«r. <29 zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)
greitag, 5. Juni (925
herüber und wechselte ab mit den Weisen der überall bei ihrem Austreten mit Freuden begrüßten Kapelle der Schulgruppe des Vereins für das Deutschtum im Auslande aus Hannoversch-Münden. Die Hamburger Mädels in strahlenden weißen Kleidern tanzten die Tänze der Wasserkante, die hier in der Bergwelt besonders eigenartig und eindrucksvoll wirkten. Ein Berliner Echülerchor trug die einfachen schlichten Lieder der Mark vor. lind immer wieder hallte das Tal von den Heilrufen und dem Beifall. So ging das bunte Treiben weiter, bis die Sonne jenseits der Berge zum Untergänge sich neigte und in strahlendem Goldglanz hinter den südbayerischen Dergkuppeln verschwand. Wer hier die Buben und Mädel mit ihren blanken leuchtenden Augen, die nicht mehr mit offenem Blick die Schmach des Kricgsausganges geschaut haben und bei aller deutschen Aot im Vertrauen auf ihre Führer und Lehrmeister in eine bessere deutsche Zukunft blicken, die Jugend aus allen deutschen Gauen, wohl zu zwei Drittel aus der norddeutschen Tiesebene, gesehen hat, wie sie vor dem Rückmarsch ins Tal das Deutschlandlied fangen, dem mußten die Tränen in die Augen treten.
Rückwärts geht es nach Kufstein, wo alles sich mit Fackeln versah. Und nun begann ein grandioses Schauspiel, das, wenn möglich, den Eindruck von der Dergwiese übersteigerte. Das Herz Jungdeutschlands schlug in Zehntausenden von Flammen in Kufsteins trotzigem
Gemäuer. Durch alle Gassen zog sich der Zug der Fackeln. Er spiegelte sich wider in den Fluten des 3 n n , er beleuchtete gespenstisch die Mauern der Beste und er blinkte hinüber zu den Feuern auf den umliegenden Berghäuptern. Ganz Tirol grüßte sich hier im Flammenrausch mit Alldeutschland. Und immer wieder ballten die Fackeln sich zusammen am oberen Marktplatz, wo ein gigantisches Flammenspiel auf l1/» Stunden währte. Brausend schallte der Jubelsang zum Himmel empor, rauschte in urkräftigen Rhythmen hinauf. Die Jugend hat gelernt, was der Schandvertrag von Versailles uns genommen, sie hat gelernt, sich selbst zu unbedingten Gehorsam und Unterordnung unter dem Willen der grohdeutschen Führer zu erziehen, um einmal Kämpfer zu werden zur Heimholung der verlorenen Gebiete. Das war nicht Phrase, nicht Theater, nicht bloßes Schauspiel. Cs war der Ausdruck elementarer Gewalt, ein Ausbruch des urwüchsigen Rechtsgefühls. Und es war nicht nur eine Huldigung, es war ein Bekenntnis und Gelöbnis, als die Jungens sich den Vorsitzenden des V. D. A. von Hintze buchstäblich, so respektlos es zu schreiben ist, beim Hosenboden griffen, um ihn, das heißt seinen Besitzer, auf eine halbe Stunde hin und her durch das sprühende Feuermeer zu tragen. Das war auch ein großer seelischer Erfolg von Kufstein. Demgegenüber konnte nur wie ein müder Abklang das Schauspiel der bengalischen Beleuchtung der Festung Kufstein mit der Darstellung von der Erstürmung durch Maximilian I. wirken.
Am Pfingstmontag wieder der gleiche tiefe Eindruck bei der Festtagung auf der Josephs- bürg, wo zu Recht das Wort gesprochen werden konnte, daß diese Jugend auch wird marschieren können, wenn es sich nicht nur um einen Fackelzug handelt. Lind dann als symbolischer Abschluß der Festzug, der all das Erlebte zusammenfaßte mit feinen Fahnengruppen, mit seinen älp'erischen Trachten aus den bayerischen und tiroler Tälern, mit seinen historischen Gruppen aus Südtirol, mit der alten Fahne Andreas Hofers, aus Meran von 1809, mit den einheitlich und vielfältig bunten Kleidern der Iugendgruppen.
Musik in Darmstadt.
