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.vJcgStag zwar eine sichereeinfacheMehr- heit hat. keinesfalls aber von zwei Dritteln sämtlicher Abgeordneten angenommen werden würde, so würde bei einem Einspruch des Reichsrats ein Vakuum eintreten, indem entweder eine Notverordnung oder eine Inter­vention des Staatsgerichtshofs notwendig würde. Die Aussichten für das -Zustandekommen eines sowohl für die Länder wie für den Reichüfinanz- Minister annehmbaren Kompromisses sind noch sehr ungewiß, jedoch glaubt man nach dem Lolalanzeiger" in manchen parlamentarischen Kreisen, baß in den heutigen Beratungen doch noch ein Ausweg gefunden werden könnte. Die Finanzmini st er der Länder haben am Montag einen engeren Ausschuh gebildet, der aus den Finanzministern von Preußen. Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Schwerin besteht, in dessen Händen die Weiterführung der Verhandlungen liegt.

Zentrum und Kabinett Luther.

Berlin, 5. Aug. (WB) Wie dieVossi- sche Zeitung" aus Zentrumskreisen berichtet, sprach sich die Leitung der Zentrumsfraktion in der Frage der Besetzung des Reichs­mini st er iums für die besetzten Ge - bietedurchdenAbgeordneten v. Gue- r a r d dahin aus, daß der Eintritt eines wei­teren Zentrumsvertreters in das Reichskabinett inopportun wäre. Die Angelegenheit sei damit zunächst auf den Spätherbst ver­tagt.

DieGermania" teilt noch mit: Maß­gebend für diesen Anschluß sei die Erwägung, daß eine stärkere Bindung an das Kabinett Luther gegenwärtig nicht wünschenswert sei. Die Haltung des Zen­trums zur gegenwärtigen Regierung fei festge­legt in der bekannten, auch heute noch gültigen Erklärung, die Abgeordneter Fahrenbach beim Amtsantritt des Kabinetts Luther im Reichs­tag abgegeben habe.

Die Befreiung des Sankttonsgebiets.

Cin Beschluß der Botschaftcr- konferenz. Der 15. August voraus­sichtlicher Räumungsiermin.

Paris» 5. Aug. (2BIB.) Rach Kenntnisnahme von dem Ergebnis der zwischen den alliierten Re­gierungen bezüglich der aus der Londoner Kon­ferenz im vorigen Jahre abgegebenen Erklärungen im Hinblick auf die Räumung der von den alliierten Truppen seit INärz 1921 besetzten Städte Düssel­dorf, Duisburg und R u h r o r t bat die B o t - schasterkonferenz eine Entschließung an­genommen, in der das alliierte militärische Komitee aufgefordert wird, den militärischen Resahungs- bchörden die für die R ä u m u n g d i e s e r Städte notwendigen Instruktionen zu er­teilen.

Die militärischen Umgruppierungen im Sank- tioasgebiet sind beendet. 3n Duisburg traf eine aus belgischen und französischen Generalstabsoffi- zieren bestehende Kommission ein, die eine In­spektionsreise durch das Sanktionsgebiet unternimmt. Die Aufgaben dieser Kommission seien die tech - nis che Vorbereitung der Räumung des Sanktionsgebietes. Die vesahuugsbehörden hoben für den 15. August eine große Anzahl Wag­gons von der Reichsbahnbehörde angefordert. Eine offizielle Mitteilung über die Räumung des Sank- tionsgebleles ist den innerhalb der Brückenköpfe Duisburg-Ruhrort und Düsseldorf liegenden Gemein­den bisher noch nicht zugegangen.

Die OpLantenfürsorge.

