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Gietzener Anzeiger sSeneral-Anzeiger für Gberheffen)

llr.54 Zweites Blatt

Die nationale Front in Sowjet-Ruhland.

Man kann der russischen Sowjet-Republik olleS vorwerfen, nur nicht übertriebene Kon­sequenz in ihrer W rtschastspolttik. Rach dem Tode Lenins brach eine neue radikale Acra an. Radek. Trotzki und einige anDrrc Gemäßigte wurden kaltgestellt: Sinowjew und Kä­me n j e w triumphierten. Da kam das unglückliche Erntejahr 1924 und damit eine allerneuefte Aera, in der wieder eine weniger lärmende und heraus­fordernde Volttck getrieben wird. Im Rate der Volkskommissare hat man sich augenscheinlich dar­über verständigt, daß dem ausländischen Kapital der Weg nach Sowjet-Ruhland materiell und psychologisch nicht allzu sehr erschwert werden soll. Wenn eine verstärkte Warenein- suhr. dabei aber so gut wie gar keine Ge­treideausfuhr, stattfinden soll, so muh dies Passivum der Handelsbilanz wenigstens mit einigen unverbindlichen Freundlichkeiten glatt gestellt werden. Das tnternationalr Kap tal, das doch sonst bei Geschäften so kaltblütig ist, hat sich bereits wiederholt durch d.e angeblichen Ruh­land winkenden glänzenden Aussichten blenden und auf seltsame Wege locken lassen.

Jetzt hat auch der Rllerunverföhnlichste unter den Sowjetmachthabern, Sinowjew e ne Rede gehalten, in der die bürgerliche Welt und der internationale Kapitalismus üb rraschend glimpf­lich abschneiden. Wirklich erzürnt ist Sinowjew nur über England, das ihm in den Reu­wahlen vom Oktober vorigen Jahres die schöne Hoffnung auf einen russisch-engl schen Wirt­schaftsvertrag zerstört hat. Sinowjew teilt der aufhorchenden Welt mit. dah die Politiker an der Themse den maßgebenden Einfluh auf die euro­päische Politik hätten. Wir Deutschen waren bis­her der Meinung, dah während der letzten sechs Jahre die größten politischen Erfolge an der Sein« errungen seien. Sinowjew ist es aber darum zu tun. den selbst nach siebenjähriger Arbeit noch nicht ^usammengeschnflzenen Derufs- ständen des russischen Volkes Furcht einzu­jagen und sie in eine nationale Front einzugliedern. Natürlich ist es Sinowjew nicht um die Erfüllung nationalistischer Aspira­tionen zu tun: er möchte nur die innere Front stärken, angeblich gegen einen unter Englands Führung drohenden neuen Angriff, in Wirklichkeit aber zur Förderung der Weltrevo­lution.

3m russischen Dorf haben sich die Wir­kungen des VüschewiSmuS bisher hauptsächlich in einer bedenklichen Lockerung der Moral und dem Aufkommen eines neuen Ausbeuterstandes gezeigt. Unter dem RainenDorskorrespon- denten" hatte die Sowjet^Regierung ein dichtes Retz von Vertrauensleuten (d. h. Spitzeln) über das Land gezogen. Gegen diese Agenten der Moskauer Sowjet-Zentrale hat sich die Empörung der Dauern gewandt. Die russischen Zeitungen enthalten zahlreiche Rotizen über Gewalttätig­keiten der Dauern gegen ihre Peiniger. Obwohl Sinowjew in seiner oben erwähnten Rede an­heutet, daß es sich hierbei hauptsächlich um Eifersüchteleien zwischen dem Dauernstand und dem Arbeiterstand handle, ist der einflußreiche Sowjetmann augenscheinlich von der großen Ge­fahr durchdrungen, die dem russischen Staat und bef anders seiner gegenwärtiaen Form durch die Verschärfung solcher Gegensätze droht. Er hält die Schaffung eines Ausgleiches für eine der dringendsten Aufgaben der nahen Zu­kunft.

