Ausgabe 
7.2.1925
 
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für 3ungverheiratet«. Dann erfahr man, daß sie mir Detter und Kusine waren, und da sagten einige:2Qra und andere wisperten: .Ei, ei. Dor allem ärgerte man sich über ihre Zurück­haltung. Sie schlossen sich niemand an. sie speisten allein, ost auch im eigenen Salon, unternahmen weite Fahrten auf der Eorniche und der Strada Romana und dehnten ihre Slxuiergange stunden­lang auS. Dei dieser Gelegenheit pflegte Ale?e sich derb zu llelden und einen kurzen Rock zu tragen, der Kopfschütteln bei den Damen der Umwelt und Augenvergröberung bei den Herr er erregte. Auch sonst fielen ihre Toiletten aus.

.Wie viel Koster haft du mit. Qete?" fragst .Ich sehe dich immer wieder in neuer Kostü­mierung. du bist wie ein weiblicher ProteuS." .Der Vergleich hinkt, aber daraus kommt es nicht an. Run ja, ich Hebe es. mich aus der Reife ebensowenig einzuschränken wie daheim. Und ich gehöre auch zu den Frauen, die auf die Auswahl ihrer Toilette Bedacht nehmen. Immer unter dem GefühlSpunkt. dah nicht die Kost­barkeit mahgebend ist. sondern der Geschmack.

.Mein Kompliment für deinen Desck>mack. Siehst du. auch daraus würde ich Wert legen, wenn ich mich wieder verheiraten sollte, dah meine Frau sich in ihrem OLeftem nicht vernach­lässigt. Wenn die Ehe die Aesthetik des Lebens ist, so muh ich das sinnfällig spüren. Meine Frau mühte sich notgedrungen vier» oder fünf­mal am Tage umkleiden. Morgenlleid. HauS- gewand für die Wirtschaft, Dreh für den Ausritt. Prvmenadenkvftüm für den Lunch. Toilette für den Mittagstisch. Realige für das Schlafzimmer, das Reizendste. Findest du nicht, dah ich sehr anspruchsvoll bin?"

.Jedenfalls finde ich. dah du dich wieder rasch genug in unsre Kultur hineinwächft. 3m übrigen ist eS auch in dieser Beziehung ganz gut. dah deine Ehe mit Theda zum Scheitern kam Sie ist eher ein braves HauSmü'terchen als eine Frau von Welt Sicher läht sich de des vereinigen, aber selbst das fdnn sie nicht. Sie hat von ihrem Daten doch nur den Einschlag In das Spießertum, und da paht sie zu Hellmut. Sehr brave Leute die beiden, doch ihre Brav­heit ist alles..." ...

(Fortsetzung folgt.)

Samstag, l. zedntar 1925

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für wderhessen)

Ur. 32 Drittes Blatt

Jur Reform des Ehescheidungsrechtes.

Dor kurzem ist dem Reichstag ein Antrag ßübcrt und Genossen (Rr. 74 der Drucksachen deS Reichstages III. Wahlperiode 1924/25) unter­breitet worden, der, wenn er zum Gesetz erhoben wird, das Ehescheidungsrecht unseres Bürger- lichen Gesetzbuches wesentlich umgestaltet. Seine grundlegende Bestimmung lautet:

Der § 1568 erhält folgende Fassung:

Ein Ehegatte kann aus Scheidung klagen, wenn eine so tiefe Zerrüttung des ehe­lichen DerhältnisseS besteht, dah keine be­grün bete Aussicht aus Herstellung einer bem Wesen der Ehe entsprechenden Ge­meinschaft vorhanden ist."

Die Bedeutung dieses Anträge- liegt auf bet Hand wenn man sie mit der bisher gelten­den Fällung des § 1568 BGB. verglicht: Hier ist erforderlich, dah die Zerrüttung des ehelichen DerhältnisseS durch ..schwere Derletzung der durch die Ehe begründeten Pflichten ober durch ehrloses ober umsichiliches Derhalten" eines Ehegatten verschuldet" war, fo dah dem anderen Ehe­gattendie Fortsetzung der Ehe nicht mehr zu- gemutet werden konnte". Rach der beantragten Reusassung dagegen kommt es auf Schuld ober Richtschull) eines bet Ehegatten nicht mehr an; eS genügt bie objektiv festzustellenbe Shezerrüt- tung, um bie Ehe zu scheiben.

