Nr. }28 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) vsiinerstag, 4. Juni 1925
DieFrnanzlagedesReiches
Von Dr. Carl Cremer, M. d. R.
Das Finanzjahr 1924 hat mit einem lieber, schuf; von mehr als 1* Milliarden Goldmark ab* geschlossen, der bekanntlich im wesentlichen durch Einholung von Steuern und Abgaben über das Mai; des lausenden Bedarfs hinaus erwachsen ist. Diese Tatsache hat in weiten Kreisen der Bevölkerung zu der irrigen Ausfassung geführt, daß das Reich auch weiterhin mit derartigen Einnahmen rechnen dürfe, und den Klauben erweckt, daß heute die Möglichkeit bestehe, ganz erhebliche dauernde Mehraufwendungen für eine Reihe wichtiger sozialer und kultureller Zwecke zu machen. Hierbei wird aber übersehen, dos; das Anziehen der Steuerschraube in dem Maße von 1924 zu einer durchaus un« erträglichen Belastung der Steuerzahler im alb gemeinen und der Wirtschaft im besonderen geführt hat, und daß die augenblickliche Lage unseres Erwerbslebens zu einem großen Optimismus keinerlei Anlaß gibt. Strikteste Sparsamkeit ist vielmehr nach wie vor geboten, insbesondere auch bei den Ländern und den Gemeinden, die großenteils dos Jahr 1924'25 nicht in genügendem Umfange zur Herabminderung ihres Ausgabenbedarfs verwandt haben. Manche Städte sind vielmehr mit schlechtem Beispiel vorangegangen, indem sie die reichlichen Einnahmen von 1924 zum Anlaß außerordentlich großer Neuanlagen genommen haben, während es an der Zeit gewesen wäre, im Interesse der Wirtschaft diese ausnahmsweise hohen Einkünfte als Reserven zu behandeln und sich dadurch nicht in dem notwendigen Abbau ihrer Berwoltungsein- richtungen behindern zu lassen.
Die augenblicklich zur Erörterung stehende Steuerreform wird allem Anschein nach keineswegs zu einer Erhöhung bei Reichseinnahmen führen, wenn auch ohne Zweifel manche Schätzungen des Reichsfinanzministeriums über das voraussichtliche Steueraufkommen hinter der Wirklichkeit zurück- bleiben Es darf wohl erwartet werden, daß die Einnahmen, die aus Zöllen und Verbrauchs- fteuern erwartet werden, auch ohne eine Erhöhung der Tabak- und Biersteuer ganz erheblich die veranschlagte Summe von 1,408 Milliarden übersteigen. Die Tabaksteuer hat in den letzten Monaten regelmäßig fast 50 Millionen Mark ergeben, auf das Jahr also etwa 80 Millionen Mark mehr, als der Finanzminister annimmt. Die Biersteuer dürfte bei der zu erwartenden Steigerung des Konsums einen nicht unerheblichen Mehrertrag bringen, wenn man dos Brauereigewerbe zunächst steuerlich in Ruhe läßt. Die Zolleinnahinen, welche nur auf 340 Millionen Mark geschätzt sind, haben im Durch- schnitt der letzten Monate |e 40 Millionen ergeben und müßten infolge der Zolltarifnovelle vom 1.8. ob darüber hinaus sich steigern.
Aber diesen wohl m Rechnung zu stellenden Mehreinnahmen stehen nicht unerhebliche Mindererträge gegenüber, mit denen man sowohl bei der Einkommensteuer, als bei der Umsatzsteuer wird rechnen müssen, wenn die Absichten der Reichstagsmehrheit, hier erhebliche Steuernachlasse zu gewähren, verwirklicht werden. Im übrigen ist angesichts des Mangels zuverlässiger Schützlings- unterlagen aus dem Vorjahre die Schätzung der Einnahmen naturgemäß überhaupt außerordentlich schwierig, und ein unberechtigter Optimismus müßte sich schon im Laufe des Jahres 1925 schwer bestraft machen Das gesamte Aufkommen an Reichseinnahmen wird man voraussichtlich auf etwa 7 Milliarden Mark schätzen dürfen: dazu kommen 2,6 Milliarden als Aufkommen an besonderen Steuern der Länder und Gemeinden, was eine geiamtsteuerliche Belastung von fast 10 Milliarden für 1925 bedeuten wird also ungefähr 30 Prozent des gesamten Nationaleinkommens.
