Ausgabe 
4.11.1925
 
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tyärtige Politik, die solche Ergebnisse gezeitigt hat, hat in Frankreich nicht ohne Kampf gesiegt. Heute ist es nicht mehr die Politik einer Partei, sondern sie hat die Zustimmung der ungeheuren Mehrheit des Volkes gefunden.

Vach lebhafter Debatte, die sich bis tief in die Vacht hinzog. brachte der radikalsvzialistische Abg. Aubriot folgende Tagesordnung ein: pSie Kammer heißt die Erklärungen der Regierung gut und seht das Vertrauen in sie, daß sie im Einvernehmen mit der Mehrheit der Republikaner eine Politik des Fortschritts und der finanziellen Sanierung befolgen wird. Sie lehnt reden Zusahantrag ab und geht zur Tagesordnung über."

Dor der Abstimmung sprach noch der sozia­listische Abgeordnete Paul Faure und recht­fertigte die Stimmenthaltung der so­zialistischen Partei, indem er darauf hin­wies, daß der Regierungserklärung der Schwung und die Lleberzeugungstreue fehle. Die ange­kündigte Militärreform würde in absehbarer Zeit doch nicht durchgcführt werden. Die Partei könne ihre Politik Marokko und Syrien gegen­über nicht gutheißen. Es sei Pflicht der Re­gierung, ein annehmbares und großzügiges Friedensangebot öffentlich bekannt zu geben. 3m Falle einer Ablehnung durch Abd el Krim müsse der Völkerbund eingreifen.

Frankreich habe in Locarno über den Frie­den verhandelt, jedoch in Syrien und Marokko werde Krieg geführt. Die Sozialisten könnten daher dem Kabinett nicht ihr Vertrauen aus­sprechen.

Die Kammer nahm dann mit 221 gegen 189 Stimmen das Vertrauensvotum für das Kabi­nett Painleve an. Für die Regierung haben ge­stimmt die drei Kartellgruppen. Die Sozialisten enthielten sich der Stimme, ebenso der gemäßigte Flügel der Rechten unter Führung Maginots und Dariacs. Das rechte Zentrum und die äußerste Rechte sowie die Kommunisten haben gegen die Regierung gestimmt. Painleve hat die Absicht, Ende der Woche, spätestens Anfang nächster Woche, die Finanzgesetzentwürfe der Kammer vorzulegen. Man nimmt an, daß er wahrscheinlich bei der Abstimmmig über die Kre­dite für Marokko und Syrien in die Min­derheit geraten werde. Man halt die Tage des Kabinetts Painleve auch trotz der Abstim­mung für gezählt.

Amerika und die deutsche Kreditpolitik.

Aeuyvrk, 3. Rov. (DZ.) Die bisherigen Besprechungen zwischen dem Reichsbankpräsiüen- ten Dr. Schacht und dem Leiter des amerika­nischen Schatzamtes Mellon, in Washington, hatten die Frage der deutschen Stadt- und Staatsanleihen zum Gegenstand. Da der nach dem Dawesplan eingesetzte Transfer-Ausschuß die Verpflichtung hat, die deutsche Währung nicht nur vor Reparations-, sondern vor allen Dingen vor anderen Gefahren zu schützen, be­steht bei weiterer Handhabung der bisherigen Anleihepolitik die Möglichkeit, daß das Trans­fer-Komitee Zinszahlungen für deut­sche Anleihen im Interesse der Markwäh­rung zu einem späteren Zeitpunkt verbieten könnte. Deshalb ist man auch bei den Amerika- Besprechungen Dr. Schachts schnell zu einer Eini­gung gelangt. Hiernach wird die Reichsbank zu- tunftig alle Anleiheanträge deutscher Staaten und Kommunen überprüfen und nur solche Anleihen genehmigen, für deren Zins­zahlung außerhalb Deutschlands Golddepv- 'siten bereitgestellt werden können. An- . leihwi, für deren Zinszahlung und Tilgung Gvld- Vorräte aus Deuts chland herausge- * zogen werden müssen, sollen nicht mehr ?genehmigt werden. Als Folge dieses Ab- ommens sollen Anleihen im Gesamtbeträge von 225 Millionen Dollar, deren Abschluß dicht be- vvrstand, noch einmal neu geprüft werden.

