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Mittwocy, r. Januar 1925

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für GderlMn)

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CBitcrftanßcS gegen den Druck des Wassers. Um sie für dieses undurchlässig zu machen, wird sie an ihrer dem Stausee zugewendeten Seite mit Teer gedichtet. Der obere Teil, an dem der Srud des Wassers geringer ist, wird nach einem besonderen Deifahren mit einem cklebcrzug aus einer wasserdichten Masse versehen. Dann kommt über die Teerschicht sowohl wie über diese obere Schicht noch eine eigene Schuymauer zu liegen.

Ta der Truck des Wassers einem bekannten physikalischen Gesetz zufolge nach unten zu immer mehr anwächst, so trägt man wie bei anderen Sperrmauern so auch bei der des Schwarzenbach- tato diesem ilmff anb dadurch Rechnung, daß man die Mauer unten, wo sie einen sehr starken Druck auszuhalten hat, sehr breit macht, während sie sich nach oben zu verfüngi. Die Mauer erhalt also eine keilförmige Gestalt. Für die Ausfüh­rung derartiger riesiger Mauern erwachsen be­trächtliche Kosten. Die Berechnungen über die günstigste Form gestalten sich oft sehr schwierig. So liegt die Frage nahe, ob man nicht an die Stelle von Mauern etwas anderes, etwas ein­facheres und billigeres fetten kann

Auch auf diese Frage ist Deutschland eben die Antwort zu geben bereit. Bei Dohrenbach im badischen Schwarzwald ist man mit der Er­richtung einer Talsperre beschäftigt, die nach ganz neuen Grundsätzen ausgeführt wird und die voraussichtlich umwälzend in Bezug auf die Aus­nützung von Wasserkräften wirken dürfte. Das, was man dort baut, verdient nämlich gar nicht den Damen einer Mauer. Es gleicht mehr einem einfachen, ziemlich dünnen Schild, das gegen Den Druck der dahinter aufgestauten Wasser- massen gestemmt wird. Soll ein derartiges Schild diesem gefälligen Druck widerstehen, so muh es aus sehr festem Material hergestellt sein. Die meisten der bisher errichteten Staumauern be­

stehen aus Beton, einem Gemisch von Femewt. Kies und Sand, das mit Wasser zu einem Drei ungerührt und ht Formen eingegossen wird. 3n dielen erstarrt der Beton rasch zu einem harten für Wasser undurchlässigen Stein. Bei dem Schild von Böhrenbach kommt nun anstatt des einfachen Betons der noch viel widerstands­fähigere Eisenbeton zur Verwendung. Es wird ein Gerüst aus eisernen Trägern. Schienen und Bän« dem hergestellt, das dann mit Beton umgossen wird. Der Beton und das Eisen verbinden sich zu einem einheitlichen Ganzen von äußerst wert­vollen Eigenschaften, die sich in das Wortiln- verwüstlichkeit" zusammenfassen lassen. Das Eisen­gerüst bildet die Stühe des Ganzen, der Beton schützt das Eisen gegen den Einfluß der Luft und damit vor allertz gegen das Rosten. Beide. Beton und Eilen, haben fast genau den gleichen A>rs- dehnungskoeffizienten. d. h. fic dehnen sich in Wärme gleichviel aus und ziehen sich in der Kälte um gleichviel zulammen. So findet auch bei großen Temperaturschwankungen keine Locke­rung ihres Gefüges statt. 3n Böhrenbach baut man nun, wie erwähnt ein einfaches Schild aus Eilenbeton quer über das Tal. Das Schild steht derart schief gegen das Wasser, daff es nach oben zu zurückweicht. Es wird durch eine Anzahl von Pfeilern gestützt, die nach unten zu, wo bei Druck des Wassers am stärksten ist, breiter wer­den. Diele eigenartige Talsperre erfordert zu ihrer Herstellung weniger als den vierten Teil des Materials, das man für eine Bollmauer be­nötigen würde. 3br hauptsächlichster Vorteil wird aber darin bestehen, daß man durch die Verwendung derartiger Sperrlchilder die Wasser­kräfte rascher und schneller ausnützen und damit dem Wirtschaftsleben in kürzester Zeit und mit geringen Koster neue Quellen erschließen kann.

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quelle niemals mehr Kraft herausholen Tann als eben darin steckt.