Demnach umsahl bie neue Bestimmung ein­mal bie gleichen Taibestänbe, wie bie alte; her­über hinaus aber ermöglicht sie, voraus­gesetzt nur, bah objektiv bie Ehe zer­rüttet ist. eine vcheibung zum Beispiel in folgenden Fällen:

l.wegen eine- während der Ehe entstandenen unverschuldeten, unheilbaren Unvermögens zur Leistung der ehelichen Pflicht, selbst wenn dies nur eine Folge deS erreichten höbeoen AlterS fein sollte!

2. wegen unheilbaren, unverschuldet während der Ehe zugezogenen körperlichen Ge­brechen-, daS die Erfüllung der Zwecke deS Ehestände- vereitelt.

3. w e g e n unverschuldeter Unfruchtbarkeit eines der Ehegatten.

4. wegen unüberwindlicher Abnei­gung, auch nur eineS Ehegatten, ivenn nur der Widerwille fo eingewurzelt ist. dah zur Au-söhnung und zur Erreichung der Zwecke deS Ehestände- keine Hoffnung übrig ist.

5. toegen Unverträglichkeit der Cha­raktere der beiden Ehegatten.

6. wegen Aenderung deS religiösen ober politischen Bekenntnisse- «we­der Ehegatten.

Richt aber ist eine Scheidung der Ehegatten auf Grund gegenseitigen Einver- st ä n b n i s f e S möglich, sosern diese- nicht durch eine vorhergehende Zerrüttung des EhelebenS veranlaht worden ist; selbst wenn diese die Ur­sache deS gegenseitigen Einverständnisses wäre, so dürfte die Ehe dennoch nur wegen dertiefen Zerrüttung" geschieden tixnrben.

Wird dieser Antrag Gesetz, so werden wir eines der frvteften SheschridungSi«hte, nicht nur Europas, haben. Der Richter wird nicht mehr fragen dürfen, au« welchen Gründen bie Ehe zerrüttet ist, bie Tatsache bet Zerrüttung mutz ihm genügen. Ob bie eheliche Zerrüttung ver­schuldet wurde (und von wem) ober nicht, ob an­der Ehe Kinder hervorgegangen sind ober nicht, baS alles spielt grundsätzlich keine Rolle. Die Grunbsesten der Ehe werden erschüttert, leicht­fertigen Heiraten wird Tür und Tor geöffnet, ja sogar jede Reglementierung der gesetzlichen Dchei- bungSgründe im übrigen überflüssig gemacht, wenn es genügt, bah nach Eingehung der Ehe der eine Eheteil behauptet, seine Abneigung (oben 4) gegen den anderen sei unüberwindlich, eine Tat­sache. deren Wahrheit fast unmöglich objektiv festgestellt werden kann. Den Ehegatten wird hier ein Mah von freier Derfügungsmacht eingeräumt, das mit der öffentlichen Ordnung, unter der die Ehen stehen sollten, nicht wohl vereinbar ist. Dah wegen Unvermögens zur Leistung der ehe­lichen Pflicht (oben 1), wegen körperlicher Ge­brechen (oben 2) die Ehe geschieden werden kann, steht in scharfem Widerspruch zu den hohen

sittlichen Ausgaben der Ehe, die gebieten, bah gerabe in solchen schweren Prüfungen bie Ehe­leute sich nicht im Stiche laflen, man wenbe nicht ein. bah das gleiche auch bei der Schei­dung der Ehe wegen Geisteskrankheit (§ 1569 BGB.) bei Fall wäre; hier liegt bie Sache wesentlich anders, schon deshalb, weil bem geistig Umnachteten durch bie Scheidung keine von ihm empfundene Kränkung geschieht. Unmoralisch ge- rabeju erscheint, wenn bie Ehe infolge ber Un­fruchtbarkeit (oben 3) ein ber Ehegatten geschieben wirb; bas heiht bie Ehe ihrer geistig- ethischen Grundlagen berauben, ja geradezu alS eine Menfchenzüchtungsanstalt behandeln! Und in bie schwersten Gewissenskämpse verwickelt, ja vielleicht zu innerer Unehrllchkeit verleitet wirb bet Ehegatte, ber wählen muh zwischen bet Aufrechterhaltung feinet Ehe ober bem Bekennt­nis seiner religiösen ober politischen Uebetzeugung (oben 6). Hier kann man säst von einem Angriff auf die verfassungSmähig gewährleistete Freiheit ber r-eligiöfen und poli­tischen Freiheit sprechen.

