Nr. 285 Drittes Blatt
Außenpolitische Umschau.
Don Projepor Dr. Otto Hoetzsch, M.d.R.
^Der Reichsrat hat auf sein Recht des Einspruchs gegen das Locarno-Gesetz verzichtet, der Reichspräsident hat es verkündet, und damit ist es unter dem 28. November endgültig in Strafi getreten. Jetzt hecht es nach vorwärts blicken und aus der neuen Lage für Deutschland heraus- holen, was herauszuholen ist!
Die Anhänger des Vertrages sagten ja auch, das; das Werk nur ein Anfang und nicht ein Ende fei. Wird nun dieser Anfang in Sachen beschleunig, ten Abbaus der Besatzung an Rhein und Saar ein wesentliches Stück vorwärts geführt werden, wie es der Reichskanzler bei der Unterzeichnung in London auch gefordert hat?
Die Verträge treten in Straft erst wenn Deutschland in den Völkerbund eintritt. Es ist entschieden, daß das geschieht, der Zeitpunkt aber ist der deutschen Regierung überlassen, so daß diese die Möglichkeit, bisher Versäumtes nachzuholen hat und sich sehr gründlich auf die Arbeit im Völkerbund vor- zubereiten hat in den großen Ausgaben, die sie für Deutschland bringen. Es sei vor allem nur an die Fragen -und Sorgen der deutschen Minderheiten erinnert, die in dem deutschen Vertreter im Völkerbund nun den gegebenen Sachwalter ihrer so schwer unterdrückten - unb vergewaltigten Inte» essen sehen.
Bei den Feierlichkeiten war Mussolini in London nicht anwesend, und Briand außerordentlich eilig. In beiden Ländern ist die Lage kritisch. Man hat das Gefühl, als wenn in Ita - l i e n die Spannung zwischen den großen Richtungen des öffentlichen Lebens immer größer und unerträglicher und vielleicht gefährlich würde. Man kann nur sagen, das Gefühl, denn die Zeitungen, auch die Berichte der Auslandkorrespondenten stehen alle unter strengster Zensur. Wie Italien seine inneren Verhältnisse einrichtet, ist ja seine Sache, und niemand hat das Recht, ihm da hineinzureden. Aber das Recht hat man, zu bedauern, im Interesse Jta- liens, wie Deutschlands und Europas im ganzen, daß diese innere Auseinandersetzung und diese innere Spannung ganz offenbar Italien nicht die Kraft, die Fähigkeit lassen, in der Außenpolitik die Stellung einzunehmen, die ihm als dem dritten Großstaat Europas gebührt.
In Frankreich ist es Briand gelungen, das Kabinett zu bilden. Zum achten Male ist er Minister- Präsident, und heute steht er da im Glanze des Werkes von Locarno, das er mit zustande gebracht hat. Ob es ihm nun gelingt, die ungemein verwirrte und gespannte Lage zu lösen, steht dahin. Das heißt: So sehr verwirrt ist die Lage in Frankreich nicht. Sie ist eigentlich allzu klar. Denn, wie die Abstim- mung zeigte, mit der PainlevS stürzte, stehen sich in der entscheidenden Frage, in der Finanzfrage, die Lager ungefähr in der gleichen Stärke einander gegenüber. Die Sozialisten wollen die bekannte radikale Lösung der Finanznot mit Eingriffen in die Rechte des einzelnen, in die Rechte des einzelnen Staatsgläubigers. Die Bürgerlichen aber, und zwar sowohl die Bürgerlichen des Linksblockes wie des Nationalblocks wollen diese Rechte unbedingt gewahrt wissen und suchen nach andren Auskunftsmitteln. Wie gesagt, stehen sich diese beiden Lager gleich zu gleich gegenüber, und so sieht man allerdings nicht, daß man schnell vorwärts käme.
