Ausgabe 
5.12.1925
 
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nr. 285 Erst« Blatt

Samstag, 5. Dezember 1925

175. Jahrgang

Metzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Vrvck vnd Verlag: vrühl'sche Universitärs-Buch» und Steinbruderei R. Lange in Siehen. Schriftleitung und Gefchästsktelle: §chnlttrafie 7.

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Chesredakteur

Dr. Jnebr DZilh. Gange Verantwortlich: für Politik und Feuilleton Dr. Friede Wilh. Lange, für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den An­zeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Eiehen.

Eine weltVittfchaslslonserenz.

Reichsaußenminister Dr. Strefemayn hat sich in feiner Reichstagsrede über Locarno für die Abhaltung einer Weltwirtfchaftskonfe- renz ausgesprochen. Unser Berliner Vertreter nahm deshalb Veranlassung zu einer Unter» r^dung mit dem hervorragenden Präsidial- mitglied des Reichsoerbandes der Deutschen Industrie, Geheimrat Dr. Hermann Bücher, über die Ausgaben einer derartigen Weltwirtschaftszusammenkunft. Dabei führte Geheimrat Bücher aus:

ß o u d) e u r ist bei der letzten Tagung des Völkerbundes in Genf zum ersten Male vor einem internationalen Forum für die Abhaltung einer Weltwirtschastskonserenz eingetreten. Ich habe dies sehr begrüßt, denn ich habe eine solche internationale Zusammenkunft bereits im September 1921 nicht nur gefordert, sondern auch als ultima ratio für die Völker Europas vorausgesagt. Als ich in die Geschäftsführung des Reichsoerbandes der Deutschen Industrie eintral, habe ich in München am 28. Sep­tember 1921 ausführlich über den Plan einer Wirt­schaftskonferenz gesprochen. Zu einer Zeit, in der die Völker Eurovas noch ausschließlich in der Kriegspsychose befangen und die leitenden Staats­männer nicht Manns genug waren, um ihren Völ­kern die Wahrheit über die wirtschaftlichen Folgen des Krieges zu sagen, mußte ein solcher Ruf ver­hallen. Für mich war immer und ist auch noch heute der Versailler Vertrag das Werk völlig w i r t sch a f t s u n k u n d i g e r Men­schen. Der Krieg hat nach meiner Ansicht insofern eine politische Entlastung mit sich gebracht, als die Völker die Zwecklosigkeit des Krieges erkannt haben, kampfesmüde geroorl'«*n und in absehbarer Zeit nicht mehr auf die Schlachtfelder zu bringen sind. Deshalb kann auch meiner Auffassung nach für die übersehbare Zukunst fein Krieg mehr ent­stehen. Diese politische Entlastung aber ist abgelöst worden durch außerordentliche wirtschaftliche Schwierigkeiten, die alle Kriegsteilnehmer, auch die Sieger, betroffen haben. Denn der Vertrag von Versailles ist, vom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, das Non plus ultra der Verkennung wirtschaftlicher Gesetze. Man mußte bei der Ueber- führung der Nationen in den Friedenszustand doch bedenken, daß es vor allem darauf ankam, die Lebensfähigkeit des eigenen Volkes zu erhalten, und um dies zu erreichen, hätte man den Konsum der Völker an Waren steigern und den internationalen Warenaustausch fördern müssen. Man hat das Gegenteil getan, sich durch falsche Handelspolitik gegeneinander ab- geschlossen und versucht, die ganzen Unkosten des Krieges auf die Besiegten abzuwälzen. Hätte man sofort nach dem Kriege eine Bereinigung der in­ternen als auch der internationalen Verschuldung insgesamt durchgeführt, so würde sich auch eine andere Handelspolitik haben ermöglichen lassen und feder Bürger und feder Staat würde dadurch auf die Dauer Nutzen gehabt haben. Wie die Dinge aber verlausen sind, hat sich der wirtschaftliche Status bei allen Völkern Europas gegenüber Kriegsende ver­schlechtert. Der erste Schritt zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas", fuhr Geheimrat Bücher fort,ist meiner Ansicht nach der Dawes-Plan ge­wesen. Alles, was vorher unternommen und versucht wurde, die europäische Wirtschaft in normale Wege zu lenken, war entweder völlig vergeblich oder er­reichte auch oft das Gegenteil von dem, was man etftrebte. Der Dawes-Plan aber hat cs Europa zum ersten Male wieder gestattet, eine Bilanz aufzu­machen. Nicht nur auf Deutschland trifft dies zu, sondern ebenso auch auf Frankreich, Italien, Belgien und die übrigen am Kriege beteiligten Volker. Hierdurch trat zum ersten Male an die Stelle der Nachkriegspsychose in Europa eine Einstellung auf Realitäten. Ob der Dawes-Plan an sich durchführ­bar ist, hängt von der Konsumkraft der Welt, die wiederum durch die Frage der Schuldenbereiniguug beeinflußt wird, und der Handelspolitik, die man in Zukunft treiben wird, ab.