Ratürlich wirb in allen bieten Fällen bas Scheidungsutteil beS Gerichts nicht lauten:Die Ehe wird wegen unübetwinblichet Abneigung, wegen Unfruchtbarkeit, wegen ReligionSänderung usw. geschieben." Der Tenor wirb vielmehr lauten:Die Ehe wirb geschieden, weil eine so tiefe Zerrüttung deS ehelichen DerhältnisseS be­steht. dah usw." Diese UrteilSfasfung aber bars nicht batübet Hinwegtäuschen, bah eS boch aerobe bie ..unüberwindliche Abneigung", bie .^Unfrucht­barkeit" usw. ist, bie zur Zerrüttung ber Ehe geführt hat unb nunmehr entgegen bem heu­tigen RechtSzustanb bie Scheibung ermöglicht, sie bars nicht herüber Hinwegtäuschen, bah hier teilweise bie alten Scheidungsgrünbe beS fran­zösischen Revolutionsgesetzes vom 20. Sept. 1792, unb biejenigen bes preußischen Allgemeinen Lanbrechtö (ALR. II, 1, §§ 668722) auS ber Versenkung toieber ausgetaucht finb, gegen bie sich nicht nur bie kirchliche, sondern vor allem auch bie bürgerliche Kritik beS vorigen Jahr- hunberts richtete, unb bie als ein ..reihender Strom von Immoralität" gerabe burch letztere zu Fall gebracht würben. Daß bie« nicht erkannt würbe, bas trifft weniger bie 6inbringer bes kritisierten Antrages, als vielmehr biejenigen juristischen Kreise, bie feit langem schon sich mit bem Ehescheidungsreformproblem befallen, trifft vielmehr bas gesamte beutsche juristische Lehr- stzstem. baS sich (im Gegensatz zu Frankreich ober England) mit ber RechtSvergleichung unb mit auslänbischen Rechten so gut wie kaum be­schäftigt. j

Es kann anbererseits aber nicht verkannt werben, bah eine Reform bes beutschen Ehe- scheibungsrechtes n o t to c n b i g ist; bas zeigt unzweibeuttg bie Praxis unserer Gerichte, bie nur unter weitherzigster, oft schwerlich mit bem Gesetz vereinbarer Auslegung unserer bütger- lichen Ehescheidungsbestimmungen auskommen, um in den Fällen einer hoffrnmgslos unglück­lichen Phe zu erträglichen Ergebnissen zu kommen. Sine Ehe, in ber bie Charaktere des □Hanne« unb ber Frau bauernb nicht harmonieren, i st eine Qual für beibe, ist zubem auch für bie gemeinsamen Kinder ein wahres Unglück. 3n solchem Falle, bei solcher bauernben Unverträglichkeit ber Charaktere (oben 5), lebe Möglichkeit ber Auf­lösung ber Ehe auSzuschllehen wie e« baS geltende deutsche Recht tut ist, wenn man von religiösen Erwägungen absieht, unbegründet und ungerechtfertigt. Aber auch hier wird man be­sondere Dorsichtsmahregeln ergreisen mühen, um leichtfertige, übereilte Ehescheidungen zu ver­meiden. Das Schicksal der Kinder, falls solche aus ber zu scheidenben Ehe hervorgegangen finb. bebarf eingehenber Berücksichtigung sowohl in rein persönlicher Hinsicht (Ausenthalt ber Äinber, Erziehung unb Ausbilbung), als auch in wirt­schaftlicher Beziehung (Sicherung bes Unter­halte-). Rur wenn bieses slchergestellt ist, dürfen bie Eltern bas Ehebanb lösen. Weiter wirb man verlangen müssen, dah die »dauernde Unverträg­lichkeit^ der Eheleute peinlichst unb mit aller Sorgfalt von amt-wegen festaestellt werde; nicht einem augenblicklichen, vielleicht vorübergehendem Widerwillen der Eheleute gegeneinander zuliebe darf die Ehe gelost werden; nicht selbstsüchtigen, individualistischen Belangen ber Eheleute darf