6000 Optanten bereits in neuen Arbeitsstellen.

Schneide mühl, 5, August. ("511.) Am Dienstag konnten 82 Familien mit 291 Personen, 2 Witwen mit 6 Personen und 126 ledige Per­sonen, insgesamt 423 Personen, zur Abreife abgefertigt werden. Darunter befanden sich auch Optanten, die erst gestern eingetroffen waren und, ohne Aufnahme in das Lager, sofort weitergeleitet werden konnten. Die Ge­samtzahl der durch die Acbettsvermittlungs- stelle bis gestern einschließlich abgefertigten Per­sonen beträgt 5751. Außerhalb der Arbeitsver­mittlung sind 800 Personen a u f einzelne Regierungsbezirke verteilt worden. Immer noch sind zahlreiche Lohn st eilen für Landarbeiter aus allen Teilen Deutschlands gemeldet. Besonders starke Nachfrage besteht nach weiblichen Arbeitskräften. Da sich aber im Lager nur sehr wenig unver­heiratete Frauen befinden, können diese Nachfragen nicht erledigt werden. Ein Lagerkino wird in diesen Tagen eingerichtet. Ferner wird eine Lagerzeitung herausgegeben, in der Verordnungen des Lagerkommandanten, Nach­richten aus Polen, polnische Verordnungen und Nachrichten über die Arbeitslage bekanntgegeben werden.

Der Reichspräsident empfing heute den preußischen Minister des Innern Severing, der ihm über seinen Besuch im Optantenlager in Schneidemühl und über die von der preußischen Regierung für die Aw- terbringung der Optanten getroffenen Maßnah­men berichtete.

BriandsReise nachLondon

Die Verhandlungen über dcitz Sicherheitspakt.

Paris, 6. Aug. (Täl.) Das ForeignOffice ist offiziell benachrichtigt worden, daß Brian d am kommenden Montag in London eintrifft. In seiner Begleitung befinden sich B e r t h e l o t, der Direktor des Quai d'Orsay sowie die juristischen Sachverständigen 26 g er und Fromageot. Die erste Begegnung mit Chamberlain ist für Dienstag, eine zweite für Mittwoch vorgesehen. Nach den Pariser Morgenblättern wird Briand wahrscheinlich am Mittwochabend, spätestens aber am Donnerstag früh die Rückreise antreten.L'Oeuvre" glaubt zu wissen, daß auch der belgische Außen­mini st er Bändervelde Anfang nächster Woche nach London reifen wird, um an den Besprechungen Driands mit Chamberlain ieilzu- nehmen.

Gegenstand der Aussprache werden sowohl der französische Antwortentwurf auf die deutsche Rote vom 20. 6., wie ein französischer

Garantiepaktentwurf bilden. Die Lon­doner Vertreter der Pariser Blätter weifen dar­auf hin. daß auch von englischer Seite ein Garantiepakt-Entwurf vorliege. Ausgabe der- beiden Außenminister werde es daher sein, die beiden Schriftstücke zu einem ein­zigen Vertragsentwurf umzuarbei­ten, der den Verhandlungen mit Deutschland zu­grunde gelegt werden könne.

Der französische Entwurf soll nach demMa- tin" in vier Abschnitte eingeteilt sein. An erster Stelle stehe

der eigentliche Rheinpakt, der Frankreich die älnterstützung Englands für den Fall eines deutschen Angriffes zusichert. Diese Anordnung des französischen Entwurtes habe den Vorzug, daß die französische Sicherheit stark her­vortrete und die fälschliche Auslegung, als ob der Pakt eine Garantie für Deutschland und nicht für Frankreich fei, hinfällig mache. Selbstverständ­lich werde Deutschland Austausch­garantien erhalten, und zwar in Form eines deutsch - französischen Schieds- gerichtsvertrages, der durch Schieds- g e r i ch t s v e r t r ä g e Deutschlands mit Polen und der Tschechoslowakei ver­vollständigt werden müsse. Der Entwurf sieht weiter vor. daß dir vier Verträge an demselben Tage von sämtlichen interessierten Staaten ange­nommen und unterzeichnet werden.

Briand und Chamberlain würden weiter die Frage einer Zusammenkunft mit dem deutschen Außenminister erörtern. Es fiage ich nur, ob Dr. Stresemann im Herbst na Genf komme, oder ob die Verbündeten eine Konferenz einberufen und der deutschen Regierung eine offizielle Einladung zugehen lassen sollen. Die Vermutung der französischen Blätter, daß Briand auch die politisch^ Seite des internationalen Schuldenproblems zur Sprache bringen wolle, scheint unbegründet zu sein.

