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Nr. 32 Zwetter Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für (vveryefsen)Samstag, 7. Zedruar (925
Außenpolitische Umschau.
Don Professor Dr. Otto H 0 edsch. M. d. X
Wit den Deden Herr lots vom 23. San,, be» deutschen Reichskanzlers vom 39. und Austen Chamberlains vom 31. 3<jn- in Birmingham ist eine internationale Dw.uMon her leitenden Staatsmänner begonnen woroen. die von grober Wichtigkeit werden tann. Jm Mittelpunkt steht durchaus die Frage der sog. Sicherheit, d. h der Sicherheit. d»e s r a n t- reich für s i ch beansprucht und sich auf alle Weise gewährleistet sehen will.
Wit Recht hat die Rede Herriots in Deutsch- land grobes Aussehen gemacht und scharfe Ablehnung hervorgerufen. Was er gesagt hat. daß nach seiner Ansicht die Anwesenheit der Fran- zofen am Rhein die letzte, will sagen die stärkste Garantie für Frankreichs Sicherheit fei. wird mit Recht als ein Rückfall in die Auffassung und Politik PoincareS aufgefaßt. Auch der ganze Ton der Rede entspricht ganz PoincarS. so daß man In englischen Blättern von einer über- poincarsschen Rede sprach. Herriot steht im innerpolitischen Sturm: Vatikan, Elsah-Lo- thringen, Finanzen und Wirtschaft, HandelSver» trag mit Deutschland, Entwaffnung, Sicherheit, auS alledem sucht die Opposition einen Brei zusammenzukochen. in alledem sucht sie Waffen, um Herriot zu stürzen. Und selbstverständlich stand hinter seiner Rede der Druck der Schwerindustrie, der Grohkapitattsten. der Konsortien und Konzerne, die verlangen, daß die Räumung von Ruhr und Rhein und alles damit Zusammenhängende benutzt werden soll, um damit wirt- schaNspolttische, handelspolitische Vorteile von Deutschland zu erhandeln, besser gesagt, zu erpressen. Denn wenn auch im Augenblick die Volkswirtschaft Frankreichs keinen Grund zur direkten Sorge gibt, der Folgen des Krieges sind nicht überwunden. Vor allem fragt man, wie das Verhältnis zu Deutschland wird, das Frankreich unbedingt braucht. Gegen diese Kreise und Interessen vermag Herriot nicht zu regieren. Jederzeit können sie gegen ihn den Rationalismus wachrusen, dem sich zudem auch die eigenen Kreise Herriots nicht entziehen.
Er hat den entscheidenden Sah, nämlich daß Frankreich, kurz gesagt, so lange am Rhein bleiben wolle, wie es ihm gutdünlt, dann abgeschwächt. Aber der Sah ist gesprochen. Die überwältigende Mehrheit der Kammer hat diesem Satz Veifall gespendet. Er belastet ungemein die Lage für Deutschland, wie auch für England.
Was will eigentlich Frankreich mit dieser Sicherheit? Es ist der alte Drang nach dem Rhein, der alte Machtwille der Lieberlieferung, baß die natürliche Grenze Frankreichs am Rhein liege. Gewiß ist es auch bei Herriot und ganz nnberen der Wille oder die Hoffnung oder der Glaube, daß auf diese Weise, indem Frankreich vollkommen gesichert sei, der allgemeine Frieden, die allgemeine 2U>rüftung gefördert werde. Lind nicht zuletzt ist e8 die Sorge vor den trotz alledem noch vorhandenen starken Kräften Deutschlands, die Sorge, daß man mit dem Versailler Vertrag diesen Kräften eine auf die Dauer unmögliche und untragbare Belastung zugemutet hat.