Die Einzelheiten brauchen uns dabei nicht zu interessieren. Denn das Wesentliche ist, daß man in Frankreich offenbar die Hauptsache noch gar nicht erfaßt hat. Wir haben im Punkte der Weih- rungssanierung und des Gleichgewichts Im Staatshaushalt ja unsere Erfahrungen, und wir wissen, daß es Entschluß und Opfer kostet, das Seine zur Stabilisierung der Währung zu tun. Um diesen Entschluß und diese Opfer reber man in Frankreich noch herum. Weder die Negation der Rechten noch die radikalen Wünsche der Linken bedeuten einen solchen Entschluß, und solange nicht mit Entschluß und Opferbereitschaft durchgegriffen wird, solange wird man auch aus der Finanzmisere nicht heraus- fommen, und dann auch nicht aus der Unbeständigkeit und Unsicherheit der inneren Verhältnisse. Wir glauben deshalb auch nicht an eine übermäßig lange Dauer des Kabinetts Briand.
Ohne diesen Entschluß von innen heraus kommt man auch nicht zu der Ergänzung, die für Deutsch-
Franziska.
Roman von Liesbet Dill.
12. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Cffieim es Ihnen darauf ankommt, Karriere zu machen," ermunterte der innere Worth eines Tages zu Hasse im Rauchzimmer, „vous avez de la chance.“
^Karriere durch Unterrede? Daniel"
Worth wiegte den schmalen Kopf, auf dem die Schmisse Helle Streifen zwischen dem ab- rasierten Haar hinterließen.
„Selbst Surften haben sie nicht verschmäht." Worth verstand sich nicht auf reine Mädchen-- seelen. Er gab das ohne weiteres zu. „Elisabeth hat schönes Haar und einen entzückenden Leint, aber sie liegt mir nicht, sie hat den dämonischen Einschlag nicht, den ich verlange."
„Sie ist entzückend — frisch wie eine junge Rose", sagte Hasse. . , _
3a, aber diese Rose hat mir zuviel Stacheln, ich liebe die Mohnblumen oder die Lilien —“ „Die Lilien, Worth?"
„3m Rotfall ja, sie haben wenigstens keine Stacheln. Stacheln habe ich selber.'
Ein junges Mädchen lieben oder sich von ihr lieben lassen, setzt einen festen Vertrag voraus, dessen Bedingungen uns heilig fein müssen. Dasse sah seine Zukunft vor sich eine glänzende Karriere durch einen einflußreichen, wohlvermögenden Chef, gefördert und gestützt auf treff" lich^s Wissen und anerworb.'ne Sicherheit im Operieren, aber er sah gleichzeitig, daß ihn dieser Weg immer naher jenem Hafen zutrieb, den er umgehen wollte.
3m Hause Worth wurde die Kunst, Behaglichkeit und Genuß über unser materielles Dasein zu verbreiten, gepflegt, es waltete dort «in ästhetischer Komfort, welcher mit peinlichster Reinlichkeit beginnt und im guten Geschmack gipfelt Er atmete mit Behagen die wohltemperierte Luft dieses Salons, und er war entschlossen, sich niemals mehr daraus zu entfernen, aber es fehlte ihm in dieser Umgebung etwas.
3n den ersten Wochen hatte er immer geglaubt, vor seiner Tür leichte Schritte zu hören,
Samstag, 5. Dezember 1925
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)
land der Dawes-Plan war und die für Frankreich das so dringend notwendige Arrangement über seine Schu Iden mit Nordamerika sein würde. Inzwi- schen ist am 12.11. in dieser Schuldenabwicklungs- angelegenheit, die auch mit zu den großen Liquida- tionsfragen des Weltkrieges gehört, ein neues Schuldenabkornrnen hinzugekommen, das mit Stall e n. Man hat Italien recht gut behandelt, denn das Abkommen mit ihm ist das günstigste, das bisher einem Schuldnerstaat von Amerika gewährt wurde. Nimmt man an, daß Italien seine Schulden heute bar bezahlen würde, so ist die Summe, auf die man jeyt abkam, um drciviertel geringer als der ur- sprüngliche Schuldenbctrag. Das ist für Italien ein Erfolg, der sich auch sofort in einer Besserung des Kurses der Lira ausgewirkt hat. Er hat eine 100- Millionen -Anleihe mitgebracht, und Italien kann an die Festigung feiner Währung und die Stabilisierung der Schuld an England gehen.