Paris, 6. Aug. (T.U.) DerTemps" stellt fest, dos;

zwischen England, Frankreich und Belgien in wesentlichen Punkten der Sicherheitsfrage eine

Uebereinftimmung erzielt worden sei.

Besonders habe sich der belgische Standpunkt der französischen Auffassung genähert. Die belgische Re­gierung stimme mit der französischen darin überein, daß der Versailler Vertrag und die Besetzung des Rheinlandes nicht in Frage gestellt werden dürfen. Deutschland dürfe keine Sonderbehand­lung im Völkerbund erhalten. Seine Auf­nahme erfolge zu den allgemeinen Bedingungen. Deutschlands Eintritt dürfe auch nicht von einer allgemeinen Abrüstung abhängig gemacht werden. Die von Deutschland vorgeschlagenen Schieds­gerichtsverträge seien annehmbar, müßten sich jedoch auch auf politische Fragen, nicht nur auf juristische beziehen. Eine Konferenz über d i e Sicherheitsfrage komme vorläufig nicht in Frage, da erst ein grundsätzliches Einverständnis zwischen den alliierten Mächten erzielt sein müsse. Sic komme erst im Herbst nach der Völkerbunds- sitzung in Frage. In offiziellen Kreisen der Pariser und Brüsseler Politik glaubt man, daß Deutschland noch keinen Antrag auf Aufnahme in den Völker­bund zur diesjährigen Tagung stellen würde.

Die angeblichen Znedens- bedingungen für Md el Krim.

Ein Dementi Briands.

Paris, 6. Aug. (TU.) Die gestern vomMa- ttn" veröffentlichten französisch-spanischen Frie­densbedingungen für Abd cl Krim wurden allge­mein für echt gehalten, abgesehen von einigen un­wesentlichen Punkten. Zur allgemeinen Ueber- raschung erscheint nun heute ein Kommunique des Außenministers, in dem es heißt: Heute morgen hat ein Blatt ein Telegramm aus Tetuan veröffentlicht, das die Friedensbedingungen enthält, die Frankreich und Spanien dem Kabyl'en- führer zugesandt haben sollen. Diese Nachricht stimmt weder dem Inhalt noch derForm nach mit den Fricdensbedingungen überein, die gemeinsam mit Spanien auf Grund der bestehenden Verträge ausgearbeitet wurden. Der Rifführer, der den Wunsch geäußert hat, die Bedingungen kennenzulernen, ist am 16. Juli be­nachrichtigt worden, daß ihm die französisch-spa­nischen Friedensbedingungen zugestellt würden, so­bald er die Absicht äußere, in Besprechungen einzu­treten. Bis jetzt hat Abd el Krim es vermie­den, mit den Delegierten der beiden Regierungen in Verbindung zu treten."

DerMatin" hält gegenüber diesem Dementi die Angaben über die spanisch-französischen Friedensbe­dingungen im vollen Umfange aufrecht. Das Blatt glaubt zu wissen, daß die französische Regie­rung den Wortlaut der Friedensbedingungen dem­nächst veröffentlichen werde. Es stehe nur noch das Einverständnis Spaniens aus.

Die englische Sergbaukrisis.

Ausschreitungen in Wales.

Ammansord, 6. Aug. (WTB. Funk­spruch.) Gestern kam es hier aus Anlaß des Bergacbeiterstreikes zu ernsten Ausschreitungen. Eine Menge von über 500 Streikenden griff eine Zeche an, um sich zweier Männer zu bemächtigen, die dort arbeiteten. In der Stadt herrschte große Aufregung. Die Zeche wurde von einem starken Polizeiaufgebot gesperrt, das jedoch dem Ansturm gegenüber machtlos war. Verschiedene Polizisten wurden verletzt, Stöcke gebraucht und Steine geworfen, so daß ein Polizeioffizier eine schwere Kopfwunde erhielt. Aus der ganzen ihngegenö wurden in Kraftwagen Polizeimann­schaften herangezogen. Es kam au einem Kampfe, bei dem zahlreiche Aufständische ver­letzt wurden. Der entstandene Schaden ist nicht unbeträchtlich. Um 1 Uhr nachts war die Po­lizei Herr der Lage.