Die Aussichten dieser Aktion werden wesent­lich davon abhängen, in welchem Umfange die auch in dem Miherntejahr 1924 eingeleitete Hilfsaktion gelingen wird. An Erfahrung fehlt es ja Den Sowjet-Organen nicht, wohl aber an materiellen Hilfsmitteln und vor allem an Der Gewähr für Die energische Durchführung Der Beschlüsse. Die Angst vor einer neuen Invasion Der k'p.t lt'tischen Mächte soll Den erstrebten Ausgleich fördern.

Während früher Amerika als der Pro­totyp des westlichen Kapitalismus verdammt und wegen seiner Abneigung gegen Die Wiederauf­nahme Der Diplomatischen Beziehungen mit schweren Vorwürfen überschüttet wurde, sagt dies-

Die Oberwälder.

Roman von A l f r e d D o ck.

13. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Der Krämerskarl hatte sein Bestes getan, sich über das ländliche Genossenschaftswesen zu unter­richten, insbesondere über die Buchführung, die den Darlehnkafsen vorgeschrieben war. Ber dem Vertrauen, das er im Dorf genoß, und bei der Unkenntnis der Bauern in geschäftlichen Dingen war ihm von Anfang an die Freiheit gewährt, sein Amt nach eignem Gutbefinden zu verwalten. Zunächst lag ihm ob. einen Geldschrank zu be­schaffen. Es dauerte denn auch nicht lange, da lud der Knecht des Fuhrmanns Dlitt aus Lauter­bach mit Unterstützung einiger handfester Männer das wichtige Inventarstück vor dem Häuschen des .Krämers ab.

Dieser legte den Gaffern, die das eiserne Ungetüm umringten, Dau und Einrichtung dar. Der Umfassungsmantel war aus einem Stück gebogen. Boden und Deckel waren eingeschweihr. Die im Innern angebrachten Kammern boten gegen Brand und Diebstahl Sicherheit. Allge­meine Bewunderung erregte der geheimnisvolle Schlüssel. Der Polenschmied trieb seinen Mut­willen und Tagte:Donnerschlag noch email Das is der Schlülsel zum Paradies. Früher behielt den unser Herrgott für sich. Alleweil^ hat ihn so ein Rechner in den Hand'? Gebrüder, mit dem müht ihr euch halten!"

Sobald am Gericht der Eintrag der neuen Genossenschaft ins Register vollzogen war. wurden die Kassentage festgesetzt. Das Hinterstübchen des Krämers sollte fortan alsGeschäftszimmer" dienen. Abgesehen von Dem Geldfchrank hatten an neuen Geräten nur ein paar blendend weiße Holzstühle darin Platz gefunden. Von seinem brüchigen vchreibtifch, einem alten Erbstück, mochte der Karl sich nicht trennen. Wer mit ihm in feiner Eigenschaft als Rechner verhandeln wollle, mutzte den Laden passieren, wo die aufgelegten Waren zu Einkäufen lockten.Doppelt reißt nicht!" kalkulierte der Karl, ließ sich auf seinen Lehnsessel nieder und harrte der kommenden SHnga

