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Das Holz beliebe man sich vorher an- zuschen. Die blau unterstrichenen Rum« mern kommen nicht zum Ausgebot- Nähere Auskunft durch Herrn Förster Jacob in Stornfels und die unterzeichnete Stelle

Cichelsdorf, den 5. Januar 1925.

.Hessisches Forstamt Cichelsdorf.

Georg Nalttls gegenüber dec ^Engelapotheke. aXZDOOCKSDCf2COÖ3DO

gründeten deutschen Kolonien a' der Dolga. Da lag auch Ssarepta, die altberühmte Herrn- dutergemeinde. die später ftithcrilch wurde, in ihrem Geheimtonventikel aber noch die gesamten Missionen des fernen Ostens beherrschte. Dort sollte er nun Weisungen erhalten.

Cr hatte sie einmal geküßt. Aach der letzten Aussprache int Hause der Mutter hatte er die ahnmächtig Werdende umfangen, und seine Lip­pen hatten ihren Mund berührt. Das war der Berlobungskuß gewesen - und am nächsten Tage hatte er schlichten und herzlichen Abschied von ihr genommen.

Cs waren traumhafte Crinncrungen für Freye. Sie wußte ja nun, wer er war, wenn sie. auch die tragischen Berknüpsungen in allen ihren Einzelheiten nicht kannte, die ihn veran- laftt oder vielleicht gezwungen hatten, aus seinem alten Fainilienvetbände auszutreten und auch den bewilligten Aamen wieder abzulegen, um den eines schlichten Mönchs und in abermaliger Wandlung der Berhältnisse den des Bruders Dorotheus Fiedler anzunehmen. Sie entsann sich dunkel, von allen diesen Geschehnissen einmal aehört zu haben, und so war es auch bei der Mutter, in deren krankem Hirn freilich Tat­sächliches und Geglaubtes bunt durcheinander- tanzte, und die heute als feste Versicherung oussprach, was morgen zu einer blassen Ver­mutung wurde, bis allmählich ihre Denkkraft zu erlöschen begann.

Die Abstammung des Bruders Dorotheas aus einem thronenden Fürstengeschlecht hakte nicht einmal den Reiz einer gewissen Aben­teuerlichkeit für Freye. Derlei Geschehen stand nicht vereinzelt, es wiederholte sich öfters in Kreisen der Gesellschaft, wenn der oder jener einmal geneigt war, die Ketten gesetzlich ge-

anderzrehend.Da werden sich wieder versöhnt."

Sie versank in noch einmal an:

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woroenen yertDmnicnö zu brechen, nno wevte auch über dem Lebens- und Entwicklungsgang des Bruders ein Dämmerhauch von bunter Aben­teuerlichkeit, so hatte Freye doch das sichere Gefühl, daß der Mann, den seine Schicksale schließlich aus einen entsagungsvollen Missions- Weg geführt hatten, nie etwas Schlechtes begangen haben konnte . Cs lebte Gröhe in ihm, er war auch eine starke Persönlichkeit, ilnb er liebte ftc. Sie gab ihm diese Liebe nicht wieder, weil sie den andern noch immer nicht vergessen hatte, doch ihr Herz hatte rechnen gelernt. Kehrte er beim von seiner letzten Reise und führte sie als Frau auf seine böhmischen Güter, so war ste auf immer geborgen. Es war eine Lockung uno ein Ziel.

Dal; er nicht schrieb, war sicher seltsam. Vielleicht wetlke er schon in Tiefen der groben Mongolei, die jede Berbtndung mit der Kultur- Welt ausschlossen. Aber aus dem zivilisierten Rußland führten hundert CEegc nach Deutschland! Hatte die Satzung, die aus der Aüchternheit der Gegenwart zuweilen auf die klösterliche Seelen­zucht vergangener Zeiten zurückgriff, ein Schreib­verbot für ilitberufcne? Aehnliches muhte vorliegen, sonst war dies Schweigen unfaßlich.

Cs hatte Freye erregt, weil es so unbegreif­lich war. Aur deshalb. Fetzt war sie auch dar­über hinaus. Sie lebte ihr stilles Dasein weiter, sie pflegte die Mutter und hatte ihre Tätigkeit in der Erziehungsanstalt ausdehnen können. Sie lebte bedingungsweise glücklich, äußerlich sorgen­los, wenig beschränkt durch das Gemeindestatut, und nur, wenn einmal eine fröhliche Aachricht von Gert aus Peking eintraf, kam eine Stockung. Dann wurde sie sehnsüchtig. Aber es war immer nur eine Sehnsucht nach größerer CBeitc des Lebens.

Sie hatte heitere Mädchentage in Groh- Ponar verspielt und verträumt, und so ging der Tod des alten Hora ihr doch nahe. Sic wollte zur Beisetzung hinüber und sagte dies auch ihrer Mutter. Die Greisin horchte auf, als sie die Trauerkunde vernahm. In das Aschen­gesicht trat eine Regung aus dem Innersten, ein Glimmen in das fast erloschene Licht der Augen.