Die Lage der jetzt feit vier Wochen streiken­den 20 000 Bergarbeiter in Süd-Wales wird immer schwieriger. Die Bergarbeiter haben die Regierung um Vermittlung ersucht. Die heutige Debatte im Unterlaufe über die staat­liche Unterstützung des Bergbaues wird in allen Bergarbeiterkreisen mit größter Spannung er­wartet. Man glaubt, daß die Konservativen nicht gegen die Regierung stimmen wer­den, daß sich jedoch einige Mitglieder der Stimme enthalten werden. Man wünscht in diesen Kreisen eine bindende Erklärung der Regierung, daß die staatliche Unterstützung nur auf den Bergbau des chrä nkt bleibt und daß andere Industrien unter feinen Umständen für StaatSsubventionen in Frage kommen.

Großbritannien und China.

London, 5. Aug. Im Oberhaus erklärte Lord Balfour namens der Regierung, angesichts der chaotischen Zustände in China sei es für Nichtchinesen unmöglich, irgendwelche befriedigenden Mittel zur Besserung der Lage ausfindig zu machen. Der Stand der Dinge in China sei nicht auf eine Aktion des Auslandes zurückzuführen. Die Chinesen seien Her- ren im eigenen Hause gewesen. Auf jeden Fall sei es sicher, daß keinerlei Verantwor­tung auf die britische Regierung falle. China allein könne eine Aenderung der politischen Lage herbeiführen, die seine inneren und äußeren Beziehungen glücklicher gestalten würde. Er sei tief entrüstet über die Flut unbegründeter Verleum­dungen, die auf England ausgegossen worden sei, teils aus tieferen Absichten, die darauf zielten, nicht den Chinesen zu helfen, sondern den Eng­ländern Schaden zuzufügen. Der unglückliche Zwi- schenfall von Schanghai solle eine objektive öffentliche Untersuchung erfahren, die nicht nur den anderen Ländern, sondern auch China Vertrauen einflösse. England wünsche die Abhaltung einer Kon­ferenz sobald als möglich. Trotzdem die Verhandlun­gen mit einer nominellen Zentralregierung und nicht mit den allmächtigen Kriegsherren ge­führt werden müßten, erhoffe er wertvolle Ergeb­nisse davon.

Aus aller Welt.

Der Abschluß des 8. deutschen Stttdentetttnnes.

Berlin, 6. Aug. (T. U.) Heute früh 6 Uhr hatten die Verhandlungen des Studententages ihr Ende erreicht. Der nächste Studententag wird in Würzburg zur Enthüllung des Denkmals der Kriegsaefallenen der deutschen Studentenschaft stattfinden. Sollte bis dahin das Denkmal noch nicht fertiggestellt fein, so ist Bonn als Tagungsort in Aussicht genommen. Der Studententag wählte ein­stimmig den bisherigen ersten Vorsitzenden der Deut­schen Studentenschaft Bauer wieder. Zu weiteren Vorstandsmitgliedern wurden gewählt cand. ing. Stelter, Technische Hochschule Berlin-Charlotten­burg und cand. ing. Thon, Technische Hochschule Brünn, der Leiter des Kreises 9 (Sudetendeutsch­land) der deutschen Studentenschaft. Mit ihm ist zum erstenmal der Vertreter einer außerdeutschen Studentenschaft in den Vorstand der deutschen Stu­dentenschaft gewählt worden. Als Abschluß des Studententages fand in der Ausstellungshalle auf dem Gelände des Potsdamer Flughafens ein Schluß­kommers statt, der mit einer Rheinlandkund­gebung verbunden war. Die Veranstaltung hatte durch das Erscheinen Dr. Eckeners ein besonderes Gepräge erhalten.

Aericnfahrt saarländischer und rheinhessischer Kinder.