mal Sinowjew Dem so denkbar unbolschewistischen Volk jenseits des Ozeans allerhan) Artigkeiten. Er ist voll Vertrauen, dah Amerika schon sehr bald Die politische Anerkennung des Sowjet» Staates aussprechen wir). 3m Laufe deS Früh­lings wird ja Der amerikanische Senator Dorah eine Studienreise nach Sowjet-Rußland unter­nehmen und Dann in der bekannten geschickten Art von Den Sowjet-Vertreternunterrichtet" werden. Mit wirrsch»f.liehen Möglichkeiten kann ja Die Sowjet-Union reichlich au-warten: auf einem ganz anderen Blatt aber steht Die Frage, ob die Dolkslommi s ire ausländische n K a - Vitali ft en ernstl.ch Betätigungsfelder erojnen wollen. Die Liebenswürdigletten ge ien Amerika bezwecken natürlich in erster Linie die A n l o l - kung amerikanischen Kapitals, dann aber wohl auch die Reutr iLficrung des stärksten Finanz- und W.r schastsvolkeä Der Welt bei d.m von Sinojew in lebhaften Farben an die W-nd gemalten neuen Revolutionskrieg. Si­nowjew hat ein Wort Lenins aus dem 3ahre 1922 hervorgesucht, in welchem dieser auf die Tatsache hinwies. dah bisher in Der Geschichte jeder Revolution mehrere große Kriege ge­folgt seien, während Rußland doch erst eine n solchen Krieg gegen Die von Den kapitalistischen Staaten unterstützten Weißgardisten zu führen gehabt habe. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß der russische Wuschik sich durch die doppelte Beweisführung Sinowjews, daß nämlich durch Den Zusammenschluß von StaDt unD Land Die bestehende Warenknappheit gemildert unb Die Gefahr eines Umsturzes von außen beschworen werben könnte, zum aktiven Bolschewismus be­kehren lassen wird. Immerhin wird es interessant sein. Die Ergebnisse Der jetzt von Moskau einge­leiteten Ausgleichspolitik zu verfolgen.

Aus der Provinz.

Landkreis (ließen.

L Dies eck, 3. März. 3n der jüngsten Gerneinderatssihung beschäftigte man sich zunächst mit der Besetzung der zwei va­kanten Lehrer stellen an Der hiesigen Volksschule, nachdem schon vorher im Schul­vorstand die Angelegenheit eingehend geprüft unD beraten war. Die nach einer ausgedehnten Aussprache vorgenommene Abstimmung hatte dasselbe Ergebnis wie im Schulvorstand, es sollen Die Lehrer Petri-Beltershain und D e p p l e r - Steinheim zur Anstellung empfohlen werden. Auch hier war man der Ansicht, daß man aus dem ungesunden Verhältnis heraus muh, das darin besteht, dah bei einem Lehrkörper von 12 Herren nur 5 festangestellte sind. Die Holzhauer ersuchen um Zuweisung von Tarif­holz. em Wunsch, dessen Berechtigung zwar an­erkannt wurde, aber abgelehnt werden muhte, da die Zahl der Holzhauer dieses Jahr außer­ordentlich hoch war. Der Gemeinderat ist aber einstimmig Der Meinung, daß man in anderer Form Den Wünschen gerecht werden soll. Den Vorschlägen der Oberförsterei, die eine Erhöhung Der Lohnsätze, besonders bei Der Aufarbeitung Des WindfallholzeS, vorsehen. wird ohne große Debatte zugestimmt. Erwähnt sei hierbei, daß dem letzten schweren Sturm allein in einem Di­strikt nach der Schätzung der Oberforfterei etwa 110 Festmeter Fichtenstammhol- zum Opfer ge­fallen waren. Bei dem letzten großen Brand wurden bekanntlich 4 Scheuern ein Raub der Flammen. Die Geschädigten ersuchten für den Wiederaufbau um Abgabe von Bauholz zum Tarifpreise. Dem steht der Gemeinde­rat wohlwollend gegenüber und beschließt, um keine Ungerechtigkeiten auskommen zu lassen, für jeden Geschädigten 15 Festmeter Bauholz zum Tarifpreise abzugeben. Schon seit längerer Zeit sind Verhandlungen mit Der Main-Weser- Hütte in Lollar im Gange. Die um Ab­gabe von Sand aus der Sandgrube in der Heide" ersucht. Rachdem sich schon der Finanz­ausschuß wiederholt damit beschäftigt hat, erteilt Der Gemeinderat hierzu seine Zustimmung. Da­nach entnimmt das Lollarer Werk monatlich etwa 1520 Waggon Sand. Der Preis beträgt pro Zentner 7 Pf. Der Vertrag, für den noch einige Wünsche vorgebracht werden, wird auf 3 Jahre abgeschlossen. In Verbindung hiermit werden die unhaltbaren Zustände in der Sandgrube

Als erster erschien Der Kasper Benner, ein mittelschlägiger Bauer. Er bat um Dreihundert Mark. Richt für sich, wie er behauptete, sondern für seinen Knecht. Der beim Bau eines Häus­chens ins Gedränge geraten sei. Der Mann steche zehn Jahre bet ihm in Dienst, nun wolle er ihn nicht stecken lassen.

