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Ausnahmen für die konfessionelle Gestaltung ge­macht werden können. Wir wünschen eine Ergän­zung der Schulreform, auch eine Reform des Straf­systems. Viele Lehrer wissen sich noch immer nicht anders zu helfen, als durch Prügel. Die Betätigung der Frau in der Schule muh weiter ausgebaut wer­den. Alis den Schulbüchern müssen alle volksver- hetzenden Stellen entfernt werden. Die Pflicht­stundenzahl und die Klassenfrequenz ist hcrabzu- setzen.

Abg. Meyer- Magdeburg (Sn.): Man soll die Reform nicht überstürzen. Die an . sich erfreuliche Entwicklung der körperlichen Erziehung darf nicht überspannt werden. Unter Parität verstehen wir AchNmg der Konfessionen gegeneinander unter gegenseitiger Anregung und Bereicherung.

Abg. Wiedermann (Zentr.): Man hat es in Reden und in der Presse so dargestellt, als ob das Zentrum verlange, daß jetzt das ganze höhere Schul­wesen in Preußen bekenntnismäßig gestaltet wer­den solle. Davon kann keine Rede sein. Wir be­kämpfen nur entschieden den Standpunkt der Re­gierung, der die Errichtung konfessioneller höherer Schulen grundsätzlich ablehnt. Wir verzichten auf die allgemeine Forderung nach bekenntnismäßigen .'höheren Schulen, weil diese Forderung praktisch nicht durchführbar ist.

Abg. Dr. Steffens (D. 93p.) fordert die Be­reitstellung größerer Mittel für die kulturellen Be­dürfnisse des Volkes. Bei der Unterhalttlng der .höheren Schulen müssen die Städte unterstützt wer­den. Die Jugend leide unter Nervosität und Ab­lenkung. Ihr Geslmdheitszustand sei sorgsam zu be­obachten. Sport sei zu fördern, aber nicht zu über­treiben.

Abg. Böhmer (Dem.) wünscht eine Herab­setzung der Klassenstärke und eine Nachprüfung der Arbeitslast der Lehrerschaft. Das Entscheidende an der Reform müsse die zentrale Stellung des deut­schen Volksguts sein, die ein Gebot der inneren SelbsterHaltung vor allem gegenüber der anstürmen­den slawischen Welle sei. Gegen die parteipolitische Beeinflussung der Schule hätten die Demokraten die größten Bedenken. Das Ministerium müsse der Tatsache abhelfen, daß in mehreren Fällen Schul­direktoren den Erlaß über die Entpolitisierung nicht bekanntgegeben hätten.

Abg. Frau v. T i l i n g (Dn.) setzt sich dafür ein, daß die Schulverwaltung sich insbesondere dem großen Ziele widme, das dem Knaben wieder Ach­tung und Ehrfurcht vor dem Mädchen erweckt, und daß Chaos und Unsicherheit in sittlichen Dingen, das die heuttge Zeit liebe, beseitigt werde.

Abg. Frau Wrokna (Z.) wünscht, daß jede Beteiligung der weiblichen Jugend an öffentlichen Sportfesten und derglei- cijen untersagt werde, was aber die körperliche Aus­bildung als solche nicht hindern dürfe.

Abg. Frau Dr. Klaußner (Dem.) fordert stärkere Beteiligung der Frauen an der Unterrichts­abteilung. Das^hohe Gut der deutschen Kultur müsse besonders in den Grenzfchulen gepflegt werden. Wichtig fei auch die Erhaltung des Deutsch­tums im Auslände. Die Privatschulen könn­ten so lange unterstützt werden, bis die Verstaat­lichung durchgeführt ist.

Abg. Greve (Z.) erklärt: Die Anstellungs- sperre müsse fallen und zwischen Studienräten und Hilfskräften das alte Verhältnis 13:1 wieder heraestellt werden. Die Studienassessoren, die nicht in die Anwärterlist- aufgenommen sind, müßten bald die Gewißheit über ihre Zukunft erhalten. Die Aufbauschule müsse eine Eliteschule bleiben und dürfe ihre Ansprüche nicht herabsetzen.

Damit schließt die allgemeine Aussprache über dieses Kapitel.