öftoriL Jetzt ist bie Lust warm unb duftend ge­worden. ES riecht nach Deckchen und Orangen- bluten, vermengt mit dem feucht-fühlich«' Hauch des Stromes. Bei Cruz Quebraba ernxtieri sich der Tejo au einem breiten Becken, daS einen der schönsten Häfen EurtzvaS bildet. Seitwärts baut sich vor dem staunenden Auge des Beschauer- langgestreckt das Panorama von Lissabon auf. Die Portugiesen sagen. Wer Lissabon nicht gc- leben hat. der hat nichts Gutes gegeben I Und sie haben nicht so unrecht damit. Reapel, Konftan- kinopel unb Rw de Janeiro rivalisieren zwar an landschaftlicher vchönhett mit dem Halen von Lissabon, laufen ihm aber kaum den Rang ab. Wir landen an der Prc^a do Sommert ux Li» Steinlliesen der Treppe werben lecke von bei steigenden Flut bespült. Hier war es ix>r etwa 130 Jahren, baö sich der Erdboden öffnete unb Flammen gegen den Himmel spie, hier zerstörte ein- der furchtbarsten Erb- unb Seebeben einen groben Teil der Stadt. Die Pri^a do Lommer- cio spaltete sich, die 6erüorqudlenbe Schwelel- lobe bedeckte die Häuser, unb turmhoch darüber stürzten sich die aufgewühlten Wafser des Stro­me-. Die grobe Katastrophe ist ixn-gcflon Der Marquis von Pornbal hat die Innenstadt, aller­dings etwas fafcmcnmäblfl, binnen wenigen Jah­ren wieder aufgebaut. Ganz gradlinige St rasten, die rua do our' unb die rua de prata., d. b. bie Gold- unb die Silberftrahe. die vvchts uni links von den malerischoi Hügeln Lissabons ein­gesäumt werden, führen durch ben Triumphbogen unb durch die hohen Steinkasten von ber Lan- dungsstelle au« zum Hauptplatz ber unteren Stadt, zum Rocio. DaS seltsame, toogcnartlge Mosaikpllaster des Rocio frappiert. Man kann, schwindlig werden, wenn man diesen Platz über­quert. Rur wenige Schritte nach links, hinter dem Bahnhof, öffnet sich unS dann die ganze Pracht der 2üxniba mit ben hoben Palmen unb den berauschend duftenden Judasbaumcn. Die Krone auf den schlanken Obelisken, der am Ein­gang zur Promenade steht, ist während der Revolution von einer Kugel getroffen worden. Die Kugel ist alS republikanisches Symbof steckengeblieben.

Es ist erst 17 Jahre her, da geschah an bet Prnza bo Commercio eine andere Katastrophe, die Portugal in schwere politische Wirren stürzte. Als ber liebenswürdige, etwa« leichtlebige Kunst - lerfönig Dom Carlo« in Begleitung der Königin Donna Amelia, des Thronfolgers Dom Luiz Felippe und des Prinzen Dom Manuel In seiner Equipage über die Praza do Commercio fuhr unb in bie Rua do Arsenal cinbiegen wollte, wurden er und bet Thronsolger von republikanischen Derschwörern überfallen unb burch Flintenschüsse ermordet. Es ist dies einer der grausamsten Königsmorde ber Wellgeschichte unb er lebt in Lissabon noch in aller Erinnerung.

Lissabon kennt keinen kalten Winter. Januar und Februar ist bie Blumen-eit in Portugal. Uebcrall an den Strahenecken werden Rosen, Deckchen und Kamelien aus Cintra verkauft. Die Fenster stehen offen, und auf den Ballonen lehnen schwarzäugige Mädchen, bie bem Treiben auf den ©traben interessiert zuschauen und mit­unter wohl auch mit dem Dorübergehenden ko­kette Bllcke wechseln. SS ist ein merklicher Unter­schied zwischen dem öffentlichen Leben Portu­gals unb bau Spaniens. Wie sich die Sprache selbst unb bie AusdruckSwe.se des Portugiesen von der spanischen durch Weichheit unb Decschwom- menf>eit unterscheidet, so sind auch bie Portugiesen, selbst weicher unb zurückhaltender als ihre leb­hafteren iberischen Rachbarn. Die Portugiesen haben bisweilen einen Einschlag ins Sentimen­tale und einen Deinen Hang zur Uebertreibung. Spanier unb Portugiesen lieben sich nicht be­sonders, wie baS ja häufig bei verwandten (Böltern der Fall ist. Ja. es ist auffallenb, wie fremb sich Spanier unb Portugiesen im Laufe ber Jahrhunderte geworden finb. Der Spanier spottet häufig über den Portugiesen unb [ad)i über seine Deinen Schwächen, er vergibt dabei aber, dab ihm bet Portugiese oft an Wissen und Bildung voraus ist.