Berlin, 5. Aug. (WTB.) Heute sind über 700 Kinder aus dem Saargebiet und dem besetzten Rheinhessen in Berlin am Anhalter Bahnhof cin- getroffen, um nach kurzem Aufenthalt in der Reichshauptstadt nach verschiedenen Kur­orten der Ostsee und der Nordsee weiter zu fahren. Die Kinder wurden auf dem Bahnhof, wo eine Musikkapelle Aufstellung nahm, festlich empfangen und 'in großen Rundfahrautomobilen durch die Stadt gefahren. Sodann wurden sie in den Germaniasälen vom Vaterländischen Frauenverein int Caf6 Exzelsior verpflegt. Der hessische Landtagspräsident Adelung, der den Transport begleitete, ergrißi hier das Wort, um für den herzlichen Empfang in der Reichshauptstadt zu danken. In den Germania­sälen nahm der preußische Minister für Volks­wohlfahrt, Hirtsiefer, das Wort, um die kleinen Gäste des besetzten Gebietes in Berlin willkommen zu heißen. Alm 10 Tlhr erfolgte die Weiterreise nach den Seebädern.

Deutscher Jmkerbund.

Gemeinsame Not der deutschen Imkerschaft und gerade deshalb etnsetzende mutige Arbeit hat es zustande gebracht, daß die deutsche Imker­vereinigung auf Antrag aus Süddeutschland bet ihrer Vertret erversammlung in Gera am 1. August sich zum Ausdruck ihres festen Zu­sammenhanges den NamenDeutscher Im­kerbund" beilegte. Die Thüringer hatten eine gute Ausstellung eingerichtet . Auf einer Pyra­mide standen 10 Zentner Honig und 40 Zentner daneben auf Tischen, ausgezeichnet mit vielen wertvollen Staats- und Ehrenpreisen. Eine reiche Zahl von Geräten, Bienenwohnungen und gewaltigen Bienenhäusern legten Zeugnis ab da­für, daß die Fabrikanten mit den Imkern- wett­eifern, aus der deutschen Bienenzucht heraus- zuholen, was nur immer an volkswirtschaftlichen Werten zu leisten ift. In Tagungen der Königin- nenzüchter wurden kHe Mittel beraten, die eine möglichst leistungsfähige Biene züchten können.

Der Vertreterversammlung des Jmkerbundes wurde zunächst das Wahrzeichen vorgelegt, das nun bald auf den Einheitsgläsern und Versandgefäßen dafür Bürgschaft bieten sott, daß der Inhalt reiner deutscher Honig ist. Ein Vortrag von Rechtsanwalt Dr. K r a n ch e r - Leipzig stellt die Größe der Rechtsnot vor Augen, unter der die Bienenzucht in Deutschland leidet. Der Imker findet in Verwal­tung, Gesetz und Rechtsprechung in vielen Fällen feinen Schutz. Noch immer zählt die häusliche Biene nicht zu de» Haustieren. Das Nachbarrecht läßt Öen Imker im Stich. Das WortHonig" darf für jedes Gebräu benutzt werden. Der Auslandhonig findet für billigen Zoll den Weg über unsere Grenzen. Gegen die Bieneseuchen gibt es keine Abwehrmittel. Die Jmkerschaft fordert jetzt entschieden und mit Recht, daß ihr der Gesetzgeber in allen diesen Punk­ten zu Hilfe kommt. Am Sonntag versammelten sich die Imker zu einem Jmkergottesdienst.

Feuer in der Versuchsanstalt für Luft- schiffahrt in Adlershof.

Berlin, 6. Aug. (WTB. Funkspruch.) Heute früh gegen 2 Uhr brach aus bisher un<< bekannter Alrsache in der physikalischen Abteilung der Versuchsanstalt für Luft- schiffahrt in Adlershof Feuer aus. Der cnt<- stanbene Schaden ist sehr erheblich.

Ein neuer Typhusherd.

Calbc a. d. Milde, 6. Aug. (WTB. Funk- sprach.) Hier sind etwa 20 Typhuserkrankungen festgestellt worden, von denen bereits einige tödlich verlaufen sind.