Der Landtag geht darauf über zur Dritten allgemeinen Besprechung, der Universitäten und sonstige wissenschaftliche Anstalten und Zwecke erstreckt. Abg. Dr. Köhler-- Toeifswald (Dn.) führt aus, es sei ihm auf gefallen, daß anschei­nend ganz nebenbei etn.e neue katholisch- theologische Professur auf dem Wege eines Vermerkes in den Erörterungen in den Etat gelangte. Das müsse Mißtrauen erregen.

Abg. Dr. Wäntig (Sozst betont, die ilni- rersitäten hatten sich zu Hochburgen der poli- tischen Rückständigkeiten entwickelt.

Minister Decker führt aus, in der Frage der Stellung der Hochschule zum preußischen Staat habe seine Politik Erfolg gehabt. Poll- ttsche Momente seien bei der Ernennung von Professoren nicht maßgebend.

Abg. Lauscher (Z.) teilt den Standpunkt des Ministers. Politische Entgleisungen der Hoch­schullehrer müssen endlich aus hören. Die Lage unseres akademisAen Nachwuchses sei geradezu verzweifelt. Die HilssmaßnUhmen der Regierung für die Privatdozenten seien völlig unzureichend.

Abg. Dr. Steffens (DVP.) gibt dem Wunsche Ausdruck, daß in der älniversitätsVer­waltung wieder Stetiateit eintrete. Die Wissen­schaft müsse auis stärkste gepflegt werden, damit wir unsere Stellung zur Welt aufrecht erhalten. Die Reform der höheren Schule müsse sich auch auf die älrsachrn auswirken. Größte Sorgfalt bedürfe die studentische Wohlfahrtspflege.

Eine Abendsihung beschäftigt als einziger Gegenstand die zweite Beratung der Novelle zum preußischen AusführungSgesetz zum

FinanraüLsleichsgesetz.

Die Regierungsvorlage verlängert das am 1. April 1926 ablaufende Ausführungsgesetz bis zum 1 .April 1927, dem Termin, an dem nach der ReichSgesetzgebimg d'.e Länder und Gemeinden das Recht der selbständigen Erhebung von Steuerzuschlägen erhalten sollen. Die wesentlich­sten Aenderungen, die die Regierungsvorlage mit der Verlängerung verbindet, bestehen darin, dah die Gemeinden und Landkreise vom Tlinsatzsteuer- antett 50 Prozent erhalten sollen, während sie bisher drei Fünftel, der Staat zwei Fünftel erhielten. Die Garantie des Aufkommens aus der Einkommen- und KörperschsftSsteuer soll von 80 auf SO Prozent erhöht werden. Die Einkommen» schmälerung der Gemeinden will die Regierung teilweise dadurch ausgleichen, dah in Zukunft die DerwaltungSgebühren für Austragshandlun- qcn, tte zwischen (Staat imb Gemeinden geteilt wurden, den ©cmeinten in voller Höhe zufließen sollen. Der Hauptausschuß des Landtags hat die Regierungsvorlage in mehreren Punkten zu­gunsten ter Gemeinden geändert. So soll der Gemeind^anteil an der Umsatzsteuer von 50 auf 55, die Garantie für das Aufkommen aus der Einkommen- und Körperschaftssteuer von 90 auf 100 Prozent erhöht werden.

Das Hau« vertagt sich dann um 7,11 Ähr auf Freitag 11 Mr vorm. Am Freitag soll die Abstimmunz und die Weiterberatung des Kultus­etats ftattf irrten.

Rach kurzer Aussprache vertagt sich das Haus auf Freitag.

parlamentarisches ans Hessen.

D a r m ft a b t, 5. Nov. Der Finanzaus­schuß des Landtags verhandelte gestern über Vor­stellungen der Polizeibeamten und verschie­dener anderer Beamtenkategorien wegen ihrer Be­soldungsverhältnisse. Der Vorsitzende des Ausschusses machte den Vorschlag, daß die Länderregierungen beim Reiche auf ein besonderes Polizei- beamten-Besoldungsgesetz hinwirken sollten: bis dahin solle die Regelung der Gehalts- oerhältnisse nach Gruppe 4 und 5, wie in Boden, erfolgen. Finanzminister Henrich lehnte eine Herausnahme der Polizeibeamten aus der allgemei­nen Befoldungsordnung ab, denn dem hessischen Staat dürsten keine neuen Lasten entstehen. Zins­lose Darlehen an Beamte lehne er ebenfalls ab, aber in Einzelfällen könnte einer Notlage Rech­nung getragen werden. Abg. Dingel dey (D. V.) erklärte im Namen seiner Fraktion, daß unbedingt ein besonderes Besoldungsgesetz für die Polizei­beamten gefordert werden müsse, und zwar in kür­zester Frist und durch die hessische Regierung, die sich dann darüber mit der Reichsregierung ausein­anderzusetzen habe. In der Zwischenzeit müßten sämtlichen Polizeibeamten gleiche, lediglich nach Dienstjahren unterschiedene Zulagen zur Behe­bung der Not bewilligt werden. Der dahingehende Antrag lautet:

Wir beantragen, die Regierung zu ersuchen: 1. Alsbald, und zwar spätestens bis zum 1. Januar 1926, dem Landtag den Entwurf zu einem beson­deren Polizeibeamtengesetz vorzulegen, durch das die Besoldung der gesamten Polizeibeamten (also der Schutzpolizei, der' staatlichen Ortspolizei und der Gendarmerie) einer völligen Neuregelung im Sinne einer Höhereinstufung unterworfen wird, und zwar unabhängig von der Befoldungsregelung der übri­gen Staatsbeamten: 2. bis zu dieser Regelung den sämtlichen obengenannten Polizeibeamten eine gleiche, lediglich nach Dienstjahren abgestufte Dienst­zulage zu zahlen, und zwar: a) für Beamte mit 26 Dienstjahren 20 Mar? monatlich: b) für Be­amte mit 712 Dienstjahren 30 Mark monatlich: c) für Beamte mit über 12 Dienstjahren 40 Mark monatlich.

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Abg. Dr. Werner (Dntl.) hat nachstehende Anfrage im Landtage eingebracht: Die Dar­bietungen deS Hess. Landestheaters haben schon öfters zu berechtigtem Einspruch Ver­anlassung gegeben. Man mag dem Theater im­merhin den allgemeinen deutschen Zerfall als Entschuldigung" gelten lassen, so ganz darf aber die Buhne nicht ihre doch auch moralische Auf­gabe vergessen, was leider in Berlin schon längst üblich, wie cs nun auch in Darmstadt ter Brauch zu werten scheint. Schon ,.Dantvns Tod" bot mit seinem Geschweige in Zynismus und Roheit in Widerwärtigem und bewußt übertrie­ben dargestellter Dirnenschamlosigkeit des Ab­stoßenden und Verderblichen genug. Es erfuhr aber noch eine äleberfteigerung durch das ganz unkünstlerische und kunstlose MachwerkAnja und E st h e r". Was hier auf krankhaft-per­verse Weise in Herabsetzung des Weibes auf die Stufe tierhafter Schamentblöhtheit unter Ver­wendung kindlicher Mitdarstelter und vor großen­teils jugendlichem Publikum geleistet wurde, mußte Schrecken und Grauen zugleich erwecken. Richt daß die Mehrzahl der Zuschauer das Stück erfreulich kühl ablehnte, ist hier die Hauptsache, fontern bas ist der Skandal, daß ein solcher Schmutzsladen in unserem mit schweren Opfern erhaltenen Kunsttempel überhaupt die Bretter berühren durfte. Zch frage daher die Regierung, was sie zu tun gedenkt, um in Zukunft die Aufführung ter ar tiger Fragwürdigkeiten zu ver­hindern ?

Abg. Haury (D. Vp.) und Gen. haben im Landtag eine Anfrage eingebracht, in der daraus hingewiesen wird, daß viele Gemeinden B a u < l u ft i g e ermuntert haben zum Bauen in E r - Wartung von Staatsbeihllfen. Es seien Bauten schon bezogen, ohne, daß die Staatsbei­hilfen gezahlt worden seien und die Verhandlungen der Gemeinden über Darlehensaufnahmen seien bann ergebnislos geblieben, die Handwerker könn­ten deshalb ihre Zahlungeil nicht erhalten und steckten mit Arbeitslöhnen, vielfach auch mit Ma­terial in den fertigen Bauten. Die Anfrage fordert von der Regierung, daß die Genehmigung zum Be­ginn eines Baues erst dann erteilt werden darf, wenn die 95au gelber aufgebracht und sicherge­stellt sind. Die Regierung soll einen Notstandskredit von 500 000 Mk. bereitstellen zur Abdeckung der rückständigen Handwerkerforderungen.