3m Rahmen des „Darmstädter Sommers" sind mehrere bedeutsame m u f i t a 11 - sche Veranstaltungen geplant. Auf Veranlassung der städt. Akademie für Tonkunst wird am 12. 3 u n i das Orchester der Dresdener Staatsoper, unter Leitung des Generalmusikdirektors Fritz Dusch und unter Mitwirkung von Prof. Adolf Dusch, in Darmstadt ein Konzert geben. Am 27.3uni folgt oaS Orchester der Wiener EtaatSoper (Philharmonisches Orchester) unter Leitung von Generalmusikdirektor Druno Walter und am 7. Juli das Orchester der Berliner Staatsoper unter Leitung von Generalmusikdirektor Erich Kleiber. «
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Deutschland und der russisch- japanische Krieg ((904/5.)
Von Dr. Gustav Rolosf.
O. Prof, der Geschichte an der Universität Gießen.
Unter den politischen Fragen, die das erste 3ahrzehnt unseres 3ahrhunderts erfüllten und durch den Weltkrieg in ein ganz neues Stadium getreten sind, nimmt die ostasiatischc einen hervorragenden Platz ein, sowohl nach ihrer allgemeinen Bedeutung wie speziell nach ihrer Wichtigkeit für Deutschland. Die Zukunft Chinas, unberechenbar nach der politischen wie der wirtschaftlichen Seite, berührte alle Großmächte, vornehmlich die China benachbarten Staaten 3apan und Rußland, und, wie betannt^at der Zusammenstoß zwischen diesen beiden Mächten (1904 5) einen gewaltigen Antrieb zur Umgestaltung bei ostasiatischen wie allgemeinen Lage gegeben. Da auch Deutschland wegen seiner ostasiatischen 3n- teressen wie wegen der Wirkung des Krieges auf seinen russischen Rachbar von den Vorgängen im fernen Osten nachdrücklich berührt wurde, so hat her Krieg die deutsche Diplomatie lebhaft beschäftigt! mehrere Bände der letzten Aktenpublikation fee Auswärtigen Amtes enthalten reichliches Material darüber, so baß es möglich ist. sich burch Betrachtung einiger Episoden eine Vorstellung von der Fülle der Probleme, die mit der ostasiatischen Angelegenheit zusammenhingen, zu verschaffen.
Die Möglichkeit eines Krieges zwischen Rußland und Japan war in Berlin schon seit Jahren erwogen worden, da die Verhandlungen über die Vorherrschaft in der Mandschurei und vornehmlich in Korea nicht zu Ende Famen. Speziell der Kaiser hatte schon mehrere Wochen vor Ausbruch des Krieges keinen Zweifel, daß der Friede nicht mehr lange währen könne, da Rußland Korea den 3apanern nicht ausliefern könne, wenn auch der weiche Zar, „der ahnungslose Engel", lange zwischen Krieg und Frieden hin- und herschwankte. Für Deutschland war in dem Konflikt von vornherein strenge Reutralität das Gegebene. Der Kaiser, der in dem Vordringen der 3afcancr eine Gefahr für die weiße Rasse und das Christentum erblickte, hätte zwar den Russen gern eine moralische Unterstützung durch den Rat. große Äraftanflrengungen zum Schutz der europäischen Kultur zu machen, zuteil werden lassen, aber auf Bülows Anbringen ließ er bavon ab. Die Russen, sagte ber Kanzler, würben eine solche Mahnung mit bem Ersuchen um bewaffnete Hilfe beantworten, unb bamit stehe bie Gefahr eines Bruches mit Englanb vor ber Tür. während die Ablehnung Rußland verletzen werde. Als Richtschnur für die deutsche Politik galt fortan, alles zu vermeiden, was Deutschland in Rußland als unsicheren oder schadenfrohen und hinterlistigen Rachbar erscheinen lassen könnte", andererseits dürfe es sich „auch nicht gegen 3apan oder gar gegen England vorschieben lassen".
