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wirken! Der Düsseldorfer Lehrer­gesangverein war heute früh auf einige Stunden zu Besuch in unserer Stadt. Leider war von der Ankunft vorher hier nichts bekannt, so daß ein offizieller Empfang nicht stattfinden konnte. Die Gäste besichtigten das Bad und die Anlagen und waren hochbefriedigt von den Ein­drücken, die sich ihnen hier boten. Aach dem Mittagessen fuhren die 120 Sänger wieder nach Bad Homburg, wo sie ein Konzert gaben. Dann gastieren sie in Frankfurt a. M., wo großer Empfang vorgesehen ist. (DieSänger vom Rhein" haben auf der Fahrt auch Gießen berührt. Die Red.) Um für das zu errichtende Gefallenen-Denkmal den fi­nanziellen Grundstock zu legen, veranstalten die Bereine der Stadt kommenden Montag im Konzerthause einen Fe st abend mit gesang­lichen, turnerischen und sportlichen Darbietungen. Weitere Veranstaltungen der Art sollen folgen. Auch ein B l u m e n t a g ist vorgesehen.

Kreis Büdingen.

!! Büdingen, 5. Juni. Zum erstenmal nach dem Kriege feierte Büdingen jetzt sein historisches Schießen. «Schon um 1\> Uhr am Dienstag zogen die Schützen mit klingendem Spiel auf, um in ehrlichem Wettbewerb der Schießkunst zu huldigen. Das Schießen ist für Büdingen sowohl w.e für die ganze Umgebung das höchste Fest. Schier endlose Massen aus allen Bevölkerungsschichten zogen daher am Rachmittag auf den Hammer, wo die Schützengesellschaft ihre Schieß stände und Bergnügungshallen hat. Der Besuch kam dem der Vorkriegszeit fast gleich. Am Mittwoch ließ der Besuch wieder nichts zu wünschen übrig. Als bester Schütze des Schießens ging Herr Schön sen. (Büdingen) hervor. Unter Vorantritt der Musikkapelle bewegte sich um 12 Uhr der Zug in die Stadt, um im Schloß die Fahne abzuttefern. Zn diesem Jahre erfreut sich die hiesige D a d e a n st a l t. die seit einigen Zähren vollständig neu hergestellt ist, eines sehr guten Besuches. Am zweiten Feiertag über­querte in der Rühe des Hammers eine dort weidende Kuh die Straße, als ein rasendes Auto daherla.m. Der Lenker war nicht der Lage, das Auto rechtzeitig zum Stehen zu brin­gen und ü b e r f u h r. ohne selbst Schaden zu nehmen, die Kuh, die sofort t o t war. Unsere Stcidt beabsichtigt ebenfalls, gegen die immer mehr zunehmende Autvraserei besonders in der Stadt eine Polizeiverordnung zu erlassen und innerhalb der Stadt nur noch eine Höchstgeschwin­digkeit von zehn Kilometer zuzulassen.

Äreis Lauterbach.

'*1 Schlitz, 5. Juni. Die hiesige Real­schule hat sich unter Leitung oon Dr. R o l o f f, einem geborenen Gießener, günstig entwickelt. Seit Ostern hat sie ihrs sechste Ktt.ssc, die Untersekunda. Insgesamt sechs Lehrkräfte wirken an ihr. Sie zählt bereits über 100 Schüler. Diese werden in drei vcrschiedei'.en Häus.-rn unterrichtet. Die Stadt­verwaltung hat deshalb . ie Errichtung eines eigenen Schuhau'ss in Aussicht genommen. Der hiesige Berich rsverein hat in neuerer Zeit eine eifrige Werbetätigkeit unternommen. Und in der Tat verdient unser altertümliches, erinne- - rungsreiches Städtchen auf feiner mit fünf Burgen geschmückten Bergkuppe, umgeben von frischen Wiesengründen, umrahmt von herrlichen Lauöwal- bungcn, in weiteren Kreisen naher bekannt zu roer- . den. I.n Städtchen selbst, wie in Öen Dörfern des 1Schlitzerlandes" hat sich auch seit Jahrhunderten die f alte Volkstracht erhalten um) gibt dem Volks­leben auf den ländlichen Festen ein ganz eigen» r artiges Gepräge