Benesch und die deutsche Minderheit.

Prag, 4. Rov. (TU.) Außenminister Dr. Be­nesch kam in einer Wahlrede auf das deutsch­tschechoslowakische Problem zu sprechen. Die Su­detendeutschen, so sagte der Außenminister, entwickelten im Ausland eine Propaganda, die weder gerecht noch berechtigt sei. Er müsse zugeben, daß die Deutschen in einigen Kleinigkeiten recht hätten. Es handle sich bei den Deutschen aber nicht um einen Existenzkampf, sondern um einen Kampf um die Macht im Staat. Die Frage, wann und wie sichdie Deutschen an der Re­gierung beteiligen würden, könne er als Außen­minister nicht beantworten. Die Voraussetzung aber dafür wäre eine klare Stellungnahme der deutschen Opposition zum Staat. Locarno habe der irreben- tischen Bewegung, den Sudetendeutschen, den letz­ten Stoß gegeben. Andererseits aber könnten die Tschechen den Deutschen nichts Besseres bieten als die in Locarno zustande gekommene Verpflichtung, daß sie von den Tschechen nicht in einen Kampf mit dem Deutschen Reich getrieben würden. Es sei nicht wahr, daß er und seine Partei den Deutschen nach­liefen. Es sei jedoch Pflicht der Tschechen, die na­tionalen Minderheiten für den Staat zu gewinnen.

Beisetzung des Generals Müller.

Dresden, 3. Roo. (WTB.) Heute nachmittag fanden die Beisetzungsfeierlichkeiten für den auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog tödlich verunglückten Befehlshaber der 4. Division und Landeskomman­danten von Sachsen, Generalleutnant Müller statt. Vom Kommandogebäude der Division folgte die Trauerparode dem auf einer Lafette ruhenden Sarge zur Garnisonkirche, wo eine Trauerfeier statt­fand 3m Trauergefolge befanden sich der Ches der Heeresleifung, General von S e e ck t, General von O' B y r n e als Vertreter des früheren Königs von Sachsen, Abordnungen aller Truppenteile der 4. Di­vision und die Spitzen der staatlichen und stadti- schen Behörden. In Tolkewitz erfolgte die (Ein« äscherung der Leiche.

Belgische

Räumungsvorbereitungen.

Bochum, 3. Vov. (DZ.) Die administra­tiven Vorbereitungen der Zurückführung der bel­gischen Truppen aus der Kölner Zone sind in vollem Gange 3n den letzten Tagen weilte eine Kommission des belgischen Kriegsmini­steriums in dem von den Belgiern besetzten Ge­biet der dritten Zone, um mit den Ortsmilitär­

behörden die technischen Vorbereitungen der Räu­mung zu besprechen.

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Vor einem Beamtenstreik in Oesterreich.

W i e n, 4. Vov. (WTB.) Die Bundesbeamten in Oesterreich sind mit der Regierung vor längerer Zeit in Verhandlungen über Gehaltserhöhung eingctreten: die sich in den letzten Tagen wesent­lich zugespitzt haben. Gestern hot der Erekutiv- ausfchuß der Dundesbeamten beschlossen, das An­gebot der Regierung als ungenügend abzuleh­nen und den Beginn des B e a m t e n st c e i k s für den 5. Vovember zu proklamieren. Vom Streik find nicht betroffen die staatlichen Betriebe Eisenbahn, Post und Telegraph, ferner jene Be­triebe, deren Arbeiten für die Bevölkerung lebenswichtig sind, so Polizei, Gendarmerie, Justiz, Aerztc, Apotheker und ein Teil der Zollbeamten. Die Verhandlungen mit dem Bun­deskanzler dauern bis zur Stunde noch an.

Das Blutbad von Damaskus.

