RarnenSzug übersandt habe. Die den Kameraden von den Offizieren ihre? Kompagnien überreicht werden würden.
Oberbürgermeister Keller überbrachte mit folgender Ansprache den
(ftruft der 2tadt lyieften an dir alten Soldaten.
Hochgeehrte Anwefendc! Rachdem Ihr Herr Vorsitzender Sie begrüßt hat, möchte ,ch alfl Oberbürgermeister Der alten Dornisonstadt Gießen Den zum Großen 116er-Tag Versammelten einen herzlichen Wi lkommengruß entbieten. Die überaus stattliche Zahl zum $eii au- weiter Ferne herbeigeeilter Teilnehmer ist ein glänzender Beweis für die Treue, mit der Sie zu Ihrem alten Reyimente stehen, für den kameradschaftlichen Geist und daS innige Zusammengehörigkeitsgefühl, die in Ihnen lebendig sind.
Wenn durch das Diktat unserer Kriegsgegner un- die allgemeine Wehrpflicht, jene- wirkfame nationale Erziehungsmittel, genommen »ft. Io muß um so mehr begrüßt werden, daß die Eigenschaften Der Ordnung. Disziplin. Kame- radschast und Vaterlandsliebe in Vereinigungen, wie Der Ihrigen, fortdauernd gepflegt und hoch- gehalten werden.
Verehrte Anwesende? Sie werden morgen in weihevoller Stunde daS Ehrendenkmat für Ihre Gefallenen enthüllen. Beträchtlich ist die Zahl Der Opfer, die aus Bem Regiment 116 und seinen Formationen gesunken sind in den eisernen Schlas und Die Treue zum Vaterland« mit dem Tode besiegelt haben. Mag das Denkmal ihre Heldentaten für alle Zeiten äußerlich wachhalten, so muß Daneben innerlich in unseren Herzen ein unvergängliches Ehrendenkmal ausgertchtet bleiben dadurch, daß wir. Die Lebenden. Dem Vater- lande Die Treue bewahren wie sie. die Toten.
Dine wunderschöne Sitte übt seit alter Zeit das deutsche Heer bei Beerdigungen Rach der Beerdigung einer Militärperson rückt Die Re- gimentSmusik, flotte Märsche spielend, in Die Kaserne zurück. „Kann dir die Hand nicht geben, bleib Du im ewigen Leben"! Und, den Lebenden, ist die Aufgabe gestellt, mit frischem Mute zu- lüc^ufobren von d?r Erinnerung an die Gefallenen zu den Pflichten Der Oebenben, zur Ge« flaltung Der Deutschen Zukunft! Ist Diele Aufgabe nicht gewaltig groß?, ist es nicht auch ein gewisses HeldenNim, auszuharren in Der unsagbaren Schmach, in Die erbarmungslose Gegner uns geschleudert haben?, ist diese Aufgabe nicht so groß. Daß mancher schon verzweifelte an D:r Zilkunst Des deutschen Volkes?!
3a wahrlich, diese Ausgabe ist gewaltig groß. Aber es ist noch nie ein Volk unter gegangen, das sich nicht selbst aufgegeben hat! Darum muß es unsere, der Lebenden, Aufgabe fein, den Glauben zu bewahren an Die deutsche Zukunft, Den Glauben, daß aus Dunkeln Tälern der Wog wieder emporführen wird zu lichten Höhen, Den Glauben an Den Sommertag Des deutschen Volkes. an die Zeit, da wir dereinst wieder fingen und sagen werden: ,Vaterland, ich muß ‘ r>etjin- fen, hier in deiner Herrlichkeit" Aber dieser deutsche Sommertag wird nur dann Heraufziehen, wenn mir • Volk herzhafter Männlichkeit sind, ein Vol! Einigkeit, Der Ordnung und Der Zucht, ca- ?. pflichttreuer Arbeit unD nimmermüder T.
Bewahren Sie, meine verehrten Anwesenden, diesen Glauben an Die deutsche Zukunft, schöpfen Sie aus Der pietätvollen Erinnerung an Ihr? Toten den LebcmSgedanken des deutschen Volkes, pflegen Sie. wie bisher, in Ihren Reihen den Geist kameradschaftlicher Treue und lassen Sie sich fortdauernd erfüllen von Der Wahrheit: .Einigkeit macht stark"!
In diesem Sinne bitte ich Sie alle mit mir cinzustimmen in den Qtuf: .Dio kameradschaftliche Treue und Ginigkeit im Verbände ehemaliger 116er lebe hoch"!