Wenn wir können, helfen wir gern, sagte Der Karl mit Gönnermiene.Dring zwei Bür­gen, und Du kannst das Geld haben."

Der Kaspar Denner hatte Die Geschichte mit Dem Knecht erfunDen. Daheim saßen ihm zwei heiratsfähige Töchter, Die auf Männer lauerten. Riemand sollte erfahren. Daß er in seinen Ver­hältnissen zurückgegangen war. Das Darlehn ge­brauchte er, fällige Zinsen zu Decken.

Run beeilte er sich, die Bürgen zu holen unD machte Dem Kappes am Hirscheck Platz. Der brachte in einer Geldkatze taufend Mark, die er als Spareinlage nteberlegen wollte. Der Krä- merskarl veranlahte ihn, Mitglied zu werden, weil das Kapital sich Dann bester verinteressiere. Ein Dritter, Der hereingestolpert kam. hatte ein GrunDstück gesteigert, doch war er nicht imstanDe, Die eingegangenen Zahlungsbedingungen zu er­füllen. Was ihm an Geld fehlte, erbot sich Der Karl vorzuschicßen. Dafern ihm Der Kaufschilling überlassen werbe. Daß Das GelänDe zu teuer gekauft, eines Tags auch im Wert gesunken sein könne, zog er nicht in Betracht.

Reben Den Antragstellern standen an Zahl Die Einleger nicht zurück. Große unD kleine Bauern gaben einander die Türe in Die HanD.

3n würDevoller Haltung, mit einem Blick, Der jeden zu durchdringen schien, übte Der Krä­mers karl sein Rechneramt aus.He hatt von jeher «In' lernischen Kopf", sagte Der Kappes zur Pörtegritt,alleweil angelt he Dukaten!"

Die Alte überzählte, was sie im Laden ver­einnahmt hatte, und wußte danach nicht, ob sie auf Dem Kopf ober auf Den Füßen stand. Siebe nund- fünfzig Mark! Ei die Kränk! Das war in Jahr und Tag nicht bagewesen. Wenn das Geschäft so weiter blühte, wurde Der Karl ein steinreicher Mann.

Kurz vor Kassenschluß begehrte der Lipps Menz Den Rechner zu sprechen. Er r*eeb neben

