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m. I8l Zwettes Blatt

lllittrood), 5. August (925

Siebener Anzeiger (^enerai-unzeiger |ur tvoeryesten-

Der Ulabauter in der fremde.

Don Hans Friedrich Blunck.

Einmal hatte der Schifffer Maas aus Husum "iiubcn in einem schottischen Hasen eine gute Fracht Wommen, und das ist so gewesen.

Wie der Mann da an einem schlimmen Herbst- «bend an Bord gehen will, fällt ihm ein, daß er vohl zwanzig Jahre nicht mehr in diesem Hafen gewesen ist, und daß er das letzte Mal als unzu- jriebcner Bengel von seines Vaters Schiff hat jntlaufen wollen. Der Schiffer schüttelt den Kopf 2azu, es benimmt ihn sonderbar, daran zu denken.

Der Nebel wird dichter, noch dichter, als er vor­der schon war, und der Himmel ist braun wie altes iolz. Dergleichen kommt da drüben schon vor, und ei uns zu Hause auch. Was aber sonderbar ist, es cheint gar kein rechter Nebel zu sein, der den 5chiffer umgibt, es ist ein Qualm oder dergleichen inb kommt rasch und sichtbar in kleinen Flocken und strähnen zu Boden, man sieht deullich, wie er dieses berührt und jenem ausweicht, als hätte er (inen ganz besonderen Zauber. Und dann sinkt ein )unst nieder, der das Abendlicht wohl burchläht, 8er aber alles aufzuheben oder in ein besonderes Ieich einzuschließen scheint.

Um diese Zeit gerät der Schiffer gerade an den Sai, er will übersetzen und mit der Ebbe seinen dten Holzkahn den Firth heruntertreiben. Aber ii dem sonderbaren Nebel hat er wohl die Richtung rerloren. Erweiß nicht mehr, wo Schuppen noch Schiff ist und wagt keinen Schritt mehr zu tun, so schr läuft alles durcheinander.

Er merkt aber gleich an dem Reden im Gestau, daß er mehr Sprachen als sonst versteht, und daß er an einem Spuk teilhat, der mit der grauen Volke auf die Kais niedergesunken ist. Er hort

Die Räumung der Herzkammer.

Don unserem -tb-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Essen, Ansang August 1925.

Es läßt sich nicht bestreiten, daß die Räumung des Ruhrgebietes eher begonnen hat, als man er­wartete, nämlich bereits vor vier Wochen vor dem Stichtag des 16. August. Aber das ist doch wohl weniger eine Dersöhnungsgeste der Franzosen wie es ja überhaupt widersinnig und unwürdig ist, aus der Räumung eines in unerhörter Widerrecht- ljchkeit besetzten und drangsalierten Gebietes etwas Aehnliches zu machen als vielmehr in der tech­nischen Art und Durchführung der Räumung be­gründet. Die Besetzung vollzog sich mit einem gro­ßen strategischen Aufmarsch, nach moberner Schlacht­ordnung, in Einkreisungs- und Sicherungsbewegun- gen. Der Abmarsch geht, in dieser Form immer deutlicher erkennbar, gewissermaßen tropfenweise oonftallen. Auf den Straßen begegnen einem alle Augenblicke Trupps, ftommanboftellen^bie einzeln abrücken, ohne sich vorher zu großen Formationen zusammenzufinden. Hier wird eine Kompagnie, dort vielleicht ein Regiment herausgezogen, eine Batterie rückt ab, aber es ist feine große Aktion. Es ist immer mehr ein Abschied der Art geworben, wie er im gewöhnlichen Heben im Dolksmund mit fra n- I zösisch bezeichnet zu werden pflegt . . .