Immerhin: auch das ist ein Abkommen auf die berühmten 62 Jahre hin. Aber im Ernst wird niemand glauben, daß die Zahlungen aus dem Dawes- Plan hier und dem Schuldenarrangement dort Jahrzehnte laufen werden. Soll die Welt überhaupt gefunden, fo ist auf beiden Seiten der Erlaß und die Streichung dieser Forderungen ja unbedingt nötig. Man kann annehmen, daß das auch im Hintergrund der amerikanischen Erwägungen darüber steht. Aber der Weg, den die amerikanische Politik dazu einschlägt, ist weit, umständlich und außerdem auch aus innenpolitischen Gründen schwierig. Denn es gibt in Nordamerika eine gar nicht unerhebliche Richtung, die die Bezahlung dieser Schulden auf Heller und Pfennig verlangt. Was sich die Republikanische Partei abflr denkt, das scheint doch wohl klar zu sein. Dem Kongreß, der am 4. Dezember wieder zusammentrat, will der Präsident Eoolidge nach und nach die Schuldenarrangements vorlegen. Im Frühjahr hat er selber erklärt, daß er mit dieser aanzcn Sache aufräumen wolle, und das tut er, weil dahinter die noch größere Absicht und der noch größere Plan, die A b • rüftungsfrage weiter vorwärts zu bringen, steht.
Sowie Locarno fertig war, fielen die Stichworte von beiden Seiten, und für den Kenner dieser Verhältnisse sofort erkennbar und hörbar: hier die An- fünbiaung Lord Rodert Cecils im Oberhaus, daß England mit eiaenen Abrüstungsvorschlägen kommt, und dort die Rede des amerikanischen Botschafters in Berlin Schurmann am Danksagungs- tag über die allgemeine Abrüstung.
Für uns ist ja das auch eine wichtiae Frage, und im Völkerbund hat sie Deutschland sehr energisch zu behandeln. Dringlicher aber ist für uns das, was sich international aus der wirtschaftlichen Entwicklung eraibt, die in Deutschland ein immer bedrohlicheres Gesicht zeigt. Die Wirtschafts- und Kreditkrise wird immer stärker und gefährlicher, und das bcbei'tet international, daß immer schwieriger und fraglicher wird, ob die Zahlungen aus dem Dawes-Plan von Deutschland auch getätigt werden können. Das wird nickt heute und nickt morgen schon entschieden, aber dieses Problem und diese Frage tauchen nun nach Locarno auf.
Die enbaülrtqe Sanierung der französischen Finanzen wird ohne einen Dawes-Man für Frankreich nicht moalich sein, und eine Erschütterung der deutschen Währung und Wirtschaft in das sehr Gefährliche hinein wird nur vermieden werden können, die Konsolidation der deutschen Wirtschaft auf Dauer nur möglich fein mit ein»r gründlichen Revision des Dawes-Planes für Deutschlandl
Spiclplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus. Sonntag, 6. Dezember: Die Meistersinger von Rürnberg. Montag. 7.: Der Waffenschmied. Dienstag, 3.: Othello. Mittwoch. 9.: nackm. 3 Uhr, Die Weihnachtsglocke, abends 7V.J Uhr, Die Boheme. Donnerstag. 10.: Intermezzo. Freitag. 11 : Der goldene Hahn. Samstag. 12.: Der Rosenkavalier. Sonntag, 13.: nackm. 3 Uhr, Di» Wcihnachtsalocke, abends 7 Uhr, Eine Rächt in Venedig. — Schauspielhaus. Sonntag, 6. Dezember: nachm. 31 ■■ Uhr. Lanzelot und Sanderein, hierauf: Die Geschwister, abends 8 Uhr. Das große Welttheater. Montag, 7.: Ernst (Bunburh). Dienstag. 8.: Das große Wttttheater. Mittwoch, 9.: Romeo und
er glaubte Franziskas großen schwarzen Hut auftauchen zu sehen, und einmal, als er mittags auf der Chaiselongue eingeschlafen war, fuhr er auf. als habe sich eine Hand auf feine Schulter gelegt Aber das Zimmer war still und leer, und die Bilder schauten ihn verwundert an. Ihre Bilder hatte et alle toeg- geräumt. Es blieb eine innere Unruhe in ihm zurück. Wenn ihre De-iohungen wenigstens einen Abschluß gefunden hätten, daß er sie hassen konnte oder verachten, aber merkwürdigerweise konnte er das nicht In ihren letzten Worten wat etwas, daß ihn getroffen hatte, und daß er ihr nicht einmal ein Wort darauf entgegnet hatte, daß er vor ihr gestanden wie ein Schuljunge, der seine Lektion vergessen hat. das verwand er nicht.