Und doch hat die deutsche Technik das un­möglich gemacht. Quer über das Tal des Schwar­zenbachs wurde eine Staumauer gebaut. Da­hinter ' soll sich der Stausee mit fünfzehn Mil­lionen Kubikmeter Wasserinhalt ausdehnen. Die Verhältnisse liegen also etwa so, als ob man eine Badewanne tropfenweise füllen wollte. Das wäre eine harte Geduldsprobe.' So wartet man zunächst einige Zeit, bis der kleine Schwarzen­bach den Stausee wenigstens zum Teil ausgrfullt hat Dann läßt man das Wall er in das am <juff der Sperrmauer errichtete Elektrizitätswerk ab- fliehen. Mit Hilfe der erzeugten elektrischen Energie aber werden Pumpwerke in Bewegung gesetzt die das Wasser der tiefer slieyenoen Murg in die Höbe unb in den Stausee hinein fördern. Ans diese Weise ist das Staubecken bald gefüllt und nun wird man stets ui gleicher Weise weiter verfahren. Ein '-^eil der erzeugt-n Elektrizität wird dazu verwendet, jene Menge von Wasser aus der Murg emporzupumpen, die der kleine Schwarzenbach nicht zu liefern vermag. Das ganze Verfahren erinnert allo lebhaft an jene in der Technik und insbesondere in der Elektrotechnik vielfach verwendeten Einrichtungen, die man alsR elais" zu bezeichnen p'legt und die dazu dienen, mit Hilfe schwacher Strome starke Wirkungen zu erzeugen.

Sehr bemertenswerte Einzelheiten zeigt auch die Art, wie die Staumauer der Schwarzenbach- Talsperre ausgeführt wird. Diese Mauer beftept aus riesigen Granitblöcke n,_ deren Gröhe zum Teil zwei Kubikmeter beträgt, die durch Guhbeton miteinander verbunden werden. Durch diese eigenartige Mischung von Granit und Beton erkält die Mauer ein Hobes spezifisches Gewicht und damit zugleich die Eigenschaft eines hohen

Deutschtum und Politik.

Don Dr. phis. Friedrich Septen, Bremen, ll.

Auch der DoltSstaat, die Demokratie, ist solch (>» Vorbild, das vom Westen Europas her ge- ,»dt hat, und wir haben nun die äußerst schwie- ege Ausgabe zu lösen, ihn in deutschem Geiste i »szubauen. Denn darüber müssen wir uns klar I -in, hab unmöglich ein Doll eine Staatsform ,i»d Staatseinrichtungen aut die Dauer ertragen finn, die seinem inneren QBcfcn nicht entsprechen. >e Völker Europas find in ihrer Gei st es art . ^ndverlchiedcn, und daraus schon ist zu fol- L<m. hab eine Einrichtung, die sich in einem Holle bewährt hat, noch lange nicht bei einem . TberS veranlagten Volke zweckdienlich zu fein b-ijud)L Es ist ein grundsätzlicher Irrtum, wenn hian meint - wie es so häufig geschieht. dah 's einen unbedingt besten Staat für alle Völler - ch 3eiten gebe. Das mag im Kopf eines weisen ) DcnlerS wunderschön ausgedacht werden, aber e Wirklichkeit spricht dem Hohn. Sie nimmt launig Rücksicht auf gedanklich entworfene S aats- -bilde und schon erionnenc. papierene Entwü f?. Johl immer gewinnen derart g ausgedachte ; aatsordnungen ein ganz anderes Gesicht, wenn in die Wirklichkeit übergeführt werden. Für , me Staatssorm eines Dolles ist zunächst die bc= rnbcrc Eigenart des betreffenden Dolles von «iffgebcnbem Einfluh. Weiterhin ist zu be­sten. dah man mit dem geschichtlich Gewordenen i. rechnen hat, toenn man schwere Erschü tcrungen nf Staate vermeiden will. Auch die öff.'Ntliche jKeinung des 3n° und Auslandes ist von nicht ui. unterichätzender Bedeutung. Manche Politiker Im inen, sich über diese Dinge einfach h nwegsehcn j tonnen und sehen vielleicht auch noch ihre be­ten berc Starke und Gröhe darin, ohne jede Aück- 'i«j)t auf andere Meinungen ihr Sonüerziel zu iSrfolgen und auf seine Verwirklichung hinzu- nr aciten. Mer sie zeigen damit nur. wie wenig li» das eigentliche Wesen der Politik verstanden oben.