Aus diese Weife ist nun der erste Abschnitt der | Räumung durchgeführt, Westfalen ist frei, und nun i ist der Ruckzug des rheinischen Teiles des Einbruchs- gebietes ebenfalls beendet. Das Hauptstück dieses ; zweiten Abschnittes ist naturgemäß die Stadt Essen, die Herzkamer des aanzen Ruhrgebiets. Auch Essen ist wieder frei. Was das für Deutschland, und namentlich für das deutsche Wirt- ichaftsleben bedeutet, vermag nur der zu ermessen, der einen Begriff von der Konzentration wirtschaft- lidjer, sozialer und technischer Kräfte hat, die sich hier aus engstem Boden zusammenballen. Daraus ergibt sich auch von selbst die Schwere der Schä­digung, die die Stadt Essen von der Besatzung erfahren hat. Man erinnert sich, daß Essen das Ge­biet war, auf das es auch Herrn PoincarS im I wesentlichen ankam. Leitete er doch seine Kammer- rede über die Besatzung am Einmarschtage mit den [ Morten ein, daß in diesem Augenblick die französi- Ichen Soldaten aus dem Marktplatz in Essen die (9c- ( wehre zusammenstellten. Für die französische Auf- affung verbindet sich eben mit dem Namen Essen j qleichzeitig der andere Krupp, und die Geschichte , der Besatzung Essens hat ja zur Genüge bewiesen, I daß es ihnen sehr stark darauf ankam, nicht nur das gewaltige Wirtschaftsgebiet in der Hand zu I halten, sondern auch darauf, ihr Mütchen an Krupp ?,u kühlen und damit, topisch französisch, das ganze * deutsche Bolk zu demütigen. Deshalb wurde der surchtdare A r b c i t e r m o r b in den Krupp- i werken, die Ostertragödie von 1923, inszeniert: deshalb wurden Herr von Bohlen und seine Di- «Hören eingekerkert, und deshalb wurde der große ! Hensationsprozeß veranstaltet, der vier Tage j lang unter der scheinheiligen Maske einer gar nicht vorhandenen Gerechtigkeit hingeschleppt wurde, um mit einem angeblich in zwanzig Minuten verfertig- ! len, tatsächlich aber in Paris fabrizierten Urteil zu rnben. Nicht ohne symbolische Bedeutung sollte es «uich sein, baß Krupps Billa Hügel zum Hauptquar- : tier des Oberkommandierenden gemacht wurde.

Derselbe Oberkommandierende hat es aber auch . erfahren müssen, daß ein Dolk auch in seinem Un- glück noch aufrecht feinen Weg gehen kann. Gleich beim Einmarsch sollte er eine Probe davon be­kommen. Das war, als sich am 11. Januar die Trup- yenmaffen das Ruhrtal entlang über Bredeney die Huyssens Allee herab in die Stadt hinein wälzten. Autos mit Ofizieren der berühmten Jngenieurkom- milfion, Pariser Spezialjournalisten waren Dor- I toten. Vor dem alten Friedhof am Hauptbahnhof, ! icm Huiissenstift gegenüber, sammelten sich Menschen cn, die die kommenden Dinge besprachen. Ein paar ausländische Photographen bauten ihre Apparate ; ciuf, eine überflüssige Mühe, da sie im nächsten Augenblick durch ein paar einfache Fußtritte über ten Haufen geworfen wurden. Die Herrschaften konnten noch froh fein, daß die Flucht sie vor den verbienten Prügeln schützte. In der Mittagsstunde lückte die erste Schwadron heran. Gleichzeitig ftie- ! Gen andere Truppenmassen über Kray her vor: CfHen war regelrecht umzingelt worden, und nun | wurde der große Bahnhofsplatz, dann der Platz ' eor dem Rathaus, wurden die anschließenden Stra­fen zu einem Heerlager. Der Oberkommandierende «machte vor dem Rathaus Halt. Oberbürgermeister I 2r. Luther, damals Reichsernährungsminister, I war am Tage vorher noch Esten zurückgekehrt, um in dem Augenblick der schwersten Prüfung seiner I Stadt daheim zu sein. Jetzt schickte ihm der Ge- I neral einen Boten mit dem Befehl, ihn am Portal | des Rathauses zu empfangen. Aber der Herr (ge­

neral wird kaum die Antwort erroartet haben: Wenn jemand etwas von dem Herrn Oberbürger­meister will, wäre er i n feinem Amtszimmer zu sprechen, woraus dem Herrn General bei aller Wut über diese Niederlage desSiegers" nichts anderes übrig blieb, als sich mit seinem Stabe her- aufzubemühen und dem Oberbürgermeister im Amts­zimmer bekannt zu geben, daß Essen besetztes Ge- biet fei. Diese aufrechte Zurückweisung einer unver­schämten Forderung ist das Fanal, ist ein Sym­bol, ein anfeuernbes Beispiel für die späteren Zeiten'geworden..