in derUri uHnum eingehend besprochen. Festgestellt muhte werden, daß die Absperrvor­richtung gewaltsam entfernt worden ist und fast jeden Tag. ohne vorher Die notwendige Beschei­nigung von Der Bürgermeisterei einzuholen, Sand abgefahren wird, trotzdem bekannt ist. daß nur Mittwochs Abgebetag ist. Biller vermerkt wird hierbei, daß die Sandgrube, da zum Gemeinde- Wald gehörig. Der Beaufsichtigung des Försters B r ü a Gießen untersteht und diese Beaufsich­tigung scheinbar vergessen worden ist. E.nig ist sich der Gemeinderat darüber, daß die Aus­beutung auch in Zukunft in Regie der Gemeinde erfolgen folL Zu diesem Zweck soll zunächst die Hmzäunung und Absperrvorrichtung neu her- gestellt werden. Durch geeignete Zeitungs-Inse­rate sollen Die Geschäftsleute auf den erstklassi­gen und hochwertigen Weihbindersand aufmerk­sam gemacht werden. Die Abgabe soll bann Montags und Donnerstags zu folgenden Preisen erfolgen: Auswärtige zahlen für den Einspänner (worunter auch ein Fuhrwerk mit 2 Kühen oder 2 leichten Russenpferden verstanden wird) 2.50 Mark, für den Doppelspänner 4 Ml., Einheimische sür den eigenen Bedarf 1,50 bzw. 2.50 Mk. Einheimische, die den Sand in ihrem Gewerve- betrieb verarbeiten, zahlen die Sähe wie Die Auswärtigen. Bis zum Inkrafllreten dieses Be­schlusses soll eine schärfere Kontrolle gehandhabt werden. Johannes Schneider ersucht uni Ucbeilaffung eines Platzes an derSteinernen Brücke" zur Aufnahme eines Grabstein- g e s ch ä f t e s. Die Genehmigung wird auf Widerruf erteilt. Die Ane kennungsgebühr be­trägt jährlich 5 Mk. Für die Umlegung des Ortsnetzes der elektrischen Licht­anlage in der Philosophen st raße, die schon in früherer Sitzung beraten wurde, liegt nunmehr die gewünschte Detaillierte Abrechnung vor. Dieselbe beläuft sich auf 870 Mk.. wobei das Elektrizitätswerk (Sieben bemerkt, daß ge­naue Abrechnung erst nach Feststellung des tat­sächlichen Materialverbrauchs und Der erforder­lichen Arbeitszeit möglich sei. Die Ausführung der Arbeit wird beschlossen. Damit wird hoffent­lich viel Qlerger und Verdruß aus Der Welt ge­schafft. Die Finna S. Cohen ersucht um Genehmigung zur Errichtung einer Tankstelle bei derKarlsruhe", die auf Widerruf erteilt wird. Die jährliche Abgabe wird auf 50 Mk. festgesetzt. Ein altes Schmerzenskind für weite Kreise, auch über die Grenzen unserer Gemeinde hinaus, ist der Zustand des Weges nach Dem Philosophenwal d. Seit Jahren wird Darüber beraten. Die im Gange befindl.che Feld­bereinigung sollte Abhllse bringen. Darüber hinaus trug sich der Gemeinderat mit dem Ge­danken, das Hebel ein für allemal abzustellen und dem Mühlenbesitzer Christ daS Wasser- recht abzulaufen. Mit diesem Gegenstand be­schäftigte sich eine kürzlich abgehaltene Sitzung, in Der Kreisbaurat Steinbach- Gießen als Berater mitwirkte. Die ursprüngliche Forderung Christs belief sich auf 32 000 Mk. Der Gemeinde­rat beschloß damals. Christ 20 0000 Mk. zu bieten, auf welcher Grundlage eine Einigung erzielt wurde. Ein Vertrag. Der in Der Hauptsache bei Der Heberschreibung Die Beseitigung aller Hindernisse vorsieht, wird in Kürze vorgelegt. Sn heutiger Sitzung muhte aber leider eine un­angenehme Feststellung gemacht werden. Denn es nimmt sich eigenartig aus, wenn bei dem gegenwärtigen Wasserreichtum der Wieseck das Wasser derart gestaut wird, daß Der Wasser­spiegel mit den Wiesen in gleicher Höhe sich befindet, das ganze zufliehende Waller sich über Die anliegenden Wiesen erg ebt und den Philo­sophenweg unter Wasser setzt und Damit unpas­sierbar macht. Hierbei ist die Frage offen, ob Der Hrheber für Den angerichteten Schaden nicht ersatzpflichtig ist, Denn feststeht nunmehr einwand­frei. dah die eigenmächtig Dorgenonuncne Er­höhung des Wehres und Die Stauungen des Wassers ungesetzlich unD strafbar sind. Wenn von einer Beseitigung des gegenwärtigen Hebel» standes unter Zuhilfenahme des Kreisamtes ab­gesehen wird, so nur deshalb, weil man einmal hofft, daß durch eine Rücksprache eine Bes­serung erzielt wird und Die Dauer des jetzigen Zustandes in anbetracht Der beschlossenen Re­gelung nur noch eine Frage von kurzer Zeit ist. Tie Summe von 20 000 Mk. bringt nicht Die Ge­meinde allein auf. Aus Der Kasse Der Feldberri-