Begeistert stimmte alles in den Rus ein. und herzlicher Beifall zeigte. Daß der Redner in Den Herzen der Zuhörer lebhaften Widerhall geweckt batte.
Das Festspiel.
3m weiteren Verlause des Abends kam das Festspiel .General Bork', ein Schauspiel in fünf Auszügen von Geheimrat Prof. Dr. König unter der Spielleitung von Karl 3 u h n k e vom Gießener Stadttheater^ zur Erstaufführung. Das Festspiel hat zum Thema Geschehen um Tauroggen. Die große Armee Rapv- IconS ist bei Moskau vernichtet. Der Kaiser geflohen und her Rückzug Der Armeen hat auf Der ganzen Linie eingesetzt. General Bork, der bei Der Armee des Marschall Macdonald den Rückzug decken soll, wird von den Russen abgeschmtten und soll sich von den Franzosen losfagejL um die Vernichtung Der kaiserlichen Armee vollständig zu machen. Rach langem Schwanken, nachdem Der König und da- Kabinett in Berlin versagt haben, nimmt Bork die Tat auf sich und leitet so das Befreiungswerk ein. DaS bringt ihn beim König in ilngnahc: ihm droht Absetzung unh Schande. Doch im Fortschreiten der Ereignisse in Der Heimat und an der Front gibt der Erfolg Dem tapferen General recht. So winkt ißm und seiner Tat herrlicher Lohn: die Gnade des König- und Die Liebe des befreiten Volkes. — Die Ausführung löste lebhaften Beifall aus, wobei Karl 3 u h n k e als Bork Der Gegenstand besonderer Ehrungen war. Der Autor ließ diesem Hauptdarsteller einen prächtigen Lorbeerkranz überreichen
Ausgezeichnete instrumentale Darbietungen der Militärkapelle gaben dem Abend einen tooßl- gelungenen Abschluß.
Feldgottesdienst und Denkmalsenthüllung.
Äm gestrigen Sonntagoormittag sand am Denkmal für b i e Gefallenen des Regiments 116 auf dem Landgraf-Philipp-Platz ein Ieldgottesbienft mit anschließender Denkmalsenthüllung statt. Dazu hatten sich zahlreiche Ehrengäste eingefunben. Darunter Der Groß- verzog Ernst Ludwig mit seinen Söhnen, ntete Offiziere ber alten Armee, Oberbürgermeister Steller. Se. Magnifizenz Geh. Kirchenrat Prof. D. Dr. Krüger u. a., die Trabitionskom- p a g n i e mit ben alten ‘Regimentsfahnen, ber Rom- manbeur dec Zns.-Rgts Nr. 15 Oberst Fett mit seinem Stabe, bic Vertretungen der ft u b e n t i • j tßc n Korporationen in Dichs. ferner noch bic militärischen Vereine Gießens und Adorbnungen aus der Umgegend unb eine unübersehbare Men- schenmenge. Die Ehoralmusik stellte bie Kapelle un serer 15er unter Obermusikmeister Lober.
Die F e I b p r e b i g t hielt Pfarrer Haupt, z.L. in (fließen, im Felde Dioisinspfarrer, ber aus der Rricgsbibd des Res.-Inf.-Regts >22 bas Wort „Niemand bat größere Liebe als bie, baß er sein Leden lasset für seine Freunde" seiner Predigt zu- gründe legte unb dabei u.a. sagte: Es ist vor allem die große religiöse Idee, zu ber wir aufblicken und bie bie Bibel in bie Worte fleibet: „Niemanb hat größere Liebe denn bie, baß er sein Leben löstet für seine Freunbe." Man kann gewiß nicht sagen, daß diese Idee in ihrer Größe allgemein ergriffen wäre. Aber Tausende von Euch haben sie erfaßt, Ihr toten Kameraden! Das jage ich nicht, weil's Glorienschein wäre, der Entsetzliches verklärt. Ich habe es erlebt, baß es so war. Wie ^mancher sterbende Soldat hat mir gesagt: „Sagen Sie es der Mutter nicht, baß wir jo tollkühn drausgegangen sind. Wir töten s aus Vaterlandsliebe ' Das war der Geist, von Dem der Armeebefehl vom 20. Marz 1916, der ja- gerade dem ^Regiment 116 gilt, spricht: „Wo Hessen schlagen, hält kein Franzmann stand. " Und