Lissabon ist eine hügelige Stadt, mit steilen Abhängen und Schluchten. Drahtseilbahnen und öffentliche Lifts erleichtern ben Verkehr. Vor­treffliche Trambahnen erDettem mit ei-staunticher Schnelligkeit ganz ansehnlich» Höhen, trotzdem man in Lissabon sonst eigentlich niemals Eile

bie durch bk Ehe bedingte Gemeinschaft aufge- opsert werden. Sehr wirksam hat sich hier früher in Frankreich, neuerdings in Portugal unb Schweden das Verbot ber Wtederver- freiratung der geschiedenen Gatten innerhalb dreier Jahre erwiesen, denn nur allzuoft das lehrte die gerichtliche Praxis wirb bk Disharmonie durch eine späte, plötzliche und doch nur vorübergehende Reigung eines Gheteck» zu einer dritten Person verursacht. Auch dürfte es zweckmähig sein, bie Ehe aus dem angegebe­nen Grunde erst dann zu scheiden, wenn sie eine gewisse Mindestr ihe von Jabren beftanben hat; auch solche Bestimmungen finden sich in fremden Rechten.

Rur In diesem einen Falle erscheint mithin der Antrag Lüders und Gern alS zutrefsend. Ausgeschlossen muh dagegen eine Scheidung in den oben unter 14 und 6 angeführten Füllen sein. Ausgeschlossen muh ferner, wie auch nach dem vorllegenden Antrag, cme Scheidung auf Grund nackten gegenseitigen Einverftändnisles bleiben, sosern ihm nicht eine Zerrüttung ber Ehe infolge gesetzlich r Sch i ungsgrunde v.-rausgi g. Heber btefc erstrebenswerte Re orm des E^eschet- bungsrechtes schicht der Antrag Lüders u. Gen. weit hinaus, und cs Ist nur zu wünschen, dah ber Reichstag ihn in ber vorliegenden Formulierung nicht amnmmi. Ä.

An den Ufern des Tejo.

Don unserem E. v. U.-Korrespondenten. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe verboten.)

Lissabon, Januar 1925.

Stauben auf dem Meere war es noch kalt und stürmisch. Die Wogen des Atlantischen Ozeans peitschten die Seiten des Schiffes, unb Wasserberge rollten unaufhaltsam über daS Dorderdeck. Rur bie ganz seefesten Passagiere wagten sich hinaus, um Ausschau nach ber Küste au halten, die langsam näher und näher rückte, viS endlich bieboca de Inferno" bei CaScaes. an ber Tejomündung. umschifft war. und der Dampfer ruhig in bie sonnenleucht ende, freund­liche Landschaft hineinglitt.

Hier, den Tejo hinab, segelte vor vier Jahr­hunderten die Flotte Vasco da Gamas in die Ozeane hinaus und eroberte bie halbe Well. Hier in Lisboa dichtete Camoens. unb bie Er­innerung und der Geist der ßufiaixm ist in Portugal immer noch lebendig. Die grvhe Dcr- gangenheit liegt wie eine Sehnsucht, wie ein Traum über dem Lande. Es ist alter, geschicht­licher Boden, ber unS an ben Ufern des Tejo grübt. Seit den Zeiten ber Römer, die hier ihre lusitanifchen Kolonien gründeten, unb bie Sitten Roms an den Ozean hinaus trugen, sind zwei 3ahrtausende vergangen. Dann herrschten die Goten in Portugal, bis die Mauren sie ab­lösten unb ihre verfeinerte Kultur über Lusi- tanien breiteten. Im Mittelalter war Portugal neben Spanien das mäßigste Land. Durch Schiedsspruch des Papstes wurde ihm die halbe Welt ber Tropen zugesprochen, von der heute allerdings nur noch verstreute Reste wie Loanda, Mozambigue, Goa. Maoao u. a. nadxjebltcbcn sind Die König« von Portugal beherrschten daS Tor nach Südamerika, sie schufen mit am Werden ber Weltgeschichte. Der Papst verlieh ihnen den Tide! des re? stdeliffimus und bk Universität Don Coimbra gehörte zu den gelehrtesten Stätten des Mittelalters.