Theoretisch ist Deutschland zur Erzeugung der­jenigen Warenmenaen wohl fähig, die dem Geld­wert unserer Verpflichtungen entspricht. Die Frage ist nur die, ob wir auch bei der gegenwärtigen Handelspolitik die Möglichkeit zum Verkauf unserer Waren in dem erforderlichen Ausmaße bekommen. Die eine Frage, die eine internatio­nale Wirtschaftskonferenz zu lösen hätte, wäre daher: Wie vermehren wir den inter­nationalen Warenaustausch ohne Ge­fährdung des Wirtschaftslebens der betreffenden Länder, und wie findet man eine tragbare Handelsbasis.

Eine solche erträgliche Grundlage kann auf einer Weltwirtschaltskonferenz m. E. nur gefunden wer­den, wenn finanziell abgebaut wird. B-i allen Staaten m-isien die über das volkswirtschaft­lich erträalichs Maß hinausgehenden staatlichen und sozialen Lasten beseitigt werden, jene Listen, die gegenwärtig national "unb international konsum- hemmend und zerstörend wirken. Alle beteilioten Volkswirtschaften gleichen gewissermaßen Fabriken, die sich in dauerndem Konkurse befinden und sa­niert werden muffen. Die internationale WirtschafkS- konferenz hätte also zweitens Vorschläge für die finanzielle Bereinigung der Kriegsfolgen zu machen.

Diese Aufgaben müßten in durchaus großzügiger Weise in Angriff Genommen roreben. Es wird daher von besonderer^ Bedeutung sein, welche Vertreter die einzelnen Staaten in eine solche Versammlung entsenden werden. Nicht mehr als diese beiden gro­ßen Themen brauchte meiner Auffassung nach eine Weltwirtschaftskonserenz zu erledigen! Sie bilden die größten Probleme. Es wäre vorn liebel, wenn eine solche Zusammenkunft mit allzu reichlichen Fra­gen und Problemen belastet werden würde. Die Er­fahrung hat ja gelehrt, daß, wo die meisten Fragen

Der Rücktritt des Kabinetts Luther.

Die deutsche Delegation ist von der Unterzeich­nung aus London zurückgekehrt. Damit hat das Reichskabinett das Ziel, das es sich selbst gesteckt hatte, erreicht und zieht lediglich die for­melle Konsequenz, wenn es jetzt dem Reichspräsi­denten seine Gesamtdemission überreicht. Rein formell hätte das vielleicht schon früher ge­schehen müssen, weil mit dem Ausscheiden der Deutschnationalen aus der Regierung die Grund­lagen weggefallen waren, auf denen Herr Dr. Lu- ther seinerzeit sein Kabinett aufgebaut hatte. Da er aber am 15. Januar, als er sich dem Reichstage vorstellte, durch die Haltung des Zentrums dazu gedrängt wurde, seine Regierung nicht als eine Koalitionsregierung zu bezeichnen, so hatte er da­mit die Handhabe, auch zu bleiben, nachdem die Deutschnationalen ihn verlassen hatten, während umgekehrt das Zentrum, das ja immer gern in Widersprächen arbeitet, von vornherein jede engere Verbindung mit der Regierung Luther ablehnte Herr Dr. Wirth hat damals im Reichstag osten- tatio gegen das Vertrauensvotum gestimmt, trotz­dem aber den Iustizminister Freuten zw<'ng, aus der Regierung auszuscheiden, weil er sich in der Frage der Locarnoverträge von der Zentrums- fratiion trennte. Was von dem Kabinett übrig blieb, das sich am 15. Januar dem Reichstag oorstellte, ist also nicht allzuviel. Vier Minister sind zurückge- treten; freilich war ja auch bei der Vorstellung das Kabinett noch keineswegs vollständig, weil der Fi­nanzminister, der Derkehrsminister und der Justiz- Minister noch gesucht wurden.