Sie waren, weiß Gott, nicht leicht. Es hat Augen- blicke gegeben, wo das ganze Gebiet mit Elektrizität geladen schien, die zu einer Katastrophe 'ühren konnte, weil der Druck, den eine : ücksichls- lose Militärmacht ausübte, Gegendruck systematisch erzeugen mußte. Und dann wieder Augenblicke, wo die Not und Qual so groß war. daß sie schier nicht zu ertragen schien. Wirtschaftliche und soziale Nöte türmten sich. Aller Verkehr hörte auf, da er von den Franzosen systematisch unterdrückt wurde. Die Be­triebe wurden zu Stillegungen gezwungen. Arbeiter- entlaffungen großen Stiles waren die Folge. Das Geld verlor buchstäblich jeden Wert: Lebensmittel waren mehr als knapp, weil die Zufuhr stockte. Zu- dem konnte sie niemand bezahlen. Aufruhr und Plünderungen stellten sich ein, und bann kamen die allerschwersten Stunben, als ber große Zusam­menbruch, die Gefahr eines allgemeinen und riesigen Chaos in mehr als bedrohliche Nähe rückte.

Um die Schwierigkeiten wieder wachzurufen, die gerade in jenen Tagen die Anspannung aller führen- den Kräfte verlangte, braucht man nur das Wort Micum zu hören. Es gehört schon ein starkes Maß von Selbstentaußerung dazu, die Berhandlungen mit dieser Organisation zu führen. Was bei ihnen her- auskam, war katastrophal. Der Bergbau, ohnehin durch den passiven Widerstand stark verschuldet, konnte zwar wieder produzieren, aber unter Be­dingungen, durch die lebe Tonne Kohlen einen Ver­lust von 13 Mark bedeutete. Nur der Gedanke, daß dies der Uebergang, ber Anfang dazu war, wieder zu erträglichen Verhältnissen zu kommen und die große Arbeitsmaschine des Ruhrgebietes wieder anzukurbeln, konnte das Eingehen auf diese Bedingungen erzwingen. Don Monat zu Monat er­neuerten sich die Verhandlungen, aber die Milde­rungen waren so gering, daß der Augenblick schon vorauszusehen war, in dem unfehlbar ein neuer Zusammenbruch eintreten mußte. Hätte die Londoner Konferenz diesen Zustand nicht schon bald ein Ende gesetzt, man würde sich von dem heutigen Zustand im Ruhrgebiet wohl kaum einen Begriff machen können.

Und dabei ist er ohnehin auch jetzt noch k a ta­st r o p h a l. Für den Zustand der Wirtschaft, na­mentlich des Bergbaues, sind die täglichen Meldun­gen über Zechen st illegu na ein trauriger Maß- stab. Die Rückwirkung auf die Lage der Gemein­den liegt auf der Hand. War das Funktionieren der Verwaltungen durch die ständigen Eingriff« die Besatzung, durch die ständigen Lasten für Quar­tier und Unterhaltung schon außerordentlich groß, so tat die Steigerung ber Erwerbslosenzisfer noch ein übriges. Bekanntlich scheiden die Erwerbslosen nach einer gewissen Zeit aus der Erwerbslosenfür­sorge aus, um in die kommunale Wohl­fahrtspflege übergeleitet zu werden. Auch heute wieder ist, wie in den schlimmsten Tagen der letzten Jahre, die Erwerbslosenzahl im besetzten Gebiet dreimal so hoch wie im unbesetzten Teil Deutschlands. Unter allen diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, daß nach einer Denkschrift, die der Verband der Stadt- und Landkreise des besetzten Gebietes soeben fertiggestellt hat, nur bei acht Städten und Landkreisen des besetzten Gebietes das Jstaufkommen an Gemeindesteuern mehr als 80 Prozent vom Soll des Haushaltsplanes beträgt, während es z. B. bei 43 unter 60 Prozent liegt.

Jetzt wird sich erst das volle Maß der S ch ä de n zeigen, die ihm durch die Besatzung zu- gefügt worden sind. Es wird schwerer Arbeit bedürfen, sie zu heilen. Aber das Ruhrgebiet geht mit ungebrochener Energie an diese Aufgabe. Es erwartet nur, daß die Stellen, die dazu berufen sind, ihm dabei helfen und das Verständnis zuteil werden lassen, auf das dieses schwer geprüfte Land einen berechtigten Anspruch hat.