Er beneidete Worth, der zarte Beziehungen nie länger als ein Vierteljahr bestehen lieft, daim lieft er sie eingehen, sanft, schmerzlos, leichten Herzens.
Hasse wat sich nicht klar darüber, was in ihm gärte Etwas war von neuem in ihm entflammt und beunruhigte ihn. Liebte er Elisabeth oder bildete ihre Erscheinung nur den Hintergrund zu der anderen, die er vergessen wollte? Der braun verbrannte Afrikaner Goeckel. mit dem er im Laboratorium arbeitete, gestand ihm, daß, fob ld er eine Arbeit vorhabe, er das W:ib überhaupt nicht b:auj>e, ja, daß er es dann als etwas Ucberflüssiges. Lästiges empfinde. Selche Empfindungen waren Hasse fremd. Er bedauerte, nicht so denken zu können wie dieser, aber er dachte nicht so. Rach seinem Berufe verlangte er nach frischer Luft, in eine andere Welt zu treten. Er war glücklich gewesen, Rollen zu studieren, obwohl Franziska ihm oft genug fegte, daß er nicht das geringste Talent zum Schauspieler habe, weil er allrd mit dem Herzen empfand, und ein echter Schauspieler seinen Romeo und seinen Cäsar herunterspielte, wie man eine Sitzung cbftält oder zu Mittag speist. Als er zur Stadt ging, begegnete ihm Franziska mit der roten Mieze in der Königsallee. Er ging ihnen heimlich nach Als sie sich umdrehten, machte er kehrt, faßte seinen Stock fester und toirbilte ihn lässig in der Luft und schritt wie auf Svrungfe- dern einher, wie glückliche, gesunde Menschen, die an vergnügte Dinge denken, und er dachte:
Julia. Donnerstag. 10.: Der Unwiderstehliche. Freitag, 11.: Das große Wellthea:er. Samstag, 12.: Der Unwiderstehliche. Sonntag, 13.: Einer von unsere Leut.
Oberhefsen.
Lrruvtrcis Gicsrcn.
* Klein,Linden, 4. Dezember. Der Notiz vom 1. Dezember über die hiesige Gemeinde - ratssitzung wäre noch das Nachfolgende zu ergänzen. Wohl stimmte der Gemeinderat der Genehmigung der ©emeinbeumlage zu, doch war er der Meinung, die Umlagesätze wären zu hoch im Vergleich zur Leistungsfähigkeit der Steuerpflichtigen. Die Steuerlasten unserer Ge> meinbe müssen auf die Dauer unhaltbare Zustände zeitigen, wenn man an die vielen Rückstände aus dem Jahre 1924 denkt. Die kleinen Landwirte und Grundbesitzer können sich wirklich der Lasten nicht mehr erwehren. Auch der Arbeitsmann mit seinem knapp bemessenen Lohn und der Gewerbetreibende hat schwer zu kämpfen. Wenn auch die Herstellung einer Wasserleitung ein schon lang gehegter Wunsch der Gemeinde ist, so fragt man sich doch, ob bei diesen trüben Zeitverhältnissen dieser Wunsch in Erfüllung gebracht werden kann.
() Bersrod, 2. Dez. Gestern wurde hier ein L i ch t b i l d e r a b e n d für die Schuljugend in dem Schulsaale der 1. Klasse veranstaltet, der auch von Erwachsenen besucht war. 3n 61 Bildern zogen die 11 f e r des Rheins von Mainz bis Emmerich an den Augen der Zuschauer vorüber. Die Veranstaltung war von Gedichten und Liedern umrahmt und darchflochten und klang in dem Gelöbnis aus: „Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein." Den Schluß bildete das Deutschlandlied, dem noch die btt-nnte 4. Strophe hinzugefügt wurde.