Stimmt man etwas Ab stand, so ist das klar, daß die Interessen Deutschlands und Englands gegenüber diesen französischen Sicherheitsforderungen parallel gehen. Wir können keine Sicherheitsfrage Frankreichs irgendwie akzeptieren, die uns das Rheinland in seiner Zusammengehörigkeit mit dem Reiche lockert und antastet. Wir sehen keine Möglichkeit, eine praktische Äsung der französischen Sicherheitswünsche, die nicht an die deutschen Lebensnotwendigketten an den Rest der Souveränität, den wir uns noch haben wahren können, rührte. Aber ähnlich liegt das auch für England. Wenn Chamberlain so nachdrücllich von den Sicherheitswünschen Frankreichs gesprochen hat, so ist das nur ein Zeichen, daß er noch sehr in den Vorstellungen von vor dem Kriege befangen ist. Er hat sich noch nicht klar gemacht, welche Machtverschiebung zuungunsten Englands eingetreten ist seit dem Siege Frankreichs und seit dem Versailler Vertrag. England kann es auf die Dauer nicht dulden, daß Frankreich die stärkste Macht auf dem Kontinent ist. Roch weniger kann England dulden, daß Frankreich dauernd am Rhein bleibt. Denn wie ein hervorragender deutscher Geschichtsschreiber sagt: „England verteidigte seine Machtstellung auf dem Kontinent durch die Preußische Wehrmacht am Rhein". Das galt für 1815. als die
Grenze gezogen wurde. Das gilt ebenso auch für die Konstellation der Gegenwart.
Der Reichskanzler Hut grundsätzlich sich bereit erklärt, daß Deutschland in die Erörterung ein tritt über das G rundp rvgramm der drei Forderungen: Sicherheit. Abrüstung und Schiedsgericht. Wir stimmen seinen Formulierungen zu. Die Frage steht im Mittelpunkt, sie wird Wochen Mnb Monate beherrschen Man soll sich nicht darüber täuschen, daß die ganze Entwaffnungsfrage. der Räumungslonsiikl lcä>iglich Do.wände für die Forderung Frankreichs sind. England wie Deutschland müssen sich damit beschäftigen.
Kommt eine internationale Erörterung darüber in Gang, an der Deutschland gleichberechtigt tellnehmen kann, so ist uns das recht. Die unüber- schreitbaren Grenzen für Deutschlands Standpunkt haben wir eben im Grund bereits bezeichnet und gezogen. Deutschland ist zur Erörterung der Sicherheilsfrage unter englischer Mitwirkung und Tellnahme ebenso bereit, wie zur Wi r t -
sowie als Spitzenvoganisation die .Deutsche Verkehrswacht" in Berlin inS Leben gerufen.
Da die Schaffung einer derartigen Einrichtung auch für Oberheffen. insbesondere für Gießen und Umgebung von außerordentlicher Wichtigkeit ist. hatte der Oberhess-.sche Auw- nwbil-Club die staatlichen und städtischen Behör- den. sowie die Organisationen der Dertchrfahr- zeuge, außerbem den DerkehrSverein Gießen auf Donnerstag zu einer Besprechung über die Frage der Gründung einer Verkehrs wacht für Ob erßeffen eingeladen. Rach einer kurzen Einleitung durch Dr. Reinewald über den Zweck der Zusammenkunft referierte Baurat Steinbach, der auch die weiteren Verhandlungen leitete, über die Aufgaben der in Aussicht genommenen ..Verkehrswacht". Rach den Ausführungen des Referenten hat die „Verkehr-- wacht" vor allem die Ausgabe, die Zahl der Ucbcrtrctungen der gesetzlichen Bestimmungen
Vereinsverzeichnis
im Adreßbuch der Stadt Giefien 1925
Die Neumeldungen find bis jetzt nur vereinzelt eingelaufen, so daß die Einfügung des Dereinsverzeichnifies in die Neuausgabe des Adreßbuchs in Frage gestellt ist. Es ergeht deshalb an die
Vereins-, Derbindungs- und Kassenvorstände
erneut die Bitte, sofort genaue schriftliche Meldung zu erstatten. Es find folgende Angaben erforderlich: 1. Name des Vereins, der Verbindung oder der Kasse; 2. Zweck (Dildungs-, Sport-, Geselligkeits-, Wohltatigkeits- u. s. f. Vereins); 3. Name des Dorfitzenden; 4. Dereinslokal. Die Aufnahme kann nur gewährleistet werden, wenn die Meldung spätestens binnen acht
Tagen erstattet wird an die
Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange Adretzbuchverlag Schulftraße 7
ichaftSver st ändigungrnit Frankreich, die für Kontinentaleuropa erreicht werden muß.