Zugoslavien und der Anschluß.

Don unterem Jr.-Sericfjterftatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Klagenfurt, Mitte Juli 1925.

Das starke Emporwachsen des Anschlußgedankens in Deutsch-Oesterreich, für welches außer den un« unterdrückbaren ideell-nationalen Momenten eines­teils Hoffnung auf das deutsche Garantiepaktange­bot. andererseits berechtigter Pessimismus bezüglich ber Ergebnisse der Wirtschaftsexpertise maßgebend

einen alten Kran über die lange Arbeit jammern und die Schiffstaue stöhnen, wie sehr sie sich hoben reißen und ziehen lassen müssen. Auch in der Stein­kohle, die nach Hamburg verschickt werden soll, regt es sich und mutmaßt und püftert.

Da steht auf einmal ein kleines Männchen neben dem Schiffer. Er sieht gleich, daß es ein Klabauter ist, aber er weiß nicht, wie der hier an Land kommt. Der Kleine redet ihn auch an und bittet um Feuer für seine Pfeife. Aber da kommt kein rechter Rauch heraus. Man merkt, wie den Kleinen friert, er hat Tabak wohl nötig, und der Schiffer gibt ihm von seinem.Derseuk bifien moal", sagt er gutmütig.

Oha", meint der Kleine und horcht dankbar auf,der hew ik wull'n Landsmann zu faat?"

3a," jagt Maas,aber wahrscheinlich wüßten sie beide nicht, wie sie aus dem vertrackten Nebel wieder heraus sollten.

Ach, beginnt da der Kleine traurig, das sei noch das Wenigste. Und er zieht den dünnen, grauen Mantel ganz fest über die Brust.so friert ihn.

Was er denn sonst für Kummer hätte, fragt der Schiffer mitleidig.

Da läuft der Klabauter denn neben ihm her und beginnt mit hoher Fistelstimme in den Nebel hinein zu erzählen, wie er nur eben einen Matrosen an Bord habe zurückholen wollen. O, es war ein guter Junge, er habe ihm oft eine Pfeife Tabak gegeben. Aber wie er so hinter dem Jungen am Kai entlang lief, weg war das Schiff!

Das ist ein hartes Los denkt Maas, man weiß ja, daß so ein Klabauter, der sein Schiff verlor, keine Ruhe findet, bis es auf dem Grund der See liegt. Der Mann hatte rechtes Mitleid mit dem Kleinen.

Woher das Schiff denn wax, fragt er, um über­haupt etwas zu sagen, trösten kann er ja nicht recht.

waren, hat in allen Staaten nicht nur bemerkens­werte Wellen in der öffentlichen Meinung hervor- gerufen, sondern auch zahlreiche Regierungc-erllä- rungen veranlaßt. Nach der Stellungnahme M u s - f o 1 i n is (die allerdings nicht unabänderlich er- scheint') und berjenigen Dr. Beneschs hat nun auch bie jugoslawische Skupschtina eine Anschlußbebatte geführt. Wenn in derselben die Frage auch nicht einbeutig geklärt erscheint wie sich Jugoslawien zum Deutsch-osterreichischen Anschluß an das Reich tatsächlich stellt, so erscheint ein Punkt einer Klärung wesentlich naher gerückt, ber sich darin zusammenfassen läßt, welche K o m p e n j a - tionswünsche Jugoslawien bcrmalen für seine Zustimmung hegt.

Ausgelöst würbe bie Stellungnahme ber Skup- tschina durch eine Interpellation des ber stavonisch- klerikalen Volkspartei angehörigen Abgeordneten Z m o b e j , ber an ben Außenminister sechs Fragen richtete, bie wie folgt zusammenzufassen sind: Wie stellt sich ^Jugoslawien zum Anschluß überhaupt, mit welchen etaaten befindet sich Jugoslawien biesbezüg- lich in Uebereinstimmung, wie gedenkt die Regierung einer olpcndeutschen Jrredento im Grenzgebiet Un­ter Trauburg, Marburg, Pettau zu begegnen; wiei gedenkt sich bie Regierung zu stellen, falls "bie alliier­ten Regierungen einen Anschluß gestatten sollten, und endlich welche Absichten bestehen bezüglich der jugoslawisch-österreichischen, in Schwebe besindlichen Handelsvertragsverhandlungen?