# Grüningen, 4. Dez. Morgen, Samstag, begehen die Eheleute Adam Hartmann das Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich, seltener körperlicher Rüstigkeit und Geistessrische. Der Jubilar ist Kriegsveteran von 1870 71, die Jubilarin ist vielen Gießenern bekannt als Butter- und Eierfrau, die auch jetzt noch zweimal wöchentlich zum Markt geht.
> Holzheim, 4. Dez. Gestern wurde in einem Teile unserer Gemarkung eine Treibjagd veranstaltet, wobei 6 6 Hasen zur Strecke gebracht wurden. Im Verhältnis zu den Ergebnissen früherer Jahre ist diese Zahl ziemlich niedrig. Getrieben von einem scharfen Nordwind, hatten auch schon viele Mümmelmänner ein geschützteres Plätzchen nach dem Wettertal zu aufgesucht.
> Eberstadt, 4. Dez. Auf Veranlasiung des hiesigen Pfarrers K ö d d i n g ist für nächsten Donnerstag eine Sitzung des Gemeinderats, des Kirchenvorstandes und der Kirchengemeindevertretung im Gemeindesaal geplant, um über die wichtige Frage der Anstellung einer Gemeindeschwester zu beraten. In Anbetracht des Wertes dieser segensreichen Einrichtung darf man hoffen, daß die Antwort bejahend ausfällt.
tircio ivr'irvbcrg.
ss. Friedberg, 4. Dez. In sehr schöner Weise verlief gestern abend die A d v e n t s f e i e r, die die hiesige Frauengruppe der Deutschen V o l k s p a r t e i unter Vorsitz von Frau Professor Kloos, gewissermaßen als Beginn der Weihnachtszeit, in dem „Deutschen Hause" veranstaltete. Der weihnachtlich geschmückte Raum vermochte kaum die sehr zahlreich ersckienenen Teilnehmerinnen zu fassen. Ein nur von Mitgliedern bestrittenes reiches Proaramm fesselte von Anfang bis zu Ende. Musikalische und gesangliche Darbietunaen, deklamatorische Vorträge folgten in rascher Darbietung und schufen einen in jeder Beziehung der Bedeutung des Tages angemessenen Rahmen.
*** G a mb a ch, 4. Der. Die Arbeitslosigkeit machte sich in der letzten Zeit auch in unsrer Gemeinde recht bemerkbar, und die Zahl der Erwr.b^lofen wurde von Woche zu Woche größer. Bei den jetzt begonnenen Holzhauerarbeiten l'nnlen nun die meisten der Leute wieder Beschäftigung finden, infolge der großen Anzahl Holzhauer — ca. 60 Arbeiter gingen täglich zum Holzfällen in den Wald —
was sie wohl dritten mag, wenn sie mich so sieht? Es war ihm peinlich, daß er sich ihr gegenüber brutal gezeiat. er hatte diese Freundin vornehmer, würdiger abfertigen können. Das ungezügelte Temperament seiner Vorfahren ging zuweilen mit ihm durch, er hätte die Rote durchpeitschen mögen, ihr den Stiefel auf den Racken sehen. Was dachte Franziska, wenn sich der Donnerstagabend herabsenkte und sie an dem gedeckten runden Tisch unter der gelbseidenen Lampe allein saß? Oder war sie nicht allein?