Die Dahn ist dazu frei. Man hake da ein, in London, in Washington und in Paris l Aber dann muß man die Formel Herr io ts aufgeben, daß Frankreichs Anwesenheit am Rhein die wesentliche Bürgschaft seiner Sicherheit sei. Und von vornherein ist jede Aussicht verschlossen, wenn die Franzosen unter der Sicherheit verstehen, daß sie am Rhein bleiben, solange es ihnen gut dünkt, und wenn man in Paris unter Wirtschafts Verständigung, wie es in den letzten Verhandlung eit der Fall war, versteht, daß die Franzosen an der niedrigsten Stelle übfer die Mauer der Handelsbeziehungen und Zolltarife ft eigen können, und die Deutschen über die höchste Stelle dieser Mauer zu Nettem hätten!
Oberhessische Verkehrswacht.
Der in den letzten Jahren in ständiger Zunahme begriffene Verkehr auf städtischen Straßen und Landstraßen, sowie die steigende Einführung von Personen- und Lastkraftwagen, Krafträdern und Fahrrädern haben einen Umfang angenommen, der unerwünschte Erscheinungen im Gefolge hat; denn weder der Bau und die Unter Haltung der Straßen, noch die Gtraßen- disz iplin aller Benutzer dieser Straßen hat sich dem Umschwung der Derkehrsverhältnisse rasch genug an das len Braten. Da mit Sicherheit zu erwarten ist. daß sich der Straßenverkehr, wie in anderen Landern auch in Deutschland in kurzer Zeit noch wesentlich verstärken wird, ist man seit einiger Zeit bemüht, durch entsprechende Maßnahmen die Verkehrssicherheit zu fördern. Man hat in einer ganzen Reihe von deutschen Städten Auto- und Derkehrswachten,
und Verordnungen durch die Fahrzeugbesitzer und Fahrzeuglenker nach Möglichkeit zu verringern. DaS soll in erster Linie geschehen durch Verwarnungen und Belehrungen, außerdem aber auch durch die Forderung nach ausreichender Ausbildung aller Fahrzeuglenker. Weiler sollen aber auch die Fußgänger durch entsprechende Belehrungen davon überzeugt werden, daß die Verkehrssicherheit nur bann gewährleistet werden kann, toeim alle Passanten, also auch die 5uß« gänger, sich der Straßendisziplm unterwerfen. Die Tätigkeit der „Verkehrswacht" soll sich weiter erstrecken auf die Erstattung von Gutachten bei Streitfragen usw. An das sehr interessante Referat schloß sich eine außerordentlich ausgiebige Aussprache, die zum Teil auch andere, nicht mit dem Derhandlungsstosf zusammenhängende Fragen berührte. Besonders stark wurde über die schlechte Verfassung der Straßen in Hessen geklagt, die vor dem Kriege mustergültig gewesen seien, sich aber heute meist in trostlosem Zustande befänden. Auch die Beleuchtungsverhältnisse in Gießen, besonders auf der Südanlage, wurden kritisiert. Von den Aufsichtsorganen wünscht man, daß sie für die manchmal recht schwierige Situation der Fahrzeuglenker Verständnis haben. Ebenso erwartet man tion dem nichtfahrenden Publikum, daß es den Verkehr, besonders in den Hauptstraßen, nicht unnötig erschwert.
Eine wesentliche Besserung aller dieser Mißstände erhofft man von der Schaffung einer „Verkehrswacht", deren Gründung nach Beendigung der Aussprache von den anwesenden Vertretern der beteiligten Organisationen beschlossen wurde. Es wurde ein Vorstand gewählt, der unter Leitung von Daurat Steinbach alles Erforderllche in die Wege leiten soll. k.
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Gießener Stadttheater.
Sudermann: „Stein unter Steinen".
Llm es mit einem Wort zu sagen: Es war ein Erfolg.
Gewiß ist das Stück ein Reißer. Sudermann schrieb es 1915. Es steckt noch bis zum Rand voll von ausgesprochenstem Raturalismus. Llnd eigentlich interessiert es doch heute absolut niemanden mehr, ob es diesem armen Zuchthäusler nun gut geht oder schlecht. Heule behandeln wir andere Fragen auf der Bühne, die viel weiter gespannt sind, viel höher hinausgreifen. Aber gerade dtese am nächsten liege.'.de Angelegenheit ist mit soviel Güte behandelt: gerade dieses Stückchen Menschlichkeit macht es. daß der Eindruck des Stückes noch länger als einen Abend lang lebendig bleibt. Eines der wenigen Produkte des Raturalismus mit positivem Vorzeichen.