Darauf hat nun der damalige Außenminister Nincic Erklärungen abgegeben, bei denen aller­dings große diplomatische Vorsicht obwaltet. Kurz gefaßt, meint Nincic, daß Jugoslawien auf dem Bo- den der Friedensverträge stehe, daß der Standpunkt der jugoslawischen Regierung sich danach mit denen der verbündeten Regierungen decke, daß weiterhin eine deutsche Jrredenta im Grenzgebiet nicht ernst genommen werden könne, daß jedoch die jugoslawi­sche Regierung solche Bestrebungen aufmerksam beobachten wolle. Sollte ber Völkerbunb eine Ab­änderung ber biesbezüglichen Artikel ber Verträge (§ 80 D. o. Versailles unb § 88 D. v. St. Germain) zustimmen, so werbe Jugoslawien seine befonberen Interessen zu wahren wißen.

Betrachtet man biese Beantwortung ber Inter- pellation als Ganzes, so liegt ber Schwerpunkt zwei­fellos im letzten Satz, ber burch bie verschiebenen IRebner in ber Debatte nicht nur unterstrichen, son­dern auch erläutert wurde. In all diesen Reden kam klar zum Ausdruck, was die verschiedenen Presse­organe, vornehmlich in Slooenien, seit Jahr und Tag propagierten: Jugoslawien müsse als Kompen­sation für seine Zustimmung zum Anschluß das Süd-Kärntner Grenzgebiet für sich zurücksordern, das in ber Abstimmung vom 10. Oft. 1920 wohl für bie Zugehörigkeit zu Oesterreich, nicht aber für bie Vereinigung mit dem Deutschen Reich optiert habe.

Ohne gegen biese Bestrebungen ber slooenischen Kreise polemisieren zu wollen, muß zum eingehen­den Verständnis sestgestellt werden, daß das im Kärntner Freiheitskrieg mit außerordent- lichem Mut und Opfern festgehaltene Grenzgebiet einen notwendigen Bestandteil nicht nur kärntnerischer Heimaterde bildet, sondern daß der Grenzwall des Karawankengebirges auch des gan­zen beutfetjen Boltes natürliche Süd- grenze ist. Die Karawankengrenze findet ihre natürliche Fortsetzung südlich ber Eisenbahnstrecke nach Osten, welche burch bie Namen Unter-Drau- bürgMarburgPettau charakterisiert und durch bas Bacherngebirge gegen Jugoslawien abgeschlossen ist: wenn auch jenem zweiterwähnten Teilgebiet die Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes durch Volksabstimmung verwehrt blieb, so muß dennoch nachdrücklich erwähnt werden, daß das ganze Gebiet eine Einheit bildet, welche durch zu- sammenhängende weglose Höhenkämme (rund 2000 Meter hoch) geographisch gegen Süden abgeschlossen ist, eisenbahntechnisch durch die direkte Linie Wien GrazMarburgKlagenfurt durchquert wird, wirt­schaftlich keineswegs über die Höhenkämme nach Sü­den, sondern zu den nördlichen Märkten gravitiert und überdies national in fast 70prozen- tiger Mehrheit dem deutschen Volkstum zu- gehört.

Gemäß diesen Tatsachen sind sowohl die in der Interpellation Smodejs gebrachten Befürchtungen bezüglich einer alpendeutschen Jrredenta zu werten, wie denn auch die Kompensationswünsche, die teils in überhitztem Grenzertum, teils um parteipolitisch nicht ins Hintertreffen zu geraten, ihre unberechtigte Begründung haben. Ohne irgendwelchem Chauvi­nismus zu huldigen und ohne weiter südlich ge­legene Sprachinselnbefreien" zu wollen, muß den­noch deutlich zum Ausdruck gebracht werden, daß das Marburger Becken unerlöftes (9 e = biet ist, und daß jene Teile Kärntens, bie ihr Selbstbestimmungsrecht zugunsten Deutsch-Oester­reichs ausgeübt hatten, keine Objekte find, mit benen

Von Husum!" wimmert der Kleine. Ach, er hätte solch Heimweh, ach, er fühlte sich so traurig in dieser rußigen Stadt.

Vun Husum?" fragt Maas und will den Na­men hören. Ihm ist ein wenig dumm zu Sinn, der Nebel riefelt und schwankt und dreht sich. Und wie lange es her ist, will er auch gleich wissen.