Die haushaltmäßigen Ausgaben des Reiches für 1925, in welchen zunächst etwa 2300 Millionen Steuer Überweisungen an Länder und Gemeinden veranschlagt sind, betragen einschließlich der bisher vom Reichstag bewilligten Mehrausgaben erheblich mehr als 7 Milliarden. Der Reichshaushalt kann also nur dann ins Gleich- gewicht gebracht werden, wenn der Fehlbetrag entweder durch eine Anleihe oder durch Ueberschüfse des Vorjahres gedeckt werden kann. Die Aussichten, eine Anleihe zu erlangen, sind naturgemäß heute für das Reich recht gering, obwohl finanzpolitisch cs durchaus zulässig, ja sogar notwendig wäre, Ausgaben für werbende Zwecke, die der Zukunft zugute kommet;, durch Anleihen zu decken, anstatt die Gegen- wart mit ihnen voll zu belasten. Die aus dem Vorjahr verbliebenen Ueberschüfse sind großenteils erforderlich, um die endgültige Abwicklung von Ver- pffichtungen des Reiches durchzufuhren, die aus der
Der große Tag der Heilten Adler.
(3U1U Deutschen Rnndftng.)
Die Philologen des Fliegerjaig'nZ sind sich noch nicht darüber einig, ob man für die Fortbewegung in den großen Lusiverkehrsomnibus en die Bezcichnung .fliegen" zulassen soll, oder ob das nicht vielmehi. lediglich eine Abart bei ganz gewöhnlichen, spießbürgerlichen Fahrens ist. lln- bedingt einig sind sie sich jedenfalls darüber, daß jene Art des Fliegens in Anführungsstrichen „nicht die wahre Liebe" sei. So herrschte denn am Deutschen Rundflug Pfingstsonntag eitel Freude und Genugtung im ganzen Fliegerlager über die Möglichkeit, den biederen Erdenbürgern wieder einmal in ganz großem Stil zeigen zu können, was es heißen will, „einen richtlgen, sauberen Knüppel zu fliegen". Alle alten Frontadler, die in Berlin und ilmgegent) horsten, hatten sich eingefunden und schickten die alten und jungen Brüder von der Zunft mit taufend heißer Wünschen auf die Reise.
Die erste Sensation des Tages war für viele saufende zweifellos die Tatsache, daß es um 3 Tlhr bereits lichter Tag war. Jedenfalls wurde verschiedentlich der Verdacht gtäuhert, die Sonne sei aus reiner Sensationslüsternheit ein paar Stunden zu früh aufgegangen. Es gab ja aUerdmgs auch Erstaunliches zu schauen. Zwerge von Flugzeugen, mit einem Motorchen, dessen sich jedes kümmerliche Auto schämen würde, mit einem Fünfzehntel, ja einem Zwanzigstel der Pferdekräfte, mit denen man an der Front zu fliegen gewohnt war, schickten sich an, auf die 1000 Kilometer lange Reise zu gehen.
Berlin feierte diesmal Pfingsten auf dem Tempelhofer Feld. Man hatte sich gleich von vornherein häuslich niedergelassen, wovoo die Tatsache zeugen mag. daß am Pfingstmontag früh nach nur ganz oberflächlicher Säuberung des riesigen Zuschauergeländes etliche Lastwagen voll — StuNcnpapier abgefahren werden muhten.
Kriegs- und Inflationszeit noch schweben-, außerdem bedürien die Betriebsmittel bee Reiches genügender Auffüllung. Für laufende Ausgaben des Jahres 1925 stehen sonach ebenfalls nur begrenzte Beträge zur Verfügung, über deren Höhe die Auf- faffungen freilich auseinandergehen. Es leuchtet aber ohne weiteres ein, daß es gefährlich wäre, mit Rücksicht auf die Ueberschüfse aus 1924 über das Jahr 1925 hinaus Verpflichtungen dauernder Art zu begründen, für die vom 1. April 1926 ab jedenfalls keine Deckung mehr vorhanden ist.