wenn sie's nicht gesagt hätten, man hätte es gefühlt. Wo soviel Liebe ist, schafft sie um sich eine Atmosphäre von Liebe. Itompaflnieii waren Familien, in Unterständen war's traulicher ost als daheim, wo nur zu schnell der Egoismus die Gemüter verdarb. Es war auch nicht bloß Begeisterungsrausch, der nicht gemerkt hätte, wie er in Blut und (Eifcnjtanb. Wie oft wurde gejagt: „Was hat mir der 5ran^ mann getan, daß ich auf ihn jchießen muß." Es ist furchtbar, es geht nicht anders. Ich muß hier stehen, um bic in ber Heimat zu schützen. Drum irhaut nicht auf zu biesem Denkmal wie zu einem Totenmai. Es ist Ehrenmal. In Stein gehauener heiliger Gedanke. Nicht Tote sollen wir betrauern, sondern Männer, bie ein hohes Ziel erreicht. Wir finb ja gar nicht auf der Welt, um 70 ober 80 Iahre zu leben, wir sinb für heilige Pflichten ba. Freilich, es bedarf dazu feiner Kriege, um solche Pflichten zu haben. Gerade die heutige Zeil stellt sie. Tausende wohnen in entsetzlichen Verhältnissen, weil leihet- viele ihre Pflichten einfach nicht tun. lau» sende hungern unb tragen schwere Lasten, weil der ulte Kompagutegeisl fehlt. Zuviel mit dem Munde singe,t wir , Deutschland, Deutschland über alles". Das Lieb erforbert Herzen, Taten, die sich aufraffen können wie bie Toten des großen Krieges zu dem Sterncnroorl: „Niemand hot größere Liebe denn bie, daß er fein Leben lüstet für bic Freunbe."
Hierauf erfolgte bie Enthüllung des Denkmals, bie von Major a. D. fiinbenau mit folgcnbem Geleitwort begleitet wurde
Mir grüßen Euch, Ihr Helben, bie Ihr durch Jeinbeshcmd
Gefallen seid fürs deutsche, geliebte Vaterland' Ihr Habel ausgetoftet Des Sterbens bittre Not, Ihr habt bas Wort erfüllet: Getreu bis in ben Tob! Längst deckt Euch grüner Rasen unb Walbes«
jchatten zu.
Gott schenk' Euch, tapfern Toten, die sel'ge ewige Ruh!
Der Eichen Rauschen sprach Euch von Deutschlanbs Herrlichkeit,
Nicht von Uergebfid) Sterben, nicht von des Reiches Leib!
Anschließenb hielt Major a. D. L i n b e n a u bie Weiherebe, in ber er zunächst dankte für bas zahlreiche Erscheinen zu biefer Feier, für die Unter- stützung, bie bie Kameraden ber Errichtung dieses Ehrenmals zuteil werben ließen, Dank unb Anerkennung Dem Schöpfer des Denkmals, Bilbhauer A r • nolb - Beuern, aussprach, unb bann u. a. jagte: „Wir sehen bas Ehrenmal vor uns, nicht als zu> jammengebrochenen Krieger, sonbern die aufwärts- strebende Fiaur zeigt uns ben nicht austilgbaren deutschen Geist unserer Helden. Wohl kann durch ben Tob dieser Geist im Augenblick niedergeschlagen werden, durch den leiblichen Tob seines Trägers aber wirb ihm die innere Kraft nie genommen werben rönnen. Dieser Geist unserer Helben soll unb muß weiter leben in Denen, bie um sie trauern, wie auch in ben Kameraden, bie mit ihnen im Feuer standen. 3a, er muß roeiterleberi in allen, bie gleich ihnen sür bas Balerlanb fühlen und in denen, bie biefes deutsche Fühlen erst ganz lernen wollen in ber Jugend. Wir alle wollen wie unser Freiheits- dichter Theodor Korner m Joseph Heyberich sprechen ,.Er kann nicht tot (ein, er bars nicht tot fein." Geloben mir dieses jetzt unb erinnern wir uns biefes Gelobnisies stets, bann kommen wir zum tebenben Geist unserer Toten, unb mit ihnen roieber zu einem freien unb starken Saterlanb. Die ‘Reliefs am Sockel bc5 Denkmals zeigen uns bie Vergangenheit, wir selbst stehen hier als bie Gegenwart unb beibe zusammen finb verantwortlich für die Zukunft.