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Die Kommunisten haben im Landtag fol­gende Anfrage eingebracht: Ist der Regierung be­kannt, daß Staatsgelder verwandt werden, zur U n- terstützung von Pensionären der Pri- Datinbuftrie? Nach verschiedenen Mitteilun­gen hat man der Privatindustrie die Pensionäre ab­genommen und dieselben den Kleinrentenbeziehern gleichgestellt. Wir fragen an: Was gedenkt die Re­gierung dagegen zu tun?

Serbische Rüstungen.

Paris, 5. Rod. (WB.) Wie ein Vertreter terInformation" aus Belgrad meldet, hat die jugoslawische Regierung beschlossen, in Sera- jewv ein Arsenal bauen zu lassen. Zwecks Beschleunigung der Arbeiten habe man 2000 Zimmerleute engagiert. DaS Arsenal werte mit Mitteln ausgestatt et werten, die von Deutschland auf Reparationskonto geliefert werden. Man erkläre in Belgrad, dah die Absichten Mussolinis auf die dalmatinische Küste für die beschleunigte Anlage dieses Arsenals nicht ohne Einfluß gewesen sei.

Kleine politische Nachrichten.

Infolge eines Rundschreibens des belgischen 2'ustizministers hat das Kriegsgericht von Brabant das Verfahren gegen den deutschen Oberst Mercinn und den Agenten der deutschen politische Polizei Pinkoff eingestellt. An­dere gleichartige Prozesse sollen sofort nieder­geschlagen werten.

Der deutsche Botschafter Dr. S h a m e r war gestern zu einem Diner auf der franzö­sischen Botschaft eingeladen. Es wird darauf hingewiesen, dah zum erstenmal seit dem Kriege ein deutscher Botschafter in London von dem französischen Botschafter eingeladen wird.

Zwischen ter Schweiz und Deutsch­land (jäten seit einigen Wochen Wirt­schaftsverhandlungen in Bern stattge­sunden. Beite Regierungen haben sich geeinigt, zunächst einmal ein nur für kürzere Zeit ge­

dachtes Provisorium abzuschließen, das den auf beiden Seiten bestehenden dringenden Rot- toenbigfeiten Rechnung trägt.

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Der preußsische Innenminister und der Fi­nanzminister weisen darauf hin, daß sich ein Ge­setzentwurf in Vorbereitung befindet, ter mit Rücksicht auf die durch das Anwachsen des Auto- mroilveriehrS gesteigerten Kosten der Wegeunter­haltung eine erhebliche Heraufsetzung der Kraftfahrzeug steuer versieht.

Das Präsibium des Zentralexekutivkomitees der Sowjet-LInion hat am 31. Oktober beschlos­sen, die vom Obersten Gerichtshof am 3. Juli zum Tode verurteilten deutschen Staatsangehöri­gen K i n d e r m a n n und W o l s ch t und den estnischen Staatsangehörigen v. Sitmar unter Anrechnung der Untersuchungshaft zu z e.h n Jahren Gefängnis zu begnadigen.

Rach einer amerikanischen Statistik beträgt die Zahl der Rentenempfänger aus dem Weltkriege über acht Millionen Men­schen. Davon entfallen auf Deutschland etwas über 1 500 000, Frankreich 1 420 000, Groß­britannien 1 170 000, Italien 800 000, Rußland 775 000, Polen 320000, Tschechoslowakei 236 000, Serbien 165 000, Amerika 157 000 und Belgien rund 50000.

Der badische Landtag hat einen kommunisti­schen Antrag, wonach der bei den Wahlen zum Landtag nach der kommunistischen Liste gewählte Abgeordnete Steiner sofort aus dem Zuchthaus,in Bruchsal $u entlassen sei, damit er sein Mandat ausuben könne, abge- lehnt. Steiner hat eine achtjährige Zuchthaus­strafe zu verbüßen wegen Teilnahme an den oberbadischen älnruhen im Herbst 1923.

Kunst und Wissenschaft.

Die Not d?r Künstler.