Wahre Politik ist nicht dazu da. die Welt nach i leuchtenden Hochzielen umzugestalten oder pa- lüi'renai Staatsentwürfen auf die Beine zu helfen: Ihfc' ist im Gegenteil nüchterne Auswertung ge° siebener Tatsachen zum Besten des eigenen Volkes. Bismarck hat die Politikdie Lehre vom Möglichen" genannt. 3n diesem Wort l.cgt ll^entlich ihr ganzes Wesen beschlossen. Aus- shlaggedend sür die Richtigkeit einer Po'üit ist tiülein chr Erfolg, nicht ihr sittliches Gepräge. Selb ft ein Mann wir Goethe sprach die Ansicht iuü: ,,Der Handelnde (b. i. der Staatsmann) ist immer gewissenlos, es hat niemand Gewissen als der Betrach ende" <d. i. der Denker). Politische Begabung eines Volkes ist nichts weiter als Vertrauen zur Staatslenkung.

Dergegenwäit'gt man sich nun, dah deutschem ctreben meistens der Wunsch nach Meisterung ües ilnmöglichen zugrunde liegt, dah der Deutsche ich bet feinem Handeln weniger vom Erfolg als on Recht und Wahrhaftigkeit leiten läht, dah cC ferner traft seiner Sondergeistigkeit und seiner Keigung zu klernltcher Pillis ung und Krittelei nur ungemein schwer das notige Vertrauen zu den ätaafsführern finden tann, so muh jnan wiederum .ikcnnen, dah der deutsche Mensch in seinem uefften Wesen unpolitisch veranlagt ist.

Von grohter Wichtigkeit für den Erfolg einer Politik auf lange Dauer ist fernerhin die Bil- duyg einer sicheren, herkömmlichen üeberltefe» nmg, nicht das ständig neue Schöpfen aus dem Mchts. Oswald Spengler, der be.ühmte Der- faffer des viel genannten Werkes ,,Der Unter»- gang des Abendlandes", bezeichnet es als eine grohe Schwäche B.smarcks, dah er es nicht ver­standen habe, eine feste ileoerlic?crung zu bilden und Aach o gor zu züchten, die das Writerbestehen seiner gioffen eotaatsschöpsung gewährleisteten. Diese Aufgabe stöfft aber gerade bei unserem deutschen Bolle auf die allergröff en Schwierig­keiten. weil jeder von uns auf seine Art neue Wege zu gehen trachtet. Das preußische Militär allerdings hat es meisterhaft verstanden, eine stste. ständig weiter überlieferte, herkömmliche eilte zu gestalten, aber Preuffentum und Deu sch- iiim sind zwei sehr verschiedene Dinge, auf deren Wesensunterschied hier nicht eingegangen werden kann.

Es erhebt sich nun die Frage, ob das un-- polilllchc- Wesen der Deutschen nicht zu über- lrindcn ist. Biele sind der Anschauung, baff ; die bisherige Tätigkeit der Deutschen auf dem Gebiete der Politik so oft versagt habe, weil I die große Masse des Volkes politisch geknechtet und ungeschult gewesen sei. Don der neuen 3<it und dem durch sie geborenen Volksstaat c-toartct man das große Wunder der Erziehung

vor schweren Arbeitskämpfen im Ruhrgebiet.

Das neue 3ahr bringt dem hartgeprüslen Ruhrgebiet auf sozialem und wirtschaftlichem Ge­biet harte Kämpfe, darüber darf man sich keinen Täuschungen hingeben. Als im Rovernber 1923. nach Beendigung des passiven Widerstandes, der der 3udustrie des besetzten Gebietes schwere Wunden geschlagen hat, die Arbeiterschaft sich (nicht ohne Widerstand) bereit fand zu verlän­gerter Arbeitszeit, da betonte sie von vorn­herein, baff dieses Zugeständnis nur ein be­fristetes sein könne. Bei allen späteren Lohn- Verhandlungen hat denn auch die Arbertszeit- frage eine große Rolle gespielt.