Aus allen diesen Umständen erklärt sich die von dem Hauptausschuß des Reichstags grundsätzlich.gebilligte Forderung des Reichsfinanzministers nach äußerster Sparsamkeit und nach Durchprüfung der schon beschloßenen Bewilligungen unter diesem Gesichtspunkt. Erst im Lause des Jahres 1925 wird sich besser überblicken lassen, wie sich die wirkliche Finanzlage des Reiches gestaltet, und deshalb müssen wichtige Fragen in die zweite Hälste des Haushaltsjahres zurückgestellt werden, ehe man sich über sie entschließen kann. Eine derartige Behandlung des deutschen Finanzprvblems wird nicht nur durch die notwendige Rücksicht auf die Bedürfnisse der Wirtschaft gerechtfertigt, sondern dient letzten Endes zugleich auch dem ruhigen Fortschritt der Arbeit an den Interessen der Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege. Es würde ein unermeßliches Unglück für weiteste Schichten der Bevölkerung nach sich ziehen, wenn hier eines Tages durch eine Finanzkatastrophe des Reiches neue Unsicherheit oder der Zusammenbruch mühsam geschaffener und aufgebauter Einrichtungen oer- ursacht würde. Don großer Bedeutung ist außerdem die Rücksicht auf die deutsche außenpolitische La ge, die es nicht verträgt, daß die Reichsfinanzen während der durch den Dawesplan vorgesehenen Schonzeit in erneute Unordnung geraten, weil hierdurch das Vertrauen zu dem festen Willen Deutschlands, aus eigener Kraft feine inneren Verhältnisse zu ordnen, aufs schwerste erschüttert werden müßte.
Alle Schichten des Volkes müssen diesen Verhältnissen gebührend Rechnung tragen und das nötige Verständnis dafür aufbringen, daß bei aller sachlichen Anerkennung und Hilfsbereitschaft für die unendlich vielen großen Ausgaben auf dem Gebiete der Kulturpflege und der Förderung des sozialen Fortschritts die von Verantwortungsgefühl erfüllten Parteici' des Reichstages sich in ihrem Gewissen oerpHirhtet fühlen, den Weg der Vorsicht und Sparsamkeit nicht zu verlassen.
Südamerika als Auswanderungsziel.
Don Preuße-Sperber, Hamburg 5. Geschäftsführer des „Reichsverbandes d?utscher Auswanderer e D."
Wer Südamerika heute als Auswanderungs- ziel behandeln will, muß sich von vornherein auf Südbrasilien, Argentinien, Teile von Paraguay und Uruguat) beschränken. Alle übrigen Länder Süd- und Mittelamerikas, Mexiko eingeschlosfen, müssen kurzerhand heute noch als nicht einwanderungsreif bezeichnet werden
Don dtn deutschen Auswanderern ist eZ eine völlig verkehrte Ansicht, wenn sie annehmen. daß jene Neuländer für all und jeden Gelegenheit bieten, voranzukommen. Jeder, ganz gleichgültig, wer es auch sein mag. muß sich vor allen Dingen darüber klar werden, daß Auswinderu gl ich'ee- deutend mit Entbehren und Entsagen bei harter Arbeit ist. Außerdem s,nd aber zur Auswanderung nur Menschen geeignet, die nicht nur an Leib und Seele, fonbern auch eine gute P rtion Selbständig- k i und W gemat b.sizcn Schwächl nge Besserwisser oder solche, denen all und jede Arbeit ein Greuel ist, passen nicht für das Ausland und erleiden kläglich Schiffbruch.
Dem deutschen Durchschnitts-Industriearbeiter muß von einer Auswande ung dringend abgeraten werden. Die Industrien der Reuländer s nd anders geartet und noch lange nicht genügend entwickelt, so daß er seine Spezialkenntnisse dort weder anwenden kann, noch dementsprechend bezahlt wird.
Kaufleute und alle übrigen Geistesarbeiter, ohne umfangreiche Sprach- und Landeskenntnisse, können ebenfalls nicht hoffen, in den Reu'ändern lohnenden Verdienst zu finden.