Der Reichswirtschafts-Verband bildender Künstler Deutschlands hielt am Donnerstag in Berlin eine Versammlung ab, die sich mit ter wirtschaftlichen Rot der Künstler beschäftigte. Alle Redner des Abends schilderten die trübe. Lage der bildenden Künstler und appellierten dringend an die Hilfe der Regierung. Pros. Hans D a l u s ch e k entwarf unter dem Eindruck des Selbstmordes eines jungen talen­tierten Künstlers, der für 14000 Mark Kera­miken und Bronzen hinterließ, die er n i ch t v e r- kaufen konnte, ein Bild von den großen Ent­sagungen und Entbehrungen, unter denen heute viele Tausende von Künstlern leiden. Rechts­anwalt Koldin, Syndikus des Verbandes, hob hervor, daß die Ausbeutung der Künstler seitens gewisser Verleger und Kunsthändler ungeheuerlich sei. Zum Schluß wurde eine Resolution ange­nommen, welche die Forderungen des Abends formulierte.

vorgeschichtliche Grabstätten in Mecklenburg.

Bei Ausgrabungen, die unter Leitung des Prof. Beltz- Schwerin vorgenommen wurden, wurden in Boizenburg auf einem Ackerstück mehrere Reihen vorgeschichtlicher Grabstätten bloßgelegt. Man fand in ungefähr einem Meter Tiefe in kreis­förmig aufgebauten Steinmassen teilweise noch gut erhaltene Urnen. Die Anlage dürfte aus der Zeit von etwa 1200 v. Ehr. stammen.

Aus aller Welt.

Ein Wafserfchuhlauf auf dem 2Ram.

Der in Würzburg abgegangene bekannte Wafserschuhläufer Ingenieur Steuerlein ist in Lohr glatt gelandet, nachdem er -den ganzen Weg auf dem Main zurückgelegt hatte. Die 60 Kilometer lange Strecke legte er in vier Stunden zurück. Bei günstigem Wetter will Steuerlein die Fahrt fort= setzen, möglicherweise bis Frankfurt a. M.

Lin neuer Eisenbahntyp in Kanada.

Ein von der kanadischen Nationalbahn herge­stellter neuer Wagentyp mit elektromotorischem An­trieb ist nach dreitägiger Fahrt von Montreal in Vancouver eingetroffen und hat damit die bisherigen Schnelligkeitsrekorde in der Uedergue- rung des Kontinents geschlagen. Die effektive Fahr­zeit auf der 2937 Meilen langen Strecke betrug 67 Stunden. Nach der Ansicht amtlicher kanadischer Kreise wird dieses Ergebnis zu einer Umwäl­zung auf dem Gebiete des Eisenbahn­verkehrs, insbesondere in der Beförderung leichterer Frachten, führen.

Ein nasser Kampf.

Beim Dorfe Ochtendung (bei Boppard) hatte sich eine große Zigeunerbande mit 12 Wagen häuslich niedergelassen. Weder dem Landjäger noch dem Bürgermeister war es mög­lich, die Dante abzuschieten. Schließlich rückte die Feuerwehr des Dorfes an und eröffnete die Debatte mit einem kräftigen Wasser­strahl. Unter dem Jubel der zahlreichen Zu­schauer rückte die Bande dann ab und suchte eine gastfreundlichere Stätte auf.

Großer Postdiebstahl in Rathenow.

In der Nacht zum 30. Oktober wurden auf dem Bahnhof Rathenow aus der Postkammer des Postamtes etwa 50 000 Mark bares Geld in ge­bündelten Zehnmarkscheinen und eine An­zahl van Einschreibbriefen, deren Wert noch nicht festgestellt werden konnte, entwendet. Die DberpcftbireEtion in Potsdam hat auf die Er­greifung der Diebe eine Belohnung von 5000 Mark ausgesetzt. Unter dem Verdacht, seine Hand im Spiele zu haben, wurde ein 20 Jahre alter, bereits vielfach vorbestrafter Postaushelfer festge- n o m m c n. Er bestreitet seine Schuld. Man ver­mutet jedoch, daß seine Helfershelfer das gestohlene Gut nach Berlin gebracht haben.

(Eine blutige FamUienkragödie.