Dies Streben, jede Verwicklung zu vermeiden, betätigte Deutschland insbesondere, als in Verbindung mit dem ostasiatischen Kriege sich auch eine Wetterwolke am Balkan zeigte 3n Bulgarien waren Regierung und Volk geneigt, bie Bindung Rußlands zu benutzen, die Pforte anzuweisen. Mazedonien und womöglich Konstantinopel zu erobern, was mit Sicherheit auch Serbien und Griechenland zum Vorgehen bewogen bätj£. 3a. s chwerlich hätte 3talien einem ilebergreifen Serbiens nach Albanien ruhig zu- sehen können, unb baS mußte wiederum seine Rückwirkung auf Oesterreich auöüben. Was die Gefahr eines allgemeinen Balkanbranbes erhöhte. war. daß in Bulgarien wie in 3talien starkes Mißtrauen gegen Oesterreich herrschte! bie Wiener Regierung, behaupteten bulgarische wie italienische Diplomaten und Zeitungen, schüre bie stets glimmende mazedonische und albanische 3nsurrektion unb rüste sich im stillen, um einen großen Balkankrieg Hervorzurusen unb. solange Rußland im nahen Orient aktionsunfähig sei. im Trüben zu fischen. Ratürlich war der Verbacht grundlos unb ging nach Bülows Meinung auf böswillige Ausstreuungen Montenegros zurück, aber es wäre nicht das erste Mal in der Weltgeschichte gewesen, daß ein falscher Argwohn große Krisen erzeugt hätte, oofort setzten Deutschlands Bemühungen in Sofia und Konstantinopel ein. Die Verdächtigung der Wiener Polittk ließ sich durch die Tatsache, daß Rüstungen nicht an- gestellt seien, entkräften, aber schwieriger war ein Ausgleich zwischen Bulgarien und der Türkei, da hier die Gemüter durch die unaufhörlichen Dandenkämpfe in Wallung versetzt waren. 3n- dessen. Fürst Ferdinand ließ sich beeinflussen durch den Empfang eines bulgarischen Geschästs- trägers in Berlin, wodurch seine Stellung gehoben wurde, unb ber Sultan war den gemeinsamen Vorstellungen Deutschlands, Rußlands unb Oesterreichs zugänglich Unter ständiger Mitarbeit der deutschen Diplomaten kam so nach einigen Wochen ein bulgarisch-türkisches Abkom
men zustande, in dem Bulgarien sich zur Unterdrückung der mazedonischen Banden auf fein:m Territorium verpflichtete, während der Sultan versprach, eine Anzahl wegen Unruhen verurteilter Bulgaren zu amnestieren (April 1934). Die Dandenkämpfe konnten hierdurch freilich nicht ausgelöscht werden, aber ein Konflikt zwischen den beiden Staaten mit seinen unberechenbaren Folgen, wovon die öffentliche Meinung nichts ahnte, war doch, und zwar wesentlich durch uie Anstrengungen ber deutschen Regierung, verhütet worden.
Aber trotz ihres Friedenswillens blieb bie beutsche Regierung von schweren Verwicklungen nicht verschont. Man erinnert sich, daß bas russische Ostscegeschwader. bas im Herbst 1904 nach Ostasien entsandt wurde, seine Unglücksfahrt. bie mit feiner Vernichtung in ber Schlacht von Tschüs im a enbete (27. 28. Mai 1905), mit einer tragikomischen Tat eröffnete: Der Admiral Roschdestwensky ließ an ber Dogqerbank einige Fischerboote aus Hutt, bie er für japanische Torpedoboote hielt, beschießen, wobei zwei Eng- länber ben Tob fanden. Ratürlich erregte dieser Vorgang in England großen Sturm; die öffentliche Meinung verlangte zuerst Delchlagnahmc der russischen Flotte, und bie Regierung sparte ebenfalls die Drohungen nicht, begnügte sich bann al er mit ei. e gemischten Untersuchungrkommission, bie bie Verantwortlichkeit feststellen sollte. 3n biefem milben Vorgehen gegen die russische Flotte kam beutlid) eine Schwankung ber englischen Politik zum Ausdruck: Man rechnete in London mit dem Siege der 3apaner und war bereit, ben Russen bie Hand zu bieten, sobald sie in Ost- afien nicht mehr gefährlich werden konnten. Hand in Hand mit dieser beginnenden Annäherung an das Zarenreich, für die insbesondere Frankreich mit allen Kräften arbeitete, ging die Feindseligkeit gegen Deutschland. 