Dahirg-g-.n finden gut? Handwerker, die ihr Fach von Grund aus verstehen uns ßwer lohaenden Verdienst. Handwerker, die über die notipenbige Selbständigkeit verfügen, finden, sobald sie mit I den Landesverhältnisfen erst genügend vertraut
Man ließ sich auch nicht stören, als gegen 6 Llhr früh ein kleiner Regenschauer niederging — irgendwo gab es immer ein paar Helle, blaue Fetzen am Himmel, die rasche Aufklärung versprachen, die denn auch bald eintrat. Alsbald belohnte sich das standhafte Ausharren. Die Konkurrenzflugzeuge waren zum größten Teil gestartet und die Kunst- und Schaufliegerei tarn an die Reihe, ilnbefümmert um den heftigen Wind exerzierten Heinze und Schüler auf den fokkerähiilichen Reklameflugzeugen der Schokoladenfirmen Mauxion und Trumpf das ganze Reglement der Kunstfliegerei mit allen Finessen durch Die Hunderttaufende waren eigentlich müde, wollten eigentlich pennen, aber jedesmal wenn sich eins von den Flugzeugen mit kühnem Anlauf sonnenwärts schwang, um über die Rückenlage in sausendem SturzUug niederzu- brausen, blinzelten neidvoll und bewundernd hunderttausend Augenpaare zu dem eleganten Vogel empor. Schließliech pennte man aber doch. Denn über Mittag hatten die Flieger — soweit sie nicht unterwegs waren — Ruhe. Dann um 2 Llhr heulte die Sirene vom Flugleitungspavillon dem ersten heimkehrenden Apparat entgegen. Bald schwangen sich auch di? Kunstfl eger wieder iw die Lüfte und umkreisten beglüclw m'chend die in immer kürzeren Abständen Hrimkeh. enden. Zwischendurch lieferten sich die bereits genannt?n Kunstflieger einen zünftigen Luftkampf, bei dem nichts als das Knattern der Maschinengewehre fehlte. Leichtbeschwingt, wie spielende Schwalben schossen sie umeinander herum, ließen sich abrutschen, entwichen einander in kühnem Looping.
Bei jedem Aufheulen der Sirene wendeten sich alle Blicke gespannt nach Südwesten Man freute sich so oft einer zurückkam. Gewiß, aber eine leichte Enttäuschung war es jedesmal doch, wenn der Ankömmling nicht die weißbemalten Steuerflächen, das Kennzeichen der kleinsten Klasse trug. Man sorgt? sich um diel? kühnen, kleinen Adler. — Sie kamen zwar am ersten Tag nicht zurück- Aber 4 t>on den 7 dieser Aller
sind, umcbtoci auch O I genheit, sich in Ihrem Berufe selbständig z: mach? i
Am günstigsten lug i die Verhältnisse ‘ur den Landwirt, der in jenen Ländern als selbständiger Siedler sein Dorwärtsk nvnei sucht. Ohne Kapital kann allerdings auch d e e? nittzt hoffen, v ranzukommen. Immerhin kann d ? r ch- tige Mann in jenen Ländern bei Anso.uchs- losigkeit und Sparsamkeit damit rechne v da' er mit einem Kapital von 2003 Mark in Südbrasilien 3000 Mark in Rordargcntinien und Paraguay und mit 4000 Mark in Uruguay sich ein? neue lobenswert? Existenz zu erringen imstande ist.
Aber nicht jeder trugt zum ülrwalrkolmisten. Viele deutsch? Auswanderer, die sich i i Deu Ich- land nicht einmal getrauen, einen Blumen.opf alleine au verpflanzen, gehen heute hinaus, um ilrtoalbficbler zu werden. Daß all diese ihr Ziel nicht erreichen, ist ganz selbstverständlich. Meist kehren sie daher auch schon nach kurzer Zeit als Enttäuschte zurück, schimpfen bin i auf das „Afsenland', das sie so schwer enttäuscht hat, ohne sich klarzumachen daß nicht das Lau) s-n dem sie selbst die Schuld an ihrem Unglück tragen.