Ach, klagt der Klabauter, das könnte er selbst nicht mehr sagen. Einer von seiner Art, der sein Schiff verloren habe, müsse ja immer nur auf und ab laufen, bis sich ein vernünftiger Mensch zu ihm Deiirrt. Dann könnte er erst hören, wie weit es ist und ob fein Schiff wieder im Hasen liegt.

Maas sieht den Kleinen sonderbar an. Der kommt gar nicht zu Atem unter bem Blick, er muß immer weiter reben. Aber bas Datum hätte er noch un­gefähr im Kopf, sagt er unb nennt es. Zwanzig Jahre liegt es zurück, unb Schisser Maas besinnt sich sehr gut auf ben Tag. Ihm ist, als müßte er bem anbern gleich seinen Mantel geben.

Der Nebel läuft, bas Braun am Himmel Der» sinkt unb wirb dunkel, unb bie Nacht kommt auf Das Wasser nieber. ,^umm, Klabauter," sagt ber Schisser plötzlich, ,,'t waarb Tib, an Borb tau gan." Er nimmt bie verklammten Fäuste bes Kleinen sorgsältig in bie Hanb.

Ach, zittert ber noch, wenn er nur wüßte, ob leine Bark noch im Hasen läge.

Das wüßte er gut, sagte Maas, wäre er nur erst aus bem Nebel heraus.

Bär op, Schipper!" sagt ber Klabauter.

Da nimmt ber Riese ihn aus ben Arm, unb im Augenblick daraus weiß er wieder, wo er ist und kommt zum Kai und ruft seinHol über" übers Wasser.

.Wo bringst mich hin?" fragt ber Kleine ge- bulbig in ferner alten Art.

bie Zustimmung Jugoslawiens zum Anschluß er« schachen werden kann.

So viel über diesen Teil, bet ebenso für da« Grenzgebiet ber Südmark wie für das ganze deutsch« Volk wichtig erscheint.

Noch ein zweiter Punkt trat anläßlich der De­batte in Erscheinung Es war die Ablehnung aller Dvnauföderal'flischen Gedan­ken, was sowohl bei der Regierungspartei, als bei ber Opposition eine einmütige Uebereinstimmung er­gab. Es entbehrt hierbei nicht ber Groteske, daß ge- : in v b e i als c prechet

Parte« scharfe Angriffe gegen ben Prälaten Dr. Seipel richtete, wie denn überhaupt Regierungs» und Oppositionsparteien darin einig zu fein scheinen, Zwischen Dr. Seipel unb Donaiibunbpläne ein Gleich­heitszeichen zu setzen. Verbindet man diese scharf« Absage noch mit der Antwort Dr. Olinde», daß aus Handetsvertragsverhandlimgen kein Opfer für bie lugoflawifche Wirtschaft entstehen dürfe ober würde, so kann man aus dem Verlauf der gesamten De­batte sowie aus einem zurückliegenden Angriff bes RegierungsorgansSamopraroa" auf Dr. Seipel ben Schluß ziehen, daß drei Dinge klargestellt find:

Jugoslawien wird, soweit sein Wirtschaftsgebiet in Betracht kommt, alle Anregungen ablehnen, deren Ursprung in evtl. Ergebnissen der Wiener Wirt- schastserpertise des Völkerbünde» zu suchen ist.

Jugostawien nimmt cnfdiieben Stellung gegen alle politischen ober wirtschaftlichen Donaubund- Pläne weil um mit Paul '.Rabie zu sprechen Jugoslawiens Zukunft im Balkan läge.

Jugoslawien hält das Anschlußproblem nicht für aktuell, wah rlsich jedoch das Bestreben, seine Zu. ftimmung durch Grenz-Rektifikationen sich abkaufen zu lassen.

Die Auswirkungen der Interpellation Smodejs brachten sonach nichts Neues, jedoch immerhin jene wünschenswerte Klärung, ber man zielbewuht begegnen können wird.

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Aus dem Hessischen Landtag.

Dem Landtage ist ein Antrag des Ober« studiendirektors Dr. KeH« r - Büdingen auge- gangen: Die Negierung möge die Ausbildung von Turnlehrern und -lehrerinnen sowie die Beratung in allen Turn- und Sport­angelegenheiten mit den in Kap. 67 (Universität) Titel 1, I cf und Kapitel 68 (Technische Hochschule) Titel 1, I p angeführten Stellen des Turn- und Sportlehrers in Zusammenhang bringen. Für je einen besonderen Assistenten wäre Sorge zu tragen.