3n England und Frankreich wurde gleichzeitig versucht. Deutschland für den englisch-russischen Zwischenfall verantwortlich zu machen. 3n der englischen wie französischen Presse wurde behauptet, die deutsche Regierung habe in der Absicht, einen englisch - russischen Konflikt hervorzurufen, der russischen Marme- leitung mitgetcilt, japanische Torpedoboote lauerten der Ostsoeflotte in den europäischen Gewässern auf. und dadurch habe sie den Admiral Roschdestwensky und seinen Stab in solche Nervosität versetzt, daß sie harmlose Fischerboote für Kriegsschiffe ansahen. Es war selbstverständlich kein wahres Wort daran. Erstens wünschte man in Berlin keineswegs einen Bruch zwischen England und Rußland - der Kaiser äußerte ä. D. wieder- holt schwere Besorgnisse wegen dieser Möglichkeit — unb bann hatte man den Russen eine solche aufregenbe Warnung auch nicht zukommen lassen. Wie bie Alton ergeben, waren ber deutschen Regierung Gerüchte nus Dänemark und Englanb über japanische Anschläge in den europäischen Gewässern zugegangen, aber man nahm sie nicht ernst und gab sie nicht nach Petersburg weiter. Obgleich so jene Verdächtigung von Deutschland aufs schärfste abgewiesen werden konnte — eine unverschämte Lüge nannte sie Bülow im Reichstage — blieb bie englische öffentliche Meinung doch lange Zeit unter ihrem Eindruck. Die Presse erörterte bie Wahrscheinlichkeit eines Krieges mit Deutschland, und in einer halboffiziellen Ma- rinezeilschrift wurde ber Vorschlag gemacht. Deutschlanb zu überfallen, ehe es feine Flotte vollendet habe. Die englische Regierung rückte natürlich weit ab von solchen Drohungen, tat aber nichts, bie Erregung zu beschwichtigen. Rach dem Urteil der deutschen Dotfchaft war kein Zweifel, daß ein ähnlicher unglücklicher Zwischenfall wie ber von Hüll zwischen deutschen uni englischen Schisfen unbedingt zum Kriege führen werde: die öffentliche Meinung werde die Regierung einfach dazu zwingen, da sie Deutschland als den gefährlichsten Gegner betrachte. Ohne Zweifel befand sich Deutfchland in einer un- erguickl chen Lage, denn für den Fall eines englischen Angriffs, dem selbstverständlich ber Krieg mit Frankreich folgte, gab es Unterstützung nicht, da Rußlanb jeder Annäherung auswich, obgleich Deutschland die wohlwollendste Reutralität geübt unb Bülow wiederholt den Wunsch zum Ausdruck gebracht hatte, daß durch den japanischen Krieg „das russische Kaiserh^ nicht erschüttert und die russische Weltstellung nicht für längere Zeit verringert werden möge".
Die 3folierung, in bie Deutschland durch bie Abwendung Englands und die Zurückhaltung Rußlands hineingeriet, wurde in den folgenden Monaten noch deutlicher. Obgleich sich Deutfchland. sobald Rußland die Rotwendigkeit, Frieden zu schließen, erfannte, im Verein mit dem Präsidenten Roosevelt bemühte, die Anbahnung von Friedensverhandlungen zu erleichtern, wußte ihm Rußlanb keinen Dank. Dünbnisverhandlungen. die die beiden Kaiser persönlich im Sommer 1905 führten, hatten kein greifbare* Ergebnis unb hinterließen auf der deutschen Seite ein tiefes Gefühl der Enttäuschung, ja die Gewißheit, daß Rußland einen Anschluß an England suche, also
in Gegensatz zu Deutschland treten wolle Diese Abwandlung war um so wichtiger, als jetzt die russische Politik nach ihrer Riederlage in Oft- aficn voraussichtlich wieder im nahen Orient Betätigung suchte, und damit bas für die europäischen Beziehungen so gefährliche Dalkan- problem wieder auftauchen mußte.
Aus der Provinz.
L'nnMrciO Gictzcn.