Um Portugal unb sein« schöne Hauptstadt Lissabon mit dem Herzen zu verstehen, muh man ben Geist seiner Geschichte erfassen. Das portu­giesische Dvlk fühlt sich als Aristokrat unter ben Völkern, es ist stolz auf seine Ahnen unb auf bie lleberlicferung vieler Jahrhunderte, die mit ängstlicher Eifersucht aufrechterhalten wirb. Die portugiesische Sprache hat noch manche mittel­alterlichen Floskeln bewahrt. Man rebel sich gegenseitig mit vossa Exzellenza, Ew. Exzellenz an. Der Droschkenkutscher und Gepäckträger ist zum wenigstenDOÄlerceb", Ew. Gnaden in wört­licher Ueberschung. Obwohl sich natürllch nie­mand etwa- bei diesen geschobenen Titula­turen denkt, so wirken sie boch auf den Aus­länder befremdlich.

Der Dampfer fährt an den weihen Häusern von CaScaes vorüber. Am Ufer locken bald die 1 Palmengärten unb Dillen von Estorck und Mont-

Die rote Kaschgar.

Roman von Febor von Zvbeltitz.

61. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Gert lachte toieber fein fröhliches Lachen. Der Mann lebt tote ich", rief er, ich dachte, er wäre schon toieber da! Und dieser Bruder Dorotheas ist eigentlich . . . Sex«, das muh ich dir erzählen er ist mein Lebensretter, etwas schrullig, aber eine vornehme Ratur ich kenne ihn ganz genau, ich habe über Jahr unb Tag mit ihm zwischen Eismauern gehaust ... ich muh dir doch endlich mal meine tollen Erlebnisse erzählen, du weiht ja noch gar nichts!

.Du hattest bis jetzt nur Fragen um fo neugieriger bin ich auf dein« Geschichte . . .

Der Kellner räumte ab und brachte Kaffee und Liköre. 211 ere griff nach einer PapyroS. Gert steckte sich ein« Zigarre an. Es war leer geworden -m Frühstückssaal. Män war unter sich.

Gert Hub an. Gr erzählte fragmentarisch, getolflcrmaben in Abschnitten, locker gefugt, ju- toellen zusammenhang-los. vor- unb zurück grei­fend tote ihm die Einzelheiten seiner Qlbenteuer gerabe einfielen. Aber Alexe störte das Sprung- hafte keinen Augenblick, sie lauschte mit geUxtnn- ter Aufmerksamkeit unb nicht nur mit den Obren, auch mit der Seele. Sie versuchte, ihn zu durch­forschen. während er sprach, sie hoffte, auf neue Regungen zu hohen, bi« U>r auch em neues Eiingreifen in sein« Innerlichkeit gestatten konn­ten. aber er hielt sich im allgemeinen an das dloh Stoffliche seiner Erlebnisse unb fand erst stärkere Gesühlstön«, als er die trostlose Ein­samkeit In der Gefangenschaft des Kalmückenlagers schildert«.

.Ohne ben Bruder Dorotheas, ohne ben Grafen Austien. sagte er,toäre ich wahrschein­lich pathologisch geworden. Wir sind ganz ver­schiedene Daturen, er und ich er mag ber Liefere fein, er psalrnvdiert auch gern einmal unb schlägt lehrhafte Töne an aber er ist an«Ä in allem ein Mensch, unb dies Kare an­ständige Menschentum, begreifst du. hat mich hm zeitweilig sehr nahe gebracht. Wir haben halbe Mchte miteinander verplaudert freilich lag es

dabei an der Gegensätzlichkeit unserer Art. dah ich mich gewöhnlich viel offener gab alS er. Aber ich muhte jemand haben, dem ich mich _ einmal aufdecken konnte ... ich hatte das Herz übervoll

. . mich hatte der Tod gestreift, mich hatte daS Unglück gepackt, ich sah in einer verdammte Klemme unb ahnte nicht, tote unb wann ich herauSkommen würde ... Da fiel denn doch manches vom alten Adam ab. und man versucht« sich Dar zu machen, ob man nur ein Esel gewesen ist ober lediglich ein leichtsinniger Strick ober ein Spekulant des Sehend, der sich gründlich verrechnet hat. 3a, 0e?e. du lächelst, weil du vielleicht glaubst, ich hätte mich als reuiger Sünder gefühlt. Sv war es natürlich nicht ich habe weder an meine Brust geschlagen noch Asche auf mein Haupt gestreut ich habe bloß einmal nachgebacht!