Streng genommen also ein Torso, als es kam, und ein Torso, als es ging. Lind trotzdem, was in der Zwischenzeit geleistet worden ist, bedeutet mehr, als alle früheren Kabinette schafften. Die elf Monate, die Herr Dr. Luther an der Spitze der Reichsgeschäfte stand das ist so ungefähr die Normalzeit für die Lebensdauer deutscher Regierungen sind außerordentlich fruchtbar gewesen; in der Be­ziehung hat sich die Zusammenarbeit mit den Deutschnationalen bewährt. Die Er­weiterung der Tregierung nach rechts war damals notwendig; die Neuwahl des Reichstages am 7. Dezember hatte ergeben daß die Deutsch­nationalen fest im Vertrauen ihrer Wähler sahen, und die Hoffnung der Sozialdemokraten, daß sich unter der Rachw'.rkung der Abstimmung über das Dawes-Gutachten die Deutschnationalen dezimieren würden, hatte sich nicht erfüllt. Cs war also eine selbstverständliche Folge des Aus­gangs der Wahl, daß die Deutschnaliona'en jetzt die Mitverantwortung übernahmen, zumal nach­dem Herr Dr. Marx in völliger Verkennung der politischen Lage sich immer mehr auf die aussichtslose Große Koalition festgeschraubt hatte.

Was die Regierung Luther Vorhand, war ein Rohbau, mühsam zusammengezimmert aus den Planken, die nach der Rettung aus der Zn- flationsflut übrig geblieben waren. Rach außen hin war freilich auf wirtschaftlichem Gebiet durch das Dawes-Gulachten freie Bahn geschaffen, nach innen aber galt es überall die Folgerungen aus der Verarmung des Volkes zu ziehen. Das ist geschehen; die Regierung Luther hat durch Reu­regelung des Steuerwesens auf finan­ziellem Gebiet, durch Bereinigung der Auf­wertung und die Z o l l g e s e h e auf wirt­schaftlichem Geb.et, sowie 1 durch Umbau der Versicherung auf sozialpolitischem Ge­biet Ordnung geschaffen. Man mag an Einzelheiten Kritik üben, immerhin aber muh dankbar anerkannt werden, daß dieses eine Fahr die Trümmer der Vergangenheit überall weit genug weggeräumt hat, um freies Feld für die Zukunft zu gewinnen. Rechnet man dazu die Locarno-Verträge mit ihrem Beiwerk, dann ist auch auhenpoli.isch dir Liqui­dation der bösesten Rachkriegszeit vollzogen. Lind zusammenfassend wird man sagen dürfen, dah am Ende des Jahres 1924 niemand ein solch rasches Tempo der Entwicklung für möglich gehalten haben würde.

Herr Dr. Luther hat deshalb auch Recht darin, wenn er an einen persönlic^n Rücktritt nicht denkt, sondern die Aufgabe zur Aeu- b i l d u n g des Kabinetts wieder zu übernehmen bereit ist. Er hat sich doch im deutschen Volke ein solches Kapital an persönlichem Vertrauen er­worben, dah er es schon wagen kann, die Bindun­gen zu durchbrechen, die ihm aus parteipolitischer Engstirnigk.it cuferlegt werden sollen, ilnb das wird vermutlich notwendig fein. Leicht wird er es nicht haben. Auch diesmal tun wir gut daran, uns auf eine mehrwöchige Krise einzustel- Ln. Denn die Aufgabe, die ihm parlamentarisch gestellt ist. läuft auf die Lösung der Quadratur des Zirk:ls hinaus. Zentrum und Demokraten versagen sich ihm für eine bürgerliche Min­derheitsregierung, wie sie eben Driand in Paris gebildet hat, beide Parteien wollen auf die G r ob e Koalition abfsmmen, die weder bei den Sozialdemokraten noch bei der Deutschen Dolkspart.i Zustimmung fi:ib:t. Die Sozial­demokraten hätten es sehr viel lieber, wenn