!*! Rödgen, 4. Juni. Eine gemcinschaitliche Sitzung zwecks Regulierung der Wieseck in den Gemarkungen Rödgen und Alten-Buseck fand dieser Tage in Alten Buseck statt. Erschienen waren Rcgierungsrat Dr. B raun vom Kreisamt Gießen, Baurat Steinbach vom Kulturbauamt Gießen und die Gemeindevertretungen von Rödgen und Alten-Buseck. Rcgierungsrat Dr.B raun sprach ich über das Projekt 1912, das bereits die Geneh- migung des Ministeriums in Darmstadt hatte. Baurat Steinbach gab zu diesem Projekt einige Plane und Erläuterungen, so daß Rödgen der Annahme zustimmte, während Alten-Buseck die Zustimmung bis zur nächsten Gemeinderatssitzung verschob. Der Voranschlag des Projekts beträgt 22 000 Mark, es sollen ca. 12 000 Kubikmeter Erde bewegt werden.
L Burkhardsfelden, 4. Juni. Unsere Gemeinde rüstet sich zu einem Feste seltener Art. Am kommenden Sonntag, 7. Juni, begeht unsere Kleinkinderschule die Feier ihres 50jäh- rigen Bestens. Die ganze Einwohnerschaft nimmt an dieser Jubelfeier regen Anteil: haben doch bereits drei Generationen zu den Füßen der beiden Schwestern gesessen, die heute noch in be« wundernswerter Frische und Rüstigkeit ihres schönen Amtes malten. Schwester Elisabeth 2111 wirkt seit 1878, Schwester Elisabeth Stotz seit 1881 an der Anstalt. Beide sind aus dem Diakonissenhaus Ronnenmaier hervorgegangen Die örtlichen Gesangvereine, unsere Schüler, ei.y auswärtiger Posaunenchor, u. a. werden das Fest verschönen helfen, das um 2 Uhr unter den Linden beginnen wird.
I Watzenborn-Steinberg, 4 3uni. Die hinter uns liegenden Pfingsttage brachten unserer Gemeinde äußerst stark besuchte Got- tesbienste. Am 1. Festtage wurde der Gottesdienst wirkungsvoll bereichert unb verschont burch Mitwirkung bcs Kirchengesangvereins, ber bas Lied „Wach aus meines Herzens Schöne" klangschön vortrug unb burch ben von den beiben Mitgliebern B u r g a unb 3 u n g als Einzelgesang eindrucksvoll vorgetragenen Chor „Heilig, heilig, heilig ist der Herr". Die Kollekte für die Lutherstiftung ergab am 1. Festtag 20 Mk., am 2. Festtag zur Ausschmückung der Kirche 23,90 Mk. Auch in der Filialgemeinde Garbenteich war eine recht starke Beteiligung an den Festtags- unb Traugottesbiensten zu bemerken.
1*1 Rieber-Defsingen, 4. 3uni. Ein frecher Diebstahl würbe hier bei bem Wirt „Zum Löwen" verübt. Ein feiner Herr kam in unser Dorf, kehrte bei bem Wirte ein, aß unb trank unb bestellte sich ein Zimmer für bie Rächt. Als man ben Gast am Morgen wecken wollte, wurde festgestellt, daß der Vogel ausgeflogen war unb ein f a st neues Fahrrad mitgenommen hatte. Außerdem hatte er auch die Zeche nicht bezahlt. Wahrscheinlich hat der Bursche das Fahrrad mittels einer Schnur durchs Fenster gelassen und ist darauf entflohen. Der Fremde war mit einem hellen Anzug und braunen Schuhen bekleidet.
wn. Weickartshain, 4. Juni. Am zweiten Pfingstfeiertag wurde vom hiesigen Krieger- verein eine kleine Feier veranstaltet. Hierbei wurde 29 Kriegsteilnehmern die Kriegsdenkmünze von 19 14 bis 1918 überreicht. Gleichzeitig erhielten sechs Kameraden die 40jährigen und zwei Kameraden bei 25jährigen Bereinsavzeichen. An der Feier nahmen auch der Gesangverein und der Landjugendbund teil.
V Londorf, 4. Juni. An Stelle des in Pension versetzten Straßenwarts Konrad Nachtigall von Allertshausen wurde besten Sohn Ehr. Nachtigall daselbst zum Straßenwart ernannt.