ch Dirlammen, 4. Juli. Am 2. Pfingst- feiertag fand hier, vom herrlichsten PfingstwettLr begünstigt, die Fahnenweihe des Krie­gervereins statt. Um i'..2 Uhr setzte sich der stattliche Festzug in Bewegung. Die noch lebenden Altveteranen von 1870 71 nahmen in mit Blumen und Girlanden geschmückten Wagen am Festzug teil. Auf dem herrlich gelegenen Festplatz ober­halb des Dorfes hieß der Vorsitzende des Krie­gervereins Dirlammen, Kamerad Hch Roth, die zahlreich erschienenen Festgäste und Bruder­vereine willkommen. Rachdem Frl. Anna Zie­genhain einen Festvorspruch vorgetragen hatte, hielt Pfarrer G e r i ch von Hopfmannsfeld die Weiherede. Er führte aus, daß das Fest, das man feiere, in guten Zeichen stehe, im Zeichen des Wiederaufbaues. Die alte Fahne sei vor vier Zähren bei einem großen Brande ein Raub der Flammen geworden. Soviel Freude heute, soviel Herzeleid habe damals am Tage des Unglücks geherrscht. Vier stattliche Bauernhäuser seien damals dem Feuer zum Opfer gefallen. Heute seien auf den Trümmerstätten von damals wieder neue, schmucke Häuser errichtet. Schwer sei der Wiederaufbau gewesen in einer Zeit, wo alles im deutschen Vaterland niederging. Doch er sei bewerkstelligt worden mit viel brüder­licher Hilfe. Das sei ein Beispiel dafür, was man auch unter schwierigen Verhältnissen er­reichen könne, wenn man sich ein festes Ziel sehe und sich bei der Arbeit brüderlich die Hand reiche. So mühten wir auch in der Arbeit am Wiederaufbau unseres Vaterlandes uns die Hand reichen, dann könnte auch da neues Leben aus den Ruinen erblühen. Einigkeit tue uns vor allem not. Die könne es aber nur geben, wenn wir gemeinsame Ziele uns stecken. Solche gebe der Kriegerverein in der Arbeit für Heimat und Vaterland. Unsere Helden, deren wir auch an diesem Tage gedenken müßten, . seien dafür ge­storben, wir sollten dafür leben. Beide, Heimat und Vaterland, seien sinnbildlich dargestellt aus der neuen Fahne, die auf der vorderen Seite unsere hessischen Farben mit dem hessischen Wap­pen im Eichenkranz zeige, auf der Rückseite das Bild der Germania. Darunter habe die Fahne ein Wörtchen geschrieben und doppelt unter­strichen. das Wörtchentreu".3m Sturme treu" undZn Treue fest".Seid treu!", das sei die Losung, die die Fahne dem Verein fortan voran­tragen wolle. Treu den Kameraden, treu der Heimat, treu dem Vaterland! Erhebend wirkte darauf das Lied, das der Männevgesang- verein Dirlammen zum Vortrag brachte

und das die Treue pries. Rachdem Frl. Marie Schäfer noch ein Weihegedicht gesprochen hatte, übernahm der Vorsitzende des Vereins die Fahne und übergab sie dem Fahnenträger. Frl. Regine Hansel überreichte im Rainen der Frauen und Zungfrauen eine Fahnenschleife. Sodann beglück­wünschte der 2. Vorsitzende des Bezirksverbandes der Kriegerkameradschaft Hassia vom Bezirk Lau­terbach-Schlitz, L ö ch e l - Lauterbach, den Derein zu seiner Reuerwerbung. Mit einem Hoch auf das Vaterland, das im gemeinsam gesungenen Deutschlandlied freudigen Widerhall fand, schloß er seine Rede. Darauf wurden Fahnennägel über­reicht von den Kriegervereinen Lauterbach und Angers bach. Run setzten die frohen Wei­sen der Kapelle Otterbein von Lauterbach ein. Die Zugend ergab sich dem Tanze, die Aelteren zogen sich zu gemütlichem Zusammensein in die geräumigen Festzelte zurück.