sie hinter den Kulissen als Drahtzieher fungieren und sich ihre Zustimmung jeweils teuer bezahlen lassen könnten, ohne nach außen hin die Verant­wortung zu tragen, schon w:il sie dann die Kon» kurrenz der Kommunisten nicht so zu fürchten brauchten. Die Deutsche Dolkspartei hat von den Erfahrungen mit der Großen Koalition unter der Kanzlerschaft ötrefemann noch hinrei­chend genug und ve. spricht sich nicht viel von einer Wiederholung, solange sie nicht handgreif­liche Beweise dafür hat. daß die Sozialdemokraten auch durch Opferung wichtiger Programmpunkte die Folgerungen aus unserer wirtschaftlichen Lage ziehen tocllen. Diese Gegensätze auszugleichen, wird Herr Dr. Luther sich vergeblich bemühen, ilnb, da jedesmal der ganze parlamentarische Apparat mitspielen muß, wird Weihnachten, wird wahrscheinlich auch Reujahr kommen, ohne daß wir eine neue Regierung haben. Bis dann schließlich d:m Reichspräsidenten oder dem Kanz­ler der Geduldsfaden reißt und in sehr lockerer Verbindung mit dem Parlament eine Regierung gebildet wird, die sich dem Reichstag vorstellt, um i h in die Verantwortung für den Sturz vor aller Oefsentlichkeit zuzuschieben.

Die Rückkehr des Reichskanzlers.

Der Demifsionsbcschlus; bed Kabinetts

Berlin, 5. De;. (TU.) Die deutsche Delega­tion ist gestern mittag kurz nach 1.30 Uhr auf dem Lehrter Bahnhos wieder in Berlin eingclroffcn. Auf dem Bahnsteig, der durch ein Aufgebot von Schutz­polizei abgefperrt war, hatten sich zur Begrünung eingefunden: Jür das Reichskabinctt Reichswehr­minister Dr. Geßler, vom Auswärtigen Amt die Ministerialdirektoren Köpke und TBallro tfj, für die Prefseabteilung der Reichsregierung Mini­sterialdirektor Kiep und Geheimem Salier, fer­ner Herren der Reichskanzlei und Vertreter anderer Behörden, sowie zahlreiche presieverlreter. Von den ausländischen Vertretungen in Berlin sah man den englischen Geschäftsträger Addison, den scanz^ sischen Geschäftsträger de la Boulaye, den bel­gischen Geschäftsträger Graf d'U r z e l und dm tschechischen Gesandten Dr. ft r o f t a. Von den An­gehörigen der Delcgationsmitglieber waren u a. Frau Stresemann und Frau v. Schubert anwesend. Als Erster entstieg Reichskanzler Dr. Luthe, dem Zug, darauf Reichsaußenmi rister Dr. Strese­mann und die Staatssekretäre Kemp ner und v. Schubert und die übrigen Mitglieder der Delegation. Die Ankommenden wurden herzlich be­grüßt. Die Herren äußerten sich über ihre Reise sehr befriedigt. Sie bestiegen die bereitstehenden Autos und der Reichskanzler begab sich sofort zum Reichspräsidenten, um über die Lon­doner Reise Bericht zu erstatten.

wie die Blätter melden, wird das Reichs­kabinett heute vormittag 11 Uhr zu einer Sitzung zufammentreten. 3m Anschluß daran soll eine Ministerbesprechung flattiinben, in der die D e - Mission des Kabinetts beschlossen werden soll. Reichskanzler Dr. Luther werde sich im Anschluß daran zum Reichspräsidenten begeben, um ihm die Demission des Kabinetts tu unterbreiten. Am Rachmittag dürfte der Reichspräsi? dent die Parteiführer zu Besprechungen zu sich bitten, um über die politische Lage und die Reubildung des Kabinetts zu verhandeln. Laut Täglicher Rundschau" sei nicht damit zu rechnen, daß der Reichspräsident sofort nach der Annahme der Rücktrittserklärung den Auftrag zur Reubildung der Regierung erteilen werde. Voraussichtlich werde er erst in der nächsten Woche die Be­rufung zur Reubildung des Kabinetts er­flehen lasten, und zwar werde er sich, wie jetzt als bestimmt angenommen wird, an den bisheri­gen Reichskanzler Dr. Luther wenden. Als einzig mögliche und deshalb auch wohl als wahrscheinliche Lösung hält das Blatt die Koali­tion der bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Deuffchnationalen. Keine neue Konferenz in Paris.