Alexandria, 3. Vov. (WTB.) Der Be­richt eines Augenzeugen über Damaskus besagt, daß die französische Angabe, wonach bei der Be­schießung von Damaskus etwa 1200 Menschen getötet wurden, sich nur auf die in den Straßen aufgefundenen Leichen bezog, und daß weitere 400 Leichen in den Häusern vorgefunden wurden. Weiter wird von Reisenden berichtet, daß der Präsident der Handelskammer von Damaskus von einem Senegalsoldaten erschos- s e n wurde, wert er im Besitze eines Revolvers war und der Senegalese den Waffenschein, der ihn dazu berechtigte, nicht lesen konnte.

Der Umschwung in Persien.

Teheran, 4. Vov. (W. T. D. Funkspruch) König Pahlavi (der zum König proüamierte Riza Khan) soll gestern ein Dekret erlassen haben, worin er die Schließung aller Spielhäu­ser nd Braunntweinschenken anordnet und erklärt, seine Herrschaft werde bedeuten: Arbeit und nicht Schauspiel. 3n seinen Ansprachen bei den ersten Empfängen von Abordnungen erklärte der König wiederholt, er werde sofort großzügige Maßnahmen ergreifen, um die Lage des Landes zu verbessern. Ein Ausschuß ist ernannt worden, um die Bestimmungen für die Wahl der ver­fass un g s g eb e n d e n Versammlung zu treffen, die aus 300 Mitgliedern bestehen und alle Klassen der Bevölkerung vertreten soll. Sie soll eine Reform der Verfassung vorbereiten und damit die Absetzung des Schahs und die Ernennung Pahlavis zu seinem Vachfvlger lega­lisieren.

Der preußische Kultusetat Eine Programmrede Minister Dr. Beckers.

Berlin. 3. Vov. Zu Beginn der Sitzung gedenkt Präsident Bartels des Unglücks auf der ZecheHolland" und spricht den Familien der Betroffenen das Beileid des Hauses aus. Das Haus ehrt das Andenken der Verunglückten in der üblichen Weise.

Hierauf wird die allgemeine Aussprache zum Kultushaushalt fortgesetzt.

2wg. Hoff (Dem.) fordert, daß für die höheren Stellen mehr als bisher Republikaner herangezogen werden. Die Deutschnatronalen hät­ten keine Berechtigung, hier über Imparität zu klagen. Heber die Vorgänge bei und nach dem Waffenstillstand müsse die Jugend unterrichtet werden. Die Demokraten hielten an der Veu- orientierung der Lehrerbildung fest, die das Ziel habe, große Charaktere heranzubilden. Der Ver­such des neuen Reichsschulgesehentwurfes, die Bekenntnisschule als Regelschule einzuführen, sei ein Attentat auf die Verfassung.

Kultusminister Dr. Decker

betonte, daß bei allen Völkern des Kontinents gewaltige Umwälzungen in dem geistigen Leben nach dem Kriege zu verzeichnen seien. 3n Deutsch, land seien die Verhältnisse besonders schwierig, weil mit dem Kriegsende die Staatsumwälzung verbunden war. Es sei Pflicht derjenigen, die ihre Ideale erfüllt sehen, brüderlich denen die Hand zu reichen, die ihre Ideale haben zerbrechen sehen. Man könne die Vergangenheit nicht ohne weiteres kulturpolitisch genommen verdammen. Mit rein politischen Maßnahmen sei das kulturpolitische Problem nicht zu lösen. Selbstverständlich dürfe es bei der Kulturpolitik fein Parteischema geben. Alle aufbauenden Parteien müßten Mitarbeiten können. Seit der Revolution sei auf kulturpoliti­schem Gebiete tatsächlich Enormes geleistet wor­den. Jedenfalls viel mehr, als in den 50 Jahren preußischer Kulturgeschichte vor der Revolution. (Widerspruch und Lachen rechts.) Die Ministerien Hänisch und Boelitz würden immer in der preußischen Schulgeschichte eine historische De- deutung behalten. Eine Stellungnahme zum Reichsschulgesetzentwurs lehnt der Minister ab. Er betont nur. daß es nicht möglich sein werde, durch Interpretationen der Reichsverfassung die not» wendigen Grundlagen für ein Reichsschulgeseh zu schaffen.