Wenn er des Abends auf Gesellschaften tanzte, kam es ihm immer vor, als spiele er irgendeine Relle. 3m Grunde gewährten ihm diese künstlichen Dergnügungen keine Befriedigung. Er ertappte sich dabei, in einem Stuhl zurückgclehnt, mit ehrm kleinen Taschenspiegel zu spielen, der aus Versehen bei ihm auf der Chaiselongue liegen geblieben war. Das grau- lederne abgegriffene Etui duftete nach ..Lila- flor" und rief ihm Erinnerungen zurück, mit denen er abgeschlossen zu haben glaubte. Hasses Orb» nungslicbe war so groß, daß er auch dieses Verhältnis, wie er es kühl benannte, zu einem geordneten Schluß hätte bringen wollen. Aber es war ihm einfach verloren gegangen wie ein Gegenstand, den man täglich in der Hand gehabt und den man nun vermißt. Ein starker, erschütternder, j' her Schluß. ein Auseinanderreißen zweier M.m.chen, die-sich geliebt, hätte ihm Wurden bttgebrecht. Wunden s.'l eßen sich mit der Zeit. Diese unausgeglichen; seelische Zerrissenheit beunruhigte ihn nur. Er versuchte, indem er seinen Kopf in beide Hände nahm, die zerstreumden Gedanken, die umherirrten, auf einen Punkt zu vereinigen, doch wie eine Meute, die die Beute wittert, flr'.b.en sie fort und zwangen ihn, mitzueilen. Ich werde verrückt, dachte er, und legte plötzlich die Feder weg. Er trat an das Fenster und sah in den wvaenden grauen R b.l hinaus, der in den hochgebauten Straßen stand, die roten Augen der Laternen scheuten fragend herauf. Hinter den verhüllten Fenstern bannten die verschl i.r ei Lampen, und er sah den kleinen Salon mit seinen roten Damasttapeten, der breiten Chaiselongue mit den vielen bunten, weichen feibenen Kissen, dem runden Kupfertisch, auf dem der Teekessel flammte, er sah Hände sich bewegen, Handgelenke mit leise
hatte man gehofft, in ungefähr 14 Tagen bis 3 Wochen die für unsere Gemeinde benötigte Menge von ca. 1400 Festmetern gefch'-a^en zu h..bea. Infclge des frühen und starken Schneefalls und des eingetreten:n Frostes mußten diese Woche die Hol .h verarbeiten bis aus weiteres wider eingestellt werden. — Für den Hessischen Fürsorgeverein für Krüppe 1 wurde auch in unserer Gemeinde eine Sammlung veranstaltet. Diese erg b in der D L3- schule 35 Mk., in bet Fortbildungsschule 11,50 Mk., sodaß im gesamten 46,50 aufgebracht wurden.
[ Rieder-Florstadt, 4. Dez. Der A n- bau an b-cr Turnhalle der Surnge- meinbe Florstadt ist nun im Rohbau fertig. Dadurch ist ein Dühnenraum von 5 Meter Länge, der Wirtschastsraum und ci.i Oeeäteraum, außerdem noch K lier- und D'ckraum erbaut worden. Die ganze Halle steht bei Vergnügungen dem Publikum zur Verfügung. Mit dem Anbau ist ein Kamin errichtet worden, fo daß die Halle nun auch heizbar ist und im Winter zum Turnen und zu Vergnügungen benutzt werden kann. Die Arbeiten sind auch diesmal zum großen Teil von Mitgliedern ausgesührt und un'.erstüht worden, so daß der gesamte Anbau für weniges Geld erstellt wurde. Schon an Weihnachten wird die neue Bühne benutzt werden, die dann i n nächsten Jahre — tote vorgesehen — innen fertig ausgebaut wird. Damit wäre der gesamte Innenausbau der Halle, die nun bei 10 Meter Breite 19 Meter lang ist, fertig. Den äußeren Bewurf bekommt sie erst, wenn der Dau ganz bezahlt ist. So hat die Tumgemeinbe Florstadt planmäßig, etappenweise sich ein Heim gebaut, bas i>f)t nur ben Turnern einen entsprechenden Raum zur Pflege des Körpers bietet, sondern auch allen sonstigen Ansprüchen genügt, dabei aber finanziell zu bewältigen ist.
Kreis Büdingen.
—. — Büdingen, 4. Dez. Die älteste Hebamme des Hessenlandes dürste Frau Karoline Bernhardt aus R a n st a d t sein, die seit 50 Jahren ihren Beruf in Ranstadt und in einigen Rachbarorten auSübt.
„?" Ridba, 4. Rov. Aengstlich gemacht durch die Erfahrungen aus dem Vorwinter, der während seiner ganzen Herrschaft fein Eis zum Einteilern lieferte, haben die Besitzer von Kühlanlagen, Metzger, Wirte und Dierverleger, bereits mit dem Einfahren des Eises begonnen. Sie brechen es auf der G ä n s w i e s e und haben dadurch nur kurze Wege zu ihren Eiskellern zurückzulegen. — Um das nach Schotten führende Telegraphengestänge zu entlasten, wird eben ein 2 u f t f a b e l bis zur Bahnhaltestelle in Unter-Schmitten gelegt. — Vom hiesigen Amtsgericht wurde über das Vermögen des Adolf Falk u. Co., Besitzer der sogenannten Junkermühle bei Cichelsdors, bas Konkursverfahren eröffnet. Derlust- verkäufe sowie Absatzschwierigkeiten in der stlach- inflationszeit sollen den neuzeitlich ausgestatte- ten Mühlenbetrieb in' Zahlungsschwierigkeiten gebracht haben.