Fortlau'cnde Verhandlungen.

Berlin, 4. Dez. ($11.) Wie und von maß­gebender Seite versichert wird, trifft die Lon­doner Meldung, daß im Februar eine Kon­ferenz in Paris als Fortsetzung der Lon­doner Besprechungen stattfinden soll, nicht zu. Die deutsche Delegation sieht gerade darin ein wesentliches Ergebnis von Locarno, daß sozu­sagen eine neue Gefchäftsgrundlage geschaffen ist, auf der laufende Verhandlun­gen stattfinden über die von Deutschland noch ungeklärten Fragen. Bekanntlich wird nach der Rückkehr des Reichskommissars Frhrn. Lang- Werth v. Simmern in Koblenz über die strittigen Rheinlandfragen und am 1. De­zember in Paris über die deutsche Luftfahrt verhandelt werden. Außerdem laufen ununter­brochen Verhandlungen in den Hauptstädten, na­

türlich auch in Berlin, so daß schon deshalb zu einer Sonderkonfcrenz kein 21 n - l a h vorlicgt. Auch in London hat die deutsche Delegation lediglich Gelegenheit genommen, mit den leitenden alliierten Staatsmännern einge­hende private Unterhaltungen über die noch schwebenden Probleme zu führen, und man glaubt, daß dadurch wesentliche Fragen, wie z. B. die der deutschen Luftschiffahrt ihrer Lö­sung einen guten Schritt n'ihergekommen sind. 3m Verlaufe dieser Verhandlungen könnte sich möglicherweise ergeben, daß der deutsche Außen­minister mit dem französischen Ministerpräsiden­ten in Paris zusammentresie. Zur Zeit liegt jedoch kein Anlaß zu einer Reise Stresemanns nach Paris vor.

Der Reichskanzler nti Vandervelde.

Brüssel, 4. Dez. (WB.) Reichskanz­ler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. Stresemann, die ihre Ueberfnhrt an Bord eines belgischen Dampfers unternah­men, haben aus diesem Anlaß gestern abend an Außenminister Dandervelde folgendes Tele­gramm aus Ostende abc^esandt:Bcim Be­treten belgischen Bodens sprechen wir Ihnen für die während der Lieberfahrt gewährte Gast- sreundschaft unseren aufrichtigen Dank auS."

Die Engländer in Wiesbaden.

Wiesbaden, 4. Dez. (Wolff.) Heute vormit­tag find die ersten englischen Truppen auf dem hiesigen Bahnhof eingetroffen. Der größere i Teil derselben wurde in Richtung Höch st König st ein weitergeleitet; eine Abteilung von etwa 100 Mann wurde hier ausgeloden und nach der requirierten Kaserne gebracht. Die Englän­der richten das Alte Museum für Dureauzwccke ein, in dem sich gegenwärtig jedoch noch das Wohl­fahrtsamt befindet. Weiter haben die englischen Besatzungsbehörden eine Reihe von Pavillons des städtischen Krankenhauses requiriert. Das Woh­nungsamt hat einen Aufruf an die Einwohnerschaft erlassen, gegen Vergütung Dillen, möblierte und unmöblierte Wohnungen, Läden, Garagen usw. den Besatzungstruppen zur Verfügung zu stellen.

Der Stadtverwaltung ist sicher noch nicht be­kannt, welchen Umfang die Requisitionen der Be­satzungsbehörden annehmen werden, cs kann fest- gestellt werden, daß die Engländer überall schonend vorgegangen sind. Alle Anforderungen gehen über öie ft ä h t i f d) e n Remter*, die für eine gleich­mäßige Verteilung der Lasten sorgen. Die bisher in Köln erscheinende Zeitschrift der englischen Be­satzungsarmee wird wahrscheinlich nach Wiesbaden übersiedeln.