Die Lebensbedürfnisse des preußischen und deutschen Volkes liegen vor allem darin, daß wir uns richtig gegenseitig die Köpfe einschlagen.

Wir brauchen in Preußen eine gewisse Ruhe für die schulische Entwicklung. Dazu gehört ein klares Reichsschulgeseh. Keine Partei kann die andere zwingen, auf ihren Weltanschauungsboden zu treten. Wir müssen eine Formel finden, wonach die konfessionslose, die konfessionelle und die interkonfessionelle Schule als gleichberechtigt nebeneinander bestehen. Jede Gemeinde hätte dann zu entscheiden, welches System sie auf Grund ihrer besonderen Verhältnisse haben will. Cs mühte ein Weg gefunden werden, um die einheitliche Dildung auf die Volksschule zu über­tragen. Dieser Weg ist gefunden worden durch die neue Lehrerbildung. Zweifellos liegt unsere Kulturpolitik in einer einheitlichen Linie. Vicht nur aus innerer llebcrjeugung bin ich dafür eingetreten, die Idee einer s imultanen Aka­demie zurückzustellen. Ich kann Ihnen klar und deutlich fagen: Diese simultane Akademie wird ein? Akademie für Evangelische, Dissidenten und Juden sein. Einen Katholiken bekommen Sie da nicht hinein. Ich bin bereit, wenn daS Haus be­schließen sollte, neben den drei Akademien, einer katholischen und zwei evangelischen noch eine vierte au errichten, nämlich eine simultane, diesen Vorschlag beim Finanzminister zu befürworten. Ich halte das Verlangen der üniberfi-

tätsbildung für die Lehrer geradezu für eine Gefahr. Cs ist mir ein lebhaftes Bedürf­nis, von dieser Stelle nochmals meine tiefste Sym­pathie mit den beschäftigungslosen Junglehrern kundzugeben. Der Finanzminister ist bereit, zu­nächst eine Million zur ersten Erleichterung der Vot der Junglehrer auszuschütten. Der Minister gedenkt sodann der

schweren Not der Künstler.

Vom Staate aus sei zum Beispiel auf dem Gebiete der Kunstausstellungen alles getan, um hier einzugreisen. Wenn das Publikum nicht hilft, der Staat allein kann es nicht machen. Schließlich wendet sich der Minister den Kon­kordatsverhandlungen zu. Auf dem Ge­biet der evangelischen Kirche sei ganz Erhebliches geleistet worden. Von einer Kirchenfeindschaft könne nicht die Rede sein. Der Minister er­klärte, im Kultusministerium bestehe keine Vor­herrschaft des Zentrums. Von den 144 mittleren Beamten des Ministeriums seien nur sieben Katholiken. Die Zusammensetzung des Mi­nisteriums bedeute eine ganz fabelhafte Benach­teiligung der Sozialdemokraten und des Zen-- trums. Ich bin da von der Rechten gezwungen worden, alle meine Beamten bis in die Pro­vinz hinein auf ihre Parteizugehörigkeit zu prüfen. Zum Schluß seiner Rede erklärte der Minister, es sei zu wünschen, baß gerade in Personalsachen alles vermieden werde, was ge­eignet fei, das Vertrauen zu den Unterrichts­behörden und zur Schulverwaltung zu ge­fährden. Er werde sich weiterhin wie zuvor jeder parteipolitischen Beeinflussung fernhalten.

Abg. Steeg (Völk.) verlangt, daß die Volks­schule ihre Kraft aus der Vergangenheit des deutschen Volkstums nimmt und einer konfessionellen Grundlage nicht entbehrt.

Abg. Kleinspohn (S.) lchnt die Kon­fessionsschule ab und wünscht, daß alle Verbin­dungen, auch die materielle Unterstützung des Staates für die Kirche verschwinden. Er fragt, wie es komme, daß in Schleswig-Holstein ein Vertrag mit der Kirche geschlossen sei, der im völligen Widerspruch mit dem Artikel 146 und 148 der Verfassung stehe.