Also er ist tot", sagte sie sehr langsam, die Worte sperrend und gleichförmig ausein-

1 risst er den Vater, etc die Hand reichen. Der Tod

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Am Waldgrabcn wuchsen früher Immor­tellen. Findst du sie nicht, so nimm Erika. Flechte einen Kranz und leg' ihn tn meinem Ramcn auf Antons Sarg ..."

Freye nahm am Begräbnistage das Wägel­chen, das Bruder Raspe, der Stellmacher, zu ver­leihen pflegte. Ein Lehrling kutschierte, dahinter auf der in Lederriemen hängenden Bank saß Freye in dunkler Kleidung, heute auch mit schwar­zen 'Bändern an der Haube, den kleinen Immor- tellenkranz in den Händen.

Die alte Kirche von Groh-Ponar mit der grün schillernden Kupscrdachung des Glocken­turms lag am Ausgang des Schloßparks. Die Beteiligung an der Beisetzung war so stark, daß die Trauergemeinde keinen Platz im Kirchenschiff fand. Bor dem Portal standen die Menschen lautlos, die Köpfe entblößt, zum Teil zwischen den Gräbern, indes die gelbe Herbstsonne alle Farben der zahlreichen .Uniformen wie zu einem Palettenzauber zusammenmischte.

Als Freße sich endlich durchdräiigen tonnte, war in der Kirche der Gottesdienst schon beendet, in den Schlußgesang klang das Glockenläuten hinein, sechs Kürassiere vom ehemaligen Regiment des Berstorbenen standen eben im Begriff, den Sarg auf die Schultern zu heben, um ihn in die Gruft hinter der Sakristei zu tragen. Aber Freye fand doch noch Zeit, ihr Kränzchen auf den Sargdeckel zu legen und trat dann zu einem Au­genblick stiller Andacht zurück, während die mei­sten die Kirche bereits verließen. Fremde Men­schen. völlig Unbekannte, viele hohe Offiziere, Johanniter in rotem Waffenrock. Herren in Stan- desuniform und Hoftracht mit glitzernden Orden - dazwischen der alte Geisbach, schmucklos in seinem schlecht sitzenden Frack, im Vorüberschrei­ten Freye zublinzelnd, ein wenig von der Sonne geblendet, sie nicht erkennend.

Dann legte ein runder Arm sich um ihre Schulter.

Tag, Maus," sagte Alexe.Brav, daß du auch gekommen bist."

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Wie geht es der Mutter?-

Ach, Lexe. wie immer!

Du armes Tierchen. Was macht Bruder Dorotheus, dein Bräutigam?"

Wenn ich das wüßte!"

Schreibt er nicht fleißig?"

Rie, Lexc."

Ein mitleidig forschender Blick aus grauen Rätselaugen ft reifte Frede. Alexe umfaßte sie und führte sie mit sich. Sie neigte sich ein toenijj zu ihr herab und dämpfte die Stimme.

Sag', Herzchen," sprach sie,hörtest du letzte hin etwas von Gert?"

Lange nicht. Im Sommer kam die letzte Karte. Mit einem fröhlichen Gruß. Die Post- verbindung versagt wohl noch. Der Krieg iff noch nicht aus. Warum fragst du?"

Rur so nebenbei. Theda ist wieder gesund und siedelt demnächst nach Groß-Ponar über. Da möchte sie ihn bei sich haben."

Theda gesund", rief Freye,o wie mich das freut! Also doch noch und fast hattz man sie schon aufgegeben! Ich suche sie auf, wenn sie erst hier ist. das tu- id)_beftimmt. Da kehrt Gert ja doch sicher auch bald zurück."

Es ist anzunehmen", sagte Alexe.Wemi nichts dazwischen kommt. Aber was sollte wohl.. Mausi, ich nehme dich mit in das Schloß. Hell- mut hat für die von auswärts ein Frühstüct bereifftcllen lassen."

Rein, Lexe, itch danke dir, ich fahre gleich zurück. Mutter darf nicht so lange allein blei der -- und, weiht du, ich passe auch nicht in dies« glänzende Gesellschaft. Laß mich nur wiedel in meine graue Stille...

Geisbach hatte sich erkundigt. Rach Tientsin wurden wieder Depeschen befördert und an du Gesandtschaft weitergegeben. Er telegraphierst an Gert:

Dein Bater vorgestern schmerzlos verschieb den. Theda auf bestem Wege zu völliger Gene­sung. Erwarten baldigst Deine Rückkehr. Geis­bach."

Doch er wartete vergebens. Das Telegramm traf Gert nicht mehr in Peking an.

(Fortsetzung folgt)

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