Vor allem dieser Jakob Biegler. Was Gatt Iuhnke aus diesem Machen machte, steht schlechterdings einzig da. Wie tn diesem armen Luder, das wie ein verprügelter Hund dem Steinmetzmeister Zarncke ins Haus läuft, langsam der Mensch wieder lebendig wird. Wie er da in das Zimmer kommt und essen kriegt, scheu die paar Brocken nach der Wand gekehrt, frißt, und dann mit Hand an der Hosennaht wieder dasteht. Wie er bei jedem Klopsen zusammenfährt. Wie er so langsam, wie zufällig, aus sich herausgeht und der Lore das Geständnis seiner Tat ablegt, bis es noch einmal heraus bricht, dem schuftigen Göttlingk gegenüber . . . Dem Dichter, was des Dichters ist: Earl Juhnke hat hier eine selten erreichte Leistung geboten.
Er hatte zwei starke Gegenspieler: Earl Dolck als Steinmetzmeister Zamcke und Gerda D a ch s e l d als Lore Eichholz. Volck mit wohltuender Würde, dir fern Mißtrauen oder Furcht aufkommen läßt, prll lebenswarmer Tatgütigkeit. Gerda Dachfeld als weibliche Schicksalsgenossin des Ausgestoßenen, in der instnckiv verwandte
Saiten aufflingen und deren warmdurchblutete Menschlichkeit, vor anderen verschlossen, mit dem Lebensglauben des anderen Ausg^tvßenen in gemeinsamen Strom stark loSbricht: Sie geben sich beide die Hand. , . , „
Episodisch und im Zusammenspiel wertvoll war Rudolf Goll als Struve, ein verheerender Bursche, mit allen Wassern gewaschen: dazu Felix R o r f o 11 als Göttlingk. widerwärtig anmaßend und schmierig gemein. Erika R o h r s Marie und Hans Kurzhof fs Eichholz feilen wenigstens genannt werden. Auch was sonst noch auf der Bühne war. stand auf seinem Posten.
Die Spielleitung (Adolf Telekh) hatte, und das muß gleichfalls hervorgehoben werden, eine glückliche Hand in der der Rollen gehabt und kann einen guten ^eu des Erfolges auf ihre Rechnung buchen. Die Bühnenbilder verrieten Geschick und Geschmack.
Vom Inhalt des Stückes? Bei Kaiser heißt es: „Füttert die Kreatur und hätschelt sie ein bißchen" . .. Hier ist's dasselbe: .Es wird ein Mensch gemacht."
Lind noch einmal: Cs war ein starker Erfolg.
Hermann Löns und feine Hunde.
Von Alfred Iuhre.
Seit Dekanntwerden des Dichters Hamann Löns hat es feinen anberen deut gen öajn t- stcller gegeben, der wie er in zahlreichen Tiergeschichten und Iagdschilderungen ein so eX>o<y- machendes Tierverständnis zu erkennen gab. Dieser feine und kluge Beobachter stand mit allem, „was da kreucht und fleugt". auf Du und Du. er kannte der Tiere Freuden und ödymerjen, ihr Leiden und Lieben, er hat sie uns menschlich vorstellbar nahe gebracht, daß totr u>r Schicksal mitempfinden müssen, ob das un.e- rer eigenen besten Freunde wäre.
Dem Dichter waren sie ohne Ausnahme gute Freunde, vom herrlichsten Rebdvck bis »um
struppigsten Hasen: er selber war ihnen im wahrsten Sinne des Wortes ein Hegemeister, der. tief gefühlter Raturstimmungen voll, an ihrem Leben und Treiben mehr Gefallen fand, als an der wunderbarsten und seltensten Jagdbeute
Man mag zu dem Menschen Löns stehen wie man will. Folgt man ihm m seinen lebendigen Hieberfdjriften in den Wald oder in die Heide, so muß man ihn am liebsten haben, wenn er, von der Schönheit feiner Umgebung überwältigt. in Betrachtungen versinkt, zu deren überraschender Schärfe und Weisheit er am Re- daktionstisch in der Stadt nie gekommen wäre und die uns ihn und sein unruhevolles Leben verstehen lassen. Dann ist er der einsame, auf sich selbst gestellte Mann, dem zu fernen Lebzetten kein Mensch helfend in die letzten Winkel des Herzens zu blicken vermochte.
