Feuer am Nordpol.
Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart.
Don Karl-August von Laffert.
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Die sich ständig ausdehnenden Fabrikstädte un- ter beßi Eise — der jetzt eröffnete wundervolle Park mit blühenden Blumen und Bäumen, mit Schmetterlingen und nistenden Vögeln, mit Wasserfällen und tropischen Pflanzen, bestrahlt und erwärmt von riesigen künstlichen Sonnen — der unaufhaltsam fortschreitende Eistunnel, in welchem bereits auf einer Strecke von fast 500 Kilometer die pneumatischen Wagen dahinrasen — die neu erbohrte, bisher stärkste Petroleumquelle der Welt, deren Er- aiebigkeit das Fassungsvermögen der vorhandenen Tanks derart übertraf, daß inan das Del ans Tageslicht laufen lassen muhte, wo es bald zu festen Massen gefror, um später ausgenutzt zu werden — die 'Ausbeutung eines reichen Erzlagers, zu dessen Verhütung man Petroleumgebläse verwendet, weil Del in Ueberfluß vorhanden und die Anlage von Hochöfen zu zeitraubend war — — alles das ist nur eine kleine Auslese der bereits geschaffenen oder im Entstehen begriffenen Anlagen.
Da im amerikanischen Publikum immer hes- tiaer der Wunsch laut geworden ist, jene neu er« schlossene Wunderwelt besuchen zu können, so hat sich die Direktion der Nova-Thule-Gesellschoft entschlossen, noch in diesem Monat eine Reihe von Vergnügungsfahrten dorthin zu veranstalten. Vier der modernsten und besteingerichteten Flugzeuge sind hierzu bestimmt. Sie werden baldigst auf dem Luftwege von Rußland in Neuyork eintreffen.
Zunächst soll eine Probefahrt ohne Passagiere stattfinden. Sie erfolgt von Neunork nach Nome und von dort nach Petrolea. Diese Strecke ist er- heblich kürzer als die bisherige Tour von Archangelsk nach Platinia, bietet somit den geübten Flugzeugführern nicht die geringsten Schwierigkeiten. Etwaige Interessenten werden gebeten, sich auf dem Bureau der Gesellschaft am Lincoln Park zu melden, wo sie alles Nähere erfahren werden."
Dieses find die Ausführungen von Mr. Gould, die wir im Wortlaut wiedergegeben haben. Auch
wir sind der Meinung, daß in Nova Thule ungeahnte Entwicklungsmoglichkeiten in sich schließt.
Wir müssen aber bei dieser Gelegenheit auch auf die politische Seite der Angelegenheit einaehen. Bekanntlich wurde die Regierung von Nova Thule in einen ernsten Konflikt mit Frankreich verwickelt, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Frankreich erkennt die Selbständigkeit des Nordlandstaates nicht an und ist der Meinung, daß es sich um ein vorwiegend deutsches Unternehmen handelt, das seine Spitze früher ober später gegen Frankreich kehren kann. E swird daher seine ganze Straft daran wen- den, Nova Thule militärisch zu besetzen und Sühne für die Vernichtung eines feiner Fliegergeschwader zu verlangen. Hierbei sind naturgemäß Konflikte mit den amerikanischen Aktionären, Aufsichtsratsgliedern und Direktoren zu befürchten. Wir hätten daher gewünscht, daß unsere Regierung der Beteiligung amerikanischen Kapitals in Nova Thule nicht früher zustimmte, als bis jener Konfliktsstoff mit Frankreich aus der Welt geschafft ist
Der Senat war anderer Meinung und wird wohl feine Gründe dafür haben. Wir aber rufen der Regierung ein warnendes Menetekel zu. Möge jenes „Feuer am Nordpol" nicht ein Zündstoff werden, der die ganze Welt aufs neue in Flammen fetzt.
4.
Brief Lindas an Stratoff.
Lieber Freund, ich danke Dir für Deine verständigen Worte die ich nicht anders von Dir erwartete. Wenn Du unsere Ehe als eine freundschaftliche Intereffenverbindung betrachtest, so sollst Du mich stets an Deiner Seite finden.
Die Nachrichten über Nova Thule interessieren mich sehr. Hätte ich geahnt, daß es sich um so wichtige Dinge handelt, dann würde ich natürlich längst um Deinen Besuch in Saratu gebeten haben. Die Beurteilung meiner jetzigen Gefühle Sanders gegenüber erweisen Dich als einen vorzüglichen Menschen- und Frauenkenner. Doch darfst Du nicht annehmen, daß ich irgendwelche Haß- ober Rachgelüste gegen jenen Mann hege. Dazu ist er mir viel zu gleichgültig geworden. Völlig unerträglich finde ich es dagegen, wenn Sanders anfängt, sich in der Rolle eines unabhängigen Selbstherrschers zu ge
fallen. Was wäre aus ihm und feinem Unternehmen geworden ohne unsere Unterstützung?