3n der Metallindustrie des nieder- rheinisch-westsälischen 3ndustriebezirks wird der Achtstundentag durchweg überschritten. Die Ge­werkschaften verlangen, baff zunächst für bic Feuer- und Koksarbeiter der Acht­stundentag wieder eingeführt wird, daff man vom Zweischichtensystem wieder zum Dreischichtensystem übergeht. Bon der Industrie wird darauf verwiesen, daß eine Ver­kürzung der Arbeitszeit dieser Derufsgruppen zwangsläufig die weiterer Gruppen herbei führe und letzten Endes zu einer Arbeitszeit führe, die eine so stark belastete 3nbuftrie nicht tragen könne. Es wird geltend gemacht, baff die als übermenschlich lang bezeichnete Zwölf stunden- schicht außer der längeren Mittagspause (eine Stunde und mehr) soviel Arbeitspausen in sich schliefst, baff etwa sechs Stunben nur als Arbeitsbereitschaft zu betrachten seien. Durch die Einführung von neuen technischen Hilfs­mitteln ist allerdings die in zahlreichen Betrie­ben früher erforderliche schwere körperliche Arbeit beträchtlich herabgemindert worden: auch ist in den modernen Betrieben alles geschehen, um den Aufenthalt in den Arbeitsräumen besser

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die Achtstundenarbcitszeit. Die Ciseninoustrie beginnt sich langsam zu beleben; sie hat aber noch schwer um den Absatz zu ringen. 3in Berg- lau ließt es noch trostlos aus. insonderheit bei den südlichen Randzechen. Die schwere Konkur­renz, die die billigere Braunkohle und die aus ihr erzeugte Elektrizität der Ruhriohle bereitet, die Konkurrenz der leichter zu gewinnenden und billiger zu versrachtenden englischen Kohle ge­statten dem Ruhrkohlenbergbau nicht, höhere La­sten zu tragen, ohne baff ein Ausgleich durch Höhere Kohlenpreise erfolgt. Und nicht viel besser geht es der Eisenindustrie, deren Preise derzeii noch kaum gewinnbringend sind. Wenn der Absatz sich so hebt, daß die Werke und die Zechen ihre Produktionskraft voll ausnuhen konnten, dann wäre eine Losung eher möglich.

Die Lage ist im Ruhrgebiet gespannt. Die Metallindustrie ist der A isicht, Haff es unmöglich ist. die Keime einer B.llsei ung durch bedeutende Erhöhung der Produktionskosten zu ersticken. Da­mit wäre auch der Arbeiterscheift nicht gedient, da Feierschichten und Entlassungen die Folge sein würden. Roch ernster find die Einwendungen, die der Bergbau nach dieser Richtung erhebt. Für die südlichen Randzechen hält er die Rückkehr zur acht einhalb stündigen Vorkriege- schicht für unbedingt erforderlich gerade im Interesse der ansässigen Arbeiterbevölkerung. Heute ist es so. daß taufende Knappen, die nicht gern ihre landschaftlich schönere Heimat im bergi­gen Südgebiet verlassen mögen, stundenweite Fahrten zu den nördlichen Zechen machen, ob schon ihr heimisches Bergwerk den Betrieb wieder aufnehmen könnte, wenn eine halbstündige Schichtverlängcrung fic wieder Wettbewerbs' fähig machte.

Daß die Dinge sich so kritisch gestaltet haben, ist zum großen Teil der bedauerlichen Tatsache zu verdanken, daß die Verbilligung der Kohlen der Frachten, der Umfafffteuer usw. nicht zur Senkung der Warenpreise geführt haben, sondern eher noch zur Erhöhung. Die Lebenshal> I ung s kost en sind im ganzen Reich nicht so hoch als im Industriegebiet. Die großen Werke, denen es um bic Erhaltung und dringend not­wendige Erweiterung des Absatzgebietes zu tun ist, wissen wohl, baff das Renteneinkommen der Arbeiter und Angestellten niedriger ist als im Frieden und daff es kaum ausreicht zur Stiftung der Existenz. Sie sehen sich aber außerstande, höhere Löhne und Gehälter zu zahlen, die doch sofort zu neuem Anschwellen der Warenprersc führen würden, fo bah die Arbeiter doch nichts davon hätten und letzten Endes beim weiteren Anziehen der Schraube -- die unselige 3nfla- t i o n wieder herbeigesnhrt würde. Sie fordern daher von der Regierung einen starken Druck auf die Herabminderung der Waren­preise und wollen, wenn das nicht fruchtet, in großem Umfange übergehen zur Selbst - Versorgung ihrer Arbeiterschaft mit billi­geren Lebensrnitteln, um so deren Aealcintom- men zu verbessern.