Abg. Dr. Hoffmann (Dntl.) behauptet, daß Minister Becker nicht unparteiisch seines Aintes walte. Einzig stehe der Fall da, daß ein Minister anrtlich die Parteizugehörigkeit der ihm unterstellten Beamten seslstellt. Auch die Deutsch- nationalen wünschen, daß Parteigeist von den Hochschulen fern gehalten werde. Etwas völlig anderes fei aber die Verehrung ber Studentenschaft für die großen Männer un­seres Volkes und für unsere große Vergangenheit.

Minister Decker betont, es sei vorgekommen, daß der Studentenschaft Geld für den politischen Kampf angeboten worden ist. Sie habe es aber in ihrem Reinlichkeitsgefühl abgelehnt. (Hört! Hört links.)

Abg. Dr. Linn eborn (Z.) meint, die katholische Kirche habe noch nicht ganz die Frei­heit erlangt, die ihr die Reichsverfassung ge­währleistet . Das verlorengegangene Privat- vermögen der Klöster und so weiter habe zirka eine Milliarde betragen, die dem Staatsvermögen zufiele. Anträge auf Befrie­digung der notwendigen Kirchenbedürfnissen dürf­ten daher nicht aus Gnade, fonöern müßten aus Gründen der Gerechtigkeit berücksichtigt werden.

Abg. Dr. D v e l i tz (D. Dp.) erllärt, er habe niemals einen Hehl daraus gemacht, daß er auf dem Boden der konfessionellen Schule stehe. An dem System der Simultanisierung der höheren Schulen müssen festgehalten werden.

Abg. Graue (Dem.) lehnt den Mißbrauch der Kirche zu parteipolitischen Zwecken ab, wie er jetzt beim Stahlhelm mitunter betrieben werde. Es sei Schuld der Sozialdemokraten, daß die Kirche durch Weimar erhöhten Einfluß auf die Schulen erlangt habe. Die Kirche müsse mit sozialem Geist durch­tränkt und zu einer wahren Volkskirche umgestaltet werden.

Weiterberatung Mittwoch.

21115 aller" Welt.

Jahrhundertfeier der ungarischen Akademie der Wissenschaften.

Budapest, 3. Vov. (WB.) Die ungarische Akademie der Wissenschaften beging heute ihre Jahrhundertfeier unter Teilnahme der Spitzen des Landes, des diplomatischen Korps und der Delegierten der Schwesterinstitute aus fast ganz Europa. Vach der Festrede des Präsidenten Der- zewicze entbot der Reichsverweser den Gruß der ungarischen Vation und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß so viele Lan­der, durchdrungen von dem Wunsch geistiger Zu­sammenarbeit, ihre Vertreter in so großer An­zahl entsandt hätten. Sodann überbrachten die ausländischen Gäste die Grüße ihrer Auftrag­geber. Im Vamen aller deutschen wissenschaft­lichen Vereinigungen sprach u. a. Prof. Max Grubner, Berlin.

DerTrompeter von Divnville" gestorben.

In Wesel ist der alsTrompeter von Vivnville" aus dem Krieg 1870/71 bekannte Schreimermeister Gerhard D o ß m a n n im Alter von 79 Jahren gestorben. Vor einiger Zeit konnte Dohmann seine goldene Hochzeit feiern.

Traurige Folgen eines Betruges.

Am Montag war der Arbeiter Weykoff in seiner Berliner Wohnung durch Gas vergiftet tot auf» gefunden woroen. Anfänglich hatte man ver­mutet, daß Weykoff von seiner Frau ermordet wor­den ist. Die polizeilichen Ermittlungen haben jedoch ergeben, daß Weykoff durch eigenes Verschulden ums Leben gekommen ist. Er hatte sich ein System er­dacht, durch das er Gas unter Umgehung der Gasuhr bezog, und dem er zum Opfer gefallen ist.

Aufdeckung eines Rvmergraoes bei Kreuznach.

In G e b r o t h bei Kreuznach ist ein Rörner- grab, das wahrscheinlich aus dem ersten Jahr­hundert nach Christi stammt, aufgedeckt worden. Veben einem eimerartigen Sandsteingefäß mit Glasurne, einem Kupfertäfelchen und einem Kupfernagel wurde auch ein in Sandstein ge­hauenes Brustbild, das wahrscheinlich eine Göttergestalt darstellen soll, gefunden. Weitere Ausgrabungen sollen im kommenden Frühjahr stattfinden.