Kreis Wetzlar.

h. Hohensolms, 4. Zuni. Dom 1. bis 3. Zuni hielt auf ihrer Burg dieEhrist deut­sche Jugend" ihren ersten Bundestag ab. Aus allen deutschen Gauen waren etwa 200 Jungens und Mädels herbeigeströmt, um sich gemeinsam mit ihren Führern in die Ausgaben des Bundes zu vertiefen. Eingeleitet wurde der Bundestag durch einen erhebenden Jugend- gottesdienst in dem pfingstlich geschmückten Kirchlein. Dieser erste Tag stand ganz unter dem Zeichen der Freundschaft, der Freude und dem schlichten Dienst an einer wahren Volksgemein­schaft. Wie eng sich die Fäden von Dorfbewoh­nern und der christdeutschen Zugend, seit sie ihren Einzug im September vorigen Jahres hielt, ge­knüpft haben, zeigte so recht das frische, frohe Leben und Treiben auf der Festwiese am Rach­mittag, wo Dolksreigen und Volkslied. Märchen­spiel und Kasperltheater und allerlei Wettkämpfe Herz und Sinn von alt und jung erquickte Auf den Tag derFreude" folgte ein Tag voll ernster Arbeit unter dem GefamtlhemaeUnser Dienst als evangelische und als deutsche Jugend". Der Rachmittag brachte eine geschlossene Bundes­versammlung. bei der der Führer der Be­wegung, Pfarrer Lic. Dr. Cordier, Elberfeld, vom Werden der Bewegung sprach. Am Abend erfreute eine Gruppe Gemeinde und Jugend mit dem fernen Grimm'schen MärchenspielGe­vatter Tod". Am frühen Morgen des letzten Tages zog die Schar mit ihren Wimpeln zum Helden st ein, um an dieser Stätte der 'ge­fallenen Brüder und der großen Gottesstreiter der deutschen Geschichte zu gedenken, vor allem einem Luther, dessen Ringen und Werl ihr eignes Sehnen verkörpert. Rachmittags sprach Pros. Hans Schmidt, Gießen, Über die soziale hische und sozialpolitische Bedeutung der Attoholfrage". Roch einmal versammelte sich die chr ist d eutsch e Zugend am Abend im Gotteshaus zu einer schlichten Abschiedsfeier mit der Ge­meinde. uno aus dankbarem Herzen fang in später Abendstunde in allen Straßen eine Kur­rende ihre schönen Abendlieder.

Hessen-Nassau.

fpd. Frankfurt a. M., 5. Juni. Im großen Saal der alten Börse wurde heute nachmittag eine vom Deutschen Roten Kreuz »eranftaltcte Sozialhygienische Wander-Ausstel­lung eröffnet. Die reichhaltige Schau bietet in fünf Abteilungen eine ausgezeichnete Ueberficht lioer Säuglingspflege, Tuberkulose, Krüppeltum, Atkoho- lismus und Geschlecht krankheitsn. Mit der Ausstel­lung ist eine Werbewoche des Roten Kreuzes verbunden. Der Düsseldorfer Lehrer- gesangverein traf auf seiner diesjährigen Pfingstscchrt heute früh in Frankfurt ein und wurde am Bahnhof von Mitgliedern des Frankfur­ter Sängerbundes und der Rheinlän­der Vereinigung festlich empfangen und nach dem Rathaus geleitet, wo Stadtrat Dr. Langer den rheinischen Gästen einen herzlichen Willkom- mengruß entbot. Heute abend fand im Zoologischen Garten ein überaus stark besuchtes Konzert statt, das in einer machtvollen Huldigung für deutsches Lied und deutsches Wesen am Rhein und am Main ausklang. In der Nacht zum Freitag fuhr beim Rangieren eines O-Zuges ein Teil der Wagen einer anderen Rangierabteilung in die Flanke. Bei dem Zusammenstoß wurden zwei Eisenbahnbe- d i e n st e l e und ein Reisender verletzt, so daß sie dem Städtischen Krankenhause zugeführt werden mußten.

Rundfunk-Programm

des frankfurter Senders.