Ich bin in großer Sorge, weil die Volkskom- misiare Dich bereits verwarnten Der nächste Schritt nach einer derartigen Ankündigung pflegt meist der Untergang zu fein. Also müßen wir den Angelegenheiten von Nova Thule die ernsteste Aus- merljamfeit widmen. Und wie Du ganz richtig schreibst, kann das nur bei unserer persönlichen Anwesenheit geschehen.
Eins scheint mir gewiß: Bor der endgültigen Erledigung der Differenzen mit Frankreich wird Sanders keinen unvorsichtigen Schritt wagen, denn das würde fein sicheres Ende bedeuten. Immerhin wäre es gut, feine geheimen Absichten an Ort und Stelle zu überwachen. Und dazu stelle ich mich Dir mit meinen schwachen Kräften zur Verfügung. Ich denke, es wird mir gelingen, den im Grunde doch nur törichten Deutschen wieder ein wenig gefügig und vertrauensselig zu machen. Und dann verrät er sich sicher eines Tages.
Ich bin daher bereit, mit Dir zusammen für längere Zeit nach Nova Thule überzufiedeln. Als Aufenthalt kommt doch wohl nur Petrolea in Betracht. Daher bitte ich Dich, sofort Anweisungen dorthin ergehen zu lassen, daß mir ein einigermaßen komfortables Appartement eingerichtet wird.
Für unsere Ziele dürfte cs zweckmäßig fein, wenn wir dort nicht zu viel zusammen wären. Man wird mir sonst nicht das nötige Vertrauen entgegen- bringen. Vielleicht ist es sogar vorteilhafter, daß Du nach einiger Zeit wieder abfährst. Allein sehe und höre ich unter Umständen mehr. Und mein geringster Verdacht ober bas Anzeichen irgenbeiner Gefahr wird Dich sofort zurückrufen. Aber bas läßt sich wohl erst an Drt und Stelle entscheiden.
Sollten wir gezwungen werden, gegen Sanders und die übrigen deutschen Führer vorzugehen, so halte ich es aus politischen Gründen für bringend erforderlich, jede Gewalttat zu vermeiden. Es genügt, sie ihrer Stellung zu entheben und aus dem Lande zu entfernen. Das sich anbahnende gute Verhältnis zwischen Rußland und Deutschland, an dem auch die Volkskommissare interessiert sind, würde sonst schwer geschädigt, wofür man uns persönlich verantwortlich machen könnte.
Ich bitte Dich also, die notigen Schritte zu unserer Abreise nach Nova Thule zu unternehmen. Sobald Du mir telegraphierst, daß olles in Dehnung ist, komme ich sofort im Flugzeug nach Kal- mikowskaja. Ich nehme an, daß es wohl noch einige Wochen bauern wird.
Ich wünsche Dir alles Gute und bin in getreuer Freundschaft Deine Linda.
5.
Bericht der Agenten-Abteilung des englischen Admiral st abes.
Betrifft Nova Thule.
In Platinta wirb eifrig gerüstet, ba man bereits in wenigen Wochen mit bem zu erroartenben französischen Angriffe rechnet. Die Hauptstadt Petrolea und die im Entstehen begriffene Erzstadt Ferreata scheinen dagegen keinerlei Bcrteibigungs- cinridjtungcn zu besitzen. Man hält sie wohl nicht für birett bebroht. Erstens sink) beibe Stäble wegen ihrer Lage unter dem Eise für einen landesunkundigen Flugzeugführer sehr schwer auszusinben, be- sonbers wenn die Drientlerungsfignale entfernt werden, und zweitens führt der Weg von be^Norb- fee borthin über Platinia.
Die Franzosen scheinen allen Ernstes bic Absicht zu Haden, sich endgültig in den Besitz von Nova Thule zu setzen. Das französische Flugzeugmutterschiff „Formidable" liegt noch eingefroren im King-Dskar-Fjord an der Dstküste von Grönland. Trotz her ungünstigen Jahreszeit fand ein ständiger Verkehr non Flugzeugen dorthin statt. Diese Flüge mögen teils zur Ausbildung her Führer in den nordischen Breiten, teils zur Ergänzung von Bewaffnung ober Munition gedient haben. Denn es kann als sicher angenommen werden, daß der entscheidende Flugzeugangriff wieder von dieser Basis aus erfolgen soll.
Frankreich versucht natürlich, in einer Stärke aufzutreten, die jeden Widerstand unmögsich macht. Db ihm das gelingt, hängt von der Tüchtigkeit der Kampfflieger ab. Die beispiellose Ueberkegenheit dieser Maschinen erwies ja das Gefecht bei Platinia im vorigen Jahre. Andererseits muß auch her vollkommenste Typ einer gewaltigen Uebermacht gegenüber den kürzeren ziehen.
(Fortsetzung folgt.)
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