Der Hauptfehler der heutigen deutschen Auswanderer ist der, daß die Mehrzahl unberaten auswandert. Zumeist wissen sie von drin Aur- lanbc wenig und gar nichts. Gut 70 Prozent der heutigen deutschen Auswanderer sind für das Ausland nur deshalb ungeeignet, to.il f c unberaten hinausgehen und in ihrer Weltfremd! üt Phantasien nachjegen. Auf dieser Weltfremdh'it der deutschen Auswanderer berußen auch die Dielen Gründungen von Auswandervereinen Dir weitaus größte Mehrzahl dieser Vereine ist daher auch eine direkte Gefahr für die ihnen ange- schlossenen Mitglieder. Zum ist liegt die Leitung solcher Vereine obendrein noch in den Händen von Personen, die selbst nie im Auslande gewesen find, geschweige dort praktische Erfahrungen gesammelt haben und daher in laienhafter Slümperarbeit lediglich Zeit und Geld vergeuden. Durchweg vtrs.g n d -her auj) alle diese Vereinigungen und Organ sationea, sobald -'s an die praktische Ausführung der Bläne ght. Di? Mch.z h d'.cs r V rein? ve.kracht < uch früh r oder später elendiglich Ich hab? in mei. e umfangreichen Tätigkeit in der Auswanderung auch noch nicht einen Verein kennengelernt der fein Ziel erreicht hätte.
Gestützt auf meine langjährigen praktischen Erfahrungen halte ich daher alle Auswanderungsvereine für zwecklos und sogar für direkt schädlich, sofern sie ihre Tätigkeit über den Rahmen einer zweckdienlichen Beratung ausdehnen. Daß eine solche Beratung nur von einem wirklich praktisch erfahrenen Auslandskenner erfolgreich ausgeübt werden kann, ist ganz selbstverständlich.
Reichstagung der Evang. Volksgemeinschaft.
Am Dienstag fand im Gasthof Hindenburg Hierselbst die Reichstagung der Evang. Dolksgemeinschaft statt. Diese Vereinigung macht es sich zur Aufgabe, die Sach? des evangelischen Glaubens und der evangelischen Kirche dem Staat und anderen Religionsgemeinschaften gegenüber zu vertreten.
Die Haupttagung wurde eröffnet durch ein gemeinsames Lied „Ein feste Burg ist unser Gott" sowie durch Schriftlesung und eine Ansprache von Pfarrer Laut, Ridda, der auf die Gefahren und Röte der evangelischen Kirche hinwies. Gr schilderte kurz den Zweck der Tagung, die Aufgaben der Volksgemeinschaft und erwähnte, daß nur von dem Mutterboden evangelischen Christentums unserem Volke die Kraft zugesührt werden könne, die es zur Wiedergesundung brauche.
Rach kurzer Begrüßung der Erschienenen durch Lic. R a u n i n , Wanne, der zunächst die Verhandlungen leitete, machte Pfarrer Weidner, Ober-Lais, einige geschäftlich? Mitteilungen. Er empfahl, mit Organisationen, die ähnliche Ziele verfolgen wie die Evangelische Volksgemeinschaft, z. B. dem Christenbund, der christlich-sozialen Volksgemeinschaft usw. in Fühlung zu treten. Der Redner gab dann weiter einige Stimmungsbilder über die Bewegung, der es auch nicht an Gegnern fehle.
Zu seinem Referat „Politik und Religio n" Übergehend, wies er zunächst darauf hin, daß der evangelischen Sache ernste Gefahren drohen. Er streifte die Verhältnisse in der hessischen Regierung und im Landtag, wo es durch den außerordentlichen Einfluß des Zentrums möglich
kleinsten haben es doch geschafft, während im Ganzen von den 52 gestarteten Maschinen 35 die erste Etappe glücklich bezwunegn hatten.
Polarforscher-Schicksale.
Der Sturm auf den Rordpol ist in diesem Sommer von fünf verschiedenen Expeditionen unternommen worden, und das größte Aufsehen begleitet den Flug des Kapitän A mundsen, um dessen Schicksal man bereits besorgt ist. Zn den letzten 1O0 Jahren sind im Kampf um die Eroberung der beiden Pole gegen 1000 Menschenleben geopfert worden, und leit vor 400 Jahren Sebastian (Sabot den ersten Bericht über die Erreichung der Polarzone lieferte, hat jede Expedition, Die nach diesen Eiswüsten aufbrach, ihren harten Tribut an Entbehrungen und Gefahren zahlen müssen.