bs. Bad-Salzhausen, 4. Dez. Die Bade- oerroaltung ist daraus aus. die infolge der Kriegsund Nachkriegszeit unterbliebenen Jnftandsetzungs- und Ausbefferungsarbeiten jetzt nachzuholen. Nachdem im vergangenen Jahr das Kurhaus innen und außen zeitgemäß renoviert wurde, ist man jetzt daran, das baufällig gewordene Gradierwerk durch ein neues zu ersetzen. Man ist allgemein erstaunt darüber, welche gewaltige Holz- massen dazu nötig sind. Die notwendigen Schwarzdornen sind schon feit langer Zeit angefahren.
ow. O b e r-W i b d e r s h e i m. 4. Be;. Mittwoch nachmittag holte der Landwirt Ot'o Kammer von hier in Hungen eine für bas neue Wohnhaus des Hoi r ieft Uhl bestimmte Treppe. Auf dorn Heimweg blieb bei Steinheim bas G e- fäftrt auf ber Ueberfüft rung der Bahnlinie Gieße n—G elnhausen hängen. und war trotz aller Anstrengungen nicht wieder fahrtfähig zu machen. Inzwischen kam ber abends 7 Uhr 24 von Hungen nach Ridba verkehrende Personen zug angefahren. Da ihm nicht mehr rechtzeitig Wareungssianale gegeben werden konnten ri< er mit voller
klirrenden Armbänder.. u. ipr.nj auf und durchschritt das Zimmer mit großen S stritten. Das war nicht auszuhollen, er mußte Ablenkung suchen, und er fand sie nicht in der Arbeit, fo formte er sie niemals finden.
Es war Karneval, er verkleidete sich als Rarr mit Schellchen an der Kappe, an den Armen und den Schnabelschuftrn. Als er die Treppe zum Dallfaal herausgehen wollte, fingen die Schellen cm zu klingeln, und er mußte rückwärts g.hen, seiner langen Schnabel chuhr wegen, recht wie ein Rarr. Er mischte sich unter die Tanzenden und sagte ben Damen die Wahrheit, welche man in der Gesellschaft nie hört, die Damen erröteten, staunten, lauschten. hingerissen .und verblüfft, er wurde berlftmt. alles strömte herbei und streckte ihm die Hand entgegen, um sich wahrsagen zu lassen. Er war so ausgelassen, und besonders war es eine fesche blonde Mohnblume in moosgrüner Taille, die durchaus nur mit ihm tanzen wollte und sich an feinen Anzug hing, und sich, nachdem er auch ihr die Wahrheit gesagt, von ihm in einem geschlossenen Wagen heimfahren lieft.
Aber diese Betäubung ha4Le ihm nur einen seelischen Jammer hinterlassen. Er fragte sich, was denkt sie, wo ist. sie jetzt, mit wem ist sie, jetzt befreundet? Cs war, als habe ihn eine höllische Krankheit, ein Fieber erfaßt. Er mied die Stadt, die in einem roten Dunst des Abmds zu seinen Füßen lag, und vergrub sich in sein Laboratorium.
Er dachte so viel an bai, was Franziska denken sollte, aber Franziska war glücklicher als er. Das einzige, was sie zuerst empfand nach ihrem Bruche, war bas Gefühl der Befreiung.
Franziska gehörte zu ben Frauen, die ben Mann nicht entbehren können, die ihn aber nicht immer unbedingt nötig haben. Sie fühlte sich froh, in ben ruhigen Besitz bet Wohnung gekommen zu fein, niemand forderte sie zum Spazierengehen auf. wenn sie müb? w.r. niemand fragte sie nach ben anstrengenden S'un- ben des Professors, die man nun ruhig ab- sagen konnte, wenn es einem paßte, nrmanb kritisierte, ermahnte, fabelte und spornte sie an.
(Fortsetzung folgt.)