Es wird der llugcn Taltil der Regierung und ihres festen Willens bedürfen, um den Aus- bruch schwerer sozialer Kämpfe im Ruhrgebiet

zu gestalten. Don Arbeitnehmerseite wird dem­gegenüber der Einwand erhoben, der ilcbergagg zur Dreischichteneinteilung erfordere nur 10 bis 15 Prozent Arbeitskräfte mehr (wobei aber nicht das Auffichtsverfonal berücksichtigt ist), geftattf dafür aber eine intenfive Ausnutzung der Pro- duktirnseinrichtungen. Gewifte Maschinen unk Einrichtungen finb jedoch auf bestimmte Leistun­gen eingestellt, die gar nicht beschleunigt werden können. Das gilt auch für bic Kokereien und füi den Bergbau Hier hat sich gezeigt, daß bit Schichtzeitverkürzung einen Produttions- a u s f a l l brachte, der größer war als der pro- zentualc Anteil an der Arbeitszeitverminderung. Auch im Bergbau sind tcchn'fche Verbesserungen emgcfühit worden (Dampthamnicr, Bohnnaschi» neu. Schüttelrutschen ufto.). mit deren Hilfe es gelungen ist. annähernd bic Friedens Förderung toicber zu erreichen, nachdem man zur Acht- ftundcns<hicht zuiückgekehrt war. Vor dem Krieg» war die Arbeitszeit eine halbe Stunde länger, beide Male ist die Ein- und Ausfahrt cingc« schloffen.

Run haben die Dergarbciterverbändc. unbe friedigt durch bic im Zwangsschiedsspruch tzii- gebilligte Lohnerhöhung, bas Arbeitszeit­abkommen gefündigt. Auch in der Me­tallindustrie (Gruppe Rvrdwest) läuft es ab. Die gesamte Arbeiterschaft der Eisen- und Kohlen- tnöuftric des 3ndustriebczirks tritt somit ge­schlossen in den Kampf um die Arbeitszeitver-

staat und Dolksstaat. und jeder sicht in seinem Vorbild das Herl aller Welt beschlossen. Aber schon bic Tatsache dieses Streites zeigt an, daff beide Ansichten etwas für sich haben müssen. Auf her heutigen Entwicklungsstufe der west­europäischen Gesittung ist ein Staat wohl nur bann auf längere Zeit lebensfähig, wenn er beiden Anschauungen gerecht wird und sie zu einer höheren Einheit zusammenfaßt. Auch hier darf man sich nicht an feste Grundsätze binden; es kommt auf bic Männer an, bte dem Staate ihren Geist aufprägen. Men, not meafured (Männer, nicht Maßregeln) ist bas Geheimnis aller erfolgreichen englischen Politik. Fricbrich der Gioße, derabsolute Monarch", war seinem Dolle ein Landesvater und Freund, wie man ihn sich nicht besser denken kann. Er nannte >ich selbst den ersten Diener seines Staates und han­delte darnach, was zur Genüge seine demo­kratischen Anschauungen beweist.

ilmgckehrt muh ein Dollsstaat immer eine Auslese der Besten zur Herrschaft bringen und ihr in gläubigem Vertrauen die Staatsleitung in bic Hand geben, sonst macht er sich auf die Dauer unmöglich llnfcr hcu'iger Vollsstaat. der noch viel za sehr der launischen Herrschaft der breiten Massen ausgesetzt ist und in dem die wichtigsten Ministersessel so häufig erft auf Ginrnd eines KulHinkels zw f j)cn den ter ch ebenen Par­teien beseht weiden können, muff eine wescnll.ch? Umgestaltung erfahren und bic Besten der- Belte.', zur wirklichen Herrschaft gelangen lassen, wenn er von längerem Bestand sein soll. Auf jeden Fall geht es nicht an, daß die Bollsvcrtretungen ober die Parteien eine selbstherrliche, unum­schränkte Mach! aufrichten, wie wir bas ebenso­wenig einem Fürsten gestatten.