Wettervoraussage.

Wenig Aenderung der herrschenden Witterung. Gestrige Tagestemperatur: Maximum 18,2 Grad Celsius, Minimum 14,1 Grad Celsius. Niederschlags­menge: 10,7 Millimeter.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 6. Tlugu-i 132\

Kaudeamus igitur!

Die von Amerika gekommene Hitzwelle h.-.öen wir glücklich überstanden, hoffentlich wenigstens. Aber schon wartet unser eine neue Well:, eine andere ^leberraschung, die angekündigt ist:echt amerikanischer K a u g u m m i" Lächeln Sie nicht, die Sache kommt. Sie kommt so bestimmt, wie die Hihwelle angezeigt wurde und kam. Amerika ist in solchen Sachen unerbittlich

Ob unsere Sportleute wirklich den Kau- gummi nötig haben, um Höchstleistungen zu er» Sielen? Das eine weiß ich: baß es furchtbar aussieht, wenn jemand dauernd kaut, ohne zu essen. Man fühlt sich erinnert an jene Menschen, die etwas in der hohlen Hand ober in der Tasche haben, und deren Kiefern sich besonders dann recht ungeniert bewegen, wenn sie sich beobachtet sühlen. Für diese kommt jetzt eine schöne Zeit: ste können kauen und brauchen nichts zu srch zu nehmen. Sie haben immer etwas im Munde und essen doch nicht. Sie werden also die Kaugummiwelle verstärken und sehr damit zufrieden sein, daß sie kommt.

Ob auch die Damen, die sonst so wrder- standsloS sich jedereleganten Made beugen, vor diesem neuen Modeimport kapitulieren wer­den? Man stelle sich vor, daß hübsche, toethe Zähne in grauen oder bunten Kaugummi hinein- beißen und darin haften bleiben, als wenn man beim Zahnarzt wäre. Die liebe Langeweile siegt vielleicht doch. Wenn erst einige kauen, werden andere auch bald kauen, eS gehört dann einfach dazu, man tut es eben.

Nun behaupten allerdings böse Zungen, mit dem Rauchen der Männer wäre es auch nicht viel anders, besonders mit dem Zigarettenrau­chen. Es sei lediglich ein Ablenkungsmanöver gegen die Zerstreutheit. Der moderne nervöse Mensch brauche so etwas und müsse sich wenig­stens in einem Punkte sammeln . Er fragt nicht lange, was das sei, sondern verfalle irgendeiner Massensuggestion. Dazu komme das hübsche Spiel des Rauches, das die ganze Sache malerisch mache und belebe. 3a, es gibt sogar Leute, die behaupten, wenn das gedankenlose Zigaretten­rauchen aufhöre, würde alle Welt mit einem Bleistift, mit der Hfjrfette oder mit einem Drot- krümchen spielen, nur um etwas zu haben, um den Tätigkeitsdrang zu befriedigen.

Die Lobredner des Kaugummis werden Gründe genug finden, und ihn als unentbehr­lich preisen. Hnb eines Tages wird er seinen Siegeszug antreten. Lind dann weiß zuletzt gar feiner mehr, daß es einmal eine Zeit gab, wo wir feinen Gummi tauten.

Ein Besuch in der Provinzial-Pflegennstntt.