Eine blutige Familientragödie spielte sich in D b e g bei Passau ab. Der betrunken nach Hause kommende Landwirt K i e n r e i ch, der mit seiner Frau in Unfrieden lebte, fiel mit dem Tran­chiermesser über sie her, um sie umzubringen. Er wurde von der Tat durch seinen Stiefsohn ab­gehalten. Dieser schlug mit einem Stuhl so lange auf seinen Stiefvater ein, bis dieser blutüberströmt zusammenbrach und kurz nach der Einlieferung in das Krankenhaus o e r ft a r b. Der Täter stellte sich dann selbst der Polizei.

Wettervoraussage.

Vorwiegend westliche Winde, noch immer Riederschläge bei wechselnder Bewölkung, milde.

Am der provinzialhauptstadt.

Gießen, den 6. Rovember 1925.

Kreisausschutz-Sitzung.

9m Sitzungssaale des Negierungsgebäudes zu Gießen fand gestern eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses statt. Es. wurde über folgende Angelegenheiten verhandelt:

1. Wahl des Bürgermeisters der Gemeinde Harbach. Am 12. Juli fand in Harbach die Wahl des Bürgermeisters statt.' Ge­wählt wurde W. S ch o m b c r mit 135 Stimmen, während der Gegenkandidat 117 Stimmen erhielt. Dem Kreisdirektor waren Vorgänge bekannt ge- worden, die geeignet waren, das Wahlergebnis in unlauterer Weise zu beeinflussen. Er hatte des­halb Abstand genommen, die Bestätigung der Wahl zu erteilen, und legte die Akten dem Kreisausschuß zur Entscheidung vor. In der gestrigen Sitzung, zu der eine größere Anzahl Zeugen geladen war, wurde durch die Zeugenaussagen festgestellt, das vor der Wahl Freibier verabfolgt wurde und Wahlbeeinflussung stattgefunden hatte. Es wurde deshalb der Beanstandung Kreisdirek­tors stattgegeben und die Wahl des Bürgermeisters für ungültig erklärt. Die Kosten des Verfah­rens wurden der Gemeinde Harbach auferlegt.

2 Wahl des Bürgermeisters der Ge­meinde A l b a ch. Bei der am 12. Juli ftattgefun- denen Wahl des Bürgermeisters der Gemeinde Albach wurde Will). Lcnz mit 116 Stimmen ge­wählt, während der Gegenkandidat 105 Stimmen erhielt. Auch hier waren dem Kreisdirektor Vor­gänge bekannt geworden, die geeignet waren, auch diese Wahl in unlauterer Weise zu beeinflussen. Durch Zeugenaussage wurde festgestellt, daß auch hier durch Spendett von Freibier Wahl­beeinflussung stattgefunden hat. Deshalb wurde auch in diesem Falle der Beanstandung des Kreisdirektors stattgegeben und die Wahl für ungültig erklärt.

3. Beschwerde des Heinrich Sehrt in Non­nen rot h gegen die Höbe der Entschädi­gung für eine an Milzbrand gefallene Kuh. Dem Heinrich Sehrt zu Nonnenroth war eine Kuh an Milzbrand verendet. Die Abschätzungs- lommission stellte den Wert auf 500 Mk. fest. Die sich für Sehrt hieraus berechnende Entschädigung (| des geschätzten Werts) erschien Sehrt zu gering, weshalb er Beschwerde beim Kreisausschuh ver­folgte. Nach Aussage von Zeugen handette es sich um ein hochträchnges erstklassiges Stück Vieh. Die angesetzte Entschädigung müßte deshalb als zu gering angesehen werden. Die fad)Derftänbigen Zeu­gen bekundeten, daß bei der Abschätzung nicht habe festgestellt werden können, daß die fragliche Kuh erstklassiig gewesen sei, man habe wohl gesehen, daß es sich um ein gutgenährtes Stück Vieh handle. Der Kreisausschuß gab der Klage Sehrts soweit statt, als der gemeine Wert auf 750 Mk. festegesetzt wurde.

4. Schleusenanlage des Richard Girsch, Weißmühle Gemarkung Rbbertshausen. Rich. Girsch beabsichtigte, seine Schleusenanlage zu verändern. Hiergegen erhob der Anlieger Karl Bilfinger auf dem Reinhäuser Hof Einspruch. Dieser Ein­spruch wurde zurückgewiesen und die Schleusenanlage auf Widerruf unter den vom Kulturbauamt Gießen gestellten Bedingungen genehmigt.