Etwas mehr Bcfchcidenheit und Rücksicht­nahme auf andere, ehrliche lleberzeugungen wäre allgemein am Platze und immer wieder die Selbstbesinnung darauf, daß wir ein Volk un­politischer Art sind und baff jeder, der llch zum Gebiete der Politik getrieben fühlt, mit um fo größerer und ernsthafterer Ucbcriegung und Ge- w.ssenhast gtctt zu Werke gehen muff. Ob . Demo­kratie" undParlamentarismus" Formen finb, bic unserer deut'schen Wesensart entsprechen, kann man bezweifeln, wenn sie es nicht fertig bringen, eine straffe Zusammenfassung der auseinander- ftrebenben Kräfte in Deutschland zu erreicheii. Diese ist unbedingt erforderlich. Wir müssen dem immer stärker drohenden Auseinander leben unserer deutschen Slammesgenossen aufs nachdrück­lichste Einhalt gebieten. Dann mag es uns viel­leicht mit Gottes Hilfe gelingen, unserm schwer geschädigten Staatswesen erneut zu Macht und Ansehen innerhalb der europäischen Völkergemein­schaft zu verhelfen.

Technische Rundschau.

Von Dr. Franz Kittkcr.

Wie auf so vielen anderen technischen Ge­rieten, so steht Deutschland auch auf dem des Baues von Talsperren an führender Stelle. ES ist ja wahr, baff man anderswo, wo bältnisse günstiger liegen unb wo mehr Was'er Mir Verfügung steht, größere Dämme errietet, lute z. B. eben jetzt im Sudan. Bei der Bcurt^- lung technischer Fortschritte kommt es aber nicht auf bic Stoffe, sondern einzig und allein auf bic Leistung an. Es gilt, bei geringstem Aufwand me größte Wirkung hervorzubringen. Aus biefcm Grundsatz heraus erwächst das Bestreben, die iur Erzielung einer bestimmten Leistung ver- tenbeten Einrichtungen möglichst zu Verneinern. T5enn von zwei Motoren der kleinere genau bic gleiche Menge Energie liefert, wie der große otor vielleicht fogar riesengroße, fo gebuffrt jnfere Bewunderung natürlich ihm unb nicht der pgairtischen Maschine.

Wie man nun auch aus sehr Keinen Kraft quellen ganz gewaltige Leistungen hergusholui kann, beweist bic gegenwärtig im Bau befindliche Schw a tz e n vach - T a l f pei r e (Schtarz- ualb). Der Schwarzenbach ist ein kleines Flüß­chen. bei dessen Anblick wohl kein Mensch auf den Oedaicken kommen würbe, daß sich aus seiner geringen Wasfermenge eine elektrische Energie ton zunächst fast 60000 Pferdestärken formte er­zeugen lassen. Tiefe Wassermenge könnte, so sollte man meinen, höchstens reichen, ein paar Mühlen m Betrieb zu sehen aber 60 000 Pferdestärken > Llnmoglich! Es erscheint dies schon deshalb un- Ttöglich, weil man ja nach dem bekannten Getctz frtm der Erhaltung der Energie aus einri? Energie-

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jünngen] und ge- herie

und Durchbildung des deutschen Dkenschen zum gewiegten Staatsmann und Staatsbürger. Wir können diese Ho,fnangsfreiuigkeit leider nicht teilen. Das Wesen eines Volkes ist nur sehr wenig veränderlich, und sollte wirklich einmal eine gewisse ilmgeftatlung stattgesunden haben, so erfolgt meistens bald cm um so kraftvollerer Rückschlag in die angestammte Dol.sart.

Während der Z it. wo die preuff sche Slaats- Icntung uber die Schicksale Deutschlands entschied, ist sicherlich das uroeutfche Wc,cn nicht voll zur Geltung und Auswirkung gelangt. Dom politi­schen Standpunkt aus gesehen ist cs dem Preußen­tum hoch anzurechnen, baff es verstanden hat. die großen politischen Schwächen der Deutschen zu bänb gen und zum Teil unschädlich zu machen. Aber mit der Staaisi-mwälzung des Jahres 1918 gelangte das unpolitische deutsche Mlchcllum wie­der ganz zur Herrschaft. Da war auf einmal der deutsche SondLrgeist mit seiner Llebcririttlichlcit und seinem Desserwissen, feinm Deg i fsgewalten und seinen Träumen von Wells rieben. Böller- versöhnung ufto. in erstaunlich wa chechtcr Rein­heit wieder erstanden! Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns erneut von den Schlacken des Micheltums zu befreien, und dazu gehöri nach unserer Lieberzeugung vor allen Dingen Erkenntnis des wahren Wesens der Politik und der deutschen Dollsart.