K Lich, 4.3uni. Gestern wurde mit den Umbauarbeiten an der Turnhalle unseres Turnvereins begonnen. Sie erfolgen unter Leitung von 2lrchitekt Schuhmacher- Gießen. Rach den von ihm ausgearbeiteten Plänen wird aus der 1884 erbauten Turnhalle, deren Raum sich längst als zu klein erwiesen hat. ein monumentaler Bau entstehen, der nicht nur dem Verein, sondern auch ber Allgemeinheit von Rutzen sein wird. Daß dir Vergrößerung in erheblichem Maße erfolgen kann, ist wesentlich dem großen Entgegenkommen des Fürsten Reinhard zu verdanken, der von einem angrenzenden fürstlichen Grundstück eine ansehnliche Fläche kostenlos dem Turnverein Aur Verfügung gestellt hat, nachdem er vorher schon sein Interesse an dem Umbau dadurch bekundet hatte, daß er durch freie Ge
stellung des Bauholzes in dankenswerter Weile zur Herabminderung ber Baukosten beitrug. Dir ©c'amtfoftcn des Umbaues belaufen sich nach vorläufiger Berechnung auf etton 25 000 Mark. Davon sind rund 20 000 Mark burch Anteilscheine bereits ausgebracht. Man hofft, daß auch die Stadt Lich das gemeinnützige Unternehmen, als welches der Umbau anzusehen ist. in irgend einer Form unterstützen wird. Der Vorstand des Turnvereins und der Finanzausschuß baten sich in Begleitung von Architekt Schuhmacher unlängst auf einer Rundfahrt verschieden: ober- hessische Turnhallen angesehen, um Anregungen für den Erweiterungsbau zu erhalten.
Mrcie Hricdbcrg
ss. Friedberg, 4. Juni. Die Feier des diesjährigen 21 u g u ft i n e r f d) u 11 a g e 5 ist nunmehr auf den 20. und 21. Juni festgesetzt; ein bc- sonders reichhaltiges und vielseitiges Programm wird wohl dazu beitragen, mehr noch wie in früheren Jahren zahlreiche frühere Augustinerschuler zu bewegen, wieder einmal die alte Schulstabt zu besuchen. Die am 20. Juli ftattfinbenben Wettkämpfe zwischen Oberrealschule und Gymnasium werden ihre Höhepunkt in der llcberreid)ung eines von Friedberger Damen gestifteten Wimpels an die siegreiche Mannschaft finden, am Abend wird ein Bankett in Groß Friedberg alt und jung zu sroher Feier vereinigen. Ganz besondere Bedeutung aber wird die diesjährige Feier durch die Aufstellung des von Studienrat Roth, dem seitherigen! Zeichenlehrer ber Anstalt entworfenen plastischen Kunstwerkes „Der Fackelträger" erhalten. Das hervorragende Werk stellt bie Figur eines Jünglings dar, der eine Fackel in die -höhe hält, bie symbolische Bebeutung wird am besten burch bie am Sockel angebrachte In- schrift ausgedrückt: „Immer vorwärts sei Dein Streben! Aufwärts nach der Wahrheit Licht' Aus dem Innern quelle Leben, rastlos Ringen |ci Dir Pflicht! Dunkel ist des Lebens Spiel, sicher führ' ich Dich zum Ziel." Neben den beiden bereits arifgehängten Hölscherjchen Bildern, denen hossent- lich bald weitere folgen werben, wirb bie,es Werk gewiß einen hervorragenben Schmuck ber schönen Schule bilden, die Ausführung ist in Hohlgalvano- plastik in der Metallwarenfabrik Geislingen erfolgt.