3n einem weiteren Antrag beantragen die Abgeordneten Widmann u. Gen., die Regie« rung zu ersuchen, bei der Handwerkskam­mer dafür zu wirken, daß in den Lehrver­trägen neben der Bergütung auch der jährliche Urlaub der Lehrlinge eine vertragliche Rege­lung erfährt. Desgleichen darauf hinzuwirken, daß in den Tarifverträgen, die zwischen Arbeit­gebern und Arbeitnehmern abgeschlossen werden, die Qkrgütungen und Arlaubsgewährung der Lehrlinge eine bindende Regelung erfahren.

Der Rechtsausschuß des Landtages hat sich in seiner letzten Sitzung mit dem Antrag der Frau Abg. H a 11 e m e r, betreffend Be­kämpfung von Schmutz und Schund in Wort und Bild, befaßt, und ist zu der lieber- zeugung gekommen, daß bessere gesetzliche Bestim­mungen als die seitherigen geschaffen werden müssen, wenn eine erfolgreiche Bekämpfung der genannten Rotstände ermöglicht werden soll.

Der Ausschuß beantragt daher:

1. Die hessische Regierung möge beim Reich verlangen, daß ein Gesetzentwurf vorgelegt wird, der die Herstellung und Verbreitung von Schmutz und Schund in Wort und Bild ver­bietet und Zuwiderhandlungen unter schwere Strafe stellt.

2. Der Landtag wolle beschließen:

2) Die Hess. Regierung möge bei der Einbringung des neuen Gesetzentwurfs, daS Lichtspiel - Wesen betreffend, fordern, daß verschö.sie Bestimmungen getroffen werden, damit Filme, die die Frauenehre und -würde sowie unsev sittliches Empfinden tief verletzen und vergiftend auf die Jugend wirken müssen, verboten werden:

d) daß die in die Prüfungs stellen berufe­nen Mitglieder auch wirklich Persön­lichkeiten von künstlerischer und pädagogischer Bildung sind, die nicht allein dem gesunden Volksempfinden, sondern auch den sehr berechtigten Forderungen der Frauenwelt auf sittlichem Gebiet Rechnung tragen.

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Die Deutsche Volkspartei beantragt: Der Landtag wolle beschließen, den sämtlichen Amtsoberge- Hilfen die Möglichkeit des Aufstieges in Gruppe 4

,Lu Schipper Maas vun Husum."

Das is fein; was macht Hein Maas, der von Bord laufen wollte?"

Wirft ihn noch sehen!"

Ach, dann is ja alles gut", sagt der Kleine unb läßt den Kopf ein wenig vornüber hängen.Dann is man gut, daß ich wieder für einen zu sorgen hab'."

Linck: Der Streik der (Engel.

Modeschau in Bad-Rauheim.

3m großen Saal des Bad-Rauheimer Kur­hauses fand am Samstag und Montag eine groß- angelegte Modeschau statt, die von dem reizenden SpielDer Streik der Engel" von Harrs Linck umrahmt war. Regie ist hier natürlich alles: Es werden bie höchsten Anforderungen an Licht, ~arbe, Rhythmus, kurz, Sinnlichkeit des Aus­drucks in jedem Sinne gestellt. Kurt 3c>achim Baum, bisher Mitglied des StadtthectterS Gießen, hatte ein Bühnenbild von großer Exakt­heit der Durcharbeitung, Lebendigkeit und Plastik gestellt. Unter seiner Regie gelangen auch die Tanzeinlagen der Engel ausgezeichnet. Insbeson­dere die Darbietungen der vom LandeStheater Darmstadt gewonnenen Damen Don alles und Martin zeigten Sinnlichkeit und Linie. Don den in Gießen bekannten Kräften gefielen Elfriede Basedow als Modediva und Marita Andr6 als erster Engel. Felix R o r f v l k. den man nur ungern aus dem Verbände unseres Theaters scheiden sieht, stand noch ein letztes Mal als Petrus launig und fmsch auf der Bühne. Der Abend wurde für alle Beteiligten zu einem schönen Erfolg und der mehrfach auf offener Szene gespendete lebhafte Applaus war redlich verdient.e.