Die größte aller Polartragödien, die sich ereignet haben, war wohl die. die die dritte Expedition von Sir John Franklin auf der Suche nach der Rordwest-Pasfage traf. Der Führer, der mit den Kapitänen Crozier und Fihjames und 138 Mann am 18. Mai 1845 auf den Schiffen „Erebus" und „Terror" abregelte, ging mit allen Teilnehmern zugrunde. 15 Hilfs- expeditionen wurden von England und Amerika ausgerüstet, und man stellte fest, daß Franklin wahrscheinlich am 11. Juni 1847 gestorben sei, sein Bericht der Entdeckung der Rordwestpassage wurde erst 1859 in einer Zinnbüchse neben einem Steinhaufen entdeckt. Heber das Schicksal des schwedischen Polarforschers Andre und seiner beiden Begleiter Strindberg und Fränkel, die im Juli 1897 den Rordpol in einem Ballon zu erreichen suchten, ist bis heute tiefes Dunkel gebreitet. Bojen, die vom Ballon herabgeworsen worden waren, wurden aufgefunden. Rachrichten von der Entdeckung eines zerschmetterten Ballons kamen aus Sibirien unb aus dem Polarkreis: andere Geschichten wurden von Eskimos erzählt, die „ein Haus vom Himmel hatten fallen sehen"
gewesen I i hohe Beamt. nueUen im Ministerium mit Persönlichkeiten ;u besetzen, die noch nicht
Px ifung abgelegt hatten Er kam dann weiter auf den Verkauf des Schlosses Jlbenstad' durch den hessischen Staat zu sprechen und bracht? sein Bedauern darüber zum Ausdruck, daß in der echt evangelischen Wett, rau ein JesuitenNoster cr- sondern auch die Rechtsparteien versagt. Auch in Starkenburg hab? sich der starke Einfluß des Zentrums gefügt, indem trotz des Widerspruchs der cv.neaelischen Bevölkerung auf einmal drei SchulratZste'Ie' an Zentrums.'eate vergeben htorbm seien. Der Redner belrrach dann noch kurz d'n Verlauf der Staats r'isib?ntentoahl und ihr- Bealeiterscheinungen. Weiter referierte er. an Stelle des in letzter Stunde verhinderten Lehrer Kempf, R i t enberg, über' das bayerisch Konkordat. Er zeigte an einer Reihe von Beispielen die Auswir'una dieses Vertrags und den außerordentlichen Einfluß den die tatbo- lische Kirch" in staatsrechtlicher Hinsicht ausübt. Obwohl in Bayern zwei Fünftel der Bevölkerung evara"lisch seien, müsse die evangelische Kirche aegenüfc •. der katholischen, auch in finanziellen Fraaen, m i zurücksteh'n Zu seinem ersten Referat zurück! brend. widersprach der Redner der vielfach vertretenen Auffassung. Poli'ik und Religion leien Gegensä",e. Er ist vielmehr der Ansicht. daß Politik und Rcl gion zusammengebören. Es fei nicht richtig, zu verlangen, daß der Geistliche sich nur um religiöse Ding? kümmere. Sozial^ und wirtschaftlich' Preblem? könnten ohne R i qion und Gott nicht griört werden. In dieser Hinsicht müßten di' Gvanaelischen Dorn- Zentrum lernen, da? nur deshalb eine solch? Macht habe, w il arbeite und sich um die sozialen Verhältnisse kümmere D -. Kampf sei außerordentlich schwer, denn es f hlten vor allem die erforderlichen Mittel, trotzdem bestehe bcarünbete Hoffnung. daß Diele evanaRische Volksgenossen sich d'r Evangelischen Delksg'meinschafl an schließ en würden.