5. S ch l e u f e n a n l a g e des Karl Fi 1 sin - g e r zu Neinhäuser Hof. Karl Filfinger war genö­tigt, seine Schleusenanlage zu erneuern. Der An­lieger Girsch erhob hiergegen Einspruch. Auch dieser Einspruch wurde zurückgewiesen und dem Fllsinger Die Genehmigung zur Schleusenanlage auf Widerruf unter den vom Kulturbauamt Gie­ßen gestellten Bedingungen erteilt.

Vausparkonlen.

Vom Presseamt des hessischen Staatsministe­riums wird unter dieser Ueberschrift bekanntgegeben:

Dem Zeitungsleser wird nicht entgangen sein, daß in letzter Zeit einige neugegrünbete Organisatio­nen eine lebhafte Tätigkeit für die Errichtung von Bausparkonten entfalten. In Hessen treten insbeson­dere die ,G emeinschaft der Freunde" in Wüstenrot bei Heilbronn und dieDeutsche Bau - und Siedlungsgemeinschaft e.G. m. b. H.", Sitz Darmstadt, hervor. Beiden Grün­dungen ist gemeinsam, daß sie regelmäßige monat- liche Zahlungen sammeln und aus dem Erlös Dar­lehen für den Bau von Wohnungen gewähren wollen. Die Reihenfolge der Darlehensgewährung soll entweder das Los oder die Zeit des Eintritts bestimmen. Mit derGemeinschaft der Freunde" hat sich die öffentlidje Kritik bereits mehrfach zu befassen Veranlassung gehabt. In Gutachten von Sachver­ständigen wird darauf hingewiesen, daß die Propa­ganda geeignet sei,mindestens in der Vorstellung von weniger geschäftskundigen Streifen die Schwie­rigkeiten und die ungünstigeren Möglichkeiten, die zweifellos in der Sache liegen, zurücktreten zu lasten und den Eindruck einer Sicherheit der Erfolgsaus- sichten zu erwecken, welcher gerade bei solchen Unter­nehmungen gefährlich ist und zu starken Enttäu­schungen führen kann." Nach neuerlicher Veröffent­lichung will die Gemeinschaft bereits Bausparver­träge über 100 Millionen Goldmark abgeschlossen haben. Die Bekanntgabe solcher Zahlen muß irrige Vorstellungen über den Geschästsumfang erwecken: denn dieser Betrag würde sich im günstigsten Falle erst im Lause einer langen Reihe von Jahren (viel­leicht in 2540 Jahren ansammeln. Die Angabe einer Summe von 100 Millionen Mark beweist daher eine Hemmungslosigkeit in der Propaganda, die keineswegs Vertrauen erwecken kann. Hiervon abgesehen, wird in den sachverständigen Urteilen mit vollem Recht Darauf hingewiesen, daß ein eingetra­gener Verein von 30 Mitgliedern ein solcher ist dieGemeinschaft der Freunde" nicht die nötige Gewähr für dauernden Bestand und Stetigkeit der Geschäftsführung bietet. Wer als Mitglied beitritt muß sich darüber klar sein, daß es feine Rücktritts- möglichkeii gibt; denn die Baudarlehen werden un­kündbar ausgeliehen, weshalb auch die Bausparein­lagen von derGemeinschaft der Freunde" fest- gehalten werden müssen.

Das Programm der Deutschen Bau - und S i e d l u n g s g e m e i n s ch a f t e. G. m. d.H. ist in einer Broschüre entwickelt, die den Titel führt: Durch Arbeit und Not zu Wohnung und Brot". Der erste Teil der Schrift ist dem Nachweis ge­widmet, daß derMoloch Zins" an allem Unheil schuld ist. Für diese Ansicht wird eine lange Reihe von Zinseszinsrechnungen ins Feld geführt. Dem aufmerksamen Leser kann die Haltlosigkeit vieler Be­hauptungen nicht entgehen. So sotten beispielsweise 20 Iahreszahlungen von 3360 Mark nötig sein, um ein Kapital von 10 000 Mk. bei 8 Proz. Zinses­zinsen zu tilgen. Es laßt sich leicht ausrechnen, daß noch nicht vier Jahreszahlungen in dieser Höhe für den gleichen Zweck notwendig sind. Auch von dieser