Im Augengrau Alexes glimmte ein goldener Funke. Ihre Stimme Hang fast mütterlich zärt­lich. alS sie erwiderte:

2afj dich durch mein Lächeln nicht stören. Gert. Es ist nur ein Relle? der Freude. Du bist doch alS ein anderer heimgekehrt, als der war, der damals ziemlich leichtherzig in bie CDMt zog. Und bu hast Rachbenken gelernt. War das ein Aufmarsch von Räfvnnements ober mehr?"

.Gleichgültig, was es war. DaS Resultat war das Entscheidende. Rämlich das klare Be- touhtsein. recht unnütz gelebt zu haben. DaS Bewuhtsein allein führt natürlich zu nichts. Man muh auch ben Mut zu einem veränderten Leben haben, in dem man Herr sein kann. Da­war ich biS dahin nicht, ich b lbete es mir nur ein. 3d) war nichts als ein Fädchen im Gewebe des LeoenS. Aber ein Fädchen kann man zer­schneiden und neu verknüpfen. Das riet mir Rustien, als ich ihm von dem Ekel meiner Ehe sprach. Und mm wirst du auch begreifen, warum ich deine Mitteilung über meinen Scheintod unb die zweite Hochzeit Thedas so sorglos aufnahm. Sie ist unbewuht einem Wunsche von mir ent­gegengekommen."

AIe?e reichte ihm die Hand über den Tisch. Gert ich bin glücklich, daß sich alles so gefügt hat, als sei es eine göttliche Dorbestimmung ge­wesen. 3ch glaubte nicht an die Göttlichkeit ber Well Ordnung unb an bie Dorbestimnurng

dellen, was geschieht. Aber an eine gewiss« Logik bes Zufalls glaube ich Dir ist sie günftig gewesen. DaS zufällig« Geschehnis eines ver­lorenen Brieses kann unermeßliche Folgen nach sich ziehen unb sich zu einer Tragödie ausspimien. Sei froh, dah sich in deinem Fall die Tragik tn ber Schluhszene so freundlich aufgelöst hat, dah wir lachend applaudieren können. Ich kam sorgenden Herzens hierher, das war natürlich Run lache auch ich und danke dir, bah ich es darf."

Sie drückte noch einmal seine Hand.Äarm ich den Leuten daheim telegraphieren." fragte sie, ..dah alle- in Ordnung ist? Sie warten daraust unb tote du dir denken kannst, sie warten doch auch in ängstlicher Spannung."

Gert nickte. ..Du kannst ihnen sogar meinen ©egen drahtlich übermitteln", entgegnete er. .DaS ist nicht blasphemisch, das ist ganz ernst gememt Ich bin aus einer Ehe heraus, die ästhetisch und tznorallsch unfruchtbar war. Run ist da brühen eine regelrechte Rormalehe zustande gekommen. Alle Engel im Himmel können also Hosianna; singen und ich finge mit

Alexe erhob sich. ..3ch finge erst, sagte fte wenn auch du dich in eine Rormalehe ge­funden hast. Detter. Das nämlich würde da- Reuknüpfen des zerschnittenen LebensfädchenS sein, von dem du vorhin sprachst."

3mmerhin. Lexe, eine Rormalehe setzt Liebe voraus, nicht wahr? Und es ist merkwürdig, wie du dich da wieder mit ber Ausfällung meines Freundes Austien triffst."

,.3ntoiefem T fragte sie unb ein heiterer Blick verfing sich in fernem Auge.

Austien meinte, um mich von Grund auS zu kurieren, mühte ich Heben lernen.

Kann man das lernen?

3ndirekt. Man mühte zunächst fein Herz

*u verjüngen suchen. Meins ist alt geworden ün bequemen Genuh und in der Nnsamkeit. Aber nun bin ich ja nicht mehr einsam, und den Rauv an mir selbst habe ich autgegeben. Auf einen Versuch türmt« ich s <mko in men lassen.

Da lachten sie toieber beide.

Zwei Sage später waren sie in Dordighera und erregten Aussehen in ber üblichen Klatsch- gefellschasl deS Hobels. Zunächst hielt man he

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