Unb jo gewinnt sich bas Lebenbige Durch Folg' aus Folge neue Kraft, Denn die Gesinnung, die beständige. Sie macht allein ben Menschen bauerßaft.
folgende interessante lateinische und deutsche Inschrift zu lesen (erstere mit Ehronograrnrn):
1. Quas Mars quas ignis fervensque refrigerata Des pads fertilatas lo (?) tibi restituiL Aa. 1680.
2. DaS der verderbliche Krieg und Feuer hat verheeret. Solches hat des Friedens Frucht uns wiederum bescher«..
Ioh. Safimir Ronding D. Reich an alten merkwürdigen Bauten ist ganz besonders die durch ihr vonnaligeS Kloster berühmt gewordene Gemeinde Dorlar. Am dortigen Platze bei ber Linde befindet sich eine tm 15. Iahrhundert errichtete mertoürhige Durchfahrt. sowie viS-ä-vis der alten Schule ein aus
Dem 14. Iahrhundert stammender Torbogen und anderes mehr.
d. Münchholzhausen, 5. Sept. Die von dem Fürsten zu SolmS-Brcrunfel- erfolgte Berufung des Pfarrer- Lic. Müller in Rieder- kleen zum Pfarrer der hiesigen evangelischen Kirchengemeinde ist von dem Evangelischen Konsistorium Der Rheinprovinz zu Koblenz bestätigt worden.
d. Dolpertshaufen, 5. Sept. Die wegen Erkrankung deS größten Teiles ber hiesigen Schulkinder an Masern geschloßene Schule ist nach Genesung der Kinder wieder eröffnet worden.
Ihr Unterbliebenen, in Denen heute schon vernarDtc Wunden wieder auf gerißen werden. Denen Die Väter, Männer, Söhne und Brüder mit crll' ihrer Liebe unb Güte, mit ihren Sorgen für euch, heute wieher deutlicher vor Augen treten, werdet hieserhcckb nicht traurig. Denkt an fic in dankbarer Erinnerung, denkt daran, welche Enttäuschungen unh schweren ©tunhen ihnen erspart blieben, henkt an sie als die, bie Hinauszvgen nur für euch Sie opferten sich, um euch von all' den Qualen zu retten, bie Feindes- not über ein Land dringt Für euch wollten fit kämpfen unh wenn Gott es so beschlossen. noch sterben, wenn nur her Feind nicht die heilige Schwelle her Heimat überschritte. Sie Haben ihre Plicht getan, sie Haben ben Feind sern von den Grenzen gehalten, unh wo er emgehnmgen Ivar, habe sie ihn zu 100 000 gejagt Vier Iahre lang haben sie gegen einen Wal! von Feinden für euch gestanden, oft schweren Herzens und voller Sorgen für euch und euer Ergehen, aber trotz- bem taten sie tßre Pflicht Wir können ihnen ihre Tat nicht besser vergelten, als wenn wir h«ute an der ihnen geweihten Stätte von neuem geloben, auch unsere Pflicht gegen daS Vaterland zu tun. Unsere Pslicht bcftd)t eber nicht allein darin, sie nrcht zu vergeßen und ihnen dieses Ehrenmal aus Stein zu fetzen. Rein, nnfevo Pflicht grpselt lebten Endes darin, uns ihnen wieder gleich zu machen in der Erfüllung unserer Pflichten gegen ba£ Vaterland.
Die Erfüllung dieser Pflich aber kann uns nur gelingen, wenn wir tatkräftig und praktisch an und mit unserer Jugend arbeiten. Rickl sagen wollen wir, ach mit ber 3ugenb »st hoch nichts anuzsangen. nein, wo ein Wille ist. ist auch ein Weg. wenn wir uns nur nicht selbst aufgeben.
Darum, treten wir stets an btefed Ehrenmal mit Dem Gefühl heißer Dankbarleit und mit dem heiligen Versprechen, ihnen gleich zu werden. Dann ist ihr Sterben nicht umsonst gewesen. Denn fic haben un- Durch ihren Tod wieder Den Weg der Pflichten getotefen. Dann weihen wir diese Stätte wirklich zu der, die fte fein muß, zu der Stätte, von Der toicDer aus- strömt der wahre Ilker-Geist in DeutscheMänner- unD Frauenherzen und in Deutsche Kinderseelen.
Geht diese einigende Kraft von unserem Ehrenmal aus. so wird dieser tote Stein der lebende unerschütterliche Grundstein fein, aus dem wahrer Gemeinsamkeitssinn, wahre Treue zu Volk und Reich und echte Vaterlandsliebe erwachsen.