feinem Gütchen Schneiderei. Das Hnglück hatte sich bei ihm eingenistet. Don vieren seiner Kinder waren drei an Der Bräune gestorben. Während die Kleinen Daniederlagen, war das Geld zu allen Türen hinausgegcmgen. Run hatte der Lipps eine Schuld von neunzig Mark zu entrichten und stand vor Der Rotwendigkeit, seine letzte Kuh zu ver­kaufen, wenn ihm niemand aus der Verlegenheit half. Wegen eines Bürgen hatte er sich vergeb­lich bemüht.

Ich kenn's", sagte der Krämerskarl teil» nahmsvoll.Wann eins unten liegt, tappelt alles auf ihm herum. Sei ftät. Du kriegst vor mir Die neunzig Mark. Schick Deine Frau. Sie mag Den SchulDschein unterschreiben."

Daß er mit Diesem Verfahren gegen Die Satzungen Der Genossenschaft verstieß, wußte er wohl. .Schlimmstenfalls'. Dachte er, .stopf ich das Loch mit meinem Garn.'

Rach der Rachtsuppe zündete er seine Pfeife an unD setzte sich auf Die Bank vor Dem Haus, noch ein wenig Die frische Luft zu genießen. Mit Dem Ergebnis Des ersten Kassentags konnte er zu­frieden sein. Der Lehrer war ein guter Prophet. Der Geschäftsverkehr, wie er sich heute abgespielt hatte, lieh erkennen, dah das Kapital der Großen in Hmlauf kam und Den Kleinen förDerfam tourDe. Die Zahl Der MitglieDer war auf siebenundachtzig gestiegen. Ein schöner Erfolg- HnD.toem gebührte der Dank Dafür? Wenn man ehrlich fein wollte, nur Dem Lehrer. Der hatte Die Sache beim richti­gen Ende angefaht. Daß er jetzt, wo Der Sieg feine Mühe krönte, sich jeglicher Teilnahme an Der Kasse enthielt, gereichte ihm zur Doppelten Ehre. Er hatte es offen ausgesprochen: »Mir geht Die Geschäftserfahrung ab. Der berufene Mann, Krämerskarl, sind Sie!' Der Karl hob den Kopf empor, und feine Augen leuchteten. Für alle Fälle war er der berufene 2Rann! Hnd es sollte ihm keiner ins Handwerk pfuschen. Eins war ihm heut zur Gewißheit geworden: d.e Läpperschulden blieben nicht aus. Damit mußte wohl jede Ge- nossenschafr rechnen. Hebrigens sah er sich seine Leute gründlich an. Hnfichere Kantonisten würden vor ihm keine Gnade finden. Der unverschuldet im Elend war. dem durfte die Kasse ihren Bei­stand nicht versagen. Etwas Gutes tat man gern.