In K ö n i g ft e i n find gestern nachmittag zwan­zig englische Quartiermacher eingetroffen, die die ersten Vorbereitungen für die Unterbringung des Manche st erRegiments, das hier feinen Standort haben wird, zu treffen hatten. Die ersten 500 Mann des Regiments haben heute morgen zwi­schen 8 und 9 Uhr den Bahnhof von Höchst pas- fiert. Kurz nach 11 Uhr trafen die Tnippen in Königstein ein. Sie werden in der bisher von den Franzosen belegten Königsteiner Kaserne untergebracht werden. Der Kommandant wird im Königsteiner Hof" Aufenthalt nehmen.

Abbau der Kreisdelegrerten.

WSR. Groß-Gerau, 4. Dez. Der Kreis­delegierte des Kreises Groß-Gerau. Douchc, hat am 1. Dezember seine dienstliche Tätigkeit eingestellt, wird jedoch noch bis zum 1. Ja­nuar hier wohnen bleiben.

Auch in Dingen bat die französische Kreis­delegatton ihre amtliche Tätigkeit eingestellt, eben­so in Landau.

3n M.°G ladbach hat der Abbau der belgischen Besatzung b^g:nn n. Der bel­gische Kreis delegierte stattete den deutschen Be­hörden bereits Abschiedsbesuche ab. De hier liegende Gendarrnerieabte lung und das Misitär- lager bei Hehn haben Vorbereitungen für die Räumung getroffen.

DerRundfunkimbesetzten Gebiet

TU. Koblenz, 5. Dez. Durch das Reichs­kommissariat wird folgendes amtliche Corn- munique der Rheinlandkommission bekanntgegeben: Die Verordnungen der Jntcr- al[üerten_ über den Rundfunk haben zum Teil eine irrtümliche Auslegung erfahren. Es muß darum festgestellt werden, daß der Verkauf, der Kauf und der Besitz von funken- telegraphischen Empfangsap Kara­ten vollkommen frei sind. Lediglich die Anlagen und der Gebrauch der bezeichneten Apparate unterliegen d:r dnitschen Se etzgcbung und der Kontrolle der Militärbehörden, so­weit es durch Artikel 33, 39 und 40 der Verord­nung Rr. 308 der Rheinland? m.ni sion k> stimmt ist. Die Militärbehörde im französisch be'etzten Gebiet hat sich bekanntlich aus militärpolizeilichen

auf der Tagesordnung stehen, gewöhnlich am wenigsten herauskommt. Wenn diese beiden be­stehenden Probleme von der Weltwirtschaftskonfe- renz gelöst werden, dann hat sie mehr für die lei­dende Menschheit getan als manche andere Zu­sammenkunft, denn sie schafft Arbeit und Brot. Friedrich der Große hat einmal getagt:Derjenige, welcher machen kann, daß zwei Halme wachsen, wo ein Halm wuchs, hat für das Interesse seines Vater­land mehr getan, als oft alle Politiker zusammen."

Es kommt nicht so sehr darauf an. Recht zu ver­fechten, sondern in der Hauptsache daraus, daß Ver­nunft und zweckmäßige Maßnahmen die Völker und den einzelnen Menschen wirtschaftlich über Wasser halten und sie auf eine lebensfähige Basis bringen. Im Zusammenhang damit will ich nur noch erwähnen, daß, wenn eine Wellwirtschaftskon- ferenz zusammengetreten ist, auch die anderen, ollen Staaten gemeinsamen innerpolitischen Fragen, ro^e z. B. das Arbeitslosenproblem, sich ganz von selbst

regeln wird und die Bekämpfung des Bolschewis­mus ein anderes Gesicht gewinnt. Die Weltwirl- schaftskonferenz kann ohne Beteiligung Amerikas nicht stattfinden. Sie muß sich bei" ihren Arbeiten den Grundsatz vor Augen halten, daß jeder besser daran ist, wenn es einem Nachbar gut o-hl. Ich hoffe bestimmt, daß das In absehbarer Zeil er­folgende Zusammentreten einer Wirtschaftsv rsimm- hing uns einen Schritt weiter bringen wird auf dem Wege der Gesundung der Weltwirtschaft.