Wettervoraussage.

Heiter bis wolkig, westliche, zeitweise auch nördliche Luftströmung, tags milder, nachts stär­kere Abkühlung bis zur Frostgefahr, nur ver­einzelt leichte Viederschläge. doch vielfach Vebcl- bildung.

Ein Teiltief hat sich von dem großen Fall­gebiet im Westen abgelöst und seinen Weg über England nach Südskandinavien genommen. Seine

Ausläufer haben gestern gegen Abend und nachts stärkere Viederschläge bewirkt. Vach vorüber­gehender Aufklärung wird erneut starke Be­wölkung eintreten.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 14,8, Minimum 10,5 Grad Celsius. Viederschläge: 14,6 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 11,2 Grad Celsius.

Aus der provinZialhauptftadt.

Gießen, den 4. Vovember 1925.

SLeuerfLMgkeiten im November

Im Monat November werden folgende

Steuern fällig:

5. November: Lohnsteuer für die Zeit vom 21.-31. Oktober einschl. der für die Zeit vom 1.10. Oktober bzw. 11.20. Oktober einbehal- tenen, noch nicht abgeführten Beträge ohne Rück­sicht auf deren Höhe.

10. November: Umsatzsteuer Vorauszahlung. 1 Proz. des Umsatzes für den Monat Oktober.

15. November: Lohnsteuer für die Zeit vom 1.10. November, sofern der Gesamtbetrag mehr wie 50 Rm. beträgt.

15. November: Kirchen-'' Imb Kultus- fteuern der Landwirte und Gchalts- bzw. Lohn­empfänger (Arbeitnehmer). 3. Rate für Rj. 1925 auf Grund der seinerzeitigen Steuerbescheide. Vermögenssteuervorauszahlung 2. Rate 1925 in Höhe von einem Viertel der Jahressteuerschuld 1924. Für diejenigen Steuerzahler, die bereits auf die Vermögenssteuer 1925 zwei Raten gezahlt haben, kommt eine Zahlung am 15. d. Mts. nicht mehr in Betracht. Staatliche Grundsteuer 3. Ziel Rj. 1925 und staatliche Gewerbesteuer vom Anlage- und Betriebskapital 2. Ziel Rj. 1925 ge­mäß der im August 1925 zugestellten Steuerbe­scheide. Beide Abgaben find auf diesem Bescheid vereinigt.

2 5. November: Lohnsteuer für die Zeit vom 11. bis 20. November, sofern der Gesamtbe­trag für genannte Zeit oder mit den für die Zeit vom 1.10. November einbehaltenen und noch nicht abgeführten Betrögen, zusammen mehr als 50 Rm. beträgt.

Mit Ausnahme der Lohnsteuer können die auf« geführten Abgaben noch innerhalb der sieben« tägigen Schonfrist ohne Zuschläge gezahlt werden.

Eine vierwöchige Stenerstnndung.

. O Durch Verordnung vorn 28. Okt. hat der Reichsminister der Finanzen folgendes bestimmt:

Für Einkünfte aus dem Betrieb von Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und sonstiger nichtgewerblicher Bodenbewirtschaf- tung sind die Einkorn men st euervoraus» Zahlungen nicht bis zum 15. Vov. 1925, son­dern erst bis zum 15. Dezember 1 925 zu ent­richten.

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch Stadttheater ?i/2 TlhrDer Familientag" «Ende 10 älhr). Reichszentrale für Heimatdienst: 8 115 r, Reue Aula der Universität, Vortrag. Deutschnationalev Handlungsgehilfen-Verband: 81/2 -Uhr »Kaufmännisches Dereinshaus" Monats­versammlung. RadklubGermania": 8V2 Uhr Vereinslokal Monatsversammlung. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße: Filmflirt". Astoria- Lichtspiele:Dämon der Landstraße".

Reit- und Fahrklub Gießen. Morgen, Donnerstag, nachmittag Jagdzeiten. Man beachte die heutige Anzeige.