Der nächste Redner. Düricrmeister Völker. Lich. sprach über das Tkwma: „Warum mußte die Evangelische Volksgemeinschaft gegründet werden?". Er führte etwa folgendes ans: 2lls nach der Revolution eine Umbildung der politische Parteien stattgesund'n bät e wurden vielfach S'imme.i laut dahingehend, daß es an einer politischen Organisation fehle, welche die evanaelischen Belanae voll und ganz vertrete. Es fehlte ein evangeli- sch's Zentrum. Dieser Mißstand habe sich auch in den letzten Jgbren außerordentlich bemerkbar a-nnacht. Die katholische Kirch' habe feit dem Kriege gewonnen, die evangelische dagegen verloren Es sei auch für die evangelisch? Kirche bittere Rottoendigkcit. dafür zu sorgen, daß sie auf das Ttaatsl'ben Einfluß gewinnt. Dringend erforderlich sei die Schaffung einer evangelischen Parin. der jedoch die Staatsform nicht als Hauptsache gilt. Schaffen wir eine evangelische Partei, dann wird evangelischer Geist unser Volksleben durchdringen. Di? katholische Kirche habe groß' Macht und außerordentlichen Einfluß. von ihr können wir lernen. Leider seien unsere evangelischen ©hub'n^n moffen noch viel zu lau und zu träae. Wir dürfen nicht einen Trennunasstrich ziehen zwischen Religion unb Politik. Es bade sich gezeigt, daß die bestehenden Parteien nicht in der Lage seien, die Interessen der evangelisch'n Kirche und des evangelischen Volkes voll und ganz zu wahren, deshalb sei ein Zusammenschluß aller Evangelischen in der Evan- g lischen Dolksgemeinschaft dringend notwendig.
Pfarrer Hamburger, Staden, der über das gleiche Th'ma sprach, gab zunächst ein Bild über die Geschichte des Protestantismus und dessen Stellungnahme zur Politik. Er schilderte weiter das Dcrhalten Luthers zur Politik. Die katholische Macht fei von jeher eine politische Macht, sie fei verbreitet über d'e aanze Welt. Redner zeigte dann, welchen Einfluß die katholisch' Kirche auf Fürsten und Staat ausübt. Früh r sei diese Macht ausgeübt worden durch Kampf unb Schwort, heute erfolge sie durch das Parlament. Auch die evangelischen Kreife wüßten für politische Macht sorgen, die evangelisch? Kirche fei zur Abwehr gedrängt. Er ist der Auffassung. daß die Evangelische Volksgemeinschaft Zukunft hat nur dürfe sie nicht zu viel tbeorifieren, sie müsse mit Gott anfangen und mit Gott streiten.
Das l'hte Referat erstattete Lic. Raun in. Wanne, über die Frage: „Dürfen wir
Aber trotz all dieser Berichte ist über das Schicksal dieser Forscher nichts Bestimmtes bekannt geworden. Tragisch endete auch die russische Expedition des Baron Edward Toll, der 1900 mit feiner Pacht „Zardiza" nach dem Polarkreis aufbrach Die letzten Rachrichten von ihm trafen im Rovemb:r 1902 ein, unb eine Hilfsexpebitivn fand im Jahre 1905 auf der Denettinsel einen Brief des Polarforschers, in dem er mitteilte, daß er und seine Gesellschaft „weiter vorwärts gingen“, obwohl sie nur noch für 18 Tage Rab- rung besaßen: sie sind alle im Eis zu Grunds gegangen.
Di? amerikanische Cxped tion unter Leutnant Greely vollbrachte 1881 einen Rekord, indem sie an den Rordpol bis auf eine Entfernung von 700 Kilometer herankam. Dann aber horte man nichts mehr von der Gesellschaft, und als ein Hilf? schiff eintraf, fand es nur noch Greely mit sechs Mann lebend, während die übrigen acht ha Teilnehmer tot waren Don besonderem Unglüd war Kapitän George de Long verfolgt, der 1881 mit der „Jeannette" von San- Francisco abfcgelte. In einem furchtbaren Sturm zerbrach das Schiff in zwei Teile und fant Di? durch Entbehrungen bereits erschöpfte Mannschaft lärnpfte im offenen Meer zwischen Eisschollen und rettete sich schließlich in drei Booten. Eins von diesen gelangte nach vielen Gefahren in ein sibirisches Dorf am Lena-Fluß.
Der Südpol hat weniger Opfer gefordert als der Rordvol: aber twch in aller Gedächtnis ist die Tragödie, der Kapitän Scott und vier seiner Kameraden 1912 zum Opfer fielen. Scott erreichte den Südpol am 18 Januar dieses Jahres, wenige Tage nachdem Kapitän Roald A m u n d s e n vor ihm bingelangt war. Auf der Rückkehr zu ihrer Basis wurden sie von einem furchtbaren Schneesturm überfallen mtb gingen zugrunde. Diese kurzen Roten und unsere toten Körper müssen die Geschichte erzählen“, schrieb Stott in seinen letzten Tagebuch-Aufzeichnungen.