* Butzbach, 4. Juni. Im Zusammenhang mit ber hiesigen Bürgermei st erwähl wird sich voraussichtlich ein Strafprozeß abspielen. Die „Butzbacher Zeitung" brachte nämlich in ihrer Nr. 119 ein Eingesandt, in dem in hanebüchener Weise beleidigende Vorwürfe gegen ben Wahlausschuß für bie Bürgermeisterwahl erhoben mürben. Der Verleger unb Rebakteur ber „Butzbacher Zeitung, Schneiber. veröffentlichte alsbald eine Erklärung, in ber er sein Bebauern über die Aufnahme dieses Eingesandts aussprach und zugleich betonte, daß die Veröffentlichung in seiner Abwesenheit von einem Stellvertreter veranlaßt worden sei. Der WahlausschußfürdieBür- germei st erwähl ließ es dabei nicht bewenden, sondern brachte nun in der „Butzbacher Zeitung" von sich aus mit Namensunterschrift seiner sechs Mitglieder die nachstehende Erklärung zur öffentlichen Kenntnis: „Der Wahlausschuß verwahrt sich gegen die in dem Eingesandt enthaltenen Lügen. Verleumdungen unb Unterschiebungen unb weist biefe als ber Wahrheit zuwiberlaufenb mit (Ent- rüftung zurück. Der Bürgermeister wirb ersucht, bie Sache von Amts wegen aufzuklären und gegen den Verfasser des Eingesandts Strafantrag zu stellen." Auf den Ausgang der 2lngelegenheit ist man natürlich sehr gespannt.
Kreis Büdingen.
j Ridda, 4. 3uni. Der hiesige Turnverein. der sich uifter vorzüglicher Leitung im Gau Hessen eine führende Stellung erworben hat. trägt sich mit dem Gedanken, seine Turnhalle, die für ben äußerst regen Turnb^trieb zu eng geworden ist. niederzulegen und einen räumlich weit größeren Reubau zu errichten. Wan gedenkt schon im Rachsommer mit den Arbeiten äu beginnen und den Bau bis zum Gauturnfest. das 1926 in den Mauern unserer Stadt stattfindet. fertigzustellen. Der 3rmcnrnum soll 30 Meter lang. 18 Meter breit und sechs Meter hoch werden. Der Turnverein wird bei Durchführung seines Planes auch der Allgemeinheit bienen. Denn in unserer Stadt macht sich das Fehlen eines größeren Saales empfindlich bemerkbar.
)( Ortenderg, 4. 3uni. Gestern nachm.ttag fand im Gasthaus „Zur Post" die diesjährige ordentliche Generalversammlung (51.) des hiesigen Vorschuß- und Creditver- eins statt. Die sehr gut besuchte Versammlung wurde von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats. Lehrer Köhler, eröffnet und geleitet. Den Bericht über das Geschäftsjahr 1924, der gedruckt vorlag. gab Direktor W e ck e s s e r. ebenso den Bericht über die Bilanz ufto. Der Reingewinn in Hohe von 4705.70 Mk. wurde nach den Vorschlägen des Vorstandes und des Aufsichtsrates verteilt, eine Dividende von 10 Prozent kam zur Ausschüttung, ebenso wurden die anderen
Kufstsiner Tage.
Die großbeutsche Dolkstagung in Kufstein ist ein Erlebnis einzigartiger Ratur geworden. Ein Erlebnis, für das die Sprache nicht ausreicht, um es in voller Reinheit unb Klarheit in Worte zu fassen. All die Bedenken, mit denen manch einer das Zusammenströmen von annähernd 20 000 Menschen, vorwiegend Jugendliche, sah, sind vergessen. Dank ber Disziplin, die gerade die Jugend gehalten hat, bleiben nur positive Eindrücke haften, bleibt ein ungetrübtes grohdeutsches Erlebnis.
Wer am Pfingstsonntag die fünf- b i s sechstausend Jungens und Mädels in großen geschlossenen Trupps aus Kufstein nach der Sparchenklamm zu ausmarschieren sah und sich als stiller Beobachter an den Hang des Duxerköpfl oberhalb der steilen Bergwiese über der Sparchcnllainm beim Vorderdux niederließ. der wird nie dieses Bild vergessen, das in seiner Ursprünglichkeit an das Vorbild der Festwiesenszene aus den „Meistersingern" erinnerte. Wie dort die Zünfte in ihrer mittelalterlichen Tracht mit Fahnen und Zunftabzeichen lustwandelnd in volkstümlicher heimatverwachsener Kurzweil sich zeigen, so lagerten sich hier am alpengrünen Hang zwischen jungem Tannenwuchs, flankiert von hohen Tannenwäldern, überhöht von steilen Felswänden im Angesicht des Wilden Kaisers um ihre Fahnen unb Wimpeln geschart die Tausende junger Menschen. Und drüben in der Klamm rauschte der Fgll. Das Waldhorn grüßte