Aber dann reißt ihn plötzlich, wiederholl, ehe die Ausführung schwermütiger Gedanken gefährlich werden konnte, einer seiner Hunde, die ihn auf den tagelangen Pirschgängen näher standen als feine Angehörigen überhaupt, aus dem Geiübl feelischer Verlassenheit. »Da kommt ein braunes Köpfchen aus dem Wetterrock, blinzelt in der Sonne, schüttelt klappernd b:e Behänge. reißt gähnend den korallenroten, weißbewehrten Fang auf, und dann springt der Reine Kerl von meinem Schoß, tatjeft nach meinen Händen und schnüffelt wedelnd am Drilling herum." (Löns. Mein grünes Buch.) — Vergessen ist mit einem Male, was eben noch erdrückend immer engere Kreise zog. und lustig geht s in den goldenen Heidherbsttag.
Löns hat den Hunden ein leuchtendes Denkmal gesetzt. Wie prächtig weih er in Der Skizze ,Widu" den Lebenslauf des Terriers zu er- zahlen, der sich aus einem, von Zigeunerkindern mißhandelten. Woäch.'nd zum hervorragenden Iagdgchllfen entwickelt und. nachdem er von den ixrschiedensten Besitzern den guten Ton gelehrt bekommen hat, mit hoben Herren auf
Höhere Mädchenschule — Studienanstalt.
Das Stadtparlament der LlniversttätS- und Provinzialhauptstad: Gießen hat In seiner jüngsten Sitzung in der Frage des Ausbaues der Höheren Mädchenschule durch Errichtung einer Studienanstalt entschieden. ES beschloß, wie berichtet, entsprechend einem MehrheuSantrag des FinanzauS chusseS.
.die Höhere Mädchenschule durch Errichtung einer Studienanstalt unter der Bedingung auSzubaucn. daß der hetsische Staat sich an den Kosten in gleicher Weise wie bet bei Höheren Mädchenschule beteiligt“.
Wir sind nicht tn der Lage, diesem Beschluß, der die brängemx Angelegenheit aufldnebt und ein starkes Moment der Llngewißheit in sich birgt, unteren Beisall auSzusprechen, ja wir betrachten diese Eiitscheidung als einen i) öch st bedenklichen Fehlspruch. Durch feine Auswirkung wird das höhere Schulwesen in unserer Stadt unter Umständen sogar dauernd fehl empsind- lich beeinttächiigt und vielen Mitbürgern schwerer wirtschaftlicher Rachteil zugefüat ivarben. Die wettere Wirkung würde fcjn, daß die ober hessische Provlnzialhauptstadt im Dergleick tu den anderen großen hessischen Städten hinsichtlich des Schul- ottdungswesens ein Platz zweiten 'Ranges bleiben würde. Llnd ferner dürste damit zu rechnen sein, daß viele von den heutigen Schülerinnen später einmal den Vorwurf gegen das jetzige Stadt- Parlament erheben werden. eS habe sich den ve- rechtigten Forderungen der sortschrettenden Entwicklung auch aus dem Gebiete des Schulwesens im gegebenen Augenblick nicht mit der erforderlichen Liebe und Sorgfalt angenommen.