Erst wenn die- wieder stärker in uns ist als Materialismus. Reid und Haß, die letzten Endes doch ohne liefen Grund z. T. künstlich von Vaterlandsfeinden in einen Teil unteres Volkes gehämmert sind, werden Volk und Reich wieder frei und stark sein, erst Dann haben wir alle unsere Pflicht erfüllt.
Alsdann übergab der Redner bas Denkmal I Dem Schuhe Der Stadl Gießen, in deren Rainen Oberbürgermeister Keller es übernahm mit der Versicherung, diese geweißte Stätte stet- mit besonderer Liebe und Sorgfalt zu hcpen und zu pflegen. Rach Ehoralklängen der Kapelle erfolgten die Kranzniederlegungen: al3 c tftcr legte Groß Herzog Ernst Ludwig e neu' Kranz nieder, hierauf Generalleutnant v. T. Exzellenz von Trotta im Auftrag Kaiser Wilhelme. Oberbürgermeister Keller für die Stadt Gießen, Se. Magnifizenz Geh. Kirchenrat Pro‘ D Dr. Krüger für die Lanbes- uniDcrßtät und anschließend viele andere Sprecher für ihre Korporationen Ein Vorbeimarsch der alten Regimentsfahnen und der TrabitionS- kompagnie am Denkmal gefolgt von den Fahnenabordnungen der Vereine, schloß die würdigse Feier.
Der Seftjug der alten Soldaten bewegte sich am Rachmittag unter Vorantritt Der Militärmusik und der Traditionskompagnie vom Oswaldsgarton aus durch die Reustabt. Bahnhofstraße. Westanlage, Seltersweg, Goethe- ftraßc. ßubtoigftraßc Ludwigsplah. Kaiscrallee zum Trieb. Es war ein erhebenber Anblick, alÄ die langen Kolonnen der ehemaligen Soldaten in schneidigem Schritt, Die Fahnen voran, voruber- zogen. Der Vorbeimarsch, wobei viele herzliche Zurufe nus dem vieltausenbköpfigen Publikum die Marfchierenden grüßten, dauerte etwa eine halbe Stunbe. Vor der Landesuniversität bcfaitb sich her Großherzog Sm ft Ludwig mit seinen Söhnen inmitten der Zuschauermenge, ihm wurde von den Vorbeimarschierenden herzlich zugejubelt.
Auf dem Festplatz.
Rach ber Ankunft auf bem großen Festplatz entwickelte sich ein frohes geselliges Beisammen- lein. Der Großherzog weilte u.a. einige Zeit in ber Dolkshalle, unh auch hier wurden ihm freundliche Aufmerksamkeiten zuteil, namentlich als er die Halle verließ, brachen überall spontane Hochrufe los. Major a. D. fiinbenau hielt vorher eine Ansprache, bie Militärkapelle unter Obermufifmeifter fiöbcr konvertierte unb überall wurde am Rachmittag uno Abend in froher Weife das Wiedersehen gefeiert. AuS der Musik- folgc fanden besondere Beachtung die historischen Märsche, bei Denen mit einfachen Mitteln das Vorwärlstreibende. Mitreißende vortrefflich zum Ausdruck kam. Sonst bot die Halle bis in. die späten Abendstunden Das übliche Bild des gemütlichen Beisammenseins. Trotzdem so mancher - ihm zu früh — ber Heimat zueilte, schlossen sich Die Lücken immer wieher, wahrend auf bem Fest Platz Das Treiben ruhiger tourDe unh zuletzt infolge Der herbstlichen Kühle ganz abflautc Der Zapfenstreich. Der noch einmal eine Dicht gcDrängte Menge auf Den Festplatz brachte, gab hem Tag einen toürbigen Abschluß.
Starkenburg und Rheinhessen.
Darmstadt, 5. Sept (WTB.) In der Angelegenheit des Mädchenmordes bei Mörlen- bach Hai bie Krimmalpolizei in Ludwigshafen einen in den Badischen Anilinwerken beschästigten Schmied verhaftet, ber aus Mörlenbach flammt, ledig ist und in ben zwanziger Fahren steht. Er mar am Sonntag in Mörlenbach unb hat sich bei seiner Rückkehr zwei lajje später durch sein auffallenbes ‘Benehmen Derbri d)tig gemacht. Gr ist mit einer Frauensperson am Samstag in Mörlenbach gesehen worben. Eine Vernehmung durch bie Staatsanwalt« jchaft ist bis zur Stunde noch nicht erfolgt.