Donnerstag, 5. ITiärj 192o

nigungsgesellschast wird ein Zuschuß von 5000 Mark gewährt. Das ist der Teil der Kosten, der durch diese Regelung der Angllegenheit von der Feldbereinigung tue hierfür vorgesehene Ar­beiten erspart wird Außerdem ist Die Aussicht nicht ganz unbegründet, dah ein Zuschuß fetten­des Staates geleistet wird. Das sür dieses Jahr vorgesehene Programm zur Belebung des Baumarktes wurde nunmehr endgültig festgelegt. Der Gemeinderat hat hierfür bis zu 100 000 Mk. zur Verfügung gestellt. 22 Bau- lustige hatten sich gemeldet, welch.- Zahl abe» um etwas zurückgegangen ist. da die stark an­steigende Preisentwicklung auf Dem Baustoll­markt es für viele unmöglich macht, ihr Vor­haben auszu ühren. 2ln xr -1 ; Haubt Der Ge­rn .nD rat nicht über d e Vorschläge er Finanz- auslchusses iiinausgehen za ..m Grun^ay- lich wird beschlossen, das Darlehen zu verbill gtem Zinssatz nur an solche Baulustige auszuleihen, die ein Zweifam lienhaus bauen. Wer von diesen eine Miet wohnung von zwei Zimmern und Küche errichtet, erhalt 6000 Mk., für eine Miet­wohnung von drei Zimmern und Küche werden 8000 Mark ausgelietren. Diese Darlehen müssen voraussichtlich mit 5 Prozent verzinst werden, nach etwa zwei Jahren tritt Iprozenlige Amorti- sativn hinzu und werden die Darlehen als erste Hypothek eingetragen. An Erbauer von Ein­familienhäusern werden grundsätzlich keine solchen Darlei)en gegeben, jedoch ist der Gemeinderat bereit, falls diese Bauherren seitens des Staates eine Bauhilse erhalten, sich in gleicher Höhe wie dieser zu beteiligen.

'z; L i ch. 4. März. Bei der jüngsten Ruh­holzversteigerung im Sicher Stadtwald, in Den Distrikten E fenfaute, Mönchlöpfe. Gange- buche und Maurerkasparskops. wurden folgende durchschnittliche Erlöse erzielt. E chenstämmc 2. Klasse 100 Mk., 3. Kl. 97 Mk.. 4. Kl. 40 Mk. 5. ÄL 25 Mk.. 6. Kl. 18 Mk. Buchenstämme 2. Kl. 66 Mk.. 3. Kl. 50 Ml. 4. Kl. 45 Mk. Kiefern­stämme 2 Kl. 58 Mk.. 3. Kl. 51 Mk., 4 Kl 28Mk. Fichtenstämme 3. Kl. .38 Mk.. 4 Kl. 32 Mk.. 5a. Kl. 26 Mk. 5h. Kl. 18 Ml . je Festmeter Die R utz holzsub Mission der Stadt Lich Ende Februar brachte folgende Höchstgebote: E i ch e n st a m m h o l z 4. Kl., I. Himmelsbach. Ridda. 61.26 Mk.. 5. Kl., C. Bernhardt, Ridda. 39,05 Mk., 6. Kl., derselbe. 27.05 Mk. Buchen- st ammholz 2.. Kl., C. Bernhardt, Ridda. 55,55 Ml.. 3. Kl., derselbe. 45,05 Mk.. 4. Kl., Christian Insel, Hch. Zimmer und Karl Albohv in Lich. 41,15 Mk. Kiefern st ammholz 3. Kl., Fa. Hainer. G. A., Gießen und andere, 37,40 Mk., 4. Kl., H. Seim, Lardenbach, 28 Mk.. 5. Kl., der­selbe. 25 Mk. Fichten st ammholz 2. Kl., Fa. Rikolaus & Pappe, Lich, 45,10 Mk 3. Kl., Friedrich Pitz, Steinbach, 34.52 Mk., 4. Kl, Licher Tonwerke in Lich, 35 Mk., 5a. Kl, dieselbe. 33 Mk, 5b. Kl., Konrad Zeiß, Gambach, 26,100211 Fichtenderb st angen 1. Kl.. Heinrich Ger­hardt. Alsfeld, 17,60 Mk.. 2. ÄL, derselbe, 17,66 Marl, je Festmeter. Fichtennutzreisig, Th. Hornik in Darmstadt, 2,05 Mk. pro Rm Bohnenstangen, derselbe. 9 Pf., pro Stück Zum Submissionstermin lagen 53 Angebote vor. Es besteht Aussicht, daß die Submission fett ent des Stadtvorstandes genehmigt wird.