(Aus derRadio-Umschau".)

Sonntag, 7. Juni.

8 bis 9 Uhr: Morgenfeier, veranstaltet vorn Wartburgverein Frankfurt a. M. 4 b':s 5 Uhr: Rachmittagskonzert des Hausorchesters: Mozarts Zeitgenossen. 5 bis 6 Uhr: Kinderstunde. 6 Uhr: Uebertragung aus dem Frankfurter Opernhaus: Die Walküre, Mufikdrama in drei Akten von Richard Wagner.

Montag, 8. Zuni.

12 Uhr: Rachrichtendienst. 3 und 4 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 4,20 Uhr: Rachrichten-' dienst. 4,30 bis 6 Uhr: Rachmittagskonzert des Hausorchesters: Die Oper der Woche. 6 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 6 bis 6,30 Uhr: Die Lese- istunde (Die Rovelle):Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau" (Anfang von Achim von Arnim). 6.30 bis 7 Uhr: Sprachliche und prak­tische Hinweise für Jtalienveisende. 7 bis 8 Uhr: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung. Süd-Tirol, Land und Leben, Vor­trag von Dr. Sprecker. 8,30 bis 9,30 Uhr: Reue Streicher-Kammermusik, ein Zyklus, zweiter Abend. 9,30 Uhr: Nachrichtendienst, Wettermel­dung, Sportbericht. 10 bis 11 Uhr: Uebertragung von Kassel: Volkslieder zur Saute, vorgetragen von Frau Holzhauer.

T.' rs dem Amtsver<4nrdigungsblatt.

Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 45 vom 5. Zuni enthält: Festsetzung der Zuni-

Süsspeisen

miete. Gebühren der Schornsteinfeger.

Straßensperre LangsdorfLich. Krieger­gräberfürsorge. Dienstnachrichten. Orts- sahung über den Bezug von Wasser aus dem Wasserwerk der Gemeinde Geilshausen., Fried­hofsordnung mit entsprechender Polizeiverord­nung der Gemeinde Burkhardsfelden.

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus: Sonntag, 7. Juni, abends 6 Uhr: Die Walküre. Montag, 8. Juni, abends 74 Uhr: Rigoletto. Dienstag, 9. Juni, abends 7 Uhr: Die Jüdin. Mittwoch, 10. Juni, abends 64 Uhr: Margarethe. Donnerstag, 11. Juni, abends 7 Uhr: Fidelio. Freitag, 12. Juni, abends 7jUhr: Tief­land. Samstag, 13. Juni, abends 7 Uhr: Das Rhein­gold. Sonntag, 14. Juni, abends 7 Uhr: Die Fleder­maus.

Schauspielhaus: Sonntag, 7. Juni, abends 74 Uhr: Der Kreidekreis. Montag, 8. Juni, abends 61 Uhr: Goethes Faust, 1. Teil. Dienstag, 9. Juni, abends 64 Uhr: Goethes Faust, 1. Teil. Mittwoch, 10. Juni, abends 7 Uhr: Louis Ferdi­nand, Prinz von Preußen. Donnerstag, 11. Juni, abends 64 Uhr: Goethes Faust, 1. Teil. Freitag, 12. Juni, abends 64 Uhr: Goethes Faust, 1. Teil. Samstag, 13. Juni, abends 74 Uhr: Der goldene Schnitt. Sonntag, 14.Juni, abends 64Uhr: Goethes Faust, 1. Teil.

Buntes Allerlei.

Aktuelles aus alLrömifchen Zeitungen.