In der vorigen Woche besichtigten die Mitglieder der städtischen Wohlfahrtsdeputation und der De­putation für Rentnerfütsorgc die Pr ovinzial- P f l c g c n n ft a 11, das dieser angeschlosfene Rent- nerheim sowie das dort eingerichtete Kinder­heim. Provinzialrat Wolf begrüßte die Er­schienenen und gab einen kurzen Ueberblick über die Aufgaben und Einrichtungen der Anstalt, die Zahl der Pfleglinge und die finanziellen Verhältnisse. Hieran schloß sich eine eingehende Besicht,, gung der Anstalt mit ihren Nebeneinrichtungen. Die Anstalt umfaßt neben dem Verwaltungs- und dem Wirtschaftsgebäude je einen Männer- und Frauenbau mit anschließender Baracke (Pavillon). Männer- und Frauenbau weisen neben großen, luftigen Schlafsälen schöne Aufenthalts-, Wasch- räume usw. auf. Auch kleinere Räume, für ein bis Zwei Pfleglinae bestimmt, sind vorhanden, die einen recht behaglichen Eindruck machen. Im Männerbau befindet sich außerdem ein schön eingerichteter Bet- saal zur Abhaltung von Gottesdiensten. Der hinter dem Männerbau liegende Pavillon ist als Rent- n e r h e i m eingerichtet und wird vorwiegend von Kleinrentnern bewohnt, die in selbst möblierten, kleinen Zimmern ein stilles, aber zufriedenes Da­sein führen. Auch hier hat man den Bedürfnissen der Insassen weitgehend Rechnung getragen. Sehr einladend wirkt in diesem Raum die für die wär­mere Jahreszeit zu einem Aufenthaltsroum ein­gerichtete Vorhalle, in der neben niedlichen Rohr­sesseln und Tischen auch ein aus einem Nachlaß her- rührendes, den Kleinrentnern von der Stadt Gie­ßen gestiftetes Klavier untergebracht ist. Das K i n- d e r h e i m befindet sich in der Baracke hinter dem Frauenbau. Beim Betreten dieses Hauses und Be­sichtigung der Räume fällt dem Besucher die hygie­nisch in jeder Weise einwandfreie Einrichtung an­genehm auf. Die kleinen Insassen Kinder bis zu sechs Jahren tummeln sich teilweise im Gar­ten, während die Jüngsten in weißlackierten, äußerst nett aussehenden Bettchen, unter Fürsorge freund- licher Schwestern der Ruhe pflegen. Wehe den Be­suchern, die hier in diese Schlafräume in größerer Zahl einzudringen versuchen, sie werden nut einem lauten Protest sämtlicher Ruhebedürftiaen empfan­gen. (Wie wir hören, fehlt es den Kindern dort an Spielzeug. Vielleicht sehen unsere Haus­frauen einmal in der Bodenkammer nach. Sicher findet.sich dort aus der Jugendzeit der erwachsenen Kinder manches Spielzeug, das den Kleinen im Kinderheim viel Freude bereiten kann. D. Red.) Das Wirtschaftsgebäude enthält vor allem die außerordentlich geräumige Küche, deren Einrich­tung nichts zu wünschen übrig läßt. Auch die Wasch- und Bügelanstalt sowie die Vorratskammer erweckten unser besonderes Interesse. Der große schattige Garten gibt den Insassen der Anstalt Ge- legenheit, sich bei günstiger Witterung in» Freien aufzuhalten. Die Anstalt erfährt zur Zeit insofern eine Erweiterung, als ein besonderes Gebäude für kranke Pfleglinge errichtet wird, eine Einrichtung, die sich als dringend notwendig erwiesen hat. k.

Das Turnfest im Polizeibericht.

Das Turnfest ist im allgemeinen ruhig, ohne größere Ausschreitungen, verlaufen. Festgenommen wurden 5 Personen, eine wegen Sittlichkeitsver­gehen, eine wegen Betrugs, eine wegen liederlichen Umhertreibens, eine wegen Diebstahls auf dem Festplatz und eine wegen Zuwiderhandlung gegen die Verordnung der Reichsregierung zur Bekamp- fung der Geschlechtskrankheiten.

Auf dem Festplatz gingen nachstehende Sachen verloren: 1 eine braune, gerippte Brieftasche; 2. eine Zahltasche aus Lackleder mit 15 Mk.; .3. eine neue lederne Brieftasche mit 20 Mk.; 4. eine braun- lederne Brieftasche: 5. ein kleines, lilies Geld- beutelchen mit 40 Mk., 6. cin Paar schwarze Damenhalbschuhe, Größe Nr. 38; 7. ein dunkel- blauer Kostümrock: 8. eine dunkelbraune Akten­mappe mit Griff; 9. eine Aktenmappe von glattem Leder mit Griff; 10. eine schwarze Brieftasche Mit