Harbach. 4. März. Der V ol ks t rau­er t a g wurde auch in unserer Gemeinde gefeiert Am Denkmal für Die Kriegsopfer hatten sich die Vereine und die Gemeinde versammelt. Der Ortspfarrer hielt Die Ansprache über Hebräer 11, 1316. Der Gesangverein verschönte die Frier durch zwei Chöre.

W i r b c r g , 4. März. Die Gemeinden Göbelnrod und Reichardshain hielten ihre gemeinsame Feier am Volkstrauertag auf Dem Wir berg ab. Die Frier war von Den Vereinen unD Den GemeindemitglieDern gut be­sucht.

ö Beltershain, 4. März. Auch in unserem Gottes Hause fanD am Volkstrauer* tage abenDs eine gut besuchte Feier statt, in Der Der Ortspfarrer Die Ansprache über Luk. 12, 50 hielt.

T ® rünberg, 3. März. Bei Der gestrigen Ruh- und Brennholzversteigerung aus Den fiskalischen Waldungen Der Oberforfterei ®rünberg wurden folgende Preife gezahlt: Rutz- Holz: Eichen 1. Kl. 80 bis 85 Mk., 4 Kl. 40 Mk., 5. Kl 20 Mk. und 6. Kl. 40 bis 45 Mk. pro

Aber Die Kleinigkettskrämeoei, Die sich heute schon breit gemacht hatte, ging ihm wider Den Strich. Die Kasse mußte einen Zug inS Große be­kommen. Auf sein Betreiben waren Die Statuten dahin erweitert worden, daß nicht nur Ortsange­hörige. sondern alle vertrauenswürdigen Personen Die Mitgliedschaft erwerben konnten, Die zehn Kilometer im Hmkreis wohnten. Die Kasse sollte ein Sammelbecken werden. Rur mit großen Mit­teln konnte man ein großes Kapital gewinnen. Sin wohliges Gefühl durchströmte ihn. Endlich stand er Da, wo er hingehörte. Richt Daß Der Platz ihn ehrte, er ehrte Den Platz. Die Zett her hatte er (Den Pro Hern, Den Strohköpfen den Lakai machen müssen. Jetzt war er Der erste Mann an Der Spritze.

In den folgenden Wochen war Der Zudrang zur Kasse nicht so stark, wie Der Krämerskarl in seiner Einbildung sich vorgestellt hatte. Gut Ding wollte Weile haben. Ein paar Hypotheken ge­langten zur Ablösung, Die mit ihren hohen Zinsen fleinc Besitzer bebürdet hatten. Der Schreiner Stumps würbe von feinem Manichäer, einem Holz Händler in Storndorf, befreit. Auch vorn Löb Schmarrn aus Dirlammen fielen Drei alte KunDen ab. Betragt, was er von Der Genossenschaft Denke, sogte er:Reue Besen kehren gut. Wann ihr erst mtt Der Ras' in Dreck gefallen seid, Der* nachert wollen wir uns emal wieder sprechen."

Der Krämerskarl brannte vor HngeDulD, Den GeschäftSumsah vergrößert zu sehen. War er früher wenig oDer gar nicht aus seiner SUaufe ge­kommen, besuchte er jetzt Die umliegenden Ort­schaften. für die Ausbreitung Der Kasse zu wirken. Ward ihm entgegengehalten, man habe von diesem und jenem Bankkrach gehört, und passiere etwas, müßten alle den Riemen ziehen, sprach er mit dem Drußton der Heberzeugung: ..Wir arbeiten mit Besonnenheit. Hnser Grundsatz ist: besser lurgefchen als nachbereut. Wir stehen so fest wie die Londoner Dank, 's gibt Leut'. Die alles durch dir Angstbrille sehen. Die können einem kib tun. Die werden nicht fett. . Sein sicheres Auftreten machte auf Die Bauern Eindruck. Selten, daß er hcimkehrte, ohne den einen oder andern Der Kasle gewonnen zu haben.

1 Forttetzung folgt)