Das römische- Altertum ist die Wiege des europäischen Zeitungswesens, und zwar hat die Zeitung im Altertum bereits eine Entwicklung durchgemacht, über die wir trotz der spärlichen Berichte ziemlich genau unterrichtet sind. Wie Wolfg. C. Ludwig Stein in einem Aufsatz der Preußischen Zahrbücher" über die italienische Presse hervorhebt, waren diese altrömischen Blätter von denen unserer Tage nach Anlage und Znhalt durchaus nicht sehr verschieden, und man kann in ihnen vieles finden, was uns heute noch sehr aktuell" anmutel. Die Entstehung der Zei­tung wurde für das Römerreich zur Rotwendig­keit, als die riesige Ausdehnung über drei Welt­teile eine straffe Zusammenfassung der Verwal­tung und einen guten Rachrichtendienst erforderte. Es mußten Mittel geschaffen werden, um Rom über die Vorgänge in den Provinzen und diese über alles, was in Rom geschah, zu unterrichten. Wahrscheinlich gab es auch Provinzzeitungen, wenngleich keine einzige von chnen überliefert ist: denn wenn Tacitus versichert, daß die Zei­tungen Roms besonders aufmerksam in der Provinz und im Heere gelesen wurden, so drängt das die Annahme auf, es müsse auch Provinz- blätter gegeben haben, denen aber die römischen Blätter natürlich wegen der viel größeren Menge von Rraigteiten vorgezogen wurden. Die großen Historiker des alten Rom, besonders Sueton, haben die Zeitungen eifrig benutzt und viele Einzelzüge aus ihnen mitgeteilt. Danach brachten die Blatter Rauigkeiten der verschie­densten Art, hatten neben dem politischen auch einen lokalen Teil und müssen auch schon öfters Enten" enthalten haben, denn es wird über den durch sie verbreiteten lügenhaften Klatsch geklagt. Als Beispiel für diese Aktualität der altrömi- schen Zeitungen sei der Inhalt einer der ältesten aus dem Jahre 186 o. Chr. wiedergegeben: 29 Marz: Der Consul Livinius'hat heute seine Amtstätigkeit ausgeübt. Ein gewaltiges Tin- Wetter brach heute aus; der Blitz schlug kurz nach Mittag beim Belias-Hügel in eine Eiche und zerspaltete sie in mehrere Teile. In der Herberge zum Bären beim Janus-Hügel ereig, nete sich ein Streit, in dessen Verlauf der Wirt schwer verwundet ward. Der Aedile Titinius verurteilte die Inhaber von Fleischerläden, welche ihre Waren verkauften .ohne sie der behördlichen Prüfung unterworfen zu haben, zu Geldstrafen, die zum Dau eines Tempelchens bestimmt wurden. Der Wechsler Ausidius hat mit einer beträchtlichen Summe das Weite gesucht. Er wurde verfolgt und verhaftet. Das Geld fand man bei ihm vor. Der Prätor Fonte- jus verurteilte ihn, das Geld an diejenigen zu­rückzugeben, die es bei ihm hinterlegt hatten. Der Räuberhauptmann Denniphon, der durch den Legaten Reava verhaftet worden war, wurde heute im Hafen von Ostia gekreuzigt. Es gab auch im alten Rom bereits Berichterstatter und Journalisten, dieu-nfereml Parlamentssteno­graphen nahekamen, indem sie im Fluge die im Senat gehaltenen Reden mitschrieben. Ratürlich bedienten sich die Politiker der Zeitungen, und Meister darin war Cäsar, der in ihnen das römische Volk gegen den Senat ausspielte. Selbst an strengen Zensurmaßnahmen fehlt es nicht, da unter Tiberius und Domitian nur das ge­bracht werden durfte, was die Regierung billigte, und die Veröffentlichung der Senatsreden über­haupt verboten war. Erft Rero stellte die Preß­freiheit wieder her. Vielgelesene Blätter brachten höchst ansehnliche Einnahmen. So soll Sallust mit seinem Blatt, an dem auch Cäsar mitarbeitete, jährlich etwa eine halbe Million Goldlire ver­dient haben: diese Zeitung erschien aber auch wöchentlich in einer Auflage von 10 500 Exem­plaren, und das Tlnternehmen erforderte ein bedeutendes Betriebskapital, das Lucull hergab. Mit dem Beginn der Völkerwanderung und dem Verfall des römischen Reiches erreichte auch das Zeitungswesen ein Ende, tznd es dauerte ein Jahrtausend, bis es allmählich wieder erstand.

Ein verschwindender See.