Bei der kritischen Betrachtung dieses Versagers unseres Stadtparlaments tarnt man nicht umhin, die Aussprache vor dieser Deschlußsassung in einigen Punkten $u beleuchten. Rui drei Redner sprachst sich in der erforderlichen großzügigen Weise zu der Angelegenheit aus und stimmten in Gemeinschaft mit einigen weiteren Mitgliedern des Hauses auch dementsprechend. Was man sonst zu hören bekam, blieb in engen Gesichtspunkten hängen. Einerseits nahm man mit wirtschaftspolitischen Argumenten gegen den Ausbau Stellung und verwies dabei insbesondere auf die starke Anspannung der Grund- und Go werbesteuer. Wir Derlennen diese Harle Belastung des Grundbesitzes und Gewerbes ebensowenig wie diese Redner, ja wir stimmen mit ihnen überein in der Forderung, daß hier Erleichterungen zu gewähren sind. Aber wir erheben Widerspruch gegen die Behauptung aus diesen Kreisen, daß der Ausbau der Schule ausschließlich zu Lasten des Gewerbes und des Grundbesitzes geben werde, daß diese Mttbürgerkreise also allein die Kosten zu tragen hätten, well ja der Beamte, der Angestellle und der Arbeiter nur seine zehn Prozent beaable, und damit für diese alles er- lebigt sei. S o liegen die Dinge natürlich nicht, und wer eingehender über die Sache nachdenki, wird uns bei dieser Beanstandung beipflichten müssen. Richtig ist vielmehr folgende Ansicht, zu der wir uns bekennen: Die Sck^lllaften der Stadt, auch die eine« Ausbaues der Höheren Mädchenschule, werden auch künftighin, wie bis her, nur aus allgemeinen Mitteln der Gemeinde besttttten. Zu den allgemeinen Lasten der Stadt tragen aber auch die .Zehnprozentigen" bei, denn auch von ihren (8inlommenfteucrletftim- gen erhält die Stadt den entsprechenden Ge- meindeantell vom Reich überwiesen. Die .Zehn- prozentigen" sorgen ferner auf dem Wege der Umfaß ft euer mit für die Ausfüllung des Stadtsäckels. Es kann doch niemand die Tatsache bestreiten, daß die „ Zehnprozentigen" beim Waven- einkauf die Llmsahsteuer mehr oder weniger stark mltbezahlen, und da die Stad! auch an diesen ©teuer er trägen als Ruhnießer beteiligt ist, wird doch bei jedem Einkauf von dem Konsumenten ein Stück kommunaler Steuer mit bezahlt. Ebenso verhält es sich z. B mit der städtischen Sonder steuer vorn Grundbesitz. Hieraus ergibt sich also, daß tatsächlich alle Devolkerungs- kreise an der Deckung der städttschen Goldersor- dernisse beteUigt sind, nicht nur einzelne Bür- gerschichten allein. Wo aber tagtäglich Pflich'en erfüllt werden, muß man auch berechtigten Anforderungen entsprechen. Die wirtschafllich-steuerlichen Argumente, die man gegen den Ausbau der Anstalt geltend machte, find also ganz hin- fällig, und man hätte wirklich besser getan, fte gar nicht laut werden zu lassen. Aus der anderen Sette operierte man mit den hohen Kosten
Schwarzwild dars. vor dem er schließlich weidwund zusammenbricht. Alle die hoh«n Herren sahen ihn sich an, als er neben der Sau in dem Schnee lag, und ein Printz brach einen Bruch von einer Uchte, strich ihn über den des Anschuß des Kellers, steckte ihn dem toten Hunde unter das Halsband und sagte: „Schade, ein so edler Hundl Aber auch ein eMec Tod!"
Cs lag in der Herrenmensch-Ratur des Dichters begründet, daß er den Tieren, und nicht zuletzt eben seinen Hunden, vielfach zugetaner war als den Menschen. Sein Teckel Batt ermann war ihm ein treuer Iagdbegletter. mit ihm hielt er trauliche Zwiesprache, und er glaubte, daß er von ihm letzten Endes allein verstanden wurde, wenn andere ihm das hemmungslose Rachaeben seiner Leidenschatten und (Eigenarten als Pflichtvergessenheit anrechneten.
Ganz besonders schmerllich ist LönS deshalb der Verlust gerade diese« Hundes und Freundes durch den Tod. Er kann für das erlegte Wild keine Begeisterung mehr auf bringen. .Es ist. well ich allein bin. well mein Hund nicht freube- winselnd die Ricke zerrt und zaust, wie vor Jahresfrist. Besser pirscht es sich, ist jemand da, der tellnimmt an der Weidmannsfreude, sei es ein Mensch, sei es ein Hund. Llnd wenn es ein Hund war, wie mein Hund, mein Freund (Sattermann, der Teckel mit der Schweihhund- maske und dem Aalstrich über dem rotbraunen Rücken, dann war Jagen dovpelle Lust . . . Ich will Heimsähren morgen früh. Mit meinem Hunde begrub ich meine Weidmannslust."
.Meine lieben Hunde aber sind alle tot*, schreibt Hermann Löns später an einer anderen Stelle. Auch er selber hat au? dem Felde der Ehre einen cblen Weidmannstod gefunden.
„Dafür gebüßrt ihm ein Gedenkstein", sagte damals der Prinz noch über den tapferen Wi'^u. Llnser Dichter hat seinen Hunden einen Gedenkstein in seinen Büchern geatzt wie er schöner nickt fein kann