Deutscher Bund für christlich- evangelische Erziehung. Donnerstag Familienabend. Väheres im Anzeigenteil.

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** D i e Wahlvorschläge zur Provin- z i al t a g s w a h l werden im neuesten Amtsoerkün- digungsblatt veröffentlicht. In der amtlichen Reihen­folge find bie' Wahlvorschläge wie folgt festgestelll: 1. Zentrumspartei (Spitzenkandidat Rechtsanwalt Theodor Schröder-Friedberg): 2. Sozialdemo­kratische Partei (Landtagsabg. Anton 13 u r -Nieder- Florftadt): 3. Deutsche Demokratische Partei (Justiz­rat Dr. h. c. Heinrich R e h - Alsfeld): 4. Deutsche Dolkspartei (Präsident des Landgerichts der Pro­vinz Oberhesfen Ludwig Neuenhagen - Gie­ßen); 5. Vereinigte Stadt- und Landliste Deutsch- nationale Volkspartei und Hessischer Bauernbund im Kreise Gießen (Landwirt Wilhelm Fenchel- Ober-Hörgern); 6. Vereinigter Wahlvorschlag Hes­sischer Landbund und Deutschnationale Volkspartei im Kreis Alsfeld (Landwirt Karl Hesse- Otter­bach); 7. Vereinigter Wahloorschlag Hessischer Land­bund Deutschnationale Volkspartei im Kreise Bü­dingen (Landwirt Gustav M 0 g k I.-Grund-Schwal- heim); 8. Vereinigter Wahlvorschlag Hessischer Landbund und Deutschnationale Volkspartei im Kreise Friedberg (Landwirt Karl Breidenbach- Dorheim); 9. Vereinigter Wahlvorschlag Hessischer Landbund und Deutschnationale Volkspartei im Kreise Lauterbach (Bürgermeister und Landwirt Friedrich I 0 st - Bermutshain; 10. Vereinigter Wahlvorschlag Hessischer Landbund und Deutsch- nationale Volkspartei im Kreise Schotten (Land­wirt Theodor C e l l a r i u s - Schotten); 11. Ein­tracht (Metzgermeister u. Bürgermeister K. V öl- z i n a !.°Ruppertenrod); 12. Evangelische Volksge­meinschaft (Bürgermeister Theodor Volke r-Lich); 13. Kommunistische Partei (Schneider IakobSchä- f e r - Bad-Nauheim, 14. Mittelftandsvereiniqung (Kaufmann Alexander Ringel-Gießen); 15. Bür- lerliche Partei' (Schlossermeister Wilhelm Adam Heß- Friedberg). Die Wahlvorschläge 1, 4, 5, 6, 7, 8, 9 und 10 sind einfach, die Wahlvorschläge 5, 6, 7, 8, 9 und 10 sind eng miteinander verbunden.

" Zur Ablösung der Markanleihen der Gemeinden und Gemeindever­bände. Durch Bekanntmachung des hessischen Ministers des Innern vorn 8. Oktober ist die Treuhänderstelle für die Ablösung der Mark­anleihen der Gemeinden und Gemeindeverbände errichtet. Die Treuhänderstelle ist nur zur Wah­rung der Rechte der Anleihegläubiger von hessi­schen Gemeinden und Gemeindever­bänden befugt. Anträge wegen der Auswertung von Reichsanleihen und den ihnen gleichgestell­ten Länderanleihen sind nicht an die Treuhänder­stelle, sondern an Sparkassen, Danken, Genossen­schaften usw. zu richten. Von den Besitzern sonsti­ger Länderanleihen und den Besitzern von An­leihen von Gemeinden und Gemeindeverbänden sind zur Zeit noch keine Fristen zu wahren. Es sind insbesondere die Fristen zur Anmeldung von Gemeindeanleihen noch nicht gesetzt. Es emp­fiehlt sich für die Besitzer von Gemeindeanleihen, die demnächst noch erfolgenden Bekanntmachungen abzuwarten.

** Die Hegezeit für Hasen. Das Hess. Ministerium des Innern hat denSegfnn