Wenn der Zuider-See, der für feine Anwohner eine Quelle des Lebensunterhaltes bietet, durch die Vollendung der großen Deichbaus ton aus dem Landschaftsbilde Hollands ver­schwinden wird, dann geht mit ihm zugleich ein Stück Romantik zu Grabe. Diesem Geschicke dürfte er nach der Schilderung eines englischen Beobachters in den nächsten 25 bis 30 Jahren

verfallen sein. Denn schon jetzt nähert sich der erste Teil des gewaltigen Dammes, der sich dem Hereinströmen der Meeresfluten entgegen­stemmen wird, feiner Vollendung, unb d e Tage, da die Insel W i c r i n g c n ein beschauliches Jnseldasein führt, sind gezählt. Später, wenn sich der Damm an der Küste Frieslands erstrecken wird, wird der Zuider-See verschwinden: Marken wird dann zu einer Binnenlandschaft mit ein oder zwei ackertreibenden Orten werden, die malerischen Seestädtchen Monuikendam, Velendam und Edam werden ihre reizvolle Lage am See­ufer verlieren und vielleicht gänzlich veröden. Denn schon beginnt sich das Fischervolk, das, durch Generationen hier ansässig, im steten Kampf gegen die Wogen des Sees seine Heim­stätten verteidigt hat, nach anderen Wohnsitzen, die ihm Erwerbsmöglichkeiten bieten, umzu­sehen: die malerischen weißen Hauben und bunt­farbigen Gewänder der Frauen werden in dem Bild' der Aferlandschaft des Sees immer seltener.

Eine Folgeerscheinung des Verschwindens des Zuider-Sees wird der Aufschwung der Süß- Wasser-Fischerei fein. Aber auch noch an­dere für das holländische Wirtschaftsleben wich­tige Fragen fordern ihre Lösung: so vor allem die Nutzbarmachung des auf dem trockengelegten Grunde zurückbleibenden Meerfalzes durch Verdunstung oder durch Grabungen. Dann gilt es, den dem Wasser abgerungcnen Boden der Landwirtschaft nm besten und schnellsten nutzbar zu machen, sei es durch seine Umwandlung in Weidegrund oder durch seine Bepflanzung mit Gesträuch, um ihm Festigkeit zu vrleihen. dem Fremden aber, der nach Jahren wieder in diese Gegend kommt, wird eine völlig verwandelte Landschaft entgegentretcn, aus der die male­rischen Inseln und Küstenorte verschwunden sind, an deren Stelle sich ein neues Land ausbreitet, von dessen landschaftlichem Charakter und Aus­sehen, aber auch von dessen Ruhen für die Be­völkerung man heute nur unbestimmte Der- mutungen hegen kann.

Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Gießen. Sonntag, den 7. Zuni. Trinitatisfest. Stadtkirche. 8: Psr. Mahr. Zual. Christenlehre für die Reukonsirmierten aus der Matthausgemeinde. 9'',: Pfr. Becker. 11: Kinderkirche für die Markus- gem Pfr. Becker. - Johanneskirche. 8: Zugl. Christenlehre für d. Reukonsirmierten aus der Lukas- gemeinde. Pfr. Bechtolsheimer. 91/,: Pfr. Ausfeld. 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Psr. Ausfeld. 8: Bibelbesprechung im Jobannesfaal. Pfarrer. Mahr. - Kirchberg. 10. 11- Christen­lehre für die konfirmierte männliche Jugend- - Matzenborn-Garbenteich. Wahenborn-Steinberg: 1. Garbenteich. 9'/^ (mit Christenlehre). - Wieseck. 81/,: Christenlehre. 9'/,. Abds. 87,: Frauenabend.

Katholische Gemeinden.

©leben. Samstag, den 6. Juni. 4'u. 7 Beichte. Sonntaa, den 7 Juni. 1. Sonntag nach Pfingsten. Dreifalttgkeitsfest. 6V, Beichte, 7 Meße, Korn, der Männer, 8 Korn., 9 Hochamt nu Predigt, 11 Messe m. Predigt, 21/, Andacht m. Segen ©runberg. 97,, Messe mit Predigt. - Hungen. 8 Messe m. Pred. Laubach. 10 Messe mit Predigt. - Lich. 10 Hochamt . nt Predigt.

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