Wir müsse!', grundsätzlich damit aufräumen, daß die verschiedenen Parteien mit leidenschaft­licher Starrköpfigkeit an ihren Grundsätzen fiebert. Auf solche Weise kann nie erfolgreich Politik getrieben werden. Es ist keine Schwäche jeden­falls nicht in politischer Hinsicht toenn man sich bemüht, mit seinen Gegnern zu einem erträg­lichen Ausgleich zu gelangen, das ist im Gegen­teil ein Zeichen von polir.s'Her Einsicht. Wie äußerte sich doch Bismarck über ..Grundsätze" ? Er sagte;Ich habe nie nach Grundsätzen gelebt; toenn ich zu handeln hatte, habe ich mich inemals gefragt: nach welchen Grundsätzen ha.idelst du? Sondern ich habe ^gegriffen und getan, was ich für gut hielt."

Wir haben mit Bismarck die Politik als die Lehre vom Möglichen bezeichnet. Mögllchlci'en aber ändern sich. Rach Ablauf einer gewissen Zeit kann ein Borgehen Erfolg versprechen, das vorher undurchführbar schien, und umgelebri. Der Politiker hat je nach Lug' ' d Derhältnisicn sein Handeln cinzurtcht.m, desha es unangeb.acht und untunlich, ihm o)ne tocikr einen Do.Wurf zu machen, wenn er feine Anschauungen ccä.ibert bat. und man sollte sich hüten, grundsätzlich jeden Wandel in äleber-eugung und Tat als Schwäche und Rückgratlosigkeit auszulegen. Bis­marck war anderer Meinung; er sagte:Ich schätze mich glücklich, nicht zu den Leuten zu gehören, die nut den Jahren und den Erfahrungen nichts lernen", oder: ..Ich habe stets gestrebt, Reucs zu lernen, und toenn ich dadurch in die Lage kam, eine frühere Meinung berid).igen zu müssen, fo habe ich das sofort getan, und ich bin stolz darauf, dah ich fo gehandelt habe, denn ich Hel: das Vaterland über meine Person".

Politik aber ist nicht nur die Lehre vom Möglichen, sie ist zugleich eine Kunst. Denn wo hort das Mögliche auf und fängt das iln» mögliche an? Dies zu entscheiden ist nicht jeder- inanns Sache und läßt sich nicht erlernen und nicht anerziehen. Es bedarf der sicheren, inneren Stimme des geborenen Staatsmannes. Wir können uns wohl eine umfangreiche politische Bildung aneignen, wir können die Seele unseres eigenen Volkes und die der fremden Völker erforschen und uns eingehend mit Geschichte und Staatsbürgerkunde befassen, wir können auf poll- tischen Hochschulen uns eine letzte polili ch e Reife zu geben versuchen und alle diese Dinge sind unserem deutschen Dolle bitter notwendig, damit wenigstens m etwas unfern großen Mängeln für das Gebiet der Staatskunst abgeholfen wird wir werden aber trotz Anwendung aller dieser Mittel nicht gewiegte Polilller hervvrbringen, weil diese nicht herangebildet und erzogen werden lönnen, sondern geboren und ge richtet sein müssen.

Das ist nicht gerade ein verheißungsvoller Blick in die Zukunft, aber es Hal keinen Zweck, sich Hoffnungen hinzugeben, deren Er ü.lung kaum wahrscheinlich ist. Es ist natürlich nicht ausge­schlossen, daff Deutschland einst wieder zu g.öBcrer staatlicher Macht gelangt. Aber wie lange mag sie dann andauern? Dostojewski Hal schon 1877 in feinem AufsätzeDie deutsche Dolisirage und anderes" ein längeres Bestehen des geeinigten Deutschen Reiches in Frage gestellt mit der Begründung, cs fei .,schwer anzunehmen, baff eine so alte Gewöhnung an politische Zersplitte­rung bei den Deutschen so schnell verschwunden sei wie ein ausgetrunkenes Glas Wasser".

Zuletzt noch ein kurzes Wort über die Staats form. Wan streitet sich um Fürst en-

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